VaS neue Institut erstehen zu Taffen. Durch eine Arbeitsgemeinschaft: zwischen Universität, Stadt unD Ortskrankenkasse sei eS jedoch gelungen, aller Schwierigkeiten Herr zu werden. Nach einigen weiteren Ansprachen von Vertretern der ilni- versität. der Ortskrankenkasse und der Wissenschaft erfolgte eine Führung durch das neue Institut. GS dient hauptsächlich der Erforschung der Nöntgendiagnose. Wan hat die Abteilungen für Röntgendiagnostik aus den einzelnen Kliniken des Krankenhauses herausgcnommen und in dem neuen Institut zentral zusammengefaht. Die Röntgentherapie wird weiter in den einzelnen Kliniken betrieben, jedoch ist in dem Institut auch eine sehr beachtenswerte Apparatur für Tiefentherapic vorhanden. Bei der großen Bedeutung. die die noch junge Wissenschaft der Strahlentherapie und -Diagnose bereits erlangt hat. ist es sehr zu begrrüßen, daß durch das i enge Zusammenarbeiten der in Frage kommen- I
den Stellen ein solches Institut errichtek werben konnte.
Sranffurfer Kinofusionierungen.
WER. Frankfurt. 4. Mai. Die F u s i o - nicrungsbestrebungen im Frankfurter Kinogewerbe sind soweit gediehen, daß mit einem Abschluß der Verhandlungen in aller Kürze zu rechnen ist. Die Sache ist ungefähr so gedacht, daß die vier Theater der „Dell" (Vie- berbau, Drexel. Elite und Titania) mit drei großen Theatern, genannt werden Alemannia. Kapitol und Gloria-Palast, eine ziemlich enge Interessengemeinschaft einzugehen gedenken. In aller Kürze wird Frankfurt ein weiteres G r o ß r i n o erhalten. Ein Projekt eines Groß- kinos mit 750 Sitzplätzen in der Großen Friedbergerstraße ist jetzt genehmigt worden: mit dem Bau soll alsbald begonnen werden.
Turnen, Sport und Spiel.
Süddeutsche Fußballmeisterschaft
Die Meisterschaftskämpfe im süddeutschen Fußball« verbände verliefen am gestrigen letzten Spielsonntag im allgemeinen äußerst torreich. Trotzdem gab es meistens nur ganz knappe Ergebnisse, zwischendurch allerdings auch Torunterschiede, die fast auf Klassenunterschied Hinweisen. Jede der drei Gruppen batte ein solches Treffen mit hoher Tordifferenz aufzuweisen. In der
Runde der Meister
war cs der 1. F. E. N ü r n b e r g, der die ursprünglich sehr hoch gehaltene Germania Brötzingen mit 6:0 Toren überlegen abfertigte. Dio alte Routine siegte also klar und deutlich über die Schwächen des Neulings. Eintracht Frankfurt erwies sich auch diesmal besser als der K. F. D. Karlsruhe, doch konnte sie ihre technischeUeber- legenheit nicht so klar zum Ausdruck bringen, wie acht Tage zuvor, und gewann diesmal nur mit 3:2 Toren.
Die Aussichten der Münchener Bayern erlitten durch ihre knappe und unglückliche Niederlage von 4:5 Toren gegen den V. f. L. Ne cka r a n einen argen Schlag. Die Münchener stehen nur noch einen Punkt vor den Neckarauern, haben aber ein Spiel mehr ausgetragen.
Sehr hart ging es zwischen W o r m a t i a Worms und Borussia Neunkirchen zu. Wormatia gewann zu Recht mit 2:1 Toren als bessere, aber nicht immer glückliche Mannschaft.
Runde der Zweiten und Dritten.
In der
Gruppe Nord
holte sich der F.Sp.V. Frankfurt durch einen überlegenen Sieg von 4:0 Toren über den sehr schwachen V. f. L. Neu-Isenburg die Tabellenspitze wieder zurück, die vorübergehend an den S. D. Waldhof-Mannheim verlorengegangen war.
S. V. W a l d h o f konnte nämlich in Saarbrücken nur ein 4:4 gegen den in guter Form befindlichen S.E. Saar 05 erzielen.
Auch das dritte Treffen der Gruppe Nord endete unentschieden und zuletzt trennten sich der F. Sp. V. 0 5 Mainz und der V. f. R. Mannheim beim Stande von 3:3 Toren.
' Auch in der
Gruppe Süd
siegte die Spitzenmannschaft sehr hoch. Die Sp. Bg. Fürth kehrte nämlich aus Karlsruhe mit einem glatten 6:2-Sieg über Phönix zurück.
Die Stuttgarter Kickers mußten verspüren, daß die Augsburger Schwaben nicht als Zufallsmannschaft den zweiten Tabellenplatz einnehmen. Die Augsburger holten sich auf fremdem Platze einen äußerst lobenswerten Sieg mit 3:1 Toren.
Die Begegnung des A. S. Nürnberg mit dem F.C. Freiburg war von Anfang an keine allzu rosige Sache für die Nürnberger Mannschaft, die dann auch mit 2:4 Toren Sieg und Punkt an den badischen Gegner abtreten mußte.
In der Gruppe Süd haben somit sämtliche Platzvereine ihre Spiele verloren. In der Reihenfolge der Tabelle hat sich jedoch nichts geändert.
Zußbatt-Lcinderkampf Oesterreich - Ungarn 2:2 (1:1).
Vor mehr als 50 000 Zuschauern standen sich am gestrigen Sonntag auf dem Sportplatz Hohe Warte in Wien Oesterreich und Ungarn im Fußball-Länderkampf gegenüber. Rach dem großen Sieg über Italien wurde in Wien allgemein ein überlegener Sieg der heimischen Mannschaft erwartet. Die Ungarn spielten jedoch sofort nach Beginn eine kleine Ueberlegenheit heraus und erzielten nach der 14. Minute das Führungstor. Erst in der 26. Minute konnte Oesterreich den Ausgleich erzwingen. Die zweite Hälfte verlief ausgeglichen. Trotzdem Oesterreich 14 Minuten vor Spielende seinen rechten Läufer toegrit einer Verletzung verlor und bis zum Schluß mit nur zehn Mann durchhalten mutzte, gelang es Wesselik, wenige Minuten vor dem Abpfiff Abermals mit 2:1 in Führung zu gehen. Die Hoffnung auf einen Sieg der Einheimischen war jedoch verfrüht, da zwei Minuten vor Schluß das Ausgleichstor erzielt wurde. Das unentschiedene Ergebnis ist durchaus gerecht. Der Kampf wurde von beiden Seiten fair durchgeführt, so daß der italienische Schiedsrichter vor keiner schweren Aufgabe stand.
Leichtathletik.
Neuer deutscher Rekord im IvOOMeler-Laufen für Damen.
Bei einer leichtathletischen Veranstaltung am Sonntag in Nürnoerg stellte die Olympia- tämpferin Dollinger (Nürnberg) im 1000-Meter- Vorgabelaufen mit 3,09 Min. einen neuen deutschen Rekord auf.
Siraßenfernfahri^^undumZrankfuri"
Pflug (Köln) siegt in 8:47.15.
Am gestrigen Sonntag wurde die traditionelle Radfernfahrt „Rund um Frankfurt" über 244 Kilometer ausgefahren. Heber 100 Fahrer stellten sich dem Starter. Das Wetter war der Veranstaltung hold und die Strecke in bester Verfassung. Die wenigen Stürze verliefen glimpflich. In sämtlichen Klassen wurde die Entscheidung erst im Spurt erzwungen. Ergebnisse: Klasse A.: 1. Pf lug (Köln) 8:47,15; 2. Lauffenburger (Ottenheim) 8:47.18: 3. Mandelart (Köln) 9:01,16. Klasse B: 1. Ruppel (Frankfurt) 9:29,35. Klasse D.: 1. Grvnig (Breslau) 4:14,30.
Roman einer Rächt
Don paul Rosenhayn.
21 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der Staatsrat folgte, in feiner versunkenen und anteillosen Art. ihrem Blick. Mit feiner nuancenlosen Stimme sagte er:
„Sei mir nicht böse. Aber ich mutz mit den Herren dort drüben ein Glas Bordeaux trinken."
„Geh nur," sagte sie lässig. Sie blickte ihm nach: seine gedrungene Gestalt verschwand hinter der großen Säule. Von der anderen Seite schlenderten die beiden Ankömmlinge auf sie zu.
„Run?"
Der Dröhere von den beiden warf einen kurzen, forschenden Blick in die Runde und sagte leise:
„Marfa ist gerettet."
„Wo ist sie?"
„Beim Heizer des Iustizpalastes. Er hat zwanzigtausend Kronen bekommen."
„Warum habt ihr sie nicht mitgebracht?"
„Weil alle Ausgänge beseht waren. Die Wasser müssen sich erst ein bißchen verlaufen."
„ilnD ihre Schwester?"
„Vera ist an ihrer Stelle in Haft."
„Adas wird man mit ihr tun?"
„Richt viel," sagte der Größere ungeduldig. „Man kann ihr nicht einmal eine Absicht Nachweisen."
„Ist sie sehr niedergeschlagen?"
„Rein. Sie lachte, als man sie absührte."
„Wie habt ihr das alles fertiggebracht?"
„Der Heizer hat dafür gesorgt, daß im entscheidenden Augenblick die Beleuchtung versagt hat."
Marcelle drückte den beiden die Hand.
„Eins wundert mich," sagte der Kleinere. „Ich sagte ausdrücklich: im entscheidenden Augenblick."
„Run? Und?"
„... daß du nicht fragst, wie dieser ent- scheideirde Augenblick ausgeschaut hat."
Marcelle lachte. „Da ich nicht im Gerichtssaal war, kann ich unmöglich wissen, wie die Verhöre verlaufen sind."
„Hm. Mit den Verhören hat das nichts zu tun. Die Tür ging plötzlich auf und... und... weißt du, wer hereintrat?"
„Run?" fragte Marcelle unruhig.
„Der Herr Staatsrat Kreutz."
„Mein Mann?"
Betroffen sah Marcelle hinüber; dort drüben stierte Ole Kreutz weinselig in das Licht des Kronleuchters.
„Dein Manu. Und weißt du, was er brachte? Das Bild Fedor Sokolosss. Cr muh es hier in diesem Saal aufgenommen haben."
Marcelle, ungläubig, erstaunt und fassungslos, sah von einem zum andern.
„ Fedor Sokoloffs Bild..." sie faßte ins Handtäschchen. „War es dieses?"
Der Größere zog das Positiv und legte es auf die Zelluloidplatte. „Rach diesem Regativ. Woher hast du es?"
„Es lag vor der Tür von Oles Schlafzimmer. Ich vermute, daß Peter mit irgendeiner Trickaufnahme die Photographie zustande gebracht hat. Weiß Sokoloff schon darum?"
„Selbstverständlich. Er schickte sich eben an, zu gehen."
„Wirklich?" wiederholte Marcelle spöttisch. „Er schickt sich an zu gehen?"
„Das ist das einzige, was er tun kann."
Marcelle winkte den Diener heran, der an ihnen vorbeistrich.
„Sagen wie meinem Mann, ich wünschte ihn auf der Stelle zu sprechen.
*
Die beiden traten in das Türkische Zimmer. Es war leer. Der alte Professor Shlvander schien seine bibliographischen Studien beendet zu haben.
„Höre, Ole," sagte Marcelle. „Ich mutz etwas Ernstes mit dir sprechen."
Sie sah ihm ins Gesicht; und sie sah in diesem Augenblick, daß alles an ihm, seine weinseligen Augen, die nachlässige Haltung seiner Gestalt, der Dümmlingsausdruck in seinem Gesicht, Maske gewesen war. Sie sah. wie cr, sozusagen unter ihren Augen, ein anderer wurde — nun, da cr wußte, daß sie wußte.
Sie stand immer noch, ohne rechtes Begreifen, vor ihm. Leise sagte sie:
„Ole..."
Er nickte. „Was gibt es? Ich habe dringend zu tun."
„Du weißt alles, Ole."
„Ja," sagte er. „Ich weih alles. Ich weiß, daß du einer Verbindung angehörst. die ich bekämpfe. Und ich weih, daß du die Geliebte Fedor Sokoloffs bist. Fedor Sokoloffs, den die politische Polizei von ganz Europa sucht."
„Was willst du tun, Ole?"
„Er will dieses Haus verlassen. Ich werde Dafür sorgen, daß er es nicht tut."
Sie nahm feine Hand. „Du irrst in manchen Punkten. Unterbrich mich nicht. In manchen Punkten, sage ich. Aber in einigen bist Du im Recht. Ich bin nicht Die Geliebte FeDor Sokoloffs. Aber ich war es"
„Und Du bist im Begriff, es von neuem zu werden."
„Rein, Ole." sagte sie aufatmend.
„Jedenfalls: ich weiß, daß du dich von neuem in ihn verliebt hast. Daß du ihm sogar an- geboten hast, mit ihm zu fliehen."
„Woher, um Gottes willen, weiht du das?" Er blickte zur Tür und antwortete nicht.
„Und jetzt, da Du Deinen Geliebten in Gefahr weißt, möchtest du ihn retten. Ist es nicht so?"
Neuer Weltrekord Arne Borgs.
Der schwedische Olympiasieger und Rekordschwimmer Arne Bora startete am Freitag auf seiner Weltreise in Los Angeles. Den vielen neu ausgestellten Weltrekorden auf dieser Reise konnte Borg einen weiteren hinzufügen. Er verbesserte im 1000- Pards-Freistilschwirnmen seinen eigenen Rekord von 12:16,8 ganz beträchtlich auf 11:47 Minuten.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
—Klein-Linden, 5. Mai. Tie hiesige Baugenossenschaft hielt im Tumerheim unter Leitung des 1. Vorsitzenden Aug. Luh ihre diesjährige Generalversammlung ab. Rach Dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden hat die Genossenschaft im abgelaufenen Jahre vier Wohnungen sertiggestellt und in der Frankfurter Straße ein Zweifamilienhaus errichtet. Die Rechnungsablage erstattete der Kassierer Weigel. Die Bilanz für 1928 betrug in Aktiva und Passiva 127 397,39 Mk.; Die Gewinn- und Verlustrechnung belief sich auf 9 702,67 Mk. Dem Rechner tourDc Entlastung erteilt. Die sahungs- mäßig ai'Lscheidenden DorstanDsmitglieder Aug. L u h und Friedr. Weller, sowie L. Vieh- mann und K. Glaum vom Aufsichtsrat wurden wiedergewählt. Der Baugenossenschaft gehören 106 Mitglieder an.
I Mainzlar, 5. Mai. Dieser Tage hielt der hiesige Spar- und Darlehenskassen- Verein (Raiffeisen) seine diesjährige Generalversammlung bei Gastwirt Müller ab. Der Geschäftsgang im Jahre 1928 konnte als gut bezeichnet werden. Rach Der vorgelegten Bilanz betrug der Umsatz rund 90 370 Mk., der nach allen Abschreibungen noch verbleibende Reingewinn von 81 Mk. wurde dem Reservefonds zu- geschrieben. Dem Rechner wurde einstimmig Entlastung erteilt. Die in der Versammlung anwesenden Herren Revisor Iolk und Geschäftsführer H a a t (Gießen) referierten über die Gründung einer Einkaufsgesellschaft von Konsumartikeln. Der Vorstand wurde beauftragt, die weiteren Verhandlungen in dieser Angelegenheit zu verfolgen und dann Bericht zu erstatten. Zur weiteren Hebung des Sparverkehrs sollen jede Woche Sparmarken durch Abholung Der Spargelder verkauft werden.
)( Lich, 5. Mai. Die hiesige Ortsgruppe des Bundes für Haus und Schule veranstaltete im Stiftischen Gemeindesaal einen trotz der ungünstigen Zeit gut besuchten Vortragsabend. Bundessekretär Otto sprach über die Frage: „Wie fuhren wir unsere Kinder zu Gott?" Ausgehend von Der leiblichen, sittlichen unD religiösen Rot unserer Jugend zeigte der Redner, wie „das Haus und die Familie mit der Bibel, dem Gesangbuch und dem Katechismus" die Kinder zu Christus und damit zu Gott führen können und müssen. Gemeinsamer Gesang, begrüßende dankende Worte des Pfarrers eröffneten und schlossen den von den Zuhörern dankbar aufgenommenen Abend.
s. Utphe, 5. Mai. Die hiesige Volksschule war durch den letzten Abbau an Ostern 1926 einklassig geworden. Aber schon im vergangenen Schuljahr hatte die Klassenstärke durch Die neuaufgenommenen starken Jahrgänge wieder die gesetzliche Höchstzahl bedeutend überschritten. Infolgedessen wurde nunmehr Die zweite Schul stelle wiedererrichtet. Sie wird von dem Lehrer Bötticher versehen, der von Stockhausen (Kreis Lauterbach) hierher verseht wurde. Dieser Schritt Der Schulbehörde wird hier sehr begrüßt, da Der zweite Schulsaal und die Lehrerwohnung jahrelang unbenützt standen. — Der hauswirtschaftlichc Unterricht in der Mädchenfortbildungsschule wird in diesem Schuljahr ausgesetzt, da zu wenig Schülerinnen vorhanden sind.
(Starfenburg.
WSR. Darmstadt. 4. Mai. Der am Mittwoch bei dem Rcchnungsrat a. D. Wegener in Der Heidenreichstraße verübte WohnungS- einbruch, bei dem Den Tätern Wertgegenstände in Höhe von 10 000 Mk. in die Hände fielen, konnte durch die Kriminalpolizei bereits aufgeklärt werden. Als Täter kommt das Kansmannsehcpaar Engelbert Heim von hier in Betracht. Der Ehemann konnte in Darmstadt. die Ehefrau in Frankfurt fc ft genommen werden. Die gestohlenen Gegenstände wurden zum größten Teil im Leihhaus verseht.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
5 Groß. Rechtenbach, 5. Mai. In der Nacht aus heute acacn 4 Uhr brach in Klein-Rechten, bad) im Gehöft des Landwirts und Gartenarbeiters Friedrich Haupt in einem Stallgelräude ein Brand aus. Die sofort herbeigceilte Freiwil ligc Feuerwehr von Klein-Rechtenbach bekämpfte den Brand im Entstehen, so daß nur der obere Teil des Stalles ausbrannte. Die Pflichtfeuerwehr der hiesigen Gemeinde brauchte bei ihrem Eingreifen nicht mehr in Tätigkeit zu treten, lieber die Ent- stehungsursache ist bis jetzt noch nichts bekannt geworden.
Kreis Biedenkopf.
* Biedenkopf, 5. Mai. Dieser Tage sand hier die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung Der Kreisviehkasse Biedenkopf D. a. G. statt. Der eine Aufsichtsratssihung vorausgegangen war. Die Versammlung war au« allen Teilen des Versicherungsbezirks gut besucht. Wie Der vom Geschäftsführer Pli11 norgetra- gene Jahresbericht nachweift, hat die Vereinstätigkeit im Jahre 1928 wieder eine ganz erhebliche Ausdehnung genommen. Das Der - slcherungskapital ist auf 5 666 960 Mk angewachsen und übertrifft das Vorjahr um 308 700 Mk. Dabei gingen die Versicherungsbeiträge um 1126,20 Mk. gegen das Vorjahr zurück. Sie betragen 117 704 Mk., eine Folge Der Ermäßigung Der Beitragssätze für die Versicherung von Rindvieh unD Schweinen. Reu aufgenommen al« Mitglieder wurden 295 Viehbesitzer mit 1036,30 Mk. Eintrittsgeldern. Versichert waren: 1628 Pferde, 8862 Stück Rindvieh. 6934 Schweine, 1316 Ziegen, 61 Schafe. Entschädigt wurden 89 Pferde mit 30 753 Mk., 287 Stück Rindvieh mit 47 012.20 Mk., 222 Schweine mit 17 674.10 Mk., 59 Ziegen mit 1549,40 Mk.. und 7 Schafe mit 150 Mark, im ganzen 589 Fälle mit 97 139.40 Mark. Die Pserdeversichcrung hatte einen Gewinn von 2885,54 Wk., Die Rindviehversicherung einen solchen von 1450,02 Mk., Die Schweineversicherung einen Gewinn von 5710,44 Mk., die Ziegenver- sicherung von 144,29 Mk., bei Schafen wurden 10,92 Mk. mehr Entschädigungen gezahlt als Beiträge geleistet sind. Das Endergebnis des Geschäftsjahres 1928 ist im allgemeinen recht günstig. Das Vermögen des Vereins ist auf 131 460,87 Mark, die Mitgliederzahl auf über 5000 angewachsen. Die Iahresrechnung sowie die Gewinn- und Verlustrechnung unD die Vermögens Übersicht für 1928 sind geprüft, Anstände haben sich nicht ergeben. Die Versammlung genehmigte daher Die Rechnung und entlastete den Vorstand und Aufsichtsrat. Rach Erledigung Der alljährlichen Wahlen zum Aufsichtsrat und einer Statutenänderung erfolgte noch die Besprechung wichtiger Der- einsangelegenheiten. Der Mitgliederversammlung schloß sich sodann eine kleine Feier des Vereins an. Am 4. Juni 1929 werden c8 6 0 Jahre, daß die Kreisviehkasse Biedenkopf D. a. G. gegründet ist. Der erste Direktor, Landrat ©obmann. begrüßte Die Erschienenen herzlich und überreichte die am 31. März 1913 gestiftete Auszeichnung für langjährige treue Dienste den beiden Ortsbevollmächtig- ten Bürgermeister Hampel in Kernbach unD
„Rein," sagte sie mit hartem Gesicht. „So ist es nicht, Ole."
„Ist Das nun ein neuer Schachzug?"
„Rein, Ole. Ich schwöre es dir; es ist mein Ernst. Ick) will ihn nicht mehr schützen. Ich hasse ihn."
Wieder wandte der Staatsrat den Kopf zur Tür, hinter deren glatter Fläche Das wirbelnde Leben dieser Rächt brauste.
„Linda Andersen?" fragte er leise.
„Ja. Er hat sich in Linda verliebt. Ich weiß, daß er sich verliebt hat. Jetzt ist es aus. Ich selbst werde ihn dir ausliefern. Ohne Aufsehen. Ohne Skandal. Ohne, daß überhaupt jemand merkt, was geschieht. Das will ich für dich tun, Ole. Aber um einen Preis; du mußt ihn mir gewähren."
Sie ging auf ihn zu und legte die Hand auf feine Schulter. „Jene Frau muß mit ihm zugrundegehen. Die Versammlung in der Rordfeldgasse wartet auf Sokoloff; schon seit mehreren Stunden läßt er sie vergeblich warten. Ich werde dafür sorgen, daß cr hinfährt; Du wirst Dem Präfekten Die MelDung machen, daß Sokoloff in Der Rord- feldgasse ist."
„Lnd weiter?"
„UnD Dann — Dann werde ich Der Frau Linda Andersen sagen, Daß ihr Liebster zu einem Stell- Dichein nach Der Rordfeldgasse gefahren ist. Ich werde sie irrsinnig machen vor Eifersucht — ich werde sie veranlassen, ihm nachzufahren. UnD wenn Die beiden... wenn Linda Andersen unD Sokoloff im Kreise... nun ja, wenn es kein Entrinnen mehr gibt — Dann, Ole ..."
In diesem Augenblick wurde Die Tür aufgerissen; Peter trat hastig ein.
„Du kannst ruhig reden."
„Das Haus ist abgeschlossen," meldete er. „Alle Türen sind besetzt."
„Laß alle wieder offnen," sagte Der Staatsrat. UnD auf Den erstaunten Blick des Dieners setzte cr hinzu: „Der Herr kann gehen, wohin es ihm beliebt.“
„Liebe Freundin," sagte Marcelle Krenh und lieh sich neben Linda Andersen nieder. „Liebe Freundin, ich muß Ihnen eine bedauerliche Mitteilung machen: Ihr Gatte hat telephoniert. Er bittet Sie, ihn nicht mehr zu erwarten. Er ist nämlich Drauf und Dran, Die Hand auf Fedor Sokoloff zu legen; Sie begreifen, daß cr Da für Die liebsten und wichtigsten Privatdinge keine Zeit hat."
3erftrcut sagte Linda: „Das ist schade" und wollte sich erheben.
„Bleiben Sie."
Linda Andersen sah unbehaglich um sich. Sie wußte, daß Marcelle Krentz ihre Feindin war; obwohl niemand es ihr gesagt hatte, fühlte sie es.
Irgend etwas war vorgegangen in diesen letzten Minuten; sie erkannte es an Dem Lächeln in Marcelles Gesicht; sie hatte ein seltsames Feingefühl für Unausgesprochenes bekommen.
„Wollen wir einmal ganz offen miteinander reDen?" sagte Marcelle leise.
„Bitte."
„Rein. Richt so. Sie dürfen mich nicht für Ihre Feindin halten."
Erstaunt sah Linda die Sprechende an. In ihrem Ton war etwas, das nach Aufrichtigkeit klang.
„Ich weiß, Frau Linda, was sich in dieser letzten Stunde zugetragen hat. Ich weiß, wen Sie lieben. Bitte, widersprechen Sie nicht," wehrte sie ab, „uns Frauen kann nichts Besseres geschehen, als eine wirkliche und tiefe Liebe. Ich will Qjjjncn jetzt ein Geständnis machen."
„Guten Abend," sagte eine lachende Stimme.
Dor den beiden stand Fedor Sokoloff.
„Ich habe mich die ganze Zeit nach einem Glas Sekt umgesehen. Hier kommt Der Diener — endlich habe ich ihn entdeckt. Frau Andersen war durstig."
Er nahm Drei Gläser vom Tablett und stellte sie auf Den kleinen maurischen Tisch; Der Diener verschwand.
„Das hätte ich nicht zu träumen gewagt!" sagte Sokoloff lachend, indem er das Glas erhob. „Die zwei schönsten Frauen dieser herrlichen Rächt an einem Tisch; und ich als Der glückliche Dritte neben ihnen."
Er nahm einen hastigen Zug und setzte, das Glas nieder.
Marcelle blickte schweigend geradeaus; sie fühlte, wie der Klang seiner Stimme ihren Unmut steigerte. Wie er ihre Gefühle des Hasies verstärkte — Die Keckheit dieses Unternehmens, einer Feindin von Angesicht zu Angesicht gegeit- überzutreten, machte sie vollends rasend.
„Ich habe eben mit meinem Manne von Ihnen gesprochen!" sagte sie freundlich.
„So viel Ehre hätte ich gar nicht erwartet, gnädige Frau."
„Er interessiert sich sehr für Sie."
„Wo ist cr?"
„Er wird gleich Da fein, denke ich."
Marcelle sah Plötzlich das Unbegreifliche: daß die Augen dieser beiden, unbekümmert um alles um sie herum, um die Rähe der Frau Marcelle Krenh — unbekümmert um die Gefahr, die fühlbar über ihren Häuptern lag —. daß Die Blicke Der beiden sich von neuem ineinander versenkt hatten. Sie begriff, daß Sokoloff ihre letzten Worte kaum mehr gehört, sicher nicht mehr verstanden hatte — daß cr aus mitftiDiger Höflichkeit Phrasen erwidert hatte — gleichgültige, billige Worte, Die ihm Muße ließen. Die Äähe Der geliebten Frau anDächtig und heimlich auszukosten.
(Fortsetzung folgt.)


