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tun, als Len Abgeordneten auf Kapitel 17 zu verweisen, in dem der ganze Fall behandelt wird.

Holland bedauert.

Eine Erklärung des holländischen Minister» Präsidenten zur Utrechter Veröffentlichung

H a a g, 5. März. (WB.) 3n der Zweiten Kam­mer teilte der Ministerpräsident de Geer mit, daß er aus Anlaß des tieftraur'-g-n Zwischenfalls, der sich in den letzten Lagen ereignet habe, eine Erklärung abzugeben wünsche: Bevor seiner­zeit der Minister des Auswärtigen nach London abgereist sei, hätte er dem Ministerpräsidenten mitgcteilt, daß die Veröffentlichung eines auf­sehenerregenden Schriftstückes zu erwarten sei, von welchem der Herr vanDeuningenzu Rolter- dam eine Abschrift b-i dem Generalsekretär des Ministeriums des Aeutzern hinterlassen hatte. Das Original hätte van Deuningen vorgelegt. Beide Winist r bedauerten außerordentlich die erfolgte Veröffentlichung! diese sei jedoch nicht zu verhindern gewesen. Der einzige Weg, der der Regierung offengestanden habe, habe darin bestanden, den betrogenen auslän­dischen Regierungen Gclcgenheitzur Stel­lungnahme zu geben. Die Regierung sei da­von überzeugt, daß Holland von keinem einzigen Volke Gefahr drohe. Der Ministerpräsident sprach zum Schluß den Wunsch aus, daß diese Unglück- seligen Tage bald in Vergessenheit geraten mögen.

Oie Untersuchung gegen Frank.

Brüssel. 5. März. (WB.) Zur Untersu­chung gegen den Journalisten Frank, der als Urheber des in Utrecht veröffentlichten Doku­ments verdächtigt ist, wird von amtlicher bel­gischer Seite mitgeteilt, daß sofort gegen Fran? Anklage wegen Paßfälschung erhoben worden ist, da dieses Vergehen gleich zu Beginn der Untersuchung festgestellt werden konnte. Die­ser Umstand erlaubte den Untersuchungsbehör­den, Frank weiterhin unter Aufsicht zu halten und die Untersuchung in gründliche­rer Art fortzusetzen. Sobald die Feststellungen es erlauben, wird der Untersuchungsrichter, der in völliger Unabhängigkeit verfährt, gegen Fran? auch noch wegen anderer Vergehen die Anklageerhebung beantragen. Die Unter­suchung wird so rasch und nachdrücklich wie mög­lich geführt. Endlich werden vom Untersuchungs­richter Personen vernommen, deren Zeugenaus­sage in Betracht kommt. Ebenso werden die Haussuchungen fortgesetzt.

Aus aller Welt.

Die Trauerfeier für Wilhelm von Bode.

3m Kaiser-Friedrich-Mu'eum in Berlin fand in Anwesenheit des preußischen Kultusministers Dr. Becker, dec Staatssekretäre P ü n d e r und Weismann, des amerikanischen Bot­schafters S h u r m a n und vieler bekannten Per­sönlichkeiten aus der Berliner Kunstwelt die Trauerfeier für Erz. Wilh. v. Bode statt, dem gerade das Kaiser-Friedrich-Mufeum so unendlich viel zu danken hat. Was Wilhelm von Bode für daS Museumswefen bedeutete, wurde von dem Generaldirektor der staatlichen Museen, W a e h o l d , der bei der Feier als erster Redner sprach, in packender Wei'e geschildert. Geheim­rat Friedländer pries das tiefe und um­fassende Wissen des Verstorbenen und legte im Ramen der Kollegen das Gelöbnis ab, daß Bodes Mitarbeiter sein Werk In seinem Geist fortsetzen würden. Prof. A. Goldschmidt rühmte bie Universalität des Wissenschaftlers Bode, der aus t'ef erfühlter Kenntnis der Dinge historische Entwicklungen nachfchafsend zu ge­stalten wußte. Der Kämpfer, der seine ganze Kraft für seine hohen Ziele einzusetzen ent­schlossen war, galt das Gedenkwort, das der Präsident der Rotge.neinschast der Deutschen Wissenschaft, Staatsminister o.D. Schmidt- Ott, im Ramen des Kaiser-Friedrich-Museums­vereins dem dahingegangenen Begründer nachrief. Der selbst mehr als achtzigjährige Präsident der Akademie der Künste, Prof. Max Lieber­mann, der mit dem Verstorbenen durch eine 60jährige Freundschaft verbunden war, gab in kräftigen charakteristischen Stricken ein Bild seiner eigenartigen und fesselnden Persönlichkeit. Ein Auserwählter in feinem Beruf, nicht nur ein Berufener, sei Wilhelm von Bode gewesen, .und ein Mann, dessen hervorstechendster Charakterzug der Mut war. Eine Dankesschuld hätten alle ihm abzutragen, die je seinem immer gern gespendetem erfahrenen Rate folgen durften. Prof. Dr. von Zahn erinnerte daran, daß das Kunsthistorische Institut in Florenz in schweren Zeiten nur durch die unermüdliche Energie Bodes gerettet worden sei. Es bleibe von nun an als ein ewiges Denkmal für den Dahingegangenen. Schließlich würdigte Dr. Wolsenoera im Ramen des Verbandes des Kunsthandels Die Verdienste, die sich Bode auch um den Kunsthandel erworben hat: habe er ihm doch erst eigentlich eine Basis ge­geben und immer neue Wege zu weisen gewußt.

Schwierige Lisverhällnisfe aus der Ostsee.

3n den Cisverhältnissen auf der Ostsee ist keine Veränderung eingetreten. Das Eis blockiert immer noch die deutsche Küste und zwingt die Fährschiffe nach Dänemark immer wieder, sich neue Fahrwege zu suchen. Das deutsche Fähr­schiff ..Schwer» n", das Montag nachmittag Don Gjedser auslief, mußte des Packeises wegen einen große»» ilmtoeg machen und kam auf der Höhe von Graal-Mueritz im Eise fest, wobei, wie inzwischen durch Taucheruntersuchungen fest­gestellt wurde, die Schraube desSchwerin" durch das Eis start beschädigt wurde. Dienstag- abeixb saß derSchwerin" noch im Eise fest. Durch die stark auffrischenden Winde wird er immer weiter nach Osten getrieben. Das deutsche FährlchijfM e ck l e n b u r g" , das um 2 Uhr von Gjedser auslaufen sollte, hat wegen der Packeisgefahr den Hafen von Gjedser nicht verlassen. Die dänische FähreD a n m a r k" , die früh 1l2"l Uhr Gjedser verließ und um V212 Uhr in Warnemünde eintraf, hat mittags m 11 dem König von Dänemark an Bord Warnemünde wieder verlassen.

Fünfzehn Tote durch giftigen Alkohol.

3n Pretoria (Illinois) sind nach den» Ge­nuß geschmuggelten Alkohols, der giftige Stoffe enthielt, 15 Personen gestorben, wahrend vier erblindeten. Die Ermitt­lungen nach der Herkunft des Alkohols führten zur Verhaftung von drei Männern, von denen einer bereits gestanden hat, ein 200-Liter-Fah Branntwein von einer Schmuggelgesellschaft in Chicago bezogen zu haben.

Der AeWral verabschiedet den Reichsetat.

Oie Lleberweisungen an Länder und Gemeinden werden gekürzt.

Berlin, 5. März. (DDZ.) Der Reichsrot be­schäftigte sich in seiner Vollsitzung am Dienstag­abend mit dem Reichshaushalt für 1929.

Der preußische Ministerialdirektor Dr. Brecht erstattete den Bericht der Ausschüsse. Wir sind jetzt tatsächlich soweit, daß über die zulässigen Betriebs­kredite hinaus die gesamten offenen Anleiheermäch­tigungen im Wege kurzfristigen Kredits voll flüssig gemacht werden müssen. Die Ausschüsse haben eine etwa mögliche Mithilfe von Länderseite angeboten und empfohlen, jede verschiebbare Aus­gabe über den 1. April zu verschieben. Die vorige Regierung ist bei Feststellung der lieber- schüsse für 1927 über das Ziel hinausgeschossen. Als Entlastung für 1929 ist eine innere Anleihe im Werte von 164 Millionen bei der Invalidenversiche- rung vorgesehen, die ursprünglich im Rahmen der noch bestehenden Ermächtigungen verrechnet werden sollte. Die steigende Arbeitslosigkeit hat jedoch das Reich genötigt, der Reichsanstalt aus Kossenmitteln Darlehen von mehr als 10 0 Millionen zu gewähren. Reichsregierung und Reichsrat haben unter diesen Umständen das 150° Millionen-Darlehen in den außerordentlichen Haus, halt eingesetzt. Bei den Kanalbauten haben die Ausschüsse 7,5 Millionen aestrichen. Umgekehrt haben die Ausschüsse den Ansatz für landwirt­schaftliche Siedlung auf den für fünf Jahre zugesagten Betrag von 50 Millionen (statt 25 Mil­lionen) heraufgefetzt. Die Hoffnung auf eine Ersparung in den einmaligen Ausgaben oder we° sentliche andere einmalige Einnahmen hat getäuscht. Mit dem Nachtrag ergab sich insgesamt eine 23er« schlechteruntz um 797,1 Millionen Mark. Die An- sätze für die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer lassen die in der Wirtschaft zur Zeit drohend empfundene Gefahr besonderer Krisen bewußt außer Betracht, der Ansatz für die Zölle setzt dagegen eine weniger gute Ernte voraus. Trotzdem haben dis Ausschüsse diese 2lnsätze nicht bemängelt, denn ein niedrigerer Ansatz würde zu sofortigen weiteren Steuerauflagen verpflichten. Zur Schonung der wirtschaftlichen Lage ist es richtig, damit zu warten, bis es feststeht, ob nicht die günstigen Sätze zutreffen. Eine Sicherheit ist dafür aber nicht gegeben. Es handelt sich bei den neuen Steuern nur um eine vorläufige Balance mit der Gefahr eines Fehl- betragen, für den im äußersten Fall eine Re­serve an Steuern do fein muß.

Die Steuecvvclagen wurden mit Mehr­heit angenommen, ihr Ersah durch die Umsatzsteuer ab^elehnt. Die Senkung der Einkommensteuer für mittlere Ein­kommen (30 Millionen) wurde als für den einzelnen wenig fühlbar, aber fiskalisch ein­schneidend, abgelehnt.

Die Kürzung der Ueberwelfung an die Länder und Gemeinden

wird von den Ländern besonders schwer emp­funden. Viele voi» ihnen haben Defizitstats. Dies gilt auch für Preußen, da die 25-MiUionen- Entschädigung vom Reich, die Preußen in seinem Etat als Aktivum eingesteUt hat, im Reichsetat fehlen. Bei Bayern beträgt das De'izit im Vor­anschlag sogar 44 Millionen, bei Sach'en 25,6. bei Baden 12,5, bei Thüringen 12, bei Hessen 11 bis 12, bei Hamburg 11 Millionen und ent­sprechend bei den kleineren Ländern». Cs wird also in Wahrheit ein dem Reich drohendes Defi­zit auf die Länder abgewälzt. 3n Wirklichkeit liegen die bei weitem kostspieligsten Aufgaben der allgemeinen inneren Verwaltung den Län­dern und Gemeinden ob: Schulwesen, einschließ­lich Hochschulen, mit mehr als 1,75 Milliarden. Justiz mit einer Viertelmilliarde und Polizei mit 450 Millionen (über den Reichszuschuh hin­aus): die aUgemeine Wohlfahrtspflege 1,50 Mil­liarden, Wohnungs- und Siedlungswefen über 0,75 Milliarden und das Straßen- und Ver­kehrswesen 700 Millionen, zusammen fast 5,50 Milliarden im Jahr, also e ine Summe, die wesentlich großer ist als sie allgemeinen ©teuer- Überweisungen von 3,2 Milliarden. Ein An­trag auf Streichung der Hebertoei- sungskürzung wurde in den Ausschüssen

abgelehnt, aber nur, weil Preußen es poli­tisch für notwendig hielt, die auch nach seiner Ansicht sachlich unberechtigte Kürzung hin­zunehmen.

Die Ausschüsse haben beim außerordenklichen Etat g e st r i ch e n:

Beim Auswär'igen 2,7 Millionen, bei Heer unb Marine 5,3 Millionen, bei dcr Verwaltung der Binnenwasserstraßen 1,7 Millionen, bei der Reichssinanzverwaltung für den Dau reichs­eigener Bea.ntmwohnungen 2 Millionen, bei der Etatifierung für Besahungsloften 1925 b.s 1927 rund 20 Millionen, bei anderen Stellen 1,6 Millionen, bei den Reisekosten aller Reichs­behörden 10 Prozent gleich 2,5 Millionen, bei den Personallosten aller Reichsbehörden durch Pauschalabsah 5 Millionen, zusammen rund 41 Millionen. Die Ausschüsse halten es für notwendig, die erste Senkung der Personalaus­gaben durch Fortfall jeder freiwer­denden dritten Stelle auch in Haushalt zum Ausdruck zu bringen. Der Höchstbctcag der Personalausgaben des Reiches war im Jahre 1928 erreicht und wird jetzt ständig langsam ab­nehmen. Die Verbesserung um 40 Mi.l onen er­höht sich noch durch Mehreinnahmen auf rund 51 Millionen.

L» sind andererseits zngescht:

für die Versendung von Kindern Kriegsbeschä­digter usw. zum Erholungsaufenthalt und ähn­liche Zwecke 1.5 Millionen, für das römisch­oermanische Museum in Manz 20 000 Mark, für Die Stützung der Theater im besetzten Gebiet 500 000 Mark, für die Erweiterung der Mainzer Rheinbrücke 100 000 Mark, für den Steueraus­fall der Gemeinden mit steuerfreien Eisenbahn­betrieben 2,5 Millionen und auf Antrag der Reichsrcgierurg für de Schichau-Werke (toteber- kehrend) 2,3 Millionen. Diese Mehreinsätze be­tragen insgesamt nur 7 Millionen. Dazu kommt jedoch folgendes: In der Regierungsvor a e war ein Leertitel für die östlichen Grenzgebiete ein­gesetzt von mindestens 25 Millionen. Die Aus­schüsse haben es für notwendig gehalten, diese Summe in den Etat einzustellen. Für die übri­gen Grenzen wurden fünf Millionen eingesetzt. Hierdurch ergeben sich Mehreinsähe von rund 51 Millionen. Der Reichlrat hat somit nur er­reichen können, daß sich der Ausgleich ergab.

Reichsfinanzminister Dr. Hilfer- ding gab daraus im Ramen der Reichsregierung eine Erklärung ab des Inhalts, daß die Regie- ntra sich mit dem Vorschlag der Reicksratsaus- sljüs e in e'nigm Punkten nicht einvcr stan- oe n erkläre und hier Dop^elvorlagen machen werde. Das beziehe sich auf einen Betrag von 32,5 Millionen. Vor allem richte sich der Wider­spruch der Regierung gegen die Ausfüllung des Leertitels über die Ostyilse mit 25 Millionen.

Ein Antrag Bayerns, die Deckung des Defizits allein durch eine Erhöhung der Umsatzsteuer auf ein Prozent vorzunehmen, wird mit 48 gegen 20 Stimmen abgelchnt.

Die Ausschuhvorlage über die Aenderung des Biersteuergesetzes wird mit 41 gegen 27 Stimmen angenommen, die Ausschußvorlage zumSrannttDei nm onopol mit großer Mehrheit. Angenommen wird auch der Entwurf des Ausschusses zur Aenderung der Erb­schaftssteuer mit 33 gegen 30 Stimmen. Zum Regierungsentwurf über die Senkung des Einkommensteuertarifsbeiden mitt­leren Einkommen haben die Reichsrats- ausschüfse die Senkung bei der gegenwärtigen ungünstigen Finanzlage und bei der geringen Wirkung für den einzelnen Steuerzahler für un­zweckmäßig erklärt. Auf Antrag der Ausschüsse wird der Rcgierungsentwurf, abgesehen von eini­gen nebensächlichen Bestimmungen, abgelehnt. Das Haushaltsgesetz wird schließlich nach den Vorschlägen der Ausschüße angenommen, nachdem ein bayerischer Antrag auf Streichung des Ver- mögenssteuerzufchlags mit 43 gegen 26 Stimmen abgelehnt worden ist.

Konllmmsknradall im Hessischen Landtag

Rach vierteljähriger Pause hat das Land- tagsplenum seine Arbeiten wieder ausgenom­men und zum erstenmal einen Skandal er­lebt. Die Kommunisten hatten versucht, auch hier ihre Anhänger zu lärmenden Kundgebungen von der Tribüne herab einzusetzen. Aus dem Ar­beitsamt war zumMarsch nach dem Landtag" aufgefordert worden, und die kommunistischen Erwerbslosen waren auf der Tribüne verteilt untergebracht. Rachdem Präsident Delp die wäh­rend der Pause erfolgten Veränderungen in den Fraktionen des Landtags bekanntgemacht hatte, erhob sich der Abg. v. d. Schmitt, um gegen seine früheren Fraktionskollegen G a l m und Angermeier, die inzwischen aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen wurden, eine Erklärung loszulassen, die ihnen als Rene­gatei» Verrat am revolutionären Proletariat und ähnliche schöne Handlungen vorwarf. Mit ge­wohnter Schärfe parierte Abg. G a l m . und die Sitzung wurde lebhafter. Abg. Sumpf verlangte dann unter zustimmenden Rufen der Tribüne sofortige Beratung der kommunistischen Anträge zur Erwerbslosensrage, deren Behandlung durch Regierung und Parlament in den Ausschüssen ein Hohn gewesen sei. Präsident Delp schlug vor. die Beratung Mittwoch vorzunehmen. Die Kom­munisten erhoben Einspruch, und es mußte ab­gestimmt werden. Das Haus lehnte gegen die Kommunisten die sofortige Beratung ab. Da griffen die auf der Tribüne befindlichen kom­munistischen Anhänger ein und veranstalteten einen wüsten Skandal, indem sie besonders den sozialdemokratischen unb einigen Zentrumsabge­ordneten schwere Beleidigungen entgegenschrien. Präsident Delp unterbrach die Sitzung, und die Aufsichtsbeamten räumten d i e Tri­büne. Vor dem Landtagsgebäude sprach ein kommunistischer Abgeordneter zu den Demon­stranten, bis die Verkehrspolizei die Aufgeregten bcifeite schob, die zu einer Protestversammkrng in ein Lokal marschierten.

3m Aeltestenrat kamen die Vorgänge zur Sprache, und es wurde beschlossen, von nun ab Einlaßkarten für die Tribünen nach der Stärke der Parteien auszugeben. Abg. Sumps wurde von der Sitzung ausgeschlossen. SS

war das erste Mal, daß im Hessischen Landtag die Tribünen geräumt werden mußten, und eS bleibt zu hoffen, daß sich diese für ein Parla­ment gerade nicht sehr, schmeichelhafte Maßnahme nicht zu wiederholen braucht.

Sitzungsbericht.

Darmstadt, 5.Mürz. Das Haus ist aus den Rängen und im Saal gut beseht, als Präsi­dent Delp um 10.25 Ahr die Sitzung eröffnet Staatspräsident Adelung, die Minister K o - rell, Kirnberger und L e u s ch n e r fiitb anwesend. Präsident Delp gibt die Mandats- nicberlegung des Abg. Dingeldey (D. Vp.) bekannt und begrüßt seinen Rachfolger, Bäcker- obermeister Kunkel, Worms.

Abg. v. d. S ch m i 11 (Komm.) rückt in einer Erklärung von denRenegaten" G a l m und A n g e r m e i e r ab, die bekanntlich aus der KPD. a usgeschlossen worden sind.

Abg. G a l m (komm. Opp.) erklärt, auch für den Abg. Angermeier, als Gründe seines Ausschlusses aus der KPD. die veränderte ©runbtal.it -der KPD. in ihrer Einstellung zu den freien Gewerkschaften, den Unorganisierten und den Betriebsräten. Von den drei Millionen kommunistischen Wählern seien nur 100 000 in der KPD. organisiert.

Es entspinnt sich nun eine Geschäfts­ordnungsdebatte darüber, ob der von den Kommunisten gestellte Antrag zur Er - werbslose nfrage heute auf die Tagesord­nung gesetzt werden soll. Präsident Delp schlägt vor, die Anträge auf die morgige Tagesordnung AU sehen. Als der Dringlichkeitsantrag der Kom­munisten abgelehnt wird, erhebt sich unter den auf der Tribüne anwesenden Erwerbslosen ein ungeheurer Lärm. Da sich der Präsident mit seiner Glocke kein Geyor verschaffe»» kam», unter­bricht er die Sitzung und läßt die Tribüne räumen.

Rach einstündiger Pause eröffnet Präsident Delp die Sitzung wieder. Eine Kleine Anfrage der Kommunisten wegen einer angeblichen Schü- lermißhanblung in Alsfeld wird von der Regierung als den Tatsachen vollkommen wi­

dersprechend zurückgewiesen. Auf eine Anfrage wegen Aufhebung der Taubstummen- anstalt in Friedberg erwidert die Regie­rung, daß zunächst nur die Direktorstelle nicht neu beseht werden solle. Die Rachrichten von der Aufhebung der Anstalt beruhten wahrscheinlich auf dem Besuch der Anstalt durch den Beauf­tragten des Reichssparkommisjars. Mi.-.isterial- direktor LI r st a d t teilt mit. daß eine gesetzliche Grundlage zur Einführung des Freidenker - Unterrichts in Worms nicht beRrie; die Teilnahme an der sittlichen Leöenskunde sei Pflicht der betreffenden Schulkinder. LandeS- forstmeister Hesse teilt mit, daß bis Ende Fe­bruar 1928 im Kreise Lauterbach 83 Wild­schwein?: im hintere»» Odenwald 21 Stück er­legt worden sind, ein Vielfaches der üblichen- sck'lßzifs-rn.

Das Haus billigt bam» die vorn Ausschuß als vordringlich anerkannte Zurverfügungstellung der im Rechnungsjahr 1929 für die Vrooinzial- straßenoerwaltung vorgesehenen Baukre- dite zur Verminderung der Arbeitslosigkeit sowie von Krediten für das Bad Salzhausen (8400 Mk.) und 500 000 Mk. zur Durchführung der ländlichen Siedlung in der Gemarkung K l o p p e n heim (Kreis Friedberg).

Abg. Dr. B e st (D. R. P.) begründet seinen vor einem Jahr eingebrachten Gesetzentwurf über die Ablösung der Markanleihen der hes­sischen Gemeinden und Gcmeindeverbände, der im Ausschuß gegen vier Stimmen abgelehnt worden ist. Der Gesetzentwurf will die Ablösungs­beträge auf das Zehnfache des Nennbetrages fcft- fetzen und die Auslosung auf zwanzig Jahre be­schränken.

Abg. Schreiber (Dem.) sympachisiert an sich mit dem Antrag, der aber zu spät komme, da die Regelung durch Reichsgesetz erfolgt sei. Etwa fünfzig Prozent der Streitsachen feien in Hessen meist durch Vergleich erledigt. Die wenigsten Markanleihen befänden sich heute noch im Besitz von Klein­sparern. Hessen könne n.chk als einziges deutsches Land eine Sonderregelung vornehmen.

Abg. Ritzel (Soz.) lehnt ebenfalls eine Sonder- Belüftung für die hessischen Gemeinden ab; wenn das Reich eine solche Regelung vornehme, sei sie eben für alle Länder maßgebend

Abg. Dr. N i e p o t h (D. Vp.) stellt ausdrücklich fest, daß er und Abg. Dr. Keller lediglich ihre Un­terschrift unter den Antrag gesetzt hätten, um eine Ausschußberatung zu erm.glichen. Da Sozialdemo­kraten und Demokraten g.umsätzlich dem Antrag zustimmten und heute im Reich und in Preußen ausschlaggebenden Einfluß besäßen, sollten sie nun doch bald zur Tat in dieser Frage kommen.

Abg. S ch ü l (Zentr.) lehnt ebenfalls die Vor­lage ab.

Abg. Dr. Böhm (Dn.) stimmt dem Antrag zu. Die Gemeinden, die gut bezahlte Stellen sch ffen, kostspielige Theater unterhalten und teure Stadien bauen könnten, hätten eine Ar.standspflicht ihren Gläubigern gegenüber zu erfüllen.

Nach weiteren Ausführungen wird der Antrag gegen die Antragsteller, die Deutschnationalen, den Bauernbund und zwei Volksparteiler abge - lehnt. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch.

Goldene Worte.

Der soeben zurüüge retene Präsident der Ver­einigten Staaten, der sihweigjamc Calvin Coo- lidge, wird demnächst einige Prcsjeartikel ver­öffentlichen, von denen sich die Amerikaner er­zählen, daß das Honorar pro Wort einen Dollar betrage.

Oie Weiterlage.

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Dienstaa, d.5. März 1929,7* abds.

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Wettervoraussage.

Durch den Einfluß der nördlichen Druckstörung hat die Erwärmung weiter südwärts Fortschritte gemacht und hat sich bereits bis zum Main aucge- breitet. In Mittel- und Norddeutschland lagen heute morgen die Temperaturen um Null Grad und stel­lenweise sogar etwas darüber und in Süddeutschland unter Null Grad. Da wir allmählich unter den Einfluß der Rückseitenwirkung der Störung gelan­gen, so ist zunächst mit etwas unbeständigem Wetter zu rechnen. Eine stärkere Temperaturenänderung tritt jedoch vorläufig nicht auf.

Wettervoraussage für Donnerstag: Wechselnde Bewölkung, Temperaturen nachts um Null Grad, stellenweise etwas darunter, vereinzelte Niederschläge.

Wettervoraussage für Freitag: Zu­nächst wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 5. März: mittags +1,3 Grad Celsius, abends1,5 Grad: Cellius: am 6. März: morgens + 0,5 Grad Celsius. Max mura + 1,5 Grad Celsius, Minimum 7 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 5. März: abends1,6 Grad Celsius; am 6. März: morgens 1,5 Grad Celsius. Sonnenfcheindausr sieben Stunden.