Ausgabe 
3.8.1929
 
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jetzt konstruiert worden sind und bald auch Uelte« seeflüge ausführen werden, kein allzu großes Ri­siko fein, auch ohne Zwischenlandung von Neu« york nach Europa in 40 Stunden zu fliegen und weitere 40 Stunden zur Reise an den Baikalsee zu gebrauchen. Die dritte Etappe, kaum halb so lang wie jene der beiden vorigen, wäre Tokio, Flugzeit 20 Stunden. Vierte Etappe H o - n o l u l u , Flugzeit 40 Stunden. Fünfte Etappe San Diego in Kalifornien, Flugzeit 40 Stunden. Sechste und letzte Etappe N e u y o r k, Flugzeit 35 Stunden. Das sind zusammen 215 Stunden reiner Flugzeit, zu denen noch der Aufenthalt auf fünf Etappen kommt, der so knapp wie möglich

mit se zwei Stunden angenommen werden soll. Das wären insgesamt 225 Stunden oder neun Tage und neun Stunden. Selbst mit beispiellosem Fliegeralück und bei günstigem Wetter rings um den Erdball würde ein Flug um die Welt auf die­ser Route also zirka 10 Tage erfordern. Es ist da­bei jedoch zu berücksichtigen, daß es sich hier nicht um eine gerade Linie, sondern um einen Zickzack­kurs handelt, der von Neuyork, 40 Grad nördlicher Breite, zunächst 15 bis 20 Grad weiter nördlich führt, dann bei Tokio auf den 35. Grad und bei den Sandwich-Jnseln auf den 20. Breitengrad heruntergeht.

Wasser und Wafferknappheii.

Veranlaßt durch die kürzliche Wasserknopp- heit in unserer Stadt hoben wir uns an den Leiter unseres städtischen Wasserwerkes, Di­rektor Steding, mit der Bitte gewandt, uns über dieses bemerkenswerte Ereignis dieses Sommers fachmännische Aufklärung zu geben. Nachstehend lassen wir seine Er­klärungen auf unser Ersuchen folgen.

Die Red.

In den Spalten der Tageszeitungen und Fach­zeitschriften nahmen bis vor einigen Tagen die Klagen über allgemeinen Wassermangel einen immer breiteren Raum ein. Die Oeffentlichkeit dürft« zunächst interessieren, wie überhaupt das Wasser in den Dienst der Bevölkerung gestellt wird. Im Rahmen dieser Ausführungen kann nur kurz darauf hinaewiesen werden, daß die Ent- nähme des Wassers entweder aus oberirdischen, oder aus unterirdischen Wasserläufen geschieht. Als erstere gelten u. a. Bäche, Flüsse, sowie Teiche und Seen mit Zufluß, als letztere Grundwasserströme und Quellen. Quellen sind nichts anderes als Grundwasser, welches auf natürlichem Wege zu­tage tritt. Man unterscheidet also eine Versorgung durch Oberflächenwasser und durch G r u n d- bzw. Quellwasser.

Während in diesem heißen Sommer die Ge­meinden, denen Oberflächenwasser zur Verfügung steht, von der Wasserknappheit verschont geblieben sind, hoben die Wasserwerksverwaltungen, die Ouellwosser zur Versorgung verwenden, manche Sorge um das tägliche Wasser gehabt. Die weni­gen in Deutschland vorhandenen Talsperren, die zur Dersorgung der Gemeinden mit Wasser, oder zur Energieerzeugung dienen, hatten in diesem Jahre ebenfalls starken Wassermangel. Der Hilferuf nach Wasser war jedoch nicht nur in Deutschland und in den benachbarten Ländern, sondern selbst in dem mit Wasser umgebenen und auch sonst wasser­reichen England zu vernehmen, so daß die englische Regierung es für notwendig erachtet hatte, einen Aufruf an die Bevölkerung ihres Landes zu er­lassen, in dem bei Androhung scharfer Maßnah­men vor zu starkem Wasserverbrauch gewarnt wurde.

Es liegt nun für jeden, der versucht, sich ganz objektiv und sachlich mit dem Wassermangel, sowie dessen Ursprung und Folgen zu beschäftigen, die Frage nahe: Worauf ist die Wasserknapp­heit in erster Linie zurückzuführen? Haben etwa die zuständigen Verwal­tungen ihre Brunnen-, Stollen- und Maschinenanlagen, oder ihre gesam­ten Wasserwerksanlagen während der letzten Jahre nicht genügend a u s ge « baut? Im nachstehenden soll versucht werden, die Ursache der allgemeinen Wasserknappheit klar- zulegen.

Für die Wasserwirtschaft der Erde ist nach dqni Handbuch für Wasserversorgungsfragen von Friedrich König die Atmosphäre, die die Erde umgibt, von allergrößter Bedeutung, weil sie der Tätiger des Wasserdampfes ist: der Wasserdampf foljgt natürlich mit der Luft den Bahnen der Erde unb ist wiederum den Spannungs« und Tempe­raturveränderungen der Atmosphäre unterworfen. Im Haushalt der Natur unterliegt das Wasser einem ständigen Kreislauf. Die treibende Ära ft ist die Sonnenwärme. Durch Verdunstung des Was­sers tritt eine Erhöhung des Feuchtigkeitsgehalts in der Luft ein. Wenn die Lufttemperatur sinkt, scheidet sich der Wasserdampf in Form von Nie­derschlägen wieder aus. Durch Luftdruckschwan­kungen können sehr große Wafsermengen fortgeführt

werden. Der Wasserreichtum des Festlandes hängt hauptsächlich von den oberirdischen atmosphärischen Niederschlagsmengen ab. Auf die unterirdischen atmosphärischen Niederschläge, die für die Wasser- wirtschaft der Erde ebenfalls eine Rolle spielen, wird hier nicht weiter eingegangen. Die ober­irdischen Niederschläge können in folgenden For­men erfolgen: Tau, Reif (gefrorener Tau), Nebel, Regen, Schnee und Hagel. Die ersten drei Nieder- fchlaasarten sind weniger meßbar, dagegen können die Regen-, Schnee- und Hagelmengen ziemlich ge­nau fejtgeftellt werden. Die Niederschläge bringen nicht sämtlich in den Erdboden ein; im allgemeinen kann man annehmen, daß etwa ein Drittel der Menge verdunstet, also wieder in die Atmosphäre ausgenommen wird, ein weiteres Drittel in den Erdboden versickert und der Rest über di e Erdfläche den Flüssen bzw. den Meeren zuläuft. Nach Art des Erdbodens, nach dem Pflanzenwuchs und nach der Art und Menge der Niederschläge tritt selbstoer- stündlich eine oft starke Verschiebung der Drei­teilung ein, z. B. wird bei einem langen, cmhal- tenben schwachen Regen in fanbigem ober zerklüf­tetem Boben bebeutenb mehr Wasser in bie Erbe bringen, als bei einem Platz- ober Gewitterregen, ber auf Ton- ober ßetteboben bzw. auf nicht- ober schwer burchlässigen Boben niebergeht. Dicht mit Pflanzen, mit Moos ober mit Streu bebecfter Boden, wie z. B. Waldboben, wirkt als Feuchtig­keitsregler, indem er die Verdunstung der Nieder­schläge verlangsamt. In einem Laudwolde errei­chen nur etwa zwei Drittel ber Nieberschläge ben Boden, ber übrige Teil wirb von ben Blättern und Zweigen aufgefangen und der Verdunstung unterworfen. Moosrasen kann eine Wassermenge van etwa 10 bis 15 mm Niederschlagshöhe wie ein Schwamm aufsaugen und zurückbehalten. Schnee­fälle bleiben oft längere Zeit auf dem Erdboden liegen, bis der Schnee teils geschmolzen und in die Erde ober Bäche verlaufen ist. Je länger bie Schnee- schmelze bauert, befto größer ist bie vom Schnee ausgehende Befeuchtung ber Luft unb bes Bobens, je weniger fließt ab. I st ber Erbbvben un­ter ber Schneebecke lange Zeit gefro­ren, wi e z. B. im letzten Winter, bann verbunstet ber Schnee unb läuft bei Tauwetter in bi« Bäche ab. In bie Erbe kann bei fe ft gefd) (offener Erbbecke fein, ober nur sehr wenig Wasser einbringen.

Auf dem Fest lande werden die Niederschläge durch die herrschenden Winde stark beeinflußt. Warme und feuchte Seewinde bringen gewöhn­lich starke Niederschläge, die sich mit der Ent­fernung von der Küste vermindern. Gebirgszuge sind von großem Einfluß auf den Verlauf der Niederschläge, denn die feuchtwarmen Winde küh­len sich an den Gebirgshängen, die der Wind­richtung zugekehrt sind, ab, und daher fallen hier die ersten Niederschläge. Hochgebirge sind wegen der größeren Abkühlung der Luftschichten nieoerschlagsreicher, als Mittelgebirge, und diese erhalten mehr Niederschläge als die Tiefebenen bei fast gleichen klimatischen Verhältnissen. All­gemein erklärt: Die jährliche Niederschlagshöhe nimmt ab mit der zunehmenden geographischen Breite und mit der Entfernung vorn Meere; sie nimmt zu mit der Höhe über dem Meeresspiegel. 3n Gießen beträgt nach Auskunft der Hessischen Wetterdienststelle die durch­schnittliche jährliche Regenhöhe (1921 bis 1928) 690,8 Millimeter, während im oberen Vogelsberg (Herchenhain) die Höhe der

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Vornan von (SOgor Wallace.

44 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Das großartige Begräbnis war tadellos in­szeniert, und ich bin fest davon überzeugt, daß David sogar so weit gegangen ist, den notwen­digen Körper für ben Sarg zu verschaffen. Er ist ein ganz außerordentlich gründlicher Herr. Er­innerst du dich, wie Lew uns erzählte, daß sein Bruder, ein gut aussehender Mensch mit langem Bart, eines Tages plötzlich verschwunden war?" Sie nickte.Das ist der Mann, den wir in David Iudds Grab finden werden."

Ist denn Doktor Iudd auch" begann sie, aber es war unnötig, diesen Sah zu Ende zu führen.

Doktor Iudd steckt bis über den Hals in der Geschichte", sagte Larry.Die Geschichte von Dearborn ist schnell erzählt. Dearborn war ein Teilhaber Iudds, unb irgend etwas muh im Bureau vorgekommen sein ein Verbrechen, ein Mord vielleicht, den David veranlaßte, um bie Versicherungssumme zu erhalten, was weiß ich und einer von den Angestellten muß dahinter gekommen sein. Der Mann unterschlug bann eine große Summe, flüchtete nach Montpellier und begann von dort aus Erpressungen gegen David. David fuhr hinterher und erschoß ihn. Höchstwahrscheinlich war es kein vorbedachter Mord, denn David war nicht die Sorte von Mann, seinen Gegner auf offener Straße niederzuschiehen. Auf jeden Fall schoß er aber und wurde dabei von Flimmer Fred'ge­sehen, der gerade noch zeitig genug kam, um von dem sterbenden Mann den Namen seines Mör- ders zu hören. Das bedeutete für einen Mann vom Schlage Flimmer Freds ein Lebenseinkom- men. So schnell wie möglich reifte er nach London zurück, suchte Iudd auf unb teilte ihm dann jedenfalls die Bedingungen mit, unter denen er seinen Wund halten würbe. Dann kam 3ubb auf ben Gedanken, daß es das beste wäre, wenn David sterben würde; und David, du erinnerst dich, war ein gut aussehender Mann mit Doll- bart. Lews Bruder war unter all ihren Helfers­helfern und Bekannten der einzige, der in seinem

Aeuheren am meisten David ähnelte, und so wurde er ohne viel Federlesen ermordet und als David Iudd begraben. Bei dieser Gelegenheit zogen sie noch eine bedeutende Summe von den Rückversicherungsgesellschaften für Davids hohe Lebensversicherung.

Den Plan mußten sie schon lange erwogen haben, denn schon einen Monat vor Davids Tod hatte Doktor Iudd den Kauf von Todds Heim abgeschlossen. Es war nichts weniger als ein wohltätiges Unternehmen, sondern im Gegenteil eine rein geschäftliche Sache, denn Todds Heim hatte sich allmählich in eine bessere Bettlerher­berge umgewandelt, die von ben verkommensten der blinden Bettler Londons aufgesucht wurde. Dort hatten die berüchtigtenToten Augen" ihr Hauptquartier, und von ihnen mußte David die Einzelheiten über Todds erfahren haben.

Das Heim wurde gekauft, und einen Tag nach demTode" Davids erschien Ehrw. Iohn Dear- bom als Vorsteher auf der Bildfläche. Es steht absolut fest, bah er tatsächlich alle verdächtigen Elemente aus dem Hause jagte und verschiedene Aenderungen in der Organisation vornahm, aber er tat dies nur, um den Makel von Todds Heim zu lösen, ihm wieder einen guten Namen zu schaffen und um das Haus als sein Haupt­quartier zu benutzen, ohne Besorgnis vor poli­zeilichen Besuchen haben zu müssen. Als bie Wäscherei Konkurs machte, kaufte 3ubb das Grundstück, und David führte die baulichen Ver­änderungen unter Mithilfe seiner Bande aus. 3ch muß dabei bemerken, daß David Architekt ist und das Haus, in dem sein Bruder lebt, gebaut hat. Wir wissen, daß er ausländische Arbeiter beschäftigt hat und daß das ganze Haus für einen ganz besonderen Zweck gebaut wurde", fügte er ernst hinzu.

Als sie das Wäschereigrundstück in Besitz galten, kamen die .Toten Augen' wieder nach ihrem alten Sih in Lissom Cane zurück, gingen und tarnen inmitten der Blinden, die sie nicht sehen konnten, und die nichts von ihrer Gegen­wart wußten."

Was wird nun mit Dr. Iudd?" fragte sie.

..Och werde ihn verhaften," antwortete Larry, und zwar werde ich ihn an demselben Platze verhaften, von dem dein Vater verschwand in der berühmten Loge A im MacreadY^Theater."

Niederschläge int Durchschnitt (1921 bis 1927) mit 1409 Millimeter festgestellt worden ist. Die Luftlinie von Gießen nach dem obe­ren Vogelsberg beträgt nur rund 50 Kilo­meter, und dabei ein so gewaltiger Unterschied in den Niederschlagsmengen. Es gibt Stellen auf unserer Weltkugel, die eine Regenhöhe von mehr als 10 Meter aufweisen, es sind aber auch Gegen­den bekannt, in denen die Niederschläge unter 250 Millimeter jährlich liegen.

Recht deutlich kommen die geringen Nie­derschlagsmengen dieses 3ahres in Gießen in einer Gegenüberstellung mit den ersten 7 Monaten des vorigen Jahres zum Aus­druck:

1928 1929

Januar

53,3

mm

11,51

nm

Februar

52,4

21,5

März

23,1

1,9

April

119,6

25,5

Mai

25,8

35,5

Juni

56,4

44,6

Juli

52,5

,,

62,8

tt

383,1 mm 203,3 mm

Die Niederschlagshöhe liegt also in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt. Die geringen Niederschläge in der letzten Zeit verursachten naturgemäß eine starke Sen­kung des Erdgrundwasserspiegels, wodurch wiederum die Quellen und Grund- wasser st röme ungünstig beeinflußt wurden. Die Wasserschüttung unserer alter Was­serwerksanlagen in den Stollen bei Großen- Buseck, sowie die Ergiebigkeit der Drunnen- unb Stollenanlagen im Gießener Stadt- wald, die zur Wasserversorgung der Stadt Gießen beitragen, hat infolge des niedrigen Grundwasserstandes ganz wesentlich nachgelassen. Die geringere Lieferung dieser alten Wasser­werksanlage, sowie den Mehrverbrauch von Was­ser mußte das Pumpwerk Queckborn mit übernehmen, das durch den gesenkten Grund- wasserstand in seiner Ergiebigkeit auch nachge­lassen hatte. Die zu überwindende Saughöhe der Pumpmaschinen war um 2 bis 3 Meter gestiegen, wodurch der Wirkungsgrad der Pumpen bzw. die Leistungsfähigkeit des Pumpwerks beeinflußt wurde. Es muß jedoch festgestellt werden, daß die Ergiebigkeit des Queckborner Quellengebietes auch bei gesunke­nem Wasser stand noch immer sehr zu­friedenstellend gewesen ist.

3n den vorstehenden Ausführungen sollte dar­auf hingewiesen werden, welche Wechsel be« ziehungen zwischen der Wasserknapp- heit und den atmosphärischen Nieder­schlagsmengen bestehen. Aufgabe jeder vor­sorglichen Wasserwerksverwaltung ist es, unter genauer Kenntnis der Leistungsfähigkeit der Pumpwerke, Ergiebigkeit der Quellen und deren Grundwasserspiegel, sowie der äußeren Witte­rungseinflüsse die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherzu st eilen. Gerade aus dieser Erwägung heraus besteht aber auch die Pflicht der Wasserwerke, bei lang an­haltender Trockenheit und bei großem Mangel an Niederschlägen zur Vermeidung einer all­gemeinen Wasserknappheit die Bevölkerung recht­zeitig zu sparsamem Gebrauch des Wassers an­zuhalten und vor zu starker, manchmal sinnloser Vergeudung dieses kostbaren Gutes der Mensch­heit zu warnen.

Von ber Kirmes in ben Tob.

Sturz über das Fahrrad eines am Wege schlafenden siirmesbesuchers.

WSN. Elbingen (Unterwesterwald), 2. Aug. Die am vergangenen Sonntag hier abgehaltene Kirmes hat ein trauriges Nachspiel gehabt. Ein junger Mann namens Oper aus Kölbingen fuhr auf dem Motorrad, auf dessen Soziussitz sich seine Braut befand, von der Kirmes nach Hause. Auf der Landstraße nach Härtlingen stieß sein Motorrad gegen Mitter­nacht in voller Fahrt auf ein unbeleuchtetes Fahrrad, das auf dem Wege lag. Der Besitzer des Rades, ein gewisser Müller aus Möllin­gen, schlief im Straßengraben. Anscheinend hatte er auf der Kirmes dem Alkohol zu reichlich zu­gesprochen und konnte die Heimfahrt nicht mehr bewältigen. Oper erlitt beim Sturz so schwere

Verletzungen, daß er in der Nacht zum Donners­tag im Dernbacher Krankenhaus starb. Seine Mitfahrerin kam fast unverletzt davon.

Oberheffen.

Landkreis Gieszen.

* Klein-Linden, 2. August. Mit dem 1. August wurde auf sein Nachsuchen der hiesige Lehrer und Rektor Friedrich M ö n n i g von der obersten Schulbehörde in den Ruhestand versetzt. Mit Rektor COippnig, der 45 Jahre seiner besten Kraft dem Lehrberufe widmete 21 Oahre davon tarnen unserer Klein-Lindener Ju­gend zugute scheidet ein äußerst gewissenhaf­ter Lehrer aus dem Dienst der Schule. Mit Liebe und Ernst war er nur auf das Wohl der Schule und ihrer Zöglinge bedacht. Wer die Gelegenheit hatte, mit Rektor Mönnig ganz persönlich in Fühlung zu treten, dem steht sein lauteres We­sen und seine Fürsorge als echter Schulmann vor Augen: In den ersten zehn Iahren seines Hierseins hatte Rektor Mönnig 80 His 90 Kin­der in seiner Klasse zu unterrichten. Erst vom Iahre 1919 an gestalteten sich die Verhältnisse der Schülerzahl günstiger. Vom Iahre 1924 bis 1929 war Rektor Mönnig Leiter unserer Ge­meindeschule. In dieser Zeit wurde die soge­nannteWanderklasse" abgeschafft. Durch Tei­lung eines großen Schulsaales im Erdgeschoß un­serer neuen Schule wurden zwei Schulräume hergestellt, das unleidlicheWandern" einer Schulklasse von Schulhaus zu Schulhaus nahm damit ein Ende. Weiterhin dankt die Gemeinde Klein-Linden Rektor Mönnig die Gründung der Mädchenfortbildungsschule sowie der dreiklassigen Mädchenkochschule. Beide Gründungen konnten (wegen Platzmangels) nur unter erschwerenden Umständen durchgeführt werden. Doch gelang es der Umsicht und der erprobten Lehr-Erfahnmg Rektor Mönnigs, aller Schwierigkeiten Herr zu werden. Möge es Rektor Mönnig vergönnt fein, nach 45 Iahren fleißigster Berufstätigkeit einen schönen Lebensabend im Kreise seiner Familie zu verleben.

£ Wieseck, 3. Aug. Der Gemeinderat beschäftigte sich in feiner gestrigen Sitzung mit der S ch lu ß b e r a t u ng des Voranschlags. Dor Eintritt in die Tagesordnung stellte Ge­meinderat Stein den Antrag, ein von der Frei­willigen Feuerwehr eingegangenes Schreiben mit zu verhandeln. Ferner fügt Bürgermeister Schomber als Punkt 5 die Verfassungsfeier an. Zum Voranschlag selbst stellt Hildebrand den Antrag auf Ablehnung, da er nach seines Ansicht dem nicht zustimmen kann, weil immer Gelder, die für die eine Rubrik vorgesehen seien, für andere Zwecke verwandt würden, anstatt dem Reservefonds zugeführt zu werden, worüber dann der Gemeinderat bestimmen könne. Bei Fest­setzung der Gemeindeumlage wird fast der ganze Voranschlag nochmals durchgesprochen unb der Gemeinderat kann zu keinem Ziel kommen, da von ihm vorgeschlagene Aenderungen nach der Ansicht verschiedener Gemeinderäte nicht berück­sichtigt sind. Eine längere Aussprache erfordert die Gemeindeschäferei, die laut Beschluß des Gemeinderats am 1. September aufgehoben werden soll. Denner verlangt in allen Sachen Klarheit und ersucht, daß die vom Gemeinderat gefaßten Beschlüsse unbedingt durchgeführt wer­den, da es sonst zwecklos sei, für die verschiedenen Sitzungen die Zeit zu opfern. Gemeinderat K r e i- I i n g schließt sich dem an. Da es nunmehr aus­sichtslos ist, den Voranschlag fertig zu beraten, stellt Laudon den Antrag, die Sitzung zu vertagen. Denner ergänzt diesen Antrag da- hin, daß die Verwaltung die vom Gemeinderat zum Voranschlag gemachten Aenderungsvorschläge zusammenstellt und jedem Gemeindevertreter zu­stellt, damit der Gemeinderat in der nächsten Sitzung, die auf Montag, 5. August, festgesetzt wird, endgültig über den Voranschlag abstimmen könne. Dem wird allgemein zugestimmt. Die wei­ter noch zu beratenden Punkte Polizeidiener-. Feldschühen- und Wiesenwärterbesehung, sowie der Bericht der Dau- und Wasserkommission sollen gleichfalls am Montag erledigt werden.

+ Grünberg, 2. Aug. Am 1. August ging das hiesige Postgebäude in den Besitz ber Reichspost über. Der Kaufpreis beträgt 38 000 Mark. Das Gebäude wurde im Iahre 1900 von dem seitherigen Besitzer, Rentier K. Iöckel VL, errichtet und damals sogleich an die Post ver-

n

ab.

Ost er denn dort?" fragte sie erstaunt.

Er nickte.

Beinahe jeden Abend," antwortete er ruhig.

Aber warum Verhafteft du ihn denn nicht gleich?"

Weil Loge A und ihr Geheimnis noch nicht aufgeklärt ist," sagte Larry,aber ich glaube, ich werde das fertig bekommen."

Am gleichen Abend trat Larry um acht Uhr in das Vestibül des Macready-Theaters.

Dr. Iudd, Sir?" sagte der Logenschließer. »3a, er ist in Loge A. Erwartet er Sie?"

Larry nickte. Sergeant Harvey wollte ihn be­gleiten, aber Larry verabschiedete ihn.

Ich gehe lieber allein.

Er ging schnell den Gang hinunter, blieb einen Augenblick vor der Loge A stehen, drehte den Türknopf herum und trat ein.

Dr. Iudds Augen waren auf die Bühne ge­richtet. Der Detektiv war stehen geblieben, um mit ihm zu sprechen, als etwas Warmes, Wol­liges über seinen Kopf glitt. Es fühlte sich wie ein mit Wolle gefüllter Sack an und mußte mit irgendeiner Chemikalie getränkt sein, die ihm den Atem raubte und einen Augenblick völlig lähmte. Dann fühlte er, wie sich ein Strick straff um seinen Hals legte. Er riß den Revolver her­aus, aber bevor er ihn benutzen konnte, traf ein scharfer Schlag feine Hand, und mit einem Schmerzensschrei, der durch den Wollsack erstickt wurde, ließ er die Waffe fallen. Ieder Atem­zug erstickte ihn beinahe, er schlug wild um sich, seine Arme wurden von hinten ergriffen, und man warf ihn zu Boden. Undeutlich horte er die Stimme Dearborns.

Den Zerstäuber, Peter!"

Das Mundstück einer Röhre preßte sich an seinem Kinn vorbei in den Sack, und etwas scharf Riechendes wurde unter feine Nasenlöcher gespritzt. Er versuchte noch einmal, sich aus den umklammernden Griffen zu befreien, aber ein Knie preßte sich in seinen Rücken, und er ver­lor das Bewußtsein.

Du bist wirklich ein Genie, David," sagte Dr. Iudd im Tone tiefster Bewunderung.Aus die Minute abgepaßt und glänzend durchgeführt! Hervorragend, aller Iunge, ganz hervorragend!"

Mach die Tür auf und sich mal nach, Peter," sagte David, und der Doktor gehorchte.

Der Gang war leer. Gerade gegenüber der Tür von Loge A war ein Vorhang an der Wand aufgehängt, hinter dem der Doktor ver­schwand. Ein Strom frischer Luft flutete herein, als er den Notausgang öffnete, der nach dem Hof führte, wo ein Wagen auf ihn wartete.

Eine Minute später hatte David den Detektiv aufgehoben mit einer Leichtigkeit, als ob er ein Kind in den Armen hätte, ihn in das Innere der Limousine gelegt und selbst den Platz am Steuerrad eingenommen.

Bald war er vor dem Hause in Chelsea und brachte den Wagen in einem kurzen Dogen bis Dicht an die verschlossenen Torflügel der über­dachten Anfahrt. In dem massiven Tor befanden sich zwei runde Löcher, die mit den Enden zweier StaHlstangen korrespondierten, die dicht unter­halb der Scheinwerfer seines Wagens hervor­ragten. Langsam und geschickt brachte er das Auto den langsam abfallenden Weg hinaus, bis die beiden Stangen in die Löcher eindrangen. Dann trieb er den Wagen vorwärts. Ein leichtes Schnappen, und die Flügel öffneten sich. Der Wagen rollte durch das Tor, und als die Räder über eine querliegende bewegliche Plattform hin­wegrollten, schlossen sie sich wieder.

Gegenüber der Tür, die wie ein Fenster aus- sah, hielt David Iudd an, öffnete sie und trug Larry hinein. Die Treppe, die nach dem Keller führte, war erleuchtet, und die Tür stand offen.

Er warf den Detektiv auf das Bett, nahm die Fußschelle auf und legte den Ring um Larrys Knöchel. Und dann erst nahm er den schweren Ledersack, der Larrys Kopf verhüllte, ab. Er roch betäubend nach Formalhyadin, und Iudd warf ihn in- das Badezimmer.

Larrys Gesicht war purpurrot, und er sah aus wie jemand, der erwürgt worden war, aber als ihn die Nachtluft traf, begann er langsam und mühselig zu atmen. David beugte sich zu ihm hinab, fühlte seinen Puls, zog die Augenlider auf und lächelte.

Leise ging er hinaus, schloß die beiden Türen hinter sich und blieb auf dem ersten Treppen­absatz stehen, um den Raum, den Sergeant Har­vey denMaschinensaal" getauft hatte, zu be­treten. Er drückte einen Schalter herunter, und der elellrische Ventilator begann leise zu summen.

(Fortsetzung folgt)