Ausgabe 
5.9.1929
 
Einzelbild herunterladen

muh der Haß, muh der Hochmut und muh die ganze Gesinnung abgebaut werden, die uns seit Versailles regiert. Deutschland wird bereit sein, Macdonald auf seinem Wege zu folgen. Nicht in einem Aeberschwang von Begeisterung, son­dern mit vorsichtiger Zurückhaltung. Wir haben keine Veranlassung, uns irgendwie zu exponieren. Aber zum erstenmal seit langer Zeit zeigen sich doch wenigstens Ansätze einer Verschiebung der Machtverteilung an, die uns die politische Möglichkeit geben, uns aus der tiefen Kluft wieder herauszuarbeiten, in die wir nach dem verlorenen Kriege gestürzt sind.

Gtamp kritisiert Snowden.

Die Erhöhung der deutschen Lasten gegen die wirtschaftliche Vernunft.

London, 5. Sept. (WTB. Funkspruch.) 3n einem Brief des englischen Sachverständigen in Paris, Sir 3osiah Stamp an einen seiner Kritiker heißt es:Die Wahl, der ich im Mar gegenüberstand, war, gegen den einstimmigen Bericht der anderen Einspruch zu erheben (in die­sem Falle wäre die deutsche Annahme endgül­tig ausgeblieben) oder zuzustimmen. Der Fehl­schlag hätte, wie er im Hrril auf den Finanz­märkten zutage trat, eine sich auf Großbritannien ausdehncnde. Finanz krise bedeutet. Die Transferbestimmungen des Dawesplanes waren sofort in Kraft getreten und alle Reparationen wären eingestellt worden. Ich würde es hundert­mal wieder tun. Kleber unsereVerluste" wird außerdem viel Unsinn geredet. Snowden hatte es sich in den Kopf gesetzt, etwas von den Beträgen der romanischen Länder zu strei­chen, dabei hat er so gut wie ni chts bekommen und unser Gesicht wurde gewahrt, indem Deutschland mehr auferleg t wurde, was eher das Gegenteil von dem ist was aus wirtschaftlichen Gründen unser Bestreben in Paris war. Ich bezweifle die endgültige Wirksamkeit des Sieges aus wirt­schaftlichen Gründen. Ich bin nicht genügend Politiker, um zu sagen, ob es gute Politik ist.

Auf der Spur der berliner dombenattentater.

Ein Chauffeur meldet sich

Berlin, 5. Sept. (Priv.-Tel.) Eine wich­tige Svur der Attentäter, die in der Rächt zum Sonntag am Reichstagsgebäude eine Höllen­maschine zur Explosion gebracht haben, ist ent- deckt worden. Bei der Polizei hat sich d e r Füh­rer einer Kraftdroschke gemeldet, der angibt, dah er am Samstag abend gegen Mitter- nacht in der Kurfürstenstrahe zwei Her r e n als Fahrgäste bekommen habe. An der Eckr Nürnberger und Kurfürstenstraße sei einer der Herren ausgestiegen und etwa nach zehn Mi­nuten m i t e i n e r gefüllten Akten rnappe zurückgekehrt, die er nicht am Griff, sondern im Arm hielt. Sodann gaben die beiden Männer als neues Ziel der Fahrt das Reichstags- gebäude an. Dort sind sie dann ausgefttegen und haben den Fahrpreis gezahlt. Der Chauf­feur bekundete weiter, dah er später nut eurem Fahrgast, der nach dem Bahnhof Friedrich rrahe wollte, das Kronvrinzen-Ilfer entlang kam und auf der Schutzinsel zwischen dem Reichstags- gebäude und dem Wohngebäude des Rerchs- tagspräsidenten zu seinem Erstaunen die bei­den Männer stehen sah, die er anderthalb Stunden vorher dorthin gebracht hatte. Nach der Meinung des Chauffeurs standen die bei­den Fahrgäste im Alter von etwa 35 bis 40 Jahren, hatten keine Schnurrbärte und machten einen wenig vertranenserweckenden Eindruck.

Christentum und Wirtschaft.

Eine sozialpolitische Kundgebung der Internationalen Kirchenkonfcrenz. Eisenach, 5. Sept. (WB.) Die Internationale Kirchenkonferenz trat unter Beteiligung führender Industrie- und Gewerschaftsverbände in einer Kund­gebung mit dem ThemaChristentum und Wirtschaft" vor die breite Öffentlichkeit. Der Vorsitzende, der Berliner Universitätsprofessor Dr. T i t i u s , begrüßte die stark besuchte Veranstaltung namens der Kommission für das sozialwissenschafl- liche Forschungsinstitut der christlichen Kirche in Genf. Der Sekretär des amerikanischen Kirchen­bundes, D, Tippy (Neuyork), führte aus, daß die protestantische Kirche in Nordamerika für eine H e - buna des Arbeiter st andes und ver­nünftige Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ar­beite. Der Generaldire.ktor der Christian Industrial Fellowship, Nev. Kirk (London) betonte, daß es on der Zeit sei, in geeigneter Form soziale Forderungen der christlichen Religion herauszuarbeiten und dadurch einerchristlichen Soziologie" den Weg zu bereiten. Der Professor der Rechts- und Staatswissenschaften an der Uni­versität Lyon, Dr. Andrä Philip, faßte seine Ausführungen dahin zusammen, wenn es der evan­gelischen Kirche gelinge, sich von jedem Kompromiß mit dem Kapitalismus freizuhalten, so würde und müsse das Volk auf sie hören. Vom Standpunkt des Unternehmers aus sprach Dr. H o l t h o e f e r vom Bergbaulichen Verein in Essen, der betonte, daß eine starke christliche Betätigungsmöglichkeit in der Schaffung einer Atmosphäre gegen­seitigen Vertrauens zwischen Ar­beitgebern und Arbeitnehmern durch christliche Persönlichkeiten in allen Lagern liege.

Oer Streit um die Klagemauer.

Jerusalem, 4. Sept. (WTB.) Der oberste mohammedanische Rat hat beschlossen, e i n neues Gebäude unmittelbar über der Klagemauer zu errichten. Die jüdische Be­völkerung protestiert gegen diese Maßnahme. Die Regierung befaßt sich bereits mit der Ange­legenheit. Eine Truppenabteilung drang heute in zwei Dörfer ein und befchlagnahmte dort eine Menge Gegenstände, die bei den Plünde­rungen geraubt wurden. Mehrere verdäch­tige Personen wurden verhaftet. Die Zahl der den kürzlichen Ausschreitungen zum Opfer gefallenen Personen ergibt nach den letzten Feststellungen folgendes Bild: Tot: 119 Juden, 87 Mohammedaner und 4 Christen: ver­wundet: 334 Juden, 208 Mohammedaner und 33 Christen.

Ruhetag in Friedrichshafen.

Nach dem Begrüßungsatt Triumphsahri durch die Stadt. - Oie Passagiere erzählen ihre Eindrücke auf der Weltreise.

Friedrichshafen, 4. Sept. (TU.) Nach Beendigung des offiziellen Degrüßungsaktes ver­ließen die Passagiere und die Besatzung des Graf Zeppelin", denen noch zahlreiche Blumen­gewinde überreicht worden waren, die Halle, um sich in mit Blumen und Fähnchen ge schmückten Automobilen zur Stadt zu begeben. Unter Vorantritt der Musikkapelle setzte sich um 10 Uhr der lange Zug der Kraft­wagen von der Werft aus langsam in Bewegung. Während der Fahrt durch die Straßen der Stadt wurden den Zeppelin-Fahrern, allen voran K a - pitän Lehmann, von den die Straßen säu­menden dichtgedrängten Zuschauern, denen der Eintritt zur Werft versagt geblieben war, st ü r- mische und langanhaltende Ova­tionen bereitet. Nach dem Festzug trat eine ziemliche Beruhigung in Friedrichshafen ein. Ein großer Teil der Kraftwagen, die am Vor­mittag die Straßen verstopft hatten, fuhr nach allen Richtungen auseinander und allmählich konnte man sich wenigstens wieder freier bewegen.

Die Fahrgäste waren jedoch keineswegs er­müdet, man konnte sie vielmehr am Nachmittag überall die Schönheit 'des Bodensees genießen sehen. Alle sind voll Lobes über die herrliche Fahrt. Nur einmal sei das Luft­schiff in eine etwas bedrängte Lage gekommen, nämlich in der Nähe der Azoren, wo es in eine starke Hitzewelle geriet, so daß zeitweise die Außentemperatur 11 Grad wärmer als der Gasinhalt des Schiffes war. Dies hatte zur Folge, daß das Luftschiff sich rasch senkte und b i s auf 200 Meter niedergehen mußte. All­mählich aber trat ein Ausgleich zwischen den Temperaturen ein. Einmal veranlaßte ein st a r- tes Gewitter die Führung, etwa zwei Stunden lang den Kurs wieder rückwärts zu nehmen. Die Motoren haben übrigens aus­gezeichnet gearbeitet. Auf der ganzen Weltfahrt trat nicht die geringste Störung ein. Es muhten im ganzen nur fieben Zündungen ausgewechselt werden.

Der spanische Journalist R i ck a r d (Madrid) er­zählte, daß das Interesse in Spanien für die Reise des Luftschiffes außerordentlich groß gewesen sei. Besonders hob er auch die Bedeutung des Luft­schiffes als Handelsfahrzeug hervor. Der Leibarzt des Königs von Spanien und Leiter des ärztlich- wissenschaftlichenInstituto clorante" in Madrid, Dr. Megias, wurde in erster Linie über seine Inanspruchnahme als Arzt auf der Weltreise be­fragt. Er schilderte die Behandlung der fünf oorgekommenen Fäll e..besonders die Be­handlung eines Anfalls von Herzschwäche bei einem Fahrgast, der außerdem an einem Zahngeschwür litt. Bekanntlich war auch Dr. Eckener an einer Magenverstimmung erkrankt. Außerdem gab es einen verstauchten Fuß bei einem deutschen Bericht­erstatter und zwei Handoerletzungen bei einem Bordmonteur und eines Piccolos zu behandeln. Ausdrücklich betonte Dr. Megias, daß für jeden halbwegs gefunden Menschen die Reise mit Zeppe- linluftschiffen keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen irgendwelcher Art be­deute. Der Führer derLos Angeles", Commander Rosendahl, sprach sich besonders lobend über die ausgezeichnete Navigation des Luft- | schiffes aus. In Kapitän Lehmann habe er einen hervorragenden Luftschiff-Führer kennengelernt.

Im Anschluß an die Empfangsfeierlichkeiten, für das LuftschiffGraf Zeppelin" besichtigten die Ehrengäste das vor dem Kurgartenhotel in Friedrichshafen vor Anker liegende D o r - nier-Flugschiff Do. 10, das alsdann mit 40 Passagieren bei herrlichem Wetter einen Rundflug um den Bodensee unternahm. Es nahmen hieran teil: Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald mit seinem Ministerialdirigen­ten Brandenburg, der württembergische und der badische Staatspräsident, der amerikanische Bot­schafter Shurman, der japanische Botschafter Na- gaoka und viele andere prominente Persönlich­keiten.

Oer Glückwunsch Oesterreichs.

Wien, 4. Sept. (WB.) Nach der Landung des Graf Zeppelin" in Friedrichshafen hat Bundes­präsident Midas an den deutschen Reichspräsidenten v. Hindenburg fol­gendes Telegramm gerichtet:

Aus Anlaß der glücklichen Heimkehr desGraf Zeppelin" von feiner triumphalen Weltfahrt, auf

der er überall als Freundfchaftsbote und als Künder des Ruhmes deutscher Technik jubelnd empfangen wurde, entbiete ich Eurer Exzellenz und dem Deutschen Reiche die aufrichtig st en Glückwünsche Oester- r e i ch s, wo die stolze Freude des deutschen Volkes begeisterten Widerhall findet/

Ein gefährlicher Zeppelinpaffagier.

Mit Zigarre und Feuerzeug in der Gondel.

Friedrichshafen. 4. Sept. (TU. Funk­spruch.) Wie erst nach der Landung desGraf Zeppelin" bekannt wurde, hat sich das Luftschiff auf der Fahrt von Lakehurst nach Friedrichs­hafen in einer äußerst gefährlichen Lage befunden. Das Luftschiff war für geraume Zeit in der Gefahr, durch die Unbesonnenheit eines Passagiers zu explodieren. Der Ver­treter einer Berliner Korrespondenz erfährt dar­über folgende Einzelheiten: In Lakehurst war an Bord desGraf Zeppelin" ein Neuyorker Kaufmann namens R. H o g g gekommen, der schon vor Antritt der Reise ebenso, wie alle an­deren Passagiere darüber belehrt worden war, dah auf dem Luftschiff wegen der Explo­sionsgefahr keineswegs Feuer an­gemacht oder geraucht werden dürfe. Als das Luftschiff sich mitten über dem Ozean befand, betrat der amerikanische Korrespondent 3. L i k- k a l d den Waschraum und stellte dort zu seinem höchsten Befremden fest, daß die Kabine ganz mit Zigarrenrauch angefüllt war. Lik- kald eilte sofort zu Kapitän Lehmann und machte ihm von seiner Beobachtung Mitteilung. Kapitän Lehmann war ebenso, wie die Passagiere und die Mannschaft über diesen Leichtsinn eines Mitreisenden aufs höchste empört und leitete eine Untersuchung ein, aus der hervorging, daß vor dein Zeitungskorrespondenten Mister Hogg zuletzt im Waschraum gewesen war. Die amerikanischen Passagiere nahmen sich darauf ihren Landsmanii in der ernsthaftesten Form vor und dieser gestand schließlich, dah er eine Zigarre im Waschraum geraucht habe. Mister Hogg muhte sich darauf einer körperlichen Untersuchung unterziehen, und es wurde ihm auf Verlangen, namentlich der amerikanischen Passagiere, eine Zigarre sowie sein Taschenfeuerzeug abgenommen. Der Vorfall, der an Bord ungeheure Erregung aus­gelöst hatte, führte dazu, dah der Neuyorker Kaufmann für den Rest der Reise von den übri­gen Passagieren boykottiert und dah m unauffälliger Weise dafür Sorge getragen wurde, dah Mister Hogg nicht noch einmal der Versuchung unterliegen konnte, sich etwa eine geborgte Zigarre mit einem entliehenen Feuer­zeug anzustecken. Der Vorfall wird sich in Zu­kunft nicht mehr wiederholen können, da die neuen Schiffe eine besonders isolierte Rauchkabine erhalten, in der man ohne Gefahr nach Herzenslust wird rauchen können. Rund um die Wett in 20 Tagen.

Frankfurt a. M., 4.Sept. (WB.)Graf Zeppelin" hat diesmal die Strecke Lake­hurstFriedrichshafen in öZVs Stun­den zurückgelegt und damit erneut den Beweis erbracht, dah für den Transatlantik-Schnellver­kehr vorerst nur Luftschiffe in Frage kommen. Bei der Fahrt rings um den Erdball hatGraf Zeppelin" mit 20 Tagen und vier Stunden einen neuen Rekord aufgestellt. Aber schon heute läßt sich sagen, dah diese Fahrt nicht als eine Gipfelleistung der Friedrichshafener Werft betrachtet werden muh, sondern daß die Neubauten, die voraus­sichtlich im 3uni nächsten Jahres beendet sein werden, eine noch erheblich größere Fahrgeschwindigkeit entwickeln werden. Die neuen Luftschiffe werden zwar nicht so lang sein wie derGraf Zeppelin", dafür aber wesentlich gedrungener und werden sich der Tropfenform noch mehr nähern. Die neuen Schiffe sollen vor allem auch eine Rauchkabine erhalten, da die Passagiere auf den bisherigen Fahrten immer wieder darüber klagten, daß sie den Nikotingenuß allzusehr ent­behren mühten.

Das deutsche pro-Paläftina- Komiiee zu den Unruhen.

Berlin, 4. Sept. (WTB.) Das deutsche Komitee Pro-Palästina erläßt folgende Erklärung: Das deutsche Komitee zur Förderung der jüdischen Palästinasiedlung nimmt naturgemäß an dem Gang der Ereig­nisse in Palästina lebhaftesten Anteil. Wir sind schmerzlich bewegt und tiefst betroffen durch den Verlust von Menschenleben und die Ver­nichtung jüdischer Siedlungen, die in friedlicher Arbeit geschaffen worden sind. Wir hoffen, dah alles geschehen wird, um die Ruhe schnell wie­der herzustellen. Die Errichtung der jü­dischen nationalen Heimstätte in Palästina darf durch die gegenwärtigen An­ruhen in keiner Weise beeinträch­tigt werden. Gerade in den letzten Wochen ist die Erweiterung der 3ewich°Agench durch die Verbindung der Vertreter der Iudenschaf- ten der ganzen Welt mit der zionistischen Or­ganisation zur Tatsache geworden. Damit hat sowohl die politische wie die wirtschaftliche Ba­sis des Siedlungswerkes eine erhebliche Verstärkung erfahren. Es kann daher aber keinem Zweifel unterliegen, daß alles geschehen wird, um den Fortschritt der Kolonisation in Zukunft zu beschleunigen. Es handelt sich, wie wir immer betonen, um ein Werk der Gesit­tung und des Frieoens, das unter der Garan­tie des Völkerbundes steht und die Sympathie der gesamten Kulturwelt genießt. Erfreulicher­weise hat die zionistische Organisation auch in diesem Augenblick ihren Willen zur Verständi­gung mit dem arabischen Volk zum Ausdruck ge­bracht. Man darf hoffen, daß die Manda­ta r m ä ch t e im Völkerbund, die für die Durchführung der Balfour-Deklaration verpflich­tet sind, das Verständigungswerk aktiv för­dern werden. (gez.) Graf Bernstorff.

Zwölf Kasernen zu verkaufen.

Berlin, 5. Sept. (Priv.-Tel.) Es wird wohl noch kaum dagewesen sein, daß gleich zwölf Kasernen auf einmal, und zwar f a st durchwegneueBauwerke, zum Verkauf ge­stellt werden. Der Ausgang der Haager Verhand­lungen hat dieses Wunder bewirkt. Das Reichsver­mögensamt in Wiesbaden bietet folgende, dem Reich gehörende Objekte zum Verkauf an: Je eine Kaserne in Königstein und Idstein im Taunüs, in Bad Schmalbach, Bingen, Schier st ein und Do tz h e i m , zwei Kasernen in Biebrich und vier Kasernen, ein ehemaliges Garnisonlazarett und eine Offiziersspeiseanstalt in Wiesbaden. Es handelt sich ausschließlich um militärische Einrichtun­gen, die zur Zeit von den Engländern be­nutzt werden.

Aus aller Well.

Aufhebung des Haftbefehls gegen den Wächter Schulz.

Im Haftprüfungstermin wurde der gegen den wegen Verdachts des Mordes an der kleinen Hilde Z ä p e r n i ck verhafteten Wächter Schulz am 22. August erlassene Haftbefehl aufgehoben, da die gegen ihn geltend gemachten Verdachtsmomente nicht mehr als dringlich bezeichnet werden können. Lin Arbeitsausschuß zur Förderung der Bienenzucht.

Am 3. September fand im Reichsministe­rium für Ernährung und Landwirt­schaft eine Sitzung des Verwaltungsrates des Reichsausschuffes für Bienenzucht statt, in der sich unter Leitung von Ministerialdirektor Streik die Beteiligten über die Schaffung eines Arbeitsaus­schußes zur Förderung der Bienenzucht ausgespro­chen haben. Dieser Reichsausschuß ist inzwischen ge­bildet worden, es gehören ihm neben den Ver­tretern des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und des preußischen Landwirtschafts­ministeriums, je ein Vertreter des Deutschen Land­

wirtschaftsrates und des Deutschen Jmkerbundes sowie der Reichsarbeitsgemeinschaft deutscher Bie- nenforscher an. Der Minister für Ernährung und Landwirtschaft hat zum geschäftsführenden Vor­sitzenden dieses Arbeitsausschusses den dritten Bun­desleiter des Deutschen Jmkerbundes, Landtags­abgeordneten P i ck h ö f f e l ernannt.

Verhaftung von Direktoren der Frankfurter Allgemeinen Versicherung.

Frankfurt a. 211., 5. Sept. (TU. Drahtmeldung.) Nachdem die staatsanwaltschaftliche Untersuchung bei der Frankfurter Allgemeinen Versicherung und den mit ihr verbundenen Gesellschaften zu einem Haftbefehl gegen den flüchtigen Direktor Sauerbrey geführt haben, ist nunmehr auch gegen den zweiten Direktor der Bank, Bruno Fuchs, sowie gegen die Direktoren der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-A.-G., Becker und Dr. 6 i r s ch b a u m , ein Haftbefehl erlaßen worden. Die genannten drei Herren wurden i n d ws F r a n f- surter Untersuchungsgefängnis be­reits eingeliefert. Die in Frage kommenden strafbaren Handlungen liegen auf den Gebieten der aktienrechtlichen Untreue, der Bilanzverschleierung, des Betruges, sowie des betrügerischen Bankrotts und der Depotunterschlagung. Die Staatsanwalt­schaft wird alsbald die (Einleitung der gerichtlichen Voruntersuchung beantragen.

Siebzehn Todesopfer einer Explosion.

3n der Pulvers abrik von Castelando bei Brescia flog ein Pulvermagazin, in dem 37 Personen, zum größten Teil -Frauen, arbeiteten, infolge eines Brandes in die Lust. Nach den bisherigen Feststellungen wurden 17 Personen getötet und etwa 20, zum Teil außer­ordentlich schwer, verwundet. Die Eindämmung des Brandes ist bereits gelungen. RettungS- mahnahmen wurden sofort eingeleitet.

Schweres Gewitter über Hamburg.

In den frühen Morgenstunden des Donnerstags entluden sich über Hamburg und Umgebung meh- rere schwere Gewitter, die von starken Regenfällen begleitet waren. Jrn Stadtgebiet schlug der Blitz fünfmal ein, ohne jedoch zu zünden. Jrn benachbar- ten Groß-Flottbek wurde ein strohgedecktes Haus durch die Flammen eingeäschert. In Lurup kam es infolge Blitzschlags in einer Schweinemästerei zu einem Brand, der mit vier Rohren bekämpft wer­den mußte.

Ungewöhnliche hiße in Amerika.

Die feit einigen Tagen in den nordöstlichen Staa­ten der Union herrschende ungewöhnliche Hitze dauert an. In Neuyork wurden 35 Grad Celsius gemessen. Dienstag war der heißeste Tag des Jah­res und der heißeste Septembertag seit mehr als 50 Jahren. Van überall her werden Hitz schlüge und infolge der ungewöhnlichen Trockenheit Wald» b r ä n d e gemeldet. Im Staate Massachusetts wer­den mehrere Ortschaften von einem Waldbrande bedroht, der eine Ausdehnung von sieben Kilo­metern erreicht hat.

Die Bilanz des amerikanischen Cabout Day.

Die Feier des Labour Dah in Neuyork war durch 2 1 0 Todesfä He gekennzeich - net. Mehr als 130 Menschen kamen bei Kraftwagenunfällen ums Leben. Vier­zig Personen ertranken, sechs wurden bei Flugzeugunfä llen getötet, einige wurden ermordet und verschiedene begingen S e l b st - mord.

Mißglückter Rettungsversuch.

In Leeuwen (Provinz Geldern) ertranken auf dem Waal die beiden Töchter des Ka­pitäns des deutschen RaddampfersRaab Karcher" beim Schwimmen. Kapitän Karl D o u y aus Duisburg sprang den beiden Mädchen, als er sie untergehen sah, nach, verschwand aber selb st in den Fluten. Die Leichen der Ter- unglückben konnten geborgen werden.

Ein Kind durch Arzneitabletten getötet.

Durch Essen von Arzneitabletten wurde das acht­zehn Monate alte Töchterchen des Landwirtes Knecht von Krausenbach bei Aschaffenburg getötet. Das Kind hatte die Tabletten, die aus einer frühe- ren Krankheit feiner Mutter stammten, beimÄra« men" gefunden und verschluckt.

Große Kahen-Ausstellung in Düsseldorf.

Dom 13. bis 16. September findet in Düssel­dorf eine Ausstellung für alle in- und aus­ländischen Kurz- und Langhaarlatzen statt. Ver­anstalter ist der über ganz Deutschland durch Orts­gruppen und Einzelmitglieder ausgebreitete Bund für Katzenzucht und Katzen­schutz in Dresden. Die Ausstellung will beson­ders für die Wertschätzung der nützlichen Haus­katze wirken, deren Reinzucht in den einzelnen Form- und Farbenarten angeftrebt wird. Auf ihr soll die Dundesbestrebung, Verminderung der Kahenzahl zugunsten sorgsamer Zuchtwahl mit dem Ziele, gutartige, -vogelfromme, aber doch das Ungeziefer vernichtende Katzen konstant zu züchten, zum Ausdruck kommen. Der Bund erhebt die vielfach völlig wertlos erscheinende Haus­katze auf Grund der Forschungen seines wissen­schaftlichen Beraters, ord. Prof. Dr. Schwan­gart, Dresden, über die Stammesgeschichte und Typenkunde der Hauskatze zum Rafsetter, läßt sie also gegenüber den ebenfalls durch Hrx^ucht gepflegten Angora, Perfer und eia- mesen keineswegs als minderwerttg gelten. (Reben der Abteilung der lebenden und auch mit Hunden, Vögeln und sonstigen andersgearteten Tieren zusammen ausgestellten Katzen besteht eine Sachabteilung, in der die Katze, in Kunst, Literatur, Gewerbe und Spielzeug gezeigt wird. Die Düsseldorfer Ausstellung ver­dient das Interesse aller Tierfreunde, zumal mit ihr Beratungen über die Lösung der um­strittenen FrageVogelschutz und Kahenschutz" verbunden sein werden.

Das Räuberunroefen in Rumänien.

Das Räuberunwefen in Rumänien fordert immer neue Opfer. So wurden bei Galatz wieder vier Autos angehalten und aus­geraubt. 3n Piztrosani wurde das Auto­mobil des Staatsanwalts des Kafsattonshofs

überfallen, wobei der Diener des Staatsanwalts leicht und der Chauffeur schwer verletzt

wurden'. Nachdem bereits einmal in der Bukowina sich zwei Gendarmeriepattouillen in Verfolgung der Räuber gegenseitig angegriffen hatten, wobei ein Wachtmeister verwundet wurde, schoß ein wachhabender Mönch eines Klosters in der Nähe von 3assy in Befürchtung eines Raubüberfalls auf Soldaten und verletzte einen tödlich.