Ausgabe 
6.2.1929
 
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Nr 31 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 6. zebruar 1929

Aus dem Reiche der Frau.

Modischer ZaschmMauber.

Don Elsbeth Unverricht.

»Zeig« mir dein Kostüm, und ich werde dir sogen" hier soll es sich erweisen, ob man [einen Typ ersaht hat, ob man modischen So­tt inh besitzt. ob man die Kunst des Anziehens beherrscht. (56 ist die Feuerprobe aus Geschmack und modische Selbständigkeit. Denn die sonst allgegenwärtige Mode springt hier nicht rettend ein, man kann nur auf sie zurückgreifen, falls man sie geistreich zu karrikieren beabsichtigt. Cs hat sich in den letzten Jahren eine Kostümkultur dieser Art herausgrbildet, die teils in solchen charmanten Pe.gidten, teils in höchst apart stili- fierten Pha.ttasiekostümen eine hohe künstlerische Hote zeigt. Schwerwirkendes, glänzendes Ma.e- rial, Gold- und Silberlamees. Maskenbrokate, -atlasfe und -samte, bunte Tülle, Federstosse, Spitzen, Schleier, unendliche Mengen von Schmuck werden für diese Kostüme herangezogen, denen Wahl so ganz individuell ist und die so protze Ansorderungen an die persönliche Eleganz der Trägerin stecken.

Don historischen Trachten dürfte im allgemei­nen daS Aokokokostüm mit seiner heiteren Grazie, den Weichen Pastelltönen, der weihen Perücke am kleidsamsten sein. Für den Reifrock hat man jetzt ackerhand geschickte Losungen ge­funden. Wem die beweglichen Drahtaestäte, die man fertig lausen kann, zu unbequem sind, kommt mit den bre tausladenden wattierten Hüftstützen ebensoweit. Für die großen Raffungen kann steife Gaze verwandt werden, nötigenfalls auch doppelt genommen. Es ist erstaunlich, wieviel Orientalin­nen. Aeapolitanerinnen, Spanierinnen alljährlich unsere Karneva sfeste bevölkern. Abgesehen da­von, dah das Bielgesehene feinen Reiz verliert und auch im strengen Sinne aufhört elegant zu sein, kann man diese sehr wirkungsvollen Ko­stüme nicht zu ihrem vollen Effekt bringen, wenn die einzige Beziehung zu ihnen darin besteht, dunkelhaarig und dunkeläugig zu sein und einem die besonderen Merkmale der südlichen und orien­talischen Rassq eine gewisse Weichheit und Me­lancholie fehlen. Ein recht distinguiert wirken­des Spanisches Kostüm besteht aus einem tomatenrolen, glänzenden Seidenrock, der auS ge- krausten Dolants zusammengesetzt ist, vorn eine Handbreit über den Schuhen aufhört und hinten als kleine Schleppe den Doden berührt. Das Leibchen ist ärme.los, mit ziemlich großem, run­dem Decollete. Darüber wird ein schwarzer spa­nischer Sp henfchal getragen oder ein grohes, weihseidenes Tuch mit leuchtenden roten Rosen bestickt. Als Kopfbedeckung eine kleine, schwarze Pannekappe, die ebenfalls seitlich zwei rote Rosen aufweist Dann nimmt man in diesem Sahr die uralte Karnevalsidee, das karrikieren alltäglicher Typen erneut wieder auf. Den Matrosen, den Zeitungsverkäufer, die Zofe. ... Gin ganz reizen­des Kostüm: Matrosenanzug, trägt sehr luftig der Mode dis Unsymmetrischen Rechnung. Weitzer Tüll, in etwa handbreiten Streifen, die schmal mit mittelblauem Batist eingefaht sind, wird gerüscht und zu einer knappen Matrosen­jacke zusammengesetzt, die nun in der Taille ein bißchen geschweift ist, und keine Aermel hat. Einer der Dolants umrandet den spitzen Aus­schnitt, an dem der blaue Matrosenschlips steckt. Das Beinkleid ist ziemlich weit geschnitten, wie die Bluse aas weihen Tüllvolants. und zeigt ein langes und ein kurzes Hosenbein. Und zwar hort das kurte Hosenbein eine handbreit über dem Knie auf das Dein wird von da -an mit einem langen weihseidenen Strumpf beklei­det und das andere Hosenbein erreicht, unten ein wenig breiter werdend, den Knöchel.

Richt weniger drollig stilisiert ist eine Pier­rette. Him.>eerroter Tüll bildet hier das Ma­terial des Rockes. Etwa 25 Zentimeter breite Streifen weiden an den Kanten mit leichter, dunkelroter Seide eingerollt. Diese Strei'Mi dann aufgereiht und so anelnandergesügt, dah ein sehr erheiternd wirkender Rock entsteht, der vorn und seitlich längst nicht das Kni« erreicht und hinten

Warten.

Skizze von Freda Bethcke.

Die alte Standuhr in der Ecke schlug: drei dumpse Schläge. Ursula hüllte sich sröstAlnd in ihren großen Wollschal und warf ein paar Holzscheite in die halberloschme Glut d.'s Ofens.

Ihre Hände besten leicht, als sie die Tee- fassen auf dem -erlich gedeckten Tisch noch ein­mal zurechtrückte, Die große Stehlampe ein wenig beisciteschob und dann ein buntes, weiches Ki, en im gegenübersteh.nden Klubsessel zurehtzupste. Es war alles so, wie er es liebte. Der Teekessel summte, Zuckerdose, Sahnengicßer und die Kri­stallflasche mit dem Rum: alles stand bereit. Sie sah noch einmal ach zum wievielten Male in dieser Rächt - prüfend in den S riegel, sah an ihrer schlanken, blonben Gestalt herab und strich etwas nervös über das Helle Seidenkleid, das am Knie abschloh. Dabei trat ein gequälter Zug um ihren Mund. Warum er nur immer noch nicht kam! Es half nichts, dah sie auf die zier­liche Armbanduhr blickte, deren Glieder ihr das Handgelenk umspannten. Sie zii'le bi ,e be späte Stunde wie die Zeiger, die sich auf dem grohen Zifferblatt im Hintergründe d es Raumes gar so langsam zu bewe en schienen. Warum kam er nur nicht >' Der Wa e.i muhte schon längst zurück sein. Wußte er nicht, dah sie hier auf ihn wartete?

Gewiß, es war nicht das erstemal, daß er allein über Land fuhr. Gewiß, sie hatte jhm selber zugeredet zu diefer Fahrt, die sie nicht wagen durste seit der schweren Erkältung im vorigen Winter.Warten Sie hübsch in der Wärme Ihres Hause? bis zum Frühjahr I" hatte der alte Hausarzt e agt und sie so wohlwollend durch seine Dril e.igläser angesehen, dah kein Widerspruch möglich war.

Warten und immer wieder warten. Wie sie dieses Wort haßte. Schon als Kind hatte sie's gehaßt. Jede ausgeschodene Freude war ihr keine mehr. Sie hatte in ihrem Sungmädchendasein die nie begriften, die jahrelang auf ein Ziel hin- arbeiteten oder sti l zu Hause saßen und warteten. Das hatte sie beides nie gekonnt

in einer majestätischen Schleppe endet. Die Taille ist aus dunle.rotem Masleniamt, glatt gearbeitet, ärmellos, mit spitzem Ausschnitt, um den Hals eine mäßig gebauschte Tüllrüsche von dem Tüll des Rockes getragen.

Eine recht g.ückliche Idee hat man für Frauen gehabt, die nur andeutungsweise die karneva­listische Rote betonen wollen, eine Parallele zu den farbigen Aufschlägen auf dem Herrensrack. Eine Toilette, halb Karnevalskostüm, halb Abendkleid, die man schon seit Jahren an der Riviera trägt. Schwarze, glänzende Seide wird in möglichst geraden Linien verarbeitet. Die

Taille ärmellos, großes Decollete. An einer Seite des Rockes, zuweilen auch an beiden, wer­den ftarfiaroene, bunte Tülle aufeinanderliegend so arrangiert, daß sie in Kaskaden herunter­füllen, ober dichtgezogene, auch plissierte Tüll- streiten übereinandergelegt und drei- oder vi:r-- stufig seitlich angebracht. Schmale, bunte Tüll- streiten fallen auch von der Schulter rückwärts hinunter. Den Tüll wählt man in den sehr markanten Karneva.ssarben: rot, grün, gelb, jade, orange, türkis. Zu dieser Toilette trägt man in bie'e.n Jahr wieder den langen, schwarzen Hand­schuh, der so besonders gut in den Fasching patzt.

Die Hautpflege im Winter.

Don Or. K Wetter.

NaäHruck verboten.

Die Pflege der Haut ist im allgemeinen ein wich­tiges Erfordernis für die Schönheit. Das Gesicht einer Frau kann noch so schöne und regelmäßige Formen haben: wenn die Haut keine von Pflege zeugende Spur aufwetst, wird sie als vollkommene Schönheit niemals gelten können, und die gealterte Frau unterscheidet sich in ihren Gesichtszügen oft­mals nur gegen ihr Aussehen aus jüngeren Jahren durch die gerunzelte Haut, während die Züge die- selben geblieben sind, und doch ist durch diese Ler° änberur.g der Haut aus einer jugendlichen Schönheit eine häßliche Alte geworden.

Die Pflege der Haut im Winter aber verursacht besondere Schwierigkeiten. Wir haben da mannigfache Gefahren für die Haut zu überwin­den. In erster Linie lähmt an und für sich die Kälte, wenn sie längere Zeit andauert, die Blutgefäße der Haut, so daß sie sich nicht wieder zusammenzuziehen oekmögen, was allerlei liebel mit sich bringt. An­dererseits wirken der öftere Wechsel der Temperatur beim Verlassen des geheizten Zimmers, die Feuch­tigkeit nach den Waschungen, wenn man sich bald darauf der kalten Luft aussetzt, und allerlei andere Unvorsichtigkeiten und Mängel der Hautpflege un­günstig auf die Haut, insbesondere auf die untre- kleideten Teile der Haut, ein. Die Haut wird rot, die Lippen springen auf, man erhält an den Händen und Füßen die so lästigen Frostbeulett, die oft mehr zu schaffen machen, als es nötig wäre.

Als die berühmte französische Schönheit, die Ninon de Lenclos, in welche sich ihr Enkel verliebte, im Jahre 1706 im Alter von 90 Jahren |tarb, soll sie noch immer eine Harte, schwellende, lugendliche Haut gehabt haben. Und als in ihrem hohen Alter einer ihrer Verehrer sie nach dem Ge­heimmittel fragte, dem sie diesen zarten, frischen Teint verdankt, zeigte sie einen Krug mit kaltem Wasser und ein Stück Flanell. Dieses Geheimmittel kann jm allgemeinen auch noch heute als bestes Mittel der Hautpflege gelten.

Vyr allem merke man; Kaltes Wasser! Nichts Falscheres, als die Haut im Winter durch warmes oder laues Wasser zu verweichlichen, wie es so viele Leute in ihrer Unw.ssenheit tun. Man er­schlafft dadurch nur die Haut. Aber bann ist auch der Flanellappen dor Ninon de Lenclos nicht un- wichtig. Doch man merke wohl: es braucht nicht ge­rade ein Flanellappen zu fein, gber ein gutes Hand- tuch Die meisten Handtücher taugen nicht viel. Alle Handtücher müssen grob und dick jein, damit sie die Feuchtigkeit, die wir mit ihnen abwischen, auch gut auffangen können, was bei den dünnen, feftgeroUten Leinentüchern nicht der Fall ist. Dann müssen sie vor allem auch trocken fein, was durch die Unver­nunft der Menschen recht oft erschwert wird. Erst neuerdings haben sich bei uns in Deutschland die in England schon lange in Gebrauch g"wesenen Towel-horse" eingeführt, die Handtuchtrockner, während man bei uns vielfach noch jetzt die Hand­tücher auf Handtuchhaltern unmittelbar an die Wand hängt, so daß sie oftmals nach dem Morgen- gebrauch noch stundenlang im Winter feucht sind, zumal viele Leute es ja ängst! ch vermeiden, frische Luft ins Schlafzimmer zu lassen. Wer ein Towel- hprse, ein deines Gerüst aus Stäben, über dem die

»w- w nwiwnimiir - in iini

Sie hatte es auch nicht gebraucht. Sie hatte nur mit Hellen Au^en sich von einem Taz gefreut auf den andern, hatte den Tanz geliebt, di? Musik und die Morgenritte in sommerlicher Frühe. Da war das Glück da, ehe sie es dachte und faßte sie wie ein Rausch. Mit neunzehn Jahren war sie eine glückliche, kleine Frau. Was wollte sie mehr?

Aufseufzend ließ sich Ursula in den weichen Sessel fallen und najte an der Spitze ihres Taschentuches. O, d.eses Warten war fürchter­lich! -

Wenn ihm nur nichts passiert war unterwegs. Das Handpserd war erst fe'.t kurzer Zeit im Stall und noch nicht sehr ein,.e'a)ren. Wenn es scheute! Die Sorge ließ sich nicht verscheuchen, sie wurde nur größer.

Sie ging zum Fenster, öffnete es. Es war eine Helle, klare Mondnacht draußen. Cin paar Hunde heulten im Dorf. Sonst war alles still. Selbst der Brunnen vorrn Haute war bei dem starken Frost verstummt. Enttäuscht schloß sie den Fensterflügel vor der eindringenben, schrei­benden Kälte Roch immer kein Rüderrollen in der Ferne. Was nun?

Einen Augenblick kam ihr der Gedanke, sich zur Ruhe zu legen. 3m nächsten verwars sie ihn wieder. Ruhe? Schlafen? Er konnte, er mußte doch jede nächste Minute kommen.

Wenn sie doch nur etwas zu tun hätte, um die Zeit zu kürzen!

Cin kleines Erlebnis aus der Kinderzeit fiel ihr ein. Sie sah ihre gute, alte Großmutter eifrig strickend im Erter vor sich.Großmutter, tu den dummen Strümp, weg,'.' hatte sie gebe!teil, Stricken ist langweilig" und eine fclfamc Ant­wort erhalten:Kind, das ist kein dummer Strumpf. Wir Frauen würden o t nicht fertig ohne ihn. Aber das verstehst du noch nicht."

Das Wort fiel ihr wieder ein, und sie sing an, cs zu verstehen. Die Sehnsucht, etwas zu tun, wurde so stark in ihr, daß sie den Schlüssel­korb nahm und langsam hinüberging in ihr eigenes kleines Reich. Dort kramte fte heimlich und verstohlen nach einem Knäuel und ein paar Radeln. Die ließen sich so leicht nicht finden.

Handtücher zunr Trocknen liegen, nicht besitzt, sollte das Handtuch stets ausgebreitet auf einer kleinen Leine hängen lassen. Dies soll auch bei ganz frisch in Gebrauch genommenen Handtüchern vor der Be­nutzung geschehen, da jedem Handtuch noch einige Feuchtigkeit von der Wäsche anhaftet.

Aber die Waschung des Gesichts und der Hände soll auch nicht unmittelbar, bevor man die Woh­nung verläßt, erfolgen, was in der Regel gewohn­heitsmäßig geschieht. Denn auch die bestabgetrock­nete Haut wird in den Poren leicht Feuchtigkeits- refte ansammeln, die zum Erfrieren der Haut dann in der frischen Luft beitragen. Wer durch irgend­welche Beoingungen gezwungen ist, bald nach dem Waschen in die kalte Winterlust zu gehen, kann da­her nicht umhin, sich nach dem Abtröcknen die Haut zu pudern, was mit einfachem Kartoffelmehl am besten geschieht. Man tut das, indem man ein Stück Watte ins Kartoffelmehl taucht, lose damit die ge­waschenen Stellen betupft und mit einem trockenen Tuch den Puder dann wieder abwifcht.

Ein besonderes Augenmerk ist im Winter auf Schuhwerk und Handschuhe zu legen. Ist es an und für sich unvernünftig, zu enges Schuh­werk und zu kleine Handschuhe zu wählen, fo rächt sich diese Unvernunft im Winter ganz besonders, denn durch solche Einzwängungen der Gliedmaßen wird der notwendige Kreislauf des Blutes ge­hemmt, und das, was man durch die Bekleidung erzielen will, die Wärmehaltung des Körpers, ge­hindert. Die Glieder, in denen Das Blut stockt und nicht frei zirkulieren kann, erfrieren um so schneller, und Frostbeulen sind die Folge.

Bei der Wahl her Handschuhe bedenke man über­haupt, daß der Handschuh ursprünglich nicht etwa zum Warmhalten der Hand diente, sondern lediglich Der Hautpflege. Er diente im alten Griechenland zum Schutz gegen Dornen. Jm 18. Jahrhundert tru­gen Frauen in Deutschland vielfach Handschuhe bei der Hausarbeit und legten sie dann ab, besonders, wenn sie sich auf der Straße zeigten Das ist doch entschieden vernünftiger als die Hand­lungsweise der Frauen unserer Zeit, welche zu Hause mit den Händen im Wasser hei umpantschen, die Hände dann in Glacehandschuhe stecken und in die Kälte damit gehen. Der Glacte- wie überhaupt der lederne Handschuh nutzt gegen die Kälte durch­aus nichts. Jede absolute Äbschließung der Luft wirkt nicht erwärmend- Ebenso wie eine Wohnung vollkommen unheizbar wäre, wenn die Wände der­selben ganz undurchlässig wären, z. B. aus Mar- mor, so ist auch ein Han schuh zur Erwärmung un- tauglich, wenn er vollständig luftdicht ist, wie also ein lederner. Ein dünner, wollener Handschuh wärmt besser wie der dickste Lederhandschuh. Auch die Pelzfütterung der Handschuhe und des Schuh­werks ist unnütz. Der bekannte Hygieniker Professor Reclam empfahl übrigens für diejenigen, die durch Beruf gezwungen find, die Hände oftmals am Tage naß zu machen, nachts wildlederne Handschuhe zu tragen. Diesen Personen wird anzuempfehlen fein, sich oftmals Lippen, Gesicht und Hände mit Fett oder Del zu tränken. Allen denen, die viel im Freien sich bewegen, ist das ebenfalls zu empfehlen. Am besten ist es, man gießt sich einen Tropfen festes Del in die Handfläche und zerreibt diesen über

So vertieft war sie in die Arbeit des Suchens, dah sie das Räderrollen des herannahenden Wagens völlig überhörte und jäh emporfuhr, als er vor der F ei treppe hielt. Da lief sie. ihren Schal zusammenraftend, mit schnellen Schritten von der offenen Schublade hinweg geraden Wegs die Trep e hinab und dem Heimkehrenden in die Arme.

Der fing sie glücklich auf und doch ein bißchen besorgt.

Wie, du bist noch auf? Es hat ein bißchen länger geda:e.t heute. Ich dachte, du schliefest schon recht schön.

Rein", sagte die kleine Frau Ursula tapser mit heißen, roten Wangen.Ich habe auf dich gewartet, Lieber! Da ..

Und sie zog ihn zum zierlich gedeckten Teetisch, da alles so war, wie ec es gern hatte und sah nur ein ganz klein wenig an ihm vorbei Me in weite Ferne, als sie ihm mit ihren feinen, weihen Händen den Tee in die Tasse gotz.

Arbeit sparen!

Don Marie Muter.

Ich freue mich immer wieder, etwas zu ent­decken, und wenn es auch meist nur Kleinigkeiten sind, was dazu dient, di: Arbeiten im Haushalt zu vereinfachen und aus das notwendige Muh zusammenzudrängen. Eine Reihe dieses Wenigen macht auf den ganzen Tag umgerechnet wirklich ein berechtigtes Biel.

Da sitzt die beschäftigte Hausfrau beim Dohnen­schneiden zum Mittagessen. 3n größter Hast, denn es ist schon spät, schneidet sie die langen grünen Bohnen einzeln zu ganz feinen, schrägen Streifen,weils so hünscher aussieht". Aber wie viel bequemer und schneller, wohl in einem Zehn­tel der Zeit, macht man die Sache ab, wenn man jedesmal eine ganze Handvoll Bohnen aufs Brett legt und sie mit scharfem Messer in dünne Schei­ben schneidet. Sehen die runden Stücke denn weniger schön aus, als die schrägen?

Wie schnell geht das Auswaschen der Kartoffel- und Gemüsekochtöpfe, wenn man nicht versäumt,

Gesicht und Hände. Für Lippen und Hände emp fiehlt Rcclarn für die gleichen Zwecke eine von ihm zusammengestellte Salbe nach dem folaenben Re­zept: 2 Lot Schweinefett werden mit X Lot Ben­zoetinktur in einer Reibschale kalt zusammengerie­ben und allmählich ein Quentchen fettes Mandelöl und sechs Tropfen ätherisches Bittermandelöl zuge­mischt. Außer dem sehr angenehmen Geruch hat diese Salbe den Vorzug großer Haltbarkeit und soll über ein Jahr unverändert bleiben.

Ist die Haut bereits erfroren, haben sich schon Frostbeulen eingestellt, fo werden mannigfache Mittel empfohlen, wie z. B. Einreibungen von Pe­troleum, Einpinselungen mit Jodtinktur, Waschun­gen mit reinem Spiritus. Alle diese Mittel vermeide man, wenn bereits die Frostbeulen geplatzt sind. Dann ist schnellste ärztliche Hilfe in jedem Falle ge- boten.

Man kann empfehlen, die an exponierten Stellen sprühe werdende Haut sofort nach dem Ausgang, ebenso wie vorher, mit Salbe oder Del einzureiben. Indessen soll man stets dessen eingehenk fein, daß jegliches Ginreiben mit Del, Sache und dergleichen, sowie Einpudern nur ein Notbehelf ist, denn alle diese Mittel sind einerseits schädlich, wenn sie auch für die besonderen Fälle einen Nutzen stiften. Denn man darf nicht vergessen, daß die Haut vor allem ein Atmungsorgan ist, welches Kohlensäure und Stickstoffgas unausgesetzt aushaucht, dagegen an­dere Gase, besonders Sauerstoff, aus der uns um« gebenden Luft einsaugt und in das Blut überführt. Daher soll man alles vermeiden, was diesem Haut­atmen hinderlich fein könnte. Bei Kindern, bei denen sich das Hautatmen viel kräftiger vollzieht als bei Er­wachsenen, sollte man daher jene Mittelchen oer- meiden, während sie bei Erwachsenen nicht in dem Dlaße schädlich wirken können.

Das Aufspringen der Lippen ist übri­gens nicht immer eine Folge der falten Witterung, wenn es auch in einem Scherzlied heißt:Jrn wun­derschönen Januar, als alle Lippen sprangen!" Es ist oft eine Folge von verdorbenem Magen, tritt oft auch bei Fiebererscheinungen auf. Die Benutzung der Lippenpomade, die für alt und jung unschädlich ist, hat zu erfolgen, bevor die Lippen gesprungen sind, um das Springen der Haut zu vermeiden. Man trage sie nur ganz leicht auf, indem man auf hie Pomade haucht, oder sie am Licht weich macht; aber lagere nicht etwa eine Schicht der Salbe in die Runzeln der Haut ab, wodurch der Zweck nicht nur verfehlt, sondern geradezu ein leichteres Sprin­gen der Haut herbeigeführt würde. Die Haut soll nur durch das Fett der Pomade geschmeidig erhal­ten werden.

Unpünktliche Kinder.

Ich möchte nur wissen, woher daS Kind dte älnpünkt lichte it hat?'' Oft hört man aus Eltern­mund diese Klage. Die Eltern sind sich wirklich nicht bewußt, dah sie selbst den ersten Keim zur Unpünktlichkeit in das Kind gelegt haben. Beobachtet euch nur etwas kritischer und packt euch selbst bei der Aase! Es gehört eine Lamms­geduld daza. um solche unpünktliche Kinder zu ertragen. Sie sind eine Plage für Familie, Schule und Umwelt: sie stören immer. Oft ist diese Rachlässigkeit angeboren, und eS muh sehr streng vorgegangen werden, um diesen Mangel au zumerzen. Entspringt die Unpünkt ichteit nur dem Leichtsinn, so muh mit starken Mitteln dagegen gearbeitet werden. Entweder müssen die kleinen Sünder mal bei einem Ausflug weg­bleiben, oder es wird ihnen eine Lieblingsspeiie entzogen: ist so ein kleiner Missetäter ein Freund von Süßigkeiten, so müssen diese torgfaUen. Die Strafen sollen sich natürlich nach der Art deS Kindes richten. Sind die Erwachsenen selbst ein schlechtes Vorbild, dann brauchen wir uns nicht zu wundern und können den Kleinen auch keinen Borwurf machen: denn sie sehen es ja nicht anders vor sich und wissen daher auch gar nicht, dah Unpünktlichkeit ein grohes Manko im Leben darstellt. Darum geht euren Kindern mit gutem Beispiel voran. Isabella.

gleich nach dem Entleeren etwas heißes Wasser hineinzugießen und fest zuzud/rcken.

Wieviel schneller geht das Schneiden von Speck, Schinken. Wurst, wenn wir scharfe Messer haben: und wie einfach können wir uns die be­schaffen, wenn wir immer einen kleinen Schleif­stein zur Hand haben, oder auch nur den Rand einer irdenen Schüssel oft zum Abstreichen der Messer benutzen!

Wie können wir uns Arbeit ersparen, wenn wir den Speck nicht jedesmal jn kleinen Porttonen auf der Pfanne ausbraten (wobei er meist noch brennt und schrecklich raucht), sondern in größerer Menge im Schmortopf bei schwachem Feuer aus­lassen und in einem kleinen Steintopf immer gleich zum Gebrauch fertig haben: wenn wir nie eine Flasche unsauber fortstellen, sondern sie ausgespült und umgekehrt in ein Flaschenbrett gesteckt, stets zu neuem Gebrauch bereit hatten: wenn wir aus Waschschüsseln sofort das ge­brauchte Wasser gießen: wenn wir alles, was lange zu kochen hat, zeittg aufs Feuer bringen und nur bei kleinem Feuer kochen lassen, was ein häufiges Rühren und Rachseyen erspart.

Wir werten bei einiger Aufmerksamkeit auf viel solcher Gelegenheiten kommen. Arbeit zu er­sparen und werden staunen, wieviel Zeit wir durch Beachtung solcherKleinigkeiten" gewinnen.

DasGrößere" aber ist noch etwas anderes, das alte Sprichwort sagt's:' Arbeit spart, wer Ordnung wahrt. Wieviel Zeit bringen wir oft hin mit dem Suchen allerlei verlegter Dinge! Darum:Alles, am rechten Platze!" Äedes Dm« muß seinen bestimmten Ort haben: jeder Schlüssel, die Dürste. Streichholzschachtel, Pfropfenzieher muh von jedem Hausgenossen stets nach dem Ge­brauch auf seinen festen Platz gebracht werden, da muß die Hausfrau strengstes Regiment üben und selbst natürlich mit bestem Beispiel ooran- gefjeu.

Wie geräuschlos und sicher geht in solch einem Haushalt der Ordnung" alles zu und wie gewinnt da auch die beschäftigste Hausfrau Zeit zu einem 'Freistündchen an jedem Tag Ruhe und Erquickung für Körper und Geist.