Lieber den verbleibenden Fehlbetrag von 380 Millionen ist es nun bekanntlich zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten gekommen. Die berechtigte Forderung der D LU t s ch e n Volks« Partei nach einschneidenden Sparmaßnah- m e n zur Vermeidung jeder Steuererhöhung stieß zunächst' auf allgemeine Ablehnung. Es hat sich seither aber herausgestellt, daß auch Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten Spar- möglichleiten in Höhe von etwa 180 Millionen anerkennen, gewiß ein respektabler Betrag, um den zu kämpfen es sich für die Dentsche Volkspartei allein schon gelohnt hätte. So sehr wir uns dieses Erfolges freuen, so wenig will es uns gefallen, daß die Etatsachverständigen der in Betracht kommenden Fraktionen sich nach allem, was man hört, dazu haben verleiten lassen, ebenfalls die schiefe Ebene Hilferdings zu betreten. Denn das ist der Fall, wenn über die 100 Millionen Mark des Finanzministers hinaus noch weitere 70 Millionen aus einfachen Höherschähungen, wobei man vor allem an die Tabaksteuer denkt, aufgebracht werden sollen. Das durchschlagende Argument der schlechten Wirtschaflskonjunktur spricht durchaus gegen solche Methoden, mit denen man bestenfalls den Reichshaushalt auf dem Papier ausgleichen kann, die aber gleichzeitig wieder zu einer Verschleierung unserer wirkllchen Finanzlage führen. Aus dem gleichen Grunde halten wir es übrigens auch für höchst zweifelhaft, ob es gelingt, aus der Branntweinsteuer ein Mehr von 90 Millionen Mark zu erzielen, wie es die Etatkritiker der sogenannten Regierungsparteien offenbar erhoffen.
Dagegen, daß der nun noch verbleibende De - f i z i t r e st in Höhe von 40 Millionen Mark aus der Vermögenssteuer gedeckt werden soll, wäre in einem anderen Zusammenhang mancherlei zu sagen. Für heute müssen wir uns damit begnügen, uns gegen eine Praxis zu verwahren, die der Forderung des Finanzmini-- sters selbst nach echter Balancierung des Haushalts direkt zuwiderläuft. Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß die verhandelnden Parteien dem Drängen des Reichsfinanzministeriums nach einem Kompromiß mehr nachgegeben haben, als aus dem Willen nach Klarheit und Wahrheit heraus zu verantworten ist.
Lind es will uns weiter scheinen, als ob das 'Finanzministerium sich bei der Auswahl seiner Deckungsmethoden immer noch von der Hoffnung leiten läßt, daß die Pariser Expertenbesprechungen .zu einer wesentlichen Minderung unserer Tributzahlungen führen würden, so daß der Haushalt dann später mit den dabei erübrigten Geldern ins Gleichgewicht gebracht werden könnte. Selbst wenn uns nun Paris ein akzeptables Ergebnis bringen sollte, wofür die Wahrscheinlichkeit doch nach wie vor außerordentlich gering ist, dann wäre auch die teilweise Verwendung der dadurch freiwerdenden Gelder für das Reichsbudget aus innerwirtschaftlichen und außenpolitischen Gründen vollkommen unmöglich.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder macht der Reichsfinanzminister einen ganz o s- fenen Defizith,aushalt, was gewiß nicht gerade wünschenswert ist, was aber doch wenig- stens einwandfrei Klarheit über die Finanzlage Deutschlands bringt, oder aber er deckt den Gesamtetat mit echten Mitteln. Da^ kann geschehen durch Einsparungen in Höhe des Gesamtbetrages, oder er mutz den Mut und die Kraft finden, dem deutschen Volke neueSteuererhöhungen von entsprechendem Ausmaß ausz.izwingen. Eine Scheindeckung aber, wie sie für etwa 203 Millionen Mark angestrebt wird, ist bedenknch. Rur durch Radikalmittel können wir die erforderliche Einsicht in unsere gefährdete finanzielle Gesamtsituation gewinnen.
Auf dem Wege zur Großen Koalition.
Wünsche des Zentrums. — Und die Volks- Partei?
Berlin. 6. April. (Priv.-Tel.) Falls die Frak- fionen übereinstimmend dem Etalskompromitz ihre Billigung geben werden, soll laut „Lok.-Anz." am Mittwoch beim Wiederbeginn der Verhandlungen des Hauptausschusses des Reichstages ein g e m e i n- samer Antrag der fünf Parteien dem Ausschuß vorgelegt werden. Dieser Antrag würde ein sehr umfangreicher Entwurf fein, in dem alle die zahlreichen Einzelheiten des Kompromisses z u einem einheitlichen Ganzen zusammen- gefaßt werden. Der Antrag würde dann von der Mehrheit der Großen Koalition getragen sein, und man halt es in parlamentarischen Kreisen, vor allem angesichts sehr bestimmter Wünsche des Zentrums, für wahrscheinlich, daß gleichzeitig mit der Vorlage eines solchen Antrages eine Vereinbarung über die Einsetzung eines interfraktionellen Ausschusses erfolgen würde, und daß ebenso ohne weiteren Verzug mit der Berufung von drei Zentrumsmitgliedern in das Reichskabinett zu rechnen wäre, womit bann die Große Koalition im Reiche gebildet fein würde. Offen bliebe dann natürlich die bekannte Forderung der Deutschen Volkspartei nach gleichzeitiger Lösung der Koalitionsfrage für Preußen.
Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.
Darmstadt, 5. April. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages b:hande'te nach Erledigung mehrerer Eingaben einen Zentrumsantrag, wonach in ärmeren Gemeinden, in denen noch keine Fe ldber einißung er'olgt ist, die Möglichkeit der Kostenübernahme auf den Staat geprüft und befürwortet werden möge. Die Regierung steht auf dem Standpunkte, datz sie, da bisher den Gemeinden für die Feldbereinigung keine Staatszuschü'se gewährt worden sind, von dieser Tendenz nicht abgehen kann. Der Ausschuß beschloh daher mU 7:5 Stimmen, den Antrag der Regierung ate Material zu überweisen, die dann bei besonderer Rotlage in den hauptsächlich in Fcage kommenden kleineren Gemeinden die Möglichkeit haben soll, im Rahmen der vom Landtag bewilligten Zuschüsse helfend einzugreifen. — Erne lebhafte Debatte entspann sich um einen Antrag Ritzel (Soz.) und Genossen, der der geplanten Llmlageerhö- hung der Versicherungsanstalt für
Oer Prozeß des Auslanddeuischen.
Oer Kall Langkopp.
Es ist kein Zufall, datz die gesamte deutsche Oeffentlichkeit für den Fall des Farmers Langkopp, der in diesen Tagen vor dem Berliner Gericht abgehandett wird, ein sehr starkes Interesse an den Tag legt. Vielleicht nicht einmal so sehr um der Persönlichkeit willen, als well hier eine Tragödie sich abgespielt hat, die typisch ist für tausende und zehntausende Deutscher. Der Mann selbst ist ein Stück Michael Kohlhaas. Ein Mensch mit einem gesteigerten Rechtsgefühl und einem unbändigen Llnabhängigkeitsdrang, der sich seit Jahrzehnten in Tellen der Welt herumgeschlagen hat, wo man sich selbst helfen mutz, den nun ein schweres Schicksal in einen Konflikt mit der Dureaukratie hineintreibt. Darüber ist er innerlich explodiert, der Jähzorn ist Herr über ihn geworden, mit Pistole und Bomben hat er einen Ausgleich gesucht, und es ist vielleicht nur einem Zufall zuzuschrciben — wenn er das auch heute leugnet —, daß damals nicht das ganze Reichsentschädigungsamt in die Luft flog. Datz er sich juristisch strafbar gemacht Hat, darüber besteht wohl kein Zweifel, aber er wird milde Richter finden, eben weil das Menschliche die Schuld überwiegt.
Unrecht aber wäre es nun, das Reichsent- schädigungsamt als moralisch Angeschuldigten auf die Anklagebank setzen zu wollen. Gewiß, auch dort ist wahrscheinlich mancherlei versehen worden, aber die Zehntausende von Ansprüchen, die hier einliesen, mußten formularmähig erledigt werden: soweit sie zum Teil erledigt waren, machte die Inflation einen Strich durch die Rechnung. Es ist also viel doppelt und umsonst gearbeitet worden. Aber der ehrliche Wille, schnell zu arbeiten, soweit das im Rahmen dieses erstarrten Dureau- kratismus möglich ist, war zweifellos bei den Beamten vorhanden. Daß die Geschädigten dafür kein Verständnis aufbringen, wer will es ihnen Übelnehmen? Sie sehen nur die Tatsache, datz sie Jahr um Jahr warten müssen, datz sie sich um jede Mark herumschlagen müssen, während ihnen inzwischen kostbare Zeit verlorengeht und sie den Anschluß an eine neue Existenz verpassen.
Sie haben sich an ihrer eigenen Rot blind gesehen und erkennen nicht, daß die Ursache sehr viel tiefer sitzt: wer eigentlich auf die An- Eingebaut gehörte, das war England, jenes England, das mit der Konfiskation des deutschenPrivoteigentums den Anfang machte, das am liebsten die Deutschen auS der ganzen Welt verjagt hätte, um eine billige Erbschaft anzutreten, aber früher oder später doch einmal die Kosten des ganzen Verfahrens zu zahlen haben wird. Inzwischen sollte der Fall Langkopp Veranlassung sein, gründlich nachzuprüfen, ob nicht doch an dem System etwas geändert werden kann. Wir haben alle verloren, am härtesten aber betroffen sind doch sicher die Auslanddeutschen, die nicht nur ihr Vermögen zerfließen sahen, sondern auch aus dem Boden herausgerissen wurden, in dem sie
Wurzel gesaht hatten. Die harte Pionierarbeit, die sie Jahr um Jahr geleistet haben, ist durch den Gewaltspruch eines brutalen Siegers zunichte gemacht. Das Erstaunliche aber ist doch, daß in ihnen allen die Kraft steckt, noch einmal von vorn anzufangen, und diesen Wagemut muh Deutschland im Rahmen des Möglichen unterstützen, nicht nur im Interesse der Leidtragenden, sondern auch im Interesse des ganzen Volkes.
Oer dritte Prozeßtag.
Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Jadasch als Zeuge.
Berlin, 5. April. (WB.) Im Prozeß gegen Langkopp protestierte zu Beginn der Vormittags- slhung Langkopp dagegen, daß Geheimrat Bach erklärt habe, aus den Gesprächen zwischen Langkopp und Loof sei für ihn hervorgegangen, datz sie stark völkisch eingestellt seien. Er verwahre sich dagegen, daß damit eine polllische Rote in den Prozeß hineingetragen werde. Rach längeren Auseinandersetzungen stellten Vorsitzender wie Staatsanwalt klar, daß sie auf die Bemerkung über die Polltische Einstellung der Angeklagten hinsichtlich des weiteren Verlaufes des Prozesses keinerlei Wert legten.
Hierauf beginnt die Vernehmung des kommunistischen Reichstagsabgeordneten I a d a s ch. Der Zeuge bekundet, schon 1924 seien in Schlesien staatspvlitische Kundgebungen der Flüchtlinge und Verdrängten veranstaltet worden. Dadurch und durch den Plan des Kriegsschädenschlußgesehes habe sich die Flüchtlingsbewegung in der Richtung der Erreichung materieller Entschädigungen entwickelt. Die Behandlung der Entschädigungsansprüche durch das Reichs! in anzmin ist erium habe bei den Geschädigten die grötzte (Erbitterung hervorgerufen. So sei auch der Fall Langkopp zu erklären. Im Reichstage seien viele Abgeordnete vor den Flüchtlingsabgeordneten geradezu „getürmt“, weil die Regierung die nötigen Mittel zur Entschädigung nicht zur Verfügung gestellt habe. Iadasch führte eine ganze Reihe von Einzelfällen an, in denen nach seiner Meinung berechtigte Ansprüche der Geschädigten zu Unrecht abgelehnt worden seien. Der Zeuge verliest dann verschiedene an die kommunistische Fraktion gerichtete Briefe von Geschädigten, in denen gesagt wird, die Behandlung der Geschädigten werde noch zu Verzweiflungsakten gegen die Entschädigungsbehörde führen. Er habe alle Mühe gehabt, diese Geschädigten von ähnlichen Gewallakten abzuhalten. Weiter erklärt noch der Abgeordnete Iadasch, er habe im Reichstag einmal 47 Minuten lang vergeblich versucht, auch nur einen Beamten des Entschädigungsamtes telephonisch zu sprechen und habe schlietzlich gerufen: ..Euch Rasselbande muß man mit dem Eichenknüppel Luft machen!" Erst seine persönlichen Vorstellungen beim Präsidenten Karpinsky hätten bann bewirkt, daß in diesem System der Beamten eine Aenderung eintrat.
die Gemeindebeamten von 13 auf 14Proz. die staatliche Genehmigung versagt wi sen will. Der Ausschuß kam zu der Auffassung, daß eine Erhöhung des Anteils der Gemeinden unter keinen Umständen erfolgen dürfe, daß vielmehr von der Umlagecrhöhung diejin gen erfaßt werden sollen, denen die Vorteile der Anstalt zu- fallen, also die Gemeindebeamten selb st. Der Antrag wurde neu formuliert und einstimmig wie folgt angenommen: Die Versicherungsanstalt für Gerne.ndeb7amte in Hes en beabsichtigt. eine Umlageerhöhung von 13 auf 14 Proz. durchzuführen. Mit Rücksicht auf die Rotlage der Gemeinden wird beantragt: Der Landtag wolle beschlichen, die Regierung zu ersuchen, diese Umlagee.höhung vorerst nicht zu genehmigen und in Kürze dem Landtag eine Vorlage zu unterbreiten, die eine Qlenb crung des Versicherungsgesetzes für die Gemeindebeam- ten vorsieht. — Der Ablehnung verfiel eine Eingabe des Bundes der Kinderreichen auf Erh'hung der Baukoster.zufchü.se für Kinderreiche, ebenso eine (Eingabe des Deutschen Rcichs- ausschusses für Leibesübungen und de' Verbandes für deutsche Jugendherbergen auf Befreiung von Gerichtskosten. — Der Ausschuß stimmte bann noch einer Erhöhung des Geschäfts« anteils des Staates bei den „Ober- hessischen Ob st werken, E. G. m. b. H., Büdingen" um 2000 Mk. zu und genehmigte die Erhöhung der Haftsumme von 2000 auf 2500 Mk.
Oie deutsche Delegation zur Abrüstungskonferenz.
Berlin, 5. April. (Privatmeld.) Die deutsche Delegation zu der am 15. d. M. beginnenden vorbereitenden Tagung der Abrüstung Ziommisiion beim Völkerbund in Genf wird wieder unter Führung des Botschafters a. D. Graf Bernstorfs stehen. Weiter werden ihr angehören vom Auswärtigen Amt die Geheimräte von W e i ß ä ck e r und F r o h w e i n und vom RcichS- wehrministerium Vizeadmiral v. Freiberg und Oberst v. Böttcher.
Wem gehört der Südpol?
Ein Streit zwischen Amerika und England
London, 5. April. (TU.) In politischen Kreisen Londons erwartet man demnächst die Antwort der amerikanischen Regierung auf die britische Rote wegen der Oberhoheit des Gebietes am Südpol. Ueber den Inhall der amerikanischen Antwort ist im einzelnen noch nichts bekannt, doch ist man bereits davon unterrichtet, daß die amerikanische Regierung die britischen Hoheitsansprüche, die sich rrabezu auf das ganze Gebiet am Südpol in einem sehr großen Umkreis erstrecken, nicht anerkennen wird. England stützt seine Hoheitsrechte auf die Entdeckungen durch Scott, Sha - cleton und andere brllische Forscher.
Amerika wird diese Forderung mit der Begründung zurückweisen, daß ein großer Teil der von Gkogbritannien in Anspruch genommenen Gebiete im Namen der Bereinigten Staaten entdeckt wurden und daß Commander Byrd mit Hilfe von Flugzeugen und anderen Aus- rüstungegegenständen, die früheren Forschern nicht zur 'Verfügung standen, unbekannte Gebiete entdeckte und wahrscheinlich weiter entdecken werde.
Die amerikanische Ablehnung der britischen Eigentumsansprüche wird in London als überras chend
empfunden. Man führt die geltend gemachten Ansprüche Amerikas darauf zurück, daß das Südpolgebiet als Verbindungsweg für die Bereinigten Staaten heute eine weit größere Bedeutung besitzt als noch vor kurzer Zeit. Der Streit um das Gebiet ist nicht so bedeutungslos, wie es scheinen könnte, da neben dem Waldreichtum vielfach angenommen wird, daß noch sehr bedeutende Mineralabsätze vorhanden sind, deren Hebung bei der schnellen Entwicklung der Wissenschaft heute keineswegs mehr unmöglich erscheint.
Dis Einnahme von Hankau.
Meuterei der Wuhan-Truppen.
London, 5. April. (Telun.) Mit dem heutigen Einzug Tschiangkaischeks in H ankau gilt oer erste Aoscynitt des Krieges zwischen Ranttng und Wuhan als beendet. Der Grund für den vollkommenen Zusammenbruch der Verteidigung der Wuhaner Truppen ist nicht allein auf das üleberlau.en der 7. Division, sondern auch nach näheren Berichten vor allem darauf zurückzufähren, daß die Truppen im entscheidenden Augenblick e s ablehnten, zu kämpfen. Der Garnisonbefehlshaber von Hankau selbst verließ in überstürzter Flucht fein Hauptquartier.
Das Kriegsgericht wird in Hankau streng durch- gesührt, doch ist es bisher noj) zu Linen lieber» griffen gekommen. Die Aufrechterhaltung der Ordnung untersteht einem besonderen Ausschuß von chinesischen Beamten, die sich vor dem Einmarsch Tschiangkaischeks in die britische Riederlassung geflüchtet, haben. An den Oberbefehlshaber der britischen Flottenstrciikräfte von Ranttng ttrirbe die Ditte um älnterstühung zur Aufrechterhaltung der Rul'e ausgesprochen. (Eine größere Anzahl von Fluhdampfern, die Kriegt material für die Wuhan- Armeen mit sich führten, sind zu den Ran« kinger Truppen übergegangen, lieber die Stärke der geflüchteten Wuhan-Armee und ihre Verfolgung durH die siegreichen Ranking- Truppen liegen vorläufig zuverlässige Berichte noch nicht vor. Von einer Beendigung des Krieges kann aber jetzt noch kaum gesprochen werden.
Aus aller Welt.
Gegen die Schwelgase.
Das Landgericht Halle a. d. S. hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen vier Bergwerksdirektoren und einen Betriebsführer das Hauptverfahren eröffnet. Den Angeschuldigten wird zur Last gelegt, bie Gase der Schwelereianlage beim regelmäßigen Betrieb in bie freie Luft abgeführt und nicht durch geeignete Mittel unschädlich gemacht zu haben, ferner durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung vieler Personen in Halle und Umgebung auf diese Weise verursacht zu haben. Sie seien zu der Aufmerksamkeit, die sie aus den Augen ließen, durch ihren Berus besonders verpflichtet gewesen. Die Hauptverhandlung wird voraussichtlich Anfang Mai stattfinden.
20 Tote bei einem Eisenbahnunglück in Rumänien.
Der Schnellzug Kischinew—Bukarest ist bei der Station B o b oc in der Nähe von Duzeu entgleist. Drei Personenwagen stürzten um. Zwanzig Personen wurden gelötet und sechzig verletzt. Die
Rellungsarbeiten werden durch den herrschenden Schnecsturm außerordentlich behindert. Unter den sechzig Verwundeten befinden sich zahlreiche Schwerverletzte. Die Mehrzahl der Opfer sind Reisende der dritten Klasse, hauptsächlich Militärpersonen, die aus dem Urlaub kamen. Der Verkehrsminister hat sich an die Unfallstelle begeben, um eine Untersuchung einzuleiten.
Schwerer Unfall auf dem Schlachtfeld von Douaumont.
Ein schwerer Unfall ereignete sich auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Douaumont. Zwölf Gymnasiasten aus Lille besuchten unter Führung des geistlichen Seminardirektors Belle wäh° rend der Ostertage das Schlachtfeld, um an der Suche nach verstreuten Gebeinen teilzunehmen. Einer bisher geübten Sitte gemäß zündeten sie vor dem Schlafengehen zu Ehren der Toten in einem alten Granatloch ein Feuer an. Als sie dieses unter Abfingen von religiösen Liedern umstanden, flog eine unter der Erde befindliche Granate infolge der Hitze in die Luft. Pfarrer Belle wurde von der Granate zerrissen, ein Schüler starb während des Transportes nach einer in der Nähe gelegenen Baracke. Zwei andere Schüler wurden schwer verletzt nach Verdun gebracht. Sechs andere Schüler wurden leichter verletzt.
9>:Ü3C st afe für einen fübafr'kanischen Fcrmer.
In Bethel in Transval wurde ein Farmer namens Jack Ranke wegen der mit großer Grausamkeit verübten Tötung eines Eingeborenen zu sieben Jahren Zuchthaus unb 10 Peitschenhieben verurteilt. Der Farmer hatte einen Schwarzen burchgepeitscht unb bas Brustbein gebrochen unb ihn mit bem Kopf nach unten mehrere Stunben lang aufgehängt. In der Urteilsbegründung bemerkte der Dichter, keine Bestrafung sei angemessen, bie nicht dem Schuldigen einige der körperlichen Schmerzen zufüge, die sein Opfer erlitten habe. Dieses Urteil hat unter den Farmern in Südafrika riesiges Aufsehen hervorgerufen. Unverzüglich nach Derkünbung des Ürteils erfolgten Schritte bei dem Premierminister, General Herzog, und gestern abend trafen Anordnungen aus Pretoria ein, um die Auspeitschung bis zu einer weiteren Untersuchung zu verschieben.
Der Konkurs der Stabt Glashütte.
Die Bemühungen der Stadt Glashütte, im Vergleichswege eine Einigung mit ihren Gläubigern herbeizuführen, sind gescheitert, da bie Hauptgläubiger es ablehnten, der Stadt einen Rachlatz zu gewähren und gegen bie Stadt im Wege der Cinzelklage und Ein- zelpfändüng vorzugehen. Bei dieser Sachlage sah sich die Stadt Glashütte gezwungen, ihrerseits den Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens über ihr Vermögen zu stellen. Die Stellungnahme des Ministeriums des Innern, welches zunächst festzustellen hat, ob die Voraussetzungen für bie Eröffnung des Konkursverfahrens, Zahlungsimfähigkeit unb Heber» fchuldung der Stadt gegeben sind zu diesem Anträge, steht zur Zeit noch aus.
Kündigung der Lohnordnung für bas rheinisch-westfälische Kohlengebiet.
Die Gewerkschaften haben dem Zechenverbanb bas Kündigungsschreiben für die Lohnordnung zugehen lassen. Heber die Forderungen der Verbände ist in dem Schreiben nichts ent')“'r''"i.
Die Ketterlaae.
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Oslo,
Freitaa d.5.Apn)1929, 7b aDds.
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Wettervoraussage.
Sehr rasch haben mit dem südlichen Abzug des Tiesdruckwirbels auch wieder kältere Luftmasten sich durchgesetzt. Besonders mehr im südlichen Teil Deutschlands, der im Laufe des gestrigen Tages eine neue Schneedecke bekommen hatte, haben sich durch sie und die Kaltluft die Fröste verschärft. München meldete heute morgen noch minus 7 Grad. Der über den Brit sehen Inseln eingesetzte Barometeranstieg hat sich zu einem Hochdr'-ckaebict mit Ba-ometerständen von nahezu 770 Millimeter entwickelt. Der Kaltluftzustrom hat es bereits nach dem Kontinent angesaugt, so daß auch bei uns kräftiger Druckanstieg eingesetzt hat. Im Bereich hohen Druckes wird die Bewölkung zunächst mehr zurückgehen unb vielfach aufheiterndes Wetter herrschen. Da dabei noch Luftmassen aus hohen Breite» zufließen, so hält der Frost noch an.
Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig mit Aufheiterung, Nachtfrost, meist trocken.
Wettervoraussage für Montag: Wenig Aenderung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am 5. April: mittags 1,7 Grad Celsius, abends —2,5 Grad, am 6. April: morgens — 3,5 Grad. Maximum 1,6 Grad, Minimum —6,6 (Brak — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am I 5. April: abends 1 Grad; am 6. April: morgen« [ 0,3 Grad Celsius. — Sonnenfcyeindauer % Stunde,


