** Nöte und Sorgen des kaufmännischen Mittel st andes. Lieber dieses Thema sprach am Donnerstagabend im Kaufmännischen Dereinshaus der Verbandssekretär Albrecht vom Edeka-Veröand Berlin-Wilmersdorf vor Mitgliedern des Vereins der Einzelhändler, sowie der hiesigen Edeka-Grohhandelgenossenschaft. Er behandelte zunächst eine Reihe von Steuer- fragen, wobei er die Gewerbesteuer als eine äußerst ungerechte Steuer bezeichnete, auf deren Beseitigung hingewirkt werden müsse. Solange dies nicht zu erreichen sei, erscheine die Heranziehung weiterer Berufskreise zu dieser Steuer, insbesondere der freien Berufe (in Hessen ist dies bereits geschehen), erforderlich. Auch die Umwandlung in eine Berufssteuer, zu der auch Arbeiter und Angestellte heranzuziehen seien, erscheine gerechtfertigt. Sn Anbetracht der trostlosen Lage des gewerblichen Mittelstandes sei weit größere Sparsamkeit in den Verwaltungen notwendig. Höhere Gewerbesteuern seien nicht tragbar, evtl, müsse den Kommunen wieder die Möglichkeit gegeben werden, Zuschläge zur Einkommensteuer zu erheben. Der Redner sprach dann von der außerordentlich hohen steuerlichen Belastung des Hausbesitzes, der am Ende seiner Kraft sei. Er verlangte Lockerung und allmähliche Beseitigung der Zwangswirtschaft. Ferner sei ein Ausgleich der Alt- und Neumieten unbedingt erforderlich. Der Redner besprach dann das Lebensmittelgeseh, das viele Härten aufweise, sowie das Arbeitsschutzgeseh, das sich für die Geschäftswelt sehr verhängnisvoll auswirke und außerordentlich verbesserungsbedürftig sei. Weiter besprach er die Schädigung des gewerblichen Mittelstandes durch Konsumvereine, Wirt'chafts- verbände einzelner Berufsgruppen, Warenhäuser, Einheitsläden, Filialgeschäfte, Konzerne, Hausierhandel usw., um sich dann eingehend mit dem Rabattsparmarkenshstem zu befassen. Sm zweiten Teile seines Vortrags erörterte der Redner die Frage: „Gibt es Wege zur Besserung?" Er ist der Auffassung, daß die Lage des gewerblichen Mittelstandes nur auf dem Wege der Selbsthilfe gebessert werden kann. Zu diesem Zwecke sei die Schaffung von Einkaufsgenossenschaften für alle Branchen notwendig, denen sich die Geschäftsinhaber restlos anschließen müßten. Ebenso sei eine den derzeitigen Verhältnissen Rechnung tragende Umstellung der Geschäfte erforderlich. Er freue sich, daß man in Gießen in dieser Hinsicht das Richtige getroffen habe. Auch die Durchführung entsprechender Reklame, sowie die Kundenwerbung seien von großer Bedeutung. Besonders wichtig sei die Mitarbeit des gewerblichen Mittelstandes in den einzelnen Körperschaften, selbst wenn dadurch finanzielle Opfer gebracht werden müßten. An die interessanten Ausführungen schloß sich eine rege Aussprache an.
•• Aus den Missionsgemeinden in Afrika und Borneo. Der Bortrag, den Missionsinspeltor Huppenbauer dieser Tage in der Stadtkirche hielt, erfreute sich eines recht guten Besuchs, was angesichts der hochinteressan- ten Mitteilungen, die er machte, sehr erfreulich war. Der Posaunenchor des hiesigen Dibelkränz- chens leitete die Veranstaltung durch ein Dor- tragsstück ein. Sodann begrüßte Pfarrassistent Schlaudraff den Vortragenden im Namen der Evangelischen Cemeinde Gießen und insbesondere des Frauenmissionsvereins, der hier für die Gesamtgemeinde besteht. Der Vortragende teilte zur Einleitung mit, daß die ganze Missionsgemeinde von großer Sorge erfüllt sei um
Sparmaßnahmen
der Gießener StadlverwalMng.
An der Spitze unseres heutigen Dlaltrs veröffentlichen wir einen Artik l, der einen Spar- beschluh des D.ut.chen S.ält.taget; mit Bindung für alle ihm angeschlo.s.'nen Städte behände.t. Auf unsere Anfrage bei der Gießener Stadtverwaltung, welche Maßnahmen zur Herbeiführung von Ersparnissen in der Gießener Kommunal- vcrwaltung erfolgt seien, wird uns m tgeteilt, daß der Oberbürgermeister schon vor dem jetzigen Sparbeschluh des Deutschen Slädt t.ig2s von sich aus entsprechende Verfügungen an die städtischen Ressorts erlassen hat.
Strengste Sparsamkeit Pflicht aller Dezernate.
Am 15. 3 ult 1929 erging folgende Verfügung des Oberbürgermeisters an sämtliche Dezernate der Stadtverwaltung:
„Dec jetzt von dem Stadlrat verabschiedete Voranschlag ist in dem Einnahme- und Ausgabeabschnitt derart angespannt, daß nur bei äußer st er Sparsamkeit der dem- nächstige Rechnungsabschluß ohne Fehlbetrag abschließen wird. Die in dem Ausgabeabschnitt vorgesehenen Kredite dürfen unter keinen ll mständen überschritten werden. Die in der vermögensrcchnung vorgesehenen Kredite dürfen ebenfalls nicht über
schritten werden, damit die notwendige Kapitalaufnahme eingeschränkt wird. Ge- ländeankäuse können nur noch innerhalb des hierfür vorgesehenen Kredits erfolgen."
Dazu ist gleichzeitig dem Rechnungsamt Auftrag erteilt worden, die Innehaltung dieser Verfügung strengstens zu überwachen und Ausgabe- anwcisungen. für die kein Kredit vorhanden ist, den Dienststellen mit entsprechendem Vermerk zurückzugeben.
Drosselung der Bauarbeiter,.
Am 21. Oktober 1929 hat der Oberbürgermeister folgende weitere Verfügung an die Dezernenten der Stadtverwaltung gerichtet:
„Die Geldbeschaffung ist zur Zeit derart schwierig, daß alle noch nicht begonnenen Arbeiten, auch wenn sie im Voranschlag 1929 vorgesehen find, unterbleiben müssen. Bei den bereits in Angriff genommenen Reu- Herstellungen und Anterhaltungsarbei't'n ist vorerst nur das dringend Rotwendig- fortzuführen. Falls eine Besserung auf dem Geldmarkt nicht eintritt — und dies wird kaum zu erwarten sein — so ist es äußerst fraglich, ob die begonnenen Reubauten sämtlich fertig- gestellt werden können."
das Geschick von drei Basler Missionaren, die am 17. August von chinesischen Räubern abgefangen würben und seitdem an unbekanntem Ort gesangencehalten toer.en. Die Räuber verlangen ein Lösege.d von 4 000 000 Mk. Abgesehen davon. daß es der Mission ganz unmöglich ist, eine solche Summe zu bezahlen, wollen auch die Gefangenen selber nicht, daß das geschehe, da in diesem Falle das Leben und die .reiheit aller in China lebenden Missionsleute allzu sehr bedroht werde, well ihre Gefangennahme für die Räuber ein allzu einträgliches Geschäft sein würde. Sodann ging der Redner auf sein eigentliches Thema über und schilderte die Verhältnisse in den heutigen Christengemeinden in Afrika und Borneo. Besonders wertvoll war an seinen Ausführungen, daß er nicht nur die Licht-, sondern auch die Schattenseiten in den Misfions- gemeinden zeigte und so ein durchaus wahrheitsgetreues Bild der heutigen Verhältnisse dort entwarf. Pfarrer Mahr Han'eite im Sinn aller Anwesenden, als er dem Vortragenden in herzlichen Worten deren Dank aussprach und mit eindringlichen Worten darauf hinwies, daß die Missionsgemein' e der angestammten Basler Mission unbedingt die Treue halten müsse, daß sie die Missionsarbeit betreiben müsse nicht als cin$ Liebhaberei, sondern, weil sie sich den Gemeinden da draußen auf dem Missionsfeld gegenüber verantwortlich wisse. Der Posaunenchor des Bibelkränzchens, der auch die Gesänge begleitete, beschloß die eindrucksvolle Feier unter Leitung von Pfarrer Lenz mit einem Musikstück.
Deutsche Volkspartei. Man berichtet uns: Die Oktober-Zusammenkunft der Frauengruppe der D. V. P. sah eine stattliche Zahl von Besuchern. Zuerst fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Frau Landgerichtsdirektor
Schudt bat, den ersten Vorsitz niederlegen zu dürfen und schlug an ihrer Stelle Fräulein Clara Birnbaum vor, die einstimmig gewählt wurde, ebenso Frau Schudt als zweite Vorsitzende. Rach Erledigung einiger anderer Fragen ergriff Frau Abg. Birnbaum das Wort zu ihrem Vortrag über „Politische Tagesfragen". Ohne sich in Einzelheiten zu verlieren, gab sie ein klares Bild der Ergebnisse der Haager Konferenz, beleuchtete die politischen Erfolge, so vor allem die Rheinlandräumung, die dem jahrhundertealten und noch immer lebendigen Streben Frankreichs nach Besitz des Rheins (sie führte zum Beweis einen Artikel des „Echo de Paris" vom 3. September 1929 an) ein Ende seht, die Beseitigung der so drückend empfundenen Kontrollorgane mit ihren verhängnisvollen Begleiterscheinungen, und damit die Wiedergewinnung der Souveränität Deutschlands. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind, trotzdem auch hier manche erheblichen Vorteile gegenüber dem Dawesplan den Gegnern abgerungen wurden, noch immer fast unerträglich, wie es von der deutschen Delegation stets betont worden ist, doch stellt der Voungplan nur eine weitere Etappe auf dem Weg zur endgültigen Befreiung dar und muh eines Tages revidiert werden, denn auch früher sind großen Kriegen mehrere Verträge gefolgt. Auch enthält der Boungplan einen Transfer- und Zahlungsaufschub und die Möglichkeit einer Revision. Nur ein festgeschlossenes und von ftartem. vaterländischem Willen erfülltes Volk könne allmählich die Fesseln des Versailler Diktates lösen. Es sei tief bedauerlich, daß das Volksbegehren nach Form und Inhalt durchaus ungeeignet, günstigere Bedingungen zu erringen, im Gegenteil die Zerrissenheit vermehre und bei den in Abwehr befindlichen Stellen zu äußerst bedenklichen Schritten
geführt habe. Richt nur bei den Schlußverhandlungen über den QJoungpIan sei eine verantwortungsbereite nationale Opposition vielleicht imstande gewesen, durch positive Vorschläge die schwierigen Verhandlungen der Delegierten zu stützen, sondern auch bei den kommenden, schweren innerpolitischen Auseinandersetzungen sei eine Geschlossenheit des Bürgertums notwendig, bei den Reformen auf dem Gebiet der Verwaltung und in den finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen. Rach einer kurzen Erläuterung der schwierigen Materie „Volksbegehren und Volksentscheid" schloß die Rednerin ihren interessanten und fesselnden Vortrag, in dem sie den Anwesenden noch einmal das Wirken Stresemanns in warmen Worten vor Augen geführt, seine Realpolitik, die von der alles durchdringenden Sdee geleitet war, „Befreiung des Rheinlandes und Wiedergewinnung der Stellung, die Deutschland unter den Völkern gebührt" — ein Kampfs den der große Staatsmann ohne Macht übermächtigen Gegnern gegenüber geführt hat. Rach Worten des Dankes und einer lebhaften Aussprache schloß Frau Schudt die Versammlung.
*• Aus dem GießenerStandesamts- r e g i st e r. Es verstarben in der Zeit vom 15. bis 31. Oktober: 16. Oktober: Wilhe'm Daniel, Kaufmann, 34 Sahre, Marktstraße 2. Karl Baldauf, Bahnwärter i. R., 63 Sahre, Sonnenstr. 9; 18.: Philippine Weiß, geb. Doelcker, 45 Sahre, Leihgesterner Weg 140; 22.: Paul Oskar Arthur Schuster, Kaufmann. 63 Sahre, Glaubrechtstr. 14, Toni Sohann Walldorf, 1 Woche, An der Kläranlage 61; 26.: Paul Zugehör. Lokomotivführer i. R., 62 Sahre, Ebelstraße 34, Therese Frey, geb. Däumel, Witwe, 68 Sahre, Hessenstraße 2; 28.: Ferdinand Sauer, Schreiner, 59 Sahre. Bahnhofstraße 30; 30.: Sohann Albrecht Karl Wilhelm Heinrich Rau, Rangiermeister i. R.. 76 Sahre, Hillebrandstraße 8, Louis Dierau. Werkstattenvorsteher i. R.. 68 Sahre, Stephan- straße 45, Karoline Reinschmidt, geb. Haubach, Witwe, 82 Sahre, Klinikstraße 22a; 31.: Georg Reinstein, Maschinenmeister, 61 Sahre, Weh- steinstrahe 40.
3tt der Sirohmiete verbrannt.
WSD. Petterweil (Kr. Friedberg), 3. Rov. Beim Wegräumen der Aschenreste einer vor einigen Wochen hier verbrannten Strohmiete wurden menschliche Knochen- re st e gefunden. Allem Anschein nach haben bei dem Brande Obdachlose, die in dem Strohhaufen nächtigten, vielleicht auch durch eigene Unvorsichtigkeit den Brand verschuldeten, dabei den Tod gefunden. Es konnten bisher keinerlei Merkmale festgestellt werden, die zur Sdentifizie- rung der Zahl der Toten und ihrer Herkunft führen könnten.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
• Das Amtsverkündigungsblatt R r. 8 0 vom l.Rovember enthält: Straßen- sperre-Aufhebung. — Außerkurssetzung von Münzen. — Reichssteuerüberweifungen.
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Die trauernden Hinterbliebenen:
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Gießen (Schützenstrabe 62). den 4. November 1929.
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Die trauernden Hinterbliebenen: Elisabethe Fritz geb. Opper Wilhelm Fritz Lina Fritz.
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Wir teilen hierdurch Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht mit, daß am Samstagmoigen 9Uhr meine liebe, herzensgute Frau, Mutter, Tochter, unsere Schwägerin und Kusine
Sonntag abend 9 Uhr unerwartet in die Ewigkeit abzurufen.
In tiefer Trauer:
im Alter von 49 Jahren von einem langen, mit großer Geduld ertragenem Leiden durch den Tod erlöst worden ist.
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