Oie Liebe -erBrigitia Hollermann
Vornan von Elisabeth Ney.
Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle (Saale).
23 gortleBung. Nachdruck verboten.
Olmert) lieh es sich nicht nehmen, den Freund am anderen Morgen zum Dampfer zu bringen.
Noch einmal drückten sie sich stumm die Hände.
..Grützen Sie mir Frau Isa! Sie soll mir nicht mehr gram sein. Sn spätestens vierzehn Lagen sehen wir uns wieder," sagte Olmert) herzlich.
Langsam verlieh dann die „Ozecma" den Hafen von Hongkong.
Hans-Sörg Gggenbrecht lehnte an der Reling und sah versunken auf die große, wette Wasserfläche.
Eine sÄtsame Unruhe, eine Ahnung von etwas Schrecklichem ergriff ihn. Es war ihm, als habe er keine Zett mehr zu verlieren, als müsse er den Dampfer zu höchster Eile antreiben.
Seine Gedanken eilten voraus, zu 3fa, die er solange nicht mehr gesehen hatte.
Wie würde sie ihm gegenübertreten?
Er versuchte sich ihr Gesicht zu vergegenwärtigen. Aber seltsam, er vermochte es nicht. Ein andere- Bild schob sich vor das ihre, das Brigitta Hollermanns. Diese ernste, stolze Schönheit verdrängte den koketten, rotblonden Lockenkopf seiner Frau.
Wütend schleuderte er seine Zigarette über Bord.
WaS war da«: warum quälte ihn plötzlich jenes Mädchen? WaS ging ihn die Schändliche an. die ihm so schweres Leid zugefügt hatte?
Llmsonst versuchte er dieses Bild von sich zu weisen. Vergebens! ES tauchte immer aufs neue vor feinem geistigen Auge auf, und verfolgte ihn unablässig, je mehr er sich dagegen wehrte.
Brigitta Hollermann, die Frau Doktor Bei- linger, waS ging sie ihm an? Was hatte er noch mit ihr zu schaffen? Weshalb drängte sie sich jetzt zwischen ihn und seine Frau?
Bitter auflochend verlieh er seinen Platz und schlenderte nach dem Promenadendeck.
Eggenbrecht war während der Fahrt ruhelos, erregt.
Endlich nahte Schanghai.
Die „Ozeana" war in den Whangpoo, einem gewaltigen Rebenfluh des (Jangtse, eingelaufen, an dessen Llfer sich die Stadt Schanghai ausdehnte.
Dor Ungeduld zitternd, starrte Hans-Jörg Gggenbrecht den Strom entlang. Gr sah in der Ferne die Stadt liegen.
GS war Abend. Die großen elektrischen Bogenlampen des Users rückten näher und näher.
Jetzt belebte sich allmählich die Gegend, denn sie fuhren längs eines erleuchteten Stadtteils hin.
Zusehends näherte man sich der Landungsstelle.
Eggenbrecht fühlte deutlich die dumpfen, erregten Schläge feine« Herzens, ünb nun legte der Dampfer an.
Gggenbrecht eilte den Steg hinab, um sich einen Platz auf dem kleinen Dampfer zu sichern, der ihn nach der Stadt selbst bringen sollte.
Verstört starrte er während der letzten kurzen Fahrt auf die schwarzen, glänzenden Fluten des breiten Stroms.
Da war sie wieder, die namenlose Angst, die ihm die Kehle zusammenzuschnüren drohte.
Was hatte das zu bedeuten?
In einer Stunde würde er vor Isa stehen.
Als der kleine Dampfer anlegte, sprang Eggenbrecht, sich rücksichtslos Bahn brechend, als erster an Land.
Wenige Minuten später raste er in einem Auto der Wohnung Ri von Saldens zu.
Die Fahrt erschien ihm endlos. Endlich hielt der Wagen.
Aachdem er den Führer entlohnt, stand er einige Minuten wie betäubt vor der Billa.
Fast alle Fenster waren erleuchtet.
Hatte von Salden an diesem Abend zufällig Gesellschaft?
Schlietzlich ermannte er sich, und drückte zögernd auf die Klingel.
Erst noch längerer Zeit nahten Schritte über den breiten Kiesweg.
Bor ihm stand eine Krankenschwester.
Eggenbrecht erblühte, und hielt sich nur mühsam an dem Eisengitter der Pforte fest.
„Ich möchte Frau von Salden sprechen," bat er gepreßt.
„Das ist heute nicht möglich," sagte die Schwester ernst.
„Ist Frau von Salden krank?" fragte er beklommen.
„Rein, sie selbst nicht, aber die junge Dome, die bei ihr wohnt. Gin Unglücksfall; Sie werden also verstehen, wenn--“
Gggenbrecht unterbrach sie:
„Ich — ich komme soeben aus Hongkong. Ich bin Doktor Eggenbrecht. Die Kranke ist meine Frau. Lassen Sie mich um Himmels willen schnell zu ihr!"
Er sah, wie die Schwester erschrocken zurück- prallte und dann mit zitternder Hand das Tor aufschloß.
„Schwester, was ist geschehen? Meine Frau!" stöhnte Eggenbrecht.
„Es tut mir leid, Herr Doktor: wenn ich gewußt hätte, wer Sie sind, dann--"
„Keine Schonung, Schwester, ich fordere die Wahrheit."
„Ihre Frau ist verunglückt: eine Frühgeburt. Der Fall ist sehr ernst," sagte die Schwester, ängstlich voraneilend.
Eggenbrecht folgte ihr atemlos.
Im Bestibül trat ihm Ri von Salden entgegen. Sie erschrak über sein plötzliches Erscheinen, bann aber faßte sie nur stumm seine Hand und führte ihn in ein Zimmer.
„Setzen Sie sich, lieber Doktor, denn in diesem erregten Zustand können Sie keineswegs zu Isa gehen," sagte sie sanft.
„Sie lebt, gnädige Frau?" stammelte Eggenbrecht.
„Gott erhalte sie uns," entgegnete Ai von Salden mit Tränen in den Augen.
„llnb das Kind, gnädige Frau?"
„Ist gesund und munt’r, Gott sei Dank, lieber Doktor.
Gggenbrecht atmete auf.
„Sie Baben Doktor Schmidtborn. WaS sagt er zu 3iq?" forschte er dann wieder ängstlich.
„Fassen Sie sich, lieber Freund, Isa geht eS leider sehr schlecht. Augenblicklich ist sie ohne Besinnung."
„Sie muß sterben, Frau Ri: sagen Sie mir alles, die Wahrheit! Mein Gott, so quälen Sie mich doch nicht so furchtbar!"
„Doktor Schmidtborn gibt keine Hoffnung mehr," klang es leise zurück.
„Keine Hoffnung!" Eggenbrecht barg stöhnend den Kops in beiden Händen.
„Wie kam es, Frau Ri: erzählen Sie mir bitte alles."
„Es war vorgestern zum Gartenfest bei Herrn Ferry. Ich hatte Isa so gebeten, nicht hinzugehen und zu tanzen, sie aber setzte ihren Troh- kopf durch. Ich hoffte immer, daß Sie noch vorher kommen würden. Leider war mein Hoffen vergebens. Um Mitternacht brachte man mir Isa. Sie war beim Tanzen unglücklich gestürzt. Das Kind kam heute früh. Es war ein furchtbares Leiden. Isa ist seitdem noch gar nicht wieder bei Besinnung gewesen."
Ein trockenes Aufschluchzen klang durch den füllen Raum.
Ri von Salden störte das Leid dieses Mannes nicht.
„Ich wlll, ich muß jetzt zu ihr gehen, vielleicht kann ich sie noch retten!" rief Gggenbrecht dann aufschluchzend.
„Doktor Schmidtborn ist bei Isa, er hat ihr Zimmer noch gar nicht verlassen," erklärte Ri von Salden. „Kommen Sie, lieber, armer Freund, und versuchen Sie um Isas willen Fassung zu bewahren."
Wie ein Trunkener folgte Hans-Jorg Eggenbrecht der Boranschreitenden.
Schmerz, Zorn, Todesangst, Empörung über den Leichtsinn Isas, der sie nun das Leben kosten sollte, tobten in ihm.
An der Tür des Krankenzimmers erwartete ihn Doktor Schmidtborn.
Ein Blick in dessen Gesicht sagte Gggenbrecht alles.
Isa war unrettbar dem Tode verfallen.
Schwankend näherte er sich ihrem Lager.
Bleich, das Haar wirr zerwühlt, mit heißen, roten Fieberslecken auf den Wangen, lag sie stöhnend und wimmernd in den Kissen.
Leise war die Schwester hinzugetreten und hielt ihm das Kind, fein Kind, entgegen.
Gggenbrecht zuckte zusammen und starrte beinah hilflos auf das kleine Bündel, aus dem ein winzig kleines, goldlockiges Köpfchen schaute.
„Ein Mädelchen, Herr Doktor," flüsterte sie erklärend.
Da riß ihr Hans-Jörg Gggenbrecht fast ungestüm das kleine, schlafende Wesen aus der Hand, so daß es kläglich auftoimmertc.
Der Schrei des Kindes war bis in die tiefe Ohnmacht der sterbenden jungen Frau gedrungen. Sie schlug plötzlich die Augen auf und sah verständnislos um sich.
„Isa, liebe Isa!" rief Hans-Jörg, sich sanft über sie neigend.
Da weitete sich ihr Blick in hellem Entsetzen. Sie starrte auf ihn, auf das Kind, und begriff alles.
„Geh', geh'!" schrie sie gellend. „Ich hasse dich! Geh', was willst du hier!"
„Isa, ich bin gekommen, um dich zu bitten, daß nun alles gut werden soll," sagte Eggenbrecht gepreßt.
„Gut?" fragte sie spöttisch. „Ja, ja, eS wird alles gut; ich sterbe, und dann ist alles vorbei."
„Isa, sprich nicht so furchtbar! Du mußt ja leben — leben um des Kindes willen, deines Kindes willen!"
„Leben, haha! Ich möchte wohl noch leben, aber nicht, um damit zur Kindermuhme herabzusteigen. Geh', ich will dich nicht sehen!"
„Isa, rührt dich nicht das kleine hilflose Wesen? Komm, ich kühle dir die heiße Stirn, damit du schnell gesund wirst. Dann wollen wir endlich zusammen glücklich werden."
Eggenbrecht reichte ihr das Kind mit bittender Gebärde. Isa aber stieß es heftig von sich, und schrie:
„Schaff' es fort, augenblicklich: es ist häßlich. Ich hasse es, oh, wie ich es hasse, da es dir jetzt schon ähnelt, oder — bring’ es Brigitta!"
Fassungslos starrte Hans-Jörg Eggenbrecht auf fein Weib. Sprach sie im Fieber?
Rein, ihre Augen waren jetzt ganz klar auf ihn gerichtet, und es funkelte in ihnen tödlicher, furchtbarer Haß.
Ein Schmerzanfall ließ sie laut aufschreien.
„Du bist schuld, wenn ich sterbe — du und das da," wimmerte sie dann kraftlos. „Ich will aber nicht sterben, noch nicht! Geht ihr aus meinem Leben, du und das Kind: ich brauche euch nicht. Ich will leben, tanzen, lachen! Hahaha!"
„Isa, um Gottes willen, du rasest. Sei still, damit das Fieber nicht.noch mehr steigt."
Da aber richtete sie sich plötzlich halb in ihrem Bett auf, und flüsterte mit fiebernden Lippen:
„Daß du's nur weißt: Brigitta ist nicht mit Bellinger verheiratet. Sie hat das Haus noch vor.mir verlassen. Ich habe dich belogen."
„Isa!" rief Eggenbrecht gequält auö.
„Ja, schrei' nur, juble nur. Oh, ich hasse dich? Du sollst wissen, daß ich dich niemals geliebt habe. Du kamst mir gelegen, ich wollte nur durch dich hier festen Fuß fassen. Oh, ich habe dich stets und immer belogen; auch damals, an jenem Abend, als du glaubtest, daß meine Schwester ein häßliches Spiel mit dir getrieben hat. Brigitta wurde an jenem Abend das Opfer einer Intrige jenes Bellinger und meiner Mutter, und ich half dabei. Ich hatte gelogen, als ich sagte, daß Brigitta dich absichtlich verliebt machte, um dich zu demütigen. Sie liebte dich wirklich, sie glaubte an die Verlobung mit dir. Die Worte meines Vaters trafen sie selbst tote Keulenschläge. Du verließest zu schnell den Kampfplatz, edler Ritter, sonst hättest du noch die Wirkung deiner Glückwünsche gesehen. (Brigitta brach zusammen und lag wochenlang an einem Rervenchok danieder. Dann verlieh sie eines TaHes sang- und klanglos das Haus. Sie beweinte dich seither wohl als einen* (Toten."
Eggenbrecht war, leichenblaß über das soeben Gehörte, zurückgetaumelt.
„Isa, Isa, weshalb quälst du mich so!" rief er außer sich. „Rein, nein, du triebst nur ein furchtbares Spiel mit mir, du kannst in Wirklichkeit nicht so maßlos schlecht sein."
(Fortsetzung folgt.)
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