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Nr. 207 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Mittwoch, 4. September 1929

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Iter, sämtlich in Gießen.

Wirtschaftliche Finanzreform.

Herr Dr. Hilferding weicht nach wie vor mit beinahe ängstlicher Sorgfalt jeder präziseren Erklärung über seine Finanzreformpläne aus. 3mmer noch ist man auf Mitteilungen ange­wiesen, die er vor geraumer Zeit schon ihm nahe­stehenden Pressevertretern gemacht hat, die aber kaum über Andeutungen hinausgingcn. Inzwischen aber haben sich nun die Verhältnisse grund­legend geändert, und zwar ist nicht gerade ein Wandel zum Besseren eingetreten. Sowohl die Kassen läge des Reiches wie die Situation des lausenden Haushalts sind nach wie vor um es optimistisch auszudrücken äußerst angespannt. Genau gesprochen liegen in beiden Fällen sehr erhebliche Fehlbeträge vor, die beim Reichsetat bis Ende des laufenden Rechnungs­jahres unter Hinzuziehung des Defizits vom Vor­jahre 400 Millionen Mark sehr erheblich über­steigen dürften. Auch insofern haben sich die Dinge nicht zum Besseren gewandt, als die Voung-Zahlungen nicht, wie Herr Dr. Hilferding gerechnet hatte, bereits am 1. Sep­tember beginnen. Der September ist vielmehr nach den Haager Vereinbarungen so eine Art Zwischenstadium, in dem die deutschen Repara­tionsleistungen sogar noch über die normalen Fälligkeiten des Dawes-Plans hinausgehen. Tlnd das Äebergangsregirne, das vom 1. Oktober an Platz greift, weist alle Mängel eines Proviso­riums auf. Ein vorsichtig kalkulierender Finanz­minister jedenfalls, der nur mit gegebenen Reali­täten, nicht aber mit Möglichkeiten rechnet, müßte auch während dieser Tlebergangszeit noch immer den Zwang zu Dawes-Zahlungen als Ausgangs­punkt für seine Finanzsanierung nehmen, und nicht etwa den Voungplan, von dem bis auf weiteres noch nicht feststeht, ob er zur Tatsache wird.

Allerdings ist zuzugeben, daß die politischen Möglichkeiten, das neue Reparationsregime ab­zulehnen, nicht sehr hoch zu veranschlagen sind. Aber auch selbst, wenn man, wie Herr Dr. Hilfer­ding fest entschlossen ist, den Voung-Plan zu ak­zeptieren, dann muh man als verantwortlicher Finanzminister, gewitzt durch die Erfahrungen des letzten Jahres, seine Berechnungen so vor­sichtig wie nur irgend möglich aufstel-- len, und dazu gehört eben dies, daß man we­nigstens für dqs laufende Rechnungsjahr yoch mit den höheren Zahlungsverpflichtungen des Dawes-Plans rechnet. 2m übrigen aber ist man der Oefsentlichkeit nun wirklich schleunigen Auf­schluß darüber schuldig, wie man im einzelnen die vielberufene Finanzreform nun eigent­lich praktisch durchzuführen gedenkt. Das Argu­ment jedenfalls, daß Deutschland aus außen­politischen Gründen jetzt noch nicht in der Lage sei, sich mit den inneren Auswirkungen des finanziellen Teils der Haager Abmachungen zu beschäftigen, können wir als stichhaltig nicht an­erkennen. Denn so viel sollte den Sachverstän» Ligen der Gegenseite doch inzwischen klar ge­worden sein, daß das Reich seinen Repara­tionsverpflichtungen, wenn überhaupt, so nur dann ordnungsmäßig nachkommen kann, wenn es die Gelegenheit einer neuen Reparations­regelung dazu benutzt, um in das Durcheinander seines jetzigen Finanzsystems Sinn und Ordnung zu bringen. Wenn es dabei zu gewissen Steuer­erleichterungen kommt an die wir übri­gens nicht eher glauben, als bis sie praktisch wirksam geworden sind dann ist das doch nichts anderes als der Ausdruck der Tatsache, daß der Voung-Plan uns mindestens während der ersten zehn Jahre seiner Laufzeit geringere Tributlasten auferlegt. Werden nun diese Erleich­terungen nicht re st los zur Entlastung der Wirtschaft und zur pfleglichen Behandlung aller wichtigen vorhan­denen Steuerquellen benutzt, dann wird Deutschland, so befürchten wir, eines Tages vor genau der gleichen Situation stehen wie im Frühjahr dieses Jahres, in der unter der Finanz- und Kassenmisere des Reiches nicht nur die deutsche Wirtschaft litt, sondern auch die Reparationsfähigkeit Deutschlands sehr in Frage gestellt war.

Es liegt also durchaus im Interesse unserer Tributgläubiger, daß man sich in Deutschland schon jetzt mit der zweckentsprechenden Verwen­dung der Minderleistungen des Voungplans be­schäftigt. Wie also sollte nun die Finanzreform aussehen? Ihr Ziel muh sein, die deutsche Volks­wirtschaft wesentlich leistungsfähiger als bis­her zu machen, ihre Rentabilität zu steigern. Damit ist zugleich gesagt, daß alles getan wer­den muh, um die schwachen Ansätze zur Bil­dung von Reukapital zu stärken, da ge­rade die außerordentlich hohe Verschuldung, die in allen wichtigen Zweigen unseres wirt­schaftlichen Lebens Platz gegriffen hat, sehr stark auf die Rentabilität drückt. Die Finanzreform Dr. Hilferdings wird somit also wohl oder übel den Empfehlungen des Pariser Sachverständigen- Gutachtens folgen und sowohl die besondere Reparationsbelastung der Indu - strie wie auch die Lieberbelastung der Reichsbahn abbauen müssen. Auch das geltende Rentenbankgeseh wird man sich unter dem Gesichtswinkel einer Entlastung der wertvollsten Produktionszweige unserer Volks­wirtschaft anzusehen haben. Mit diesen Maß­nahmen, die unmittelbar kapitalfördernd wirken, kann unseres Erachtens getrost eine weitgehende Entlastung der unteren und mittleren Einkom­mensteuerstufen Hand in Hand gehen, etwa in der Form einer Heraufsetzung dessteuer- freien Existenzminimums, da diese Stufen ohnehin nur au einem sehr geringen Prozentsatz an dem Lohn- und Einkommensteuer-

Graf Zeppelin" glücklich heimgekehrt.

Heute morgen 8.48 in Friedrichshafen glatt gelandet. - Oie Beendigung der Weltfahrt.

Oie letzte Flugstrecke.

lieber Spanien und Frankreich.

Hamburg, 4. Sept. (WB.) Das Luftschiff Graf Zeppelin" meldete der Hamburg-Amerika- Linie durch Funkspruch, daß es am Dienstag um 16 Uhr Greenwicher Zeit Cap Ortegal pas­sierte. Um 15.13 Uhr befand sichGraf Zeppe­lin" 25 Kilometer von Kap Finisterre. Eine Biertelstunde später überflog das Luftschiff die Ortschaft (Tamarinas. Um 17.10 Uhr ist es auf der Höhe des.St. Pedro-Berges bei La (Koruna gesichtet worden. Der Zeppelin überflog alsdann die Stadt La (Koruna und nahm Kurs auf die Provinz Astu­rien. Das Luftschiff überflog um 20.30 Uhr die Gegend von Gijon. Um 21.10 Uhr überflog das Luftschiff die Küste von Santander in niedri­ger Hohe und sehr langsam. Das Publikum, das durch das Erscheinen des Luftschiffes überrascht war, bereitete demGraf Zeppelin" eine langan­haltende Ovation. Das Luftschiff hat Kurs auf SanSebastian genommen. Bordeaux über­flog das Luftschiff um 3.41 Uhr MEZ. Während der Nachtstunden hat derGraf Zeppelin" dann Frankreich überflogen und wurde in den frühen Morgenstunden über Basel gesichtet, von wo es Kurs auf Friedrichshafen nahm.

Zn Erwartung des Zeppelin.

Fünftausend Autos in Friedrichshafen.

Friedrichshafen, 4. Sept. (WTB. Funk­spruch.) Mit großer Spannung sieht die Be­völkerung von Friedrichshafen und sehen die nach Tausenden zählenden, auch während der Rachtstunden ununterbrochen hier eintreffenden, Fremden der Ankunft desGraf Zeppelin" ent­gegen. In den Straßen der Stadt herrschte auch in den Rächt- und frühen Morgen­stunden ein starker Verkehr. Dor den Anschlagtafeln der Zeitungen stauen sich die Menschen, um auf die neuesten Rachrichten von der Heimkehr desGraf Zeppelin" zu warten. Das - .Gelände um. ,dLlr.-Lnf4MLfhalew. Ul schon... gestern nachmittag für Rächt- und Stand­quartiere bezogen, nachdem die Hotels und Gasthöfe, Privat» und Massenquartiere die ankommenden Gäste nicht mehr aufzunehmen ver­mochten. Tausende hielten sich in den die ganze Rächt geöffneten Gaststätten auf. Der Zutritt zum Luftschiffgelände ist nur einer beschränkten Anzahl von geladenen Gästen Vorbehalten. Vor allem den Vertretern des Reiches und der Länder, der Stadt Friedrichshafen und des Be­zirks, sowie der Presse, den Berufsvertretern und ausländischen Ehrengästen. Für die Ab­sperrung trafen 300 Mann Polizei truppen aus Lllrn, Eßlingen und Weingarten in Friedrichs­hafen ein.

Die Zahl der eingetroffenen Automobile wird auf 5000 geschäht, wovon etwa 1000 auf die Zielfahrt des Touringklubs entfallen. Die Kraft­wagen sind aus allen Ländern Europas hierher­gekommen. Man sieht sogar türkische Wa­gen darunter. Aus Wien sind drei riesige Omnibusse eingetroffen. Sagar die Beiwagen von Krafträdern sind inSchlafwagen" umge­wandelt worden. Auf dem Flugplatz sind neben den Flugzeugen der Lufthansa mehrere Pri­vatflugzeuge eingetroffen. Rennboote, Se­gelboote, Motorboote usw. beleben den Boden­see.

Oie Ehrengäste.

Der Sturm zum Lufthafengclände.

Friedrichshafen, 4. Sept. (WTB. Funk­spruch.) Rachdem durch die ersten Ausgaben der Morgenzeitungen bekanntgeworden war, daß das Luftschiff zwischen 7 und 8 Llhr in Fried­richshafen erwartet werde, begann gegen 6 Ufjr

aufkommen beteiligt sind und der hier entstehende Ausfall sich durch zweckentsprechendere Gestal­tung anderer Steuerarten leicht und schmerzlos wettmachen lassen wird.

Houng-Plan und Auslandanleihen.

Voraussetzung: Finanzausgleich und Verwaltungsrcsorm.

Berlin, 4. Sept. (Priv.-Tel.) In einer Denk­schrift über die Auswirkungen des Zoungplanes führt der deutsche Vertrauensmann des Reuyorker Emifsionshauses Harris Forbes and Com­pany, $. Stamforth, u. a. aus, daß nach der Be­grenzung der Reparationsverpflichtungen durch den Doungplan der ausländische Kapital- marktfürDeutschlandwiedergeöffnet wird. Man könne erwarten, daß zu gegebener Zeit die schwebenden Schulden des Reiches durch eine langfristige Auslandanleihe abgelöft würden, wodurch die Finanzlage des Reiches eine wesentliche Erleichterung erfahren würde. Bon jetzt an werde das Reich wieder den Kredit benutzen können, den eine so große und arbeitsame Ration beanspruchen könne. Allerdings werde man f i n a n - zielte Reformen durchführen müssen, unter denen besonders der Finanzausgleich

morgens der Marsch der Massen nach dem Lufthafengelände, dessen Umgebung bald von Tausenden von Zaungästen, die zum Teil auf den Dächern der Rachbarhäuser sitzen, dicht beseht war. Ein herrlicher Sommertag mit wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnen­schein war angebrochen. Kurz nach 6 Llhr trafen nacheinander in Automobilen die Ehxengäste auf dem Gelände ein. Unter den Ehrengästen, die vor dem Verwaltungsgebäude Aufstellung nahmen, bemerkte man u. a. Reichsverkehrsmini­ster Dr. Stegerwald, Reichstagspräsident L ö b e , Botschafter Dr. von Prittwih und G a f f r o n als Vertreter des Auswärtigen Amts und des Reichsaußenministers Dr. Stresemann, den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, den badischen Staatspräsidenten Dr. Schmitt, den preußischen Justizminister Dr. Schmidt, ferner den amerikanischen Botschafter Dr. S ch u r m a n und den japanischen Botschafter Dr. R a g a o f a. Besonders zahlreich hatten sich Vertreter Württembergs eingefunden, an ihrer Spitze Staatsvräsident Dr. Volz, Wirtschaftsminister Dr. B e y e r l e , Finanzmi­nister Dr. D e h l i n g e r, das Präsidium des Württ. Landtages und die Rektoren der Hoch­schulen.

Die Landung in Friedrichshafen.

Begeisterte Begrüßung des Luftschiffs.

Friedrichshafen, 4. Sept (Drahkmeldung der TU.) Um 8.23 Uhr traf das Luftschiff, von der Insel Reichenau kommend, auf dem Lande- p l a tz ein. Flugzeuge waren zur Begrüßung aufge- ffiegen. Das Luftschiff steuert im Glan; der Sonne unter dem rasenden Beifall der Zehntausende von Zuschauern in ganz geringer höhe direkt auf das

Werftgebäude zu. Ueberall steigen am Himmel die Begleitflugzeuge auf; cs dürften etwa ein Dutzend sein. Um 8.25 Uhr entfernt sich das Luftschiff noch einmal in östlicher Richtung und fliegt in einer großen Schleife über d i e Stadt hin. Die Musikkapelle spielt, Böllerschüsse krachen. Auch unter den Ehrengästen auf dem Platze herrscht eine unge­heure Begeisterung. Alles jubelt dem Luftschiff zu. Aus der Gondel werden die Grüße erwidert. Um 8.40 Uhr nähert sich das Luftschiff der Halle. Ls ertönen wiederum Böllerschüsse, das Publikum bricht in erneute Begeifterungsrufe aus. Das Schiff stoppte jetzt die Motoren ab, Ballast wird abge­lassen. U m 8.45 Uhr fallen d i e Landungs­taue. Die Mannschaften haben sehr stark zu tun, um das Schiff herabzuziehen, das sich erst langsam, dann schneller senkt. Die Führergondel ist um 8.48 auf dem Boden und das Schiff somit glück­lich gelandet. Die Begeisterung ist ungeheuer. Am 8.55 Uhr wird das Schiff langsam auf das offene Osttor zugeführt. Es entfpinnt sich bereits eine lebhafte Unterhaltung zwischen den Fahr­gästen und den Außenstehenden, jedoch verlassen die Fahrgäste erst in der Halle ihre Kabinen.

Oie Begrüßung.

Friedrichshafen, 4. Sept. (WTB.) Funk- sprach.) Nachdem derGras Zeppelin" unter dem endlosen Jubel der Zuschauermenge, dem Absingen des Deutschlandliedes und den Klängen des nieder­ländischen Dankgebetes in die Halle gebracht wor­den war, wurden Schiffsführung und Be­satzung offiziell begrüßt. Zunächst hieß Graf Brandenstein-Zeppelin, der Schwiegersohn des alten Grafen, das Schiff im Namen des Luftschiffbaues Zeppelin herzlich will-

Stresemann berichtet dem Michskabinett über das Ergebnis der Haager Konferenz.

Das Reichskabinett billigt die Haltung der deutschen Delegation im Haag.

Berlin, 3. Sept. (WB.) Das Reichskabi­ne t k trat heute nachmittag zur Entgegennahme des Berichtes der deutschen Delegation über die Haager Konferenz zusammen. Den Vorsitz führte in Ver­tretung des Reichskanzlers, der zu feiner völligen Wiederherstellung voraussichtlich noch für 3 Wochen in Bühler höhe weilt, Dr. Stresemann. Er gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung des hin scheidens der Schwester des Reichs­präsidenten und gab dem in dem gestrigen Beileidstelegramm des Reichskanzlers bereits be­kundeten Mitgefühl de s Reichs kabinetts erneut herzlichen Ausdruck. Der Reichsaußenminister erstattete alsdann als Führer der deutschen Dele­gation Bericht über den Ablauf der Kon­ferenz, der durch weitere Berichte der Reichs­minister Dr. hilferding, Dr. Eurlius und Dr Wirth ergänzt wurde.

Der Reichskanzler, dem am Sonntag durch Staatssekretär Dr. Pünder in Bühler höhe ein ein­gehender vortrag gehalten wurde, lieh in der heu­tigen Kabinettssihung durch den Staatssekretär er­klären, daß er der deutschen Delegation den auf­richtigsten Dank und Anerkennung aus­spreche. Es sei das Verdienst der deutschen Dele­gation, die Grundlage für eine erhebliche, sich als­bald auswirkende Minderung unserer Lasten geschaffen und die wiederher st el-

l u n g deutscher S taatshoheit nach innen und außen zu einem nahen Termin sichergestellt zu haben. Die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes werde die endgültige Festsetzung der Räumung mit dem Gefühl herzlicher Freude begrüßen. Das Reichskabinelt pflichtete nach eingehender Aussprache dieser Auffassung des Reichskanzlers einstimmig bei und gab insbesondere seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß das Sehnen des besetzten Gebietes nach dem Anbruch der Freiheitsstunde seine Erfüllung findet.

Wie in Ergänzung dieser offiziellen Mitteilung verlautet, haben an der Sitzung alle Reichsminister teilgenommen mit Ausnahme des erkrankten Reichs­kanzlers, ferner des Reichswehrminifters Groe - ner, der sich auf Urlaub befindet, und des Reichs­verkehrsministers Dr. Stegerwald, der zum Empfang desGraf Zeppelin" nach Friedrichshafen gefahren ist. Dr. Stresemann ist in seinem Bericht lediglich auf die politischen Fragen eingegan­gen, während die übrigen drei Minister über Ein­zelheiten referierten, die ihre Ressorts besonders an­gehen. Mit irgendwelchen Maßnahmen aus Anlaß des Bombenanschlages auf den Reichs­tag hat sich das Kabinett heute noch nicht be­faßt, da die polizeiliche Untersuchung der Ange­legenheit noch nicht abgeschlossen worden ist.

und die Vereinfachung der Verwaltung und Steuern erwähnt werden. Die Beseiti­gung der Prioritätsansprüche, besonders der 3 n - buftrieobligationen und der Eisenbahn- schuldverschreibungen werde die finanzielle Elastizität Deutschlands vergrößern. Dies würde in erster Linie von Vorteil für die Reichsbahn fein, die nach Annullierung der Reparationsbonds an die aus­ländischen Kapitalmächte herantreten könne.

Oie Lehrzeit im Handwerk.

Eine grundsätzliche Aeußerung des Preußischen Handclsministers.

Berlin. 4. Sept. (Priv.-Tel.) Rach der in neuerer Zeit aufgetauchten Absicht, eine Ver­längerung der Dauer der Lehrzeit über drei Jahre hinaus in fast allen Gewerben anzustreben, hält der preußische Han- delsmrnister es in Liebereinstimmung mit der Stellungnahme des Landesgewerbeamtes für zweckmäßig, daß in Zukunft die Handwerks­kammern dir Dauer der Lehrzeit für die ein­zelnen Gewerbe und die Gewerbevereine für ihren Bezirk einheitlich fe st sehen. Dabei wird davon auszugehen sein, daß nach plan­mäßiger Ausbildung durch den Lehrherrn eine Lehrzeit von drei Jahren auch heute noch in der überwiegenden Anzahl der Gewerbe zur Ausbildung des Lehrlings regelmäßig ge­

nügen wird. Eine Verlängerung der Dauer der Lehrzeit über drei Jahre hinaus bis zur gesetzlichen Pflichtgrenze von vier Jahren kann nur für solche Gewerbe in Frage kommen, in denen die Anforderungen grs stiegen sind, daß eine ordnungsmäßige Ausbil­dung in drei Jahren nicht mehr erreicht wer­den kann.

Für eine Wiederherstellung des Bank­geheimnisses.

Berlin, 4. Sept. (Priv.-Tel.) Der Zen­tralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes, der Deutsche Genossenschaftsverband, der Deutsche Sparkassen» und Giroverband, der Generalverband der Deutschen Raiffei» fen-Genosfenschasten und der Reichsver­band der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften haben gemeinsam in einer Eingabe an den Reichstag die Wiederherstellung des Bank» und Sparkossengeheimnisses und eine entsprechende Abänderung der Reichs­abgabenordnung gefordert. Die Verbände glauben, daß durch die Wiedereinführung des Bankgeheimnisses, die bereits vor fünf Jahren gefordert, damals aber abgelehnt worden war, die Reubildung inländischen Kapi­tals wesentlich gefördert werden kann.