Ausgabe 
6.4.1929
 
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Samstag, 6. April 1929

Gießener, Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 89 viertes Blatt

Aus Natur und Technik.

äugen

in der Annahme, das;

rechnete und rech--

Man

Welsenvorgang seien.

schiedenen Strahlenarten, wie z. V. den Kathoden« strahlen, flogen sie wie ein aus dem Maschinen­gewehr abgeschvssenes Massenfeuer gradlinig oder auch aus der geradlinigen Dahn abgelenkt da­hin. Auch an praktischen Anwendungen fehlte es nicht; wir brauchen ja nur an die Verstärker- rohren zu erinnern, die vom Rundfunk her all­gemein bekannt sind.

schützen? Da die Kaltbearbeitung in vielen Fällen nicht zu vermeiden ist, besteht eine Möglichkeit darin, den verformten Flußstahl bei etwa 900 Grad auszuglühen. Dadurch wird das Gefüge verfeinert

und ausgeglichen. Wo sich diese Maßnahme nicht durchführen läßt oder wo Formänderungen noch nach dem Glühen auftreten, wie etwa bei Kesseln, muß man bei der Verwendung und der Wahl des Werkstoffes Rücksicht auf die Alterung nehmen. Man hat ferner versucht, Stahlsorten herzustellen, deren Zähigkeit durch Altern nicht vermindert wird, und man hat dabei auch einige Erfolge erzielt. So besteht die Möglichkeit, die Alterungserscheinungen durch Zusatz von Nickel herabzusetzen. Nickelstahlc und nichtrostende Stahle zeigen zwar auch eine Ab­nahme der Zähigkeit durch Kaltverformen, die ge­fürchtete Blaubrüchigkeit tritt aber nicht ein. Die Verwendung dieser Sonderstahle scheitert jedoch häufig an der Preisfrage. Ferner hat man gelegent­lich Fluhcisen hergestellt, das auch ohne Zusatz von Nickel eine nur geringe Alterungsempsindlichkeit haben sott; worauf dieses abweichende Verhalten beruht, konnte noch nicht einwandfrei nachgewiesen werden; man konnte weder eine Eigenheit im Gefüge noch eine Besonderheit in der Herstellung und Vor­behandlung solcher Stahle feststellen. Eine Klärung des Wesens und der Ursachen der Alterungserschei­nungen ist daher eine der wichtigsten Fragen für die eisenerzeugende und die eisenverbrauchende In- dustric.

Und doch ist bitte einfache Auffassung der Elektronen nicht länger haltbar. Wir werden in der ganzen Richtung unserer Raturerkenntnis, die überall nur Kraft und Bewegung sieht, noch einen guten Schritt weiter gehen und das Elek­tron nicht als Sitz ruhender Kraft, sondern viel­mehr als einen Vorgang, ein Geschehnis, näm­lich eine Wellenerscheinung auffassen müssen. Von den verschiedensten Seiten her ist man zu dieser Erkenntnis gekommen. Die Atomtheorie suchte nach einer Erklärung, warum die Elektronen be­stimmte Umlaufbahnen bevorzugen und fand diese in der Annahme, das; die Elektronen selbst ein

Aber beim Sirius liegen besondere Umstände vor die auch demSirius Rr.3" oder Sirius C, wie' er in der Wissenschaft heißt, eine besondere Aufmerksamkeit sichern. Es gibt nämlich wenige Sterne des Himmels, die so merkwürdig sind, wie der Hauptbegleiter des Sirius. Zunächst geschichtlich: Der große deutsche Astronom B e f s e l hatte ihn aus der Anziehung berechnet, die er auf den Sirius ausübte, ohne ihn je ge­sehen zu haben. Er war demgemäß der erste Fixstern k^s Himmels, der schon vor seiner eigentlichen Entdeckung bekannt war. Roch viel Merkwürdigeres aber ist neuerdings iiber diesen Stern herausgekommen. Man schloß aus teurer geringen Leuchtkraft, daß er feine große Ober- fläche haben könne. Anderseits war aus der An­ziehung, die er auf den Sirius ausubte, teme Masse wohl bekannt und als beträchtlich nachge­wiesen. Die Rechnung ergab nun. daß der Stern eine durchschnittliche Dichte haben muffe, die etwa 50 OOOmal so groß ist wie die des Wassers, mehr als 2000mal größer als die schwersten be­kannten Stosse, Gold, Platin und dergleichen. Das war nun aber nur die durchschnittliche Dichte; da der Stern schwerlich überall gleich dicht ist. müssen also manche Teile von ihm noch viel schwerer fein! So merkwürdig dieses Ergebnis auch war. es gelang doch, es auf Grund der Einsteinschen Relativitätstheorie zu bestätigen, und ganz neuerdings ist diese Untersuchung mit dem gleichen Ergebnis wiederholt worden, vo war der Siriusbegleiter einer der berühmtesten Sterne des Himmels, so eine Art Schoßkind so­wohl der Sternkundigen wie der Physiker.

Runmehr wird man sich darauf gefaßt machen müssen daß sich manches etwas ändern totro; d7nn die Masse des Siriusbegleiters war ia aus seiner Anziehung auf den Sirius berechnet, jetzt aber kann diese ja auch zum Tell von dem neu entdeckten zweiten Begleiter herruhren Dann würden sich die obigen Zahlen ettvas andern ftreilid; ist aus der ganzen Sachlage heraus kaum anzunehmen. daß diese Aenderung allzu

beträchtlich sein wird. Aber es wird doch wichtig sein, zu prüfen, ob die Uebereinstimmung der astronomisch berechneten Dichte des Sterns mit der aus der Relativitätstheorie gefolgerten ebenso gut bleibt, wie sie bisher war. Man wird also auf die weitere Untersuchung des neu entdeckten Sternes gespannt sein dürfen.

Was ist ein Elekiwn?

Von Professor Or. Paul Kirchberger.

Sirius Rr. 3.

Don Professor Or. Küstermann.

Aus Johannesburg in Südafrika kommt die Kunde, daß der Sirius, der hellste Stern des Himmels, nicht, wie man bisher annahm einen Begleiter, sondern vielmehr deren zwei habe, die untereinander enger verbunden sind als mit iftrem Hauptstern. Die Helligkeit dieses ;ungstcn Siriusbegleiters wird etwa als 12. Gröhe an- aeaefcen wozu wir bemerken, daß mit bloßem A?ge sechs Größenklassen Jmb, wah­

ren- mit Fernrohr und Lichtbildddfnahme noch mindestens Sterne 21. Größe wahrgenommen wer­den können; daraus geht also hervor, daß der neue Ankömmling keineswegs als besonders schwacher Stern angesprochen werden kann. Sem Abstand vom bekannten Siriusbegleiter istaller dings nicht groß, er betragt etwa 1 Vs bis zwei Boaensekunden; das ist etwa die Große, in der N ein Millimeter in einer Entfernung von 120 Meter erscheint; aber die Trennung des Sternes von seinem Rachbarn kann für und leistungsfähige Femrohre an und für sich keine Schwierigkeit machen. Wenn ^hdem Stern, obwohl er an einer oft untersuchen Stelle des Himmels steht, erst so spat ent^ckt wurde, so ist daran die blendende Helligkeit des Haupt stemes Sirius schuld, der viele tausendmal heller erstrahlt, als die schwachen Sternlem m seiner Rühe, so daß diese in seinem Glanz leicht ver schwinden. Auch wenn nur die Begteiter, nicht der Artus selbst im Gesichtsfeld des Fernrohrs sind, macht sich dessen gestreutes Licht störend be- an und füt sich He Entdeckung eines solchen Begleitersternes keineswegs besonders merftoürbig Wir kennen Viele Lautende von Doppelsternen und auch eine ganze Re^ von dreifachen, ja soaar mehrfachen Sternen In viLlen Fällen wissen wir genau, daß em Stern doppelt oder drei ach ist, obwohl noch niemand die Begleiter selbst gesehen hat.

Bild 1.

Die von einem Glühfaden G ausgehenden Elek­tronen fliegen durch ein feines Loch in der Blende B und durch ein verhältnismäßig dickes Metallblättchen Fo auf eine - - von der Seite ge­sehene lichtempfindliche Platte, aus der ein großer, kreisförmiger dunkler Punkt entsteht, des­sen Schwärzungsgrad durch seine Höhe ange­deutet ist.

Bild 2.

Wählt man das Blättchen Fo sehr dünn, so ent- stehen um den mittleren dunklen Fleck herum noch gleichmittige bunte Ringe ober in gleich- mittigen Kreisen angeordnete dunkle Punkte in symmetrischer Anordnung. _____

bisher noch keine genügende Erklärung gefunden worden.

Welche Bedeutung eine genaue Kenntnis der Alterungserscheinungen hat, geht ohne weiteres aus der Tatsache hervor, daß alle dem Dampf ausgesetzten Teile von Kesseln, Rohrleitungen und Maschinen auf Blaubruchwärme gebracht werden. Es ist daher sehr leicht möglich, daß Werkstoffe, die vor und nach der Bearbeitung noch die erforderliche Zähigkeit auf­weisen, im Betrieb sehr schnell spröde werden und brechen. Ja selbst Teile, die lange Zeit gehalten haben, können durch künstliches Altern gefährdet werden; in dieser Hinsicht sind die Kesselbaustoffe besonderen Gefahren ausgesetzt, da im Kesselbetrieb die Wärmegrade auf 300 bis 450 Grad steigen. So kann unvorsichtiges Abklopfen des Kesselsteins bei Raumwärme an kleinen Stellen des Kesselbleches

Nachdruck verboten.

Die Frage, was ein Elektron ist, ist, bei Licht besehen, eine der allerwichtigsten, die es über­haupt geben kann, denn unsere Wissenschaft ist drauf und dran, beinahe die ganze Welt in so­genannteElektronen" undProtonen" aufzu­lösen; von diesen beiden Urbestandteilen sind die Elellronen deshalb wichtiger, weil sie uns immerhin noch eher zugänglich sind als die sich tief im Allerinnersten versteckt haltenden und des­halb ganz rätselhaften Protonen. Wir müssen also schon zufrieden sein, wenn wir dem Rät­sel der Elektronen allmählich näher kommen, und nach Untersuchungen, die fast gleichzeitig in den verschiedensten Ländern, vor allem in Deutsch­land, Frankreich, England, Amerika und Iapan, angestellt wurden, geht auch ein völliger Um­schwung unserer Anschauungen über ihr Wesen vor sich.

Daß die Atome aus positiven und negativen Elektrizitätsteilchen zusammengesetzt sind, daß da­bei die positiven, die ihrerseits aus positiven Protonen und negativen Elektronen bestehen, den Kern ausmachen, und die negativen Teil­chen, die Elektronen, chn umkreisen wie die Wandelsterne die Sonne, wissen wir schon seit reichlich zwanzig Jahren ziemlich sicher. Aber damit ist über das eigentliche Wesen dieser Elektronen noch nichts ausgemacht. Man konnte es aber den Physikern nicht verargen, wenn sie sie sich zunächst so einfach wie nur möglich dach­ten, nämlich als winzige Kugeln, die nach allen Seiten eine negative elektrische Kraft ausstrahl­ten. Das Elektron wurde auf diefe Weise eine Art Kraftmittelpunkt, ein Energiekern. Wenn uns auch die Ratur fast immer nur bewegte Elektro­nen zeigt, die Kraft im Elektron selbst wurde als ruhend angenommen.

Diese ganze Vorstellungsweise unterschied sich schon recht merklich von der der alten Materia­listen. Diese hatten ja einen letzten Endes toten Stoff als das Grundwesen der Welt angenom­men. Davon ist aber in den neuen Anschauungen nichts mehr zu spüren! Richt der tote Stoff, sondern die Kraft, die Energie, ist das Wesen der Dinge! Wir werden gleich sehen, wie dieser früher für tot gehaltene Stoff noch immer be­wegter und lebendiger wird, je näher wir chm auf den Leib rücken.

Zunächst schien diese Vorstellung von der im Elektron ruhenden Kraft den Ergebnissen un­serer Forschungen völlig gerecht zu werden. Im Atom liefen diese hübschen teinen Kügelchen, die nichts weiter zu tun hatten als elektrische Kraft auszustrahlen, mit unerhörter Geschwindigkeit in Kreis- ober Ellipsenbahnen um, und bei den ver-

Scherz und Spolt in der Technik.

2m Berliner Bezirksverein Deutscher Inge­nieure hielt Hosrat Dr. Anton Klima aus Wien einen Vortrag über Scherz und Spott in der Technik. Zuerst sprach er von lustigen techni­schen Zeitungsenten, so z.B. von der Geschichte vom Grubenhund, der einmal in der Wiener Freien Presse gebellt hat. Die Geschichte war |o: Ein Ingenieur sandte der Zeitung einen ganz unsinnigen Aufsatz Über technische Ereignisse bei einem Erdbeben; am Schluß hieß es, es sei be­sonders merkwürdig gewesen, daß der Gruben­hund in Wirklichkeit ist das ein kleiner For­derwagen schon eine halbe Stunde vor dem Erdbeben unruhig geworden sei. Dieser Gruben­hund ist unter den Technikern sprichwörtlich ge­worden, und man nennt vielfach eine technische Ente auch einfach einen Grubenhund.

Dann brachte der Vortragende eine schier uner­schöpfliche Reihe von Lichtbildern, die insbe­sondere neue Erfindungen zeigten. So schlug z.B. einmal ein ganz erleuchteter Kops vor, die Dampskessel oben offen zu lassen, damit sie nicht mehr zerknallen können. Ratürlich kehrte auch die Erfindung wieder, die immer von neuem ge­macht wird, damit man das zweite Gleis auf Eisenbahnen spart: Man legt dazu bekanntlich iiber die in einer Richtung fahrenden Zuge ein Gleis das vom und hinten Über immer niedriger werdende Wagen bis auf die Gleishöhe herunter» führt; der entgegenkommende Zug fährt dann einfach bei gewissen Erfindern ist immer alles einfach über den mit dem Gleis versehenen Zug hinweg. Ein anderer will sogar auch das

bleibende Verformungen hinterlassen, die später bei Erhitzung der Kesselwand spröde werden und zum Blaubruch führen können. Außerdem wird gealter­ter Stahl vom Kesselspeisewasser und von stärker angegriffen als nicht verformter Stahl.

Wie kann man nun Stahl vor dem Altern

nete, und schließlich konnte man, von der Vor­aussetzung der Weilennatur des Elektrons aus­gehend. gerade die Dahnen errechnen, die man zum Ausbau der Atomtheorie brauchte.

Aber es wäre natürlich sehr unbefriedigend ge­wesen, im Atom wellenförmige Elektronen an­zunehmen, bei den Elektronenstrahlen aber, wie beispielsweise den Kathodenstrahlen, bei der al­ten Vorstellung einer in sich ruhenden, negativ elektrischen Kugel zu beharren. Run ist es für unsere ganze Raturauffassung von höchstem Wert, daß es neuerdings gelungen ist, die Wellennatur der in geradlinigen Strahlen bewegten Elek­tronen durch Versuche mit aller Sicherheit zu er­weisen. In Deutschland hat sich um diese Dinge insbesondere Privatdozent Dr. Emil Rupp ver­dient gemacht, der auch lürzlich in einem von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft veran­stalteten Vortrag über die Ergebnisse seiner Ar­beiten berichtet hat. In der ganzen Physik gilt es als sicherster Beweis für die Wellenbewegung, wenn es gelingt, bei sich durchdringenden Wellen­zügen abwechselnd Wellenberg mit Wellenberg und Wellenberg mit Wellental zu vereinigen, so das; sich im ersten Falle Verstärkung, im letz­teren Aufhebung des Vorgangs ergibt. So wurde die Wellennatur des Lichtes erwiesen, und so hatte insbesondere auch Mar von Laue die Wellennatur der Röntgegenstrahlen gezeigt. Er­ließ ein Bündel von ihnen einfach durch einen Kristall gehen, die gesuchte abwechselnde Auf­hebung und Verstärkung trat ein und wurde durch die Einwirkung auf eine lichtempfindliche Platte sichtbar. Dieser Versuch ist das Vorbild zum mindesten für den einfachsten entsprechenden Versuch bei Elektronenstrahlen. Läßt man, wie Dr. Rupp kürzlich ausführte, ein Bündel Elek- trvnenstrahlen durch eine dünne Platte gewöhn­licher Art gehen, die etwa ein tausendstel Milli­meter dick sein darf, so sehen wir nichts beson­ders Merkwürdiges; die Elektronen tocrben nur etwas gestreut, so das; wir auf der Platte einen ziemlich breiten Fleck erhalten, trotzdem das Clektronenstrahlbündel durch eine enge Blende scharf begrenzt wurde (Bild 1). Wählt man nun aber das dazwischengeschobene Blättchen dünner und immer dünner (Bild 2), etwa ein Zehn« tausendstel eines Millimeters oder gar nur ein Hunderttausendstel eines Millimeters stark - - man kann Blättchen von dieser unerhörten Fein­heit neuerdings Herstellen, so bemerken wir beim Ausfangen der hindurchgegangenen Eie!- tronen auf einer lichtempfindlichen Platte in der Tat eine Art Netzwerk Heller und bunter Punkte, ganz ähnlich, wie wenn wir durch cm möglichst feinmaschiges Gewebe ein Licht ansehen. Diese Erscheinung rührt daher, das; sich der durch eine Masche des Atomnehwerkes hindute- gcgangcne Wellenzug mit einem benachbarter verstärkt ober schwächt, unb sie ändert sich sowtel mit der Art des dabei verwandten Blättchens als auch mit der Ratur der Elektronenstrahlen. Ie schneller nämlich die Elektronen fliegen, um so kürzer ist die Welle, als die uns das Elektron nunmehr erscheint. Die Geschwindigkeit der Zi ­tronen hängt von der Größe der Kraft ab. duca> die sie in Bewegung gesetzt werden. Bei einem elektrischen Gefälle von vielen Tausenden von Volt fliegen die Elektronen natürlich rascher, als wenn sie durch geringere Kraft getrieben werden. Wir können also in sehr weitem Maß: bie Versuchsbedingungen ändern und damit eie Aenderungen der Ergebnisse vergleichen. Rach zahlreichen so vorgenommenen Messungen kann an der Wellennatur der Elektronen kein Zweifel mehr bestehen.

Aber auch ein wichtiger ausnutzbarer Orte"! dieser Versuche winkt uns. Bei dem dazwischen-.- geschobenen Blättchen handelte es sich ja, wie wir sahen, um ganz ungewöhnlich dünne Ge­bilde; sie bestehen sozu'agen nur aus Oberfläche. Run kennt die Chemie eine Reihe von Vor­gängen, die sich auch nur an der Oberfläche eines Stosses abspielen, und die man ..katalytpcve Wirkungen", Wirkungen von Kuppelstosfen, nennt. Bei ihnen verursacht die bteße Anwesenheit eines Stosses von großer Oberfläche einen sonst nk.)t stattfindenden chemischen Vorgang. Die Ratur solcher für die Technik sehr wichtigen Vorgänge war bisher noch recht dunkel. Runmehr aber hofft man, ihnen durch die Untersuchungen der erste Gleis sparen unb hat nur ein kurzes Stück unter bem Zug auf Rollen, das mit dem >-ug vorwärts wandert. Auch die Rakete spukte schon vor vielen Iahrzehntcn, unb zwar spuckte sie da­mals nicht Verbrennungsgase, sondern Dampf: Auf einer Art Zeppelin reitet einer und hat vor sich einen Kochtopf; der darin erzeugte Dampf strömt hinten am Flugkörper aus. Als Beförde­rungsmittel auf der Erde wird der Darnpsroll- schuh empfohlen, ein Rollschuh mit einer Dampf­maschine auf der Spitze.

Gegen das Einfrieren der Wasserzapsstellen schlägt ein Erfinder ihre Beheizung vor. Die Kosten für diese will er durch die Vermietung an Kastanienbrater wieder einbringen. Seyr hübsch ist auch die Motorgeige, bei der eine um­laufende Scheibe mit ihrem Rand die Saiten streicht. Aber ganz b: sonders witzig scheinen mir die Darstellungen, die zeigen, wie ein kleiner technischer Erfolg mit einem Riesenaufwand von Mitteln erreicht wird. So zeigte ein Bild eine Erbsensra t naschine: Die Erbse wird ganz genau unter ein riesiges, von mehreren Mann bedientes Fallbeil gelegt und so gespalten. Die beiden Hälften werden dann durch zwei Mann auf einer Bahre weggetragen. Man muh das Bild selbst sehen, dann lacht man darüber. Roch schöner sind vielleicht die Sachen, bei denen man nicht weih, ob sie ernst oder scherzhaft gemeint sind, wo man zweifelt, ob der Erfinder ein Schall oder wirklich so dumm ist. Zu diesen Dingen ge­hört oft das Perpetuum mobile.

Manche Bilder, so insbesondere die von Krey, waren in ihrer technischen Durchführung richtig, bei anderen sah man, daß der Künstler von Technik keine blasse Ahnung hat, unb das ist immer störenb.

Der Vortrag würbe mit bem verdienten Bei« , fall ausgenommen. Der Vortragende hat einen ganz gewaltigen Stoff mit ungeheurer Liebe zu­sammengetragen unb durch seinen Vortrag vielen eine frohe Stunde bereitet. Ammon.

Alterungserscheinungen

Don Dr.-Zng. Friedrich Soltau.

Nachdruck verboten.

Für hoch beanspruchte Maschinenteile verwendet man Baustoffe, die nicht nur eine große Festigkeit, sondern vor allem eine große Zähigkeit haben. Bei­spielsweise können Rüder und Achsen von Eisen­bahnwagen und Fahrzeugen stark zusammengedrückt oder verbogen werden, ohne daß Brüche ober auch nur Oberflächenrisse auftreten. Sie haben daher die Fähigkeit, starke Stöße abzufangen, da sie über die Elastizitätsgrenze hinaus dauernd verformt werden können, ohne daß ihre Festigkeit wesentlich leidet. Don dieser Eigenschaft wird neuerdings bei der sog. Kaltverformung" in großem Umfange Gebrauch gemacht, indem vor allem Bleche und Bänder ohne Erwärmung in die gewünschte Form gebracht wer­den, sei es durch Biegen, Bördeln, Ziehen, Stauchen oder auch nur durch Schneiden und Stanzen. Die Untersuchungen der letzten Jahre haben jedoch ge­zeigt, daß die Kaltverformung eine Aenderung der Festigkeitseigenschaften zur Folge hat, die sehr be­denklich sein kann, ganz besonders wenn solche Teile beim Gebrauch Wärmegraden von mehreren hun­dert Grad ausgesetzt sind. Das soll an einem Bei­spiel näher erklärt werden.

Wird ein Behälter ober ein Kesselschuß herge­stellt, so werden die Bleche zunächst mit der Kalt- schere geschnitten, ferner gestanzt oder gebohrt und schließlich gebogen und zusammengenietet. Bei allen diesen Bearbeitungsvorgängen wird das Blech verformt, beim Biegen im ganzen Stück, beim Schneiden, Stanzen, Bohren bis in eine gewisse Tiefe der bearbeiteten Schneidkante oder der Loch­ränder, was man am Gefüge schon mit bloßem Auge erkennen kann. Vergleicht man nun die Eigen­schaften des Bleches vor und unmittelbar nach der Kaltverformung, so findet man eine geringe Zu­nahme der Festigkeit, dagegen eine Abnahme der Zähigkeit auf etwa die Hälfte. Der Baustoff ist also durch die Kaltbearbeitung bedeutend spröder gewor­den. Soweit bietet der Vorgang dem Wesen nach nichts Neues, denn die Eigenschaften eines Bau­stoffes werden durch die Bearbeitung immer ge­ändert. Das Bemerkenswerte ist nun, daß sich die wichtigste Eigenschaft, nämlich die Zähigkeit, mit der Zeit in bedenklicher Weise weiter verschlechtert. Läßt man nämlich das Blech ruhig lagern und prüft es nach etwa 12 Wochen, so zeigt sich, daß die Festig­keit gegenüber der ursprünglichen um etwa ein Fünftel zugenommen hat, baß bagegen die Zähig­keit auf etwa ein Drittel gesunken ist. In ähnlicher Weise werden auch andere Eigenschaften, wie die Biegefähigkeit, Einschnürungsfähigkeit, Dehnung, Magnetisierbarkeit, verändert. Diese Gesamtheit die­ser Erscheinungen nennt man Alterung. Ein gealter­ter Baustoff ist spröder geworden und kann somit Stöße weniger stark abfangen als vorher; er bricht schon bet Kräften, denen nicht gealterter Werkstoff widersteht. Der Betrag, um den sich die Eigenschaf­ten beim Altern ändern, ist in den ersten Stunden und Tagen nach der Kaltoerformung am größten und nimmt im Laufe der Monate und Jahre ab.

Es ist nun nicht notwendig, daß nach der Kaltver­formung eine längere Zeit verstreicht, bis nennens- werte Altersänderungen hervorgerufen werben. Man kann die gleichen Umwandlungen im Verlaufe weni­ger Minuten herbeiführen, wenn man etwa Flußstahl auf 100300° erwärmt. Der Stahl weist nach biefem Anlassen die gleiche höhere Härte und Sprödigkeit auf, wie sie sonst durch wochenlanges Lagern ent­steht. Diese künstliche Alterung tritt also beim An- lassen auf Wärmegrade auf, bei der Stahl blau an­läuft, sie wird daher mit dem NamenBlaubrüchig- teil" bezeichnet. _ ,, .

Noch stärker zeigen sich die beschriebenen Erschei- nungen, wenn der Stahl zuerst auf Blaubruch­wärme gebracht und bann verformt wird. Dann fallen Bearbeitung und künstliches Altern gleichsam zusammen. Schon bei der Bearbeitung in Blau- warme ist eine fühlbare Abnahme der Zähigkeit zu beobachten; bei der Abkühlung auf Die Raum- wärme hat die vorhandene Wärme noch mehr Zeit, das beim Recken veränderte Gefüge zu weiteren Umwandlungen anzuregen; nach dem Erkalten ist daher der Stahl wesentlich spröder geworden.

Bei der Allerung handelt es sich also um eine Gefügeumwandlung; wie sie vor sich geht, dafür ist

Fo

Fo

Vild 2

Vilb 1