Ausgabe 
6.4.1929
 
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waltung an sich bringen und vermöge dieses Ein- flusses die fremde wirtschaftliche Betä­tigung außer der englischen ausschließen. Jeder Versuch des Widerstandes dagegen sollte mit Hilfe der bevorzugten Engländer zum Schweiaen gebracht werden. Oeffentlich wurde immer von der Aufrechterhaltung des augenblicklichen Zustandes gesprochen, in vertraulichen Erörterungen und in einer geheimen Abmachung wurde aber die Mög­lichkeit einer .Liquidation" Marokkos in Aus­sicht genommen.

Somit ist kein Zweifel, daß Frankreich die Ver­handlungen mit der Absicht, Deutschland aus einem entwicklungsfähigen Gebiete auszuschließen, begon­nen, und daß England diesen Standpunkt angenom­men hat, sobald Frankreich die verlangte Konzession in Aegypten gemacht hatte. Ohne englische Unter­stützung würde Frankreich nie eine derartige Brüs­kierung Deutschlands gewagt haben. Es ist wie beim Ursprung des Weltkrieges: England hat die deutsch­feindlichen Strömungen in den anderen Mächten nicht hervorgerufen, es hat sie aber sogleich benutzt und die Gegensätze geschürt, um die Einschränkung der wirtschaftlichen und politischen Macht Deutsch­lands zu erreichen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Dießen, den 6. April 1929.

Menschen von der Nordseiie.

Wir waren aus unserem Spaziergange durch den kahlen Wald gekommen, hatten erfreut dem Vogelgezwitscher gelauscht, aber vergeblich nach Len ersten Frühlingsboten unter den Blumen und Gräsern geschaut. Stellenweise waren die Wald­wege noch hart gefroren. Aber im warmen Son­nenschein ging es sich so schon durch den Hellen Wald. Ahnungsvoll fühlten wir viel tausend ge­heime Kräfte, die unsichtbar Tag und Aacht schafften, um nun auch ihn bald aufzuwecken und mit frischem Grün zu schmücken.

Da. am Ende des abwärts führenden Weges, am Abhang, nahe den Fichten, lag noch eine Menge Schnee. Wan sah deutlich, wie ihn einst der Wind hier zusammengeweht hatte. Aber welche Farbe! Das war kein Weitz mehr: grau und schwarz, traurig anzusehen, waren die letzten Zeugen bed Winters. Mein Junge war er­staunt und griff hinein, zog jedoch rasch seine Hand zurück. Zu hartem Eis war die Masse geworden, an den Rändern tropfte es unauf­haltsam, und kleine Bächlein führten talab.

»Vater, warum bleibt der Schnee hier solange liegen: wir haben doch schon viele warme Tage gehabt?"3a, mein 3unge, da- ist die Rord- seite: dahin können die Sonnenstrahlen nicht gelangen, und im Schatten der Fichten konnte sich der Schnee so lange halten. Auf den hohen Bergen ist es auch so, da bleibt er sogar im heißesten Sommer liegen. Wenn die Sonne meint, jetzt habe ich's bald geschafft, dann kommt von neuem der Winter, und im nächsten 3ahre hat sie dieselbe Arbeit. 3m Schwarzwald fanden wir ja auch auf unserer Sommerwanderung noch Schnee in einer Mulde am Aordabhang. Die Rordseite ist immer am kältesten."

Auf einem Seitenwege, der vollständig auf­getaut war, trafen wir einen Holzfuhrmann, der seinem Pferde wohl zu viel aufgeladen hatte: denn eS ging nicht vorwärts. Die Räder waren tief eingesunken in dem weichen Boden. Der Fuhrmann fluchte Und hieb auf das arme Tier ein, aber eS half alles nichts. 3ch redete ihn an und verwies ihm daS Unsinnige seiner Hand­lungsweise. Er sollte doch lieber etwas abladen und noch einmal fahren. Er versuchte von neuem daS Pferd mit der Peitsche anzufeuern und half selber am Rad mit. Vergeblich. Da legte er mürrisch und ärgerlich die Peitsche hin und begann abzuladen.

Mein 3unge hatte voll Angst zugeschaut, als das Pferd geschlagen wurde und meinte nach­her: »DaS war auch einer von der Rordseite, der harte uckd rohe Fuhrmann."

3a, er hatte recht. Das Wort .von der Dord- feite" kam mir nicht aus dem Sinn. Es ging noch den ganzen Tag mit mir. 3m Geiste ließ ich Rachbarn und Bekannte vorüberziehen, und bei manchem konnte ich sagen wie mein Kind: .DaS ist auch einer von der Rordseite." Da war der alte T., der Geizhals, der seinem Freund alles, aber auch alles, pfänden lieh, nur damit er sein Geld rechtzeitig erhalten konnte. Krank­heit und geschäftliche Fehlschläge rührten ihn

Einige mutzten es getan haben der Strahl ward etwas stärker.

.Als wenn unsereiner Kieseln taat!" höhnte der 3ackei.

ES war für die Katz', ich sah eS ein und schüttelte den Kopf: .Solang der lange Strang in die Gehöfte weit hinaus allen Druck abzieht

.Botschaft mühte man zu denen schicken," sagte jemand.

.WaS hast d' gsagt!" Der Traminer stand neben mir. Bleich und stammelnd: .3 bin schuld,

l woatz"

.Wir sind alle schuld."

.Rix da, wenn i damals net so gegen alle Hahnderln g'red't hätt' was hast d' gsagt der lange Strang wo geht er an aha, beim anderen Hydranten"

Mit ein paar Sätzen war er drüben. Mit ge- walttger Kraft ritz er am Hydranten. Der gab nach. Eine Grube tat sich auf. Ein Rohr lag bloß. DaS Rohr, das die Gehöfte weit hinaus versorgte.

.Derweil steht vom Hechenrainerhos kein Pfosten mehr," sagte ich schlaff, .ja, wenn einer jenen ganzen Strang verstopfen könnte"

Mächtig quoll eS aus dem abgebrochenen Rohr. Der Strahl aus der Letter droben sank zusammen. ^.Ausbieselt iS 'S!" höhnte der 3ackei, .aus

»An geht'S!" schrie der Traminer in der Wassergrube, .einen Prügel her!"

Sie reichten ihm ein Holzstück. Er schob es ins wasserzischende Rohr. Es schoh wieder heraus.

»Lumpen her und Stroh was 's habts!"

Sie brachten Stroh und Lumpen. Er stopfte es hinein.

.Mehr Lumpen!"

»Ham koane mehr."

»D 3oppen awa, d' Hemmada herunter!"

Sie rissen und sie gaben, was er wollte. Er stopfte, stopfte, stopfte.

Es hielt dem Druck nicht stand. Es fing an, herauszuquellen. Da streifte der Traminer seinen Aermel auf. Seine Liesenmuskel sah ich spielen. Hinein in« Rohr fuhr der sehnige Dauernarm. Grimmig lachte drüber ein Gesicht zu mir herauf: »Der bleibt drin der kimmt nimmer raus bis daß bis daßu

nicht. Am Ersten war sein Geld sLMg, und er wollte nicht warten.

3n vielen Dörfern ist es noch Sitte, dah alle Fuhrwerköbesiher freiwillig uncntgelt iche Fahr­ten übernehmen, wenn jemand baut. 3ch kenne aber einen Fall, in dem einer Witwe Scheuer und Stallungen abgebrannt waren, daß sich zwei Fuhrleute von diesem HilsSwerk ausschlossen, auch nichts beisteuerten, als für die arme Frau Heu und Stroh eingesammelt wurde. Das waren Leute von der Rordseite. »Hilfsbereitschaft ist eine schöne Tugend der unteren Stände: die oberen sind nicht halb so dienstferttg", sagt zwar Hilth. Leider hat dieser Ausspruch auch heute schon viel­fach seine Gültigkeit verloren. Krieg und 3nfla- tion haben nicht nur in finanziäler Hinsicht geschadet.

Die Menschen von der Rordseite. in deren Herz die Sonne nie scheint, und die auch gegen sich selbst hart und eisig bleiben daS ganze 3ahr, während eS draußen blüht und duftet, find im Grunde genommen doch arme Menschen. ES geht von ihnen keine Liebe, kein Segen aus. Einsam meist und verschlossen wandeln sie ihre Tage dahin.

Kennst du nicht auch solche? Hilf ihnen, daß sie sich wieder freuen können und nicht nur immer an das Geschäft denken! Hilf ihnen, daß sie wenigstens wieder Anteilnahme zeigen an dem Schicksal ihrer Mitmenschen! Zeige ihnen, daß in dein Herz die Sonne scheint und Strah- len zurückwirst, dah es nicht Eiseskälte, sondern Liebe und Milde ausströmt! Erinnere sie an den wunderbaren Herrn von Ribbeck. dem Fontane das schöne Gedicht gewidmet hat:

Wenn da zur Herbsteszeit ein Dube oder ein Mädchen an seinem Garten vorüberging, rief er ihm zu: »Willst du eine Dirne?"

So ging es viel 3ahre, bis lobesam der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam... . ...3ch scheide nun ab.

legt mir eine Dirne mit ins Grab."

Die Kinder trauerten und klagten, denn der neue Herr war ein Knauserer, ein Mann von der Rordseite. Aber der alte hatte mit seinem selt­samen Wunsch noch über seinen Tod hinaus sein goldenes Herz gezeigt. AuS dem Grabe sproß ein junger Dirnbaum, und als die Zeit gekommen war. konnten die Kinder, wenn sie über den Friedhof gingen, dem alten Herrn noch dankbar sein.

So spendet Degen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

P.

Gießener Ferienkurse 1929.

Dor einigen Tagen ist das Programm der dies­jährigen Gießener Ferienkurse erschienen. Es bringt Mitteilungen darüber, was die Ferien­kurse (30. September bis 12. Oktober) ihren Teil­nehmern zu bieten gedenken. Die Dorträge be- handeln das gemeinsame Thema:Deutsche Denker, Dichter und Künstler". Fol­gende Professoren der Gießener Universität ha­ben ihre Mitwirkung zugesagt: Frl. Prof. Dr. M. Bieber, Prof. D. H. Bornkamm, Dr. 3. R. Gerber, Studienrat P. G r a e b e r, Pros. Dr. W. Kinkel, Geh. Rat Prof. Dr. W. König, Dr. H. La Utens ach. Prof. Dr. Ehr. Rauch, Prof. Dr. G. R o l o s f, Prof. Dr. L. Rosenberg, Geh. Rat Prof. Dr. R. Som­mer, Prof. Dr. Th. Steinbüchel. Prof. Dr. K. D i ö t o r. Wie uns die Kursleitung mitteilt, wird ferner Dr. h. c. Wilhelm Schäfer am Eröffnungstage sprechen. Außerdem stehen künst­lerische Veranstaltungen im Theater und im Konzertsaal und sportliche Liebungen auf dem Programm. Wie im vorigen 3ahre, werden an mehreren Tagen Ausflüge unternommen werden: vorgem.'rkt sind zunächst Marburg, Dad-Rau- heim, Büdingen, Gelnhausen. Prof. Helmke wird die Teilnehmer mit einer unserer prähisto­rischen Fundstellen bekannt machen. Rach Schluß der Vorlesungen wird den Teilnehmern Gelegen­heit gegeben werden, unter sachverständiger Füh­rung einige hervorragende Stätten deutscher Ge­schichte und deutscher Kunst kennenzulernen: Die Fahrt führt nach Frankfurt a.M., Mainz, Worms und Heidelberg (13. bis 15. Oktober).

Die Kursleitung hat wie im vorigen 3ahre Prof. Dr. Ernst Küster übernommen (Gießen, Drandplatz 4). Er gibt allen, welche für die Ferienkurse interessiert sind, jede gewünschte Aus­kunft, ebenso die Geschäftsstelle, die im Sekre­tariat der Universität (Bismarckstraße 22) tätig ist. Die Teilnehmerkarte, welche zur Teilnahme

»Ihr seid toll, sechs Atmosphären haltet ihr nicht aus!"

»3 'leicht net mei Arm da scho' geht'S nur Hera, DeifiS-Ammosferi!"

Sie gingen her. Der Arm ging hin. Sie hielten sich die Waage.

.Hurra!" schrie eS von der Beitet, steigt scho'!"

Tiefer preßte der Traminerarm daS Lumpen­bündel in die Röhre. Blaurot schwoll'S ihm im Gesicht.

»Hurra, hoher, höher hurra!"

Zischend kam es aus dem Schlauchmund. Zi­schend fuhr es ins Gebälk des Dachstocks. Zischend übergoß es jetzt die Flammen. Prasselnd spielte sich dort droben fast der gleiche Kampf ab. wie da unten. Rur daß das Wasser dort das Feuer übermannte, und der Arm hier unten über­wältigte das Wasser.

Der Hechenrainer stand noch immer mit Hänge­armen Doch das Feuer sank.

Halt aus, Traminer, halt aus!"

Des Traminers stummverbissenes Antlitz wurde dunkel. Er schien zu schwanken.

Halt aus a bissel no, a bisserl Traminer, wennst d' net aushaltst, waar alles umasinscht!"

Er hielt aus.

Als im Dachstuhl droben die letzte Glut ge­löscht war, fiel der Traminer um. Matt rutschte aus dem Rohr der Arm. Der Arm nur, keine Hand mehr, die war fort. Rein, nicht fort jetzt kam sie hinterher, für sich allein Rein, nicht für sich allein zusammen mit den Lum­pen und den Wasserwogen spie die Röhre des Traminers Hand aus.

Verlegenheit im Quadrat.

Von Munkepunle.

Weshalb sckaukelt, schlingert, schliddert unser Auto plötzlich so langsam über die thüringische Land­straße? Wirklich langsam? Indessen dos Äuge vor sich doch etwas von reichlich sechzig Kilometer liest. Etwas muß do nicht stimmen!

Und etwas ftimrnt da auch nicht Nachwer" und ,^vos" nn Hirn klaubend, überrascht uns dieses

an allen Vorträgen, künstlerischen Veranstaltun­gen, sportlichen Hebungen und den Lehrausflügen in die nähere Umgebung der Stadt berechtigt, kostet 25 Wk.

Die Tötung von Hunden und Katzen.

Der Gießener Tierschutz-Derein, Kaiserallee 1, teilt uns mit:

Wer von seinem Hund oder seiner Katze 3unge erwartet, überlege sich rechtzeitig, wieviel Jung­tiere er aufziehen will, damit er die über­flüssigen bald nach der Geburt töten kann. Die Keinen Tiere erst großzuziehen und dann aus dem Hause zu jagen oder verkommen zu lassen, ist grausam. Die herrenlosen Kätzchen gehen ent­weder elend zu Grunde, oder sie beginnen ein richtiges RLuderleben und richten unter den Sing­vögeln und ihrer Brut großen Schaden an, da sie für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Rachkommen sorgen müssen. Die neugeborenen Tierchen tötet man am schnellsten, indem man ihnen mit einem harten Gegenstand kräftig auf den Kopf schlägt, natürlich nicht in Gegenwart des Muttertieres. Ertrinken bedeutet für die jungen Tiere einen langsamen und grausamen Tod, weil die Lungen noch unentwickelt sind.

Alte Hunde und Katzen, die man los fein möchte, jage man nicht einfach aus dem Hause in ein ungewisses Geschick, man gebe sie auch nicht an zweifelhafte Menschen weiter, sondern töte sie durch sicheren Schutz. Wer keine Ge­legenheit hat, fein Tier zu töten oder von fremder Hand töten zu lassen, wende sich an den Tierschutz-Verein.

Gießener Wochenmarttpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 190 bis 200. Kochbutter von 150 an, Matte 30 bis 35. Wirsing 20 bis 60, Weiß­kraut 20 bis 30, Rotkraut 20 bis 30, gelbe Rüben 25 bis 30. rote Rüben 25 bis 30, Spinat 70 bis 100. Unter-Kohlrabi 10 bis 15, Rosenkohl 70 bis 80. Feldsalat 250 bis 300, Endivien 150 bis 300. Tomaten 80 bis 100. Zwiebeln 25 bis 30, Meerrettich 50 bis 153. Schwarzwurzeln 60 bis 90, Kartoffeln 6. ausländische Aepfel 50 bis 80, inländische Aepsel 30 bis 40. Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 70 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Tauben 90 bis 100 Pf. das Pfund: Käse (10 St.) 60 bis 140 Pf.: Eier 13 bis 14, Blumenkohl 70 bis 160, Salat 40 bis 60, Salatgurken 130 bis 140, Lauch 15 bis 30. Rettich 20 bis 30, Sellerie 20 bis 100 Pf. das Stück: Radieschen 30 bis 40 Pf. daS Bund: Kartoffeln 5,50 Mark der Zentner.

Bornotizen.

TaaeskalendersürSamstag. Bauer- scher Gesangverein e. D.: Ordentliche Generalver­sammlung, 8.30 Uhr, im Vereinslokal. Verein Rudersport Gießen 1913: Monatsverfammluna, 20.30 Uhr. Erste ReichskurzschriftgesellschaftBabels­berger": Vereinsabend, 8.30 Uhr. Eifenbahn- Fahrbeamtenverein: Generalversammlung, 20 Uhr, Stadt Wetzlar". Artilleristenoerein: Monats- Versammlung, 8.30 Uhr. 18701920: Hauptver­sammlung, 830 Uhr, HotelViktoria". V. f. B. 08: Siegesfeier, 8 Uhr, Cafe Leib. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:S O S. Astoria-Lichtspiele:Rin tintin". Wiesecker Lichtsviele:Casanovas Erbe".

Tageskalender f ü r Sonntag. Stadt­theater:Cäsar und Cleopatra", 19 bis 21.15 Uhr. Quartettverein Gießen: 2. Stiftungsfest, Cafs Leib. Motorsportklub 1926: Anfahren, Abfahrt 12 Uhr am Klublokal. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:SOS. Astoria-Lichtspiele:Rintintin". Wiesecker Lichtspiele:Casanovas Erbe".

Stadttheater Gießen. Aus tjcm Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Die Fremden- VorstellungCäsar und Cleopatra" beginnt morgen um 19 Uhr. Ermäßigte Preise. Die kommende Docke bringt zwei Premieren. Am Dienstag, dem 9. April gastiert das Wiener Burgtheater mit dem LustspielDie Frau in den Wolken", von Lernet Holenia. Hofrat Prof. Heine leitet das Ensemble-Gastspiel. Es ist von besonderem Interesse, daß der Kleistpreisttäger Lernet Holenia mit diesem Lustspiel das erstemal in Gießen zu Wort kommt. Das Stück gehört zu den besten Ko- rnödienauführungen der Wiener Burg. Die 2Iuf- führuna kann nicht wiederholt werden, da die Intendanz das Ensemble mir zu einmaligem Gastspiel verpflichten konnte. Am Mittwoch, 10. April, wird unter der Spielleitung von Inten­dant Dr. P r a s ch zum ersten MaleOktobertag" von Georg Kaiser aufgeführt. Dieses Stück zeigt

heiße Bedürfnis: nach der neuesten Berliner Zei- hing! Diese Sehnsucht schiebt alles beiseite: vorüber­fliegende Bäume, Schlaglöcher des Weges, blen­dende Sonne, Geschwindigkeit über Sekunde und Oertlichkeit hinweg. Eine Zeitung! Eine allerneueste Zettung aus Berlin! Haben! Soll und Haben!

Hat! Endlich in Weimar, bevor wir in das Cafe treten: ein Zeitungsstand. Unser Hirn steht. Fin­gern in der Tasche nach Kleingeld. Umschau zwischen all dem bedruckten Papier, wie wenn man Sklaven­händler wäre. Her damit! In die Manteltasche ge­steckt! Hinein ins Cafs! Hut auf den Haken! Man- tel weg!

Ja Mokka!"

Etwas feiner selbst entfernt hat man das zu dem Ober gesagt. Denn etwas trat in unser Innerstes und verwirrt es.

Eine Dame. Eine fremde junge Dame. In einem großen Cafe in Weimar. Ihre Konturen zerfließen mlld in der Tofelli-Serenade. Kein Ohr hört, wie die Töne von Geige und Cello zerkratzt werden, wie das Klavier überflüssige Kommata hinterherhumpelt. Eine Dame! Die Sphäre des 2Ibenfeuers um sich.

Hallo! Zerplatzt ist diese ganze Sphäre. Denn die Dame wischt die Bläue ihres Blicks, eines müden, sogar etwas schwermütigen Blicks von meinem Ge­sicht weg. Greift vielmehr mit gelangweilter Hand hinter sich nach dem Stuhl, auf den ich, den Man­tel abstreifend, die Zeitung, eben noch Gegenstand all meiner Sehnsucht, dann nebulös verschwommen, jetzt langsam wieder rematerialisiert, liegen gelassen habe. Die Dame hat meine Zeitung entblättert und vertieft sich in die Poltttt?

Reißt sie die Regie des herbeiaewünschten Aben­teuers an sich? Wann ist der Augenblick meines Stichwortes gekommen? Hätte man den Kellner zur Intervention vorzuschicken? Um erst dann in die Szene und in die Handlung zu treten, in Verlegen­heit ob der Verlegenheit Entschuldigung zu mur­meln, Verzeihung zu erbitten, die Regie an sich reißen zu können ... Schwarze Tücher von Gedan­ken schweben von der Decke herab und bauschen sich beängstigend auf qualftrigen Toselli-Wogen.

Rem so geht das nicht!

Daß für eine junge Dame hier in Weimar Politik in einer Zejtung also interessant sein kann! Sekunden dehnen sich höhnisch zu Minuten. Man

Georg Kaiser von einer ganz neuen Sette, als n> mantischen Dichter. Aber nicht eine verstaubte Ro­mantik wird gezeigt, sondern eine moderne, starke Suggestionskraft und Faszination springt von die­sem Schauspiel ins Parkett über. Die wahrhaft dichterische Kraft versteht es, das etwas heille Thcma so stark und überzeugend zu gestatten, daß man sich vor dem großen Dichter und Mensch respektvoll neigen muß. Die Presse stellt bas Stück turmhoch über das sonstige Theater unserer Tage. Es liegt in ihm die Feinheit und der Takt eines Könners, der ganz über der Situation steht. Der am Sonntag, 14. April, angesetzte Rezitations-- abend von Marcell Salzer muß, da Pro­fessor Salzer plötzlich an einer Lungenentzündung erkrankt ist, ausfallen. Die Intendanz hat beschlos­sen, dafürDer Mustergatte" von Hopwood zu geben. Das Lustspiel geht als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen in Szene.

(Ein Lehrfilm über guten und schlechten Betriebs st off für Kraft­fahrzeuge wird am morgigen Sonntagvormittag 11 Uhr im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße" vorgeführt werden. Die Kraftfahrer und Autobesitzer seien auf diese Filmvorführung besonders hingewiesen. Der Eintritt ist frei. Man beachte die heutige Anzeige.

"DiehmärkteinGießen. Am kommenden Dienstag fmbet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh) Markt statt. Für nächsten Mittwoch ist Schweine­markt angesetzt. Näheres ist aus der heutigen Be­kanntmachung der Stadtverwaltung ersichtlich.

** Die Museen sind am Sonntag von 11 bis lUhr geöffnet.

** Berichtigung. In der letzten Nummer unserer Beilage Heimat im Bild" vom 4. April ist die Unterschrift zu der Abbildung 5 auf Seite 55 Stadttheater in Gießen" bahtnu berichtigen, daß die Aufnahme von Herrn F r i tz M a r t i n, Gießen, Glaubrechtstraße 12, zur Verfügung gestellt wurde.

** Zuchtoiehversteigerunä in Butz­bach. Die am Dienstag, 9. April, in Butzbach statt­findende Zuchtviehoersteigerung des Landwirtschafts­kammerausschusses für Oberhessen wird mit 45 Bullen der hessischen Fleckviehrasie, darunter elf Bullen mit Milchleistungsnachwels der Mutter, beschickt werden. Ferner kommen vier Landschweineber, zehn Edel­schweineber und vier Sauen im Alter von acht bis zehn Monaten der letztgenannten Rasse zum Verkauf. Man beachte die heutige Anzeige.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

* Wieseck, 6.April. Die hiesige Stenogra­phen.Vereinigung und Damen-Abteilung veranstattet vom nächsten Dienstag, 9. April, ab einen neuen Anfängerlehrgang in der Reichskurz­schrift. Der Kursus wird in der Schule Alicestraße abgehallen. Der hohe Wett der Beherrschung der deutschen Reichskurzschrift für alle im kaufmännischen Dienst oder bei Behörden beschäftigten Personen ist so allgemein bekannt, daß die Erlernung dieser Fer­tigkeit keiner besonderen Empfehlung mehr bedarf. Hoffentlich wird die Beteiligung an dem Kursus, der im heutigen Anzeigenteil angekündigt wird, in unse­rem Otte recht zahlreich.

L. Wieseck, 6. April. (Arbeitsjubi-- läum.) Dieser Tage konnte die Zigarrenmacher n Katharine Hormann auf eine 50 jäh - rige Tätigkeit bei der Firma 3oh. Da! x Roll-Gießen zurückblicken. AuS diesem An' ; wurde ihr vom Reichspräsidenten die älrkunde f r treue Mitarbeit übersandt. Die Firma ehrte ' e 3ubilarin durch ein Geschenk. Auf Wunsch ter 3ubilarin wurde von einer Feier abgesehen.

t Treis a. d. Lda., 5. AprU. 3n unserer C - meinde hat sich in diesem Winter unter Lett j von Werkmeister Ficker ein kirchlicher P o - saunenchor gebildet, der am zweiten Osten; bei der Konfirmation zum erstenmal öffentlich auftrat. Er begleitete das bis zur Aufstellung der neuen Orgel als Aushilfe dienende Har­monium beim Gemeindegesang und zeigte eine recht gute Schulung. Die neue Orgel soll in der nächsten Woche, sobald die Weißbinder- arbetten in der Kirche fertig sind, aufgestellt werden, so daß ihre Einweihung wohl am Sonn­tag Kantate (28. April) oder acht Tage später stattfinden kann. Zu der am nächsten Sonntag, 7. April, dahier stattfindenden Bürger- mei st erwähl sind zwei Wahlvvrschläge ein­gelaufen, einer für den seitherigen Beigeordneten 3ohs. Deck er XII. und einer für Maurermeister Konrad Michel.

könnte ja einfach ausstehen, zum Zeitungsstand gehen, sich eine andere Zeitung kaufen. Die Pointe wäre damit totgeschlagen. Aber eine andere, die erste Sehnsucht ... Nein das Spiel des Aben° teuers hat begonnen. Irgendein Souffleurmund wird das Stichwott schon auf schmälsten Lippen zücken...

Ein Blick der Dame aus der Zeitung, noch müder, noch ein wenig schwermütiger, versucht, meine Ver- legenhett zu zerschneiden. Etwas Schuldbewußtes steht in diesem Blick, vermischt mit ja, nichts an­deres kann das fein!, mit einer kleinen Portion Lust, so keck zu fein, mir meine Zeitung vor der Nase wegzustehlen. O holder Reiz, so hold gereizt zu werden! Aber Stichwort ist noch nicht geflüstert! O ich kann warten. Patzerei könnte alles verder­ben! Etwa so:ßefen Sie freundlichst in aller Seelenruhe meine Zettung zu Ende! Ich kann war­ten! Die hohe Außenpolitik .Ihre Zei­

tung? O, ich bitte vielmals um Entschuldigung! Wenn ich gewußt hätte, daß dies Ihre Zeitung" Der Souffleur gewiß wäre er so schadenfroh, nun die Lippen fest aufeinander geklemmt zu hal­ten! Bursche: in die Binsen gegangener Histrione, dul

Warten. Warten! Stichwort? Auftritt? Warten. Watten!

Blick. Ganz müde. Uebermattung aller Schwer­mut. Hand läßt die Zettung sinken. Mund öffnet sich marionettenhast:Ober zahlen!" Zeitung ist zerknautscht wie ich jetzt. Stichwort?

Und die Dame zahlt. Ihre Gestalt wächst auf und setzt sich türwätts in Bewegung, ist schon hinter einem Vorhang ganz verschwunden.

Ihrer Zettung, meiner Zeitung nimmt sich der Ober mit unflätigen Fingern an? Stichwott! Don der Ohnmacht meiner Ohren allzu spät vernommen!

Sie Herr Ober! Meine Zeitung!" Verlegenheit bei jenem? Keine Ahnung! Entschuldigen Sie das hier ist unsere Zei­tung! Wird drüben verlangt!"

Schon bin ich aufgesprungen. Stichwott! Stich­wott!

Und.da streife ich facht meinen Mantel.

Sehe nein, mich tauscht nicht Trug! m linker Settentasche meine Zeitung stecken die ich niemals auf den Stuhl hmlegte.

Die Verlegenhett wächst ins Quadrat. Und was m der Zeitung drinsteht, geht mich nichts mehr «l

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Staate Ern.

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