lichkeit ein — lächelnder junger Mann im Sport- kvstüm, der sich als Student Allan Wewer vorstellte und erklärte, er habe mit seiner Maskerade lediglich den Beweis dafür erbringen wollen, dast auch die amerikanischen Junggesellen, gleich welcher Altersklasse, in der Kochkunst den verehrten Damen nicht nach stünden. Den Preis stelle er selbstverständlich wieder zur Verfügung. Die anfangs sehr verschnupften Damen, von denen einige sogar etwas wie.„'Be- trugsanzeige" verlauten liehen, wurden jedoch durch das liebenswürdige, ehrerbietige Benehmen des jungen Mannes völlig entwaffnet und er durfte den ersten Preis behalten. So ist Trinidad in Colorado zu einer Kochkönigin gekommen, die gar keine ist.
Das Reiterstandbild des Marschalls Haig.
(H London.
Um das Reiterstandbild des englischen Marschalls Haig ist ein heftiger Streit entstanden.
Bedeutende Kritiker haben nämlich festgestellt, datz der Bildhauer die Statue des Generals in gänzlich falscher Weise auf das Pferd gesetzt habe, in einer Weise, die nicht nur eines Heerführers, sondern auch jedes einigermaßen bewanderten Pferdeknechtes unwürdig wäre. Die Witwe des Marschalls Haig, die seit dem Tode ihres Gatten in völliger Zurückgezogenheit lebt, ist jetzt an die Öffentlichkeit herangetreten und kämpft mit den Kritikern in erster Reihe. Sie war es auch, die einen regelrechten Protest dagegen erhob, daß das Andenken an ihren Gemahl in dieser Weise, nämlich durch ein fehlerhaftes Reiterstandbild, getrübt werde. Aber wie es scheint, wird der Streit bald zu aller Zufriedenheit geschlichtet werden, indem, wie man hört, Lady Haig sich demnächst mit einigen Sachverständigen und dem betreffenden Bildhauer an den Verhandlungstisch setzen wird, um eine Qlen- derung des Reiterstandbildes zu ermöglichen und herbeizuführen.
Tumen, Sport und Spiel.
V.f.B. Leichtathletik.
Die Vereins - Meisterschafts-Wett- k ä m p s e der Leichtathletik-Abteilung nahmen trotz des umfangreichen Programms, dank dem guten Wetter und der vorzüglichen Organisation, einen glänzenden Verlauf. Die Beteiligung war sehr gut; die 54 ausgeschriebenen Konkurrenzen wurden von mehr als 60 Teilnehmern bzw. Teilnehmerinnen bestritten. Durchweg standen die Wettkämpfe auf beachtlicher Höhe und ergaben trotz der noch etwas weichen Bahn eine Reihe sehr guter Ergebnisse. Die beste Gesamtleistung in der Konkurrenz der Aktiven erzielte T r e s e r; von den Jugendlichen sind der frühere Eintrachtler Seipp sowie Steuerwald, der die 300 Meter in der glänzenden Zeit von 41,8 Sekunden lief, zu nennen. 3n der Jugendklasse E warf der 10jährige Baum die Kugel 6,20 Meter. Daß die fünf Zugendklassen A bisE so zahlreich vertreten waren, ist ein Beweis dafür, daß der V. f. B. um die Zukunft seiner Leichtathletik-Abteilung nicht zu bangen braucht. Besonderes Lob verdienen auch die Abteilungsleiter und die Kampfrichter, die sich um die glatte Abwicklung der Kämpfe sehr verdient machten. Nachstehend die Ergebnisse:
Aktive:
100 Meter: 1. QI. Schmidt, 11,8 Sek.; 2. Max Fischer, 18,8 Sek. (Handbreit zurück); 3. H. Treser, 12 Sek. — 200 Meter: 1. M. Fischer, 25,8 Sek.; 2. H. Treser, 26 Sek.; 3. QI. Schmidt, 26,2 Sek. — 400 Meter: 1. H. Treser, 57,5 Sek.; 2. W. Guhot 58,6 Sek.; 3. H. Mosbach, 59,1 Sek. — 1 500 Meter: 1. G. Müller, 4:56 Min.; 2. W. Heust, 5:03 Min.; 3. H. Treser, 5:28 Min. — Hochsprung: 1. H. Mosbach, 1,50 Meter; 2. Spa ar 1,50 Meter (durch Stechen entschieden). — Weitsprung: 1. Max Fischer, 5,15 Meter; 2. QL Schmidt, 5,12 Meter; 3. H. Spaar, 4,87 Meter. — Kugel: 1. W. Mohl, 12,71 Meter; 2. A. Spaar, 8,90 Meter; 3. H. Treser, 8,61 Meter. — D i s k u s : 1. W. Mohl, 34,09 Meter; 2. H. Mosbach, 23,48 Meter; 3. W. Guyot 21,70 Meter. — Speer: 1. Spaar, 42,50 Meter; 2. Guyot, 34,50 Meter; 3. Siebels 31,85 Meter. — Dreikampf: 1. A. Schmidt, 98 Punkte; 2. M. Fischer, 91 P.; 3. H. Treser, 78 Punkte. — Zehnkampf : 1. H. Treser, 250 Punkte; 2. M. Fischer, 223 P.; 3. W. Siebels, 211 P.
A-Zu gend, Jahrgang 1911/12:
100 Meter: 1. E. Seipp, 12,4 Sek.; 2. E. Wetterhan, 12,7 Sek.; 3. Matehky, 13 Sek. — 200 Meter: 1. Seipp, 25,8 Sek.; 2. von Rotenhan, 26,4 Sek.; 3. E. Wetterhan, 26,5 Sek.
— 1500 Meter: 1. H. Rübsamen, 5:42 Min.; 2. von Rotenhan 5:35,6 Min.; 3. E. Wetterhan, 5:36,2 Min. — Hochsprung: 1. v. Rotenhan 1,49 Meter; 2. Seipp 1,37 Meter. — Weitsprung: 1. v. Rotenhan, 4,94 Meter; 2. K. Matetzkh, 4,91 Meter; 3. Seipp, 4,74 Meter. — Kugel : 1. E. Seipp, 10,83 Meter; 2. v. 'Rotenhan, 10,27 Meter; 3. Rübsamen 9 Meter. — Speer : 1. O. Luh, 32,08 Meter; 2. H. Schäfer. — Dreikampf: 1. Seipp, 112 Punkte.
8-Zugend, Jahrgang 13/14:
100 Meter: 1. W. Kirchheimer, 12,1 Sek.; 2. H. G. Steuerwald, 12,4 Sek.; 3. W. Häll- maher 27,4 Sekunden. — 2 0 0 Meter: 1. H. G. Steuerwald, 25,8 Sekunden; 2. W. Kirschheimer, 26,2 Sekunden; 3. W. Häll- mayer 27,4 Sek. — 3 00 Meter: 1. H. G. Steuerwald, 41,7 Sek.; 2. W. Hällmaher 43,8 Sek.; 3. Wilh. Paulus 43,8 Sek. — Weit- s prung : 1. H. G. Steuerwald, 5,09 Meter; 2. W. Hällmaher, 4,72 Meter; 3. Otto Luh, 4,38 Meter. — Kugel: 1. O. Luh, 10,42 Meter; 2. H. G. Steuerwald, 8,86 Meter; 3. E. Schweitzer, 7,38 Meter. — Diskus: 1. O. Luh, 34 Meter; 2. H. G. Steuerwald, 22,50 Meter; 3. W. Kirchheimer, 22,38 Meter. — Speer: 1. O. Luh, 34,63 Meter; 2. W. Kirchheimer 28,01 Meter; 3. E. Schweitzer 25,55 Meter. — Dreikampf: 1. H. G. Steuerwald 80 Punkte; 2. Hällmaher, 73 Punkte; 3. Wilhelm Paulus, 53 Punkte.
S-Jugend, Jahrgang 15/16:
50 Meter: 1. Wallbott 7,3 Sek.; 2. K. Simon, 7,4 Sek.; 3. Walter Paulus, 7,6 Sek. — 100 Meter: 1. Kurt Simon, 13,6 Sek.; 2. Wallbott, 13,8 Sek.; 3. Walter Paulus 13,9 Sekunden. — 2 00 Meter: 1. Kurt Simon, 29,4 Sek.; 2. Wallbott 30,6 Sek.; 3. Walter Paulus 31,6 Sek. — Weitsprung: 1. K. Simon, 3,59 Meter. — Kugel: 1. K. Simon, 7,16 Meter. — Diskus: 1. K. Simon, 16,94 Meter; 2. Wallbott 16,40 Meter; 3. Walter Paulus, 15,60 Meter.
O-Jugend, Jahrgang 1917:
50 Meter: 1. E. Wehl, 7,6 Sek.; 2. I. Steuerwald, 8 Sek.; 3. Fr. Dunkel, 8.3 Sek. — 100 Meter: 1. E. Wehl, 14,8 Sek.; 2. I. Steuerwald, 15,1 Sek.; 3. Fr. Dunkel, 18,5 Sek. — Hochsprung: 1. I. Steuerwald und E. Wehl, 1,24 Meter; 2. Karl Schäfer, 1,12 Meter. — Weitsprung a. d. Stand: 1. E. Wehl, 2,11 Meter- 2. I. Steuerwald, 2,01 Meter; 3. Fr. Dunkel 1,54 Meter. — Kugel: 1. I. Steuerwald, 7,22 Meter; 2. Karl Schäfer, 6,54 Meter; 3. E. Wehl, 6,12 Meter. — Speer: 1. E. Wehl, 22,90 Meter; 2. K. Schäfer, 19,85
Dämonen der Zeit.
Vornan von Arthur Brausewetter.
21. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie hielt inne und fuhr erst nach einer längeren Pause fort:
„Er habe es längst gemerkt. Qlber das habe nun ein Ende. Er würde unsere Beziehungen zu Danzig lösen und in eine Stadt des Westens mit mir ziehen."
„Und Sie meinen, das würde er wirklich tun?" „Er hat es bereits getan. Er hat einen Brief an den Besitzer des „Danziger Hofes" geschrieben, in dem er ihm mitteilt, daß wir nicht mehr bei ihm spielen werden, sondern einen anderen Vertrag abgeschlossen hätten."
„Und Sie?" fragte ich in aufsteigender Erregung.
„Ich?... Run, ich gehe mit ihm."
„Rach allem, was vorgefallen ist? Rach dem Ereignis dieses Abends?“
Sie nahm einen Korb mit Früchten vom Teppich und begann von ihm mit einem gewissen Heißhunger zu essen.
„Ob er gut zu mir ist oder böse, ob er mich liebkost oder mißhandelt," sagte sie, eine volle dunkelblaue Traube zwischen den Lippen zerdrückend, „ich kann ohne ihn nicht spielen und nicht leben. Ein Dasein ohne ihn wäre mir etwas Undenkbares. Ich glaube, wenn er nicht mehr wäre, dann wäre auch ich nicht mehr."
„So lieben Sie ihn?"
Sie zuckte die runden Achseln. „Cs muß wohl so sein," erwiderte sie.
Und dann mit aufsteigender Furcht: „Jetzt müssen Sie aber gehen. Es ist bereits zwei Uhr, zu dieser Stunde pflegt er nach Hause zu kommen. Und wenn er Sie hier fände — es würde ein Unglück geben."
Ich hatte mich erhoben, reichte ihr die Hand — da schlang sie wie ein angsterfülltes Kind beide Arme um meinen Hals, klammerte sich fest an mich. Ich fühlte den heißen Atem ihres Mundes, fühlte ihre Lippen die meinen suchen, auf ihnen brennen ...
Dann war alles dunkel um mich her, und ich stand auf dem Treppenflür, auf dem man die letzten Lichter ausgelöscht hatte.
*
Qtun ist es doch gekommen, was ich ihr aus uneigennützigem Herzen gewünscht habe... die kleine Fink hat sich verlobt! Feierlich und in aller Form, wie es die vor mir liegende Karte besagt, der sie ein paar herzliche persönliche Worte hinzugesügt hat. Pintscher ist der Glückliche, wie es nicht anders zu erwarten war. Er hat sich dies Glück ja auch lange und sauer genug erwerben müssen. Run gehen sie beide in den sicheren Hafen ein, während mein Schiff
weiter unstet und von jeder Welle hin und her geworfen durch das wunderliche Leben tanzt, um, wer weiß wo, einmal zu stranden.
Vielleicht hätte mich die Rachricht einige Zeit früher nicht so unberührt gelassen; denn ich verliere viel mit der kleinen Fink. Kein weibliches Wesen hat es so treu und selbstlos mit mir gemeint wie sie. Ich habe ihr die Geschichte mit der Tartini erzählt... von Anfang bis zu Ende. Wie ich ihr alles erzähle, alles mit ihr bespreche.
Alles... nur das eine nicht. Darüber kann ich eben mit niemand sprechen... ich muh es mit mir allein abmachen. Ueber meine Lippen kommt Ediths Rame nicht. Sie ist für mich gestorben, wie ich für sie. Richt ein einzigesmal hat sie mir geschrieben, nie habe ich von ihr gehört. Faßbender sehe ich ab und zu. Er fährt mit der Sentimentalen vom Stadttheater spazieren, aß auch einmal mit ihr im Wintergarten, als ich dort noch Geiger war. Ich wundere mich oft, wie völlig kalt und gleichgültig mich das alles läßt. Das Leben wird immer selbstverständlicher, je länger man es lebt.
*
Gestern war ich nach langer Zeit einmal wieder im „Ratskeller". Der kleine Zehden hatte mich gebeten, an einem Regimentsabend teilzunehmen.
Es war dasselbe getäfelte Zimmer mit den von alten Sprüchen und Bildern geschmückten Wänden, in das mich der Oberkellner, die von elektrischen Glühlampen matt erleuchteten Bogengänge entlang, führte. Auf dem geschnitzten dreieckigen Sessel in der Mitte des starken Eichen- tisches hatte damals an der Seite seines „Qld- jutanten“, in der Schar seiner Offiziere der alte Oberst gethront. Jetzt war sein Stuhl leer. ..
Seit langem verklungene Erinnerungen tauchten auf. Tote wurden lebendig. Der Geist des Qllten schritt durch den hochgewölbten, mystisch erleuchteten Raum. Ediths blasses Antlitz winkte hinüber, der Adjutant, der nie aus Schlesien zurückgekehrt war, grüßte aus Walhall. Dann zerflossen die Gestalten. Der tolle Kemp und der kleine Zehden erschienen und trugen den Hauch der Platten Wirklichkeit in die Welt der Qlbgeschiedenen, andere geteilten sich zu. Keiner redete mehr von dem QITten, jeder nur von Geschäften.
Endlich kam zu meiner Erlösung Oerhen. Es ist eine Freude, ihn mit seiner Hünengestalt, seinem wettergebräunten Gesicht und seinen frohen, freien Augen unter diesen städtisch entarteten Menschen zu sehen. Qlls trüge er den Duft und die Kraft des Landes in eine verzärtelte, von der Ratur entfernte Welt hinein. Er ist ganz und gar Landmann, verwachsen mit seinem Dooen mit jeder Faser seines Seins und hat doch den offenen Sinn für das Große und Schöne.
Er kam aus einer Theateraufführung, in der ein berühmter ‘Berliner Schauspieler gastiert
E-Jugend, Jahrgang 1918 und jünger:
5 0 Meter: 1. Heinz Fischer, 8,3 Sek.; 2. G. Daum, 8,5 Sek.; 3. G. "Wedel, 8,7 Sek. — 7 5 Meter: 1. G. Baum, 12 Sek.; 2. Heinz Fischer, 12,1 Sek.; 3. G. Wedel, 12,2 Sek. — Weitsprung a. d. Stand: 1. H. Fischer, 1,74 Meter; 2. G. Wedel und G. Baum, 1,69 Meter; 3. Qllb. Müller, 1,54 Meter. — Kugel: 1. G. Daum, 6,20 Meter; 2. G. Wedel 5,25 Meter; 3. H. Fischer, 4,48 Meter.
Frauen über 18 Jahre:
50 Meter: 1. Frl. Möckh, 8,4 Sek.; 2. Dina Roll, 9,1 Sek. — 100 Meter: 1. Gustel Luh, 15,8 Sek.; 2. Frl. Schwarz, 16 Sek.; 3. Frl. Möcky (Handbreite zurück). — 8 00 Meter: 1. M. Daum, 3:7,7 Quin.; 2. Frl. Schwarz, 3:8,1 Minuten. — H ochsprung: 1. Gustel Luh, 1,25 Meter; 2. Friedel Fischer, 1,13 Meter. — Diskus: 1. Gustel Luh, 17,15 Meter; 2. Gretel Stommel, 15,15 Meter. — Kugel: 1. Gustel Luh, 7,95 Meter; 2. Gretel Stommel, 7,21 Meter; 3. E. Möcky, 7,18 Meter. — Speer: 1.Gustel Luh, 19,35 Meter; 2. Gretel Stommel, 17,82 Meter.
Frauen b i s 18Jahre:
50 Meter: 1. Friedel Fischer, 7,8 Sek.; 2. M. Daum, 8,1 Sek.; 3. Frieda Müller, 8,3 Sekunden. — 75 Meter: 1. Friedel Fischer, 11,6 Sek.; 2. M. Daum, 12,1 Sek.; 3. Dina Roll 12,4 Sek. — Weitsprung: 1. Friedel Fischer, 3,57 Meter; 2. M. Daum, 3,25 Meter; Dina Roll, 2,19 Meter. — Kugel: 1. Friedel Fischer, 7,19 Meter; 2. M. Daum, 5,89 Meter; 3. Dina Roll, 5,30 Meter.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Liga—Frankfurt a. M.-Heddernheim ßiga 4:4. Liga res erve—Großen-Duseck 1. 2:5.
3. Mannschaft—D.f.D. Kurhessen-Marburg 3. 3:0. OUte Herren—Wehlar-Riedergirmes Alte Herren
Wetzlar-Riedergirmes nicht angetreten.
1. Jugend—Wetzlarer Sportverein 1. Jugend 3:1.
3. Jugend—Germania Marburg 3. Jugend 3:1.
4. Jugend—Germania Marburg 4. Jugend 7:1.
2. Schüler—Steinberg 1. Schüler 0:0.
ö. Das Hauptinteresse konzentrierte sich naturgemäß auf das Ligaspiel, evtl, auch auf das Spiel der „Alten Herren", das ja leider durch Ausbleiben des verpflichteten Gegners ausfiel. Der Besuch war wohl infolge mehrerer anderer Sportveranstaltungen nur mittelmäßig. Das Ligaspiel fiel nach anfänglich guten Leistungen ab Mitte der zweiten Spielhälfte der Gluthitze zum Opfer. 1900 begann vielversprechend, obwohl es nicht in der vorgesehenen Aufstellung antreten konnte und zudem auch noch den rechten Verteidiger Hohmann ersetzen muhte. Schon bald nach Beginn führten die Einheimischen mit 3:0 Treffern, obwohl das Feldspiel verteilt war. Ein viertes Tor wurde nicht gegeben. Halbrechts und Rechtsaußen teilten sich, in Ausnutzung der gebotenen Chancen, in die Erfolge. Alle entsprangen aus vorausgegangener wirklich schöner lÄnzelleistung. Roch vor dem Wechsel kam Heddernheim zu einem Gegentreffer, durch Unentschlossenheit in der Gießener Hintermannschaft. Rach der Pause bekamen die Süddeutschen vom Schiedsrichter, der bedenklich in seinen Leistungen nachließ, einen weiteren Torerfolg zugefpro^n, obwohl nach übereinstimmenden Aussagen der Ball aus einem Strafstoß die Torlinie nicht überschritten haben soll. Der Gießener Mittelstürmer erhöht blitzschnell auf 4:2, jedoch auch Heddernheim kommt nach schönem Durchspiel äu einem dritten Tor. Den Ausgleich erringen die Gäste durch Verwandlung eines Elfmeters, über dessen Berechtigung ebenfalls sehr gestritten wurde. Daß sich SpiÄer- zur Beleidigung des Spielleiters hin- reißen liehen, ist allerdings streng zu verurteilen. Der Leidtragende war 1900. Aus dem fast siche-, ren Sieg ward nur ein Unentschieden, und außerdem wurde es auch zahlenmäßig geschwächt. Gießens Mittelstürmer hatte es in der Hand, trotz-
hatte, und war noch ganz begeistert von der Meisterschaft dieser Darstellung.
„Sehen Sie," sagte er, „etwas Schöneres gibt es für mich gar nicht, als wochenlang Tag für Tag auf meiner kleinen Klitsche mich abzurackern — und dann einen Abend wie diesen! Ich glaube, so wie unsereiner kann das kein anderer in sich aufnehmen — natürlich Sie auch, das weih ich, Sie hatten ja immer Freude an der Kunst, waren einer der wenigen unter uns. Unb wer die einmal besessen, behält sie, in welcher Lage oder Stellung er sich auch befinden mag.“
Wir hatten Wein bestellt und uns am Tische niedergelassen. Die anderen saßen auf der schmalen Wandbank ober ftanben in einer Ecke und sprachen von Aktien unb Kursen.
„Unb doch verstehe ich Sie nicht," fuhr Oerhen fort, „nein, ich verstehe nicht, wie Sie sich in diesem stäbtischen Wanberleben, biefen, verzeihen Sie mir, für einen Mann wie Sie untergeorb- neten Stellungen in Konzertsälen unb Sweatern wohlfühlen können, wo Sie Ihr eigentlicher Beruf doch aufs Land weist. Qlls Sie damals den bunten Rock ausziehen muhten, ba bachten Sie genau wie ich; es gibt guf ber Welt nur zwei Berufe für einen Mann: Solbat ober Lanbmann. Eie waren außer sich, als Sie Ihren Gedanken an das Land aufgeben und das Geschäft Ihres Herrn Vaters übernehmen muhten. Unb jetzt, wo Ihnen jede Wahl freisteht, führen Sie hier in der Stadt ein unstetes Hungerleben, anstatt zu uns in die Freiheit und Frische zu kommen."
Er hatte nicht unrecht mit dem, was er sagte. Ich fühle es ganz gut. Qlber in mir ist immer noch der unstillbare Trieb, alle Lebensmöglichkeiten auszukosten, für die Ruhe des Landes bin ich noch nicht reif.
Und auch das schien er zu verstehen, ohne dah ich es ausgesprochen hatte. „Sie sind ein wunderbarer Heiliger, lieber Körber. Es findet bei Ihnen, wenn ich es so nennen darf, ein unausgesetztes Spiel der Kräfte statt. Wie heiht es doch 'im Faust? Ich glaube, es ist im Prolog:
Ihn treibt die Gärung in die Ferne, Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt; Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne Und von der Erde jede höchste 2uft, Und alle Räh' und alle Ferne
Q3efriebigt nicht die tiefbewegte Brust.
Ja, so einer sind Sie...da ist nichts zu wollen .... so eine kleine Kreuzung von Faust unb Don Juan."
„Eine Art von Halbseele, wollen Sie sagen. Qlber schließlich sind wir alle ja nur halbe Menschen, unb ich finde, das Leben ist auch zu kurz, um immer dasselbe zu sein unb zu tun. Rur in der steten Abwechslung liegt sein Reiz für mich."
„Unb ich möchte nie etwas an bered sein ober werben, als was ich heute bin. Unb ich finbe, dah der Boden, den man bebaut, die Ratur, m der man vom frühen Morgen bis zum späten
alledem den Sieg für 1900 sicherzustellen. 6c lieh aber wohl die beste Chance des Spieles fast mit dem Schlußpfiff unausgenutzt, ba er bey Ball freistehenb bem gegnerischen Torwart aus fünf Meter Entfernung in die Hände trat.
Das noch in letzter Stunde abgeschlossene Spiel der Liga-Reserve gegen Großen-Dusecks erste Elf wurde, statt wie vorgesehen nach bem Ligaspiel, auf Wunsch ber Gäste schon auf ben frühen Rachmittag verlegt. Dadurch war 1900 nicht komplett und verlor auch demgemäß.
Die 3. Mannschaft errang auch im Rückspiel gegen die 3. Elf von V.f.B. 05-Kurhessen-Mar- burg einen eindrucksvollen 3:0°Sieg, und stellte damit erneut ihre derzeitig gute. Form unter Beweis.
Das Schiedsrichterbelehrungsrückspiel für jugendliche Schiedsrichteranwärter in 'Wetzlar: 1900 1. Jugend gegen Wetzlarer Sportverein 1. Jugend endete 3:1 für Gießen.
3. und 4. Jugend weilten in Marburg bei den gleichen Mannschaften des Rasensportvereins Germania 08. 1900s dritte Mannschaft siegte 3:1, die vierte sogar 7:1.
Arbeiter-Tum- und Sportbund.
Gießen I — Bockenheim I 0:2.
Auf dem Trieb ftanben sich beide Gegner am ver^ gangenen Sonntag im Serienspiel gegenüber. Trotz glühender Hitze zeigten beide Mannschaften ein spannendes Spiel, das die Gäste nur mit viel Glück für sich entscheiden konnten. Vom Anstoß ab zieht Bockenheim mächtig los, doch scheitern alle Angriffe an der guten Abwehr der Einheimischen. Bei diesen will es in der Fünferreihe nicht klappen und manch schöner Anfang scheiterte an der Willenlosigkeit dieses Mannschaftsteiles Erft kurz vor Halbzeit gelang es bann dem Gästesturm durch Strafstoß in Führung zu gehen. Nach dem Wechsel scheint Gießen aufzuwachen, der Ausgleich wurde aber immer im entscheidenden Moment ausgelassen. Da verließ ber Mittelläufer der Einheimischen das Spielfeld, so seiner Mannschaft alle Aussicht raubend. Wohl erzielte Gießen ein Tor, doch wurde dieses vom Unparteiischen wegen Abseits nicht gegeben. Dann erzielte Bockenheim durch seinen Mittelstürmer sein zweites Tor, womit es das Spiel für sich entschied.
Gießen 1 b — Raunheim 1 1:7.
Nach Anstoß entwickelte sich ein flottes Spiel Gießen, das seinen Gegner nicht unterschätzt, spielt heute mit großer Entschlossenheit. So gelingt es ihm, bald in Führung zu gehen, was allerdings auch der einzige Erfolg bleibt. Naunheim, das sich bis jetzt nicht recht zusammengefunden hatte, leitet gefährliche Angriffe ein und bald hat der Mittelstürmer unhaltbar den Ausgleich geschafft. Naunheim liegt nun dauernd im Angriff und erzielt bis Halbzeit noch zwei weitere Tore, so das Resultat auf 3:1 stellend. Auch nach dem Wechsel liegt Naunheim weiter in Front und erzielt in kurzen Abständen noch drei Tore. Schiedsrichter abermals einen Spieler der Einheimischen vom Felde verweist, wird das Spiel immer schärfer. Naunheim erzielte wohl sein siebentes Tor, doch muß der Unparteiische, nachdem er abermals zwei Spieler Gießens vom Felde verwiesen hatte, das Spiel wegen Spielunfähigkeit ber Platzelf abpfeifen.
Dieseck I — Wetzlar I 6*1.
In den späten Rachmittagsstunben standen sich auf dem Wiesecker Platze beide Gegner im Serienspiel gegenüber. Der Anstoß brachte ein flottes Spiel, indem die Einheimischen vorerst merklich drückten mit dem Erfolg, daß bereits nach zehn Minuten das Resultat 2:0 für sie lautete. Mehr und mehr verfiel nun die Mannschaft bem systemlosen hohen Spiel der Gäste unb konnte nicht verhindern, dah diese durch einen Fehler des linken Verteidigers der Einheimischen zu ihrem einzigen Erfolge kamen. Rach Wechsel wurde das Spiel wieder interessanter. Wiesecks Spielweise setzte sich wieder mehr unb
Qlbenb wirkt, einem fortwährenb neue Welten unb neue Wunber auf tut.“
„Gut," sagte Oertzen schließlich, „bleiben wir ein jeber bei bem Unseren. Sie der rastlos vorwärts Eilende, ich ber gemächlich Schaffende, ber auf meiner Scholle Haftende, der ganz Unkomplizierte und Einfache. Qlber wenn Sie einmal des Kampfes müde sind und nach einem Hafen verlangen, dann denken Sie an meine kleine Klitsche. Platz ist da für uns beide... Wenn Sie wollen, auch zu gemeinsamer Arbeit.“
Es war spät in der Rächt, als wir aufbrachen.
Der Schnee, der seit einigen Tagen gefallen war, riefelte in dichten Flocken vom Himmel, der, von keinem Stern durchblitzt, grau unb schwer über bem Langenmarkt hing. Er hatte bem Reptun einen silberverbrämten Mantel umgetan unb eine groteske Schneekap^ze auf bas stolze Haupt gesetzt. In weiße Schleier eingehüllt, träumte das alte Rathaus. Die glitzernben Spihengewebe ber feingemeißelten Bögen unb Türme blinkten in bie bunfelnbe Rächt, inbes bie erleuchtete Uhr bes „Artushofes" wie ein großes, alühenbes Auge auf bie einsame Straße starrte. Keinen Schritt hörte man auf ber bichtcn Schneebecke. Still unb tot lag ber sonst so belebte ßangenmarft mit seinen weihverhangenen Bauten unb Denkmälern, bas Märchen einer großen Vergangenheit, bie jetzt, wer weiß, wohin geflohen war.
Vor bem Eingang bes Rathauskellers hielt Oerhens Schlitten mit ben beiden starkgebauten Schimmeln und dem alten Kutscher, der mit seiner verschneiten Pudelmütze und mit feinem langen grauen Bart so recht in diese Rächt zu passen schien. Hell läuteten die Schlittenglocken, läuteten noch lange, verschwommen in der Ferne.
Acht Tage habe ich gewartet, gesucht unb nichts gefunben. Run habe ich boch in ben sauren Apfel beißen müssen... ich war beim kleinen Zehden. Er war freundlich unb hilfsbereit.
„Die Hauptsache ist, baß Sie nun einmal in bessere Verhältnisse kommen," meinte er, als er mich zum Mittagessen in ben „Junkerhof", sein Stammlokal, eingetaben hatte. „Wollen Sie mir Ihr QJertrauen schenken unb mir ein Verzeichnis ber Papiere zeigen, in denen Sie Ihre Ersparnisse angelegt haben."
Ich führte es in ber Brieftasche bei mir unb reichte es ihm; es war nur eine kurze Aufstellung, bie er halb burchflogen hatte.
„Um Gottes willen," meinte er kopfschüttelnb, „das sind alles Sachen, die noch vor einem Jahre leidlich waren, jetzt aber vollständig veraltet sind. Sie hätten sie längst abstohen müssen. Wir wollen morgen zusammen auf die Landwirtschaftliche Dank gehen, Ihre Papiere verkaufen und neue anschaffen. Die Zeit ist jetzt noch einigermaßen günstig.“ >
(Fortsetzung folgt)


