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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

der, auch er ein Ver­

sieht. Den Höhepunkt

überall nach dem Rechten

Stunde, da er beim Rom vor dem Quar-

Und doch formt sich spricht man nur das Wort aus vor dem geistigen Auge unbewußt stets dasselbe Bild: die deutsche Landschaft, das ist Wald oder Wiese oder Feld, ein Bach oder Hügel um schindelgedeckte Häuschen, scheckige Kühe und ein rauschendes Wehr. Ob rotglühende Buchen, die dunkle Kulisse eines Tannenwaldes, jungfräu­liche Birken oder ein Streifen Ackerlandes den Horizont abschließt nein, das ist alles nicht das Entscheidende. Wesentlich sind Farbe und Ton die­ser Landschaft: Satte, einfache Farben, unvermit­telt nebeneinandergesetzt, viel grün, viel gelb, und ein starker Ton, der hart abklingt und toll aus­schwingt-, robust, von einer ganz unproblematischen Einfachheit, sehr jung, sehr offen, immer lächelnd, breitflächig und sauber gewaschen ist dies Gesicht, helle Lichter tanzen darüber hin, und wenn ein Schatten darauf fällt, so keineswegs der einer ge­heimen Krankheit, sondern die unkomplizierte Trauer einer gesunden Natur, die zwischen Lachen und Weinen keine differenzierte Stimmung kennt.

des wolkenverhangenen Tages ihr innerstes Wesen frei entfalten kann. Träume und Erinnerungen quellen auf, werfen große Blasen in den Rinn­salen der Felder, die Grenzen der Wirklichkeit ver­schwimmen es ist kein rechter Genuß, teilzu­haben an diesem Leben, aber man kostet es mit bitterem Behagen aus.

Musik, schweigen sie, schwingt Musik in ihnen und immer wieder Musik... älnd wie leuchten alle Farben unter diesem Himmel und an diesem Meer! (Zeder trägt auf seine Art bei zu der einzigartigen Farbensymphonie, die in der Glut der südlichen Sonne hier Tag für Tag aufs neue entbrennt. Wo in der Welt sind die Blusen der Dootsmänner so phantastisch purpurrot, wo strahlen die Badeanzüge, die Bademäntel, die Pyjamas in solchem Reichtum ihrer vielfältigen Färbung? Still gleiten hinter dem unruchvollen Treiben des Strandes die ockerbraunen und schneeweißen Segel der Fischerboote dahin, bis weilen schwenkt ein großer Dampfer seine Rauch­fahne. lieber alles hinweg lächeln Himmel und Meer in allen Tönen von Blau, Grün und Gold!

lichen Ausbruch der Leidenschaften nicht gewachsen, stürzt man bitterselig in ein Chaos widerstreitender Gefühle. *

Der Regen, in der Campagna, im Hochgebirge, an den Küsten des nördlichen Meeres nur störendes Element, gibt der deutschen Landschaft erst die Folie, vor der sie in dem ungewissen Dämmer

In den Watten.

Von Else Frobenius.

Weit und hell spannt sich der Sonnenhimmel über die blaue Rordsee. Man ist in eine Fülle von Licht getaucht, daß man geblendet die Augen schließen muß. Grell leuchtet der weihe Strand, auf dem die Kinder ihre Burgen bauen und die Erwachsenen wohlig im Sande ruhen. Wie glitzerndes Metall schillern die Watten, Don denen bei eintretender Ebbe die See langsam zurückweicht. einzelne Wasserlachen hinter­lassend. die wie silberne Spiegel blinken. Die feuchte Fläche übt eine unwiderstehliche Lockung aus. Mit Geschrei und Hauchzen wird sie von den Kindern gestürmt. Bald ist sie von nackt­beinigem Gewimmel belebt.

Wie ein Kranz umrahmen die Friesischen Inseln die Küste der Rordsee, die Ostfriestschen von der Ems bis zur Wesermündung, die Rord- friesischen an der Küste Schleswig-Holsteins. Zwischen ihnen und dem Festlande breitet sich das flache Wattenmeer, von Tiefen oder Watt­strömen durchzogen. In diesen hält sich das Wasser auch zur Ebbezeit: die Watten aber werden täglich auf größere Strecken wasserfrei. Lebensformen und Zeiteinteilung der Badegäste passen sich diesem Phänomen an. Dampferfahrten vom Festlande nach Wangerooge. Spiekeroog. Rorderneh können nur während der Flutstun- dcn unternommen werden. Schlaflose Leute suchenWattwohnungen", die den Stürmen der offenen See nicht ausgesetzt sind und milde Luft nebst Ruhe bieten. DasWattenlaufen", der Spaziergang auf dem feuchten Meeresboden, gilt für außerordentlich gesund, besonders bei Erkrankungen der Luftwege und Störungen im Blutkreislauf.

Rur im Rordseebad Büsum, an einer vor­springenden Landspitze Dithmarschens in Hol­stein, ist eine Verbindung der Seebäder mit dem Wattenlaufcn möglich. Darum hat es sich dort zu einer Art Sport entwickelt. Alm Mit­tagszeit, wenn die Flut zurückweicht, marschiert schon seit 30 Iahren zwei bis drei Mal in der Woche die Kurkapelle mit klingendem Spiel nackt­beinig hinaus auf die Watten. Die Kurgäste folgen: einige in Badeanzügen, andere in full dress, aber ohne Strümpfe und Schuhe, alt und jung, groß und klein in buntem Gemisch. Voran der wohlbeleibte, immer fröhlicheOnkel Pelle", ein populärer Berliner Badegast. Mit

Deutsche Landschaft im Regen.

Von Leo Lama.

Nachdruck verboten.

Die deutsche Landschaft ja, gibt es denn über­haupt den einen gemeinsamen Zug, der ihr Gesicht bestimmt und ihm das besondere Gepräge oer- leiht? Ist ihr Wesen nicht vielmehr gerade durch die Vielfalt ihrer Formen und Aeußerungen aus­gezeichnet, die jedes Bemühen, etwa die Land­schaft Pommerns, Bayerns und des Rheins auf eine gemeinsame Formel zu bringen, eitel erschei­nen lassen muß? Man kann von einer griechischen, italienischen, ja selbst von der russischen Landschaft sprechen, die doch wahrlich des Vielfältigen und Widersprechenden genug zeigt, kaum von der deutschen.

seines Lebens bildet jene denkwürdigen Marsch nach ------

tier Mussolinis Wache halten durfte:Pnmo d duce, poi la luce! (Erst der Duce, dann das Licht!) Ich werde nie den Augenblick vergessen, wo mir dieser wackere Mann die Inschrift des neyen 20-Lire-Stückes zeigte:Miglior vivere uno giorno da leone ehe centi anni da pecora! (Besser einen Tag als Löwe leben, als hundert Jahre als Schaf!) Man halte sich einmal die Kühnheit vor, die darin liegt, einen solchen Ausspruch buchstäblich zur alltäglichen Münze zu machen!

Aber dieses Volk ist seit Iahrtausenden mit Ungewöhnlichem vertraut. Mit selbstverständlicher Gelassenheit bewegt es sich im unerhörten Rah­men einher. Taucht man abends in das Ge­wühl des Markusplahes unter, hat man wie kaum anderswo das Gefühl der Verbundenheit von Stein und Mensch. Dies alles ringsum ist jeder- manns Besitz, gehört jedem einzelnen so gut wie allen. Der greise Bettler, der sein Haupt an die Säule von San Marco stützt, der spielende Knabe, der daran emporklettert, die Männer und Frauen jeden Alters und Standes, die auf den kühlen Marmorstufen von der Hitze des Tages aus­ruhen, sie alle tragen im Antlitz etwas vom Ge­borgensein des Kindes an der Mutterbrust. Dies ist ihr Venedig, einst die Herrscherin über die Meere, heute nur noch Widerschein eines längst verlöschten Glanzes! Aber ist nicht alles Ge­wesene für immer eingefangen in die Wunder

Sommerliches Venedig

Von Dr. Werner Bock.

dieser Bauten, verschwimmt nicht im Wondlicht Vergangenes und Gegenwärtiges zu zeitloser Atmosphäre? Der nächtliche Markusplatz, der nächtliche Hof des Dogenpalastes sind erfüllt von großem Geschehen. Mit den rätselhaften Strömen mischt sich die Musik aus der Piazza, das Ge­heimnis dieser Stätte aber löst sich auf im Spiel einer Geigerin, die an der Scala dei Giganti einer andachtsvoll lauschenden Menge letzte Offen­barung schenkt.

Magische Hände scheinen uns in eine der Gondeln au ziehen, die schmucklos und schwarz, wie vor Jahrhunderten schon, am Molo ankern. Leise schaukelnd fährt uns das Doot vor die Isola di San Giorgio Maggiore, wo allabendlich bis zur Mitternachtsstunde dieserenata abgehalten wird. Auf einigen Schiffen, die mit bunten' Lampen geschmückt sind, haben sich Sänger und Sängerinnen aus dem Volk eingefunden, und in bunter Reihen- olge gibt ein jeder feine Kunst zum besten. Rings um die Künstlerboote sammelt sich Gondel um Gon­del, und ein Publikum aus allen Ländern der Erde lauscht verzaubert diesem unvergleichlichen Konzert über den Wassern. Wie ein goldbestickter dunkler Samtmantel hängt der südliche Himmel über dem Bild, drüben übe'rm Canale di San Marco blitzen die tausend Lichter der Riva degli Schiavoni. Als der Gesang plötzlich verstummt, rührt wie selbstver- stündlich aus der Nachbargondel eine schmale Hand meine Schulter und deutet dann hinüber au den Kuppeln und Palästen:Questa la piü bella mu- sica, lunica Venezia! (Das ist die schönste Musik, das einzige Venedig!)

Der Deutsche, der im Hochsommer nach Italien fährt, wird immer noch von seinen Landsleuten mitleidig betrachtet. Roch immer wissen nur wenige, daß gerade in den Sommermonaten sich der Zauber des Südens am stärksten offenbart. Zu keiner anderen Jahreszeit wie im Sommer ist Italien ganz es selbst. In der prallen Sonne des sommerlichen Mittags, in den tausend prun­kenden Farben der sommerlichen Abende schenkt sich dir das Land, wie du es dir erträumtest. Eine große Erfüllung ist in allem: in der glühen­den Weihe der Landschaft singt der große Pan. leuchtendweitz stehen die Marmorpaläste im fun­kelnden Licht, und auch die Menschen des Südens sind im Sommer in ihrem eigenEchen Element: Menschen des Sommers, von der Sonne bestrahlt und Sonne ausstrahlend, feurig und lässig zu­gleich wie ein Sommertag!

Quel ciel di Lombardia, cosi bello, cosi splen­dide, cosi in pace, Manzonis Worte klingen im Jtalienfahrer auf, wenn er den üppigen Garten der Lombardei durchfährt. Trunken saugt das Auge den goldenen Ueberfluß, die tausend Glanzlichter und Lufttöne, die tausend Farben und ihr Widerspiel: Stolze mittelalterliche Burgen und Ruinen, edle Renaissancepaläste, stille Landhäuser, schwarzgraue Dörfer am Bergeshang, heitere Städte, hochragende Kirchen und Kapellen, grüne Baumkronen, dunkle Zypressenreihen, wogende Reisfelder, blauschim- mernde Maulbeerbäume, stillreifenden Wein.

Plötzlich ist der Abend da, der Atem wittert das Meer. Lind nun taucht im Schein des orangefarbenen Himmels über den Wassern Ve­nedig auf, die Märchenstadt mit ihren zahllosen Türmen. Wer noch so sehr kritisiert und negiert, wer noch so sehr alles, was das Herz unwider­stehlich besiegt, mit dem AusdruckKitsch" abtun möchte, um nicht zu verraten daß auch seine prosaische Ratur einen Hauch unvergänglicher Schönheit verspürt in dieser Stunde lernt er schweigen.

Sommerliches Venedig! Tagsüber schlummerst du da hinter den dichtverschlossenen Läden deiner Paläste, müde ziehen die Gondeln durch die lautlose Flut, verhalten nur tönt das Gelärm deiner Gassen. Wer sich von den Alltagspflichten frei machen kann, zieht so früh als möglich hinaus zum Lido, der sich im Laufe der letzten Iahre zu einem internationalen Weltbad entwickelt hat. Ich kenne kein Seebad, dessen natürliche Anmut so erhöht wird durch die Anmut seiner Gäste. Wahrlich, hier siegt Italien über alle Völker der Welt! Die schlichten Venesianer. aus dem Gewirr ihrer Stadt vor den blauen freien Hintergrund der Adria gestellt, enthüllen sich in des Wortes wahrster Bedeutung noch heute als ein königliches Geschlecht. Amerikas und Albions Söhne und Töchter, dieSchönen" aus Paris, Prag, Warschau, Berlin, sie alle findest du hier wie in jedem mondänen Bad. Aber wo triffst du hundert Gestalten von so adeliger Form, von so klassischer Reinheit der Linie, von so selbstverständlicher Grazie der Hal­tung und Bewegung wie unter den eingeborenen Gästen des Lido? Manchmal, wenn du in den Reigen der Mädchen hineingerätst oder wenn plötzlich in der Flut vor dir der ebenmäßige Dronzekopf eines Jünglings auftaucht, ist dir alles wie ein Traum. Die Götter Griechenlands umspielen dich in seliger Unbekümmertheit, was sie tun. ist Musik, öffnen sie den Mund, ist es

Die deutsche Landschaft hat nicht den Hang zur Mystik, kein silbergrauer Schimmer von Oliven- wäldern dämpft den gleichmäßigen Rhythmus ihrer Symphonie, in die kein groteskes Fächerspiel von Pinien, nicht die gepreßten Seufzer der rufsischen Ebene Abwechslung bringen. Man muß sehr iung oder alt ein, um ihren Zauber ganz ausschöpfen zu können.

Gern flüchtet bisweilen die Schau vom Großen ins Kleine. Drei Knäblein tollen sich neben mir im Sand, ein goldenes Halskettchen mit dem medaglione der Madonna haben sie auch im Bad nicht abgelegt. Der elfjährige Giorgio und der neunjährige Valdo bekennen sich selbstbewußt als Abruzzi, die Wildheit ihrer Berge spiegelt sich noch ein wenig in den dunklen Kinderaugen. Der dreijährige Sandrino, der geschickt die Sprünge der Brüder nach ahmt, hat das sanfte Gesicht eines Jesuskindes, wie es die Maler seines Landes auf zahllosen Bildern festgehalten haben. Wenn die siebzehnjährige Maria, die Hüterin des Kleinen, den bambino an die Brust drückt, steht die Madonna mit dem Kind leib­haftig vor mir. Irdisch aber plappert ihr Münd­chen. Der Vater hat eine Weinschenke in Modena, dort wohnt auch ihr Verehrer, ein wohlhabender Bankierssohn, der Gipfel der Glückseligkeit! ein Automobil sein eigen nennt. Linser Ge­plauder wird vom Gruß desdirettore~J>er Kabinenstadt unterbrochen,4 zz c.n tretet der musterhaften fascistischen Ordnung,

Denn diese Landschaft gibt keine Rätsel auf, hat keineinteressanten Geheimnisse", ist wenig an­spruchsvoll und durchaus nicht dämonisch. Sie be­gnügt sich damit, da zu sein und die Kulissen zu stellen, vor denen der Mensch das Spiel seiner Ge­danken und Träume nach freiem Gutdünken in­szenieren mag. Zwischen zwanzig und vierzig ist man wenig geneigt, solche Bescheidenheit zu wür­digen. Man sucht nicht einfache Hingabe, sondern raffinierten Widerstand, man will gepackt, ergriffen, zum Widerspruch gereizt, nicht umschwärmt wer­den. So holt man sich in diesem Alter im intimen Verkehr mit der deutschen Landschaft rote Backen und frische Nerven, aber keine nachhaltigen Erleb­nisse. Und dankt ihr für diese Gaben noch mit ge-

. wissem Widerstreben.

Das alles ist in diesem Sommer anders gewor­den. Ein neuer Zug hat sich in das Gesicht der deutschen Landschaft eingegraben und voller Ver­wunderung erkennt man, wie es durch diese Wand­lung an Tiefe und Schönheit gewonnen hat. Der Regen hat es veredelt und vergeistigt: die auf­dringlichen Farben sind verwischt, feine Zwischen- iöne vom oxidierten Silber bis zum hellen Grau la (en Konturen hervortreten, die man sonst nie beachtet hat und hinter dem Nebelschleier zeigt die Landschaft eine ganze Skala von Empfindungen und Stimmungen, deren man sie nie für. fähig gehalten hätte. Der Wald, eine Hügellehne, Bäume und Gras leben auf einmal außer ihrem gewohn­ten Alltag ein zweites schicksalschweres, an auf­regenden Abenteuern reiches Leben, sie haben Ge­heimnisse, Schmerzen und Laster, und diesem plotz-

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