Wirtschaft.
Steuern und Wirtschaftslage.
3n dem soeben erschienenen Bericht der Divrk- uon der Disconto-Gesellschaft wird zur „Wirtschaftslage" u. a. ausgeführt:
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Aufbringung des gesamten öffentlichen Finanz- bedarfs in Deutschland zu einer Schwere des Steuerdrucks geführt hat, die sich immer lähmender auf das gesamte Wirtschaftsleben legt, neben den materiellen auch die psychologischen Voraussetzungen der Kapitalneubildung untergräbt und schließlich auch die wirtschaftliche Initiative des deutschen Volkes schädigen muh. Will man die Höhe dieses Steuerdrucks mit derjenigen des Auslandes vergleichen, so bildet hierfür die Umlegung der Gesamtsteuersumme auf den Kopf der Bevölkerung nicht den richtigen Maßstab. Wenn in anderen Andern der absolute Betrag dieser auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Steuerleistung größer ist als in Deutschland, so hängt das einfach mit dem höheren Volkseinkommen dieser Länder, die nicht die Folgen eines verlorenen Krieges zu tragen haben, zusammen. Erst das Verhältnis von Steuerzahlung zu dem verbleibenden Einkommensteil gibt, wie der Jahresbericht der Berliner Handelskammer für 1928 zutreffend hervorhebt, ein richtiges Bild von der Höhe des Steuerdruckes. Es ergibt sich dann, dah der dem deutschen Steuerzahler verbleib.mde Teil des Einkommens erheblich geringer ist als z. D. in Frankreich oder England, und dah infolgedessen der deutsche Steuerzahler den Steuerdruck stärker empfindet. Berechnungen haben ergeben, dah in Deutschland der gesamte öffentliche Finanzbedars (einschl. Sozialversicherung) auf den Kopf der Bevölkerung von 146.25 Mk. im Jahre 1913 auf 367,31 Mk. im Jahre 1927 gestiegen ist. Selbst wenn man die sehr optimistische Schätzung zugrunde legt, dah gleichzeitig das Vollseinkommen auf den Kopf der Bevölkerung von 865 Mk. auf 961 Mk. gestiegen ist, also das heutige deutsche Volkseinkommen bei 60 Milliarden Mark liegt, so bedeutet dies, dah der öffentliche Bedarf im Jahre 19 27 volle 3 8,2 Prozent des Volkseinkommens in Anspruch nahm gegenüber nur 1 6,9 Prozent im Jahre 1913. Wir haben also den Zustand erreicht, dah erheblich mehr als ein Drittel des gesamten Volkseinkommens in die öffentlichen Kassen flieht.
Unter dem Gesichtspunkt des die deutsche Wirtschafts- wie Finanzpolitik beherrschenden R e - paration s Problems muß immer wieder hervorgehoben werden, dah die Steigerung derSteuererträgnisfe, wie sie in Deutschland für die letzten Jahre zu verzeichnen ist, auf keinen Fall ohne weiteres als gleichbedeubmd mit einer entsprechenden Steigerung der wirtschaftlichen Kraft und Leistungsfähigkeit Deutschlands angesehen werden kann. Dies wäre nur dann berechtigt, wenn die wirtschaftliche Erholung aus eigener Kraft, d. h. ohne eine Auslandverschuldung von 12 Milliarden Mk. erfolgt wäre, und wenn auherdem die Belastung, auf Grund deren diese steigenden Steuererträgnisse aus der Wirtschaft herausgeholt wurden, nicht eine äleberlastung und nachhaltige Schädigung zukünftiger Leistungsfähigkeit bedeuten würde.
Deutsche Golddiskontbank.
Aach dem Geschäftsbericht der Deutschen Golddiskontbank für das Jahr 1928 hat der bereits im Vorjahre festgestellte Rückgang in der Inanspruchnahme des der Unterstützung des Exports dienenden Diskontkredits auch im Laufe des Berichtsjahres angehalten. Der Gesamtbestand der Exportkredite in Höhe von 3 070 000 Pfund Sterling am Anfang des Berichtsjahres ist bis Iahresschluh auf 2 378 000 Pfund Sterling zurückgegangen. Es wurden angekauft: 1481 Stück Wechsel über 2 717 383 Pfund Sterling, 98 Stück Wechsel über 1 000 054 Dollar, 3204 Stück Wechsel über 125 439 512 Mk. Der Diskontsatz der Dank war das ganze Jahr hindurch 6 Prozent. Im Laufe des Jahres konnten weitere 7 Prozent Hypothekarschuldscheinr der Rentenbank-Kreditanstalt an dritte Stellen verkauft werden: am 31. Dezember 1928 befanden sich im eigenen Besitz der Dank 232 957 000 M^. die'er Schuldscheine.
Aach der Dilanz per 31. Dezember 1928 betrugen: der Gewinn aus Wechseln, Schecks. Wertpapieren und sonstigen Forderungen 3 605 829 Pfund Sterling (2 267 623 Pfund Sterling im Vorjahre), die Einnahmen an Gebühren 4516 (12 431) Pfund Sterling. Demgegenüber wurden an Zinsen ge ahbt 2 881 469 (1 492865) Pfund Sterling, an Provisionen 171017
(45 500) Pfund Sterling, an Derwaltungs- k ost en 18 298 (22 950) Pfund Sterling, so dah einschließlich 9666 Pfund Sterling Gewinnvortrag aus 1927 ein Reingewinn von 549 227 (720 701) Pfund Sterling verbleibt. Hiervon kommen zum gesetzlichen Reservefonds 5 Prozent von 549 227 Pfund Sterling = 27 451 Pfund Sterling, zum Sonderreservefonds 520 000 Pfund Sterling, 1766 Pfund Sterling werden auf neue Rechnung vorgetragen.
Günstiges Mnanzergebms der Reichspost.
In der gestrigen Sitzung des Der Wal- tungsrates der Reichspost teilte Reichspostminister Dr. Schähl mit, dah trotz der allgemein schlechten Konjunktur das verflossene Jahr für die Reichspost sehr befriedigend verlaufen fei. Es sei eine Mehreinnahme von 20 Mill. M k. erzielt worden, die z. T. dazu verwendet werden könne, weiter für Beschaffung von Ferirsprechapparaten, für weitere Automatisierung des Fernsprechwesens, für die Beschaffung von Bahnpostwagen und für andere Verkehrs- veroesferungen zu sorgen. An das Reich könnten 10 Mill. Mü mehr abgeliefert werden.
In der lebhaften Aussprache wurde die Frage erörtert, ob nicht eine Gebührenermäßigung vorgenommen werden könnte. Von der Reichspostverwaltung wurde dazu erklärt, dieser Gedanke könne erst ins Auge, gefaßt werden, wenn sich die Finanzlage der Post weiter so günstig entwickle, wie im letzten Jahre. Es werde auch geprüft, ob die Löhne der Arbeiter nicht verbessert werden könnten. Der Postminister erklärte Weiler, daß Erhebungen darüber im Gange seien, ob eine Ermäßigung der Rund- funkgebühren eintreten könne. Die gesamte Wirtschaftslage des Rundfunks werde geprüft.
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• Frankfurter Dank. Wie WTD.-Han- delsdienst hört, findet die Bilanzsitzung der Frankfurter Bank am 15. Februar statt, ließet die voraussichtliche Höhe der Dividende könne jedoch, wie die Verwaltung auf Anfrage erklärt. Bestimmtes noch nicht gesagt werden, und Versionen, wonach mit einiger Bestimmtheit mit der Beibehaltung der Vorjahr Zdividende von 7 Proz. zu rechnen sei, eilten den Tatsachen voraus.
• Die Rhein.-Westfäl. Stahl- und Walzwerke -A. -G. in Gelsenkirchen, die für das am 31. Juli abgelaufene Geschäftsjahr 1927/28 wieder eine Dividende von 8 Prozent aus- schütten, teilen in ihrem Geschäftsbericht mit, daß der gesamte Umsatz ihrer Werke einschließlich der Tochterfirmen sich im Jahre 1927/28 im Vergleich zu 1926/27 um etwa 10 Prozent gehoben hat. Wenn trotz der Ilmsatzsteigerung und trotz der kräftigen Rationalisierung die geldlichen Ergebnisse nicht besser sind als im Vorjahr, so ist das in erster Linie zurückzuführen auf die eingetretenen neuen Gehalts- und Lohnerhöhungen, sowie auf die erhöhten Steuern und sozialen Lasten: das Durchschnittseinkommen des Arbeiters erhöhte sich im Berichtsjahr um 20 Prozent, die Steuern und Abgaben erforderten etwa 35 Prozent mehr als im Vorjahr, die mithin etwa 15 Prozent des Aktienkapitals ausmachen, also fast doppell soviel, wie die mit 8 Prozent vorgeschlagene Dividende. Der Druttoüberschuh zuzüglich 87 860 Mk. Vortrag aus 1926/27 beläuft sich auf 3 608 666 Mk. (i. D. 3 056 976 Mk.), wobei 108 203 Mk. auf Einnahmen aus Beteiligungen entfallen. Dem stehen gegenüber die Generalunkosten mit 1 392 416 Mk. (i. D. 1 246 422 Mark), die Steuern und Abgaben mit 973 337 Mk. (L V. 725 468 Wk.), und die Abschreibungen mit 643 878 Mk. (L D. 393 025 Mk.), deren Höhe in eine angemessene Relation zu den Investitionen zu bringen war. Mithin stellt sich der Reingewinn auf 636 894 Mk. (L D. 637 060 Mk.). Von diesem Aeberschuh beanspruchen 8 Prozent Dividende auf 6,5 Mill. Mk. Aktienkapital 520 000 Mark und die statutarischen Aufsichtsratstantiemen 21 081 Mk.: die restlichen 145 813 Mk. werden auf neue Rechnung vorgetragen.
• Reue Anleihe der Stadt Bonn. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst erfährt, nimmt die Stadt Bonn eine mit 8 Prozent verzinsliche Anleihe im Gesamtbeträge von 7 Mill. Mark auf. Die Anleihe wird von einem unter Führung der Preußischen Staatsbank ^Seehand- lung) stehenden Konsortium in der Zeit vom 7. bis 16. Februar zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Die Tilgung erfolgt vom Jahre 1930 ab mit 2 Prozent vom Nennbetrag zu'üglich der ersparten Zinsen durch freihändigen Ankauf oder durch Auslosung zum Aennwert bis spätestens 1950. Die Stadt Bonn ist berechtigt, vom 1. Oktober 1934 ab eine Verstärkung der Tilgung oder Gesamtkündigung der Anleihe vorzunehmen. Der Zeichnungskurs beträgt 93,25 Prozent. Der Er
lös der Anleihe ist u. a. für die Erweiterung der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, für Reu- und Erweiterungsbauten der Straßenbahn bestimmt.
' Vorläufig keine Einschränkung der A. S. 11. - Automobilproduktion. Wie der Autopressebienst nach 3nlormationen von der deutschen Fiat-Verlauf s-A.-G. mitteilt, wird die Beteiligung der Fiat-Turin an der RSH.-Motvrwagen G.-G., Heilbronn, zunächst keine Einschränkung der A. S. 11.-Automobilfabrikation zur Folge haben. In diesen Tagen sind zwei neue Serien von je 1000 Wagen des bekannten 7/34-Modells in Heilbronn aufgelegt worden. Vorläufig werden die Aggregate und das Chassis der ASU.-Wagen von Reckar- sulm geliefert und in Heilbronn montiert und karossiert. Heber die Möglichkeit, das jetzige Modell später abzuändern, und zwar unter Benutzung der in den Fialwcrlen gewonnenen technischen Erfahrungen und Fabrikationsmethoden, oder über eine spätere selbständige von 91611.- Aeckarsulm unabhängige Produktion in Heilbronn wurden noch keine Entschlüsse gefaßt. Reben der deutschen Produktion soll jedenfalls — wie die Deutsche Fiat-Automobil-Derkau^gesellschaft A.-G., Berlin, mitteill — für später die Montage oder Ausrüstung und Karossierung von Fiatwogen in Heilbronn geplant fein. Wann und in welchem Umfange diese Montage ausgenommen wird, steht noch nicht fest. Die Ersatzteilbeschaffung für NSU.-Wagen ist auch für die Zukunft sichergestellt. Das Stammwerk in Neckarsulm beschäftigt gegenwärtig 3800 Arbeiter; zur Vorbereitung für das kommende Frühjahrs- qeschäft ist die Einstellung von mehreren hundert Arbeitern in Aussicht genommen.
Zran.,urter Börse
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
F r a n k f u r t a. M., 6. Febr. Tendenz: unsicher. — Die Schwierigkeiten bei den Koalitionsverhandlungen hatten zu Beginn der heutigen Börse eine allgemeine Unsicherheit zur Folge. Die Spekulation war daher sehr zurückhaltend, zumal auch Orders kaum ein- trafen. Die gestrige Neuyorker Börse und der hiesige leichte Geldmarkt konnten feine Anregungen bieten, so daß die Tendenz zur Schwäche neigte. Das Angebot war jedoch nicht dringend, die Kursveränderungen gegen die gestrige Abendbörse gering und gingen nur selten über 1,5 v. H. hinaus. Das G e - schäft bewegte sich in allerengften Grenzen und tarn zeitweise fa st vollständig z u m S t i l l st a n d. Etwas stärker angeboten waren am Elektramarkt Bergmann mit minus 2,5 v. H., Siemens mit minus 2,75 v. H., AEG. knapp gehallen. I.-G.-Farben und Scheideanstalt lagen am (E*emiemarft bis 1,5 v. H. niedriger. Kaliwerte waren auf den Rückgang des Kaliabsatzes im Januar an- geboten und bis 2,5 v. H. schwächer. Autowerte gut behauptet. Einiges Interesse bestand weiter für die Kupferwerte. Mansfelder plus 1 v. H., Otaviminen plus 0,25 Mark. Harpener minus 1,5 v. H, Am Rentenmarkt konnte sich heute das Geschäft etwas lebhafter geftalten. Deutsche Anleihen und von Ausländern Anatolier bis etwa 0,5 v.H. höher. Nach den ersten Kursen wurde es allgemein etwas freundlicher. Obwohl die Zahlungseinstellung der Berliner Bank- firma Philipp Reichenbach & Eo. bekannt wurde, konnte diese Tatsache nicht den geringsten nachteiligen Einfluß ausüben. Das Geschäft blieb jedoch nach wie vor sehr klein. Schon geringe Deckungen hatten Besserungen bis zu 1,5 v. H. im (Befolge. Die anfangs stärker gedrückten Elektrowerte konnten im Verlaufe ihre Verluste fast wieder ausgleichen. Für Reichsbankanteile mit plus 3 v. H. machte sich etwas lebhaftere Nachfrage geltend. Am Geldmarkt blieb jedoch Tagesgeld mit 5 v. H. unverändert. Am Di- oifenmarft machte sich für die Mark und für Sva- nien eine leichte Erholung bemerkbar. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2120, gegen Pfund 20,425, London gegen Kabel 4,8488, gegen Paris 124,10, gegen Madrid 30,75, gegen Mailand 92,63, gegen Holland 12,1025.
Frankfurter GetreiDebürsc.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Frankfurt a. M., 6. Febr. Der Produktenmarkt verkehrte heute auf die wieder ungünstiger und schwächer lautenden Auslandmeldungen in sehr ruhiger und fast völlig geschäftsloser Haltung. Die Händler üben nach wie vor größte Vorsicht und zeigen sich sonst abwartend und zurückhaltend. Die Preisgestaltung erfuhr auch heute für Weizen eine Abschwächung um 0,25 Mark. Die übrigen Getreidesorten hatten so gut wie gar fein Geschäft aufzuweisen, so daß die Preise unverändert blieben. Es wurden notiert: Weizen 23,50 bis 25 Mark: Roggen 23,50; Sommergerste für Brauzwecke 24,50 bis 24,75; Hafer, inlän- bischer 24 bis 24.75; Mais, gelb, für Futterzwecke 23.50 bis 23,75; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 33,25 bis 34,25; Roggenmcbl 31 bis 31,50, Wnzen- kleie 14,25, Roggenkleie 15 Mark. Tendenz: ruhig.
Gießener Jugendgericht.
In der letzten Sitzung des Jugendgerichts wirkten als Jugendschöffen mit Frau Sophie Maier geb. Vogt von Gießen und Friedrich Karl Rinn von He chelheim.
Eine jugendliche Angeklagte hat in Gießen hausiert, und bei dieser Gelegenheit gebettelt. Rach den Feststellungen in der Hauptverhandlung muß jedoch angenommen werden, daß sie infolge ihrer geistigen Zurückgebliebenheit nicht fähig war, das Strafbare ihres Tuns einzu- sehen. Sie wurde deshalb von Strafe und Kosten freigesprochen.
Ein Jugendlicher, der einer sehr kinderreichen Familie angehört, hat angeblich aus Rot in einem Rachbardorfe Kartoffeln gebettell. Da er nur eine mangelhafte Erziehung genossen hat und er zur Zeit anscheinend fest beschäftigt ist. erscheinen Erziehungsmaßregeln als ausreichend, wegen deren Anwendung das Vormundschasts- gericht das weitere verfügen wird.
Ein auswärts wohnender Friseur, zu dem ein Mündel in die Lehre gegeben worden war, hat seine Aufgabe wohl nicht so erfüllt, wie es ihm Pflicht und Einsicht gebieten mußten. Er beauftragte z. B. das jugendliche Bürschchen, für ihn Geschäftsreisen in die Umgegend zu übernehmen und Gegenstände, die in das Friseur- geschäft einschlagen, zu verkaufen. So war einerseits der gewandte Junge tagelang feiner Berufsausbildung entzogen, anderseits wurde von ihm auch, angeblich infolge unzureichender Reisespesen, die Versuchung nicht ferngehalten, sich an Inkassogeldern zu vergreifen. Der Junge, der offenbar seine Tat bereut und jetzt in einer seiner Ausbildung förderlicheren Stelle untergebracht ist, wurde mit einer längeren Gefängnisstrafe bestraft, deren Verbüßung jedoch nach Lage der Derhältnifse mit fünfjähriger Bewährungsfrist ausgesetzt werden konnte. Gleichzeitig wurden besondere Erziehungsmaßregeln für zulässig erklärt.
Ein jugendlicher, ordnungsgemäß gelaßener Angeklagter, der früher schon einmal einer gerichtlichen Ladung keine Folge geleistet hatte, wurde M. H. mit besonderer Hilfe borge- führt, wie das in einem solchen Falle immer xu geschehen pflegt. Er ist beschuldigt und geständig, einen Zehnmarkschein sich angeeignet zu haben, den eine Radfahrerin gelegentlich eines Zusammenstoßes mit einem Radfahrer verloren hatte, und ferner, in Gießen einem früheren Mitarbeiter ein Fahrrad, sowie auf einer auswärtigen Dienststelle einem Mitarbeiter ein Paar§ Schuhe und einen kleinen Geldbetrag entwendet und einem andern einen Geldbetrag unterschlagen zu haben. Mit Rücksicht darauf, daß er das Rad dazu gebrauchte, um an eine andere Dienststelle zu gelangen, wurde der Angeklagte nur zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen verurteill, und da er auch zur Zeit in fester Arbeit steht, bei einer Bewährungsfrist von fünf Jahren des bedingten Strafaufschubs teilhaftig. Als Erziehungsmahregel kommt die Fürsorgeerziehung in Frage, die zur Durchführung kommen wird, wenn der Angeklagte die Bewährungsfrist nicht einhält.
Letzte Nachrichten.
Siegfried Ochs f.
Berlin, 6. Febr. (WTB. Funkspruch.) Der Direktor des philharmonischen Chors, Professor Siegfried Ochs, ist im Aller von 71 Jahren gestorben.
Siegfried Ochs wurde am 19. April 1858 tn Frankfurt a. M. als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er studierte in Darmstadt und Heidelberg Chemie, ging dann aber zur Musik über und wurde Schüler der Berliner Hochschule für Musik, die damals unter der Leitung Joachims stand und ausgesprochen wa'nerseindlich eingestellt war. Ochs nahm dann Privatunterricht bei Kiel und Bruch und schlug sich dann als Repetitor, Chorsänger, Oeicer und Paukenschläger durch, bis ihn Hans von D ü l o w 1886 zum Leiter des später durch ihn so berühmt gewordenen philharmonischen Chores machte. Dieser entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem musikalischen Ensemble allerersten Ranges und Mittelpunkt des Berliner Musiklebens. Ochs war der geborene Chv.bi lzenk. Seine Disziplin, Initiative und Suggestionskrast brachten den Philharmonischen Chor in kurzer Zeit zu außerordentlichem Ansehen, so dah schon 1889 Bülow mit ihm Deel Hovens „Rennte" aufführen tonnte. Den Höhepunkt seiner Leistungen bildeten später die Motetten und die ti-Moll- Messe von Dach, das Brucknersche Tedeurn, Hugo Wolfs „SeuerreLer". Die neuere und neueste Musik wurde darüber nicht vernachlässigt.
Auch als Komponist ist Ochs hrrvvrgetreten; er war Mitglied des Direktoriums der Dachgesellschaft.
Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse.
Die hinter den Papieren angeiübtten Zistern geben die Höhe der zulevl beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6.5 Prozent, Lombardzinsfuß 7,5 Prozent. _
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