Ausgabe 
5.12.1929
 
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Fällen auch Wirklich Glauben schenken. GS ist sogar schon vorgekommen, bah ein mehrfach vor­bestrafter Verbrecher die Richtigkeit seiner An­gaben bei der polizeilichen Vernehmung unter Ehrenwort versicherte und dann bei der Ver­handlung gegen ihn lieber eine erklecklich höhere Strafe Tn Kauf nahm, als die Wahrheit der unter Ehrenwort gegebenen Erklärungen abzu­streiten.

(Schluß folgt.)

7-Llhr- ober 5-Llhr-Laden- schluß am Heiligen Abend?

Vom Landesverband des Hessischen Einzelhandels, Sih Darmstadt, wird uns geschrieben:

Herr Kore 11, Minister für Arbeit und Wirt­schaft, hat vor einigen Tagen in der Presse zu­gunsten des 5-Ahr-Ladenschlusses am Heiligen Abend Stellung genommen. Wir sehen uns gezwungen, den dort gemachten Aus- sührungen entgegenzutreten, da der Herr Mi­nister die Angelegenheit lediglich von ethischen Gesichtspunkten betrachtet, die wirtschaftlichen Be­dürfnisse wohl nicht kennt, sie zum mindesten aber außer acht gelassen hat. Die Vertre­tung des Einzelhandels ist jeden­falls nicht gehört worden. Mit Erstau­nen haben wir die Behauptung gelesen, daß in den Städten Düren. Stettin. Duisburg, Heil­bronn, Hildesheim. Lübeck, Groh-Stuttgart, Ulm, Wilhelmshaven-Rüstringen und dem ganzen Land Anhalt der frühere Ladenschluß mit Erfolg durch­geführt sei. Diese Behauptung trifft nicht zu. Richt eine einzige der genannten Städte hat bisher den 5-Ahr-Labenschluß am Heiligen Abend eingeführt, lediglich in Stettin ist man bereit, den 5-Ahr-Labenschluß zuzugestehen, falls ein weiterer Sonntag zum Verkauf freigegeben wird. Ebenso irrig ist die Ansicht des Herrn Ministers, daß die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzel­handels für einen früheren Ladenschluß eintrete, weil sie den Spihenverbänden der Industrie, des Großhandels und der Banken empfohlen habe, den Arbeitnehmern die Weihnachtsgratifikationen rechtzeitig auszuzahlen, damit sie ihre Einkäufe ohne Hast tätigen können. Selbstverständlich ist der gesamte deutsche Einzelhandel, also auch der hessische, der Auffassung, daß die Weihnachts­geschenke möglichst frühzeitig und in aller Ruhe gekauft werden sollen. Es läßt sich aber in vielen Fällen gar nicht vermeiden, daß Einkäufe erst in letzter Minute getätigt werden. Viele, die erst spät am Weihnachtstag an ihrem Heimatort eintreffen können, Verwandte und Bekannte, die den Heiligen Abend bei befreundeten Familien verbringen, Angestellte und Beamte, die ihre Weihnachtsgratifikation spät erhalten, alle diese Kreise wollen oft noch Einkäufe für das Fest besorgen. Man nimmt ihnen in Zukunft durch einen zu frühen Ladenschluß diese Möglichkeit, so tritt eine ernste wirtschaftliche Schädigung des Publikums und der Kaufmannschaft ein.

Die Weihnachtszeit ist die Hauptgeschäftszeit im Einzelhandel. Der Einzelhandel hat daher die Verpflichtung, den wirtschaftlichen Bedürf­nissen nachzugeben und für ausreichende Kauf­gelegenheit auch am Heiligen Abend zu sorgen. Die Behauptungen von außenstehender Seite, daß die Menschen, die noch am Heiligen Abend zwischen 5 und 7 Ahr ihre Einkäufe besorgen, nicht zu den besten Kunden gehören, die un­überlegt erstandenen Waren nach Weihnachten wieder umtauschen müßten, oder, daß das Ge­schäft nach 5 Ahr gleich Rull wäre, schlagen den Tatsachen direkt ins Gesicht und beweisen, daß die Befürworter des frühen Ladenschlusses die wirklichen Verhältnisse gar nicht kennen. Die von uns im vorigen Jahr auf Grund ein­gehender Erhebungen getroffenen Feststellungen haben die längst bekannte Tatsache bestätigt, dah die am Heiligen Abend in den beiden Stun­den von 5 bis 7 illjr noch getätigten Käufe sowohl hinsichtlich der Warenmenge, wie auch hinsichtlich der Qualität der Waren und der erzielten Erlöse einen sehr erheblichen Prozent­satz der ganzen Tageseinnahme ausmachen. Es liegt im Interesse der Hausfrauen, daß diese

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Bücher lmterm WeihnachtSdaum

Deutsche und fremde Erzähler.

Max Mohr: Die Heidin. Roman. 302 Seiten 8°. Ganzleinen. München, bei Georg Müller. (677) Max Mohr, der von Haus aus Mediziner ist, hat sich vor allem als erfolgreicher Dramatiker von ausgeprägtem Charakter (Im­provisationen im Juni";Das gelbe Zelt": Ramper";Platingruben in Tulpin" u. a.) einen guten Ramen gemacht; viel zu wenig bekannt ist ferner fein vor kurzem erschienener Roman Venus in den Fischen", ein ganz modernes Buch, in dem sich Geist, Gefühl und Witz in beschwing­ter Form zur Einheit verbinden. Auch für die Heidin", den jetzt herausgekommenen zweiten Roman, hat Mohr das Thema unserer Gegenwart entnommen: er zeigt hier schonungslos, wie ein neues Heidentum sich im modernen Weib leichter als im modernen Mann durchzusehen vermag. Ein Buch voller Spannung und kräftigem Ge­schehen; es mag der Anlaß fein, wieder einmal mit Rachdruck auf diesen Dichter aufmerksam zu machen.

Georg Grabenhorst: Die Gestirne wechseln. Roman. Leipzig 1929. Koehler & Ame- lcmg, Verlag. 8°. 300 Seiten. Ganzleinen 6 Mark. (377) Grabenhorst, bekannt geworden durch feinen ErstlingsromanFahnenjunker Volkenborn", läßt jetzt die Geschichte eines jungen Menschen der Nach­kriegszeit folgen, der aus der gewohnten Bahn der Entwicklung geworfen, den Fluch derzerstörten Generation" von sich abschüttelt und bewußt noch ein­mal zu leben beginnt.

Johannes Tralow: König Reu- hoff, ein Weltmann im 18. Jahrhundert. Ro­man. Verlag Paul List in Leipzig. Preis ge­bunden 8,50 Mk. (476). Um cs vorweg zu sagen: fürhöhere Töchter" ist der Roman nichts, nut Eifer und viel Geschick paßt er sich im Stil dem Geschmack des galanten Jahrhunderts an. Und noch eins, er ist vielmehr als der Roman dieses westfälischen Landedelmanns, dessen wech­selnde Geschicke in aller Herren Länder bis zur recht imaginären Königswürde Korsikas in letzter Zeit für unsere nach neuem und spannendem Stoff jagenden Literaten große Mode geworden. Tralow packt das Milieu des Jahrhunderts, das Tyvischc in der Gestalt Theodor Rcuhoffs und gibt eine Geschichte dieser Zeit großartigsten Heldentums, schlimmster Korruption, verwirk» tefter Politik, eine Geschichte, wie sie in solcher Farbigkeit und solchenr Tentpo ohnegleichen ist

Der Sternhimmel im Dezember.

Rachdruck verboten!

Sonnenaufgang von 7.50 bis 8.15 Ahr.

Sonnenuntergang von 15.50 über 15.45 bis 15.55 Ahr.

Lichtge st alten desMondes: 1. Viertel am 9. Dezember um 11 Ahr Vollmond am 16. De­zember um 13 Ahr; 3. Viertel am 23. Dezember um 3 Ahr.

mfm. Dem aufmerksamen Leser wird vielleicht auffallen, daß oben für den Sonnenaufgang

so länger sind natürlich die Rächte und laden zur Sternbeobachtung ein. Immer eindrucksvoller ziehen die Wintersternbilder herauf, und nament­lich der Orion, der bald nach Eintritt der Dun­kelheit sichtbar wird. lenkt die besondere Auf­merksamkeit des Sternenfreundes auf sich. Warum von seinen beiden oberen und darum zuerst sichtbar werdenden Sternen gerade der minder bedeutende, nämlich der rechts stehende, schon von den Römern mit einem Ramen ausgezeichnet

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Der die 34 5 tunden zahl en von Mitter­nacht hie Mitternacht einet Taget ent­haltende Kreit und die dich punhtiert» Linie, der eogenannte Horizont, find fert- itehend zu denken. Der Sternhimmel dreht rieh tarnt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil gewissermaßen dem Zei­ger der Himmelruhr in 33 Stunden und 56 Minuten im Sinne det gelogenen Pfeile einmal um feinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sicht­baren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo­natsmitte X&ill man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man eich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Be­obachtungsstunde zeigt: dadurch werden die zu 'dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin­eingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo­natsmitte ist der gerade Pfeil 1/3 Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monats­mitte 1/3 Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Det Mond nimmt die gezeichneten Stellun­gen ein, wenn er die angedeutete Licht gestaltzeigt.

nur zwei Zeiten, für den Sonnenuntergang aber drei angegeben sind, die sich auf den Monats­anfang, den kürzesten Tag und das Monatsende beziehen. Das ist nicht etwa ein Versehen, son­dern hat seinen guten Grund darin, daß es der Sonne geht wie manchen Menschenkindern auch: Das frühe Aufstehern befjagt ihr weit weni­ger als das längere Qlufbleiben abends, und so benutzt sie zwar gern die ihr vom Kalender­macher gegebene Freiheit, vom kürzesten Tag an etwas länger über dem Horizont zu ver­weilen, wodurch eben die Tage länger werden- aber auch morgens früher zu erscheinen, fällt ihr trotzdem nicht ein. Sie geht gegen Jahres- schluh sogar noch etwas später auf als am kür­zesten Tag, aber natürlich handelt es sich dabei nur um wenige Minuten; während des ganzen Monats sind die Tage außerordentlich kurz. Am

beiden letzten Verlaussstunden erhalten bleiben, denn angesichts der bevorstehenden zwei Feier­tage wird so unendlich vieles- vergessen, was am Heiligen Abend und an den Festtagen er­wünscht und notwendig ist, so daß sich dann doch in den letzten Stunden vor Geschäftsschluß jenes charakteristische Gedränge in den Stra­ßen und in den Geschäften ergibt. Es ist be­merkenswert, daß auch die drei führenden Haus­frauenorganisationen von Hamburg die Rotwen- digkeit des 7--Ahr-Ladenschlusses am Heiligen Abend anerkannt haben. Es kann nicht Aufgabe des Einzelhandels fein, sich den Wünschen und Bedürfnissen der Verbraucher entgegenzustellen und immer wieder als Erzieher der Kundschaft auftreten zu wollen. Was nach dieser Richtung hin geschehen konnte, um die Verbraucherschaft zu überzeugen, daß ihr bei frühzeitigem Einkauf bessere Auswahl und sorgfältigere Bedienung zu- gesichert werden kann, ist geschehen, keines­falls aber darf man dem Einzelhandel zumuten, die Derbraucherschaft vor den Kopf zu stoßen »und die Ladentüre zu schließen, wenn noch an­erkanntes Kausbedürsnis vorhanden ist. Die

wurde Bellatrix, die Kriegerin . während der hellere, links stehende, erst von den Ara­bern einen Ramen erhielt - Beteigeuze, die Schulter, nämlich die des Orion , ist schwer zu sagen; ebenso auch, worin das Kriegerische des zuerst erscheinenden Sterns des Orion be­steht.

Don den Wandelsternen ist, wenn wir von der langsam als Morgenstern verschwindenden und deshalb nicht mehr sehr eindrucksvollen Venus absehen, nur der Jupiter sichtbar. Er erstrahlt im höchsten Glanz, ist die ganze Rächt über sichtbar, und dies noch dazu in dem wohlbekannten Sternbild des Stieres, das auch seine Bewegung leicht zu beobachten gestattet. Er bewegt sich rückläufig und nähert sich der Verbindungslinie Aldebaran-Plejaden.

Küstermann.

wirtschaftliche Lage des Einzelhandels gestattet ihm nach dieser Richtung hin auch keine Experi­mente, denn er ist tatsächlich auf jeden Pfennig zwingend angewiesen, um in dem gegenwärtigen harten Ringen feine Existenz überhaupt erhalten zu können. Für den Ethiker. insbesondere den­jenigen, der die Liebe zum Rächsten lehrt, der fein gesichertes Einkommen bezieht, ist es sehr leicht, den 5-Ahr-Labenschluß am Heiligen Abend als dringendes Erfordernis unserer Zeit zu be­zeichnen, er möge sich aber einmal in den All­tagskampf hinausstellen, dann wird ihm sehr rasch klar toerben, daß manche Wünsche in dem erbitterten Ringen ums Dasein eben einfach unerfüllt bleiben müssen. Woher soll der Ge­schäftsmann das Geld nehmen, um die auf ihm liegenden enormen Lasten steuerlicher und sonsti­ger Ratur zu tragen, womit soll er sein Per­sonal bezahlen und auf dem heutigen Stand erhalten, wenn ihm immer wieder zugemutet wird, gewissen Annehmlichkeiten zuliebe auf einen Teil seiner Einnahmen zu verzichten? Der Einzelhandel kann sich in die Gedankengänge der Freunde des 5-Ahr-Ladenschlusses sehr gut

hineindenken, er hat Verständnis für die ge­fühlsmäßigen Erwägungen, die für den 5-Ahr- Ladenschluß am Weihnachten sprechen, aber er kann diesen Wünschen nicht Rechnung tragen, weil aus realen Tatsachen heraus eine Möglichkeit hierzu nicht ge­geben ist. Es bedeutet daher für gewisse andere Kreise eine große Verantwortung^ wenn sie glauben, sich in dieser Angelegenheit e>n- mischcn zu müssen, ohne selbst davon irgendwie betroffen zu fein.

Die wirtschaftlichen Kreise haben er­kannt. daß der 7- Ahr-Ladenschluß am Heiligen Abenb nach wie vor eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist Sie lehnen die Bestrebungen auf Einführung des 5-Ahr-Ladenfchluffes als gegen die Interessen des Handels gerichtet und aus Rücksicht auf die Bedürfnisse der Käuferschait entschieden ab.

Oberheffen.

Die Anfechtung der Schottener Gemeinderatswahl.

a Schotten, 4. Dez. Der Kreisaus­schuh des Kreises Schotten befaßte sich heute in einer öffentlichen Sitzung mit den gegen die Gemeinderatswahl zu Schotten er­hobenen Einwendungen. Don feiten der Rekla­manten war geltend gemacht worden, es hätte eine Wahlbeeinflussung durch Ver­sprechen und Gewähren von Vorteilen mancherlei Art, Freibier und dergleichen stattgefunden. In der Hauptverhandlung konnte ein Beweis hierfür nicht beigebracht werden. Ferner war ein- getoanbt worden, daß bei der eigentlichen Wahl­handlung Verstöße gegen die geschlichen Be­stimmungen vorgekommen seien insofern, als nicht der betreffende Wähler eigenhändig fein Kreuz in den betreffenden Kreis des Stimmzettels ge­mocht habe, sondern vielfach fei dies durch brüte Personen der Ehemann für seine Fron und dergleichen mehr vorgekommen. Einzelne Zeu­gen bestätigten dies auch, daß sie ihrer Fron oder Verwandten bei der Bezeichnung ber Wohl­vorschläge dos Kreuz gezeichnet hätten, do bei der Menge ber Wohlvorschlägc und bei ben ver­schiedenen Wahlen für Kreis. Provinz und Ge­meinde ihre Angehörigen völlig im Anklaren gewesen seien. Der Kreisausschuh wies die Einwendungen unter Belastung der Reklamanten mit den Kosten zu- t u cf. Gr vertrat die Auffassung, daß, wenn in einzelnen Fällen die Bezeichnung der Kreuze auch durch dritte Personen vorgekommen sein mag, doch das Wahlergebnis nicht wesent­lich beeinflußt worden ist. Ein anderes Re­sultat wäre wohl nicht herausgckommen. Man hört, dah gegen das Urteil Berufung ver­folgt werden soll. Der alte Oemeinberat bleibt bis zur endgültigen Klärung der Sache noch in Tätigkeit.

Clubhausweihe auf dem Hoherodskopf

X Hoherodsk opf, 3. Dez. Im Beisein einer großen Zahl D. H. C.-Brnber wurde am vergangenen Samstag das neuhergerich­tete Clubhaus auf dem Hoherods­kopf eingeweiht. Besonders stark waren die Zweiavereine Schotten mit einer besonderen D. H. C.-Iungmannschast. Lauterbach, Herbstein. Gedern, Breungeshain, Alrichstein u. a. m. ver­treten. Auch ber neue Skiverband Vogelsberg und Skiklub Wetterau-Friedberg hatte eine Abord­nung entsandt. Die Lauterbacher Burgbräu- Brauevei hatte in altgewohnter Weise, wie all­jährlich, die nötige Menge Freibier zur Ver­fügung gestellt. So blieb es nicht aus, daß sich bald eine sehr gemütliche Stimmung auf ber Hohe verbreitete. Treffende Reden des V. H. C.-Vor­sitzenden Dr. Bruch Häuser, Alrichstein, Lehrer 2 i n cf, Bürgermeister Menge 1, Schotten. HC. Finger, Lauterbach, Oberförster Walker, Friedberg, belebten die Feier. Durch Radio wurde die Befreiungsfeier der Rheinlande über­tragen, auch sonstige Darbietungen. Musik, Vor­träge sorgten für Abwechslung. Die Räume deS

Marta Karlweis: Ein österrei­chischer Don Juan. Roman. 284 Seiten. Brosch. 5 Mk., Ganzleinen 7.50 Mk. Grethlein & Co., Leipzig, Zürich. (611.). Dieser neue Roman ber österreichischen Dichterin, Jakob Wassermanns Gattin, gibt ein scharf gesehenes Gemälde ber österreichischen Gesellschaft in ber alten Monarchie, ohne bei dieser Zustandsschilde- rung stehenzubleiben. Vielmehr: Aus diesem An- tergrunb entsteht ein reichbewegtes Geschehen, eine Reihe von lebenserfüllten Gestalten hebt sich von ihm ab. Diese leidenschaftlich bewegte Welt kreist um den ewigen Typus des Don Juan, der hier durch seine blutmähige geschichtliche Herkunft bestimmt erscheint. Er ist nicht nur in seinem Verhältnis zu Frauen dargestellt, son­dern in feinen dämonischen Beziehungen zur Liebe überhaupt. 2km Ende aber muh er doch dem Teufel verfallen, und natürlich dem Teufel in weiblicher Gestalt.

Gustav Schüler: Von Tieren und Narren. Bilderbuch aus meiner Heimat. 204 Sei­ten 8°. Ganzleinen 5 Mark. Verlag der I. G. Cotta- fchen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Ber­lin. (659.) Schüler hat hier ein Bilderbuch von seiner Heimat gedichtet, von den Wasserwinkeln und Wäldern, von den Tieren und Leuten des Oder­bruchs. Gütig verstehend hat er Menschen geschildert mit kleinen Schwächen und Eigenheiten, Lebens­künstler und Eulenspiegel, lieber diesen Geschichten liegt eine in der heutigen rastlosen Zeit wohltuende idyllische Ruhe und Beschaulichkeit. Ein feines Na­turgefühl und eine tiefe Religiosität, eine Liebe zum Kleinen und Allerkleinsten gibt ihnen ein eigenes Gepräge.

Gustav Sondermann: Der Toten Werk. Fünf Novellen vom Tod zum Leben. 232 Seiten 8°. Ganzleinen 5,50 Mark. Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin. (660.) Zn diesen Kriegsnovellen wird Selbsterlebtes und Erlittenes erzählt. Der helfende Arzt und Kenner letzter Gedanken spricht hier. Fein beobachtet und künstlerisch erfühlt sind die Visionen und Kämpfe der zwischen Tod und Leben stehenden Schmerverwundeten. Wie ein roter Faden zieht sich durch das ganze Werk der Gedanke an das Heer der Toten, die für das Vaterland duldeten und starben.

Der Sieg dcs Hein Ha mm erschlag. Eine Rhein- und Eifclgeschichte von E a H Fer­dinands. Zeichnungen von Hermann Scheff­ler. Verlag Hegel & schade, Leipzig CI. Ganz­leinen 3.80 Mark. (595) Die Erzählung führt uns in die Eifel. Die spannende .Handlung laßt uns bas Schicksal eines jungen Eiflers erleben, der von

einem nmllonischen Verwalter, der zugleich sein Vor­mund wurde, um fein Vätererbe, den alten Hammer­schlaghof, betrogen iverden soll. Schwer mißhandelt entflieht er und kommt in die Gesellschaft von drei fantastisch-genialen Landfahrern, die sich seiner Un­erfahrenheit annehmen, ihm, nach allerhand krausen Wendungen und Abenteuern, zum Sieg und zu seinem Hof verhelfen und ihn zu einem tüchtigen Menschen erziehen.

Kan Strecker: Rufe aus demDun- f L Roman. 348 Seiten. Leinen 6,80 Mk. Verlag ber I. G. Cottaschen Buchhandlung Rachfolger, Stuttgart und Berlin. (628) Der Roman rührt an Geheimnisse des Blutes und der Herkunft, der Liebe und des Instinkts, ohne abstrakt oder lehrhaft zu werben. Gespannt erlebt man die Cöfung der eigenartigen Frage, ob man ein Leben ba weiterleben kann, wo ein anderer aufgehört hat.

Fritz Müller-Partenkirchen: Frauenlob. Geschichten. 208 Seiten 8 '. Brosch. 3 Mk., Leinen 4,50 Mk. L. Staackrnann Verlag, Leipzig 1929. (587) - Frauen und echtem Frauentum sind die Erzählungen dieses Bandes gewidmet, und Fritz Müller, ber schon immer dem Schlichten, Einfachen, dem scheinbar Alltäg­lichen das Besondere und Beste abzulauschcn wußte, überrascht auch hier wieder durch die für ihn charakteristische Beobachtungsweife des Da­seins und der Menschen.

Leopold Weber: Gre11ir, der Wolssgenoß. Eine isländische Saga. Mit drei farbigen Bildern von Ludwig Eberle und einer Karte. Mit mehrfarbigem Amschlag. 112 Seiten 8°. Ganzleinen 3 Mk.. Halbleinen 2 Mk. Für Dreizehn- bis Siebzelinjährigc. K. Thiene­manns Verlag, Stuttgart. (642.) Grettir ist der ungebändigte Recke, der sich mit feinen alt- germanischen Wesenszügen nicht von dem ein- dringenden Christentum unterdrücken läßt. Er kämpft rücksichtslos um Manneschrc. um Ruhm und Sieg; hemmungslos herrschsüchtig, lebt er in stetem Konflikt mit seinen Volksgenossen, besiegt alle Gegner-Recken, Anholdc und Trolle, nur nicht sich selbst. Die Erzählung kommt vor allem für Jungen und Mädchen von dreizehn Jahren an in Frage.

LeoTolstoj: Rach vierzig Jahren. Volkserzählung. Acberseht von Rahel bin G o - rion. 142 Seiten 8". Alexander Fischer, Verlag, Tübingen 1930. Geh. 2., geb. 4. . (696) Die Erzählung ist. worauf das Vorwort der Aeberseherin aufmerksam macht, nicht nur des

eigentlichen Themas wegen, sondern auch literar­historisch interessant. Es ist eine ukrainische Dolks- legenbe, die zuerst von dem russischen Folkloristen und Historiker Kostomarow in ukrainischer Sprache erzählt und dann ins Russische übersetzt wurde. Diese Legende wurde von Tolstoi ergäbt, bann in einer neuen Fassung (1902) veröffentlicht- Die Geschichte ist, obwohl Rahmen und Inhalt von Kostomarow stammen, als Schöpfung Tol­stojs anzusehcn, dessen Ausgaben und lieber* sehungen allerdings nur das Schlußkapitel auf ge­nommen haben.

9 o van A mmers - K Ülker: Maske­rade. Ein Liebesroman. Deutfd) von Elfe Otten. 347 Seiten. Brosch. 4.50 Marl, Ganzleinen 8.50 Mk., Halbpergament 15 Mark. Grethlein 8- Co., Leipzig, Zürich. (610) Das .Kernproblem, bas bas dichte rische Schaffen Jo van Ammers-Küllers beherrscht, steht auch im Mittelpunkt des neuen Romans Maskerade". In ihren bisherigen Romanen hatte die Did-terin das Problem der Ehe, wie sic sich heute darstellt, aufgeroUt. In diesem Roman aber werden and) die Beziehungen des jungen Mädchens zu ihrer Umwelt in den Kreis der Problematik ein» bezogen. Die Verfasserin sd)ildert mit eingehender psychologischer Kenntnis den Lebens- und Leidens» weg eines jungen Mädchens aus gutem bürgerlichen House, bas die typischen Situationen erfahren muß, denen auszuweichen in unserer heutigen Lebens­form nicht mehr möglich ist.

Gabriel Scott: Das eiserne Ge­schlecht, Roman. Ganzleinen 6,50 RM. Carl Schünemann, Verlag, Bremen. (604). Ein Roman aus dem Norwegen des 18. Jahrhunderts, breit und voll dahinströmend, schwer, volkstümlich, gradgewach­sen. Schwere Prüfungen, junger, Kälte, Fremdherr­schaft machen ein Geschlecht hart und ein Volk reif und entschlossen. Das Erwachen der norwegischen Nation wird zum Ausklang dieser Dichtung. Scott erzählt mit der ruhigen, gebändigten, frischen, selbst­verständlichen Kraft des Norwegers. Mit klaren unb festen Strichen weiß er die norwegische Natur: das Meer, die Inseln und Küsten, die freien, einsamen, weiten Halden des Berglandes zu vergegenwärtigen.

A. Eh. Dupuy: Intrige um Jose­phine. Roman. Ganzleinen. 160 Seiten 8°. München, bei Georg Müller. (678.) Ein histo­rischer Roman, spielend zur Zeit Rapoleons in Wien, fesselnd sowohl durch die im Mittelpunkt der Ereignisse stehenden geschichtlichen Gestalten des Kaisers unb ber Josephine, als auch durch den spannenden unb verwirrenden Qlblauf ber Intrigcnhandlung.