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Personen zusammengezogen. die gegenwärtig auf das schärfste kontrolliert werden. Ls ist weiterhin sestgestellt, daß die Lüneburger Attentäter in Schleswig die gleiche Margarinekiste zur Verpackung ihrer Höllenmaschine benutzten wie in Lüneburg. Eingehende Nachforschungen in dem fraglichen Margarinewerk haben ergeben, daß sich die Täler von einem Händler dieser Fabrik einen größeren Posten von Margarineverpackungskisten verschafften, die dann gleichmäßig für die verschie­denen Anschläge benutzt worden sind.

Den Attentätern ans der Spur?

Berlin. 3. Sept. (Priv.-Tel.) Bei der Ber­liner Kriminalpolizei hat sich ein wichtiger Zeuge gemeldet, dessen Angaben für die weiteren Ermit­telungen in der Dombenanschlagsasfäre von gro­ßer Wichtigkeit sein können. Dieser Mann hat in der fraglichen Nacht gegen 2 Uhr am Bismarck- denkmal am Platz der Republik eineu Per­sonenkraftwagen halten sehen, dem zwei jüngere Leute entstiegen. Diese gingen nach dem Reichstagsgebäude zu, kehrten aber schon nach ganz kurzer Zeit zum Kraftwagen zurück und fuhren mit diesem in Richtung Lehrter Bahnhvf da­von. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Leute als Täter in Frage kommen. Line genaue Beschreibung der Männer konnte der Zeuge jedoch nicht geben, da sich der ganze Vorfall in wenigen Minuten ab­gespielt hat.

Ein Erlaß des preußischen Innenministers.

Berlin, 2. Sept. (WB.) Amtlich hat der Minister des Innern Gr zesinski an die Nachgeordneten Behörden den folgenden Erlaß gerichtet:Seit einer Reihe von Wochen wird die Oeffentlichkeit immer wieder durch Spreng st offanschläge beunruhigt, die schweren Sachschaden verursacht und auch Men­schenleben in Gefahr gebracht haben. Die häufi­gen Wiederholungen, die Gleichartigkeit der Vor­bereitung wie der angewandten Mittel und die Auswahl der Ziele der Attentate lassen die Annahme gerechtfertigt erscheinen, daß es sich um das planmä feige Vergeh en einer Gruppe radikalerElemente handelt, die politische Unruhen zu verbreiten und dadurch ihre dunklen Absichten zu fördern suchen. Diese überall unter dem Schutz der Rächt betriebenen verbrecherischen Machenschaften können zwar das öffentliche Leben in keiner Weise erschüttern, doch bedeuten sie peinliche Störungen der Ordnung, die allen Behörden und Beamten die Sorge zur gebieterischen Pflicht machen, dah diesen hinterhältigen Verbrechern am Volk schleu­nigst das Handwerk gelegt wird.

In erster Linie hat die Polizei mit größ­tem Rachdruck und allen notigen Mitteln zu ar­beiten. Insbesondere wird sie sich zur Aufklärung dieser heimtückischen Verbrechen der tatkräf­tigen Mithilfe der Bevölkerung zu versichern haben. Ich ersuche daher, die Bevölke­rung zu eifriger Mitarbeit an der Aufklärung zu gewinnen und heranzuziehen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei geeigneter Einwirkung alle Kreise bestreb^ sein werden, das Erdenklichste zu tun, um den .Missenlosen Leuten entgegen­zutreten, die in dieser Zeit schwerster wirtschaft­licher Rot die ruhige Arbeit, das Eigentum und das Leben der Volksgenossen zu gefährden wagen.

Oer preußische Handelsminister für Steuerreform.

Magdeburg, 3. Sept. (Telun.) Auf dem Ge­treidehandelstag sprach der preußische Handelsmini- ster Dr. Schreiber überWirtschaftliche Tages­fragen". Schreiber sprach sich entschieden gegen

Verlorenheit.

Von Anton Schnack.

Ein glattes, bleigraues Meer liegt zwischen drei und vier Uhr nachmittags in der Bucht. Zwar war die Nacht voll niederstürzender Regengüsse und der Wind von ab- und zunehmender Gewalt. Der Him­mel ist ein fahles Tuch. Von den Inseln herein kommt Rauschen. Das offene Meer scheint noch in Bewegung zu sein.

In den Bergwäldern singt ein« Amsel. Ich höre nur ihren höchsten Ton. Es ist zu weit. Don wei­denden Kühen wird auf einem Hangpfad eine Glocke durch das Gestrüpp getragen. Spatzen hatten schrillen Lärm in den weifeblühenden japanischen Lorbeer­büschen getrieben. Sie sind verschwunden.

Immer wieder die Amselschläge. Ich merke, daß der Vogel zwischen Felswänden singt. Sein Gesang hat etwas Verstärktes und Hartes bekommen.

Am Uferrand kniet eine ältere Frau; ein Junge von vierzehn und ein Mädchen von vielleicht drei­zehn Jahren begleiten sie. Sie sammeln das an­getriebene Holz von der Gegenseite, wo riesige Holz­stapelplätze bosnischer Sägewerke sind. Die Frau hat einen grauen Rock an und trägt über dem spär­lichen Haar ein graues Kopftuch. Mühsam schleppt sie den Sack mit den Holzstücken, Latten, Spreiseln, kleinen Klötzen. Jetzt hat sie ihn niedergestellt. Un­erforschbar geht ihr Blick über das Meer.

Der 13. Mai ist ein sonniger Tag. Ich streife durch die Insel; ich betrete Oelgärten, kleine Pinienstktche. Ein Nest mit jungen Meisen entdecke ich im Ast­loch eines alten Olivenbaumes. Der Einfall einer Fasanenhenne in ein Gebüsch. Sie fällt ein mit rol­lendem, fast knatterndem Flügelgeräusch, sichert blitzschnell und läuft einen Geröllhaufen hinauf in die Wucherung eines Dickichts. Ich finde viele Mu­schelschalen in der rötlichen Erde, die um die Olioen- bäume aufgelockert ist, sonst ist sie mit fahlgrünem fingerhohem Grase bedeckt. Von ferne wieder das eintönige traurige Läuten einer Kuhglocke.

Manchmal sehe ich durch die Gebüsche und Baum­wipfel hindurch ein Stück Meer. Ein Segel.

Ach, die Segel! Sie wirken dekorativ. Schweigend. So gehen Träume durch uns.

28. Mai, abends 10 Uhr. Abaeschnitten scheine ich von der Welt. Ich höre das Meer die Felsen des Ufers schleifen. Es seufzt. Wie ein Riesentier, das Wasser einzieht und ausstößt. Heute seltsame Flut­bewegung. Das Meer war höher als sonst.

Mittags sahen wir von der Terrasse aus ein braunes großes Bündel gegen eine vorspringende Uferspitze treiben. Zuerst hielten wir es für eine offene Holzschachtel. Es trieb vom Hause etwas abseits in die Klippen, hinein.

Die Durchführung der RäumungsMon.

Berlin, 3. Sept. (Prio.-Tel.) Im Zusammen­hang mit dem Notenwechsel über die Räumung der zweiten und dritten Zone sind bekanntlich der deut­schen Regierung d,ei Annexe übergeben worden, in denen Mitteilungen über die technische Durch­führung der Räumun g enthalten sind. Wei­ter enthalten diese Anhänge Mitteilungen über die vorläufige Abgrenzung der dritten Zone und schließlich ist noch dem Wunsche Ausdruck ge­geben worden, daß mit Frankreich und Belgien über eine Amnestierung derjenigen Personen verhandelt wird, die mit den französischen bzw. belgischen Truppen in Verbin­dung gestanden haben. Von den Besatzungs­mächten ist auch Mitteilung gemacht, daß d i e Rheinlandkommission ihren Sitz von Ko­blenz wegverlegen wird, lieber den neuen Sitz der Rheinlandkommission ist von den Besatzungsmäch­ten noch nichts mitgeteilt worden, jedoch darf ange­nommen werden, daß die Rheinlandkommission sich bis zur endgültigen Räumung in Wiesbaden niederlassen wird. Nach dem Abzug der Besatzungs­truppen werden deutsche Schutzpolizisten in das Gebiet einziehen, und zwar gemäß den Ab­machungen, die im vorigen Jahre mit der deutschen Regierung über die Zahl und Verteilung der deut­schen Schutzpolizei getroffen worden sind.

lieber die Vorbereitungen, die die Engländer für die Räumung treffen, ist noch nichts Bestimmtes bekannt. Sie sollen jedoch dabei sein, einen ge - nauen Räumungsplan aufzustellen. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat es den Anschein, als ob die ganze aus 6000 Mann Mili­tärs und 4000 Familienangehörige bestehende eng­lische Besatzungsarmee m ö g l i ch st beschleu­nigt zurückgezogen werden soll. Man nimmt an, daß Königstein und Schmalbach in erster Linie geräumt werden, lieber die Absichten der noch in Wiesbaden weilenden französischen Besatzungsangehörigen, die dort etwa 80 bis 100 Wohnungen innehaben, ist noch nichts be­kannt. Es kann also noch nicht gesagt werden, ob sie gleichzeitig' mit den Engländern Wiesbaden ver­lassen, oder bis zur Räumung der dritten Zone durch die Franzosen dort bleiben wollen.

Stresemann berichtet dem Reichskabinett.

Berlin, 2.Sept. (Privatmeldung.) Wie in politischen Kreisen verlautet, wird das Reichs­kabinett am Dienstag voraussichtlich bereits vor­mittags eine Sitzung abhalten, in der Reichs­aufeenminister Dr. Stresemann und die übri­gen Mitglieder der deutschen Delegation über den Verlauf und das Ergebnis der Haager Konfe­renz Bericht erstatten werden. Für die parlamentarische Erledigung der

Haager Konferenz ist die zweite Hälfte des Oktober vorgesehen, und es ist anzuneh­men, dafe die französische Regierung dafür etwa den gleichen Zeitpunkt in Aussicht genommen hat.

In der morgigen Kabinettssihung wird vor­aussichtlich übrigens auch der Bomben­anschlag im Reichstag zur Sprache kom­men. In politischen Kreisen sieht man in diesem Attentat ein Ereignis, dessen politische Bedeu­tung über die Geringfügigkeit des sachlichen Schadens hinausgeht. Cs erscheint deshalb mög­lich, dafe das Reichskabinett besondere Maß­nahmen erwägen wird, die geeignet sind, sol­chen Terrorakten entgegenzuwirken.

OerLandeskommiffar von Rheinhessen an die Siaaisregierung.

Mainz, 2. Sept. (WTB.) Auf das Telegramm der hessischen Regierung an den Landeskommissar für die besetzten hessischen Gebiete hat der Kommis­sar geantwortet:

Die Einwohner Rheinhessens und des rechtsrheinischen hessischen Brückenkopfes sehen mit inniger Freude dem Tag entgegen, an dem ihnen vergönnt sein wird, gleiches Recht und gleiche Freiheit mit allen übrigen Deutschen im Reich zu haben. Mit der Genugtuung über die Erfolge, die der Reichsregjerung in dieser Hinsicht bcschieden waren, verbindet sich der Dank für die nie ermüdende Sorgfalt, mit der die hessische Landesregierung unseren Bürden Erleichterung und unseren Wünschen Er­füllungen zu bewilligen bestrebt ist. Die Gefühle, die die hessische Regierung durch mich dem besetzten Teil Hessens bekannt gibt, finden links und rechts des Rheins herzlichen i Widerhall. Der Landes­to m m i f f a r für das, besetzte hessische Gebiet.

Oie Deutsche Dolkspartei Hessens an Or. Stresemann.

Darmstadt, 2. Sept. (WTB.) Der geschäfts­führende Ausschuß der Deutschen Volkspartei in Hessen trat zu einer Sitzung zusammen, in der Reichstagsabgeordneter D i n g e l d e y über die poli­tische Lage berichtete. Der geschäftsführende Aus­schuß beschloß einstimmig, an den Reichsaußen­minister Dr. Stresemann in Genf folgendes Tele­gramm zu senden: Der Wahlkreisvorstand Hessen der Deutschen Volkspartei hat nach einem Bericht des Reichstagsabgeordneten Dingeldey über das Er­gebnis der Haager Konferenz das Bedürfnis, Ihnen, dem Führer und Staatsmann, aufrichtigsten Dank und Gruß zu senden für Ihre aufopfe­rungsvolle jahrelange Arbeit, die nun den Namen Stresemann für die Weltgeschichte verbinden wird mit der endgültigen Rettung der Rheinlande.

ein Getreidemonopol aus. Er kam dann auf die ausländische Schuld Deutschlands zu sprechen und trat für Kapitalneubildung in Deutschland ein. Scharf kritisierte Schreiber die Ueberfteuerung und forderte die Beseitigung der die Landwirtschaft drückenden Rentenbankschul­den. Der breiten Masse müsse die Möglichkeit zu Ersparnissen gegeben werden. Es müsse geprüft werden, ob nicht die Gewerbe- und Kapital st euer abgebaut werden könne, die durch eine Mehrbesteuerung des Alkohols und der Tabakerzeugnisse ausgeglichen werden können.

Oie Konkordatsverhandlungen der evangelischen Kirche

Berlin, 3.Sept. (V.D.Z.) Die Verhandlungen des preußischen Staates mit den evangelischen Kir­chen zwecks Abschluß eines dem Konkordat gleichwer­tigen Vertrages haben gute Fortschritte ge­macht. Beide Verhandlungspartner haben über die

Ich zog es mit einem Bootshäkchen heraus. Es war ein Bündel neuer Strohmatten. Ueberall ah die Felsen und Klippen waren kleine Säcke ange- schwemmt. Ich zählte vierzig, sie sahen aus wie Kissen. Einige waren aufgeschlitzt. Spreu von Wei­zen und Hafer quoll heraus. Ein Lastkahn scheint in der Nacht gekentert zu sein. Wir suchten den ganzen Strand ab.

Besonders fesselte uns ein Herrenpantoffel, der am Grunde des Ufers schwamm. Er wirkte sehr apart und schien fast neu zu sein. Ich konnte ihn mit dem Bootshaken nicht fassen, da er wieder hin­aus in die Tiefe trieb. Die Zwergfische können darin unterschlüpfen. Er wird von einem großen Dampfer gefallen sein. Holzstücke überall. Ein toter Vogel. Blumen, Blätter, Briefstücke, Unrat, Kohlenschlacken, eine ertrunkene Eidechsennatter.

Abends Scirocco. Die Berge bekommen etwas Gläsernes in die Umrißlinien. Ein Sud von Schwere kommt in die Talsenküng. Müde macht der warme Wind. Unwirklich werden die Glieder. Der Mond drängt sich rot ud verrunzelt hinter den Pinien heraus.

*

Es wurde Mondnacht. Aus dem schwarzen Grund des Meeres funkt das grüne Meerleuchten. Was ist das? Leuchttiere, Lichtstäbchen, Einbildungen, Wirr­heiten? Unter der Terrasse gluckert das Wasser. Es hat eine drängende Anziehungskraft; ach, wie kühl scheint es zu fein; wie kalt, wie eisklar. Warum sind meine Füße nicht so lang, um sie hinunter­hängen zu lassen? Die Luft ist dick, warm und voll lähmender Blumengerüche.

*

O verderbliche und undurchdringliche Schwärze, in der das Meer, leblos und höllisch verfärbt zwi­schen den steilen Bergwänden und weißen Ufer­straßen kocht, gurgelt und glimmert.

Welch sinnlose Tiefe! Welches Chaos von Le­bendigem in ihm: Delphine, die mit spielendem Mund den griechischen Schiffen folgten; Krebse, de­ren Scheren grün und hart aus einer Steinspalte drohen; Seesterne, die mit melancholischem Orange­glanz am Grunde hängen!

Meine Insel ist im Schweigenden daheim, Wasser, Wasser, Wasser und darüber hinweg nackte Berg­wände, die wie Glas aufglühen.

Und mögen auch die Radioströme der Erde dar­über hinweggehen, Konzerte und Worte von Dich­tern, Berichte von fallenden Börsenkursen und stei­genden Metallpreisen, Wellen, die Hauptstädte mit Hauptstädten verbinden, unberührt davon bleibt der Schlaf, der Tag und der Morgen, der Abend und die Nacht meines Eilandes. Gestirn und Meer nur kann ich lobpreisen. Schiffe und Segel kann ich be­greifen; das eine fährt nach Norden, das andere kommt vom Süden. Und die Segler verschwinden tm Adendomrst der See. Dann bin ich wieder allein

Hauptdinge, nämlich die politische Klausel und die Erhöhung der Dotationen bzw. Neuregelung der kirchlichen Gehälter, detaillierte Vorschläge ausgearbeitet, die augenblicklich gegenseitig geprüft werden. Bereits in nächster Zeit, vielleicht noch in dieser Woche, wird in einer gemeinsamen Sitzung das Ergebnis dieser Prüfung festgestellt. Es ist nach wie vor der Wille zur Annäherung vor­handen, und man glaubt, das der Vertrag i n a b - sehdarer Zeit perfekt werden wird.

Briands europäische Arbeits- gemeinschast.

Paris, 3. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Ueber die feit längerer Zeit für die jetzige Völkerbundstagung angekündigte Initiative Briands zugunsten eines engeren Zusamenschlusses der Staaten Europas be­richtet der Genfer Korrespondent desPetit Pari- fien": Briand erblickt die logische Fortsetzung der

mit dem klatschenden, seufzenden Meer, allein mit der Zypresse, von der die Nachtigall singt.

Bald wird sie fingen. Mitten im Mond. Während alles schweigt, sie allein, die süße und schwermütige Stimme der Weltoerlorenheit...

Oie Berliner Theatersaison beginnt.

Berlin. Anfang September.

Die letzten Wochen, die keine nennenswerten Erstaufführungen in den Berliner Theatern ge­bracht haben, waren die Ruhe vor dem Sturm. In der ersten Septemberwoche bricht wieder die gewöhnliche Premierenhochflut über Berlin los. Wie in jedem Jahre haben sich auch während dieses Sommers in der Konstellation der Ber­liner Bühnen so manche Veränderungen voll­zogen an einer Stelle trat eine Direktion ab. an einer anderen taucht eine bekannte oder eine neue auf: es geht hier an den kleineren Bühnen immer sehr rasch und beinahe lautlos, es sei denn, daß eine Katastrophe wieder ein­mal den Blick auf die gärende Unsicherheit der hiesigen Bühnenverhältnisse lenkt.

Zu den alten und wichtigen Berliner Theatern gehört der Konzern Max Re in Hardts, der sich nun nach dem Tode seines Bruders Edmund, der zugleich sein geschäftlicher Berater war, wirk­lich seinen Berliner Bühnen widmen will, nach­dem er sich von seinen auswärtigen und aus­ländischen Verpflichtungen ziemlich befreit haben, soll. SeinDeutsches Theater" ist wohl das einzige, das noch ein Sommerstück in den Winter hinübernimmt, freilich einen sehr großen Er­folg: dieFledermaus" in Reinhardts In­szenierung, die zuerst bei den Berliner Festspielen herauskam. Dieses Zugstück soll noch bis in den Oktober hinein durchhalten. In seinerKo­mödie" am Kurfürstendamm hat man gleichfalls noch einen amerikanischen Schwank auszuspielen, will aber in der Mitte Sevtember mit Georg KaisersKolportage^' in neuer Bear­beitung Premierenhaft auftauchen. In Reinhardts Kammerspielen" dagegen eröffnet man dem­nächst mit GeraldysUnwidersteh­liche m.

Am Septemberbeginn eröffnet auch I e s s - n e r s Staatliches Schauspielhaus die Tore. Hans im Schnaken loch", das Kriegsstück Ren6 S ch i ck e l e s, soll den ersten Abend füllen. Am gleichen Tage tritt auch das Schiller­theater, das gleichfalls den Staatstheatern an­geschlossen ist, auf den Plan: die alte und vor Jahrzehnten sehr erfolgreiche Komödie Zweimal zwei ist fünf" von Wied wird hier ihre Wiederauferstehung feiern.

von ihm feit Locarno betriebenen Politik in der Verwirklichung nicht etwa der Vereinig­ten Staaten von Europa, wie man in un­genauer Formulierung behauptet hat, sondern in einer europäischen Arbeitsgemein­schaft, einer Art europäischen Sektion des Völkerbundes, deren Tätigkeit haupt­sächlich auf wirtschaftlichem Gebiete lie­gen würde. Briand gibt sich selbstverstäMich keinen Illusionen hin und rechnet nicht für morgen mit der Gründung einer Art europäischen Reichstags. Er weiß genau, daß die Verwirklichung seines Planes Zeit erfordert. Für heute will er nur jeden euro­päischen Staat veranlassen, der Frage näherzutreten und vielleicht einen Vertreter zu ernennen, der zu­sammen mit denen der übrigen europäischen Staa­ten prüfen sollte, auf welcher wirtschaftlichen Grund­lage eine Verständigung aufgebaut werden könnte.

Um acht Milliarden ärmer!

Der Jahresbericht des Reparatio«sagenlen

Berlin, 3.Sept. (Priv.-Tel.) Der Repara­tionsagent hat soeben seine Abrechnung für das fünfte Dawesjahr vorgelegt; auch sie zeigt, daß Deutschland seinen sinanziellenVer- pflichtungen re st los nachgekommen ist und die ihm seinerzeit in London auferlegte Tribut­zahlung von 2,5 Milliarden Mark ausgeführt hat. Parker Gilbert ist, wie stets bei Abrech­nungen dieser Art, mit uns zufrieden, er hat auch in seinem Bericht an die Pariser Repa­rationskommission nicht versäumt, darauf hinzu­weisen, dah wir unsere Zahlungenvollstän­dig und pünktlich" geleistet haben.

Inzwischen sind nun Cßereinbarungen über einen neuen Zahlungsplan zustande gekommen, der Reparationsagent, der vorläufig noch in seinem Berliner Bureau bleibt, mufe sich infolgedessen! allmählich auf die veränderten Behältnisse um­stellen. Aus diesem Grunde hat er nicht nur die Abrechnung für das fünfte Tributjahr vor­gelegt, sondern gleichzeitig die Zahlungen Deutschlands mit veröffentlicht, die seit dem 1. September 1925 regelmäßig vorgenommen wer­den mufeten. Auf der linken Seite seines Haupt­buches finden wir entsprechend dem Dawes- Abkommen Verpflichtungen in Höhe von rund acht Milliarden Goldmark, auf der rechten Seite hat er sorgfältig un­sere Leistungen verzeichnet, die mit keinem Pfennig hinter den Forderungen zurückgeblieben sind. Für die Gläubiger ist diese Schlußabrech­nung mehr als erfreulich, da man in Paris und anderen Hauptstädten unserer Feinde von gestern Wohl im Ernste nicht daran geglaubt hat, daß Deutschland in der Lage sein werde, nichts nur die Kassen des Reparationsagenten zu füllen, sondern gleichzeitig auch noch in steigendem Urn- sange Darüberweisungen vorzunehmen.

Wir haben diese Kraftanstrengung vollbracht, möchten aber doch nicht unerwähnt lassen, daß unsere Zahlungen nur auf de m Umweg einer gewaltigen A u s l a n dv e r s chu l- düng möglich wurden. Für uns sieht also die Bilanz so aus, dafe wir in den letzten fünf Jahren nicht nur um acht Milliarden Mark ärmer geworden sind, sondern für den gleichen Betrag im Auslande entliehener Gelder Zin­sen und Abschlagszahlungen zu leisten haben.

Aus aller Welt.

Der Emser Mörder aus derFtucht erschossen.

Bad (Ems, 2. Sept. (WTB. Drahtrneldung.) heule vormittag gegen 11 Ufer wurde nach um­fangreicher Streife der Mörder des Polizei- Wachtmeisters in Rievern gestellt, als er ge­rade d i e Brücke überschreiten wollte, um in den Westerwald zu flüchten. (Er legte mit einem Revolver auf einen Koblenzer Polizeibeamten an. Ein JUeoerner Einwohner schlug ihm jedoch auf den Arm und schon saß ihm ein tödlicher Schuh

, Im Theater am Rollendorfplatz ist augenblick­lich wieder Erwin P i s c a t o r mit Ludwig Klopfer, dem Herrn zweier Berliner Kinos als Geschäftsführer beschäftigt, den viel be­rufenen. oft angekündigten und immer verscho­benenKaufmann von Berlin" her­auszubringen. Mit Piscator erscheint eine Reihe neuer Direktoren: Dr. Robert Klein, bisher an den Reinhardtbühnen, macht sich selbständig im Reuen Theater am Zoo, das jetzt Deutsches Volkstheater heißen wird, und im Deutschen Künstlertheater. Auch andere neue Herren sind da und übernehmen alte Bühnen, dürften aber kaum bemerkenswert hervortreten. Auch was sich im Berliner Rorden, im Kleinen Theater (Unter den Linden) und im Trianontheater unter dem Stadtbahnbogen in der ©eorgenftrafee entwickelt, ebenso, was die eigentlichen Ber­liner Lokaltheater treiben, die allesamt nur auf leichte Unterhaltungs- oder derbere Volkskost ein­gestellt sind, ist für die Welt außerhalb Ber­lins ganz ohne Belang und nicht einmal mehr für den Berliner Westen erheblich.

Die Direktion A u f r i ch t, die gesegnete Direk­tion des phänomenalenDreigroschenoper"-Er- folges, derPioniere in Ingolstadt". die auch versuchte, dasGiftgas über Berlin" abzublasen, bereitetHa ppy end vor, das Berliner Theater KaisersZwei Kra- Watten. Danowskh setzt den großen' Er­folg des KriegsstücksRivalen" ab und ver­kündetHannibai ante portas.

Die große Revue ist eigentlich gestorben, die Komische Oper ist ganz verödet, ihr früherer Herr James Klein ist nicht mehr. Auch Haller, der Meister der Revuen im Admi­ralspalast, hat geendet. Dafür gibt es die Drei Musketiere" im Großen Schauspiel­haus Erik Charells mit einer Armee von Prominenten. Die Gebrüder Rotter bereiten im MetropvltheaterM a r i e 11 a mit Michael Dohnen und Käthe Dorsch bei erhöhten Preisen vor. Das wäre eine Art von prunkvollem und ausstattungsblendenkMn Revue^Srsah. Die Volksbühne ist dabei, unter Karlheinz Mar­tinDa ntons Tod" von Georg Büch­ner einzustudieren.

Allenthalben fieberhafte Vorbereitungen. Rur die Opern sind in der glücklichen Lage, sich Zeit lassen zu können: sie haben noch Ferien, die Staatsoper Unter den Linden sowohl wie die am Platz der Republik, und sie rechnen vor Mitte oder Ende September mit keinen Premieren: nur die Städt. Oper wird schon am 1. September mit Mark LotharsT h l l" eröffnen. In zwei oder drei Wochen wird man wissen, was von alledem wirklich bedeutend trnb bleibend ijL

B. U