Ausgabe 
4.11.1929
 
Einzelbild herunterladen

Montag, 4. November 4929

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberhchen)

Nr. 259 Zweites Blatt

Die Ermäßigimg des Reichsbantdiskonts

steWoche!

zra"'^"

irkündigunysdlatt.

rtünbigungsblalt mber enthält: Strahm-

Auhertursichung von steuerüberweisungen.

verlegen.

Die alte Dame erhob sich steif und sagte in einem Ton, der nicht ganz unbedrohlich klang: Ich bin die Mutter von Bert".

Lind ihr examinierender Blick musterte schnell die andere. Sie sah, was sie erwartet hatte: ein ver'chminktes Gesichtchen. abge'chnittenes Haar, ein Röckchen, das selbst die Knie freilieb kurzum: das Modell eines jener degoutierenden jungen Mädchen, die für die minderwertigen Bücher von heute den Stoff liefern.

Und sie begann:Damit Sie es von vorn­herein wissen. Meine Zustimmung zu dieser Tor­heit von Bert gebe ich nicht." _

Die andere errötete, kam näher heran und wollte etwas erwidern.

Aufrecht stehend, wie eine Nemesis im Kapott- hütchen, fuhr die alte Dame unbeirrt fort: Erstens habe ich gehört, daß Ihre Mutter Sch. u pielerin ist. Die Tochter einer Schauspiele­rin dürfte kaum die Erziehung genossen haben, welche geeignet wäre, sie gerade zu «einer tüchtigen Hausfrau zu machen."

Die andere wollte etwas einwenden, aber die im Zuge befindliche alte Dame war nicht so leicht zur Ruhe zu bringen.

Sie sehen im übrigen genau so aus, wie ich Sie mir vorgestellt hatte: ein junges, kokettes Ding alles andere als eine passende Lebens­gefährtin für einen zukünftigen Arzt. Was Bert braucht, ist kein hypermodernes Mädchen Ihres Typs, sondern eine einfache, verständige junge Frau."

Die andere fing mittlerweile an, ungemütlich zu werden. Sie sagte in scharfem Tone:Wenn Sie mich auch einen Augenblick zu Worte kommen lieben ..."

Papperlapapp", unterbrach die aggressive alte Dame sie äußerst ungehalten.Wir können un­möglich gleichzeitig reden. Richt wahr? Versteh' mich recht, Kind: ich bin vielleicht alt, aber noch lange kein Duttchen."

Das bezweifle ich nicht im mindesten. Och möchte nur bemerken ..."

Seit dem Tode meines seligen Mannes das ist jetzt zwölf Jahre her habe ich Bert erzogen und mit fester Hand geleitet. Ich bin keineswegs gesonnen, müßig zuzufrhen, daß er sich jetzt in sein Unglück stürzt. Er mag hundert­mal behaupten, daß Sie ihn gern haben ich

Verwirklichung einer Parlamentscntschli:hung von 1922 verwendet werden, wonach die Ueb^rschüsse der Liquidation zugunsten der obengenannten Personenkategorien verwendet würden. Für die übrigen Liquidationsbetrofsenen ist das nur ein schwacher Trost, und auch die Erklärung, die in der Debatte gegeben wurde, daß seit 31. August im Zusammenhang mit den Haager Verhandlun­gen keine neuen Liquidationen mehr erfolgen, macht vergangenes Unrecht ni«cht wieder gut. Technisch ist dabei von 2nteresse, daß die freiwerdenden Vermögenswerte unmittelbar an die ursprünglichen Besitzer und nicht etwa an die Reichsregierung fallen.

Der Labourreg ecung war die Ausrollung die­ses ganzen Prob.ems sichtlich unerwünscht: sie hat sich aber dahinter verschanzt, man könne heute unmöglich die ursprünglichen Eigentümer bereits liquidierter Vermögenswerte auffinden eine Behauptung, deren Berechtigung min­destens fraglich ist! und wenn man auch das Verfahren als einen Raub bezeichnen müsse, so lasse sich an dem Geschehenen nichts mehr ändern. Gegen die Feststellung des Interpellan- ten, daß weder Frankreich, noch Italien, noch irgendeine andere Macht das englische Beispiel in der rigorosen Enteignung und Zurückbehal­tung des deutschen Privateigentums befolgt habe.

Lleberraschung.

Von Ly Gorfori.

Die alte Dame sah festentschlossen, um nicht zu sagen: kampfbereit au3, als sie an der ~ur Des schmalen Häuschens auf der Heerengracht ttm- $ 2m Salon, in den ein adrettes Stubenmädchen sie mit dem Ersuchen, einen Augenblick zu war­ten, geführt hatte, sah sie kerzengrade auf einem Stuhl und lieh strenge, prüfende, anscheinend nicht gerade befriedigte Blicke über den mit Kissen besäten Diwan, die sehr modernen Ge­mälde an den Wänden, Über die ganze künst­lerische Nonchalance des Raumes gleiten.

Wit ihrem langen schwarzen Kleide, dem alter­tümlichen Mantel, ihrem Kapotthütchen, den wür­digen grauen Haaren und der Bügeltasche machte sie sich in dieser Umgebung etwas sonderlich aus. Die Same, welche jetzt hereinkam, blieb denn

Gleichzeitig schafft Europa die Voraussetzungen einer kommunistischen Revolut i o n. Seine internationale Konkurrenzfähigkeit erhalt es künstlich durch schlechte Löhne, durch das Elend seiner Arbeiterklasse während Amerika seinen Export steigert durch ein rationelleres Wirtschaftssystem. Auf diesem Wege verdrängt es Europa immer stärker von den Weltmärkten. Dadurch droht Europa der wirtschaftliche Zu­sammenbruch und die Steigerung der Arbeits­losigkeit. Einen Ersah für die verlorenen über­seeischen Märkte kann die europäische Industrie nur finden in einem großen inneren Markt von 3C0 Millionen Konsumenten, der es der europäischen Industrie erlaubt, das ameri­kanische Wirtschaftssystem nachzuahmen, seine Ar­beiterschaft zu beschäftigen und durch Verbilli­gung aller Waren den allgemeinen Lebensstan­dard zu heben.

Nur Paneuropa kann diese beiden Krankheiten Europas, die politische und die wirtschaftliche, heilen. Die europäische Kriegsgefahr verschwindet in einem Staatenbund, der alle Mitglieder zur Gerichtsbarkeit und zur solidarischen Abwehr

Hochschulnachrichten.

Der Ordinarius der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie und Direktor des pathologischen Instituts an der Universität Halle Dr. Werner Verlach scheidet auf seinen Antrag zum 1. April 1930 aus dem preußi­schen Staatsdienst aus. Professor Dr. Gerlach folgt einem Rufe an die Universität Basel als Nachfolger von R. Rößle.

Gießener Gtadttheater.

Mathews und Nichols:Hochzeitsreise".

Dies ist ein amerikanischer Schwank. Er unter­scheidet sich im Prinzip nicht wesentlich von deut­schen Schwanken. Schwänke sind eine überaus internationale und von eiserner Trab t on ge­tragene Gattung des Spiels auf der Cßugne.

Bemerkenswert ist im vorl egenden Falle der Schauvlatz. Das Stück spielt an Bord eines Ozeandampfers, der für Schwanksituationen ent­schieden geeignete Lokalitäten aufweist.

Auherdem ist erwähnenswert, daß dieseHoch­zeitsreise" von zwei Damen verfaßt wurde, Abele Mathews und Ann Nichols: wenn man berücksichtigt, daß die Damen Amerikanerinnen sind, muh man die Gestaltung des zweiten Altes als ein schönes Dokument liberaler Gesinnung bewerten: es kann mit der viel beschrieenen Prüderie jenseits des grohen Wassers doch nicht so schlimm sein.

Der zweite Akt spielt nachts, oder vielmehr gegen Morgen in der Luxuskabine Nummer 76 an Bord des DampfersLa Fayette". Rechts ist ein Bett und links ist ein Bett. Im rechten Bett liegt eine junge Dame, im linken Bett liegt ein Mann in den besten Jahren.

Im Laufe des Abends stellt es sich unter stürmischer Heiterkeit im Zuschauerraum her­aus, daß die junge Dame und der Herr keines­wegs Mann und Frau, auch nicht auf der Hoch­zeitsreise, ja nicht einmal m: te nander verwandt ober verschwägert sind. Na bitte.

Das ist doch für Amerikanerinnen immer­hin ein Unremehrnen. Der zweite Alt ist der entschiedene Höhepunkt. Man muß sich vorstellen, wie der Mann in entsprechend mangelhaster Be­kleidung ums Morgenrot aus dem 33ctt fährt, Licht macht und sehr allmählich gewahr wird, daß er in die falsche Kabine geraten ist.

Natürlich wird bei der Gelegenheit auch die junge Dame, die komplizierterweise mit einem anderen Passagier verlobt ist, aus dem Schlaf gestört, erscheint in einem interessanten Pyjama, verschwindet entsetzt kreischend unter der Decke man kann sich ja denken, w < Vieser Akt sich weiter entwickelt: es soll den späteren Besuchern hier, Gott behüte, nicht zuviel erzählt und nichts vorweggenommen werden.

3m dritten Akt werden die verschiedenen legi­timen und illegitimen Pärchen sortiert. Und dabei

Oas deutsche Eigentum in England.

Im englischen Oberhause fand dieser Tage eine Auseinandersetzung über das beschlagnahmte deutsche Privateigentum statt, die durch eine Interpellation bes liberalen Lord Buckmaster hervorgerusen wurde. Der Lord bezeichnete mit Recht die Konfiskationsbestimmungen des Ver­sailler Vertrages gegenüber dem Privateigentum als eine glatte Verletzung fest eingebürgerter, internationaler Rechtsgrundsähe und forderte Wiedergutmachung, insoweit die bisheri- gen Liquidationen deutschen Privateigentums einen Ueher sch uh über die aufgerechneten An­sprüche englischer Privatleute ergeben haben. Es handelt sich dabei um 12 bis 15 Millionen Pfund Sterling.

Der Vertreter der Regierung im Oberhause, der vor kurzem zur Erfüllung die,er Aufgabe zum Lord P fiel d gemachte Labour-Abae» ordnete Webb, erllärte, es seien bereits ziernlly erhebliche Beträge, bis 1924 2,9 Millionen, seit­her weitere 2.4 Millionen Pfund an bestimmte Kategorien deutscher Liquidattonsopfer zurück­erstattet worden. Dabei handelt es sich freilich um Personen, die man nur sehr bedingt als Deutsche bezeichnen kann, nämlich um die eng­lischen Gattinnen deutscher Staats- Bürger und um solche Deutsche, die vor dem Kriege 25 oder mehr Jahre in England ge­lebt hatten. Weitere drei Millionen müßten aus den genannten zwölf bis fünfzehn als Re­serve für noch unentschiedene englische Forderun­gen zurückbehalten bleiben.

Immerhin handelt es sich um einen verhältnis­mäßig hohen Betrag: der Antrag des Lord Buck- master ging nun dahin, dieser Betrag solle zur

Ijme incm.terianM hnlen allPeisönlichkeltcn ^eitncm't 160 »tinum «He nidit erloibcrlidi. Sein Haiiiieien. ^genehme.'

Hainitadt. St. Cfienbotb Poliiach >00 __

Sie Reichsbank hat, wie wir am Samstag in einem Teile der Auflage noch melden konn­ten, den Wechseldiskont um Vs Prozent von 7*/s auf 7 Prozent, und den Lombard­zins f ü h von 8Vs auf 6 Prozent ermäßigt.

Oie Begründung.

In der Zentralausschußsitzung der Reichsbaick begründete der Vorsitzende, Reichsbanlpräsident Dr. Schacht, die Diskontsenkung w'e folgt:

Die Beunruhigung, die im Frühjahr im Zu­sammenhang mit dem Verlauf der Pariser Ver­handlungen in Deutschland entstanden und durch das Verhalten gewisser ausländischer Kreise noch verschärft worden war, hatte damals zu einer starken Vermind erung des Gold- und Devisen­bestandes der Reichsbank geführt. Die Bank hatte sich daher veranlaßt gesehen, ttotz verminderter Akttvität der Wirtschaft ihren Diskont- und Lom- bardsah am 25. April um 1 Prozent zu er- höhen und außerdem im Kreditgeschäft starke Ein­schränkungen eintreten zu lassen. 2n der Zwischen­zeit haben sich

die Verhältnisse des Marktes und der Reichs­bank grundlegend geändert.

Es war der Bank möglich, ihren Gold- und Devisenbestand wieder aufzufüllen. Er be­trug am 31. Oktober 1929 2588 Mill. Mk., ge­genüber 991 Mill. Mk. am 30. April 1929 und 2696 Mill. Mk. am 31. Oktober 1928. Die 2n- anspruchnahme der Reichsbank im Kreditgeschäft ist zurückgegangen: der Bestand an Inlandwechseln senkte sich von 2734 Will. Mk. am 30. April auf 2119 Mill. Mark am 31. Oktober d. 2. Sowohl der Umlauf an Roten- und Rentenbankscheinen, als auch der gesamte Zahlungsmittelumlauf be­wegen sich etwa in Vorjahrshöhe. Die Deckung der umlaufenden Reichsbanknoten durch Gold und deckungsfähige Devisen besserte sich von 43 Prozent am 30. April 1929 auf 53,6 Prozent am 31. Oktober 1929.

Vom Standpunkt des Status der Reichsbank bestehen daher keine Vedenken, der nach wie vor schwer kämpfenden Wirtschaft durch eine Sen­kung des Diskontsatzes entgegenzukommen.

Daß dieser Schritt nicht eher getan werden konnte, war in der Hauptsache in den angespannten Ver­hältnissen an den ausländischen Geldmärkten be­gründet. Da sich indessen neuerdings an den mei­sten Auslandgeldplätzen mit Zinssenkungen ver­bundene Erleichterungen durchzusehen beginnen,

i inne*' x s- "(M

auch einen guten Augenblick an der Tür stehen du.'ch den Kontrast berührt und einigermaßen

WH

SSSS

^05»,iu

tartß51

ist jedenfalls von keiner Seite Widerspruch er-

Wan muß diese Vorgänge registrieren, weil sie grundsätzlich bedeutungsvoll sind. Aber man darf dabei nicht vergessen, daß sie nicht aus Humanität oder bloßem Gerechtigkeitsgefühl in Gang gesetzt worden sind, sondern vor allem wegen der verhängnisvollen Bedeutung, die das Präjudiz des Versailler Vertrages f ü r a II c künftigen Völkerkonflikte geschallen hat. England mit seinen über die ganze Erde ver­breiteten Besitzungen und Handelsniederlasfun- gen ist durch eine Zerstörung der früheren Rechtsgrundsähe, die eine Antastung von Privat­eigentum auch im Kriege ausschlosfen, für die Zukunst am stärksten gefährdet. Es hall deshalb ein hohes 2nteresse daran, nicht durch sein eigenes Verhalten Rechtsgrundsätze zu schaf­fen. mit deren Hilfe g:g:benensa.ls seine eige­nen Staatsbürger in jedem Fall inter­nationaler Konflikte aufs schwerste bedroht wer­den könnten. Angesichts dieses Sachverhalts und des früheren Verhaltens der Labour-Parly zur prinzipiellen Seite dieser Frage ist es einiger­maßen verwun. erlich, daß sie nicht die vorlie­gende Gelegenheit benutzt hat, um mindesten» ganz entschieden von den Methoden ihrer Vor­gänger abzurücken.

efenreiferveriüuf.

jrftort Wwkelkop , °n

sss» (*d i AorslanüSrünberg^,

Wtzrv htlt* im.

n btt Klage Le !n zu

Sa**® «» "3 fn interessant^ Mit Ä" und ^!eman?z?^n 1 geführt ( o bat- '7- w

'dne Aachi üS!- icn geführt ff SÄ1'- er lebhaften V Dvr. \Sf*s**

:ober- tUw bom 15. KW

T?4, Acre e Frey,

59 Saftre Vm. Mich, Jrari Rangiermeister l A

- vr Jchre, Stephan. KE. gtb. Hembach, 5tta^22a; 31.: Srvrg

61 Jahre, Dey.

niete verbrannt.

! DKedberg), 3. Hob.

Aschenreste einer vor ^brannten Stroh, übliche Knochen» m Anschein nach haben hlose, die in dem Stroh, leicht auch durch eigene :and verschuldeten, dabei konnten bisher keinerlei 'den, die zur Identishie- ten und ihrer Herkunft

hat das Reichsbankdireltorium sich entschlossen, den Diskont- und Lornbardfatz der Reichsbank um Vs Prozent zu errnayige.i. Bei der Bemessung der Herabsetzung muhte auf die internationalen Geldmarktverhältnis e. die relative Höhe der Sätze des Berliner offenen Marktes und die zum 2ahresschluß zu erwartenden Mehransprüche die gebotene Rücksicht genommen werden.

Oer Wendepunkt?

Sie Reichsbank hat ihren Siskontsah um Vs Prozent ermäßigt. Aus der Begründung, die sie in ihrem (Kommunique der Diskontsenkungs- maßnahme gibt, sind zwei Gesichtspunkte hervor­zuheben, nämlich daß vom Standpunkt des S t a - tus der Reichsbank keine Bedenken bestehen, der schwer kämpfenden Wirtschaft durch eine Verbilligung der Geldsätze entgegenzukom- men, anderseits der Hinweis darauf, daß bei der Bemessung der Herabsetzung auf die internationalen Geldmarktverhältnisse, auf die relative Höhe der deutschen Geldfähe und die Mehransprüche zum Iahresultimo Rücksicht ge­nommen werden mußte. Der bisherige Diskont­satz der Reichsbank von ZVs Prozent bestand seit dem 25. April 1929 und war eine Folge der krisenhasten, vom Auslande hergekommenen Ent­wicklung, die damals während der Pariser Re­parationsverhandlungen über den Poungplan die deutsche Währung in Gefahr zu bringen drohte. Die Diskonterhöhung vom April war also eine reine währungspolitische Maß­nahme, deren nachhaltige Wirkung noch durch die von der Reichsbank ergriffenen Kredit- reftriltionen verstärkt worden war. Sie hat ihren vollen Zweck erreicht: denn das Ver­trauen des Auslandes in die deut­sche Währung, soweit es unberechtigterweise durch politische Einflüsse erschüttert war, ist in­zwischen wiederhergestellt worden. Gerade ange­sichts dieser Tatsache kann man, abgesehen von lediglich wirtschaftlichen Gesichtspunkten, dieDis- kontsenkung der Reichsbank als Einleitung einer grundlegenden Veränderung unserer Kapital- und Geldmarkt­lage, die sich allerdings erst noch ergeben muh, mit erfreulicher Befriedigung entgegennehmen. Daß die Reichsbank diesen Schritt so schnell ge­gangen ist, beweist nicht nur der Erfolg der Zusammenarbeit der internationalen Notenban­ken, die in Der eingetretenen internatio­nalen Diskonts enkungswelle ihren be­redten Ausdruck findet, sondern auch die von dem deutschen Zenttalkreditinstitut anerkannte Not­

Das pvlittsche Vorbild Paneuropas ist die Schweiz das wirtschaftliche Vorbild find die Vereinigten Staaten von Amerika. Denn die Schweiz hat durch ihr Bundessystem und ihre Toleranz bewiesen, daß Europäer verschiedener Zunge friedlich, frei, gleichberechtigt und foli» darifch zusammen leben können. Sie Vereinigten Staaten haben bewiesen, daß ein großer innerer Markt die Voraussetzung bildet für allgemeinen Wohlstand. Ohne das Beispiel der Schweiz könnte Paneuropa als politische Utopie erscheinen ohne das Beispiel der Vereinigten Staaten als wirtschaftliche Utopie.

Für den Völkerbund bedeutet Paneuropa den Weg zum Universalismus.^Nur durch Pan- europa können die Vereinigten Staaten den Weg nach Gens finden. Senn die Schaffung Pan- europas gäbe dem Völkerbund die Möglichkeit, jene Funktionen auf Paneuropa zu übertragen, an denen die Vereinigten Staaten von Amerika Anstoß nehmen, und so deren Beitritt vorzu- bereiten. Senn ist einmal Paneuropa geschaffen, so ist eine Weltorganisation nötiger als je, um einen Rahmen zu schassen für die internationale Zusammenarbeit zwischen Europa und den übri­gen Kontinenten.

Cs ist darum eine glückliche Fügung, daß die Verwirklichung Paneuropas von Genf aus ihren Ausgang nimmt. Sie Rede Briands ist viel­leicht das größte Ereignis, das sich bisher im Völkerbund ereignet hat. Sie eröffnet ein neues Blatt europäischer Geschichte. Das Ziel ist aber so groß, der Weg so schwierig, daß die Regie­rungen dieses Werk nur durchführen können, wenn sie getragen werden durch die öffentliche Meinung ihrer Völker. Diesen Willen der Völker, diesen neuen europäischen Patriotismus zu schaf­fen, bleibt das Ziel und die Aufgabe der Pan- europa-Union. Niemand sieht die ungeheuren Schwierigkeiten, die dem europäischen Zusammen­schluß entgegenstehen, klarer als wir. Aber wir wissen auch, daß es einen anderen Ausweg, eine andere Heilling, eine andere Rettung für Europa nicht gibt. Darum muß der Versuch ge­wagt werden: der Versuch, durch die Rationali­sierung Europas seinen Frieden und seine Wirt­schaft zu sichern.

halte das sogar für sehr wahrscheinlich und natür­lich. aber feine sonstigen Schilderungen von 2hnen, nämlich, daß Sie ein ordentliches, tüch­tiges, einfaches Mädchen wären, scheinen mir, wenn ich Sie so betrachte, den Tatsachen nicht gerade zu entsprechen."

Aber ich ..."

Ordentliche, häusliche Mädchen verwenden we­niger Puder für ihr Gesicht und mehr Stoff für ihre Röcke. Verstehst du, mein Kind? Das ist meine Ansicht. Und darum kann ich dir nur den Rat erteilen: gib meinen 2ungen auf. Du hist, weiß Gott, nicht ein Mädchen, das in einem ruhigen, bürgerlichen Haushalt ihr Glück finden könnte." . r,.

Sie schwieg, gleichzeitig befriedigt und erschöpft.

Die andere schob ihr gelassen einen Stuhl hin. Vielleicht sehen Sie sich," sagte sie ruhig. ,,2ch glaube, sie kommt gerade."

Die Tür öffnete sich. Ein einfach gelleidetes. anmutiges junges Mädchen trat herein.

Die lurzgelockte und -beredte Dame wandte sich ihr zu und sagte freundlich:Liebes Kind, die Dame hier ist die Mutter von Bert. Sie wünscht mit dir zu reden."

Das ;u tge Mädchen errötete über und über.

.,O, wie nett von 2hnen. Aber nehmen Sie doch erst Platz, gnädige grau.

Die sturmerprobte alte Dame setzte sich wortlos. Abgekämpft.

Später sagte das junge Mädchen zu ihrer Mutter:Ich verstehe wirklich nicht, wie Bert behaupten kann, seine Mutter wäre eine so schwer zu behandelnde Dame. Sie ist doch so freundlich. Beinahe verlegen. Kaum daß sie ein Wort ge­sagt hat." .

Und ihrbübisches" Mütterchen verschwieg wohlweislich, daß das Pulver der alten Same bereits verschossen war auf sie.

ikranke

Spezialiaranötal! Hothe^m a.M. - Prospekte durch

htsbarkeit und zur solidarischen Abwehr des Friedensstörers zwingt, der Sonderbünd- I nisse zwecklos und unmöglich macht, die Minder­heiten sichert, die Abrüstung ermöglicht und durchführt. Sie europäische Revolutionsgesahr verschwindet durch eine rationelle Organisation der europäischen Produktion, durch den Abbau der Zwischenzölle und die Schaffung eines euro­päischen Marktes. Gleichzeitig würde diese Um- Wandlung Europas in einen einzigen Wirtschafts­körper den europäischen Frieden vom guten Willen der Regierungen und Völker abhängig machen. Senn bei dem wirtschaftlichen Charakter moderner Kriegssührung wäre ein Krieg zwischen Mitgliedern eines gemeinsamen Wirtschafts­gebietes technisch unmöglich._________________

91 oV"

-,Lel t

Dank

zMÄäch»

werden mit der Verlobung der beiden, im Mittel­akt unfreiwillig zusammen geratenen Kabinen­gäste in allen Ehren die Autorinnen glän­zend gerechtfertigt. Es mutz doch alles mit rechten Singen zugehen. Und die amerikanische Moral, die man zuvor schon bedenklich schwanken sah, ist noch einmal gerettet.

Der erste Akt ist kurz, harmlos und geräusch­voll. Er dient dazu, die erforderliche Verwirrung zu stiften und die Verwechslung der Paare und der Kabinentüren gebührend vorzubereiten. Da­bei kommen die Fahrgäste vor der Abreise mit Gepolter durch den Zuschauerraum das Fallreep hinauf gestolpert. r ,rr _

Heinrich Hub sorgte als Regisseur ßir Be­trieb, Radau und Heiterkeit. Karl Löffler hatte einen stattlichen Ueberseedampser, eine be­wegte See, einen dicken Mond und eine luxuriöse zweischläfrige Kabine dazu gesttftet.

Hub und Ingeborg Scherer ernteten auch im Mittelakt angenehm leicht betleiuet, in ihren Betten schaukelnd, mit allerlei Hallo und Gekreisch und saftigen Witzen die Lorbeeren des Abends. ~ ,

Außerdem machten sich, paarweise. Ilse 3 a h n und Eduard Wesener, Luise Jüngling und Karl Volck, Trude Hetz und Franz Arz­dorf um die Premiere verdient.

Sie Neuerscheinung fand, bei mäßigem Besuch, eine sehr freundliche Aufnahme. Ur. In.

Die Nationalisierung Europas.

Von X N. Graf Goudenhove-Kalergi, Präsidenten der Paneuropa-llnion.

Der Aufsatz des Führers der paneuro- päisck en Bewegung ist im Hinblick auf die lebhafte Diskussion der europäischen tfrage von besonderem Interesse, gleichgültig wie man im einzelnen zu dem Gedanken eines Paneuropas sich einstellen mag.

Europa ist durch den Krieg verarmt und lebt dennoch als Verschwender. Durch die Un­vernunft seiner politischen und wirtschaftlichen Organisation verschwendet es einen sehr großen Teil feiner Kraft, feiner Zeit, feines Geistes und seines Geldes. Sie Rüstungen der europäi­schen Staaten gegeneinander sind reine Ver­schwendung: denn die nationale Sicherheit laht sich besser und billiger durch ein paneuropäisches Kollektivbündnis sichern. Sie europäischen Bin­nenzölle sind Verschwendung: denn sie unter­binden die Produktion, verlleinem die Märkte, vergrößern die Produktionskosten, verteuern die Waren, drücken die Löhne und den Lebens­standard. An der europäischen Rüstungsver­schwendung verdient nur die Rüstungsindustrie. An der europäischen Zollverschwendung verdie­nen nur die Produzenten minderwertiger Wa­ren, die international nicht konkurrenz ahig sind. Sie europäischen Massen bezahlen diese doppelte Verschwendung: dauernd mit ihrem Elend und periodisch mit ihrem Blut.

Gegenüber dieser Verschwendung und Des- vrganisation ist Paneuropa ein politisches und wirtschaftliches Rationalisierungs - Programm. Cs schützt Europa vor den zwei Todesgefahren, denen es entgegengeht: LemKr.eg und der Revolution. Senn die Bildung neuer europäischer Staatengruppen hat begonnen. Wird dieser Weg fortgesetzt, so führt er zwangsläufig zur Spaltung Europas in ein revisionistisches und in ein antirevisionistisches Lager. Der Gegen­satz zwischen dem Block der zufriedenen und dem Block der unzufriedenen Staaten wird tiefer und unüberbrückbarer fein als einst der Gegensatz zwischen Dreibund und Entente. Der Krieg Ware in absehbarer Zeit unvermeidlich.