Ausgabe 
4.7.1929
 
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Aus aller Wett.

Rieseubrand

irr einem Borort San Franciscos.

3n der an der Bucht von San Francisco ge­legenen Stadt M i l l v a l l e h. in welcher sich die Sommervillen der oberen -Zehntausend von San Francisco befinden, brach ein ungeheurer Brand aus, der gegen Abend solche Dimensio­nen erreichte, daß man befürchten mußte, d i e ganze Stadt werde ein Raub der Flammen werden. Reben der Feuerwehr beteiligten sich Militär und die Einwohnerschaft an den Lösch­arbeiten. Eine Anzahl Personen wird vermißt. Der Brand war, nachdem 75 bis 100 Häuser ein­geäschert waren, nach beinahe 24stündiger Dauer noch immer nicht völlig niedergekämpft, sondern drohte zu dieser Zeit, sich noch auf die Wohn­häuser in der weiteren Umgebung des brennenden Stadtteiles auszubreiten. Durch Funkenflug sind in dem bewaldeten Cascade-Canhon auf dem Ab­hang unterhalb des Mount Tamalais und längs der Cortomadera-Hügelkette neue Brände entstanden. Das Feuer brach am Rachmittag auf dem Mount Tamalais aus und verbreitete sich schnell über den Abhang durch den Blehthedale- Canhon und bedrohte zeitweise sogar das 3,5 Meilen entfernte Geschäftsviertel der Stadt. Die Bekämpfung des Brandes war durch Wassermangel erheblich behindert. Infolge­dessen wurden die Banken und Geschäftshäuser geräumt, und Geld und Waren in Sicherheit gebracht. Unter den zahlreichen Freiwilligen, die sich bei den Löscharbeiten beteiligten, sah man Millionäre, kleine Handwerker und Haus­angestellte Seite an Seite sich abmühen. Rach den letzten Schätzungen beträgt der Brand­schaden weit über eine Million Dol- l a r. Etwa 200 Wohnhäuser wurden zerstört oder beschädigt, darunter mehrere mit wertvollen Bibliotheken, kostbaren Sammlungen, Kunstgegen­ständen und Teppichen. Auch die Billa des frü­heren Generalkonsuls Kurt Ziegler ist be­schädigt worden.

Eine Uhrenschau.

In Berlin wurde eine Uhrenschau von den deutschen Alpina-Uhrmachern veranstaltet, die eigentlich nur als Fachmesse gedacht, aber wegen ihrer instruktiven Vollkommenheit auch das Inter­esse der Oeffentlichkeit erregte. Ein besonderer Clou der Ausstellung war die Sondergruppe historische Uhren". Der bekcmnte Uhrensammler W. Triebold (Hannover) hatte hier seine Samm­lung alter Uhren ausgestellt, unter der eine Räderuhr aus dem Jahre 1390 besonderes Inter­esse erregte. Auch die staatlichen Museen und die Generalverwaltung des vormals Kgl. Hauses hatten mit prachtvollen Gaben aus dem Besitz Friedrichs des Großen, der Königin Luise, Kaiser Wilhelms I. usw. die Uhren-Ausstellung unter­stützt.

Ein seltsamer Zufall.

Als der 0-Zug Frankfur t°Siegen kurz vor dem Bahnhof Kreuzthal angekom­men war, passierte er eine Straßenkreuzung, an der die Schranke nicht geschlossen war. Der Zug wurde zum Stehen gebracht, um festzustellen, ob irgend etwas passiert sei. Reben der Schranke fand man dann den Schrankenwärter bewußtlos vor. Er hatte einen Schlaganfall erlitten, als er gerade die Schranke schließen wollte. Der Mann wurde nach dem Krankenhaus verbracht.

Ein Flug EhikagoBerlin.

Das RiesenflugzeugUntinbowler" will mit drei Insassen den Weg ChikagoBerlin zurück­legen und dabei verschiedene Zwischenlan­dungen machen. Die Flieger wollen das Flug­zeug in Milwaukee stoppen, um am Denk­mal des Grönländers Leif Ericson, der vor Co­lumbus von Europa aus Amerika bereist haben soll, am Michigansee einen Kranz niederzulegen. Rach weiteren Zwischenlandungen soll der Flug über Great W hale, Grönland und Island nach Berlin gehen, das man fünf Tage nach der Abfahrt von Chikago zu erreichen hofft.

Schwere Bluffaf eines Trinkers.

In Halber st adt durchschnitt ein als ner- Denkrank bekannter Schuhmacher seinen beiden Enkelkindern, einem Zwillingspaar im Alter von etwa drei Monaten, den Hals mit einem Rasiermesser. Die Mutter fand kurz da­rauf die Leichen auf. Der Täter war geflohen, wurde aber bald darauf in einem Schrebergarten erhängt aufgefunden. In einem hinter­lassenen Briefe gab er an, die Tat in g e i st i ge r Verwirrung infolge reichlichen Äl- koholgenusses getan zu haben.

Eine sechsköpfige Familie ermordet.

In Detroit rmrrde eine ganze Familie, bestehend aus Vater, Mutter und vier Kindern in ihrer Woh­nung ermordet aufgefunden. Sie sind mit einer Axt erschlagen roorden. Es han­delt sich anscheinend um die Tat eines Wahn­sinnigen. In der Stadt herrscht große Aufre­gung, besonders, weil vor drei Wochen in einem Vorort eine Frau und ihre drei kleinen Töchter i n ähnlicher Weise ermordet worden sind. Schweres Autounglück. Ein Bauernhof eingeäscherk.

Ein schweres Automobilunglück, bei dem nicht nur der Besitzer des Wagens den Tod fand, sondern der zertrümmerte Wagen noch ein Dauerngehöft einäscherte, ereignete sich an der Paß-Straße Kinzigtal Schweighau­sen (Baden). Unweit der Paßhöhe geriet der Wagen des argentinischen Vizekonsuls in Lahr, Eugen Kaufmann, ins Schleudern, verließ die Straße und stürzte die etwa 1.50 Meter hohe Döschungsmauer hinunter. Der Benzin­tank fing Feuer, und der lichterloh bren­nende Wagen rollte in einen im Umbau befind­lichen Bauernhof, der in kurzer Zeit nie­derbrannte. Vizekonsul Kaufmann ist kurz nach dem Unglück seinen schweren Brandwunden erlegen.

Der Tod auf der Mensur.

Die Jenaer Staatsanwaltschaft wird wegen des tödlichen Ausgangs einer Schlägermensur im Vorort Winzerla, der der Student der Na­turwissenschaft Hans Schernikau zum Opfer fiel, Anklage erheben.

Feuertod eines Hütejungen.

Im Kaserhaus der 1000 Meter hoch gelegenen Karr-Alm am Untersberg bei Berchtes­gaden brach Feuer aus, daß sich derart rasch ver­breitete, daß in wenigen Augenblicken die ganze Alm in Flammen stand. Nur mit größter Mühe konnte sich die Sennerin retten. Der Hütejunge Jo­hann Dur ner aus Schellenbach, der über dem Stall schlief, stürzte mit der brennenden Decke in die Tiefe, wo er tot aufgefunden wurde.

Das Nugzeugunglüik auf dem Zodensee.

Ein Bericht der Reichsbahndirektion Karlsruhe.

Karlsruhe, 3.3ulL (WTB.) Die Reichs­bahndirektion Karlsruhe hat das Ergeb­nis ihrer Feststellungen zu dem Flugzeugunglück aus dem Bodensee veröffentlicht. Wir entnehmen den ausführlichen Darlegungen: Das Flugboot war in der Bucht von Bad Schachen in den See gestürzt, etwa um die Zeit, als das Dampfboot sich anschickke, den Hafen von Lindau zu verlassen. Weder der Kapitän, noch die beiden im Steuerhause am Steuer­rade stehenden Personen hatten das Flugzeug nie­dergehen sehen. Das übrige Personal versah seinen Dienst auf dem mit etwa 450 Reisenden besetzten Dampsbool. Kurz vor dem Ablenken des Dampf- booles auf die Landungsstelle Schachen hatte ein Ruderboot die Kurslinie des Dampfers gekreuzt und erst durch Zuruf des Insassen dieses Ruderbootes erfuhr der Kapitän, daß in der Röhe ein Flugzeug im See lag. Der Kapitän, der 42 Iahre im Dienst stehl und in seiner langen Tätig­keit an mancher Rettung Schiffbrüchiger beteiligt war, hat erklärt, daß er nicht einen Augen­blick im Zweifel gewesen wäre, sofort nach der Anfallstelle zu fahren, wenn er das Flugzeug hätte abstürzen sehen oder erfahren hätte, daß es erst vor 10 bis 15 Minuten abgestürzt

sei. Erst an der Landungsstelle Schachen erfuhr der Kapitän Näheres. Er fuhr darauf nach der Un­fall st e l l e zurück, wo er efroa 12 Minuten später einlraf als bei sofortigem Zuhilfeeilen. Dort suchte man mittels einer Stahldrahltrosse das fünfzig Zentner schwere Flugzeug hochzuwinden, aber ohne Erfolg. Das Abschleppen nach dem Ufer zu war dem Dampfbook nicht möglich. Es hätte sich in ein Fahrwasser mit Untiefen und Felsen und damit in Gefahr begeben müssen. Das durfte der Kapitän des stark besetzten Dampfbootes nicht wagen. Auch in den weiteren Ausführungen wird dargelegt, daß auch bei einem sofortigen Zuhilfe­eilen das Dampfboot Menschenleben nicht hätte retten können, und daß an­dererseits die technischen Einrichtungen des Darnpf- boootes nicht a u s r e i ch t e n , das 50 Zentner schwere Flugboot aus dem wasser zu heben, um sein Inneres zugänglich zu machen. Die Reichsbahn­direktion Karlsruhe hält es bei dieser Sachlage für ein Unrecht, wenn voreiligBorwürfe gegen den Kapitän gemacht wurden. Wenn auch nur der geringste begründete Vorwurf gegen den Kapi­tän zu erheben wäre, so hätte die Reichsbahndirek- tion nicht gezögert, die Folgerungen zu ziehen.

Meßdebaüe im Müschen Unterhaus.

Churchill gibt dem Arbeiterkabinett ein halbes Zahr Bewährungsfrist. Lloyd George krittfiert die Genfer Abrüstungskomödie.

London, 3. Juli. (WB.) Im Unterhaus sprach Thomas im Namen der Regierung ausführlich über die geplanten Maßnahmen zur Bekämp- fungderÄrbeitslofigkeit. Er erklärte u. a., er sei entschlossen, alle Maßnahmen zu erforschen, die dazu führen könnten, daß an Stelle von Auslandwaren britische Erzeugnisse zum Verbrauch gelangten. Den Eisenbahngesellschaf­ten sei eine Reihe von Plänen zur Begutachtung unterbreitet worden, die u. a. die Eie ktrifizie- r u n g der verschiedenen Linien, den Ausbau des unterirdischen Netzes, die Verbesserung der Anlege­stellen in den Häfen und schließlich eine Gürtelbahn für Güterzüge vorsehen, die den Transport der Wagen durch London überflüssig machen. Die Re­gierung schlägt vor, den Betrag von 9,5 Millionen Pfund für ein fünfjähriges Programm zum Ausbau der Straßen erster Ordnung und 28 Millionen Pfund für ein sechsjähriges Programm zum Ausbau der Straßen zweiter Ordnung bereitzustellen.

Churchill

versicherte Thomas der Mitwirkung der konser­vativen Partei bei der Lösung des Arbeitsloserr- Problems und errhmerte dann an Snowdens Angriffe auf die Kriegsschuldenabkvm- men mit Frankreich und den Verei­nigten Staaten, um im Anschluß daran ironischen Tones zu versichern, er sei gespannt darauf, nunmehr zu erleben, wie Snowden das neue Schulden- und Reparationsabkommen ver­teidige. Wenn Snowden Frankreich überreden könne, mehr zu zahlen, oder die Vevei- nigten Staaten, weniger zu nehmen, so könne er des Beifalls und der Bewunderung des ganzen Hauses gewiß sein. Seltsam aber müsse es wirken, wenn Snowdens erste wichttge Amtshandlung darin bestehe, eine Vereinbarung der europäischen Staaten zu verteidigen, durch die Großbritannien hinsichtlich der finanziellen Verpflichtungen in eine schlimmere Lage gebracht werde als zu der Zeit, wo Snow­den als Mitglied der Opposition sie als skan­dalös bezeichnet habe. Churchill gab der be­stimmten Erwartung der Konservativen Aus­druck, daß der gegenwärtigen Regierung im An­fang des Jahres 1930 durch Vorlage eines Vertrauensantrages dem Hause Gele­genheit geben werde, zu ihrer Polittk Stellung zu nehmen. Rachdem er dann noch eine konser­vative Aenderungsvorlage zur Antwortadresfe auf die Thronrede angekündigt hatte, schloß Chur­chill mit der bemerkenswerten Aeußerung: Im Augenblick, wo die Regierung den Versuch un­ternimmt, jenen fundamentalen Trugschluß i n die Wirklichkeit umzusehen, auf dem das gesamte Gefüge der sozialistischen Partei aufgebaut ist, wird sie aus dem Amt ge­fegt werden.

Lloyd George

fand, daß es den Vorschlägen der Regierung zur Lösung des Arbeitslosenproblems an Kühnheit mangele. Er begrüßte Macdonalds Besprechun­gen mit Dawes und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung sich nicht nur mit der Be­schränkung der Kreuzer begnügen, sondern auch

auf Abschaffung der LI n te rse e bv o te drängen werde. Bedenklich fand er es, daß das Problem der Flottenabrüstung zwischen den Ver­einigten Staaten und England ausschließlich ohne Hinzuziehung anderer See­mächte behandelt werden soll. Eine Flotten- abrüstungskonserenz sämtlicher Seemächte sei nach feiner Ansicht besser geeignet, ein Resultat zu erzielen. Jedenfalls dürfe die Regierung nicht glauben, daß eine Beschränkung ber Kreuzer- baaten und gegebenenfalls die Abschaffung der ilnterfeeboote die Lösung des Abrüstungspro- blems darstellten. Diese beiden Fragen seien lediglich ein Randproblem der gesam­ten Abrüstungsfragen. Im gegenwärtigen Augen­blick gibt es, so erklärte er, in Europa a ch t große und kleine Mächte, deren militärische Rü­stung gewaltiger ist, als vor dem Kriege. Die Tättgkeit der Abrüstungskommis­sion war bis zum gegenwärtigen Augenblick uichts weiter als eine Komödie. Eine Rüstungsverminderung ist nicht durchgeführt worden, und es besteht zur Zeit auch noch keine'Aussicht, daß sie fünftig erfolgt. Lloyd George erinnerte daran, daß der gegenwär­tigen Regierung durch die vom Kabinett Baldwin in der Frage der ausaebildeten Reserven gemachten Zugeständnisse die Hände gebun­den sind. Solange aber dw Bedingung bestehen bleibe, daß die ausgebildeten Reserven bei der Be­rechnung des Rüstungsstandes ausgeschlossen blei­ben, solange könne eine Abrüstungskonferenz nichts weiter als eine Komödie sein, setzen sich doch vier Fünftel der Streitmächte auf dem Konti­nent aus Reserven zusammen. Es ist zwecklos, über die schiedsgerichtliche Beilegung von Konflikten $u reden, es sei denn, daß die gegenwärtige Regierung oder eine kommende in der Abrü­stungskonferenz darauf bestehe, daß das feier­liche schriftliche Abrüstungsversprechen, das wir alle im Jahre 1919 gegeben haben, ausgeführt toirb. Lloyd George bedauerte es schließlich, daß die Regierung die Frage der Rheinland­räumung mit der der Reparationen in Verbindung gebracht habe, mit der sie nichts zu tun habe, begrüßte es aber, daß die Re­gierung die Oeffentlichkeit nicht im unklaren ge­lassen habe, daß sie beabsichtige, die britischen Besahungstruppen zurückzuziehen und einen Druck auf die anderen Mächte auszuüben, daß sie diesem Beispiel folgen. Lloyd George schloß mit der Ankündigung, die Liberalen beabsichtig­ten, von ihrer besonderen Stellung innerhalb der Parlamentarischen Situation in vollem Um­fange Gebrauch zu machen, um eine Wahl- refvrm herbeizuführen, die den fünf Mil­lionen liberalen Wählern eine angemessene Ver­tretung im Parlament sichere. Der Arbeiter­abgeordnete Max ton, Vorsitzender der Inde­pendent Labour Party und Führer des linken Flügels der parlamentarischen Arbeiterpartei, legte seine Enttäuschung über die Thronrede und über die Rede von Thomas an den Tag und gab der Erwartung Ausdruck, daß die von der Arbeiterpartei eingebrachte Vorlage nicht noch eine Abschwächung erfahre.

Feuergefechl mit Eisenbahnräubern.

In Duisburg spielte sich am Bahnhof Wedau ein Kampf zwischen Beamten der Bahnpolizei und einer dreiköpfigen Eisenbahnräuberbande ab. Der berüchtigte Eisenbahnräuber Dopiralla wurde in dem Augenblick, als er im Begriff stand, Stückgüter im Werte von 3000 Mark, die er mit zweien seiner Genossen aus Zügen entwendet hatte, beiseitezuschaffen, von der Bahnpolizei überrascht. Zwischen den Räubern und den Beamten kam es zu einem regelrechten Feuergefecht. Es gelang den Beamten, Dopiralla zu verhaften. Seine beiden Kom­plizen entkamen nur dadurch, daß sie auf ihrer Flucht den sogenannten Dlausee an der Wedau durchschwammen.

Christlich-soziale Reichsbereinigung.

Rachdem im August vergangenen Jahres die Christlich-soziale Reichsvereinigung in Biele­feld gegründet worden ist, findet nun an glei­cher Stelle am 3. und 4. August d. I. die erste Reichstagung statt. Rach dem Gottesdienst in der Zionskirche rsp. Waldkirche in Bethel stehen im Mittelpunkt der Hauptversammlung ein Vortrag von Prof. Veidt (Frankfurt a. M.) »Der christlich-soziale Gedanke als Voraussetzung innerer Volkseinheit und äußerer Freiheit", fer­ner ein Vortrag von Arbeitersekretär Hüls er, M. d. M., Breslau,Wir Christlich-sozialen und die Parteikrisis der Gegenwart". Die Aussprache darüber wird eingeleitet von Dr. Mumm, M.

d.R., Pastor Kliesch, M. d. L., und Walter Lambach, M. d. R.

Tod eines Ehepaares durch Starkstrom.

Bei der pommerellischen Ueberlandzentrale G o d - deck ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Von der neben dem Hause eines Werkmeisters errichteten Antenne hatte sich ein Draht gelöst, der auf die tiefer liegende 220-Volt-Lichtleitung fiel und mit einem Ende auf die Erde hing. Als die Haus­frau kurz darauf in den Garten ging, berührte sie den herabhängenden Draht und wurde durch den Schlag sofort getötet. Ihren Mann, der barfuß hinauslief, ereilte das gleiche Geschick.

Kunst und Wissenschaft.

Eine Paracelsus-Gesellschaft.

Paracelsus ist in den letzten Jahren stark in ben Vordergrund gerückt. Jahrhunderte nach seinem Tode tritt er erst heute ganz in das Be­wußtsein seines Volkes ein. Selbst Kind einer Epoche der Gärung, die stürmisch und inbrünstig nach Reuem verlangte, findet er heute Gleich­gesinnte fast auf allen geistigen Gebieten. Alle, die heute in der Aaturerfassung eine neue Tiefe suchen, damit der ganze Mensch wieder wirklich zu Hause sei in Freiheit und gewollter Reu­bindung, finden die Wege dazu schon bei Para­celsus geöffnet. Derart sind die Gesichtspunkte, die zur Gründung einer Paracelsus-Gesellschaft Veranlassung waren, die bestimmt sein soll, der weitverzweigten Paracelsusforschung einen Mittel- 1

punkt zu schaffen, fte systematisch in gemeinsthckst« licher Arbeit zu fördern und alle Freunde Del Paracelsischen Gedankenwelt in gegenfeitigent Austausch zuscrmmenzuschlietzen. Unter den aüft- nrfenben Gründungsmitgliedern finden wirt Dacqrto, München. Darmstädter, München. Diep­gen, Freiburg. Held, München. Herrigel, Frank­furt a. M. Honigmann, Gießen. Joel, Basel. Kerschensteiner. München. Kißkalt, München. Koch. Frankfurt. Kolbenheher, Tübingen, von Lipp- maiux, Halle, von Paquet, Frankfurt a. M. Rosenstock, Breslau. Sauerbruch, Berlin. Schröter, München. Sparrn, Wien. Strunz, Wien. Dudhvff, Leipzig. Vietor, Gießen. Wolfskehl, München, von Weizsäcker, Heidelberg.

Born Lutherischen Wettkonvent.

Der Lutherische Weltkonvent versammelte sich zu der letzten Vollversammlung. Die Dor­mittagssitzung behandelte die Arbeit zur Stützung und Stärkung der evangelisch-lutherischen Min­derheiten in Gebieten fremder Kirchen. Professor Dr. Himer, Erlangen, betonte, daß diese Dia­sporahilfe aus dem kirchenorganischen Bewußtsein heraus zu geschehen habe; der Wille zu einer möglichst selbständigen Gestaltung eines eigenen Kirchenwesens der Diasporagemeinden müsse ge­stärkt toerben. Die einzelnen Diasporagemeindrn sollten nach Möglichkeit je einer Dekenntniskirche zur Betreuung und organischen Derbrmdenheit zugewiesen werden. Pfarrer L e m p, Polen, machte auf die evangelische Bewegung im Osten insbesondere in der Ukraine aufmerksam und be­tonte die große Aufgabe, die hier für daS Luthertum vorliege. Die Rachmittagssitzung war den Hauptproblemen der äußeren Mission gewid­met. Der Präsident der Vereinigten Lutherischen Kirche in Amerika, Dr. Knubel, betonte die Rotwendigkeit einer lutherischen Solidarität und regte eine Erklärung des Weltluthertums an, die der Inbegriff alles dessen fein soll, toafl lutherische Weltanschauung in der Gegenwart bedeute: das Luthertum mühte im Internatio­nalen Missionsrat stärker vertreten sein. An­schließend nahmen die Vertreter Indiens, Ja­pans, Chinas und Madagaskars zu den Gegen­wartsfragen der Missionsarbeit Stellung.

Der Reubau der Heidelberger Rniversilät.

In einer Pressekonferenz besprach Oberbürger­meister Dr. Heinhaus den gegcnwärtgen Stand des Unioerfitätsneubaucs. Der Plan, das Neue Kollegienhaus zu erhalten, ist nunmehr fal­len gelassen. Es soll niedergerissen und an feine Stelle ein Neubau errichtet werden. Damit ist der preisgekrönte Entwurf des Profesiors Gruber von der Technischen Hochschule Danzig, früher Stadtoberbaurat in Freiburg i. Br., gegenstands­los geworden. Er hat nun im Auftrag einen neuen Plan ausgearbeitet der, nachdem ihm ein Sachverständigenkomitee grundsätzlich zuge- ftimmt hat, ausgeführt werden soll. Der neue Plan sieht im ersten Stock des Hauptbaues einen Fest - s a a l für etwa 1200 Personen vor. Daneben sol­len auch die großen H ü r s ä l e, an denen bisher in Heidelberg Mangel ist, errichtet werden. Für die Südfront fehlen einstweilen noch die Geldmit­tel, die etwa 200 000 Mk. betragen. Die finanzielle Lage der Stadt ermöglicht nicht, hier helfend einzu­greifen.

Eine Filmhochschule in Berlin.

In Preußen soll die erste staatliche Film- Hochschule errichtet werden, und zwar soll die Einrichtung nach dem Vorbildc der schon bestehenden Moskauer Filmuniversität erfolgen. Vor einigen Wochen hat man darum den in Berlin an- wesenden Professor der Moskauer Filmhochschule W. I. S o l s k i um einen ausführlichen Bericht gebeten. Die Abhandlung ist allerdings vorläufig nur als eine reine Information gedacht Golffi ist der Meinung, daß durch eine Hochschule, die den Nachwuchs in allen Fächern ausbildet, ein günstiges Resultat für die neue Filmgeneration zu erzielen ist.

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Wettervoraussage.

Die Wetterlage bleibt weiterhin veränderlich. Noch immer gelangen durch die westlichen Druckstörungen verschiedene Luftmassen nach dem Kontinent, die sich in Bewölkung und Niederschlägen sowie Gewitter- dildungen auswirken werden. Die vorübergehende Durchbrechung der Wolkendecke läßt es außerdem zur Aufheiterung kommen. Die Temperaturen ändern ich vorläufig wenig, so daß es noch feuchtwarm und zeitweise auch schwül bleibt.

Wettervoraussage für Freitag: Noch unbeständiges Wetter, teils wolkig, teils aufheiternd, warm, zeitweise 'Niederschläge gewitterhaster Art.

Lufttemperaturen am 3. Juli: mittags 24 Grad Celsius, abends 20,2 Grad: am 4. Juli: mor­gens 19 Grad. Maximum 26 Grad, Mini­mum 15,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Juli abends: 22,2 Grad Celsius: am 4. Juli morgens: 18 Grad Celsius. Rie­derschlag 3,4 Millimeter, Sonnenscheindauer Z3/« Stunden.