Ausgabe 
6.6.1929
 
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Donnerstag, 6. Juni 1929

179. Jahrgang

Nr. 130 Erster Blatt

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Instrument gewesen, trotz mancher Schwächen. Diese Schwächen ließen die glänzenden Seiten weniger scharf in Erinnerung bleiben. Aber manche dieser guten Seiten der alten Armee sei

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

wehr erreicht. Die Offiziere mühten heute auf höherem wissenschaftlichen Standpunkt stehen

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Paris, 5. Juni. (MTV.) havas berichtet, dah der Redaktionsausschuh der Reparationskonferenz Tag und Rächt eifrig damit beschäftigt sei, den 23 e - richt, der den Regierungen zugehen wird, abzu- schlieheu. Die Sonderausschüsse, von denen sich einer mit der Regelung der Sachlieferun­gen, der andere mit der Organisation der Inter­nationalen Bank beschäftigt, haben heute vormittag die Ausarbeitung der entsprechenden Texte, die nach Billigung durch den Redaktionsaus- schuh in den allgemeinen Bericht ausgenommen wer­den sollen, beendet. DieChicago Tribüne" berichtet: Der französische und englische Text des Berichtes der Sachverständigen wird wohl kaum vorFrei- tag nachmittag vollständig vorliegen. 2Ran be­schäftige sich zur Zeit auch mit der Frage, in wel­cher Reihenfolge die Unterzeichnung vor sich gehen solle. 2Nan nimmt an, dah nicht Owen D. Poung als Vorsitzender, wie man erwarten könnte, als erster unterzeichnet, dah vielmehr die Reihen­folge der Länder nach dem französischen Alphabet mahgebend sein würde und dah also die Delegierten Deutschlands zuerst unterzeichnen würden. Weiter erörtert man die Frage der Veröffentlichung des Berichtes. 2Hon sucht darüber Klarheit zu schaf­fen, ob eine Abschrift des Berichtes der Repara- tionskommission, den Botschaften und Gesandtschaf­ten der kleinen Gläubigermächte übermittelt werden soll, die an der Frage der Verteilung interessiert sind. Allgemein wird angenommen, dah der Bericht noch am Abend des Tages der Unterzeichnung der Presse übergeben werde.

Die Einigung mit Belgien.

(sofortige Aufnahme rein finanzieller Verhandlungen.

Paris, 5. Juni. (WTB.) Die Frage der belgischen Markbanknoten ist gestern endgül­tig geregelt worden, und zwar auf der Grundlage der Vorschläge, die Reichsbankpräsi­dent Dr. Schacht am 3. Juni in dem bereits veröffentlichten Brief an den Vorsitzenden der Reparationssachverständigcnkonferenz, Owen V o u n g gemacht hat. Die deutsche Delegation hat gestern im Ramen der Reichsregierung die Erklärung abgegeben, dah der Bevollmächtigte für diese Angelegenheit, Ministerialdirektor Dr. Ritter, bereit ist, die Verhandlungen mit einem beglaubigten Vertreter der belgischen Re­gierung aufzunehmen und dah diese Ver­handlungen entweder in Paris oder Brüssel stattfinden sollen. Es handelt sich um rein fin anzielle Verhandlungen, in deren Verlauf territoriale Fragen nicht auf­geworfen werden können. Ferner ist bestimmt worden, daß. die deutsch-belgischen Verhandlun­gen vor der Inkraftsetzung des TZoungplanes zum Abschluß gebracht werden sollen und dah die Regelung auch dahin­gehen könne, die Entschädigungszahlungen in Annuitäten in Anlehnung an das Zah- lungsschcma des TZoungplanes festzusehen. Durch diese gestern nachmittag erfolgte Einigung ist das letzte Hindernis aus dem Wege geräumt, so dah der Unterzeichnung des Berichtes der Sachverständigen nunmehr nichts mehr im Wege steht.

In diesem Zusammenhang muh hervorge­hoben werden, daß in keinem Stadium der deutsch-belgischen Verhandlungen über die Ent­schädigung für die belgischen Markgelder von deutscher Seite die Fragevon Eupen

Neberhaße Maklionsarbeii in Paris

Oie Fertigstellung des Schlußberichts wird am Freitag erwartet.

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Berlin, 5. Juni. (Priv.-Tel.) DerB o r - wärts" schreibt u. a.: Zum 28. Juni, dem zehnten Jahrestag des Anterzeich- nungsaktes von Versailles werden Kundgebungen geplant, die angeblich »über­parteilichen Charakter" tragen sollen. Die ver­schiedensten Körperschaften hat man bereits für diesen Plan zu interessieren versucht. So hat u. a. auch der Deutsche Städtetag an seine Mit­gliedsstädte die Anregung Weiteraegeben,Kund­gebungen gegen die Kriegsschuldbehauptung" zu veranstalten oder zu fördern. Tlm alle Miß­verständnisse auszuschliehen, sei festgestellt, dah die Sozialdemokratische Partei die­sen Plänen fernsteht und sich an chrer Ausfüh­rung nicht beteiligen wird. Die S. P. D. denkt nicht daran, sich an Kundgebungen zu beteiligen, die nach der Absicht mancher ihrer Teilnehmer der Auspeitschung nationalisti­scher Leidenschaften dienen sollen.

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untin. W tott die Stim- .inemlich re Auslandvrd^ 1 Interesse brkun- Prozent höher b°ch. Die bevor. Youngschen Planes er belgischen gen hei t wirkten toeiterc Ent- t tourte mit A- Wirkte der feste ovrse vorkilhoft. >es Mfonb'M btud. Doch machte Verkehrs wieder - vmb die Tendenz uch nahm die Su« r durch das weitere verursacht wurden, dr Material sand lnterkunft, so dah idbörse nur ganz «chläge eintraten. .«Farben leicht gr« rloren Chadraktien it und A.E.V. 1,75 >agegen für Jerg- die je 1,5 Prozent Markt nahmen die naß an. Mannes- d Mansseldrr 1,75 ?n leicht anziehend, ter tzandeksgesell' t bis zu 2 Prozent st und Reichsbanl >z. gebessert. Etwas on internationalen is 4 M, Deutsche verte, die bis zu kiwerte lagen trotz Angebot und gc- len eine Äkiniy ninus 3.5 ilta. doch weiter nahm die Kulisse 3 sich erneut Aua« iben. 2lm Dcldmartl zent weiter lc'chicr. t: Mark gegen D-l' 335, London-Kam .gen Mailand 92,68,

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Das Wirischastsprogramm der Neichsregierung.

Euriius über die dringendsten Aufgaben.Reform der Arbeiislosenversicherung. Zollpolitik und Landwirtschaft

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Erscheint tag li^, außer Sonntags und Feterlags.

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als früher nach den so stark gestiegenen Anforde­rungen nach dem Weltkriege. In einer gewissen Zukunft werde man vielleicht von einigen Spezialisten abgesehen nur noch den Offizier haben, nicht mehr den Infanterie- oder Ka­vallerie- oder Artlllerieoffizier. Die Möglichkeit des Aufstieges solle hochbegabten Mannschaf­ten gewährt werden, und zwar durch beson­dere Kurse in Berlin, die das Abiturium ersetzen.

Das Wort Tradition wird verschieden aufge- faßt. Meine Auffassung ist, daß sie nicht aus Aeußerlichkeiten besteht. Berechtigt ist allein der g e i st i g e Inhalt einer Tradition, die jahrhun­dertelang bestanden hat und nicht zum Absterben verurteilt ist. Wer wollte behaupten, daß die Per­sönlichkeitsbildung, die Liebe zu Idealen, die Ka- meradschaft nichts bedeute. Für die Armee bedeuten sie außerordentlich viel, ja alles. Der Leidensweg,

und MalmedH angeschnillen wurde, sondern dah die belgischen Unterhändler und unter ihnen Herr Francqui selb st ein terri­toriales Derhandlungsangebot mach­ten, um zu einer Regelung der Markfrage zu gelangen.

Oie Verteilung der Houng-Annuiiäien.

Paris, 6. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der Petit Parisien" wlll berichten können, dah die Verteilung der Durchschnitts-Annuität des Voung-Planes von 1988,8 Millionen Reichsmark unter die Gläubiger st aaten in dem Be­richt der Sachverständigen festgesetzt wird für Frankreich auf 1039, Großbritannien 418, Italien 211, Belgien 115, Ver­einigte Staaten 66, Japan 13 Millionen Mark. Der Rest werde zu verschiedenen Pro­zentsätzen auf Südslawien, Rumänien, Griechen­land, Polen und Portugal verteilt.

Oie Rheinlandräumung.

Briand wird in Madrid denBer- söhnungsausschuß" in Erinnerung bringen.

London, 6. Juni. (WTB.-Funkspruch.) Wie Pertinax demDailv Telegraph" aus Paris meldet, hat Briand dem Ministerrat in sei­ner letzten Sitzung erklärt, dah in Madrid äußerste Zurückhaltung gewahrt wer­den sollte. Es ist indessen selbstverständlich, dah Briand mit Dr. Stresemann über die neue Lage, die durch eine einstimmige Annahme des Sachverständigenberichtes entstehen wird, einen Meinungsaustausch haben und daß er die Rotwendigkeit betonen wird, dem sogen. Versöhnungsausschuh für die ent­militarisierte Rheinlandzone Gestalt zu geben. Der Korrespondent berichtet weiter, dah Briand auch die französische Auffassung über die strittige Frage einer Beibehaltung des Ausschusses über 1 9 3 5 hinaus, die in einer Denkschrift niedergelegt worden ist, zum Ausdruck bringen wird, er will wissen, daß eine Denkschrift derselben Art vom Foreign Office in London vorbereitet worden ist. Es gilt, so schließt Pertinax, als wahrscheinlich, daß eine Konferenz veranstaltet werden wird, ähnlich der im August 1925 in London obgehaltenen, in der damals die Räumungsfrage erörtert wor­den war.

Oie Sozialdemokratie schließt sich aus.

Berlin, 5. Juni. (DDZ.) Der Deutsche Reichstag seht die zweite Beratung des Haus- Halts des Reichswirtschaftsministeriums fort.

Abg. Koenen (Komm.) meint, die gestrige Vorlesung des Reichswirtschaftsministers habe ge­zeigt, daß sich die Regierung ganz im Banne der großen Konzerne und Kartelle fühlt. Diese Konzerne seien die Feinde des Mittelstandes und der Proletarier. Allein der J.-G.-Farben-Konzern habe im letzten Geschäfts­jahr einen Reingewinn von über 300 Millionen Mark erzielt. Dem gewerblichen Mittelstand und dem Kleinhandel sei durch das Diktat der Kon­zerne jede Bewegungsfreiheit genommen.

Abg. B e h t h i e n (D. Vp.) erklärt, die aus der Pariser Konferenz etwa zu erwartende Lastenerleichterung müsse nicht zuletzt dem Mittel st and zugutekommen. Die steuerliche Bevorzugung der öffentlichen Betriebe sei unerträglich. Mit großer Sorge sehe der Mittelstand auch der Ausbreitung der internatio­nal finanzierten Warenhäuser entgegen.

Abg. Drewitz (Wirtsch.-P.) führt aus, der Mittelstand stehe den Ankündigungen der Re­gierung recht skeptisch gegenüber nach den Erfahrungen, die er mit früheren Versprechungen gemacht habe. Die so oft angekündigte Sen­kung der Real steuern ist noch immer nicht gekommen. Wenn das Ergebnis der Pa­riser Verhandlungen uns Zahlungserleichterun­gen verschafft, dann müssen diese in erster Linie zur Senkung der die Wirtschaft belastenden Steuern benutzt werden. Wir sind keine Gegner der Arbeitslosenunterstützung, aber wir wollen dem Mißbrauch dieser sozialen Einrichtung ein Ende machen.

Abg. Meyer (Dem.) erklärt, trotz der Welt­wirtschaftskonferenz sehen wir in allen Ländern ein Wachsen der Schutzzölle und des Protektio­nismus, ganz besonders leider in den Vereinigten Staaten. Es wird ernstlich zu prüfen sein, ob wir noch Meistbegünstigungsvcrträge mit solchen Staa­ten abschliehen sotten, die einen Doppeltarif haben. Wir haben aber nicht nötig, dem hochschuhzöttne- rischen Beispiel anderer Staaten zu folgen. Wer gegen Lohnerhöhungen die Gefahr der Preis­treiberei ins Treffen führt, darf nicht Zoll- erhöhungen fordern, die erst recht diese Wir­kung haben. Wir verlangen eine grundsätzliche Zolltarifresorm. Ein Kartellregister muh endlich eingerichtet werden. Die Kartell­politik ist zu einer wirklichen M o n o Polkon­trolle auszubauen. Wir wollen nicht die Ar­beitslosenversicherung verschlechtern, aber die tat­sächlich vorhandenen Mißstände abstellen. Mit einem Reichsgeseh sollten der gewerblichen Betätigung der öffentlichen Hand feste Grenzen gezogen werden im Interesse des Mittel­standes.

Reichswirtschaftsminister Or. Curtius erklärt: Ich habe der Wirtschaft gedient mit der Vorbereitung der Pariser Konferenz zur Revi­sion des Dawes-Abkommens. Ich werde ihr weiter dienen, wenn ich mein Votum zu dem Pariser Gutachten abzugeben habe, vor allem bei der Rotwendigkeit der Durchführung eines eventuellen neuen Planes. Der Abgeordnete Wels hat auf dem Magdeburger Parteitag der Sozial­demokratie ausgesührt, daß die bürgerlichen Par­teien einen Erfolg dieser Regierung gar nicht wünschten, weil die Regierung von der Sozial­demokratie geführt wird. Ich protestiere für mich und meine Freunde aufs entschiedenste gegen eine derartige Auffassung.

Ich glaube auch für die sozialdemokratischen Mitglieder des Kabinetts feststellen zu sotten: Wir haben bis heute ohne irgendwelche Parteiprestigepolitik nur versucht, eine positive Wirtschaftspolitik zu treiben. Wir ha­ben deshalb im vorigen Jahre ein Reformpro- gramm vorgelegt und werden nach dem Bericht der Pariser Konferenz ein neues vorzulegen ha­ben Die vier entscheidenden Fragen sind für uns: 1. Revision des Dawes-Planes und Räu­mung unserer Westgebiete, 2. Reichsreform, 3. durchgreifende Agrarreform, und schließlich 4. Er­leichterung der Wirtschaft auf allen Gebieten. Wir sind gemeinschaftlich ein gutes Stück vor- wärtsgekommen und ich sehe keinen Grund, daß die Verantwortungsgemeinschaft nicht fortgeführt werden kann. Die Arbeitslosenversicherung ist ein großer sozialer und wirtschaftlicher Fortschritt; aber es besteht kein Zweifel, daß wir die finanziellen Lei st ungen überspannt haben und daß schwere Schäden der Ar­beitsmoral eingetreten sind. (Sehr wahr! rechts. Hört, hört! links.) Wir müssen eine grundlegende Reform der Arbeitslosen­versicherung durchführen, und es kann dabei auch nicht der bisher gesteckte Kreis der Versiche­rungspflichtigen unangetastet bleiben. (Hört, hört! links.) Roch weniger können wir diese Reform mit Beitragserhöhungen durchführen.

Die zweite Frage ist die Z o l l f r a g e. Es ist richtig, dah die Schutzzollpolitik beginnt, sich zu überschlagen. Wir dürfen nicht etwa die Er­höhung der Selbstkosten durch Zollerhöhungen ausgleichen wollen, das Beispiel Australiens sollte schrecken. Wenn andere Staaten die Tor­heit begehen, die Schutzzollmauern immer weiter zu erhöhen, so brauchen wir nicht die gleiche Tor­heit zu begehen. (Unruhe rechts!) Man muh die Selbstkosten herabdrücken auf dem Gebiet der

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vriihl'sche UniversitSK-vuch. und Steindruckerei «. Lange in Sichen. Schristleitun, und Geschäftsstelle: Schulftr-che r.

Zinsen und Steuern. Die Krise der Land­wirtschaft kann unmöglich mit grundsätzlicher Verneinung jeder Zollerhöhung gelöst werden. Ich lehne aber die Herausnahme der Landwirt­schaft aus den Handelsverträgen ab.

Abg. Graf zu Reventlow (Rat.-Soz.) be­zeichnet eine wirtschaftspolitische Debatte als zwecklos vor dem Vorliegen des Berichtes der Pariser Konferenz. Eine Gesundung der deut­schen Wirtschaft sei unmöglich, solange Deutsch­land das Ausbeutungsobjekt des internationalen Finanzkapitals sei. Die Wirtschaftspolitik der Republik verfolge das Ziel, die bodenständigen deutschen Dolksbestandteile, vor allem die Bauern, zu ruinieren. Der in den Dauern angesammelte Hah gegen den Tlsurpator Staat werde einmal diesem neuen Staat ein Ende machen. Ratürlich mit legalen Mitteln. (Heiterkeit.)

Abg. v. Sybel (Cyr.-Rat.-Bp.) erklärtster Wirtschaftsminister trage durch seine Zollfeind­lichkeit selbst ein gerütteltes Maß von Schuld an der heutigen Katastrophe der Landwirtschaft. Der Redner fordert eine Erklärung des Mini­sters, ob er bereit sei, den schwedischen und fran­zösischen Handelsvertrag zu kündigen, um die Hemmungen für eine Erhöhung der Agrarzölle zu beseitigen. Die Verbraucherinteressen seien so eng mit der Rentabilität der Landwirtschaft ver­

bunden, daß der Verbraucher vorübergehend auch etwas mehr für Lebensmittel zahlen könne. Hoher Schutzzoll sei eine Quelle des nationalen Wohl­standes.

Abg. Dr. Best (Volksrechtpartei) erinnert an die schweren Schäden, die gerade der Mittel­stand durch die Inflation erlitten habe und be­zeichnet es als grobes Tlnrecht, dah das Gesetz die Entschädigungsansprüche der Jnflationsver- käufer ablehne. Weiterberatung Donnerstag. Oer Vorwärts gegen Curtius

Sozialdemokratie und Arbeitslosen- Versicherung.

Berlin, 6. Juni. (Priv.-Tel.) Die Reichs­tagsrede des Reichswirtschaftsministers Dr. Cur- tius hat bei den Sozialdemokraten eine scharfe Ver st immun g, besonders seine Bemerkungen über die Reform der Arbeitslosenver­sicherung, ausgelöst, der derVorwärts" in längeren Ausführungen Ausdruck verleiht. Das sozialdemokratische Organ schreibt u. a.: Es ist durchaus ungewöhnlich, dah ein Minister in einer Frage, die im Kabinett noch nicht entschieden ist, im Reichstag seine Parteistellung vertritt und der Kabinettsentscheidung damit vor­

greift. Die Regierungsparteien wollen erst heute mit einer interfraktionellen Erörterung die­ser Probleme beginnen. Die Sozialdemokratie wird dabei keinen Zweifel daran lassen, dah sie nicht bereit ist, den Abbau der Erwerbs­losensversicherung mitzumachen oder zu dulden. Wenn die bürgerlichen Parteien die von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften zuge­standene Dertragserhöhung ablehnen und damit verhindern, dah die Erwerbslosenversiche­rung rechtzeitig die Mittel einsammelt, die zur Aufrechterhaltung chrer Leistungen erforderlich sind, so wird ihnen nur zweierlei übrig bleiben: Entweder die nach Beseitigung der Mihstände zur Aufrechterhaltung der Leistungen der Er- werbslo,enversicherung notwendigen Ausgaben, soweit sie nicht durch die laufenden Beiträge gedeckt werden können, aus allgemeinen Reichsmitteln zu bezahlen oder im schärf­sten Kampf gegen die Sozialdemokratie einen Abbau der Leistungen zu erzwingen. Die Rede des Reichswirtschaftsministers hat in der Sozialdemokratischen Fraktion starkes Be­fremden hervorgerufen und ihr Vorsitzender, Dr. Breit scheid, hat Dr. Curtius sofort von dieser Wirkung unterrichtet.

Oie Landwirtschastshilfe.

Die Sachverständigen beginnen ihre Arbeit.

Berlin, 5. Juni. (Priv.-Tel.) Bereits Don­nerstag tritt der Sachverständigenaus- schuh, der bekanntlich aus vier Sozialdemokra­ten, vier Angehörigen der bäuerlichen Einheits­front und einigen weiteren Persönlichkeiten zu­sammengesetzt ist, zu seiner ersten Sitzung zusam­men. Man rechnet damit, dah er seine Arbeiten binnen 14 Tagen erledigen kann, so dah der Reichstag noch vor den Sommerferien über die Getreidefrage nur um diese handelt es sich bei den Arteiten des Sachverständigenaus­schusses entscheiden kann. Die übrigen zollpoli­tischen Anträge der bäuerlichen Einheitsfront sol­len bei ter dritten Lesung des Haushalts gleich­falls mit zur Abstimmung kommen. In sozial­demokratischen Kreisen wird jetzt mehr die Auf­fassung vertreten, daß man in der Zoll­frage der Landwirtschaft ein gewisses Ent­gegenkommen beweisen müsse. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß man dort den Versuch machen wird, ein Tauschhandelsgeschäft im Hinblick auf die Arbeitslosenversi­cherung anzubahnen. Mit den vom Reichs­ernährungsminister Dietrich vorbereiteten Ge­setzentwürfen, die die Tlmschuldungs- und A b s a tz f r a ge betreffen, wird sich ter Reichs­tag erst in ter Wintertagung beschäftigen können. Das Schicksal ter zollpolitischen Vorlagen muh bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge noch als völlig ungewiß bezeichnet werden.

Deutsche Wehrpolitik.

Der Reichswehrminister Groener spricht im Haushaltsausschuß.

Berlin, 5. Juni. (D.D.Z.) Im Haushalts­ausschuh des Reichstags erklärte zum Heeresetat Reichswehrminister Groener u. a., in ter letzten Zeit seien in der Presse viele Wehr­programme erschienen. Er habe sich darüber ge­freut, weil er sie als Ausdruck des Wil­lens zur Wehrfähigkeit des Dolles be­trachte. Heber die Wege könne man sich verstän­digen. Die Reichswehr müsse ein absolut überparteiliches Instrument des Staates bleiben, ein Diener unserer Republik. Das hindere nicht eine objektive, allgemeine p o - litii'che Aufklärung. Deshalb lasse er, der Minister, über politische Fragen von Zeit zu Zeit Vorträge für Offiziere halten. Diese Vorträge seien zu Tlnrecht kritisiert worden; die Zeitungs­berichte darüber seien schief. Die Politik, die geübt werde, gehe auf volle Verständigung mit der ganzen Bevölkerung. Wer das Aufziehen der Wache beobachte, bemerke das Fluidum des Ver­trauens zwischen Reichswehr und Bevölkerung.

Die alte Armee sei ein großartiges Kriegs-

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K-me Teilnahme an den Kundgebungen^ twi-d--inö" L-Ich 's

gegen die Versailler Kriegsfchuldluge. i - - "