Samstag, 3. AugustMY
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 180 Zweites Blatt
Das lehrt vor allem die
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feine Arbeit im Haag. Für feine auswärtige Politit hat er die Linke unter allen Hmständen. Es lomint ihm darauf an, auch die Rechte an diese zu binden. Wird es dann aber nicht gehen, wie oft in der Politik in einem solchen Verhältnis zwischen Roh und Reiter, daß der, der Reiter ist oder zu sein glaubt, das Pferd wird, d. h. abhängig von dem anderen, also hier Driand, abhängig von der Rechten? Wird nicht so die Rechte Herr der Situation?
Wir glauben indes, dah im Grund der H n • terschied zwischen Driand .und der Rechten nicht so grob ist in bezug auf das. was im Haag für Frankreich erkämpft werden soll. Die Position ist dort für Frankreich durchaus nicht leicht, und insofern ist es für Frankreich vorteilhafter, dah der biegsamere und geschmeidigere Driand es dort vertritt und nicht der starrköpfige Poincarö.
Frankreich kämpft um den Voungplan. so wie er ist, und darin sind Kammer, Regierung und Driand sich einig. Deutschland hat den Plan nur unter den bekannten politischen Voraussetzungen angenommen. England ist sehr entschieden gegen die Bevorzugung Frankreichs in der Verteilung der deutschen Zahlungen, gegen die Fortdauer der Sachleistungen, gegen die „Hcbcr- bant". Die kleineren Reparationsgläuli^r haben auch ihre Klagen und Wünsche. So r ' schon der Kampf um den Voungplan. auf den hin die Kammer das Schuldenabkommen ratifiziert hat, im Haag nicht einfach werden.
Dann kommt die Rheinlandräumung. Deutschland und England sind darin einer Meinung. Im Grunde will sie Frankreich überhaupt nicht Unter allen Umständen aber will Frankreich eine Kontrolle, wie bekannt, durchsetzen und dabei diese wenigstens bis zum Jahre 1935, und, wenn es ginge, auch darüber hinaus und permanent. In dieser Frage ist Driand besonders an die Rechte gebunden, und wir meinen, dah er dabei auch sich selber gern binden
•) Obwohl Albert Langen einer seiner ersten Verleger und Entdecker ist und seine gesammelten Werke sehr sorgfältig übersetzt herausgebracht hat.
100 Jahre Mundharmonika.
In der Woche vom 3. bis 11. August begeht die sächsische Harmonikaindustrie, die in Kling.m- tal (Aschberggebiet) ihren Hauptsitz hat, ujr hunder tjährigesDestehen Vor hundert Iahren war er der Klingcntaler Geigenyändler Johann Wilhelm Glier, der den Plan faßte, eine Mundharmonikaindustrie zu gründen. Die Devölkerung Klingentals, die sich seit jeher durch die Erzeugung von Musikinstrumenten ernährte, unterstützte Wilhelm Glier aufs tatkräftigste bei. seinem Vorhaben. Cs wurde infolgedessen 1829 die erste Mundharmonikafabrik gegründet. Heber den Erfinder der Mundharmonika besteht noch keine Klarheit. Einige nennen den Schuhmachermeister Weinreich aus Heiligenstadt. (Cichs- feto), nach anderen soll Christian Friedrich Duschmann in Berlin als erster im Iahre 1821 Mundharmonikas unter dem Ramen Aura oder Mundäolin hergestellt haben. Demselben Erfinder wird auch die Erfindung der Ziehharmonika im Iahre 1822 zugeschrieben, der er den Ramen Handäolin gab. Die Industrie in Klingenthal, die heute auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken kann, hat sich aus bescheidensten Anfängen heraus entwickelt und sie gehört heute zu einem bedeutenden Ekportzweig der deutschen Industrie. „Der sächsische Musikwinkel", wie die Industriegegend im Dolksmund heute heißt, liefert im Jahre rund 20 Millionen Mundharmonikas für die Vereinigten Staaten von Nordamerika.
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Non-stop-Flug um den Erdball.
3n 17 Tagen um den Aequator. - Oer neue Rekord im Oauerfliegen.
Don Kurt Hallberg.
Hochschulnachrichien.
Professor Dr. med. et phil. Richard Honigs« wald in Breslau hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Philosophie an der Universität München als Nachfolger des verstorbenen Geheimen Regierungsrates Erich Becher angenommen. — Ernannt wurde der o. Profesfop Lic. theol. Hermann Dörries in Halle a. Sv zum ordentlichen Professor der Kirchengeschichte an der Universität Göttingen als Nachfolger des Geheimen Konsistorialrats C. Mirbt.
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zubvechen.
Ein Rundflug um den Erdball könnte unter gün« stigen Umständen sogar erheblich schneller als in 420 Stunden erfolgen, selbst wenn man darauf verzichten würde, ihn ohne jede Zwischenlandung zu unternehmen. Kaum ein Weltreisender wird je auf den Gedanken kommen, gerade der Route des Aequators ,>i folgen, die nicht nur die längste, sondern auch die langweiligste ist. Unternimmt man aber die Reise nun auf einem höheren Brei» tenarad, so spart man .viele tausend Kilometer. Schon im Jahre 1914 wurde von amerikanischer Seite ein Rundflug um die Erde vorbereitet, der am 15. Mai 1915 in San Franzisko beginnen und über Chicago, Neuyork, Cap Farewell aus Grönland, Reikjavik auf Island, die Shetland-Insel, London Paris, Berlin, Moskau, Wladiwostok, Kobe, Tokio, Kamtschatka, die Aleuten, Vancouver nach San Franzisko zurückführen sollte. Es war eine Flugzeit von 1212 Tagen vorgesehen, und alle 70 Meilen sollten auf der ganzen Route — natürlich mit Ausnahme der Seestrecken, für die zum Teil Wasserflugzeuge benutzt werden sollten — Depots für Petroleum, Del und anderem Proviant errichtet werden. Das Geld zur Finanzierung des Unternehmens war vorhanden, aber der Ausbruch des Krieges verhinderte seine Ausführung.
Heute sind alle diese Strecken schon von Flug- zeugen beflogen worden, und man könnte einen unvergleichlich größeren Abstand der Materialarsenale wählen, ohne die Flugsicherheit zu gefährden. Die Route eines Rundfluges um die Erde wäre leicht zusammenzustellen. Geht man von Neuyork aus, so wäre Grönland wohl die erste Etappe; von dort flöge man nach Island, falls nicht direkt London angesteuert werden wurde. Dann ginge es weiter über Berlin und Moskau nach Irkutsk am Baikalsee. Vielleicht wird es mit den neuen vielmotorigen Flugzeugen, die
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steht, dieser wesentliche, weise und wissende Mann. Eine Insel der Ruhe mitten im Karussell der raketensprühenden Zivilisation. Ein großes Herz im Durcheinander hupender Sachlichkeiten. Ein Stern über den staubigen Bezirken.
Vriands Stunde als Staatsmann.
Außenpolitische Umschau.
Don Or.Otto Hoetzsch, o. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. X
Das ohne Zweifel wesentlichste Ereignis der letzten Woche ist der Rücktritt Poincares. Fast genau drei Iahre hat er das Kabinett der Rationalen Union geleitet, mit ihm den Franken stabilisiert, das Schuldenabkommen ratifiziert und eine auswärtige Politik gemacht, ine naä> außen den Namen B r i a n d trug und tatsächlich die von P o i n c a r e war. Die Lebenszeit dieses Kabinetts ist mit drei Iahren für Frankreüh sehr lang gewesen, und im Sinne Frankreichs hat es viel geleistet.
Ob Poinaarös politische Laufbahn damit beschlossen ist, wc^iß niemand. Clemenceau hat in noch höheren Iahren einen entscheidenden Einfluß in Frankreich ausgeübt. Zunächst aber tritt Poincarä zurück; an der Konferenz im Haag Wird er nicht beteiligt fein.
Aber er wird d och beteiligt sein! Denn immer mehr ist er auch der Mann der Außenpolitik gewesen, insonderheit der Politik für Reparation und Sicherheit. Und so sind die Dahnen vorgezeichnet, in denen Driand im Ha ag allein arbeiten kann. Dieser hat, schon um die Krankheit Poincares wissend parlamentarisch den Ratisikatiovskampf zu Ende gebracht und hat dabei im Senat eine Art Programmrede gehalten, mit dem üblichen großen Eindruck und Pathos. Die soll man in Deutschland jetzt lesen, wenn Driand sich rüstet, nach Dem Haag zu gehen! 4 _
Deutlich schob er in den Vordergrund, daß. wenn Deutschland für sich Bestimmungen des Versailler Vertrages heranziehe (nach Erfüllung der Bedingungen ein früheres 21 ufHoren der Besatzung), auch Frankreich das Recht habe, seinerseits dajür Bedingungen aufzustellen. Driand sagte, er habe selbst jenes Genfer Kommunique vom 16. September revidiert, das heute wie eine Kugel am Dein der deutschen Vertretung toirlt, und habe den Nachdruck dabet auf das Wort „vollständige und definitive Regelung der Reparationen" gelegt: nut Boung- h(an und Schuldenratisikation sei diese endgültige und dauernde Regelung, die für Frankreich ja die sogenannte Kommerzialisierung bedeutet, gegeben. Daneben aber gäbe es die Frage der Sicherheit! Es handle sich darum, das Abkommen von Locarno durch einen angemessenen Maschinismus auszubauen! Mehr sagte er nicht. Aber für Den. der weiß, was sich Driand darunter denkt, genügt das vollauf. Und das ist nun die Hauptsache! Wenn Driand die Senatsrede mit f-inem Plan der paneuropatschen_ Organisation schloß, so kommt das für die nächste praktische Arbeit nicht in Frage, die im Haag vom 6. August an getan werden soll.
Dasür aber ist Driand gebunden, oder hat er sich gebunden. Denn, an Poincares Stelle getreten. hat er lediglich das Kabinett Potncarä ohne diese:-, wieder g^ilbet. ($r pat md)t ben 1 Kampf ausgenommen, die Mehrheit aus Mitte und Linke zu bilden, wozu die Linke bereit I gewesen wäre. Er behält die & 1 J) c r t g e j Koalition aus Mitte und Rechte bei. I obwohl er selbst ja ein alter Politiker der Linken ist und will mit einer R e ch t s m e hr h e 11 | eine Linksaußenpolitik machen Er behielt vor allem Tardieu bet als Innen- Minister, der mit seiner energischen Politik gegen die Kommunisten seine Position immer mehr verstärkt hat und sicher einer der kommenden Manner Frankreichs, aber im Sinne Potncares 1 und nicht Driands, sein wird.
! Warum tat das Driand? Fehlte thmdie Kraft, eine neue Mehrheit zu schaffen? Er wollte I jetzt den Dlick nach dem Haag gerichtet, keine inneren Kämpfe, die ihn nur von der auswärtigen Politik abgezogen hatten, und er wollte eine möglichst breite Dasis in der Kammer für
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Sonntag, den 4. Augutt 1929 MUM der FreitviltFener' mehren bc§ W Gienen in Buklar b. Lich.AlMrld.il Uhr nachi!>ch> Sonn. tagSfarte löten. Anzug: Tnchrock, pe m. Zahlreiche Detcil' aungwirdenoartet. ü .tzonmando. M« Leichtathletik rounlllgmoraeu
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beiden amerikanischen Flieger Jackson und O'Brien, die soeben nach einem Dauerflug d on 4 2 0 Stunden unter dein Jubel von 13 000 Zuschauern auf dem Flugplatz von St. Louis wieder gelandet sind. Sie haben in der Lust eine Strecks von 40320 Kilometer zurückgelegt, also einen Weg. der fast genau der Länge d e s Aequators entspricht. Freilich war es ihnen nicht möglich, für mehr als 17 Tage Brennstoff in ihrem Flugzeug zu verstauen: sie waren vielmehr gezwungen, die notwendigen 15 000 Liter Benzin nach und nach an Bord zu nehmen und dazu sieben- undoierzigmal während der Fahrt zu tanken. Auch Nahrung'und Wasser wurde ihnen zugeleitet, ohne daß sie zu diesem Zweck ihren Flug unterbrechen mußten. Versuche, Flugzeuge während der Fahrt mit Brennstoff und allem, was sie sonst brauchen, zu versehen, wurden in den letzten Jahren in allen Ländern und besonders auch in Deutschland/mit steigendem Erfolg unternommen. Wenn die Motoren und die Tragflächen eines Apparates eine mehrwöchige Beanspruchung ohne jede We« pause vertragen, so werden Ozeanfluge bald dadurch viel von ihrer Gefährlichkeit einbüßen, daß man den Fliegern alles Erforderliche von den Ozeandampfern aus zuleiten kann. Da es technisch durchaus möglich ist, in entsprechenden Abstanden Ttnkstationen und Materiallager zu errichten, sowie Flugzeuge für den Zubringerdienst bereitzustellen, kann es nicht auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen, wenn man den Dauerflug in einer Kreislinie um den Erdball erfolgen laßt, statt wie bisher lediglich über einem verhältnismäßig engen Festlandsgebiet zu kreuzen, tfrahd) ist das Wagnis für eine wirkliche Erdumsegelung weit größer, da ja die amerikanischen Flieger bet ihrem Rekordflug stets die Möglichkeit hatten, den Versuch bei einem plötzlich auftretenden Wirbel- sturm ober einem gefährlichen Gewitter sofort ab-
Knut Hamsun.
3u seinem 70. Geburtstage.
Don Frank Thieß, Präsidialmitglied der Gesellschaft für deutsches Schrifttum.
Man ist in Deutschland nicht prüde mit Geburtstagsfeiern. Dom 50. Jahr an darf jeber, der in der Oesfentlichkeit steht, sich rn den rhyth mischen Abständen der Dekade halfen So ist es anzunehmen, daß der deutsche Leser gar nicht mehr das Ohr für die Feier eines Geburtstages hat. daran die ganse gebildete Welt teilnehmen sollte, keines Deutschen zwar doch eines Mannes, dessen Werke aus unterer Literatur nicht fortzudenken sind, des größten lebenden Dichters. Knut Hamsun
Ich sage das sehr diktatorisch und man touö mim foalcid) verbessern und einstigen. »2H rer Meinuiw tuid) des größten lebenden Dichters. Nein! Nicht nur meiner Meinung auch, sondern nach „ob ektivem Tatsachenbefund" trotz Dernard Shaw, trotz Gerhart Hauptmann (dessen 70. Jahresfeier 1932 stattfinden wird, man macht letzt fchnn in Breslau das Programm!). Es ist dagegen nichts vorzubringen, denn nicht 2toflagen- Eahl und Beliebtheit entscheiden, sondern eine geschichtliche Tatsache, die niemand überspringen tonn- kein Dichter unserer Zett hat diesen Ern- luß auf den literarischen Stil Europas ausgeubt wie Hamsun, und. um ein übriges hidzufugen: S gibt keinen, von dem sämtliche Werke, einschließlich der ältesten, die vor vierzig und mehr ^abren geschrieben wurden, nicht eine Spur von Alterserscheinungen aufweisen.„ Man lese die
Viktoria", den ..Hunger, die ,,M Y ste ": , n“ fie sind zeitlos, erregen heute so stark wie einst' was sich in ihnen begibt, begibt sich stündlich in unterer scheinbar vollkommen ver- änderten Welt, was da geschrieben steht sind dto ewigen Runen der Liebe, des Hungers, der ^Äoch ^sprechen wir zuerst über seinen Einfluß Worin ist er zu sehen? ^?nn liegt er?In der höchsten Vollendung des Stils der Fort lassunaen ja in Erfindung dieses Stils, denn vor ihm'wußte niemand in der Weltliteratur daß Wichtiges am einprägsamsten damit aus gedrückt wird, daß man eei fortto&t. Was ist nun das für ein Hnsinn? Wie kann das Wichtige durch das Richtige, das Nichtige aber durch besondere Wichtigmachung ausoed^ickt werden. Ia. wie tonn es? Hamsun hat das Rätsel durch
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läßt. Wir glauben, daß er diese Kontrolle will. Iedenfalls aber weih er, dah er irgend etwas der Art aus dem Haag mit nach Hause bringen muh, wenn er nicht seine eigene Position aufs Spiel sehen will.
Zum Schluh kann man sich daraus unschwer klarmachen. auf welche Schwierigkeiten die Behandlung der Saarfrage erst recht stoben wird, wenn Deutschland diese auf der Konferenz zur Erörterung stellt.
Die Verantwortung ist ungeheuer, die auf Briands Schultern liegt. Die Entscheidung, ob wirklich etwas zustande kommt, hängt ganz überwiegend von Frankreich ab. Cs wird durch Briand vertreten, der durch seine Verbindung mit der Rechten gebunden ist, und wie wir glauben möchten, sich auch ganz gern binden lieh. Die Konferenz im Haag aber kann so di e größte und entscheidende Probe für Driand werden dahin, ob er wirklich ein Staatsmann großen Stils ist. dem es mit seinen Frieoensbekenntnissen auch ernst ist.
Das bisher Gesagte zeigt schon, daß die Konferenz nicht gerade unter günstigen Vorzeichen beginnt. Was ist an Zeit und Kraft schon mit dem Hin und Her über den Ort und das Programm verbraucht worden! Ob nun in den wichtigen Programmpunkten alles von der d e u t- schen Politik geschehen ist. was nötig ist? Hat die Vorbereitung, so manchmal eine Schwäche wenn Deutschland auf eine solche Konferenz ging, ausgereicht? Ist das Gelände für die verwickelte und schwierige Arbeit in jeder De- ziehung ausreichend abgetastet? Wir gestehen, dah wir in dieser Deziehung gar mancherlei Dedenken und Deforgnisse haben. Ist namentlich die nötige Fühlung und Verbindung mit den Vereinigten Staaten vorhanden? Die Telegramme bei der Feier des Kelloggpaktes allein machen es doch nicht!
Schriftsteller Araki Überboten, der vom 7.April bis zum 10. Mai 1928, ebenfalls ohne Benutzung von Flugzeugen, die Erde in 33z Tagen umsegelte. Aber schon im Jahre 1926 wurde unter teilweiser Mitbenutzung des Flugzeuges eine Reise um die Welt in nur 28 Tagen vollbracht.
Im Flugzeug haben Weltreisen bisher erheblich länger gedauert. Am 17. März 1924 starteten die drei Amerikaner Lowell, Smith und Nelson in Neuyork und versuchten einen Welt- rund f l u g in westlicher Richtung, natürlich in Etappen. Don San Franzisko flogen sie nordwärts nach Alaska, um längs der Aleutengruppe den asiatischen Kontingent zu erreichen. Durch einen Schneesturm wurden sie jedoch auf den Aleuten lange Zeit festgehalten. Schließlich flogen sie weiter über die Halbinsel Kamtschatka nach Japan, Sud- china, Kalkutta und Bombay quer durch Arabien nach Konstantinopel. Von dort führte sie ihr Weg über Wien und London nach Reikjavik auf Island, von wo sie die 800 Meilen bis zur Südspitze Grönlands in acht Stunden zurücklegten. Nun flogen sie über Labrador und Boston nach Neuyork, wo sie am 8. September 1924, also nach einem halben Mhr, ankamen, nachdem sie 37 000 englische Meilen zurückgelegt hatten. Auf ihrer Reise waren ihnen zahlreiche Unfälle zugestoßen, und die sportliche Bedeutung, des kühnen Unternehmens war schon deshalb gering, weil sie zu ihm eine Zeit gebraucht hatten, in dem man unter Benutzung von Schiff und Eisenbahn dieselbe Strecke mindestens zweimal hätte zurücklegen können. Seitdem ist die Flugtechnik gewaltig verbessert worden, erfolgreiche O z e a n f l ü g e haben den Piloten
und Schicksalhafte jedes Lebens mit einer Suggc- stivität ohnegleichen vorgebracht wird. So die drei größten seiner späten Romane: „Segen d e r E r d e". ..Die Weiber amBrunne n", „L a n d st r e i ch e r". Man konnte vielleicht sagen, daß nicht im Geschehen, in dem, was da berichtet ist. die Dedeutung der Werke läge. Aber das wäre falsch und würde den Akzent vom Was auf das Wie verlegen. Rein, Hamsun ist kein Artist verbaler Luftakrobatik, sondern Realist, dem es sehr darauf ankommt, daß man die Geschicke seiner Menschen genau so wichtig nimmt, wie sie von ihnen erlebt werden. Hebrigens kann man es gar nicht anders, denn nach wenigen Seiten ist man mitten in die Welt der Fischer. Dauern. Handwerker, kleinen und großen Kaufleute hineingerissen und nach abermals wenigen Seiten ist das schon unsre Welt geworden und am Ende ist alles seltsam durchbuchtet, denn was um dich her geschieht, erkennst du als das, was ewig um dich und in dir geschieht, und du ahnst die Zusammenhänge am Grunde aller Verschiedenheiten und die großen Gesetze, unter denen auch dein Leben steht, die der Liebe, des Wanderns, der Erdsehnsucht, der Gemeinschaft.
Ach, Hamsun! Da schwatzt man vollen Herzens etwas hin. um zu sagen, wie groß er ist, dieser Sohn Norwegens, dieser Europäer, dieser mächtige Dichter der Weltliteratur. Man schwatzt hin und fühlt im Gestammel der Dewunderung und Liebe die Hnzulänglichkeit des Dankes. Aber das tut nichts, man freut sich doch dieses Tags. Es ist schon, zu wissen, daß Hunderttausende in der ganzen Welt ihm heute für seine Werke danken, hier in Deutschland und drüben in Amerika, wo er Tramp gewesen und wo man ihn noch eifriger lieft als in Deutschland, das sich nicht rühmen darf, ihn weltberühmt gemacht zu haben.') Es ist schon, das zu denken und zu wissen, daß man dabei sein darf, sozusagen ein Zeitgenosse und ein braver Jünger. Aber das Schönste ist, zu wissen, dah er lebt, heute, im Jahre 1929, stark, groß, einsam, em Feind der Interviewer uhö Biographen, ein Freund seiner Herden und Aecker. Ja. er lebt, er ist keine Mythe, man kann an ihn eine Postkarte schreiben oder es auch bleiben lassen, aber man weiß, daß er mitten in unserer Zeit
Mut gemacht, den Erdball auf dem Luftweg zu bezwingen, und es ist zweifellos nur eine Frage sehr kurzer Zeit, daß der Versuch des Phileas Flogg und seiner Nachfolger, auf dem Land- und Seeweg einen Weltreise-Weltrekord aufzustellen, endgültig als gescheitert betrachtet werden muß.
Das lehrt vor allem die gewaltige Leistung der beiden amerikanischen Flieger Jackson und
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Unser Mitarbeiter untersucht hier die praktischen Möglichkeiten für den Weltflugverkehr, die sich aus dem bemerkenswerten Dauerflug der amerikanischen Dauerflieger Jackson und O'Brien ergeben.
Unter den packenden Romanen, die uns in unseren Knabenjahren durch Phantasie und lebendig geschilderte aufregende Ereignisse fesselten, war keiner so spannend und so meisterhaft geschrieben wie die Geschichte des Weltreisenden Phileas Fogg, die Jules Derne im Jahre 1872 veröffentlicht hat, und in der eine Jagd um den Erdball in 80 Tagen geschildert wurde. Damals ahnte noch niemand etwas vom Auto, vom Luftschiff und vom Flugzeaig ganz zu schweigen. Wie üb^hott die Berechnungen des französischen Romanschriftstellers heute sind, auch wenn man von den Errungenschaften der modernen Flugtechnik absieht, bewies im vergangenen Jahr eine große Kopenhagener Zeitung, die zur Feier von Jules Dernes hundertstem Geburtstag einen Gymnasiasten auf eine Weltreise schickte, ihm aber untersagte, zur Abkürzung der Strecken Flugzeuge zu benutzen. Der schmächtige rotblonde Knabe, fast noch ein Kind, fuhr in Begleitung einiger Redakteure nach Warnemünde und reifte dann allein über Liverpool nach Kanada, durchquerte Nordamerika in der Eisenbahn, schiffte sich nach Japan ein und kam über China, die Mandschurei, Sibirien, Moskau und Berlin in 44 Tagen nach Kopenhagen zurück. Er hatte damit aber keinen Rekord aufgestellt, da schon im Jahre 1913 ein Neuyorker Redakteur eint Weltreise in rund 36 lagen machte; im vergangenen Jahr wurde diese Leistung von dem japanischen
ein unglaublich einfaches Mittel gelost, das nach ihm Hunderte von internationalen Schriftstellern. Feuilletonisten. Publizisten eifrig nachfabriziert haben, durch eine leichte Hebertönung der Gegen- sahpaare. Wenn er also die innere Bedeutungslosigkeit eines Vorgangs anzeigen will, übertönt er ihn um einige Grade, gibt ihm ein« wenig Ballast der Würde mit, einen kleinen motorischen Druck, nicht viel, manchmal nur ein Lächeln, eine winzige Wendung übertriebener Zustimmung. Hnd wenn er etwas ganz Starkes geben will, eine tiefe Liebeserregung, em furchtbares Schweigen, eine Angst, ein verstummendes Leid kappt er alle Worte, alle Epitheta, alles, was' die Bedeutung der Szene unterstreichen könnte, einfach weg. Er nimmt ihr jede Be- toftung, jede Spur von Pathos und Pomte und Akzentuierung, er nimmt ihr alle Fülle und Breite und läßt sie frei schweben m einem seltsam überlächelten Schweigen. Hnd der Leser fühlt alles, was nicht gesagt werden konnte, fühlt mehr als er selbst wüßte und sagen konnte.
Die große Meisterschaft dieses Stils hat man, wie erwähnt, weithin nachzuahmen unternommen, überall wurde nun überschwiegen, ironisiert, gelächelt wichtig getan. Aber merkwürdig, es blieb Kopie' Schlechte Kopie, bessere Kopie. So wie die vielen Waler, welche seit Jahrhunderten vor der Venus von Giorgone sitzen und den Hauch dieses Schlummers, den Atem dieses unsterblich süßen Schlafes mit Pinsel und Farbe emzufangen bemüht sind. Nicht anders haben wir alle vor Hamsuns Bildern gesessen, erregten Herzens voll erlaubten Neides auf diese königliche Beherrschung des Wortes, und haben schließlich ein bißchen nachzupinseln versucht und unser Machwerk betrachtet, den Kopf geschüttelt und wieder die Lupe vors Auge genommen, und — am Ende hat man müd die Arme fallen lassen und. der eigenen Dürftigkeit bewußt, nur noch geschaut, nur noch bewundert, ein ewig liebender Schuler dieses Großen. , . _
Das wäre etwas über den Charakter seines Stils, aber ich füge gleich hinzu, daß es nichts ist, was ich da sagte. Man kann nicht erklären, worin der Reiz seines rhythmischen Zeilenfalles, seiner Laune, seiner unbeschreiblich einprägsamen Szenen liegt. Natürlich ist das nicht allem Stil" Sondern Stil als Ausdruck des Hamsun- s'chen Weltsehens und Welterlebens umfaßt zugleich mit unverwechselbarem Wortklang die Anfolge feiner Bilder, die unbestrittene Meisterschaft der Komposition, darin tatsächlich im Verlaus weniger Belanglosigkeiten das Belangvolle


