Ausgabe 
3.6.1929
 
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Hess. Gemeindebeamien-Tagung in Gießen

Beamtengehälter

dürfe aber nicht auf Kosten der

für zu sorgen, baQ alle Glieder bei Staates Vertrauen zu ihm haben.

Mit einem kurzen Schlußwort deS Vorsitzen­den, daS die hohe Bedeutung der Tagung unter­strich, wurden sodann die Verhandlungen ge­schlossen.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

CO Klein - Linden, 2. Juni. Bei einem heute nachmittag hier ausgetragenen Fuhballwett- spiel zwischen der Fußballmannschaft der hiesi­gen Freien Turnerschaft unb dem Arbeiter-Sport­verein Beilstein wurde der 18 Jahre alte Rud. Viertelhausen durch einen Fußtritt gegen den Unterleib schwer verletzt. Der hcrbeigerusene Arzt Dr. Boßler von hier; leistete die erste ärztliche Hilfe. Durch das Sani­tätsauto der Freiwilligen Sanitätskolonne in Gießen wurde der bedauernswerte junge Mann in die Chirurgische Klinik nach Gießen überge­führt, wo schwere inneren Verletzungen sestge-

planmäßige 23er-

Professor Dr.

.Die Ver-

oberhaupt, der Stadtverwaltung und der Ein­wohnerschaft Gießens. Für den musikalischen Teil des 2lbends war die Kapelle des 1. Datls. 3nf.» Regts. 15 gewonnen worden, die unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r Vorzügliches bot und sich daher immer wieder zu Zugaben ver- tehen muhte. Die Opernsängerin Frl. Marie- lies T h ü m m e l, Marburg, erfreute durch stimm­lich auf der Höhe stehende gesangliche Dar­bietungen, während Spielleiter und Schauspieler Alois Großmann, Frankfurt a. M., durch eine humoristischen Einlagen in vortrefflicher Weise die Lachmuskeln in Bewegung zu setzen verstand.

Oie zweite Hauptsihung.

Am gestrigen Sonntagvormittag fand in der Neuen Aula der Universität die zweite Haupt- itzung und damit der Abschluß der Tagung statt.

Begrüßungen.

Der geschäftssührende Vorsitzende Z s ch e ch (Offenbach- eröffnete die Verhandlungen mit einer Begrüßung der Erschienenen, insbesondere des Ministers Leuschner, der Ministerialräte Weber und S ch w a m b, des Präsidenten des Hessischen Landtags Delp, der Landtagsabge­ordneten Widmann, Schwebe! und Dr. A i e p o t h, Frau Stadtratsmitglied Nau - m a n n, des Vertreters der Dezirksgruppe Hessen- Aassau-Waldeck Drehme (Kassel), Prof. Dr. Berg st räßer (Berlin), sowie der Vertreter

erfolgen, sondern nur durch eine waltungsreform.

Den zweiten Vortrag hielt

Berg st räßer -Berlin über fassung als Grundlage des Staats­und Bürgerrechts". Der Redner zeigte zu­nächst den Wert und die Bedeutung der Wei­marer Verfassung, auch für den Staatsbürger, der das ihm hierdurch Gebotene als etwas Selbstverständliches hinnehme. Er erläuterte an Hand von Beispielen, wie sich die persönliche Freiheit des einzelnen Staatsbürgers auswirkt und wie demgegenüber die oft gepriesene und herbeigesehnte Organisationsform der Diktatur eine Aufhebung der Freiheit des einzelnen be­dingt. Der Redner sprach dann von der Notwen­digkeit, daß der Beamte Staatsgesinnung be­sitze und schaffe, daß weiter die Führer unseres Volkes das Vertrauen der Geführten erwerben

müßten und erhalten. Der Redner begründete hierauf die Notwendigkeit der Demokratie und des parlamentarischen Svstems und zeigte die Folgen einer etwaigen Ersetzung des Parlaments durch berufsständische Vertretungen. Er erläu­terte dann weiter die Bedeutung der Parlamente

stellt wurden.

> Lauter, 2. Juni. Obwohl die Kirschen in diesem Jahre ein ausgezeichnetes Dlütenwetter hatten und nicht durch Frost gelitten haben, ist der Fruchtansatz doch nur sehr gering. DieS wird zurückgeführt auf eine schlechte Entwicklung der Staubgefäße und Stempel der Blüten, im VvlkS- mund als falsche Blüte bezeichnet. Nur einige spätblühende Sorten, wie Hadelsinger Riesen usw., zeigen einen einigermaßen befriedigenden Frucht­ansatz. Nach der Heuernte soll im Rahmen der Feldbereinigung die Verlegung des Dach­laufes ausgeführt werden. Der Bachlauf er­hält von der Dingmühle bis zur Walkmühle einen fast geraden Lauf. Große Strecken sump­figer Wiesen werden dadurch entwässert. Dicht am Ort erhält die Straße LauterLaubach eine neue Straßenbrücke, zu der der hessische Staat einen namhaften Zuschuß bewilligt hat.

tz Aus der Wetterau, 2. Zunr. Als

Kunst und Wissenschaft.

Die Krügersche Grönlandexpedition.

Am Samstag verlief die zweite diesjährige deutsche Grönlandexpedition die erste von Prof. Alfred Wegener hat die Reise bereits vor zwei Monaten angetreten mit dem DampferHans Sgede" Kopenhagen. Die Expe­dition, die geologisch-mineralische Untersuchungen anstellen will, steht unter Führung von Dr. Krüger von der Technischen Hochschule Darm­stadt. Es gehören chr ferner an: Dr. Drescher, ebenfalls von der Technischen Hochschule Darm­stadt, Dr. Nie land, Heidelberg, und der frü­here Assistent der grönländischen Verwaltung, der Däne D j a r r e, Kopenhagen. Mit dem Hans Egede" begibt sich die Expedition zunächst nach P r ö v e n südlich von Llpernivik an der Westküste Grönlands, von wo die Fahrt mit einem eigenen mitgeführten Motorboot fort­gesetzt wird. Während des Sommers wird die Expedition sich etwa einen Monat lang an der Llmanak-Ducht aufhalten, um dann lang*

für den Ausgleich der Gegensätze. 3n den fol­genden Ausführungen zeigte der Redner die Wichtigkeit der Schaffung eines sozialen Aus­gleichs, an dem die Zukunft der Verfassung ge­messen werde. Eine soziale Aufgabe des Vtaa- tes sei es, in der Verfassung nicht nur den I Stelle, der Polizeistation auf der auf dem 80. äußeren Rahmen zu schaffen, sondern auch da- 1 Breitengrad gelegenen Bache-Hal blnselan

sam die Reise hinunter nach G o d h a y n fortzu- lehen, wo man Ende 3uli einzutreffen gedenkt. Während Dr. Drescher und Dr. Nieland auf diesem Gebiet ihre Arbeiten fortsetzen werden, um dann noch im August d. 3. nach Europa zurückzukehren, begeben sich Dr. Krüger und Bjarre von Godhavn aus an Bord eines kana­dischen Regierungsdampfers, der einmal jährlich die Polizeistationen im kanadischen Archipel be­sucht, zu der nördlichsten überhaupt besiedelten

Am Samstag und am gestrigen Sonntag fand in Gießen der 9. Der tretertag der Ge­werkschaft hessischer Gemeinde» beamten statt. Aus allen Teilen des Hessen- landes hatten sich die Gemeindebeamten in sehr großer Zahl eingefunden. Zu den anwesenden 178 stimmberechtigten Delegierten kamen noch viele weitere Gewerkschaftsmitglieder, die ohne Mandat lediglich aus persönlichem 3nteresse an der Tagungsarbeit ihrer Organisation hierher- gekommen waren: dazu kamen dann noch viele Gießener Mitglieder, so daß der Saal der Lie- bigshöh« voll besetzt war.

Nach einer kleineren Sitzung am Vormittag wurde am Samstagnachmittag im Saale' der Liebigshöhe

die erste Haupisitzung

von dem geschäftsführenden Vorsitzenden, Ver­waltungsdirektor Zschech (Offenbach) eröffnet. Gr bedauerte einleitend, daß von den Wünschen und Forderungen des vorjährigen Vertreter- tages in Wimpfen noch eine ganze Reihe uner­füllt geblieben sei, wenn auch in einigen grund­legenden Forderungen grundlegende Aenderun- gen zu verzeichnen waren. Die Beamten hätten ein dringendes Bedürfnis, sich mit den Vorgän­gen der Oeffentlichkeit zu beschäftigen, dabei getragen von dem Gedanken, dem allgemeinen Wohl nützlich zu sein. Den Deamtenorganisa- tionen werde man nicht nachsagen können, daß sie Forderungen gestellt hätten, die für die Oeffentlichkeit ein Ding der Unmöglichkeit seien. Der Redner wies dann auf die Pariser Ver­handlungen hin, von deren Abschluß man endlich auch die Befriedung des deutschen Volkes und insbesondere des besetzten Gebietes erwarte. Die Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten wünsche und hoffe, daß nun endlich die Zeit komme, wo man von dem befreiten besetzten Gebiet reden könne. (Bravorufe.) Er entbiete dem besetzten Gebiet die herzlichen Grüße der hessischen Ge­meindebeamten und wünsche, daß es nun bald befreit werde von der fremden Besatzung zum Heil und Wohl seiner Bevölkerung und unseres geliebten Vaterlandes. (Bravorufe.) Sodann gab der Redner bekannt, daß Staatspräsident Dr. Adelung, Finanzminister K ir n b e r g e r, Provinzialdirektor G r a e f, Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Her-- zog, Abg. Prof. Axt (Dolksrechtpartei) und Abg. Schreiber (Dem.) wegen anderweitiger dringender 3nanspruch nähme ihr Fernbleiben entschuldigt und ihre guten Wünsche für den Tagungsverlauf schriftlich übermittelt hätten, der Minister des 3nnern Leuschner und Land­tagspräsident Delp den Verhandlungen am Sonntag beiwohnen würden. Ferner entschul­digten ihr Fernbleiben die Führer zahlreicher Beamtenverbände und des Hess. Landgemeinde- tagS mit ihrem weit entfernten Wohnsitz bzw. gleichzeitig stattfindenden Tagungen. Anschlie­ßend begrüßte der Vorsitzende Behördenvertreter, Landtagsabgeordnete, Vertreter befreundeter Ver­bände, die Gießener Organisationsvertretcr und die Presse als Ehrengäste deS Vertretertages mit herzlichen Worten.

Oie Begrüßungsansprachen.

Nach dem Vorsitzenden sprach als erster Redner Oberbürgermeister Dr. Keller (Gießen) im Namen der Stadt Gießen und in seiner Eigen­schaft als Vorsitzender des Hessischen Städte- tages. Er entbot den Tagungsteilnehmern herz­lichen Willkommengruß in Gießen und gab seinen aufrichtigen Wünschen für einen erfolgreichen Verlauf der Tagung Ausdruck. Weiter hob er hervor, daß die Gemeindebeamten den in immer größerem Ausmaß an sie gestellten Anforde­rungen im Dienste für daS Allgemeinwohl voll entsprochen hätten und dafür die uneingeschränkte Anerkennung der Parlamente und der gesamten Bevölkerung verdienten. Die Gemeinden zu starken Stützen des Staates zu machen und dem Wohle der Bevölkerung zu dienen, sei die Aufgabe der Gemeindebeamten, der sie sich mit Treue und Gewissenhaftigkeit hingeben. Der Redner schloß mit besten Wünschen für die Organisation.

Regierungsrat Dr. Braun (Gießen) über- brachte als Vertreter des Kreisamts Gießen und der Provinzialdirektion Oberhessen herz­liche Grüße und beste Wünsche. Aus der Arbeit der Tagung mochte für alle in Betracht kommen­den Stellen gutes Material hervorgehen zum weiteren Ausbau des Gemeindebeamtenrechts.

Landtagsabg. Hamann (Kommunist) sprach im Auftrage der kommunistischen Abgeordneten des Hess. Landtages und erstattete, wie er aus­drücklich betonte, Bericht über die Tätigkeit der kommunistischen Landtagsabgeordneten bei der Schaffung des Gemeindebeamtenrechts, dessen Ab­lehnung durch die Kommunisten der Redner zu rechtfertigen suchte. .

Landtagsabg. Dr. Leuchtgens (Friedberg, Landbund) begrüßte den Dertretertag im Namen des Hessischen Landbundes und seiner Landtags- fraktion und betonte dabei, daß er und ferne politischen Freunde von der großen Bedeutung des Berufsbeamtentums und der Gememdebeam- ten voll durchdrungen feien. Was der Staat und die Gemeinden bedeuteten, verdankten fte rhren Beamten. Der Beamte werde m der.Oeffentlich» leit immer mehr gelten, je mehr er sich selbstlos in den Dienst der Allgemeinheit _ stelle. Auf der andern Seite habe ihm aber selbstverständlich an Ehre und Gehalt das zuzukommen, was seiner 'Bestimmung entspreche.

Landtagsabg. W e ck l e r - Rockenberg (Zentrum) übermittelte die Grüße seiner Partei und rlniktion und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß seine Fraktion an dem Gemeindebeamtengesetz für die Beamten habe mitarbeiten können. Don der Zentrumsfraktion könne die Beamtenschaft gewiß sein, daß die Abgeordneten sich bewußt seien, was sie von den Beamten zu fordern, aber auch was sie ihnen zu geben hätten. An dem neuen Gemeinde­beamtenrecht müsse noch viel geschliffen und gefeilt werden, jetzt aber wolle man erst einmal sehen, wie das Gesetz sich auswirke. .

Weitere Begrüßungsansprachen, die wir mit Rück­sicht auf den zur Verfügung stehenden Raum hier nur summarisch verzeichnen können, hielten Dr. Richard-Berlin als Vertreter des Deutschen Be­amtenbundes, Direktor Ehr ma n n - Berlin vom Reichsbund der deutschen Gemeindebeamten, Böh­ringer- Karlsruhe als Vertreter des Verbandes der Gemeindebeamten Badens, Dr. Cla ß- Mainz für den Hessischen Beamtenbund und das Landes­kartell Hessen des Deutschen Beamtenbundes, Sei­bel- Gießen für das Ortskartell Gießen und H ö h.n - Gießen namens des Vorstandes der Ge-

amtoereinigung der städtischen Beamten Gießens. I In allen Ansprachen kam die Genugtuung über das Zustandekommen des hessischen Gemeindebeamten, gesetzes, aber auch der Wille, dieses Gesetz auszu- bauen und bis zur höchsten Möglichkeit zu vervoll- tommnen, zum Ausdruck: ferner wurde die enge kameradschaftliche Verbundenheit aller Verbände be­tont und dabei ein starkes Bekenntnis zum Berufs- beamtentum abgelegt. Diese Tendenz der Reden un- terstrich der Vorsitzende Zschech in seinen Dankes- Worten an die Sprecher mit besonderem Nachdruck. Geschäftsbericht undRechnungSablage.

Hierauf machte der Vorsitzende Zschech zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht län­gere Ausführungen. Er stellte mit Genugtuung fest, daß man in der Oeffentlichkeit mit Hochacbtung von der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten preche. Mit dem Deutschen Beamtenbund und mit )em Reichsbund der deutschen Gemeindebeamten werde sich die Gewerkschaft gemeinsam für die Sicherung der Beamtenrechte einsetzen und dafür auch kämpfen. Der hessischen Regierung und dem Landtag spreche er Dank aus für die Schaffung des Gemeindebeamtengesetzes. Zwar sei das Gesetz noch nicht vollkommen, die Gewerkschaft erwarte aber, daß dieser Vollkommenheit zugestrebt werde. Weiter orderte der Redner soziale Sicherung der Beamten- chaft aus staatspolitischen Notwendigkeiten heraus. Hinsichtlich der Besoldung sei zu wünschen, daß in manchen Gemeinden, über die noch geklagt werde, nicht erst das Schiedsgericht eingreifen müsse, um den Selbstverständlichkeiten Geltung zu verschaffen. Zum Schlüsse dankte der Redner allen Mitarbeitern und der Geschäftsstelle für ihre treue Unterstützung der Gewerkschaftsleitung.

Die Rechnungsablage für 1928 weist in der Betriebsrechnung 131955,15 Mark Einnahme und 130 453,90 Mark Ausgabe, in der Dermöaens- rechnung in Einnahme und Ausgabe 36 434,45 Mark aus.

Die Aussprache brachte in den Reden der Ver­treter der Städtegruppen, der Kreisgruppen und der Fachgruppen eine vollkommene Billigung der vom Vorstand betriebenen Politik und eine starke Vertrauenskundgebung für den Gesamtoorstand und insbesondere für den geschäftsführenden Vorsitzenden.

Der Voranschlag für 19 29 schließt in der Betriebsrechnung mit 133 400 Mark, in der Ver­mögensrechnung mit 14 250 D^ark in Einnahme und Ausgabe ab.

Der Geschäftsbericht, die Rechnungsablage für 1928 und der Voranschlag für 1929 wurden einstimmig genehmigt und zahlreiche Anträge nach dem Vor­schläge des Gesamtvorstandes verabschiedet. Einstim­mig beschlossen wurde auch folgende

Kundgebung des Vertretertages:

Die in der Gewerkschaft hessischer Gemeinde­beamten organisierte hessische Gemeindebeamtenschaft anerkennt die Bemühungen der hessischen Regierung und des Hessischen Landtages, das hessische Ge- neindebeamtenrecht zeitgemäß fortzubilden. Sie spricht die Erwartung aus, daß in dem gleichen fortschritt­lichen Geiste die Durchführung und der Ausbau der Rechtsgrundlagen des Berufsbeamtentums der Ge­meinden und Gemeindeverbände vorwärtsgetrieben wird. Die bisher von den politischen Parteien ab­gegebenen Erklärungen über die Anerkennung des Wertes und der Bedeutung des Derufsbeamtentums allein bieten der Beamtenschaft keine ausreichende Gewähr für die Sicherung der Beamtenrechte. Es muß vielmehr gewünscht werden, daß die von diesen Parteien getragenen gesetzgebenden Körperschaften bei den zu fassenden Beschlüssen die praktischen Fol­gerungen aus abgegebenen Erklärungen ziehen.

Das am 1. Aprll 1929 in Kraft getretene hessische Gemeindebeamtengesetz bedarf nach Auffassung des 9. Vertretertages der Gewerkschaft hessischer Gemeinde­beamten ergänzender Bestimmungen zum ausrei­chenden Schutz für die Erhaltung des Beamten­tums in seinem staatsrechtlichen Begriff in den Ge­meinden, Gemeindeverbänden, öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Sparkassen und 23ereinen öffentlichen Rechts. In zunehmendem Maße werden in den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen an Stelle von Beamten Angestellte auf Privatdienstoertrag be­schäftigt. Dieses Dienstoertragsverhältnis ist jedoch aus allgemeinen staatspolitischen Gründen unverein­bar mit der durch die Aufgabe und die 23erantwor- tung als unabhängiges Vollzugsorgan des Staates und der Gemeinwesen bedingten Stellung der im Dienste der öffentlichen Verwaltungen und 23etriebe stehenden Personen. Es muß deshalb für die zu schaffende neue hessische Gemeindeordnung die Auf- nähme einer Bestimmung gefordert werden, wonach die Gemeinden verpflichtet werden, die Stellen, für die ein dauerndes Bedürfnis vorhanden ist, mit hauptberuflich tätigen Beamten zu besetzen.

Die in der Weimarer Verfassung festgelegten Grundzüge eines freiheitlichen und fortschrittlichen Beamtenrechts harren noch der Erfüllung durch ent­sprechende Gesetze. Der 9. Vertretertag der Gewerk­schaft hessischer Gemeindebeamten erwartet nach all den Jahren des Versprechens und Vertröstens end­lich den baldigen Vollzug dieser verfassungsmäßig gewährleisteten Grundrechte. Verantwortungsbewußt und einsichtsvoll schaffe das Reichsparlament dieses überfällige Werk. Die hessische Gemeindebeamten­schaft wird einmütig ihre Spitzenorganisation m der Abwehr gegen den Ansturm auf das Berufs­beamtentum unterstützen und geschlossen für die mo­derne Rechtsgestaltung sich einsetzen."

Vorträge.

Anschließend sprachen der Vorsitzende des Kon­trollausschusses, K Ü h l w e i n, über ,D i e K o 1 - lektivversicherungen der Gewerk­schaft" und der Berichterstatter des Bildungs- ausschusses, Weckbach, über .Aus bil­dungs- und Prüfungswesen der hes­sischen Gemeindebeamte n. Hierbei wurde auch über Anträge entsprechend dem Vor­schläge des Vorstandes entschieden.

Nach über fünfstündiger angestrengter Arbeit fand die erste Hauptsitzung erst abends nach 7 Uhr ihr Ende.

Begrüßungsabend.

Am Samstagabend fand in den festlich deko­rierten Räumen des Gesellschaftsvereins ein außerordentlich gut besuchter Degrühungs- abend, veranstaltet von der Ortsgruppe Gie­ßen der Gewerkschaft, statt. Oberbürgermeister Dr. Keller brachte hier ein Hoch auf die Ge­werkschaft hessischer Gemeindebeamten aus, der er weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen wünschte. Der Vorsitzende, Verwaltungsdirektor Zschech, Offenbach, gab seiner Anerkennung über die gute Ausnahme des Dertretertaaes in Gießen Ausdruck. Sein Hoch Stadt-

Gegenwar t". Er wies auf die derzeitigen Schwierigkeiten der Erhaltung der Rechte des Be- rufsbeamtentums hin und warnte vor einer wei­teren Durchlöcherung dieser Rechte durch Besetzung von Beamtenstellen mit Angestellten. Ersparnis­gründe könnten hier nicht maßgebend sein, denn es habe sich herausgestellt, daß die Verwendung von Angestellten an Stelle von geschulten Berufsbeamten wesentlich teurer sei. Eine der Hauptursachen der Angriffe gegen das Berufsbeamtentum sei die Auf­fassung, daß die heutige Staatsversassung mit dem Berufsbeamtentum nicht vereinbar sei. Diese Auf­fassung sei irrig. Auch die Annahme, daß die Be­amtenarbeit nicht produktiv sei, entbehre jeder Grundlage. Redner hält eine Neuregelung des deut­schen Beamtenrechts auf der Grundlage der Erhal­tung des Berufsbeamtentums für erforderlich. Er kam dann auf die Verhältnisse in Hessen zu spre­chen. Bei der Durchführung des Hessischen Ge­meindebeamtengesetzes hätten sich erhebliche Schwie­rigkeiten herausgebildet, die teilweise eine Ver­schlechterung gegenüber dem seitherigen Recht be­deuten würden. Er bat dringend, mitzuhelfen, daß der in dem neuen Gesetz verankerte moderne, fort­schrittliche Geist nicht durch beengende Ortsbestim­mungen beeinträchtigt werde. Weiter hält der Red­ner das Versicherungsgesetz für Gemeindebeamte für reformbedürftig. Er verkennt nicht die drückende Finanzlage der Gemeinden, eine Kürzung des Etats

der Presse.

Landtagsabg. Widmann (Soz.) wies auf die Zusammenarbeit des Staates mit den Ge­meinden als Urzellen des ersteren hin und be­tonte. daß auch die Gemeindebeamten und die Gemeindebürger auseinander angewiesen seien.

Landtagsabg. Dr. Niepoth (D.Vp.) über- , - - - - - -.-----,...

mittelte die Grüße seiner Landtagsfraktion, dabei lästiger Gartenschädling macht sich allenthalten besonders darauf hinweisend, daß bei der Arbeit in der Wetterau die gefürchtete Kohlflrege im Landtag die Auffassungen über die Wege (Chortophila brassicae) fcmerfbar, Me eine grofce auseinandergehen könnten, daß aber das Ziel das Gefahr für den Gemüsebau bedeutet GS besteht gleiche sei, nämlich Förderung der Beamtenschaft auch für das noch zu sehende Gemüse erne nicht im Rahmen der Möglichkeit und unter Wahrung geringe Gefahr. Deshalb ist eilige Bekämpfung der 3nteressen der Allgemeinheit. des Schädlings dringend notwendig. Das unge-

Drehme, Kassel, sprach von der Bedeutung wohnlich starke Auftreten der Kohlfliege in diesem der Aus- und Fortbildung des Nachwuchses der 3ahr ist verursacht durch die langanhaltende Beamtenschaft und regte die Schaffung einer Trockenheit. Die Gemüseaussaat die zum Aus- Arbeitsgemeinschaft auf diesem Gebiet zwischen setzen des Spätgemüses benutzt werden oll. der Hessischen und der Hessen-Nassauischen Or» leidet stark unter der Erdflohplage, viele Garten- ganifation an. bescher bringen die empfindlichen Pflänzchen nicht

Minister des 3nnern Leuschner dankte, hoch. Auch der Drahtwurm tritt in diesem gleichzeitig auch im Namen des Landtagspräsi- 3ahre stark auf. Er richtet Schaden an den deuten und der beiden Ministerialräte, für die Gemüsepflanzen und vor allem auch am Kopf- Begrüßung. Gr glaubt die von dem Vorsitzenden I salat an. . .

ausgesprochene Anerkennung über die Schaffung ÄtCtd Friedberg.

des hessischen Gemeindebeamtengesehes auch auf <33^ Bad-Nauheim, 2. 3uni. Dieser den Umstand zurückführen zu können, daß es ge- wären es 30 3ahre, daß Rechtsanwalt langen sei, in der Gesetzgebung einmal Klarheit un£ Notar Stahl von hier als Syndikus zu schaffen. Bei den noch zu erlaßenden Aus- tfi Dienste der 3 ndustrie - und Han- sührungsbestimmungen werde die Mitarbeit der velskammer Friedberg trat. Die Kam- Beamtenschaft in weitgehendem Maße ermöglicht. mer ^dachte dieses Tages gelegentlich einer hier Er hoffe, daß dieses Rahmengesetz zur Zu» abaehaltenen Vollversammlung durch eine kleine friedenheit der Beteiligten ausfalle und daß die gleichzeitig dem 60. Geburtstag des

Allgemeinheit erkenne, daß dieses Werk auch in Iuhil'ars galt. Als Ehrengäste waren hierzu ihrem 3nteresse liege außer dem Kreidirektor, den Bürgermeistern der

Vorsitzender Zschech forderte von den De- Städte Dad-Nauheim und Friedberg, den Mit­amten restlose Hingabe, Pflichterfüllung imd Dienst gliedern der Kammer und den Syndici der Schwe- am Volk, er betonte, daß die Deamtenschaft nichts ftrfammern Staatsrat Karcher und Mini- Desonderes sein wolle, sondern sich als Diener ftriairat Pennrich vom Ministerium für Ar- des Volkes fühle . . beit unb Wirtschaft in Darmstadt erschienen. Der

Nach diesen Ansprachen folgten zwei über den 3u6Uar Gegenstand herzlicher Ehrungen Rahmen der allgemeinen Berufsfragen hinaus- toar, s^elt au$ im öffentlichen Leben der Stadt gehende Dad-Nauheim eine hervorragende Rolle: er ist

SotfräflC. Beigeordneter, Vorsitzender des Aufsichtsrats

_ ...... . m ...... . f... , . der Dad»Nauheimer Dolksbank und Vorsitzender

Zunächst sprach Geschäftsführer Reck- Offenbach ßiefigcn Derkehrskommission.

überBeamtenpolitlche Fragen der ' *

Preußen.

Kreis Wetzlar.

WSN. Wetzlar, 1. 3unt Die Stadt Wetzlar hatte im vorigen Sommer mit dem Dau eines Schlachthofes begonnen, dessen Kosten bei der ersten Deratung im Stadtparlament mit 750000 M k. angegeben wurden. Die erste Rate von 500 000 Mk. ist verbaut, und nun stellt es sich heraus, daß die Daukosten 1 1 50 000 Mark betragen werden. 3nfolgedessen mußten die Stadtverordneten in ihrer gestrigen Sitzung die Dewilligung zur Aufnahme einer Anleihe von 30000 Mark geben. Mit der Fertig­stellung des Projektes, das den Wetzlarer Bür­gern die Segnungen moderner Schlachthofshhgiene so millionenschwer macht, ist für den 1. Februar 1930 zu rechnen.

Kreis Biedenkopf.

OO Niederweidbach, 1. Juni. Bürger­meister Lang von hier hat aus Gesundheits­rücksichten sein Amt niedergelegt. Die Neuwahl hat gestern stattgefunden. Gewählt wurde Wilhelm F r i n k.