Ausgabe 
3.10.1929
 
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Wirtschaft.

Oie ReichSbank Ende September.

Nach demAusweisderReichsbank vom $0. September hat sich die gesamte Kapital­anlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lom­bards und Effekten in der Ulrimowoche um 662,7 Millionen Mk. auf 2920,3 Millionen Mk. erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 411,6 Millionen auf 2528,3 Millionen Mk., die Lombardbestände um 143,1 Millionen auf 186,3 Millionen Mk. und die Bestände an Reichs- jcholzwechseln um 108 Millionen auf 113 Millionen Mark zugenommen.

An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zu­sammen sind 754,6 Millionen Mk. in den Verkehr obgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichs- banknoten um 712,3 Millionen auf 4914,3 Millio­nen Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 42,3 Millionen auf 432,7 Millionen Mk. erhöht. Dem- entspreä)cnd sind die Bestände an Rentenbankschei­nen auf 6 Millionen Mk. zurückgegangen. Die frem­den Gelder zeigen mit 501,4 Millionen Mk. eine Abnahme um 18 Millionen Mark.

Die Bestände an Gold- und deckungs­fähigen Devisen zusammen haben sich um 28,5 Millionen auf 2547,2 Millionen Mk. erhöht, und zwar haben die Goldbestände um 20 Millionen auf 2212 Millionen Mk., die Bestände an deckungsfähi­gen Devisen um 8,5 Millionen auf 335,1 Millionen Mk. zugenommen.

Die Deckung der Noten durch Gold allein betrug 45 Prozent gegen 52,2 Prozent in der Bor­woche, diejenige durch Gold und deckungsfähige De­visen 51,8 Prozent gegen 59,9 Prozent.

Günstige Geschäftslage der I.-G.-Zarbenindustrie.

Die Verwaltung der J.-G.-Farbenindustrie A.-G. verbreitet laut WTB.-Handelsdienst eine Erklärung, in der- es heißt, daß die Lage der Gesellschaft in keiner Weise zu den an der Börse umlaufenden Ge­rüchten Veranlassung gibt. Der Umsatz ist höher als im Vorjahre. Trog gestiegener Unkosten und trotz der vom Unternehmen selbst veranlaßten Preis­herabsetzung für Stickstoffprodukte werden die G e - winnerträgnisse denen des Vorjahres entsprechen. Die Gründe für die Aktienbe­wegung seien in anderen, außerhalb der Gesellschaft liegenden Verhältnissen zu suchen. Durch die sich in- solge der amerikanischen Freigabebill ergebenden Ansprüche sind der Gesellschaft rund 21 Millionen zugeflossen. Die in Basel gegründete Internationale Gesellschaft für Chemische Unternehmungen A.-G. wird Ende 1929 über ein eingezahltes Kapital von rund 126 Millionen Schweizer Franken und eine ordentliche Reserve von rund 100 Millionen Schwei­zer Franken verfügen. Das Bezugsrecht auf die zu 150 Prozent zu beziehenden vorstehenden Aktien läuft am 19. Oktober ab und wird am 15., 16. und 17. Oktober an den Börsen notiert. Jin übrigen ver­weist die J.-G.-Farbenindustrie auf ihren demnächst erscheinenden Vierteljahresbericht. Die Herbsttagung des Aufsichtsrats findet am 9. November in Lever Men statt.

Fusion Geösürel-Loewe.

Eine auf den 21. Oktober einberufene Auf- fichtsratssihung der Gesellschaft für elek­trische -Unternehmungen 21. - ®., Berlin, wird über den Zusammenschluß mit der Ludwig Loewe 21. - ®. Berlin, und der 21. ®. für Gas-, Wasser- und Elektri­zitätsanlagen. Berlin, Beschluß fassen und die näheren Einzelheiten festlegen. Wie WTB.- Handelsdienst dazu von maßgebender Seite er­fährt, bedeutet die Transaktion lediglich die for­male Zusammenfassung der bereits bestehenden Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaften. Ein Per­sonalabbau bei den beteiligten Unternehmungen komme nicht in Frage.

Bei der in Aussicht genommenen Fusion soll, wie dem WTV -Handelsdienst aus der Berwal- tung nahestehenden Kreisen weiter mitgeteilt wird, das Umtauschverhältnis gegenüber den Loewe-2lktionären 1: 1 und gegenüber den 2lgwea-2lktionären 2:1 betragen. In Verbin­dung mit der Transaktion wird die Gesfürel ihr Kapital von 75 auf 100 Millionen Mark erhöhen, wovon 20 Millionen Mark ab 1. Ja­nuar 1929 dividendeberechtigte Aktien für die Fusion, die restlichen 5 Millionen Mark ab 1. Ja­nuar 1930 dividendeberechtigten Aktien zuzüglich eines den Verwertungsaktien der Gesfürel ent­nommenen Betrages zur Gewährung eines Be­zugsrechtes für die Aktionäre von Gesfürel und Loewe im Verhältnis von 10: 1 Verwendung finden sollen. Der Bezugskurs dürfte sich etwa zwischen 110 und 120 Prozent bewegen.

* Mannesmann-Röhrenwerke 21.»®., Düsseldorf. In der Aufsichtsratssihung be­

richtete der Vorstand, daß seit einigen Monaten, auch die 2lebenbetriebe in Hückingen mit gutem Erfolg tätig sind, so daß nunmehr sämtliche Reuanlagen arbeiten und alle hieran geknüpften Erwartungen sich voll erfüllen. Das Geschäft hat sich im ersten Halbjahr 1929 normal ent­wickelt. Die Verladungen weisen sowohl bei den Zechen, als auch bei den Hüttenwerken eine Steigerung gegenüber der gleichen Zeit des Vor­jahres auf. Auch das geldliche Ergebnis hat sich gebessert, und zwar war der Ueberschuß der Kohlenbergwerke ein höherer, während er bei den Hüttenwerken zurückblieb. Wenn nicht unvor­hergesehen Ereignisse eintreten, darf damit ge­rechnet werden, daß die Dividende für das laufende Geschäftsjahr auch auf das erhöhte Aktienkapital hinter der des Vorjahres nicht zurückbleiben wird. (Für 1928 wurden bekanntlich 1 Proz. Dividende verteilt.)

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. M, 3. Oft. Tendenz: schwach. Die Börse stand vollkommen unter dem Ein­druck des plötzlichen Todes des Reichsauhen- ministers Dr. Stresemann. Um an der Vor­börse zu weitgehende Unterwertung der Kurse zu vermeiden, tarnen Banken und Makler über­ein, bis zu den ersten amtlichen Votierungen keine Papiere zu handeln. Zum offiziellen Be­ginn zeigte es sich dann, daß zwar die Kurs« gegenüber der gestrigen Abendbörse teilweise nicht unbeträchtliche neue Einbußen erlitten, doch erfüll­ten sich die vorbörslich gehegten Besorgnisse vor sensationellen Kursrückgängen nicht. Das Ange­bot, namentlich am Farbenmarkt, war allerdings aus Spekulations- und Kundenkreisen groß, doch griffen die Großbanken in stärkerem Maße inter­venierend ein und nahmen einen großen Teil des herauskommenden Materials auf. Die herr­schende Unsicherheit ist hauptsächlich auf das Ab­leben des Reichsauhenministers Dr. Stresemann zurückzuführen. Die Erklärung der J.-G.-Farben über einen guten Geschäftsgang, der unverändert belassene Diskontsatz der Bank von England und die feste Reuyvrker Börse traten stark in den Hintergrund. Die ersten Kurse lagen durchschnitt­lich 1 bis 3 Proz. niedriger. Stärker abgeschwächt waren Kaliaktien, von denen Ascherslebeü und Westeregeln je 5,5 Proz. verloren. Ferner Zellstoff Waldhof mit minus 6,25 Proz., Deutsche Linoleum mit minus 5 Proz. Von Eleftrowerten waren vor allem Schuckert mit minus 5 Proz. angeboten. Elektrische Lieferungen, Gesfürel und Siemens verloren je 2,5 bis 3 Proz. Farben­aktien lagen 2,40 Proz. niedriger. Dank- und Schifsahrtswerte gaben bis zirka 1 Proz., Mon- tanattien bis 2 Proz. nach. Etwas erholen konn­ten sich Glanzstoff, die gegenüber dem s chwachen Abendbörsenkurs 3 Proz. gewannen. Deutsche Anleihen lagen schwächer. Ausländische Renten fast ohne Geschäft. Im Verlaufe wurde das Ge­schäft sehr still, man übte allgemein große Zu­rückhaltung. die Kurse waren auf dem ermäßig­ten Anfangsniveau meist etwa behauptet und teilweise sogar leicht erhöht. Am Devisen­markt lag das Pfund international etwas schwächer, konnte sich aber gegen den Frank leicht erholen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1970, gegen Pfund 20,394, London gegen Kabel 4,8590, gegen Paris 123,90, gegen Mailand 92,75, gegen Madrid 32,75, gegen Holland 12,1013.

Berliner Börse.

Berlin, 3. Okt. Die heutige Börse stand im Zeichen der niederschmetternden Nachricht von dem plötzlichen Ableben des Reichsaußenministers D r. Stresemann. Schon im Vormittagsoerkehr war die Erregung in den Bankbureaus sehr stark, und es war nur richtig, daß die Banken und Makler, um die 'Nervösität nicht zu vergrößern, von jedem Freiverkehr absahen. Auch vorbörslich war der Ver­tust, den Deutschland durch das Ableben des Reichs- außenminifters erlitten hat, das Hauptgesprächs­thema und alle anderen Momente traten weit in den Hintergrund. Umsätze fanden vorbörslich eben­falls nicht statt, man wartete ab, wie sich das Jn- teroentionskonsortium heute seiner nicht leichten Aus­gabe entledigen luerbe. Man beschloß, daß bei Ab­schlägen von mehr als 2 v. H. des ausmachenden Betrages ein Kommissar hinzegezogen werden muß, der eventuell auch das Recht hat, die Notiz aus- falten zu lassen. Von diesem Recht wurde aber kaum Gebrauch gemacht. Die ersten Kurse waren verhält­nismäßig besser gehalten, als man erwartet hatte. Die Rückgänge betrugen nur ganz vereinzelt mehr als 1 bis 4 o. H. Eo verloren Schubert & Salzer 8 v. H., Bemberg 10 v. H., Glanzstoff 11,5 v. H., Polyphon 7,5 v. H., Deutsche Linoleum 7 v. H., Schuckert 5,90 v. H. ujw. Das herauskommende 'Ma­terial kam hauptsächlich aus Börsenkreisen. Der Ver- kaussdrang bei den Banken war nicht all zu groß und im allgemeinen lagen die Märkte auffallend ruhig. Man wollte wissen, daß von der Schweiz und auch von anderer Auslandseite im Gegensatz

zu gestern Kaufaufträge vorgelegen haben. Deutsche Anleihen behauptet. Auch Ausländer ziemlich gut behauptet. Pfandbriefe nachgebend. Der Geld­markt war unverändert, in sich zwar eher leichter, die Sätze weichen aber immer noch nicht. Auch im Verlause bewegte sich das Geschäft in ruhigen Bah­nen. Die unvrränderte Londoner Diskontrate war trotz der weiteren Goldverluste der Bank von Eng­land (gestern wurden nach Paris zirka 430 000 Pfund Sterling verkauft) erwartet worden und blieb auf die Tendenz ohne Einfluß, die Kurse konnten sich aber auf weitere Stützungskäufe eher bessern. Das Kommunique der J.-G.-Farben über ihren guten Geschäftsgang und die angeblichen Freigabegelder wurde zur Kenntnis genommen, doch scheint man enttäuscht zu sein, da konkrete Angaben über die Umsätze fehlten. Farben-Bezüge nannte man mit 4,5 v. H. Geld. Später wurde die Kursentwicklung uneinheitlich. Man konnte Veränderungen bis zu 1 o. H. nach beiden Seiten gegen Anfang beobachten.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 3. Okt. Auftrieb: 162 Rinder, 1150 Kälber, 611 Schafe, 684 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 78 bis 72 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 74 bis 77 Mark, geringe Kälber 66 bis 73. Schafe: Maftlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 46 bis 49, mittlere Maftlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 45, fleischiges Schaf­vieh 32 bis 35. Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebend­gewicht 90 bis 92, von etwa 200 bis 240 Pfund 90 bis 92, von etwa 160 bis 200 Pfund 90 bis 92, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 85 bis 90 Mark. Marktverkauf: Kälber und Schafe ruhig, geräumt; Schweine rege, zum Schluß ab- flauend, ausverkauft, leichte Schweine vernachlässigt.

Berliner Provnktenmarkt.

Berlin, 2. Oft. Die Produktenbörse zeigte heute eine wenig einheitliche Tendenz. Von Uebersee lagen keine besonderen Anregungen vor, die leichte Erholung des Liverpooler Mark­tes, sowie die Erwartungen auf Erhöhung des Vermahlungszwanges von Jnlandweizen auf 50 Proz. losten am Lieferungsmarkt für Weizen einige Deckungsnachfrage aus, so daß die spä­teren Sichten bis 1,50 Mark hoher einsehten. Oktoberweizen war anfangs infolge der heute erfolgten Andienungen etwas vernachlässigt, konnte aber bald den gestrigen Preisstand wie­der erreichen. Roggen stellte sich dagegen 0,50 bis 1,25 Mark niedriger als gestern. Jnland­weizen zur prompten Waggonladung war zu etwa 2 Mark höheren Preisen ziemlich knapp angeboten, Gebote lagen zumeist auf gestrigem Riveau. Roggen ist namentlich in Kahnmaterial weiterhin reichlich offeriert und wird 1 Mark niedriger bewertet. Von Stützungskäufen war bis zur Abfassung des Berichts nichts festzu- ftellen. Mehl liegt weiter sehr still, zu unver­änderten Preisen erfolgen kleinste Bedarfskäufe, wobei billige Provinzialroggenmehle bevorzugt bleiben. Hafer ziemlich knapp angeboten und in feinen Qualitäten vereinzelt etwas hoher be­zahlt. Gerste ruhig. Es wurden notiert (1000 Kilo): Weizen, märkischer, 222 bis 224 (fester), Okt. 236,50 bis 238,50, Dez. 257 bis 253, März 264 bis 265; Roggen, märkischer, 179 bis 182 (stetig), Okt. 192,50 bis 193,50, Dez. 205,50 bis 206 (Geld), März 217 bis 218 bis 217,75; Brau­gerste 196 bis 216; Futtergerste 170 bis 186 (ruhig); Hafer, märkischer, 166 bis 176 (fester), Okt. 181,50. Dez. 193 bis 193,75 (Geld), März 205,50 (Geld); Mais, La Plata, 207 bis 208 (still); Roggenmehl 24,50 bis 27,25; Weizenkleie 11,10 bis 12,25 (still); Roggenkleie 10,80 bis 11,25 (still); Viktoriaerbsen 36 bis 44; kleine Erbsen 28 bis 33; Futtererbsen 21 bis 23; Raps­kuchen 18,50 bis 19; Leinkuchen 24,30 bis 24,60; Trockenschnihel 12 bis 12,20; Sojaschrot 19,90 bis 20,50 Mark.

Büchertisch.

D a 5 Rosenwunder" und drei andere Geschichten von der Liebe. Novellen. Blichoerlag Scherl, Berlin. Geh. 2,50 Mk., Ganzleinen 3,70 Mk. (301.) Ernst Keil's Nachfolger, G. m. b. H., Ber­lin. Das Rosenwunder Herbstgold Rose­marie Der Teufelssee heißen die vier No­vellen dieses Buches. Es sind vier Liebesgeschichten von einer wundervollen Zartheit und mit Aus­nahme der NovelleRosemarie", die die beiden Liebenden ein volles Glück finden läßt, von leiser Tragik. Wohl klingen alle versöhnlich aus, aber die von dem Verfasser gestalteten Menschenkinder sehen sich in ihrer Reinheit und sittlichen Größe gezwun­gen, zu entsagen, zu verzichten und nur im Tode Vereinigung mit dem Liebsten zu erhoffen. Sehr reizvoll bringt der Verfasser das Mittelalterliche, Wunderbare und Märchenhafte in seinen Novellen zum Ausdruck.

Oluf großer Fahrt. Tagebuchblätkdtz einer Kapitänsfrau aus der großen Zeit der Segelschiffahrt". Von Eugenie Rosen­berger. (Verlag von Wilhelm Kohler, Minden i. W. Ganzleinen 6 Mk.) In diesem Buch weht frische, würzige Seeluft. Es ist wahr bis in die kleinsten Einzelheiten, und, was das wichtigste ist, die Verfasserin hat die Gabe, zu fesseln, so daß der Leser Zeit und Llmwelt vergißt, und sich selbst verseht glaubt art Bord des eisernen Vollschiffes Regulus" mit seinem biederen Kapitän Jürgen, einem prächtigen Seemann von altem Schrot und Korn, und teilnimmt an Sturm und Gefahr, aber auch an allen Freuden und kleinen Er­eignissen des Bordlebens und des Lebens in den überseeischen Hafenplätzen. In der geschmackvollen Ausstattung, die der Verlag dem Buche gegeben hat, ist es als Geschenk sehr geeignet, und Leute von der Wasserkante und aus dem Binnenlande, nicht zuletzt unsere reifere Jugend, werden bei der Lektüre dieses Buches schone Stunden er­leben. (379)

3 ane Greh:Der verlorene Fluß". Roman. 302 Seiten 8°. Aus dem Ame­rikanischen übertragen von Paul Daudisch (Romane der Welt), Th. Knaur Rachf., Verlag, Berlin W 50. Ganzleinen Mk. 2,85. '(414).

> Friedrich Lehmann: Wir von der Infanterie. Tagesbuchblätter eines bayerischen Infanteristen aus fünf Jahren Front- und Lazarettzeit. 194 Seiten 8°. Geh. 3., geb. 4,50 Mk. I. I. Lehmanns Verlag, München 1929. (412).

Letzte Nachrichten.

Wird Indien Dominion?

Die indische Politik der Arbciterregierung.

London, 2. Okt. (T^l.) Rachdem die Ar­beiterregierung vor kurzem gegenüber Aeghp - t e n und dem Irak eine Aenderung der bisheri­gen Politik Großbritanniens angekündigt hatte, scheint nunmehr eine noch größere Sensation in der Orientpolitik der Engländer bevorzustehen. Wie es scheint, beabsichtigt die Arbeiterregierung Indien den Dominienstatus, d. h. volle Selbstverwaltung zu gewähren. Der diplo­matische Korrespondent desDaily Telegraph" kündigt bereits an, daß in kürzester Zeit neue bedeutsame Schritte hinsichtlich der Verfassung; Indiens zu erwarten seien. In ministeriellen Kreisen' nehme man an, daß diese Ankündigung noch vor der Eröffnung '.des A l l i n d i s ch e n Kongresses, am 1. Dezember erfolgen werde. Die englische Regierung hoffe, durch Gewäh­rung des Dominienstatus für Britisch-Jndien die Haltung dieses Kongresses beeinflussen zu können, um auf diese Weise zu verhindern, daß es zu einer großen Gegenaktion der indischen Ratio­nalisten komme. Die hinter G Han di stehenden Kreise hätten bekanntlich verlangt, daß die indi­schen Wünsche, auf Gewährung einer Selbstver­waltung b i s zum 31. Dezember des Jah­res erfüllt werden mühten. Die Arbeiten der sogenannten Simon-Kommission, die einen Bericht über die indischen Verfassungsreformen ausarbeiten soll, würden jedoch kaum vor An­fang nächsten Jahres zum Abschluß gebracht wer­den können. Eine derartige Verzögerung der Verfassungsreform erscheine aber als unerwünscht.

Das ägyptische Kabinett zurückgetreten.

London. 2. Okt. (TU.) Das ägyptische Ka­binett ist zurückgetreten. Ministerpräsident M o- hamed Mahmud Pascha hatte vor der Ueberreichung des Rücktrittsgesuches bei König Fuad eine Aussprache mit dem englischen Ober­kommissar und wurde im Anschluß daran von König Fuad empfangen, der vorher auch R a h a s Pascha, den Führer der Opposition, empfangen hatte. In politischen Kreisen Alexandriens rech­net man damit, daß sofort ein Beamten- f a b i n e 11 gebildet wird. Es ist aber ungewiß, ob Mahmud Pascha die Ministerpräsidentschaft übernimmt. Das neue Kabinett wird wahrschein­lich nur vorübergehend im Amt bleiben und in erster Linie die Aufgabe haben, die Wahlen im Zusammenhang mit der Ratifi­zierung des englisch-ägyptischen V e r t r a ges durchzuführen. Der Rücktritt Mo­hamed Mahmud Pascha im gegenwärtigen Augen­blick wird in politischen Kreisen allgemein als eine Rückkehr zum Parlamentarismus ausgelegt, was als eine Verstärkung des Ein­flusses der Wafd-Partei anzusehen ist, die parla­mentarisch noch immer eine außerordentlich starke Stellung hat.

Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse.

Sie hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent.

Frankfurt a. M.

Berlin

Schluh- Kurs

1-Uhr

Kurs

Schluß- Kurs

Anfang- Kurs

Datum

2.10.

3.10.

2.10.

3.10.

6% RetchSaulethe v. 1927 . . $L «nl.-Wlös.-Schuld mit An«.

87,5

53,55

87,5

los^Rechten.........

53,6

53,6

TeSfiL ohne AuSIos.-Rechte . . . 7% yraukf. Hyp^Bl. Goldps. uw

9,5

9,35

9,65

9,5

kündbar bi« 1932......

85,5

4*4% Rheinische Hyp.-Bauk ßlqu.- Goldpj............

76,75

88

_

3.0.®. aba. Vorkriegs.Obligation., rückzahlbar 1932 .......

4% Schweiz. BundeSb.-Anl.. . .

4% Oesterreichtsche Oolbrte.. . .

28,25

_

28

28

2,85

2,1

2,65

4% Oesterreich, einheitl. Rte . .

_

93

22,9

22,6

19,9

<*£ Ungarstche Staat-r. v. 1910 .

4yt% beifll. von 1913.....

22

4% Uno arische Kronenrte.....

4% Dirk. ZoUanleihe v. 1911 . .

2

7,3

2

7,3

1.9

4% Türkische Bagdadbahu-Anl.,

Serie 1...........

4% behl. Serie II.......

7,25

7,35

7,5

7,25

_

7,45

4% Rumänen convcrt. Rie. . . .

7,475

-___

7,45

_

4 %% Rumänen «SolbanL von 1919

14,75

14,6

Mg. Deutsche Eisenbahn . . 4'/,

_

_

Hamburg-Amerika Paket ... 7

Hamt.^üdam. Dampfsch. . . 8

118,13

116,4

Hansa Dompsschiss.....10

»

158,13

155

Rorddemscher Äoqd.....8

108,5

107,25

109

107,4

Wg. Deutsch« Lreditanst. . . 10

125,25

125,5

124,25

Barmer Bankverein .... 10

126

125

126,25

124,25

Berliner HrmdelSgesellsch. . . 12

Lommerz. und Privat-Banl. 11

206,75

206,5

203

177,75

176,5

177,75

176,5

Darmit. u. Ratio null) an! . . 12

269,5

268,75

267

Deutsch« Bank......10

164

165

162,5

Dirkanw^Sesellschaft LU.. . 10

164,25

165

Dresdner Vanl ......10

156,75

158

159

157,5

«etalLan t.........8

ReichSMl ........ 12

284

286

285

Frcmtfun a. M.

Berlin

Schluß- Kn

t-Ubr Kurs

Schlnb- Kurs

Anfang. Kur-,

Dalum

2-10.

3.10.

2.10.

3.10.

A.E.G............6

Bergmann ......... 9

Elektr. Lieferungen.....10

Licht und Kraft......1°

tzelten 4 Guilleaume. ... 714

Ges. f. Eleltr. Untern.....10

Hamb. Elektr. Werke .... 10

Rhein. Elektr.........9

Schlei. Elektr........io

Schuckert....... 11

Siemen« & Halske ..... 16 Transradio ......... 8

LahMeyer 6 To.......10

Buderus....... . . 5

Deutsche Erdöl..... . 6

Essener Steinkohle ...... 8

Gelsenkirchener ....... 8

Harpener....... . . 0

Hocsch Eisen........6V;

Ilse Bergbau ....... 10 «locknerwerke.........

Köln-Reuessen. ....... 7

Mannesmann........ 7

Man,selber.........1

Lberichlei. Eisenb. Bedarf... 5

Oberschles- KoUwerke.....7

Phönix Bergbau......

Rheinisch« Braunkohlen... 10

Rheinslahi.........6

Riebeck Montan ...... 7,2 Vereinigte Stahl». .....

Olavi Minen..... 10/»

Kalt Ascherileben ..... lu

Kalt Westeregeln......10

Kaliwerk Salzdetfurth ... 16

I. ®. ffarben^udustrie... 12 Dynamit Nobel..... . «

Scheide an statt...... ..9 Goldschmidt ...... ..6 Rsttgerlmerke ........ Metallgesellschc^t. ...... 8

184

218,75

167

193

130

212,5 360

177

140

213

104,5

103

264,5

113,5

111

224,5

229

377

203,5

150

72

75,5

125,5

183

164

189,5

141,5

357,5

177

134,75

101,13

111,5

219

223,5

201,13

70

71,5

124,5

185,5 218,25 167,25

193,5

130 192,13

142,5

143 176,25 212,13 362,25 135,13 176,25

67,75 109,65 134,75 136,75

141,5 122,75

215 112,5

120 105,75

131

77,9 98,75

103 266,25

115

111,5

68

224

229 379,5

204,5

97,9

71,5

75

125

183,5

215 165,25 189,25

125 188,75

142,5 172,13 206,25

358

175

65 107,25

133 134,75 138,5

118

214 110,5 115,75 104,5 130,25

74,5

96,6 100,75 261,5

110

67,25 221

226 376

201,75

72,25

Frankfurt a M. |

Berlin

Schlub» Kurs

1-llhr I

Kurs |

Echlutz- KurS

Anfang» Kurs

Datum

2.10.

3.10.

2.10.

3.10.

Philipp Holzmann......<

Heidelberger Eement.... 10 Eement Karlstadt.....1°

Wayb & Freitag.......8

SchirltheiS Patzenhoser ... r> Ostwerke.........l8

Ber. Glanzstoff......18

Bemberg.........14

Zellstoss Waldhos .... 13 ys Zellstoss Aschaffenburg ... rz Eharlottenburger Was,er ... 8 Dessauer GaS........9

Daimler Motoren......v

Deutsche Maschinen-Fabril . . ' Adlerwerke Klever......0

Ludw. Loewe.......10

Rat. Automobil.......o

Oren stein & Koppel ..... o Leonhard Tietz ...... 1° Bamag-Megutn ....... O Franks. Maschine»......4

Gritzner ......... .6 Hcyligensiaedt ....... 0 JunghanS. ......... 6

Lechwerke. ...... .8

Mainkraftwerko.......8

Mag...........io

Nelarsulmer........S

Peters Union........8

Gcbr. Roeder ....... 1°

Boigt 4 Haeffner......9

Sstdd. Zucker.......10

95

123

179

97

266

145,25

39,75

48,5

54

106 105,25 125,5

108,5

222 154,25

95,75

269

219,25

143,5

39,75

39,5

153,5

95,9

97,5

285

225

277

223

225

145

97,13

177,13

42

50,25

40,5

192

22

78,5

191,25

49

50

125,5

222

153,5

283

223

265,5

213

221

96.5

175 40,75 48,75

40

187,75

76

190

125

Banknoten.

Berlin, 2. Oktober

Geld

«rief

Amerikanische Noten .....

4,179

4,199

Belgische Noten........

Dänische Noten ........ Euotüchr Rote».

58,23

11,63

20,33

58,47

112,07

20,41

Berlin, 2- Oktober

Geld

«rief

Französische Noten.....

16,435

16,495

Holländische Noten......

167,96

168,64

Italienische Noten ......

21,96

22,04

Norwegische Noten......

111,63

112,07

Deutsch Ocstrrr .ä 100 Kronen

58.78

59,02

Rumänische Noten......

2,482

2,502

Schwedische Noten......

112,18

80,79

112,62

Tschechoslowakische Noten . .

12'36

12*42

Ungarische Noten . . ....

72,93

73,23

Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M.

Telegraphische Auszahlung.

2. Oktober

3. Oktober

Amtliche Notierung

Amtliche 9 Geld

iotierung Bries

Geld

Brief

Amst.-Nott.

168,28

168,62

168.31

168,65

Buen.-Aires

1,758

1,762

1,758

1,762

Brff-Antw.

58,38

58,50

58,375

58,485

Christiania.

111,87

112,09

111,85

112,07

Kopenhagen

111,91

112,13

111,89

112,11

Stockholm .

112,43

10,559

112,41

112,63

Helstngforö.

10,539

112,65

21,98

10,535

10,555

Italien. . .

21,94

21,94

21,98

London. ..

20,37

20,41

20,368

20,408

Neuvork . .

4,1920

4,2000

4,192

4,200

Parts....

Schweiz ..

16,45

16,49

16,44

16,48

80,92

81,08

80,90

81,06

Spanien. .

60,20

60,32

62,19

62,31

Japan . .. Rio de Jan.

1,99

2,00

1,998

2,002

0,497

0,499

0,4975

0,4995

Wien in D-» Oest. abgcft.

58,94

59,06

58,92

59,04

Prag . . ..

12,409

12,429

12,412

12,432

Belgrad ° -

7,38

7,40

7,383

7,397

Budapest. . Bulgarien.

73,12

73,26

73,12

73,21

3,03

3,04

3,035

3,041

Lissabon . .

18,80

18,84

18,78

18,82

Danzig. . .

-Konstantin.

81,48

81,64

81,46

81,62

2,025

2,029

2,025

2,029

Athen. . .

5,425

5,435

5,425

5,435

Canada . .

4,15

4,16

4,154

4,162

Uruguay. .

4,096

4,104

4,096

4,104

Cairo .»

20,89

20,93

20,89

20,63