Ausgabe 
5.9.1929
 
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Große Futtermittelknappheit.

Schlimme Folgen der langen Hitzeperiode.

S. Aus der nördlichen Wetterau, 4. Sept. Durch die anhaltende Trockenheit ist eine geradezu beängstigende Futtermittel­knappheit eingetreten, die im Vergleich zu der im vorigen Jahre viel ernstere Formen annimmt. Besonders die kleinen und mittleren Landwirte und besonders diejenigen, die im Vergleich zu ihrem landwirtschaftlichen Besitz verhältnismäßig viel Vieh halten, werden am stärksten davon betroffen.

viele sind schon gezwungen, ihren Heuvorrat anzugceifen, der ohnehin durch den strengen Winker und die naßkalte Witterung des Früh­jahres sehr knapp ist.

Die Grummeternte ist beendet und hat über­all, mit Ausnahme der feuchten und Bewässerungs­wiesen, sehr st a r k enttäuscht, sie hat kaum ein Drittel der vorigen Ernte ergeben. Auch die Rotkleeschläge liefern schon längst kein Futter mehr: nach dem recht dürftigen zweiten Schnitt sind die Bestände vollkommen ver­trocknet. Eine Ausnahme machen erfreulicher­weise die allerdings wenig zahlreichen Luzerne­schläge. Ohne die einjährigen Bestände, die samt und sonders ebenfalls verdorrt sind, liefern sie noch ein recht einträgliches Futter, so daß wohl in den folgenden Jahren die Luzerne zugunsten des Rot­klees mehr angebaut werden dürfte. Die zahlreichen Maispflanzungen, die in früheren Jahren über schlechte Futterperioden hinweghalfen, fangen auch an von unten abzu st erben, so daß sie wohl oder übel schnellstens verfüttert werden müs­sen. Aber nichts enttäuscht wohl in diesem Jahre mehr als die S t o p p e l s a a te n. Das Geld für die Aussaat der Erbsen ist vollkommen nutzlos vertan; kaum handhoch, fangen sie an,

abzusterben, so daß auch ein durchdringender Regen hier nicht mehr zu Helsen vermöchte, wie er über- Haupt für sämtliches Grünfutter zu spät käme. Die meisten Landwirte hungern ihr Vieh mit Dickwurz­blättern, alten Kartoffeln und dgl. durch. Daß diese Fütterung längst nicht als Erhaltungsfutter, ge­schweige denn als Leistungsfutter hinreicht, liegt klar auf der Hand.

Durch Zufütterung von Heu kann man wohl die drohende Katastrophe aufschieben, aber nicht aufhalten. Schon jetzt hört man aus einzelnen Dörfern von Massenverkäufen von Rindvieh, insbesondere von Kühen.

lieber kurz oder lang werden auch die anderen Landwirte, die jetzt noch versuchen durchzuhalten, zu Notoerkäufen gezwungen sein, so daß ein weiterer Rückgang der Viehpreise die unausbleibliche Folge ist (s. auch schon Rindermarkt in Gießen vom 3. 9. Schlachtvieh fast nicht begehrt'/'). Die Land­wirte, die wertvolles Vieh jetzt zu Schleu­derpreisen abzusetzen gezwungen sind, werden notwendigerweise im nächsten Frühjahr zur Auf­rechterhaltung ihrer Wirtschaft wieder für teures Geld sicherlich nicht der Qualität entsprechendes Vieh kaufen müssen. Es ist außer dem jetzt durch die vollkommen unzureichende Fütterung entstehenden Schaden auch noch bestimmt mit einem weiteren und größeren Schaden durch die Notverkäufe zu rechnen. So läßt diese furchtbare Futterkalamität den Landwirt trotz der guten und reichlichen Körnererträge nicht etwas froher in die Zukunft schauen, im Gegenteil, das Jahr 1929 wird für die Landwirtsck-aft des hiesigen Bezirks eine weitere Verschuldung bringen.

lastungen auferlegen, deren Höhe nicht genau abzusehen sei.

Auf diese Weise wird aber niemals, trotz aller Bemühungen der Reichsregierung, eine Gesundung des Finanzwesens der Kommunen eintreten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 5. September 1929.

Bedeutsamer Besuch in der Weiterau.

Vom Oberhessischen Geschichtsver-- ein wird uns geschrieben:

3n den Tagen vom 7. bis 12. September versammeln sich die Mitglieder des Gesamtvereins der deutschen Geschieh ts° und Altertumsvereine in unserer Rachbarstadt Marburg zu ihrer all­jährlichen Hauptversammlung. Mit dieser wird verbunden der 21. Deutsche Archivtag, dessen Verhandlungen die Tagung einleiten, und die Konferenz der deutschen landesgeschichtlichen Pu- blikationsinslitute (Historische Kommissionen und ähnliche Organisationen). Aus dem außerordent­lich reichhaltigen Programm, das in sechs ver­schiedenen Abteilungen behandelt wird, seiest die folgenden Gegenstände hervorgehoben: Am Montag, 8. September, spricht in der ersten all­gemeinen öffentlichen Versammlung Dibliotheks- direktor Dc. H o p f (Kassel) überHessen und das Reick", am Dienstag in der zweiten all­gemeinen öffentlichen Versammlung, Archivdirek­tor Huyskens (Aachen) überDie heilige Elisabeth"; am Mittwoch in der dritten all­gemeinen öffentlichen Versammlung Universitäts- Professor Dr. Mommsen (Marburg) über Geschichtswissenschaft und Kriegs­schuldfrage". 3n einer öffentlichen Sitzung der ersten Abteilung wird KammerdireltorMül­ler (Darmstadt)Die alten Straßen Oberhessens: ihre Erkennung und vor- und srühgeschichtliche Erforschung" behandeln. Von Gießener Gelehrten sind besonders beteiligt Ge­heimrat Professor Dr. Sommer und Prof. Dr. Maurer: der erstere wirdKlinische Studien über hereditäre Delastung", der letztereSprachräume und Sprach­schranken im Hessischen" vortragen. Den Schluß der Tagung feil am Donnerstag, 12. Sep­tember. ein gemeinsamer Ausflug in di e W e t t e r a u bilden, der die Teilnehmer im Auto von Marburg über Arnsburg, Cchweins- berg, Homberg a. d. O., Grünberg, Lich, Kloster Arnsburg, Münzenberg, Duhbach nach Gießen, woselbst abends gegen 6 Uhr ein gemeinsames Essen imHindenburg" stattfindet, und von da wieder zurück nach Marburg führen wird.

Der Oberhessische G e s ch i ch t s v e r e i n benutzt die Gelegenheit, seinen diesjährigen Sommerausflug mit diesem Ausflug des Gesamtvereins zu verbinden. Er wird jedoch nicht an der ganzen Fahrt, sondern nur an ihrer zwei­ten Hälfte sich beteiligen, indem er sich in Arnsburg dem Gesamtverein anschlieht. Die Ab­fahrt soll 11.45 Uhr mittags in besonderem Autoomnibus von der Universitäts-Bibliothek aus erfolgen. 3n Arnsburg und Münzen­berg werden Äniversitätsprofessor Dr. Rauch und Professor B r o n n e r (Mainz) die Führung übernehmen. Wenn die Zeit reicht, wird auch Großen-Linden besucht werden, wo Prof. Rauch über die interessante Ortskirche sprechen wird. Der Vorstand hofft auf zahlreiche Beteili­gung. Man beachte die heutige Anzeige.

Wochenendritt.

3eht kommt gute Zeit für den Reiter. Weiche Grasnarbe, weite Stoppelfelder, im allgemeinen eine schon erträgliche Temperatur während des ganzen Tages laden den Reitersmann zu aus­gedehnten Ritten in das offene Gelände ein. Rur wenige Wochen noch trennen uns von den gro­ßen 3agdreiten, bis dahin gilt es für Pferd und Reiter in stetem Training sich für den Höhe­punkt des Reitsports gebührend vorzubereiten. Aber auch für die ohne sportlichen Ehrgeiz be­schaulich auf Raturgenuß und körperliche Er­holung eingestellten Reiter ist Spätsommer und Herbst die willkommene 3ahreszeit ohne die vor­her leicht lästig werdende Staub- und Bremsen­plag». So ist es kein Wunder, wenn sich nun die Reiter wieder sammelten und beim ersten

Sinn für Humor.

Von Wilhelm Lichtenberg.

Als mir Herr Siebzehner entgegenlam, lachte er schon von weitem:Hohoho herrlich, daß ich Sie treffe! Sie haben ja immer so lustige Ein­fälle, und ich lache für mein Leben gern! Also, jetzt erzählen Sie mir einmal einen Witz...! Los!!"

3ch erzähle Witze nicht gern. Aber Herr Sieb- zehner ... Run, man weih, daß es Menschen gibt, gegen die man sich nicht wehren kann.

Er nimmt mich also unterm Arm, zieht mich mit sich und ich beginne:

Se. Exzellenz, der Herr Divisionskommandant, inspiziert die 3nfanteriekaserne. Stallungen, Mannschoftszimmcr, Bureaus und kommt so auch in den Probesaal der Regimentskapelle. Gynz überraschend. Der Kapellmeister probt mit seinen Leuten gerade dieTannhäuser-Ouver­türe". Erste Probe. Ratürlich klappt die Sache noch nicht ganz, der Kapellmeister muß mehrere Male abklopfen und immer wieder von vorn be­ginnen. Se. Exzellenz hört sich das eine Weile an, wird ungehalten und verläßt schließlich mit der ungnädigen Bemerkung das Zimmer:Schande fürs Regiment! Das haben ja die Zivilisten in der Oper besser gespielt..."

Herr Siebzehner ist inzwischen ernst, ja elegisch geworden. Ein pvar Schritte treibt es ihn noch weiter. Dann hält er plötzlich. Sinnend. And meint:Der Divisionskommandant...? Komisch."

Richt wahr sehr komisch...?"

Er schüttelt heftig daS Haupt:, nicht der Witz... Rur, daß der Divisionskomman­dant ... Schließlich pflegen doch Divisionskom­mandanten nicht unangemeldet Kasernen zu inspizieren...

Mein Gott, Sie müssen das verstehen! Das ist ja auch nur, damit der Witz..."

Herr Siebzehner wird noch ernster:3a, ja, ja aber wenn der General sich schon vorher wie sagten Sie doch in den Stallungen und in den Mannschastsräumcn aufgchalten hat, dann mußte man doch um Himmels willen auch im Musiksaal was davon erfahren haben ...

Wahrscheinlich! Aber dann wäre doch der Witz..."

Hall halt nicht, dann wäre doch der Witz..Wan muß doch auch einen Witz logisch

Wochenendritt dieser Saison sämtliche Pferde des Gießener Aniversitäts-Reit- instituts belegt hatten. Anter der gelände- kundigen Führung des Aniversitäts-Reitlehrers Ludwig S ch ö m b s ging es am Samstag nach­mittag mit dem Endziel H o mbe rg a. d. Ohm durch das von manchem Morgenritt Allen ver­traute Busecker Tal und weiter, fernab von dem Staub und Lärm der Landstraße, die der Reiter so wenig liebt wie der Wanderer, unter geschick­ter Ausnutzung des gerade hier ausnehmend ab­wechselungsreichen Geländes, übet Wiesen und Aecker, durch Wald und Feld rechts an Beu­ern vorbei auf Geilshausen zu, wo die erste kurze Rast gemacht wird. 3n Weiters- hain gibt es einen kühlen Trunk im Sattel; der Ritt in der strahlenden Augustsonne hat doch warm gemacht und bis zum Ziel ist es noch ein gutes Stück. Aber diese letzte Strecke in den sin­kenden Abend hinein durch dunklen Forst, auf dessen Schneisen die letzten Strahlen der unter- gehenden Sonne spielen, möchten wir nicht missen. Schon bei anbrechender Rächt reiten wir in die winkligen Gassen des alten Bergstädtchens ein, das uns gastlichen Empfang bietet. Schnell sind die Pferde versorgt und dann geht's hinauf in die mit Lampions geschmückte Burg, dem Sitz des Herrn Dr. med. Götz, dessen liebenswürdige Gastfreundschaft den Gießener Reitersleuten wie­der, wie schon im Frühjahr, im romantischen Durggarten beim gespenstischen Licht eines rie­sigen Holzstoßes einen selten schönen Abend be­reitet hat. Bei Musik und Tanz graut bald der Morgen. Am Sonntag reiten wir aus neuen Pfaden wieder heim. 3n Londorf wird län­gere Mittagsrast gemacht. Der heiße Sommertag macht erst einen späten Aufbruch empfehlenswert. Der Weg zum Daubringer Paß bietet immer neue, überraschend schöne Bilder. Weit hinein sieht man vom Sattel aus in,das Land jen­seits der Lahn. Bald tauchen in der Ferne Gie­ßens Wahrzeichen auf: Dünsberg, Gleiberg und Vetzberg. Dann sind wir schon im Hangelstein und drunten im Wiesecktal, in einem letzten Ga­lopp werden Gießens Außenbezirke erreicht. Kör­perlich und geistig erfrischt kann es am nächsten Morgen wieder an die Arbeit des Alltags gehen.

behandeln...! So geht es denn doch nicht... Rämlich, mir leuchtet das nicht ein, warum der Kapellmeister sich erstens vom Herrn Divisionär überraschen läßt und zweitens... 3ch meine zweitens warum er nicht schnell etwas spielt, was die Leute schon geläufig können? Ditte, warum lut er das nicht?!"

Weil sonst die Pointe unmöglich wäre. Darum."

Pardon! Diese Erklärung kann ich als seriöser Mensch nicht akzeptieren. Verzeihung wo ich frage wo bleibt da die Logik? Weiter! Man muß den Fall untersuchen: Warum stellt sich der Kapellmeister nicht gehorsamst vor und macht Se. Exzellenz darauf aufmerksam, daß dies die erste Probe ist und daß es beim nächstenmal schon besser gehen werde? Warum?"

Das weih ich nicht. Da müssen Sie schon deü Kapellmeister fragen, Herr SiebzehnerI"

3ch frage Sie! Mit dem Kapellmeister habe ich mich nicht auSeinanderzusehen. Aebrigens warum sollte gerade diese Kapelle die Tann- Häuser-Ouvertüre nicht am Repertoire haben? Sehr unwahrscheinlich. Warten Sie wie alt ist doch der Tannhäuser gleich...? Richard Wagner hat im 3ahre ..."

Was wollen Sie denn um Himmels willen von Richard Wagner?"

Ra, der hat doch den Tannhäuser geschrie­ben? Oder nicht? 3rre ich mich?"

Rein. Sie irren sich nicht."

Gut. 3ch war meiner Sache auch fast sicher. Kdmmen wir aber auf 3hren Witz zurück. 3ede Kapelle spielt heute schon die Tannhäuser-Ouver­türe auswendig. Warum haben Sie nicht was von Strawinsky oder Hindemith gewählt?"

Weil sie das nicht in der Oper spielen?"

Warum müssen sie's gerade in der Oper spielen?"

Wegen der Pointe."

Welche Pointe?"

Aber, verehrtester Herr Siebzehner Sie müßen doch ein bißchen Sinn für Humor haben."

Er nickte sehr bedächtig:Hab' ich, hab ich... Aber Sie können doch nicht wegen einer Pointe alle Vernunft auf den Kops stellen. Das geht doch nicht... Aek»erdies diese Pointe!! Diese Pointe!! Schließlich ist es doch selbstverständlich, daß die Philharmoniker in der Oper die Tann- Häuser-Ouvertüre besser spielen als Regiments-

* Das Dekanatsfest des evangeli­schen Dekanats Gießen findet am näch­sten Sonntagnachmittag bei schönem Wetter im Freien auf dem Kirchenplatz in Treis an der Lumda statt. Festprediger ist Pfarrer Eck­hardt (Wahlen bei Alsfed). Ansprachen wer­den halten: Pfarrer Berck (Roßdorf), der Vor­sitzende des Hessischen Hauptvereins des Evang. Bundes, der Festprediger u. a. (Siehe heutige Anzeige.)

** Vorbereitung von Ob st aus st el- lungen. Dieser Tage fand hier unter dem Vor­sitz von Regierungsrat Wolf eine Besprechung mit den Vorsitzenden derjenigen Obst- und Gar­tenbauvereine aus dem Kreise Gießen statt, die in diesem Herbst lokale Obstausstellungen ver­anstalten wollen. Cs hatten sich eingefunden die Vertreter der Vereine Gießen, Daubringen, Bellersheim, Lich und Steinheim. Der Vor­sitzende des Kreisobstbauvereins, Regierungsrat Wolf, toie$ einleitend auf die Bedeutung sol­cher Obstschauen hin und konnte mitteilen, daß der geschäftsführende Ausschuß des Kreisobst­bauvereins die ausstellenden Vereine bei ihrem Vorhaben zu unterstützen gedenke. Es fei be­absichtigt, die Kosten des zweiten Preisrich­ters zu tragen. Er empfahl, an den Landwirt­schaftskammerausschuh für die Provinz Ober­hessen heranzutreten, der neben der leihweisen Aeberlassung der Ausstellungsgeräte auch noch finanziell helfen werde. Obstbauinspektor Enk- 1 e r von der Landwirtschaftskammer besprach in großen Zügen die Ausstellungsbestimmungen. Er erklärte sich bereit, den Ausstellungsleitern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und, um die Verpackung in die Einheitskisten des Reichs­verbandes des Deutschen Gartenbaues zu för­dern, an jedem Ausstellungsort einen kleinen Obstverpackungskursus abzuhalten. Rachdem noch die Termine der Ausstellungen (Gießen 15. Sep­tember, Lich 30. September, Bellersheim 13. Ok­tober, Daubringen 20. Oktober, Steinheim 27. Ok­tober) bestimmt worden waren, schloß der Vor­sitzende die Sitzung.

** Obst und Zähne. Wir können unseren Zähnen keine größere Wohltat erweisen, als daß wir möglichst viel und regelmäßig Obst essen. Der Südländer, der in der Hauptsache von Obst und Früchten lebt, hat durchweg vorzügliche

musiker. Warum sollte das also der Divisions­kommandant so nachdrücklich feststellen?"

Herr Siebzehner blickte mich triumphierend an, und ich wagte keinen Widerspruch. Also gut.

Herr Siebzehner hat wieder sein strahlendes, zufriedenes Gesicht aufgesetzt und nahm meinen Arm. Dann sagte er, indem er mich weiter mit sich fortzog:So und jetzt erzählen Sie mir gefälligst einen besseren Witz! Wissen Sie nämlich gute Witze höre ich für mein Leben gerne!

Röntgenphotographie und Kunstsorschung.

3m Pariser Louvre-Museum ist unter Leitung des Direktors des kunstgewerblichen Museums, Gelierter, ein Derfuchslaboratorium einge­richtet, in dem die hervorragendsten Gemälde der Galerie mit Hilfe der Röntgenphvtographie begutachtet werden. Die Bilder werden außerdem von verschiedenen Seiten photographiert, unter wechselnden Beleuchtungen und mit verschiedenem Licht, wie z. B. ultravioletten Strahlen. Die Voraussetzungen dieser neuen Forschungsart und die Ergebnisse, die man von ihr erwarten kann, behandelt Friedrich M a r l e in einem Artikel, den er in der von Adolph Donath herausgege­benen ZeitschriftDer Kunstwanderer" veröffent­licht. Die Durchstrahlung von Körpern, die dem gewöhnlichen Lichte undurchdringlich sind, ist für die Röntgenstrahlen in um so geringerem Grade möglich, je höher ihr Atomgewicht ist. Bei der Anwendung der RöntgenpAüographie auf die Gemäldebegutachtung sind drei Elemente in Be­tracht zu ziehen, der Stoff, auf dem das Bild gemalt ist (Leinwand, Holz), der Anstrich, mit dem dieser Stoff überzogen ist, und die Farben, deren sich der Maler bedient hat. Der Stoff ist stets sehr durchscheinend, und als Anstrich ver­wendeten die alten Maler eine Mischung von Kalziumkarbonat und Gummi, die verhältnis­mäßig transparent ist, während man sich heute fast ausschließlich des Bleiweitz oder des Zink­weiß bedient, die beide den Röntgenstrahlen! großen Widerstand leisten. Von den verwendeten Farben setzt sich Weih fast immer auf Blei- ober Zinkbasis zusammen, läßt sich daher schwer durch­leuchten: dagegen sind die meisten schwarzen Far­ben leicht und können gut mit Röntgenstrahlen durchleuchtet werden. Zwischen diesen beiden Ex­tremen stehen die mehr oder minder schweren Farben. Um ein geeignetes Röntgenbild von

Zähne, un5 Zahnstein, Fäule. Hoyvoervm ÖW Zähne und andere Zahnkrankheiten des Rordens sind ihm fast unbekannt. Die Zuträglichkeit des Obstes für die Zähne beruht auf der Fülle der im Obst enthaltenen natürlichen Fruchtsäure, die die Sonne in der Frucht erzeugt. Beim Kauen wird diese Fruchtsäure frei und gelangt bis in die tiefsten und verborgendsten Spalten der Zähne. Durch dieses Eindringen der Fruchtsäure in die kleinsten Lücken und Zwischenräume werden die Zähne von den Fäulniserregern, die die Zahnerkrankungen hauptsächlich Hervorrufen, gründlich gereinigt, während gleichzeitig das Fleisch der Früchte wie eine Zahnbürste wirkt, die durch das Scheuern der Zähne ohne mecha­nische Reinigung bedingt. Die Fruchtsäure hat aber nicht nur eine fäulniszerstörende Wirkung, sondern löst auch den Zahnstein und beseitigt damit den Herd weiterer schmerzhafter Erkran­kung, ohne daß der Schmetz der Zähne durch die radikal wirkende Obstsäure int geringsten an­gegriffen wird, während die in den Früchten vorhandenen Rährsalze dem Körper die Stoffe zuführen, die für den Aufbau der Zähne von ausschlaggebender Bedeutung sind. Ramenklich vor dem Zubettgehen empfiehlt sich der Genuß von Obst, besonders von Aepfeln, die vor der Aepfelreife aber auch durch andere Sorten ersetzt werden können; dadurch bleibt die Mundhöhle rein und von frischen Geschmack erfüllt.

Oberheffen.

Ehrung verdienier Turnerführer.

6 Friedberg, 4. Sept. Einer der bekann­testen und geschätztesten Turnerführer des Turn­gaues H^sen, Studienrat Georg Thierolf von der hiesigen Aufbauschule, der erster Sprecher der hiesigen Turngemeinde ist und als Bezirks­vertreter des 5. Bezirks im Turngau Hessen auch dem Gauausschuß angehvrt, feierte gestern feinen 5 0. Geburtstag. Das gab der Tu r n- gemeinöe Anlaß zu einer würdigen Feier, an der außer den Mitgliedern des Vereins auch Gäste in größerer Zahl teilnahmen. Als Ver­treter des Gaues Hessen war Gauoberturnwart W. Will (Gießen) erschienen, der im Ramen des Mittelrheinkreises und des Gaues Hessen dem 3ubilar und vorbildlich tätigen Turner­führer in inhaltreichen Worten Glückwünsche überbrachte und ihnt den Ehrenbrief des Mitte lrheinkreises überreichte. De gleiche Auszeichnung erhielt auch Studienrat Schuchmann, der Schriftführer der Turn- gemeinde und langjährige Dezirksvertreter des 5. Bezirks. Der Ehrenbrief des Gaues Hessen wurde für stille und treue Turner­arbeit Lehrer Mörschardt, dem bewährten Leiter der Gesangsabteilung der Turngemeinde. Bezirksschwimmwart Balser und Dereins- schwimmwart Hieronimus ausgehändigt. Zahlreiche Ansprachen und Gesangsvorträge der Turner länger verschönten den Ehren abend, der sich zu einer erhebeirden Familienfeier der gro­ßen Turngemeinde, des ältesten Turnvereins des Gaues Hessen, gestaltete.

Landkreis Gietzen.

X W i e s e ck , 4. Sept. Den Konfirmanden­unter r i ch t, dessen Eröffnung am letzten Sonntag im Gottesdienst stattfand, besuchen diesmal nur 30 Kinder, und zwar 11 Knaben und 19 Mädchen. Im Konfirmandenregister muß man schon bis zum Jahre 1876 zurückgehen, um auf die gleich niedrige Zahl zu stoßen. Damals würben 16 Knaben und 14 Mäd­chen hier konfirmiert.

* Alten-Buseck, 4. Sept. Am vorigen Sonn­tag hielt der K e g e l k l u bG u t S) o 13 sein dies- jähriges A b k e g e l n , verbunden mit einem öffent­lichen Preiskegeln, ab. Im Vereinskegeln wurde 1. Sieger Wilh. Ringel, 2. Heinrich S e u l i n g, 3. Wilh. Söll, 4. Karl Str oh,-5. Wilh. Ein­häuser. Bei dem öffentlichen Kegeln wurde 1. Sie­ger Friedrich Düll, 2. Bechthold, 3. P. Schmidt, 4. Wilh. Wagenbach, 5. 21. Stein­müller. Die Meisterschaft für 1929 und den Wan­derpreis für 1929 erhielt Heinrich Weller. Der KegelklubGut Holz" hat in letzter Zeit einen guten Aufstieg genommen und steht dank der rührigen Ar­beit des Vorstandes auf der Höhe.

* Oden hausen. 4. Sept. Für den ver­gangenen Sonntagabend hatten Kirchenvorstand

einem Gemälde zu erzielen, muß natürlich der Anstrich sehr transparent fein, toeil_ man sonst nicht die erforderlichen Kontraste erhält. Außer­dem müssen die Farben eine möglichst große Ver­schiedenheit in der Durchleuchtbarkeit aufweifen. Diese beiden Bedingungen finden sich in den alten Gemälden vereinigt, wahrend die meisten modernen Bilder auf einem schwer $u durchleuch­tendem Anstrich, jedoch mit sehr leichten Farben gemalt sind und so weniger gute Röntgenbilder liefern. Mit Hilfe der Röntgenstrahlen kann man so sehr häufig ermitteln, ob ein Bild alt oder! neu ist. Man kann aber auch seststellen, welche Schäden ein altes Bild im Laufe der 3ahre trotz geschicktester Restaurierungen erlitten hat, denn die dabei verwendeten Farben sind von den Urfarben verschieden und kommen auf dem Rönt­genbild in der Regel nicht. Das Röntgenbild eines Gemäldes betrachten, heißt, einen Teil seiner Geschichte lesen. Man entdeckt sogar ganze Bilder unter vollständigen Heberinalungen. Der einem Ostade zugesprochenen Bilde, das ein flämisches Bauernpaar darstellt. läßt die Rönt- genphotographie von diesem Mofiv nichts übrig, dagegen erscheinen auf ihr zwei Pfauen, zwei Enten und zwei Hühner. Das Tierbild ist das ältere, die älebe rmalung modern; bei dieser sind die Farben sehr transparent.

Hochschulnachnchken.

Ernannt wurde der 0. Professor Dr. Ernst Robert Curtius in Heidelberg zum ordentlichen Professor der romanischen Philologie an der Uni­versität Bonn als Nachfalger des Geheimrats W. Meyer-Liibke. Professor Dr. Julius Pokorny in B e r l i n hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der vergleichenden Sprachwissenschaften an der Universität Würzburg als Nachfolger von Professor W. Hävers abgelehnt.

Prof. Dr. Leo Waibel in Kiel hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Geo­graphie an der Donner Universität als Rach­folger des Geh. Rats A. Phllippfvn angenom­men. Prof. Dr. 3ofef Vogt in Tübingen hat den Rus auf den Lehrstuhl der alten Ge­schichte in Würzburg als Rachfolger des emeritierten Geheimen Regierungsrates Prof. 3uL Kaerst zum 1. Oktober d. 3. angenommen und bereits feine Ernennung zum Ordinarius in Würzburg erhalten.