Ausgabe 
3.5.1929
 
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revier angeblich gefangen gehaltenen Kameraden befreien zu helfen. Die Umgebung des Polizei­reviers ist mit P f l a st e r st e i n e n bedeckt, die heute nacht von den aufrührerischen Banden gegen die Fensterläden des Polizeireviers geschleudert wurden.

Gegen 6 Uhr morgens begann die Straßenbahn- gefellfchaft mit einem Sonderkommando d i e Barrikaden wegzuräumen, um wenig- ftens die Schienen der Straßenbahn freizumachen, da sich das Fehlen der Verkehrsmittel in der dicht­bevölkerten Gegend immer unangenehmer fühlbar macht und zu riesigen Menschenansamm­lungen führt.

Unter den Barrikaden fand man u m g e * stürzte Lastautos und Traktoren, Teerkessel der Asphaltgesellschaften, sowie eine ganze Reihe von großen Benzintanks und ähn­liches Material. Die Demonstranten hatten sich offenbar darauf vorbereitet, im Falle eines An­griffes der Polizei die Barrikade mit Benzin zu übergießen und in Brand zu sehen. Die Polizei macht sich jetzt daran, die verdächtigen Häuser zu untersuchen. Die Straßenbahn verkehrte gegen Vz? Ufjr noch nicht, jedoch wird der Verkehr im Lauf des Vormittags wieder ausgenommen wer­den können. Die Kommunisten haben auch ver­schiedentlich Telephonleitungen und Strahenbahndrähte zerschnitten, so daß die Aufnahme des Verkehrs auch dadurch verzögert wird. Die Aufräumungsarbeiten in der Steinmetz- und in der Zietenstraße gestalten sich sehr schwierig, da hier überall die schweren eisernen für den Bau der Untergrundbahn be­stimmten Träger quer über die Straße gelegt sind und außerdem an verschiedenen Stellen das Pflaster aufgerissen worden ist. Vorläufig dürfte auch die Hermannstraße für den Wagenverkehr nicht freigegeben werden. Die Polizei ist immer noch dabei, die Straßen nach Munition abzu­suchen, um festzustellen, mit was für Waffen geschossen wurde. Man befürchtet, daß sich die Ereignisse dieser Rächt auch in den nächsten Rächten wiederholen werden.

Aufräumen in Neukölln.

Berlin, 3. Mai. (WTB. Funkspruch.) Gegen 8 Uhr vormittags hatte die Polizei die ganze Hermannstraße in Reukölln beseht. Die Barri­kaden sind größtenteils beiseite geräumt. Sonderwagen der Straßenbahn mit Polizei be­mannt, fahren durch die Zielen- und Steinmetz- straße und räumen auch hier die Hindernisse weg. 3n der Falkstraße wurde die Polizei gegen 8 Uhr aus Fenstern mit Steinen be­worfen. Die Kriminalpolizei ist noch immer dabei, Haus für Haus systematisch nach Waffen zu untersuchen. Zahlreiche Schuß-, Hieb- und Schlagwaffen wurden beschlagnahmt und eine ganze Reihe von Personen, die Waffen mit sich führten, ist festgenommen worden. Der Ver­kehr ruht noch immer und dürfte erst ge­gen Mittag ausgenommen werden. Die Bau­arbeiter der Untergrundbahn haben geschlossen die Arbeit niedergelegt, da sie, wie sie sagen, nicht unter Polizeiaufsicht arbeiten wollen. 3n den Schulen Reuköllns fehlen viele Kinder, die entweder die Sperre nicht passieren konnten, oder von ihren Eltern zu Hause behalten werden. Die Absperrmahnahmen ' haben bei der Bevölkerung großen Unwillen her- vorgerufen. Die Polizei hat die Absicht, das ganze Viertel bis in die kommende Rächt hinein besetzt zu halten, um eine Wiederholung der Ereignisse der letzten Rächt, besonders die Auftürmung von Barrika­den, zu verhindern. Don kommunistischer Seite werden allenthalben Flugzettel aufrei­zenden Inhaltes verteilt. In vielen Rebenstraßen bilden sich Gruppen von Arbeitern, die nicht zur Arbeit gehen, weil anscheinend in einer Anzahl von Betrieben gestreikt wird.

Oie Opfer.

Berlin, 2. Mai. (DB.) Rach dem Bericht de« Polizeipräsidenten sind bei den Zusammenstößen am l.lHai sieben Personen gelötet worden, wahrend von anderer Seite die Zahl der Toten mit neun angegeben wird. Insgesamt sind 3 0 Po­lizeibeamte verletzt worden. Rach Blätfer- meldungen sollen die neuerlichen Unruhen in Reu- kölln bis Mitternacht drei Todesopfer gefor­dert haben. Etwa 20 Personen sollen verletzt worden sein.

Kommunistenrummel im Reichstag.

Berlin, 2. Mai (DDZ.) Der Beginn der heutigen Reichstagssihung verzögerte sich um etwa ^hn Minuten. Als gegen 2,10 Uhr Vizepräsident Graef die Sitzung eröffnet, lärmen die Rational- sozialisten und Kommunisten. Letztere rufen:Wo ist denn der sozialdemokratische Kosakenhaupt- mann Löbe?" Bei Eintritt in die Tagesordnung gedenkt Abg. Pieck (Komm.) der blutigen Zu­sammenstöße am 1. Mai. Die verbrecherische Poli­zei habe sich nicht gescheut, unter Führung des Sozialdemokraten Zörgiebel friedlich demonstrie­rende Arbeiter zu morden. (Lärm bei den Kom­munisten.) Die Kommunisten beantragten die sofortige Beratung ihres Antrages auf Auf­hebung des Demonstrationsverbo­tes. (Sehr wahr! bei den Kommunisten.) Die Berliner Arbeiterschaft müsse zum Protest gegen das sozialdemokratisch gesührte Mordgesindel (stürmische Unterbrechungen bei den Sozialdemo­kraten, Gegenkundgebungen bei den Kommunisten) zum Generalstreik aufgerufen werden, vis die schuldigen Sozialdemokraten zur Verant­wortung gezogen uno der Mordkerl Zörgiebel von seinem Platze gejagt sei. Lebhafte Zu­stimmung bei den Kommunisten. Vizepräsident Graef rügt die Ausdrucksweise des Redners. Kommunisten und Sozialdemokraten bringen mit erregten Zurufen auseinander ein. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Kom­munisten und Sozialdemokraten. Abg. P i e ck (Komm.) übertönt den Lärm und nennt den Abg.

-^ftlcr $um drittenmal einen Lügner. Vize­präsident Graes ruft den Redner zur Ordnung. Er ruft dann auch den Abg. Hecker (Komm.) ivegen fortgesetzten Lärmens zweimal zur Ord­nung. Der kommunistische Antrag wird durch Widerspruch abgelehnt. Die Kommunisten fingen stehend die Internationale, während Vizepräsi­dent Graes die Sitzung unterbricht und die meisten Abgeordneten den Saal verlassen. Rach dem Ge­sang verlassen die Kommunisten den Saal mit dem Ruf:Rieder mit den Mördern!"

Rach etwa halbstündiger Pause wird die Sitzung wieder eröffnet. Bei der fortgesetzten zweiten

Neue Verhandlungen in Paris.

Or. Schacht hofft auf eine allgemeine Verständigung.

Paris, 2. Mai. (DTB.) Reichsbankpräsideut Dr. Schacht ist heute nachmittag wieder in Paris eingetroffen. Die drei Delegierten Dr. Bögler, Melchior und fi a ftl waren ihm bis zur belgischen Grenze enkgegengefahren und haben die Rückreise mit ihm gemeinsam unter­nommen. Dr. Schacht halte schon am Rachmiltag eine Reihe von Besprechungen mit Owen Poung und anderen Delegierten. Rach derBolonls" soll der Reichsbankpräsident nach einer Unterredung mit Oroen D. Poung gestern abend erklärt haben: Die privaten Besprechungen dauern bis Montag an. Dir glauben noch, daß es möglich ist, zu einer allgemeinen Berständl- g u n g zu gelangen. Wie derMatln wissen will, scheint man nach der Richtung hinzuarbeilen, im Rahmen des Möglichen die Mobilisierung von 13 Milliarden Mark, die den eigent­lichen Reparallonsrestbetrag bildeten, zu gewähr­leisten. Dies würde auf etwa 37 Jahre die Zah­lung einer Annuität von einer Milliarde bedeuten, die die künftigen Anleihen garantieren würde, hin­sichtlich der Rücker st attung der inter­

alliierten Kriegsschulden in höhe von 26 Milliarden Kapllalwert würde man sich damit begnügen, von den Deutschen die Berpflichtung zu verlangen, daß sie sämtliche dafür notwendigen Zahlungen deckten. Man würde jedoch die entspre­chenden Annuitäten nur für einen Zeit­raum von 10 bis 12 Jahren ziffernmäßig festlegen. Rach 10 bis 12 Jahren könne dann der Jall einkrelen, daß entweder Amerika einen Schul­dennachlaß gewähre oder daß die Interna­tionale Bank einen Gewinn abwerfe, der zur Deckung der interalliierten Schulden dienen könne. In beiden Fällen solle Deutschland in weitgehendem Maße von diesem Gewinn Ruhen ziehen. Ls waren noch die Annuitäten festzusehen, und zwar sowohl für die 37 Reparalionsjahre als auch für die 10 bi» 12 Jahre, in denen Reparationen und Schulden zu- sammenfielen und lediglich an dieser Zahlenfrage könne ein System scheitern, dessen Grundsätze ratio­nell und für alle zufriedenstellend erschienen.Ma- tin glaubt, daß die gestern nach Rückkehr von Dr. Schacht eingeleitelen Berhandlungen über diesen Plan am Monlagnachmiilag beendet fein würden.

Beratung des Haushalts des Reichsarbeits­ministeriums (KapitelWohnungs- und S i e d lun g s w e s en") dankt Abg. T rem- rn e l (Ztr.) der Regierung für ihre Initiative zur Forderung des Wohnungsbaues. Cs wäre natürlich besser, wenn der Ertrag der Hauszins- steuer restlos dem Wohnungsbau zugeführt wer­den konnte.

Abg. Ebert, Potsdam (Soz.). tritt für grö­ßere Forderung der Landarbeitersiedlung ein. Ein Landarbeitergesetz, das die Freizügigkeit be­schränkt, würde für die Sozialdemokraten unan­nehmbar sein.

Beim nächsten Kapitel,Dersorgungs- w e s e n", erklärt Abg. Schmidt, Stettin (Dntl.), die Mittel für die Versorgung müßten erhöht werden.

Die Abg. (Starrer (D.) und Passeh (S.) danken dem Arbeitsminister für seine Initiative in der Verbesserung des Dersorgungswesens. Die Behörden mühten angewiesen werden, bei der Durchführung der Bestimmungen Härten zu ver­meiden.

Abg. Lucke (WP.) fordert eine Reform der Bestimmungen über die Unterbringung der Der- sorgungsberechiigten.

Damit schließt die zweite Beratung des Haus­halts des Arbeitsministeriums. Die Ausschuß- Entschließung auf Erweiterung der Krisenfürsvrge wird angenommen.

Freitag: zweite Beratung des Haushalts des Reichsernährungsministeriums.

3n Parisohne das geringste Nasenbluten".

Tardieu hat vorgebeugt.

Paris, 3. Mai. (T.-Tl.) Die außerordentlich scharfen Maßnahmen, die die französische Regie­rung vor und während des 1. Mai gegen alle Kundgebungen und insbesondere gegen die Kom­munisten ergriff, werden in der französischen Oeffentlichkeit je nach Parteinahme verschieden beurteilt. Immerhin ist bis jetzt so viel durch­gesickert, daß der Innenminister durchaus im klaren über die Pläne war. die die Kommunistische Partei für den 1. Mai entwor­fen hatte. Rach den an amtlichen Stellen einge­laufenen Rachrichten sollen besonders in der letz­ten Zeit zwischen den Führern der französischen und deutschen Kommu­nistischen Partei in Berlin Besprechungen über die Vorbereitung eines gemein­samen Angriffes stattgefunden haben. Außerdem verlautet, Moskau habe der Partei und den kommunistischen Gewerkschaften in Frank­reich Vorwürfe über ihre Lässigkeit gemacht und sie auf gefordert, am 1. Mai zur Er­oberung der Straße Kundgebungen zu ver­anstalten.

In einigen politischen Kreisen herrscht Ver­stimmung wegen der außerordentlich strengen Dorsichtsmahnohmen sowie wegen des starken Aufgebots von Truppen in den Kasernen. Rach Beendigung des Ministerrats wurde Innen­minister Tardieu über diese Maßnahmen befragt. Er erklärte: Auf Grund des Artikels 10 des Gesetzes über die Unterdrückung anarchistischer Umtriebe halte ich diese Verhaftungen für vollkommen gesetzmä - ß i g. Ich habe sie angeordnet und beglück­wünsche mich dazu, denn bei einem Ver­gleich mit den Vorgängen in Berlin muß ich feststellen, daß es besser ist vorzubeugen, als mit Strenge vorzugehen. In Berlin hat es Tote und Hunderte von Verletzten gegeben, bei uns ist der 1. M a i ohne das geringste Rasenbluten verlaufen. Tardieu erklärte, Moskau habe den Kommunisten in Berlin und Paris bestimmte Anweisungen zugehen lassen, von denen die französische Regie­rung seit sechs Wochen Kenntnis gehabt habe. Aus diesem Grande seien die Verhaf­tungen als Vorsichtsmaßnahme erfolgt.

Oie Reform der Arbeitslosenversicherung.

Die Vorschläge der Arbeitgeberverbände.

Berlin, 2. Mai. (WTB.) Die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände legt jetzt ihre konkreten Reformvorschläge zum Gesetz über Ar­beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vor. Die Vereinigung wendet sich gegen die Bil­dung neuer Untersuchungsausschüsse, da ein neuer Ausschuß erfahrungsgemäß die Gefahr der D e r z ö g e r u n g in sich birgt. Zudem ist bereits seitens des Vorstandes der Reichsanstalt ein be­sonderer Ausschuß gebildet worden.

Die von den freien Gewerkschaften geforderte t J Höhung der Beiträge um ein Prozent lepnt die Vereinigung ab, einmal, weil die Wirt- schaft dadurch jährlich mit weiteren 275 Millronen Reichsmark belastet werden wurde besonders aber, weil dadurch ein um­gekehrter Sanierungsversuch gemacht würde der weder zur Beseitigung der im Gesetz liegenden Shstemfehler, noch zur Aufhebung der

vorhandenen Mißstände führen und eine dauernde Bereinigung der finanziellen Lage der Reichsanstalt nicht gewährleisten würde. Mit Be­zug auf die notwendige Sanierung der Reichs­anstalt enthalten die Reformvorschläge vor allem folgende Anträge: Eine andere Regelung der Saisonerwerbslosen-Fürsorge in der Weise, daß die Saison-Erwerbslosen während der Dauer der Saisonerwerbslosigkeit keine Unterstützungen erhalten, außerhalb dieser Zeit jedoch unterstützungsberechtigt sind. Dafür soll für die betreffenden Arbeitgeber und Arbeitneh­mer ein entsprechender Beitragsnachlah gewährt werden. Ferner sollen die Heimar­beiter aus der Dersicherungspflicht ausscheiden.

Die Vereinigung beantragt den Ausschluß der Versicherungspflicht aller derjenigen Deschäfti- gungsverhältnisse, in denen durch privat­rechtliche Maßnahmen das Risiko der Arbeitslosigkeit ausgefchaltet ist. Weitere Anträge beziehen sich auf die Ent­behrung des älnterstützungsanspruchs in besonde­ren Fällen. Ferner wird eine Einschränkung der Berechtigung der Ablehnung angebote- ner Arbeitsgelegenheit bzw. die Ent­ziehung des Llnterstützungsanspruches in den Fäl­len unberechtigter Verweigerung der Arbeitsauf­nahme beantragt. Hinsichtlich der Bemessung der Höhe der Erwerbslosenunterstützung soll der Durchschnitt des Arbeitsentgelts maßgebend sein, das der Erwerbslose während der letzten sechs Monate (nicht wie jetzt drei Monate) vor der Arbeitslosmeldung bezogen hat. Gegen diejenigen, die schuldhaft zum Rachteil der Reichsanstalt unrichtige Arbeitsbescheinigungen ausstellen, werden Strafvorschriften beantragt. Die Rotstandsarbeiten sollen aus dem Aufgabengebiet der Reichsanstalt herausge­nommen werden. Die finanzielle Auswir­kung dieser Anträge würde nach Meirmng der Arbeitgeber für die Reichsanstalt und damit auch für das Reich schätzungsweise eine Entlastung von etwa 400 Millionen Mark bedeuten.

Noch feine Entscheidung über die Todesstrafe.

Berlin, 3. Mai. (DDZ.) Im Strafrechtsaus­schuß des Reichstags wurde ein demokratischer Antrag, der an Stelle der Todesstrafe lebens­langes Zuchthaus vorsah, abgelehnt. Runmehr kam der entscheidende Antrag Kahl (D.Dp.) zur Abstimmung, der die Todesstrafe durch lebenslcrnge Sicherungsverwahrung ersehen wollte. Der Antrag wurde a b ge­lehnt mit 12 gegen 16 Stimmen. Für den An­trag Kahl stimmten nur die Sozialdemokraten und die Demokraten sowie der Antragsteller Kahl selbst. Der Antrag fiel also, weil die Kom­munisten gegen ihn stimmten. Ein sozialdemokra­tischer Antrag, statt der Todesstrafe eine Zucht­hausstrafe picht unter 10 Jahren oder lebens­langes Zuchthaus einzusehen, wurde ebenfalls mit 14 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Gegen die Formulierung des Entwurfes, also gegen die Todesstrafe, stimmten die Sozialdemokraten, De­mokraten und Kommunisten. Auch ein Antrag der Bayrischen Dolkspartei und des Zentrums, der den Mord mit lebenslangem Zuchthaus be­strafen will, aber bei erschwerenden Um­ständen die Todesstrafe eintreten lassen will, wurde mit 14 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Gegen diesen Antrag stimmten ebenfalls die De­mokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten. Zunächst ist also im Strafgesehbuchentwurf bezüg­lich der Todesstrafe eine Lücke.

Oie Gewerbesteuer in Preußen.

Berlin, 3. Mai. (DDZ.) Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags beschäf­tigte sich mit der Rotverordnung, die von der Regierung erlassen worden ist, um für die wei­tere Erhebung der Gewerbesteuer die gesetzliche Unterlage zu schaffen. Die Rotver­ordnung deckt sich inhaltlich mit den Beschlüssen, die in der vergangenen Woche in der zweiten Lesung bei der Beratung der Regierungsvorlage über die Gewerbesteuer gefaßt worden waren. Eie bringt bekanntlich eine Erleichterung für die unteren Steuerstufen. In der Rotverordnung, die mit 15 gegen 14 Stimmen ange­nommen wurde, ist die Besteuerung d er freien Berufe nicht enthalten.

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Berlin, 2. Mai. (WTB.) Der Reichs­kanzler hat an den Reichskanzler a. D. Für - stenvonDülowin Rom aus Anlaß der Dol­lendung seines 80. Lebensjahres das folgende Glückwunschtelegramm gesandt:

»Zugleich im Ramen der Reichsregierung sende ich Euer Durchlaucht zur Dollendung des 80. Le- bensjahres die besten Glückwünsche. Sie können am heutigen Tage mit Genugtuung auf ein an Arbeit reiches Leben zurückblicken, in dem Sie lange Jahre an erster Stelle dem deutschen Da- terlande mit ganzer Kraft gedient haben. An Ihrem Ehrentage weiß ich mich eins mit Ihnen in dem heißen Wunsche, Deutschland wieder frei

zu sehen. Ich wünsche, daß Sie ihn in gleicher Gesundheit und Rüstigkeit erleben mögen. Der Reichspräsident hat dem Fürsten in einem persönlichen Schreiben ebenfalls feine Glückwünsche zum 80. Geburtstag ausgesprochen.

Aus aller Wett.

Schwere Wirbelsturmschäden in Amerika.

Die Tornados und schweren Stürme der ver­gangenen Tage haben in den verschiedenen Teilen des Landes überaus schwerenSchadenan- gerichtet. Ein Schneesturm mit Frosttemperatur, der Illinois und Missouri heimsuchte, verursachte Schä­den, die, wie man befürchtet, in die Millionen gehen. Der aus R y e c o o e gemeldete Tornado traf das Schulhaus gerade, als die Kinder nach der Mittagspause wieder zum Unterricht zurückgekehrt waren. Die Zahl der Toten wird bereits a u f 10 0, die der Verletzten auf über 10(7 geschätzt, so daß fast die aanze Bevölkerung des kleinen Ortes der einem solchen Unglück in keiner Weise gewachsen war, betroffen wurde. Viele Leichen wurden von dem Tornado weit über die Felderver- ft r e u t. Die aus der Umgegend eintreffenden Sani­tätsabteilungen melden, daß überall größte Verwirrung herrsche, da die Ueberlebendcn nicht imstande wären, sich der Toten und Verletzten anzunehmen.

Die Lcsierreichreife desGraf Zeppeliu".

Beim ersten Ueberfliegen von Wien nahm Graf Zeppelin" seinen Kurs unmittelbar über die zu seinen Ehren beflaggte deutsche Ge­sandtschaft, von deren Balkon Graf Lerchen­feld das Luftschiff grüßte. Um 12,40 Uhr mittags erreichteGraf Zeppelin" auf der Rückfahrt von Graz zum zweiten Male das Stadtgebiet von Wien. Don allen Straßen und Plätzen sowie von den Dächern wurde das Luftschiff von der Bevölkerung mit Begeisterung begrüßt. Zwei Flugzeuge umkreisen den Zeppelin in weiten Do­gen. Um 1 Uhr nachmittags entschwand er in westlicher Richtung über den Wiener Wald. Um 15,10 Uhr signalisierten Kanonenschüsse von der Feste Hohensalzburg die Ankunft des Luft­schiffes über Salzburg, das um 15,30 Uhr bei Hellern Sonnenschein das Zentrum der Stadt und die Festung überflog. Auf die ersten Kanonen­schüsse hin hatten sich auf den Plätzen der Stadt immer dichtere Menschcnmasfen angesammelt, die das Luftschiff mit Hurrarufen und mit Tücher- schwenken begrüßten.Graf Zeppelin" beschrieb in langsamer, niedriger Fahrt einen Halbkreis über der Stadt. Von der Festung dröhnten, solange das Luftschiff über die Stadt fuhr, Salutschüsse. Um 15,20 Uhr entschwandGraf Zeppelin". Rachdem er den Mondsee passiert hatte, nahm er den Kurs weiter über das Salzkammer- g u t hinweg, flog die bayrische Gebirgskette süd­lich von München entlang und kam etwa um 18,15 Uhr wieder nach Friedrichshafen.

Der Schiedsspruch für den Ruhrbergbau für verbindlich erklärt.

Der Reichsarbeitsminister hat nach Mitteilung des Vereins für die bergbaulichen Interessen des Ruhr­gebiets den Lohnschiedsspruch für den Ruhrbergbau vom 22. April 1929 von Amts wegen für ver­bindlich erklärt. Der Schiedsspruch ist be- kanntlich von den Arbeitnehmern abgelehnt, von den Arbeitgebern angenommen worden.

Berhaflung einer vielfachen Giftmörderin.

Die 50jährige Hofbesitzerin Anna Lutzen­berger aus Schwabmünchen wurde unter dem dringenden Verdacht, eine ganze Reihe von Gift­morden und Mordversuchen begangen zu haben, in das Augsburger Untersuchungsgefängnis ein- geliefert. Vor einiger Zeit starb ihr Vater und acht Wochen später ihre Mutter, ohne daß sie vorher krank gewesen waren. Durch den Tod ihrer Eltern kamen Frau Lutzenberger und ihr« vier minderjährigen Kinder in den Allein- besitz eines Gutes und eines Barvermögens von 25 000 Mark, über das nach kurzem der Konkurs eröffnet wurde. Zu Ostern starben plötzlich alle vier Kinder der Luhenberger, angeblich an einer Darmkrankheit, worauf fi< einen Selbstmordversuch unternahm. Do sie fürchtete, daß bei einem gegen sie schweben­den Entmündigungsverfahren der Stadtober­sekretär Schrott, bei dem sie kleine Hausarbei­ten verrichtete, zum Kurator bestellt wer­den würde, versuchte sie, diesen und seine aut vier Personen bestehende Familie zu ver­giften, indem sie ihnen Arsenik in di« Milch schüttete. Die Untersuchung erstreckt sich jetzt auch auf die vorhergehenden Todesfälle in ihrer Familie.

Wettervoraussage.

An der Rordfeite der französischen Störung lagern kühlere Luftmassen, die wieder einen leich­ten Temperaturrückgana verursachen. Heber bei Rordsee ist es zur Bildung eines Hochdruck­gebietes gekommen, dessen Einfluß bis in unseren Bezirk vorgreifen wird und wieder zu Dewöl- kungsabnahme führt. Dabei steigen wohl tags­über die Temperaturen an. erreichen aber noch keineswegs die normalen Werte. Die Besserung scheint auch diesmal nur vorübergehend zu sein denn im Rordwesten seht erneuter Druckfall ein

Wettervoraussage für Samstag. Wolliges Wetter mit Aufheiterung, mäßig tyarm, meist trocken.

Wettervoraussage für Sonntag Etwas wärmer und langsame Dewölkungszunahm« mit späterer Riederschlagsneigung.

Lufttemperaturen am 2. Mai: mittags 11,6 Grad Celsius, abends 6,4 Grad: am 3. Mäi: morgens 5,2 Grad. Maximum 11,7 Grad, Minimum 2,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Mai: abends 11,4 Grad: am 3. Mai: morgens 7 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1% Stunden.

Amtlicher Reisewetterdienst der öffentlichen Detter dienststelle Gießen.

Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Witterun; gestern: kühle Nacht, teils heiter, teils wolkig; heute 6 Grad Celsius, Windstille, wolkig. (Berchtes gaben): Witterung gestern: kühle Nacht, veränderlich mit Schauern; heute: 7 Grad Celsius, Ostwind, heiter.

Küste (Westerland): Witterung gestern: vorherv fchend kühl und meist heiter; heute: 5 Grad Celsius. Nordwestwind, heiter. (Borkum): Witterung gestern: vorherrschend kühl, teils heiter, teils wolkig heute: 6 Grad Celsius, Nordostwind, heiter.

Baden (Baden-Baden): Witterung gestern milde Nacht, teils heiter, teils wolkig; heicke: 8 Gral Celsius, Ostwind, wolkig. (Triberg): Witterun« gestern: teils heiter, tells wolkig; heute: 8 Gral Celsius, Ostwind, heiter. (Freiburg): Witterung gestern: vorherrschend kühl, teils heiter, teils wolkig; heute: 8 Grad Celsius, Südostwind, heiter.