Ausgabe 
6.4.1929
 
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Lieber den verbleibenden Fehlbetrag von 380 Millionen ist es nun bekanntlich zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten gekommen. Die be­rechtigte Forderung der D LU t s ch e n Volks« Partei nach einschneidenden Sparmaßnah- m e n zur Vermeidung jeder Steuererhöhung stieß zunächst' auf allgemeine Ablehnung. Es hat sich seither aber herausgestellt, daß auch Sozial­demokraten, Zentrum und Demokraten Spar- möglichleiten in Höhe von etwa 180 Millionen anerkennen, gewiß ein respektabler Betrag, um den zu kämpfen es sich für die Dentsche Volks­partei allein schon gelohnt hätte. So sehr wir uns dieses Erfolges freuen, so wenig will es uns gefallen, daß die Etatsachverständigen der in Betracht kommenden Fraktionen sich nach allem, was man hört, dazu haben verleiten lassen, ebenfalls die schiefe Ebene Hilferdings zu betreten. Denn das ist der Fall, wenn über die 100 Millionen Mark des Finanzministers hinaus noch weitere 70 Millionen aus einfachen Höherschähungen, wobei man vor allem an die Tabaksteuer denkt, auf­gebracht werden sollen. Das durchschlagende Ar­gument der schlechten Wirtschaflskonjunktur spricht durchaus gegen solche Methoden, mit denen man bestenfalls den Reichshaushalt auf dem Papier ausgleichen kann, die aber gleichzeitig wieder zu einer Verschleierung unserer wirkllchen Finanzlage führen. Aus dem gleichen Grunde halten wir es übrigens auch für höchst zweifel­haft, ob es gelingt, aus der Branntwein­steuer ein Mehr von 90 Millionen Mark zu erzielen, wie es die Etatkritiker der sogenannten Regierungsparteien offenbar erhoffen.

Dagegen, daß der nun noch verbleibende De - f i z i t r e st in Höhe von 40 Millionen Mark aus der Vermögenssteuer gedeckt werden soll, wäre in einem anderen Zusammen­hang mancherlei zu sagen. Für heute müssen wir uns damit begnügen, uns gegen eine Praxis zu verwahren, die der Forderung des Finanzmini-- sters selbst nach echter Balancierung des Haus­halts direkt zuwiderläuft. Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß die verhandelnden Parteien dem Drängen des Reichsfinanzministe­riums nach einem Kompromiß mehr nach­gegeben haben, als aus dem Willen nach Klar­heit und Wahrheit heraus zu verantworten ist.

Lind es will uns weiter scheinen, als ob das 'Finanzministerium sich bei der Auswahl seiner Deckungsmethoden immer noch von der Hoffnung leiten läßt, daß die Pariser Expertenbesprechun­gen .zu einer wesentlichen Minderung un­serer Tributzahlungen führen würden, so daß der Haushalt dann später mit den dabei erübrigten Geldern ins Gleichgewicht gebracht werden könnte. Selbst wenn uns nun Paris ein akzeptables Ergebnis bringen sollte, wofür die Wahrscheinlichkeit doch nach wie vor außeror­dentlich gering ist, dann wäre auch die teilweise Verwendung der dadurch freiwerdenden Gelder für das Reichsbudget aus innerwirtschaftlichen und außenpolitischen Gründen vollkommen un­möglich.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder macht der Reichsfinanzminister einen ganz o s- fenen Defizith,aushalt, was gewiß nicht gerade wünschenswert ist, was aber doch wenig- stens einwandfrei Klarheit über die Finanz­lage Deutschlands bringt, oder aber er deckt den Gesamtetat mit echten Mitteln. Da^ kann geschehen durch Einsparungen in Höhe des Gesamtbetrages, oder er mutz den Mut und die Kraft finden, dem deutschen Volke neueSteuererhöhungen von entsprechen­dem Ausmaß ausz.izwingen. Eine Scheindeckung aber, wie sie für etwa 203 Millionen Mark an­gestrebt wird, ist bedenknch. Rur durch Radikal­mittel können wir die erforderliche Einsicht in unsere gefährdete finanzielle Gesamtsituation ge­winnen.

Auf dem Wege zur Großen Koalition.

Wünsche des Zentrums. Und die Volks- Partei?

Berlin. 6. April. (Priv.-Tel.) Falls die Frak- fionen übereinstimmend dem Etalskompromitz ihre Billigung geben werden, soll lautLok.-Anz." am Mittwoch beim Wiederbeginn der Verhandlungen des Hauptausschusses des Reichstages ein g e m e i n- samer Antrag der fünf Parteien dem Ausschuß vorgelegt werden. Dieser Antrag würde ein sehr umfangreicher Entwurf fein, in dem alle die zahlreichen Einzelheiten des Kompromisses z u einem einheitlichen Ganzen zusammen- gefaßt werden. Der Antrag würde dann von der Mehrheit der Großen Koalition getragen sein, und man halt es in parlamentarischen Kreisen, vor allem angesichts sehr bestimmter Wünsche des Zentrums, für wahrscheinlich, daß gleich­zeitig mit der Vorlage eines solchen Antrages eine Vereinbarung über die Einsetzung eines interfraktionellen Ausschusses erfolgen würde, und daß ebenso ohne weiteren Verzug mit der Berufung von drei Zentrumsmit­gliedern in das Reichskabinett zu rech­nen wäre, womit bann die Große Koalition im Reiche gebildet fein würde. Offen bliebe dann na­türlich die bekannte Forderung der Deutschen Volkspartei nach gleichzeitiger Lösung der Koalitionsfrage für Preußen.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 5. April. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages b:hande'te nach Erledi­gung mehrerer Eingaben einen Zentrumsantrag, wonach in ärmeren Gemeinden, in denen noch keine Fe ldber einißung er'olgt ist, die Mög­lichkeit der Kostenübernahme auf den Staat geprüft und befürwortet werden möge. Die Regierung steht auf dem Standpunkte, datz sie, da bisher den Gemeinden für die Feldberei­nigung keine Staatszuschü'se gewährt worden sind, von dieser Tendenz nicht abgehen kann. Der Ausschuß beschloh daher mU 7:5 Stimmen, den Antrag der Regierung ate Material zu über­weisen, die dann bei besonderer Rotlage in den hauptsächlich in Fcage kommenden kleine­ren Gemeinden die Möglichkeit haben soll, im Rahmen der vom Landtag bewilligten Zuschüsse helfend einzugreifen. Erne lebhafte Debatte entspann sich um einen Antrag Ritzel (Soz.) und Genossen, der der geplanten Llmlageerhö- hung der Versicherungsanstalt für

Oer Prozeß des Auslanddeuischen.

Oer Kall Langkopp.

Es ist kein Zufall, datz die gesamte deutsche Oeffentlichkeit für den Fall des Farmers Lang­kopp, der in diesen Tagen vor dem Berliner Ge­richt abgehandett wird, ein sehr starkes Interesse an den Tag legt. Vielleicht nicht einmal so sehr um der Persönlichkeit willen, als well hier eine Tragödie sich abgespielt hat, die typisch ist für tausende und zehntausende Deutscher. Der Mann selbst ist ein Stück Michael Kohlhaas. Ein Mensch mit einem gesteigerten Rechtsgefühl und einem unbändigen Llnabhängigkeitsdrang, der sich seit Jahrzehnten in Tellen der Welt herumgeschlagen hat, wo man sich selbst helfen mutz, den nun ein schweres Schicksal in einen Konflikt mit der Dureaukratie hineintreibt. Darüber ist er innerlich explodiert, der Jähzorn ist Herr über ihn geworden, mit Pistole und Bomben hat er einen Ausgleich gesucht, und es ist vielleicht nur einem Zufall zuzuschrciben wenn er das auch heute leugnet, daß damals nicht das ganze Reichsentschädigungsamt in die Luft flog. Datz er sich juristisch strafbar gemacht Hat, darüber besteht wohl kein Zweifel, aber er wird milde Richter finden, eben weil das Menschliche die Schuld überwiegt.

Unrecht aber wäre es nun, das Reichsent- schädigungsamt als moralisch Angeschuldigten auf die Anklagebank setzen zu wollen. Gewiß, auch dort ist wahrscheinlich mancherlei versehen worden, aber die Zehntausende von Ansprüchen, die hier einliesen, mußten formularmähig erledigt werden: soweit sie zum Teil erledigt waren, machte die Inflation einen Strich durch die Rechnung. Es ist also viel doppelt und umsonst gearbeitet wor­den. Aber der ehrliche Wille, schnell zu arbeiten, soweit das im Rahmen dieses erstarrten Dureau- kratismus möglich ist, war zweifellos bei den Beamten vorhanden. Daß die Geschädigten dafür kein Verständnis aufbringen, wer will es ihnen Übelnehmen? Sie sehen nur die Tatsache, datz sie Jahr um Jahr warten müssen, datz sie sich um jede Mark herumschlagen müssen, während ihnen inzwischen kostbare Zeit verlorengeht und sie den Anschluß an eine neue Existenz verpassen.

Sie haben sich an ihrer eigenen Rot blind ge­sehen und erkennen nicht, daß die Ursache sehr viel tiefer sitzt: wer eigentlich auf die An- Eingebaut gehörte, das war England, jenes England, das mit der Konfiskation des deutschenPrivoteigentums den Anfang machte, das am liebsten die Deutschen auS der ganzen Welt verjagt hätte, um eine billige Erb­schaft anzutreten, aber früher oder später doch einmal die Kosten des ganzen Verfahrens zu zahlen haben wird. Inzwischen sollte der Fall Langkopp Veranlassung sein, gründlich nachzu­prüfen, ob nicht doch an dem System etwas geändert werden kann. Wir haben alle verloren, am härtesten aber betroffen sind doch sicher die Auslanddeutschen, die nicht nur ihr Vermögen zerfließen sahen, sondern auch aus dem Bo­den herausgerissen wurden, in dem sie

Wurzel gesaht hatten. Die harte Pionierarbeit, die sie Jahr um Jahr geleistet haben, ist durch den Gewaltspruch eines brutalen Siegers zu­nichte gemacht. Das Erstaunliche aber ist doch, daß in ihnen allen die Kraft steckt, noch einmal von vorn anzufangen, und diesen Wage­mut muh Deutschland im Rahmen des Möglichen unterstützen, nicht nur im Interesse der Leid­tragenden, sondern auch im Interesse des ganzen Volkes.

Oer dritte Prozeßtag.

Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Jadasch als Zeuge.

Berlin, 5. April. (WB.) Im Prozeß gegen Langkopp protestierte zu Beginn der Vormittags- slhung Langkopp dagegen, daß Geheimrat Bach erklärt habe, aus den Gesprächen zwischen Lang­kopp und Loof sei für ihn hervorgegangen, datz sie stark völkisch eingestellt seien. Er verwahre sich dagegen, daß damit eine polllische Rote in den Prozeß hineingetragen werde. Rach längeren Auseinandersetzungen stellten Vorsitzen­der wie Staatsanwalt klar, daß sie auf die Be­merkung über die Polltische Einstellung der Ange­klagten hinsichtlich des weiteren Verlaufes des Prozesses keinerlei Wert legten.

Hierauf beginnt die Vernehmung des kommu­nistischen Reichstagsabgeordneten I a d a s ch. Der Zeuge bekundet, schon 1924 seien in Schlesien staatspvlitische Kundgebungen der Flüchtlinge und Verdrängten veranstaltet worden. Dadurch und durch den Plan des Kriegsschädenschlußgesehes habe sich die Flüchtlingsbewegung in der Rich­tung der Erreichung materieller Entschädigungen entwickelt. Die Behandlung der Entschädigungs­ansprüche durch das Reichs! in anzmin ist erium habe bei den Geschädigten die grötzte (Erbitterung her­vorgerufen. So sei auch der Fall Langkopp zu erklären. Im Reichstage seien viele Abgeordnete vor den Flüchtlingsabgeordneten geradezuge­türmt, weil die Regierung die nötigen Mittel zur Entschädigung nicht zur Verfügung gestellt habe. Iadasch führte eine ganze Reihe von Einzelfällen an, in denen nach seiner Meinung berechtigte Ansprüche der Geschädigten zu Un­recht abgelehnt worden seien. Der Zeuge ver­liest dann verschiedene an die kommunistische Fraktion gerichtete Briefe von Geschädigten, in denen gesagt wird, die Behandlung der Geschä­digten werde noch zu Verzweiflungsakten gegen die Entschädigungsbehörde führen. Er habe alle Mühe gehabt, diese Geschädigten von ähnlichen Gewallakten abzuhalten. Weiter erklärt noch der Abgeordnete Iadasch, er habe im Reichstag ein­mal 47 Minuten lang vergeblich versucht, auch nur einen Beamten des Entschädigungsamtes telephonisch zu sprechen und habe schlietzlich ge­rufen: ..Euch Rasselbande muß man mit dem Eichenknüppel Luft machen!" Erst seine persön­lichen Vorstellungen beim Präsidenten Karpin­sky hätten bann bewirkt, daß in diesem System der Beamten eine Aenderung eintrat.

die Gemeindebeamten von 13 auf 14Proz. die staatliche Genehmigung versagt wi sen will. Der Ausschuß kam zu der Auffassung, daß eine Erhöhung des Anteils der Gemeinden unter keinen Umständen erfolgen dürfe, daß vielmehr von der Umlagecrhöhung diejin gen erfaßt wer­den sollen, denen die Vorteile der Anstalt zu- fallen, also die Gemeindebeamten selb st. Der Antrag wurde neu formuliert und ein­stimmig wie folgt angenommen: Die Versiche­rungsanstalt für Gerne.ndeb7amte in Hes en be­absichtigt. eine Umlageerhöhung von 13 auf 14 Proz. durchzuführen. Mit Rücksicht auf die Rotlage der Gemeinden wird beantragt: Der Landtag wolle beschlichen, die Regierung zu er­suchen, diese Umlagee.höhung vorerst nicht zu genehmigen und in Kürze dem Landtag eine Vorlage zu unterbreiten, die eine Qlenb crung des Versicherungsgesetzes für die Gemeindebeam- ten vorsieht. Der Ablehnung verfiel eine Eingabe des Bundes der Kinderreichen auf Erh'hung der Baukoster.zufchü.se für Kinder­reiche, ebenso eine (Eingabe des Deutschen Rcichs- ausschusses für Leibesübungen und de' Verbandes für deutsche Jugendherbergen auf Befreiung von Gerichtskosten. Der Ausschuß stimmte bann noch einer Erhöhung des Geschäfts« anteils des Staates bei denOber- hessischen Ob st werken, E. G. m. b. H., Bü­dingen" um 2000 Mk. zu und genehmigte die Er­höhung der Haftsumme von 2000 auf 2500 Mk.

Oie deutsche Delegation zur Abrüstungskonferenz.

Berlin, 5. April. (Privatmeld.) Die deutsche Delegation zu der am 15. d. M. beginnenden vorbereitenden Tagung der Abrüstung Ziommisiion beim Völkerbund in Genf wird wieder unter Führung des Botschafters a. D. Graf Bern­storfs stehen. Weiter werden ihr angehören vom Auswärtigen Amt die Geheimräte von W e i ß ä ck e r und F r o h w e i n und vom RcichS- wehrministerium Vizeadmiral v. Freiberg und Oberst v. Böttcher.

Wem gehört der Südpol?

Ein Streit zwischen Amerika und England

London, 5. April. (TU.) In politischen Krei­sen Londons erwartet man demnächst die Antwort der amerikanischen Regierung auf die britische Rote wegen der Oberhoheit des Gebietes am Südpol. Ueber den Inhall der amerikanischen Antwort ist im einzelnen noch nichts bekannt, doch ist man bereits davon unterrichtet, daß die amerikanische Regierung die britischen Hoheitsansprüche, die sich rrabezu auf das ganze Gebiet am Südpol in einem sehr großen Umkreis erstrecken, nicht an­erkennen wird. England stützt seine Hoheits­rechte auf die Entdeckungen durch Scott, Sha - cleton und andere brllische Forscher.

Amerika wird diese Forderung mit der Begrün­dung zurückweisen, daß ein großer Teil der von Gkogbritannien in Anspruch genommenen Gebiete im Namen der Bereinigten Staaten entdeckt wurden und daß Commander Byrd mit Hilfe von Flugzeugen und anderen Aus- rüstungegegenständen, die früheren Forschern nicht zur 'Verfügung standen, unbekannte Gebiete ent­deckte und wahrscheinlich weiter entdecken werde.

Die amerikanische Ablehnung der britischen Eigen­tumsansprüche wird in London als überras chend

empfunden. Man führt die geltend gemachten An­sprüche Amerikas darauf zurück, daß das Südpol­gebiet als Verbindungsweg für die Ber­einigten Staaten heute eine weit größere Be­deutung besitzt als noch vor kurzer Zeit. Der Streit um das Gebiet ist nicht so bedeutungslos, wie es scheinen könnte, da neben dem Waldreichtum vielfach angenommen wird, daß noch sehr bedeu­tende Mineralabsätze vorhanden sind, deren Hebung bei der schnellen Entwicklung der Wissen­schaft heute keineswegs mehr unmöglich erscheint.

Dis Einnahme von Hankau.

Meuterei der Wuhan-Truppen.

London, 5. April. (Telun.) Mit dem heu­tigen Einzug Tschiangkaischeks in H ankau gilt oer erste Aoscynitt des Krieges zwischen Ranttng und Wuhan als beendet. Der Grund für den vollkommenen Zusammenbruch der Verteidigung der Wuhaner Truppen ist nicht allein auf das üleberlau.en der 7. Division, son­dern auch nach näheren Berichten vor allem dar­auf zurückzufähren, daß die Truppen im ent­scheidenden Augenblick e s ablehnten, zu kämpfen. Der Garnisonbefehlshaber von Hankau selbst verließ in überstürzter Flucht fein Hauptquartier.

Das Kriegsgericht wird in Hankau streng durch- gesührt, doch ist es bisher noj) zu Linen lieber» griffen gekommen. Die Aufrechterhaltung der Ordnung untersteht einem besonderen Aus­schuß von chinesischen Beamten, die sich vor dem Einmarsch Tschiangkaischeks in die bri­tische Riederlassung geflüchtet, ha­ben. An den Oberbefehlshaber der britischen Flottenstrciikräfte von Ranttng ttrirbe die Ditte um älnterstühung zur Aufrechterhaltung der Rul'e ausgesprochen. (Eine größere Anzahl von Fluh­dampfern, die Kriegt material für die Wuhan- Armeen mit sich führten, sind zu den Ran« kinger Truppen übergegangen, lieber die Stärke der geflüchteten Wuhan-Armee und ihre Verfolgung durH die siegreichen Ranking- Truppen liegen vorläufig zuverlässige Berichte noch nicht vor. Von einer Beendigung des Krie­ges kann aber jetzt noch kaum gesprochen werden.

Aus aller Welt.

Gegen die Schwelgase.

Das Landgericht Halle a. d. S. hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen vier Berg­werksdirektoren und einen Betriebsführer das Hauptverfahren eröffnet. Den Angeschuldig­ten wird zur Last gelegt, bie Gase der Schwelereianlage beim regelmäßi­gen Betrieb in bie freie Luft abge­führt und nicht durch geeignete Mittel unschäd­lich gemacht zu haben, ferner durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung vieler Personen in Halle und Umgebung auf diese Weise verursacht zu haben. Sie seien zu der Aufmerksamkeit, die sie aus den Augen ließen, durch ihren Berus besonders verpflichtet gewesen. Die Hauptver­handlung wird voraussichtlich Anfang Mai statt­finden.

20 Tote bei einem Eisenbahnunglück in Rumänien.

Der Schnellzug KischinewBukarest ist bei der Station B o b oc in der Nähe von Duzeu ent­gleist. Drei Personenwagen stürzten um. Zwanzig Personen wurden gelötet und sechzig verletzt. Die

Rellungsarbeiten werden durch den herrschenden Schnecsturm außerordentlich behindert. Unter den sechzig Verwundeten befinden sich zahlreiche Schwer­verletzte. Die Mehrzahl der Opfer sind Reisende der dritten Klasse, hauptsächlich Militärpersonen, die aus dem Urlaub kamen. Der Verkehrsminister hat sich an die Unfallstelle begeben, um eine Untersuchung einzuleiten.

Schwerer Unfall auf dem Schlachtfeld von Douaumont.

Ein schwerer Unfall ereignete sich auf dem ehe­maligen Schlachtfeld von Douaumont. Zwölf Gymnasiasten aus Lille besuchten unter Füh­rung des geistlichen Seminardirektors Belle wäh° rend der Ostertage das Schlachtfeld, um an der Suche nach verstreuten Gebeinen teilzu­nehmen. Einer bisher geübten Sitte gemäß zünde­ten sie vor dem Schlafengehen zu Ehren der Toten in einem alten Granatloch ein Feuer an. Als sie dieses unter Abfingen von religiösen Liedern um­standen, flog eine unter der Erde befindliche Gra­nate infolge der Hitze in die Luft. Pfarrer Belle wurde von der Granate zerrissen, ein Schüler starb während des Transportes nach einer in der Nähe gelegenen Baracke. Zwei andere Schüler wurden schwer verletzt nach Verdun gebracht. Sechs andere Schüler wurden leichter verletzt.

9>:Ü3C st afe für einen fübafr'kanischen Fcrmer.

In Bethel in Transval wurde ein Farmer namens Jack Ranke wegen der mit großer Grau­samkeit verübten Tötung eines Einge­borenen zu sieben Jahren Zuchthaus unb 10 Peitschenhieben verurteilt. Der Far­mer hatte einen Schwarzen burchgepeitscht unb bas Brustbein gebrochen unb ihn mit bem Kopf nach unten mehrere Stunben lang auf­gehängt. In der Urteilsbegründung bemerkte der Dichter, keine Bestrafung sei angemessen, bie nicht dem Schuldigen einige der körperlichen Schmerzen zufüge, die sein Opfer erlitten habe. Dieses Urteil hat unter den Farmern in Süd­afrika riesiges Aufsehen hervorgerufen. Unver­züglich nach Derkünbung des Ürteils erfolgten Schritte bei dem Premierminister, General Her­zog, und gestern abend trafen Anordnungen aus Pretoria ein, um die Auspeitschung bis zu einer weiteren Untersuchung zu verschieben.

Der Konkurs der Stabt Glashütte.

Die Bemühungen der Stadt Glashütte, im Vergleichswege eine Einigung mit ihren Gläubigern herbeizuführen, sind geschei­tert, da bie Hauptgläubiger es ablehnten, der Stadt einen Rachlatz zu gewähren und gegen bie Stadt im Wege der Cinzelklage und Ein- zelpfändüng vorzugehen. Bei dieser Sachlage sah sich die Stadt Glashütte gezwungen, ihrerseits den Antrag auf Eröffnung des Kon­kursverfahrens über ihr Vermögen zu stel­len. Die Stellungnahme des Ministeriums des Innern, welches zunächst festzustellen hat, ob die Voraussetzungen für bie Eröffnung des Kon­kursverfahrens, Zahlungsimfähigkeit unb Heber» fchuldung der Stadt gegeben sind zu diesem An­träge, steht zur Zeit noch aus.

Kündigung der Lohnordnung für bas rheinisch-westfälische Kohlengebiet.

Die Gewerkschaften haben dem Zechenverbanb bas Kündigungsschreiben für die Lohnordnung zugehen lassen. Heber die Forderungen der Ver­bände ist in dem Schreiben nichts ent')'r''"i.

Die Ketterlaae.

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Oslo,

Freitaa d.5.Apn)1929, 7b aDds.

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Wettervoraussage.

Sehr rasch haben mit dem südlichen Abzug des Tiesdruckwirbels auch wieder kältere Luftmasten sich durchgesetzt. Besonders mehr im südlichen Teil Deutschlands, der im Laufe des gestrigen Tages eine neue Schneedecke bekommen hatte, haben sich durch sie und die Kaltluft die Fröste verschärft. München meldete heute morgen noch minus 7 Grad. Der über den Brit sehen Inseln eingesetzte Baro­meteranstieg hat sich zu einem Hochdr'-ckaebict mit Ba-ometerständen von nahezu 770 Millimeter ent­wickelt. Der Kaltluftzustrom hat es bereits nach dem Kontinent angesaugt, so daß auch bei uns kräftiger Druckanstieg eingesetzt hat. Im Bereich hohen Druckes wird die Bewölkung zunächst mehr zurückgehen unb vielfach aufheiterndes Wetter herr­schen. Da dabei noch Luftmassen aus hohen Breite» zufließen, so hält der Frost noch an.

Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig mit Aufheiterung, Nachtfrost, meist trocken.

Wettervoraussage für Montag: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 5. April: mittags 1,7 Grad Celsius, abends2,5 Grad, am 6. April: morgens 3,5 Grad. Maximum 1,6 Grad, Minimum6,6 (Brak Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am I 5. April: abends 1 Grad; am 6. April: morgen« [ 0,3 Grad Celsius. Sonnenfcyeindauer % Stunde,