schien.
®«rj.
16 "k Nh»
«
B-Vnitue jMM Mibfin
M gl«,» ’ i»« |e einet Sn *" to"
4 Mär, IU fföiben ©ttrinot
7'2
390301
? »«94 I00W 36S 374554 S '<195 303» 37009 M 204626 237739 Ml 376183 386683
^föaftion
' Samstag
Nr. 55 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Mittwoch, 6. März 1929
Erschein» täglich,außer Sonmags und Feiertag». Beilagen Die Illustrierte
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
Vezvgrpreir für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechonlchlüsfe: 51, 54 und 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: granffurtam Main 11686.
®lc6ener2liijeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Vrvck vnv Verlag: vrühl'sche UniverfitLIr-vuch. und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze l.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer di» zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Playvorschrift 20", mehr.
Chefredakteur:
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THnriot; für den übrigen Teil hrnft Diumschein: für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Bietzen.
„3ut>iel eioof".
3n einer Rede, die er vor den hessischen Demokraten in WormS hielt, hat der ehemalige badische Staatspräsident Pros. Dr. He11pach den treffenden Satz aufgestellt: »GS wird in Deutschland zuviel Staat gespielt." DaS ist an sich nicht unverständlich, denn es ist eine Folge des Eindringens all der Kräfte und Persönlichkeiten In die parlamentarische oder behördliche Verwaltung, die vor 1918 von einer rein bureaukratischen Staatsverwaltung ferngehallen waren. Aber ob auch plausibel, ist diese Erscheinung in ihren Wirkungen doch vielfach unerfreulich. And wenn in den letzten Tagen der vom Hansabund entwickelte Gedankengang Aur Erhöhung der Steuereinnahmen um 200 Millionen Mark einiges Interesse erweckt hat, so vor allem deshalb, weil auch er sich gegen die allzu starke Ausweitung der staatlichen Funktionen, gegen eine Konsequenz Der Sozialisierung gewandt hat, die man ursprünglich viel zu wenig berücksichtigte.
Er tut daS freilich mit sehr primitiven und unzulänglichen Mitteln: denn er will das Kind mit dem Bade ausschütten. Gr geht nicht aus von der Untersuchung, ob die unbewußte Sozialisierung bestimmter Wirtschaftszweige nicht bereits zu weit gegangen und dadurch in einen irgendwie unlauteren Wettbewerb mit der privaten WirtschaftSinitiative getreten fei, sondern er stellt sich von vornherein auf den Standpunkt, daS als gegebene und anerkannte Tatsache hinzunehmen und nun im Interesse der Privatwirtschaft von der Steuerseite her nach einem Ausgleich zu suchen. Gr meint, wenn man die öffentlichen Betriebe ebenso wie die privaten Aktiengesellschaften besteuere, fo hätte das den doppelten Vorteil, einerseits erhebliche Steuereinnahmen hereinzu- bringen und andererseits der privaten Konkurrenz solcher össentlichen Betriebe das Leben zu erleichtern und auf die letzteren erzieherisch im Sinne einer sparsamen und kaufmännischen ®e- fchäftSgebarung einzuwirken. Er vergibt dabei nur e»nS, aber die Hauptsache: daß nämlich die öffentlichen Betriebe, soweit sie nicht ohnehin Monopolsorm haben und der Versorgung dec Bevölkerung mit Kraft, Licht, DerkehrSeinrichtungen ufto. dienen, bereits der Besteuerung unterliegen, dah aber die bisher unbesteuerten Betriebe es durch ihren Monopolcharakter in der Hand haben, jede Reubelastung durch Steuern in Form von Tariferhöhungen auf di e Verbraucher, auf die Masse des Publikums abzuwälzen, so dah im End» efsekt nicht eine direkte Steuer bestimmter Wirtschaftsbetriebe, sondern eine indirekte Besteuerung der breiten Massen, und zwar meist eine Kommunalbesteuerung dabet herauSkäme. Das ist natürlich eine vollkommen verfehlte Anlage zur Verwirklichung einer im Grunde vernünftigen Idee.
Die Kernfrage scheint uns dahin zu lauten: welche Betriebe der öffentlichen Hand, die weder Monopolcharakter haben, noch allgemeinen Ver- kehrsbedürfnisfen dienen, erfreuen sich zur Zeit eines Steuer-Privilegiums? Gibt es solche Betriebe überhast — z. B. in der Kohlenwirtschaft oder auf irgendeinem andern industriellen Gebiet, so ist es durchaus berechtigt, daß man sie steuerlich mit den entsprechenden Privatbetrieben gleichstellt, um dadurch eine größere Wirtschaftlichkeit zu erzwingen und einen unlauteren Wettbewerb auszuschalten, den sie auf Grund bisheriger steuerlicher Bevorzugung betreiben können, denn bann trifft diese Besteuerung unter dem Zwange des Wettbewerbs nicht die Konsumenten, und es muß fick erweisen, ob ein behördlicher Betrieb unter gleichen Bedingungen überhaupt lebensfähig ist. Von Erträgen in Höhe von Hunderten von Millionen wird dabei freilich nicht die Rede fein können, aber es wird heilsam auf eine Uebertreibung staatlicher Wirtschaftstätigkeit — hier gleichzufetzen auch mit pro- vinzieller oder kommunaler — eingewirkt werden können. Aber jede Steuerbelastung, die sich auf den Konsumenten abwälzen läßt, wäre auch in dieser Form sinn- und zweckwidrig.
Das postguiachien des Reichssparkommiffars.
B e r l i n, 6. März. lPrio.-Tel.) Rach langen und schweren Kämpfen, die sich unter Ausschluß der deffentlichkeit zwischen dem Reichssparkommissar und der Reichspost abspielten, liegt jetzt der wesentlichste Teil des Spargutachtens vor. Die Reichspost hat in der Hauptsache die Ergebnisse des Sparkom- miffars nicht widerlegen können, strittig ist nur das Ausmaß der mö glichen Einsparungen, wobei es sich auf jeden Fall um recht beträchtliche Summen handelt. 3m Mittelpunkt der Auseinandersetzungen steht die Kritik des Reich ösparkommisiars an der D i e n ft- Postenbesetzung. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, daß an höheren Beamten, die durch gehobene mittlere Beamte ersetzt werden könnten, mehr als 1000 in Frage kommen, während an gehobenen mittleren Beamten, die durch mittlere Beamte zu ersetzen wären, mindestens 15 000 Stellen in Frage kommen und schließlich wird noch gesagt, daß rund 5000 Oberpostschaffner auf Postschasfner- dienstposten verwendet werden könnten. Im Gutachten wird errechnet, daß bei richtiger Dienstpostenbesetzung im ersten Fall 1,82 Millionen, im zweiten 26,25 und Im dritten 2,25 Millionen, zusammen 30,32 Millionen, eingespart werden könnten, wozu noch die Zuschläge auf die Ruhegehälter mit 10,31 Millionen kommen, so daß im Laufe von 12 Jahren die Summe von 40,63 Millionen Mark der Reichs-
Oie Revolution in Mexiko.
Der Kampsplan der Regierung.
Mexiko, 5. März. (WB.) Außer aus den Staaten Ruevo Leon und Dera Cruz werden Kämpfe zwischen Bundestruppen und Rebellen aus Coahuila, Sonora und Sinaloa gemeldet. Associated Preß zufolge hat die Zentralregierung das Vorgehen gegen die Rebellen auf zwei Fronten, einer im Horden und einer im Süden, vorbereitet. Calles leitet die Operationen in Sonora, während General Almazan seine Streitkräfte im Süden konzentriert. 8000 Mann feiner Truppen rücken bereits gegen Dera Cruz vor. Starke Truppenmafsen verlassen die Bundeshauptstadt, wo vollkommene Ruhe herrscht. Der amerikanische Botschafter Morrow stellt fest, daß er nur mit der anerkannten Regierung in der Hauptstadt verhandeln werde.
Die Hoffnung bet Revolutionäre.
Ein zuversichtliches Telegramm des Generals Aguirre.
Reuyork, 5. März. (WTB.) „Reuyork TimeS" hat vom Befehlshaber der Aufständischen in Dera Cruz, General Aguirre, ein Telegramm erhalten, in dem es heißt, die Revolution werde von den Truppen im Bezirk Dera Cruz, von den mexikanischen Flottencinheiten im Golf von Mexiko, von zahlreichen Kreisen der Landbevölkerung und der übrigen Bevölkerung unterstützt. Derhaftungen seien nicht vorgenom- men worden, und die Staatsbehörden wie die örtlichen Behörden seien auf ihrem Posten geblieben. Die Staaten Sonora, Sinaloa, Chihuahua, Durango, Coahuila und ein starkes Kontingent auS vier anderen Staaten hätten sich der Bewegung angeschlossen. In der ganzen Republik hätten sich auch sonst unbedeutendere Regierungen gebildet. DaS Ziel sei der Sturz der Bundesregierung wegen ihrer Bemühung, dem Lande den unpopulären Kandidaten Ortiz Rubio für die Präsident
schaft als Rachfolger des Präsidenten Portes Gil auszudrängen. Das Telegramm schließt: »Wir wünschen ein wirksames Stimmrecht und eine volkstümliche ehrliche Regierung, die die Freiheiten des Dolkes zu respektieren gedenkt."
Amerika und die Revolution.
Unterstützung der Regierung Portes Gil.
Reuyork, 5.März. (WB.) Die Berichte der hiesigen Morgenblätter aus Mexiko beschränken sich Im wesentlichen auf die Mobilifierung der Regierungstruppen zur Bekämpfung der Aufständischen, die in Sonora die Katholiken zu gewinnen suchen, indem sie die Religionsgesetze außer Kraft setzen. In den Leitartikeln her „Reuyork World", „Reuyork Times" und der „Herold and Tribüne" wird der Ausbruch der Revolution allgemein als ein Rückschritt bedauert. „Herold and Tribüne" sagt, angesichts der Errungenschaften des Regimes von Obregon und Calles während der letzten acht Jahre fei man zu der Hoffnung berechtigt, die Regierung möge aus den gegenwärtigen Angriffen n e u g e st ä r k t und mit neuem Prestige heroorgehen. In Finanz- kreifen wird gleichfalls bedauert, daß in letzter Zeit die hochbefriedigende Arbeit des amerikanischen Botschafters Morrow, durch die jüngsten Ereignisie in Frage gestellt wird.
Die Londoner „TimeS" schreibt: 68 ist bezeichnend, dah Präsident Hoover zu verstehen gegeben hat, das Derbot, Waffen nach Mexiko auszuführen, bleibe in Kraft. Das bedeutet, dah die Aufständischen — abgesehen von geschmuggelten — keine Waffen von den Bereinigten Staaten erhalten werden, während die mexikanische Regierung in Der Lage sein wird, allen Kriegsbedarf zu erhalten, den sie braucht, um den Aufstand zu unterdrücken. Amerikanische Bankiers sind ebenfalls bereit, jede finanzielle Unter- stützung zu gewähren, Die zu Dem gleichen Zweck notwendig sein könnte. Portes Gil und fein Kriegsminister Calles können daher zuversichtlich sein.
Erst heute Beginn -er Min-erheiten-ebatte in Genf. Litauen wird nicht zugetaffen.
in außerordentlich gedrängter, aber wohlbegründeter Weise den prinzipiellen deutschen Standpunkt zu der ganzen Frage der Garantien des Völkerbundes für die Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten behandeln, in ihrem zweiten Teil die deutsche Stellungnahme zur Dersahrensfrage selbst und sodann im Schluß- teil ganz bestimmte Konklusionen in Form von Dorfchlägen enthalten.
Genf, 5. März. (WB.) Die für heute an- geseyte Sitzung des Dölkecbundsrates zur grundsätzlichen Erörterung Der Minderheitenprobleme auf Grund des kanadischen und deutschen Antrages ist abgesagt worden. Zur Erklärung wird angegeben, daß das Iuristenkomitee, In dem Italien, Spanien, Japan und England vertreten sind, auch heute vormittag Die Vorprüfung des litauischen Antrages auf sofortige Zuziehung zu Diesen Erörterungen nicht abschließen konnte. Die Schwierigkeiten lagen Darin, daß Litauen für sich eine Sonderstellung verlangt und sich Dabei auf die von ihm seinerzeit unterzeichnete Minderheiten- Deklaration beruft, deren Bestimmungen mit Den Deklarationen Der übrigen Minderheitenstaaten nicht ganz identisch sind.
Das Iuristenkomitee hat schliehlich den litauischen Anspruch auf sofortige Zuziehung zunächst zurückgewiesen, die auf keinen Fall in Frage kommen dürfte, bevor nicht feststeht, was seitens des Dölkerbundsrates beschlossen werden soll. Das Hauptinteresse bei der bevorstehenden Debatte, die sich über mehrere Sitzungen erstrecken Dürfte, konzentriert sich auf die Verfahrensfrage. Es besteht Der Eindruck, daß auf Seiten der Großmächte keine prinzipielle Stellungnahme gegen Die kanaDischen Vorschläge zu erwarten ist, während andererseits über die endgültige Stellungnahme Polens, das sich bekanntlich wiederholt gegen eine Abänderung des Verfahrens ausgesprochen hat, noch nichts bekannt ist. Gegenüber den unzweifelhaft bei einigen Delegationen vorhandenen Strömungen, die Aussprache über das Minderheitenproblem schon in der laufenden Tagung in endgültiger Form abzuschließen, wird in den Kreisen der deutschen Delegation Die heutige Erklärung Chamberlains vor der englischen Presse unterstrichen, wonach in der gegenwärtigen Tagung eine Lösung noch nicht gefunden werden könne und wahrscheinlich ein Studien- komitee mit der Weiterprüfung und Klarstellung des Problems beauftragt werden müsse. Die für morgen zu erwartende grundsätzliche Rede des Reichsaußenministers wird in ihrem ersten Teil
Sttesemann spricht mit Vriand.
Keine Fortsetzung der Reparations- und r-iäumungsdebatte.
Genf. 5. März. (2DB.) Bei der heutigen ein- siündigen Unterredung zwischen Reichsminister Dr. Stresemann und B r i a n b sind, wie in den Kreisen der deutschen Delegation verlautet, alle schwebenden fragen besprochen worden. Obwohl Einzelheiten nicht bekannt werden, fo ist doch an- zunehmen, dah irgendeine positive Lösung oder Fortsetzung der in Lugano erfolgten Besprechungen vor dem Abschluß der Arbeiten des pariser Expertenkomitees für die Reparationsfrage nicht erfolgen kann. Dabei teilt man in den Kreisen der deutschen Delegation die von Chamberlain gelegentlich eines Empfanges dec englischen Presse heute geäußerte Auffassung, dah die Rheinlandfrage beim gegenwärtigen Stand der Pariser Verhandlungen für eine Fortsetzung der Besprechungen noch nicht reif ift. Die 21 b- rüstungssrage wurde mit keinem Wort in der Unterredung zwischen dem deutschen und Dem französischen Außenminister erwähnt, während in bezug auf die Erörterung des Minderheiten- Problems verlautet, dah der Standpunkt Briands nicht der bekannten Asiimilationstheorie des früheren brasilianischen Ratsmitgliedes Mello Franco entspricht, die ja auch in den kanadischen Vorschlägen zur Verbesserung des Verfahrens in Minderheitensachen zuruckgewiesen wird.
post erspart werden Dürfte. In Den RanDbemerkun- gen, Die Die Reichspost Dem Gutachten beigefügt hat, gibt sie Die Möglichkeit solcher Einsparungen im Prinzip zu, aber beziffert Die Summe nur auf etwas mehr als 29 Millionen Mark. Dagegen hält Die Reichspost Die vom Sparkommissar vorgeschlagene Ausarbeitung eines Stellenprogramms auf 12 Jahre für unmöglich, und bezweifelt auch Die Zweckmäßigkeit eines Fachausschußes, Der Die Dienstpostenbe- mertung in möglichst paritätischer und Den SonDer- heiten Der Deutschen ßänDer angepaßten Zusammensetzung Durchführen müßte. Vorläufig hanDelt es sich nur um ein Teilgutachten zu Den Personalfragen, Das in Der nächsten Zeit Den Verwaltungsrat Der Reichspost beschäftigen wird»
Or. Schacht reist privat nach Berlin.
Berlin, 6. Mörz. ReichsbankpräsiDent Dr. Schacht wird sich anfangs Der tommenDen Woche auf zwei oder Drei Tage nach Berlin begeben. Seine Reise steht jedoch, im Gegensatz zu Den Darüber verbreiteten Meldungen, in keinem Zusammen- Hang mit Den Verhandlungen der Reparationskonferenz, sondern hat rein privaten Charakter. Dr. Schacht nimmt an einer am 12. März in Berlin stattfindenden Hochzeit teil und wird voraussichtlich noch an demselben Abend nach Paris zurückkehren.
pariser Konfektion.
Die 24 Delegierten von Paris wahren ihr Beratungsgeheimnis. Darüber kann auch die Tatsache nicht Hinwegtäuschen, daß feit einigen Tagen die Rachrichten über Inhalt und Verlauf der bisherigen Besprechungen etwas reichlicher fließen, als in Der ersten Zeit. So viele überaus bedeutsame und interessante Kenntnis durch diese Rachrichten auch nunmehr langsam schon vermittelt worlen ist, so wenig weih doch die Oessentlichkeit bisher noch von Dem eigentlichen Kern auch nur dessen, was in diesen ersten drei Wochen verhandelt und beschlossen wurde. Man kennt auch heute noch, wenn man den Dingen auf Den Grund geht, nicht sehr viel mehr als die Fragestellungen, zu denen die Kommissionen und auch die Vollsitzung sich nunmehr bekennen.
Man muh es den 24 Delegierten lassen: sie haben Rerven. Rach allem, was an Die Öffentlichkeit gedrungen ist, haben sich die bisherigen Besprechungen auf rein sachlicher Basis und in ganz ruhigen Formen bewegt, ohne dah es zu irgendwelchen Reibungen persönlicher oder politischer Art gekommen wäre oder gar zu irgendwelchen Zwischenfällen. Cs sind eben nicht Politiker, erwachsen in Der Schule der Parteiorganisationen und der Fraktionen, sondern Männer der Wirtschaft, erzogen am grünen Tische deS Danksihungssaales und auf geräuschdämpfenden Teppichen, Die heute in Paris auf einem der bedeutendsten Gebiete das Schicksal der Welt zu lenken suchen. Man hat in solcher ruhiger und unnervöser Arbeit offenbar schon manches erreicht, und Die Einigung scheint in vielen Punkten weit großer zu fein, als das selbst Optimisten noch vor wenigen Wochen glaubten erwarten zu können. Da zu einer Einigung die Zustimmung der deutschen Delegierten erforderlich ist, und Da wir keinen Anlaß haben, unseren Deutschen Delegierten mit irgendwelchem Mißtrauen zu begegnen, kann man solche Einigung getrost als ein erfreuliches Faktum buchen.
Aber man Darf Dabei doch eines nicht übersehen. Bisher hat man in Paris Doch nichts weiter als einen K o ns e k t i o n s anz u g ge- schneiDert, mit gutsitzenden Knöpfen, mit gutgeschnittenen Knopflöchern. Unö wie in Der Konfektion kommt nun er ft Die eigentliche Arbeit. Es gilt, Den Menschen zu suchen. Der in Den Anzug von Der Stange hineinpaßt und nicht nur Das, Der ihn auch haben will Die Dreiwöchigen Beratungen von Paris haben also bisher nur einen Rahmen, nur ein System geschaffen, Das solange völlig in Der leeren Luft hängt, als nicht sein Inhalt erkennbar ist: Die Höhe Der künftigen deutschen R e- parationsleistung. Man hat ja Den auf Den ersten Blick seltsam anmutenden Weg gewählt, sich über technische Einzelheiten früher zu verständigen, als über Dieses eigentliche Problem. Das mag zweckmäßig gewesen fein, weil so den Elegierten Gelegenheit gegeben wurde, vor Dem eigentlichen Kampfe sich aufeinander einzuspielen und das Terrain kennenzulernen. Aber nunmehr ist Die Rekognoszierung beendet, Der Aufmarschplan fertig; jetzt kommt Die Schlacht.
Wohl in dieser Woche noch werden an Die Stelle Der Komitees, theoretischer Erörterungen über die Organisation des zum Teil beizubehaltenden Trans- ferfchutzes, der Schaffung einer einheitlichen Instanz, die die verschiedenen bisherigen Dawes-Kon- trollorgane ersetzen soll, und ähnlicher Fragen D i e Ziffern treten. Wie hoch soll die jährliche deutsche Reparationsleistung fein? Welcher Teil der Iabres- Zahlungen soll fortan des Transferschutzes verlustig gehen? Wie und zu welchen Bedingungen soll uno kann eine teilweise Mobilisierung oder Kammer,ziali- fierung der deutschen Verpflichtungen erfolgen? Und wie lange endlich soll die deutsche Reparationsschuld laufen? Man hat es bisher in Paris vermieden, auch nur im privaten Gespräche diese Fragen anzuschneiden, und ist also um das Hauptproblem, Die eigentliche Aufgabe der Sachoerständigenkonferenz, herumgcgangen, wie um einen heißen Brei. Länger läßt sich diese Methode nicht durchführen. Jetzt kann man an einer Erörterung der wirklichen Schwierigkeiten nicht mehr vorübergehen. Und damit treten die Pariser Verhandlungen in das Stadium der Entscheidung.
Die pestgranaien.
Ter britische Kriegsniinifter drückt sich um eine eindeutige Erklärung.
London, 5. März. (WTB.) 2m Anlerhaus stellte Kenworthy an Den Kriegsminister Die Frage, ob Da» Kriegsministeriuin irgendwelche Kenntnis Davon habe, daß während Des Weltkrieges von Den Deutschen Truppen an Der Westfront Bomben ober Granaten verwen- D e t worden seien, Die Krankheits- oder Pestbazillen enthielten. Kriegsminister Worthington Evans erklärte: Rein. Das Kriegsministerium besitzt keineweiterenIn- formationen als Die, welche in Der offiziellen Geschichte Des Krieges im zweiten Band, Kapitel 17, enthalten sind. Kenworthy: Ist sich Der Kriegsminister nicht im klaren Darüber, Daß dieses Kapitel 17 leiner- le ^Anhaltspunkte Dafür bietet, Daß Geschosse, Die Krankheits- oder Pestbazillen ent» hielten, verwendet worden sind? Worthington Evans: Dafür liegen allerdings keine Beweise vor. Das stimmt: aber es besteht ein Verdacht. Kenworthy: Wäre es in Diesem Falle nicht Das beste, diese Kriegslüge ein- für allemal festzunageln? Wvr- thington Evans: Ich bin jederzeit bereit, eine Lüge festzunageln, aber ich kann nicht m e&t


