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schlossen worden. Zum Vorsitzenden des neuen Bundes wurde Reichsminister a. D. Dr. Külz gewählt, zu stellvertretenden Vorsitzenden C o - Hen-Reuß, Mitglied desReichswirtschaftrates, und Wilhelm Mickausch, der bisherige Bundes Vorsitzen de.

Nie Lohnbewegung bei der Reichsbahn.

Ein bedingter Streikbeschluß.

Leipzig 5. Mai. (WB.) Der Vorstand und Beirat des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands (Freie Gewerkschaften) trat heute hier zusammen, um zu der durch die Ableh­nung der Lohnerhöhung durch die Haupt­verwaltung der Reichsbahn geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Rach Berichten über die bisherigen Verhandlungen und nach längerer Dis­kussion, in der besonders von den Funktionäre« Mitteldeutschlands ein sofortiger Eintritt in öen Streik gefordert wurde, nahmen die Versammelten eine Entschließung an, durch die der Vorstand ermächtigt wird, im Einver­nehmen mit den übrigen beteiligten Organisationen den Streik zu proklamieren. Rach dieser For­mulierung ist also die letzte Entscheidung in die Hände der Vorstände der Eisenbahner- gewerkfchaften gelegt worden, die, wie ver­lautet, am Dienstag in Berlin zusammentreten werden, um ihre weiteren Schritte zu beraten. Rach den Richtlinien der Eisenbahner-Organisa­tionen müssen jedoch vor Eintritt in den Streik die Spitzengewerkschaften verständigt werden.

Oie Regierungsbildung in Thüringen.

Weimar, 4. Mai. (WB.) Wie wir erfahren, wird die neue thüringische Regierung, die der Land­tag am 7. Mai wählen soll, nur aus zwei Mi­ni st e r n bestehen, und zwar Dr. P a u l s s e n und Dr. Riedel. Das Finanzministerium wird der der­zeitige Wirtschafts- und Volksbildungsminister mit­übernehmen. Dazu treten fünf Staatsräte. Infolge des Ausscheidens des aus Sondershausen stammenden Finanzministers Tolle wird man für

dieses Gebiet einen Staatsrat in das Kabinett ent­senden. Für diesen Posten ist Geheimrat Biele­feld (Demokrat) aus Sondershausen in Aussicht genommen. Staatsrat Glöckner (Sonneberg) wird seinen Staatsratsposten nicht wieder übernehmen. Das Meininger Gebiet soll durch Staatsminister Dr. Riedel vertreten werden. Wenn nicht in letzter Stunde noch Hindernisse auftauchen, wird am Mon­tagabend die vorstehende Lösung endgültig von den Regierungsparteien beschlossen werden.

Ein verdächtiger Kommunist.

K o w n o , 4. Mai. (TU.) Wie aus Moskau ge­meldet wird, haben die internationalen Ge­werkschaften beschlossen, ihre Beziehungen zu dem englischen Bergarbeiterführer Cook wegen sei­nes Verhaltens gegenüber dem Prinzen von Wales abzubrechen, den er als einen Gen­tleman mit einem Herz für die Arbei- t e r bezeichnet hat. Die internationale Gewerkschaft ist der Ansicht, daß das Verhalten Cooks gegenüber dem Prinzen von Wales sich nicht mit der proletarischen Einstellung vertrage und daß sie daher gezwungen sei, die Zusammen­arbeit mit ihm abzubrechen. Cook spielte in den Beziehungen der englischen Gewerkschaften und der Sowjetunion eine große Rolle und reiste während der Zeit des englischen Bergarbeiterstreiks nach Moskau, um die Gelder für die streikenden Berg­arbeiter entgegenzunehmen.

Mißglückter Mordanschlag auf den Expräsidenten Calles.

London, 5. Mai. (WD.) Wie aus Rogales in Mexiko gemeldet wird, ist auf den früheren Präsidenten von Mexiko, Ealles, ein Anschlag versucht worden. Calles befand sich in Hermo- silla, wo ihm zu Ehren ein Empfang veranstaltet wurde. Unter den Anwesenden befand sich auch der Sohn des ehemaligen Gouver­neurs von Sonora, der auf Calles zu­trat und die Arme ausbreitete, als ob er ihn um­armen wollte. Zn diesem Augenblick bemerkte man in der Hand des jungen Mannes e i n Messer. Es gelang einem Offizier, den An­greifer zu entwaffnen. Der Empfang konnte dann ungestört zu Ende geführt werden.

EmeneueAeichsauleiheZurEuispÄNUUug der KaffeMge des Reichs.

Oie Vorschläge des Reichskabinetts. Oie Anleihe wird mit völliger Steuer­freiheit ausgestattet.

Berlin, 4.Mai. (MTB.) Amtlich. Die kas- senlage des Reiches steht feit Wochen im Mittelpunkt der Erörterung. Auf den Ernst der Lage ist von maßgebenden Stellen, insbesondere vom Reichvmlnister der Finanzen, immer wieder hin- gewiesen worden. Die Unmöglichkeit zur Deckung der Ausgaben des außerordenilichen Etats, die vor­gesehenen Anleihen langfristig aufzulegen, muhte da­zu führen, dah die Zahlungsverpflichtun­gen des Reiches hinter den laufenden Einnahmenzurückblieben und die Schwie­rigkeiten der Finanzierung, insbesondere an den Ultimoterminen sich häuften. Ein solcher Zustand muh ober auf die Dauer zu einer Gefährdung der Finanzlage des Reiches und damit auch der Länder und Gemeinden trotz eines im übrigen ausgeglichenen Etats führen. Das Reich hat zunächst kurzfristige Darlehen ausgenom­men, die den laufenden Bedarf der letzten Wochen deckten. Line weitere Steigerung der Darlehensauf­nahme bei Banken erscheint mit Rücksicht auf die Geldlage undurchführbar. Auch die unmittel­bare oder mittelbare Inanspruchnahme von Auslandkredit kann nicht in Betracht kom­men. Da aber auch für die nächsten Monate weitere Mittel erforderlich find, um die dauernde Zahlungs­fähigkeit des Reiches sicherzustellen, bedürfte es durchgreifender Mahnahmen. Lin vom Rcichskabinett verabschiedeter Gesetzentwurf sieht infolgedessen zwei Mahnahmen vor.

1. Es soll eine Inlandanleihe von mehr­jähriger Laufzeit in höhe von 500 Mil­lionen Reichsmark aufgelegt werden, deren Stücke von der Vermögenssteuer, der Erbschafts­steuer und der Einkommensteuer befreit find; auch ein Steuerabzug vom Kapitalertrag findet da­nach nicht statt. Die Befreiung von der Erbschafts­steuer wird auf die vom Erblasser selbst gezeichne­ten Anleiheslücke beschränkt sein. Es unterliegt keinem Zweifel, dah eine so ausgestattete Anleihe nicht ohne Bedenken vom Standpunkt der steuer­lichen Gerechtigkeit ist. Auf der anderen Seite aber btetd sie einen solchen Anreiz, dah auf diesem Wege Beträge schnell und in der erforderlichen höhe her- eingeholt werden können. Eg wird dabei auch er­wartet, dah die Möglichkeit steuerfreier Anlage ein wirksames Gegenmittel gegen die bedauerlicherweise in letzter Zeit immer mehr zunehmende Kapital­flucht bilden kann.

2. Der Reichminister der Finanzen wird ermäch­tigt, die im Reichsbcsitz befindlichen 7prozen- tigen Reichsbahnvorzugsaktien an öffentliche Sparkassen, Girozentralen, Landes- und Kommunalbankcn und an Träger der Sozialver­sicherung zu verkaufen. Das Stimmrecht des Reiches wird dadurch sichergestellt, dah nur Zerti­fikate anstelle der Vorzugsaktien begeben werden. Mit dem Erwerb solcher Vorzugsaktien sollen die bezeichneten Stellen ihrer Verpflichtung zur Anlage eines Teiles ihres vermögens in Reichsanleihen ge­nügen können. Da diese Stellen die Vorzugsaktien nur nach Mahgabc ihres vermögenszuwachfes auf­nehmen können, wird diese zweite Mahnahme zwar nur einen allmählichen aber dafür ständigen Zu­fluh an Mitleln für die Reichskasse zur Folge haben.

Durch beide Mahnahmen zusammengenommen wird ein erheblicher Teil des außerordentlichen Etats durch Realisierung der bisher unausgenühlen An- leiheermächligung gedeckt, damit eine sofortige Entspannung der Kassenlage erreicht und die Wiederholung der unerquicklichen Vorgänge der letz­ten Monate verhindert. Der dadurch erstrebten Beseitigung der Kassenschwierigkeiten wird selbstver­ständlich je nach dem Abschluh der Reparationsver­

handlungen ein Programm für die dauernde Gestaltung der deutschen Finanzen in Einnahmen und Ausgaben folgen müßen. Der genannte Gesetz­entwurf ist bereits dem Reichsrat zugegan­gen. Die Finanz- und Innenminister der Län- der sind zu einer Vorbesprechung auf Dienstag, den 7. Mai 1929, in das Reichsfinanzmlnisierium einge­laden worden.

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Der Zeitpunkt für die Ankündigung der neuen Reichsanleihe hat in der Oeffentlichkeit um so mehr überrascht, als die allgemeine Lage des Geldmarktes gegenwärtig für derartige Mis­sionen nicht besonders günstig zu sein scheint. Man erinnert sich des mißglückten Versuches des früheren Finanzministers Reinhold. Auf Grund dieser schlechten Erfahrungen hat Reichs- sinanzminister Hilf er ding von vornherein zu einem Modus der Anleihe gegriffen, der auf den ersten Blick einen starken Erfolg ver­spricht. Insbesondere glaubt man, daß die Zu­sicherung der Freiheit von Vermögenssteuer, Erb­schaftssteuer und Einkommensteuer und die Tat­sache, daß ein Steuerabzug vom Kapitalertrag nicht stattfindet, einen starken Anreiz auf die Kapitalisten ausüben wird, sich diese Papiere zu kaufen; denn wenn man bedenkt, wie hoch durch die genannten Steuerarten das Kapital belastet wird, dann kann man sich ausrechnen, daß bei der neuen Anleihe ein ganz hübsches Sümmchen herauskommt. Die Berechnung geht also dahin, durch die starken Vergünstigungen zu erreichen, daß deutsches, im Auslande an­gelegtes Kapital wieder zurück- strömt, und daß weiterhin deutsches Kapital verhindert wird, ins Ausland abzuströmen. Eine ganz andere Frage ist freilich, wie der sozial­demokratische Finanzminister Hilferding diese ge­radezu hochkapitalistisch zu nennende Maßnahme mit seinen politischen und wirtschaftspolitischen Grundsätzen vereinen kann.

Die Höhe der Anleihe soll 500 Millionen Mark betragen, außerdem soll der Reichsfinanzminister ermächtigt werden, die im Reichsbesih befind­lichen 7prozentigen Reichsbahn-Vorzugs­aktien an öffentliche Sparkassen und Danken und an die Träger der Sozialversicherung zu verkaufen. Hierdurch sollen weitere 700 Millio­nen Mark für das Reich flüssig gemacht wer­den. Diese ganze Transaktion soll natürlich dem Zweck dienen, die Liquidität der Reichskassen wieder herzustellen und mit dem unerträglichen Zustande ein Ende zu machen, daß das Reich seinen Llltimo-Verpflichtungen nur mit Hilfe von Darlehen der Großbanken genügen kann.

Man muß abwarten, ob diese Maßnahmen, die selbstverständlich der Zustimmung des Reichstages bedürfen, zu dem gewünschten Erfolge führen werden, insbesondere ob die Anleihe die Summe von 500 Millionen Mark ergeben wird. Weiter­hin bleibt zu bedenken, welchen Einfluß die starke Bevorzugung der neu geplanten Anleihe a u f den Kurs der alten Anleihen ausüben wird. Der Reichsfinanzminister rechnet damit, auf diesem Wege bis zum Herbst den dann ein­tretenden gewaltigen Kassenbedarf des Reiches, der durch die Anforderungen der Arbeitslosen­versicherung so stark erhöht worden ist, decken zu können. Mit der Frage, auf welche Weise das Gleichgewicht im kommenden Reichshaushalt her- beigesührt werden soll, hat diese Anleiheaktion des Reichsfinanzministers nichts zu tun.

Der Stand der Reichsfinanzen läßt immer wie­der die Rotwendigkeit erkennen, nunmehr endlich zu einem wirklichen Abbau der Ausgaben eiches zu schreiten. Die Verhandlungen tm Reichstag haben schon jetzt zu der Erkenntnis geführt, dah das Sparprogramm der Re- grerungsparteien nicht in allen Punkten ver­wirklicht werden kann. Man rechnet offenbar da- daß bis zum Herbst doch eine Erleichterung der Daweslasten eintritt. Es muh aber mit allem Rachdruck gefordert werden, daß eine allmähliche

Ein ruhiger Sonntag in Berlin.

Neunzehn Todesopfer der Mairevolte. - Das erste Urteil.

Berlin, 5. Mai. (WB.) Der Polizeipräsident teilt um 19 Uhr mit: Die letzte Rächt und auch der heutige Sonntag find in den Unruhezentren Reu­kölln und Wedding ruhig verlaufen. Die Milderungen, die in der Handhabung des polizei­lichen Schutzdienstes schon im Laufe des gestrigen Tages eingetreten sind, konnten deshalb noch erwei­tert werden. Die im Dienst befindlichen Beamten wurden durch andere ausgeruhte Beamte erseht und hallen schon gestern die Anweisung, i m G e - brauch der Schußwaffen äußer sie Zu­rückhaltung zu üben. Wo noch vereinzelte Schüsse von Aufrührern abgegeben wurden, ist nicht mit sofortigem Feuer geantwortet worden, sondern die Polizei ist gegen die letzten Aufruhrnester mit Durchsuchung der Häuser, die die ganze Rächt offen­gehalten werden müssen, vorgegangen.

Auch im Laufe des heutigen Tages ist eine Anzahl von Demonstranten fe st genommen und der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums zugeführt worden, einige von ihnen wegen Richlbefolgung und Widerstandes gegen polizeiliche Anordnungen, andere, weil ;. B. in Reukölln an Stelle der verbotenen Roten Fahne" die ZeitungenDie Rote Front" undDie Role Slurmfahne" an die Passanten ver­teilten. heule vormillag verurteilte das Schnell­gericht im Berliner Polizeipräsidium den Mann, der am l.Mai den Ueberfall auf den Kommandeur der Schutzpolizei, heimannsberg, verübte, zu zwei Monaten Gefängnis.

Die Zahl der Toten vom 1 2. und 3. Mai beträgt zusammen 18. Dazu kommt noch der von einem Polizeikraslwagen während eines Zusammenstoßes überfahrene Mann, so daß die Gesamtzahl der bei den Anruhen umgekommenen Personen 19 beträgt. Die Zahl der Schwerver­letzten beträgt 36, die Zahl der Leichtverletzten wird auf über 200 geschäht. Die Angabe einer ge­nauen Zahl ist nicht möglich, weil viele der verletz- ten von ihren Genossen in Sicherheit gebracht wurden.

Unberechtigte Kritik.

Kaum ist eS gelungen, die Berliner Kom­munist enrevolte einigermaßen niederzu- schlagen, da finden sich bereits Leute, die die Schutzpolizei mit Vorwürfen über­häufen, weil sie zu schneidig vorge­gangen sei. weil sie zu ost geschossen habe und weil sie durch ihr ganzes Verhalten überhaupt erst den Anstoß zu den blutigen Auseinandersetzungen in einigen Stadtteilen der Reichshauptstadt gegeben hätte. Wir finden der­artige Vorwürfe nicht nur in der kommunistischen oder linkssozialistischen Presse, nein, auch viele sogenannte bürgerliche Blätter scheuen sich nicht, statt der Schupo ihren Dank auszudrücken, dieser borzurechnen, daß sie in der einen oder anderen Straße bei der Bekämpfung der Kommunisten auch einige Unbeteiligte getroffen und tödlich verletzt hätte.

Es war ja eigentlich vorauszusehen, daß diese Art Kritik nicht ausbleiben würde, wir haben sie auch in der Vergangenheit wiederholt kennen­gelernt, wenn die größte Gefahr vorüber war. Die Frage scheint doch aber angebracht, wie sich den eigentlich die Schutzpolizei hätte ver­halten sollen. Ware sie nur vereinzelt in die Erscheinung getreten, dann dürfte wohl heute Berlin restlos im Besitz der Kommunisten sein, dann würden wohl auch die Mitarbeiter jener Zeitungen, die mit ihrer abwegigen Kritik sehr rasch bei der Hand sind, das Schicksal ihrer russi­schen Kollegen geteilt habetz, die schon seit zehn Jahren nicht mehr unter den Lebenden wecken. Es war durchaus richtig, daß die. Schutz­polizei von ihren Kampfmitteln rücksichtslos Ge­brauch machte. Rur so konnte sie den Kommu­ni st en auf st and niederschlagen und Berlin vor den Schrecken eines endlosen Bürgerkrieges bewahren. 9erSot-$ront-3unb in Preußen verboten.

Berlin, 6. Mai. Wie dieMontagspost" erfahren haben will, hat der preußische Minister des 3nncrn, Gr ; esinski, auf Grund der Vorgänge der letzten Tage den Roten Frontkämpfer-Lund für ganz Preußen verboten. Das Verbot tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Die amtliche Zustellung an die Leitung des Bundes, in der auch die Gründe für das verbot enthalten find, erfolgt im Laufe des heutigen Vormittages. Gleichzeitig finden im Reichsminifterium des Innern Beratungen über die Ausdehnung dieses Verbotes auf das ganzeReich statt. Die Entscheidung hierüber wird noch im Laufe des heutigen Tages fallen.

Glücklicheres Paris.

Tardreu verteidigt die vorbeugenden Massenverhaftungen.

P o r i s, 4. Mai. (WB.) DerPetit Parisien" ver­öffentlicht ein Interview mit dem Innenminister Tardieu, der seine Präfentivmaßnahmen und die Massenver Haftungen im Hinblick auf die Maifeier begründet. Die kommunistischeHumanits", so erklärte der Minister, verteidigt die Kommunistische Partei gegen die Vorwürfe, in Berlin den Tod von Menschen herbeigeführt zu haben. Wenn sie die Wahrheit sagt, dann bestätigt das Blatt meine These, denn in Berlin sind 19 Tote zu verzeichnen, und man kämpft dort noch. Es war auch in Paris beab­sichtigt, Unruhen und Zusammenstöße herbeizuführen, wobei sicher Menschen ihr Leben gelassen hätten. Wir haben durch die Vorbeugungsmaßnahmen diesen Men­schen sowohl Polizisten wie Manifestanten das Leben gerettet. Will man uns das etwa zum Vorwurf machen? Wir haben in gesetzlich erlaubter Weise einige tausend verführter Kerle davon abge­halten, das Leben der mehrere Millionen umfassenden Bevölkerung von Paris zu stören. Wir haben d i e Ordnung g e s i ch e r t, die die Garantie der Frei, beit ist, und zwar, wie Briand sich seinerzeit aus- gedrückt hat, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen. Die Kommunisten täten besser, nicht mehr davon zu sprechen, denn das Land steht auf unserer Seite.

und wirksame Senkung der öffentlichen Ausgaben nun endlich durch eine zweck­mäßigere Gestaltung des Reichsauf­baues und der Reichsverwaltung in die Wege geleitet wird. Die Verfassungs- und Derwaltungsreform muh zu einem glücklichen Ende gebracht werden, wenn überhaupt die im Interesse der gesamten deutschen Wirtschaft drin­gend erforderliche Senkung der öffentlichen Aus­gaben mehr als eine Ankündigung in Regie- rungs- und Parteiprogramm werden soll.

Aus aller Welt.

Großer Daldbrand im Landkreis Hagen.

In dem zum Landkreis Hagen gehörigen Dreckerfeld entstand Sonntagnachmittag gegen 4 Uhr bei der Station Priorei ein Waldbrand, der bei dem herrschenden starken Winde rasend schnell um sich griff. Die Hagener Derufsfeuer- wehr, das Lleberfallkommando der Schutzpolizei und sämtliche Freiwilligen Feuerwehren der um­liegenden Ortschaften mußten zu Hilfe gerufen werden. Da der Wind das Feuer auf die Ortschaft Priorei-Dahl zutrieb und nicht vorausgesehen werden konnte, ob bei der riesigen Ausdehnung des Brandes noch eine rechtzeitige Abriegelung möglich sei, wurde das Reichswehrkommando Münster telegraphisch er­sucht, zwei Kompagnien Reichswehr auf Abruf alarmbereit zu halten. Günstige Wasserverhält­nisse machten es jedoch möglich, das Feuer 7 5 Meter vor der Häuserreihe von P rio- r e i abjuriegetn, so daß die Abberufung der Reichswehr nicht mehr zu erfolgen brauchte. Gegen 8 Llhr abends war der Brand gelöscht. Der angerid)tele Schaden ist groß. Llngesähr 250 Morgen Waldbestand sind dem Brande zum Opfer gefallen.

Schwerer Wolkenbruch in Mähren.

Samstagabend ging über Auerschitz in der Rähe von Auspih bei Brünn ein schwerer Wol­kenbruch mit Hagelschlag nieder. Hierbei kamen ein Landwirt und ein Kind ums Leben. Aus den Feldern in der Umgebung von Auerschitz lagen die Schloßen noch zwei Stunden nach dem Hagelschlag. In Auerschitz selbst wurden große Schäden angerichtet, die Wände zahlreicher Häuser fielen ein, mehrere Tore wurden aus den Angeln gehoben und Bäume entwurzelt. Außer­dem ging viel Vieh zugrunde.

Dynamitexplosion in Kroatien.

Auf dem Staatsgut Bestes in der Nahe von Ba- binaskele ereignete sich in einer in einem Steinbruch gelegenen Barocke ein schweres Explosionsunglück, dem acht Menschenleben zum Opfer fie - (en. Ein Vorarbeiter hatte 25 Kilogramm Dyna- mit, die vorn Regen durchnäßt waren, z u m T r o ck - n en neben den überhetzten Ofen gc- legt Plötzlich explodierte das Dynamit mit furcht­barer Gewalt. Die ganze Baracke wurde vollständig zertrümmert. Unter den Trümmern wurden die verstümmelten Leichen von sieben Arbeitern gefun­den. Rur zwei Arbeiter, darunter der Vorarbeiter, wurden mit schweren Verletzungen, aber noch lebend, ins Krankenhaus gebracht, wo der Vorarbeiter sei­nen Verletzungen erlegen ist. Auch der zweite Schwer­verletzte dürfte kaum mit dem Leben davonkommen.

Unter der Bevölkerung geht das Gerücht, daß der Vorarbeiter die Katastrophe absichtlich her­be i g e f ü b r t bade, weil er befürchtete, daß ge­wisse Unregelmäßigkeiten an den Tag kämen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

An der Vorderseite der ausgedehnten Störungs­gebiete hat der Warmluftzustrom weiteren Tempe­raturanstieg gebracht. So erreichten in Deutschland die Temperaturen heute morgen schon Werte bis zu 17 Grad. Eine Störung über England, die dort Der­breitete Niederschläge und Abkühlung bringt, wird in Gemeinschaft mit den sehr warmen Luftmassen über Deutschland vielfach zu Gewitterstörungen so­wie Niederschlägen führen.

Wettervoraussage für Dienstag: Viel­fach Gewitterstörungen mit Regen und Abkühlung.

Wettervoraussage für Mittwoch: Etwas kühleres, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter.

Lufttemperaturen am 5. Mai: mittags 19,2 Grad Celsius, abends 14,8 Grad: am 6. Mai: morgens 14,6 Grad. Maximum 19,8 Grad, Minimum 10 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Mai, abends 15,4 Grad , am 6. Mai: morgens 10,3 Grad Celsius. Niederschlag 2,2 mm. Sonnenscheindauer 3# Stunden.