Ausgabe 
3.5.1929
 
Einzelbild herunterladen

Zreitag, 5. Mai 1929

179. Jahrgang

Nr. M Erstes Blatt

Erneute Barrikadenkämpfe im Berliner Norden

Oie Kommunisten beherrschen ein ganzes Stadtviertel Neuköllns.

so

Blut muß fließen..

Don unserer Berliner Redaktion.

Diese einseitige Einstellung der Sozialdemo­kraten trägt ihr gerüttelt Maß an Verantwortung für das Blutvergießen des ersten Mai. Wochen hindurch haben die Kommunisten bewußt gegen die Polizei in Berlin gehetzt haben alles getan, um die Staatsordnung und die Staatsautoritat Bu untergraben. Preußen und das Reich haben

worden. Die anderen Klassen sähen in dem Pro- letariat den Feind, den sie mit allen Mitteln vernichten müßten. Um Provokationen hervorzu­rufen hätten die Schupo-Mannschaften sich s e l- berbeschossen. So sollte vorgetäuscht werden, als ob von Arbeiterseite auf die Schupo ge- schossen worden sei. Das Proletariat sei berufen, die Toten zu rächen, nicht durch einzelne Terror­akte sondern als einheitliche geschlossene Masse. Am 3. Mai müßten die Betriebe aufgerufen toer­ben, um einen politischen Massen st reik zu inszenieren. Die Diktatur des Prole­tariats sei die einzige mögliche Antwort auf diese Blut-Provokationen. 3m Anschluß an die -- - zn ei* . t _ f 1 X ä f T ä öf M I AM

jetzt haben sich alle Bemühungen der Polizei, sie zu nehmen und zu beseitigen, als unmöglich erwie­sen. Beim Kommando der Schutzpolizei ist deshalb der Einsatz eines Panzerwagens ange­fordert worden. Lin Leutnant der Schutzpolizei war mit seiner Abteilung über eine Stunde in dem Hause Hermann-Straße 209 von Kommuni st en e i n - geschlossen und in einer sehr bedenklichen Si­tuation, da bei jedem Versuch, das Haus zu ver­lassen, den Beamten ein prasselndes Feuer von den umliegenden Dächern entgegen­schlug. Die Gaslalernen in der Kösliner und der Wed­ding-Straße, die im Lause des Tages von den Gas­werken repariert worden waren, sind bereits wieder zerschlagen worden, so daß die betressenden Stra- henzüge wieder, wie gestern, in tiefe Dunkel- h e i t g e h ü l l t sind. Die Straßen sind von dichten Menschenmassen erfüllt, die sich auch in die Haus­flure der anliegenden Häuser drängen. Die Polizei begnügt sich damit, die Zugänge zu dem viertel, das aus verbindungsstrahen zwischen größeren verkchrs- siraßen besteht, abgeriegelt zu hallen. In der ganzen Umgegend sind die Polizeistreisen auf zehn Mann verstärkt worden, da die Erfahrung gelehrt hat, daß kleinere Streifen regelmäßig über­fallen werden.

Die Kommunisten halten auch weiterhin ihre star­ken Barrikaden in der Hermannstroße beseht. Außer­dem haben sie starke Kräfte abgezweigt, die mit Schußwaffen und großen Steinvor­räten augenblicklich versuchen, das Polizeirevier in der Teltower Straße Ecke Schiller-Promenade zu stürmen. Die Fensterläden des Reviers sind bereits völlig demoliert. Um sich die Arbeit zu erleichtern, haben die Kommunisten auch hier sämtliche Straßen­laternen zerschlagen, so daß jetzt ganze Stadteile Reu-Köllns in völliges Dunkel gehüllt sind. Die Po-

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig-, für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/. mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Oie Polizei greift ein.

Mit Panzerwagen gegen die Barrikaden.

Berlin, 2.Mai. (ÖB.) 23 Uhr. Die Straßen- kämpfe in der Art der gestrigen Vorgänge in der Kösliner Straße sind, wie von Anfang an befürch­tet wurde, nach dem Eintritt der völligen Dunkel­heit und der Beendigung der kommunistischen pro- lestoersammlung doch wieder ausgelebt, und zwar diesmal in Reu-Kölln, wo gegen 22.30 Uhr von

stillfchtoeigenb zugesehen, anstatt rechtzeitig durchzugreifen. Was wäre wohl mit der rechts- stehenben nationalsozialistischen Arbe.tcr-artei ge­schehen, wenn sie sich auch nur einen Bruchteil dessen erlaubt hätte, was die Kommunisten un­gestört zum Besten geben konnten. Und es ist eine bittere Ironie, daß trotz dieser Taktik die Sozialdemokraten um die Entscheidung nicht h.r- umgekommen sind. Der sozialdemokratische Poli­zeipräsident von Berlin hat den ganzen Stoß der kommunistischen Anfeindung auszuhalten, gegen die Sozialdemokraten geht der kommunistische Haß, sie haben für sich nichts gerettet, aber der

Ernste Lage um Mitternacht.

Berlin, 3. Mai. (Tel.-Un.) Das Gebret zwr- schen Handjerystraße und Hermannplatz zwischen den beiden Parallelstraßen, also das eigentliche Arbeiterviertel Reuköllns, bietet em Bild w ü st e st e r Zerstörung. Sämtliche Laternen unu Die Straßen völlig in

Dunkel gehüllt, die kommunistischen Ele­mente und jugendliche Burschen beherrschen nut großer Kampfesfreudigkeit das «selb. Wo noch Laternen brennen, werden sie mit Steinen oder mit langen Stangen zertrümmert. Auf einem Ge­biet von etwa einem Quadratkilometer steht man keinen einzigen Schuhpolizisten.^lbst die Revierwache ist zurückgezogen worden. Stuck von den Häusern als Folge der Schießereien so- , wie Glassplittern von zertrümmerten Fenster­scheiben von Wohnungen und Schaufenstern be- ' decken die Straßen. Zum Teil sind Baume a b g e s ä g t und quer über die Straße geworfen worden. Diese Arbeit hält immer noch an Durch diese Hindernisse gelingt es dem Berichterstatter bis an die Hermannstrahe, Ecke Prinz Handiery- Strahe vorzudringen, die selbst nach der Ber­liner Straße hin abgeriegelt ist. Die Hermann­strahe ist an dieser Stelle »on CBarrtf ab en, gebilbet aus Baumaterial her Tlntergrundbahn, völlig blockiert. Trupps von Kommunisten unb Rotfrontkämpfern rufen ben Passanten zum Teil in unverfälschtem sächsischen Dialekt cm Sjalt! Hier wird geschossen!" zu. 3m weiteren Zuge der Hermannstrahe ertönen in kurzen Ab­ständen Gewehrschüsse. Die Demonstranten zeigen sich sehr siegesgewiß und pochen darauf, daß bald der Generalstreik beginnen wird, worauf sie anscheinend große Hoffnung setzen.

lizei erhält aus den Barrikaden ab und zu Feuer und muß sich selbst immer wieder durch Schüsse wehren. Auch in der Schiller-Promenade kam es nachts gegen 1 Uhr zu einer Schießerei zwischen Kommunisten und schwachen polizeikrästen.

während bisher nur schwache polizeikräsle vor­handen waren, die von weitem die Barrikaden bc- aufsichliglen, rückten nachts gegen 1.15 Uhr Pan- zeraulos an, und die Polizei geht an die Be­kämpfung des Ausstandsherde» an den Barrikaden. Die Polizei bestreut mit Maschinengewehren die Barrikaden. Die Kommunisten werfen mit Flaschen und großen Pflastersteinen von den Dächern. Un­mittelbar hinter dem Panzerwagen, der um 1.15 Uhr in der Hermannstraße einlraf, folgten auf Lastkraft­wagen drei Hundertschaften Schupo sowie ein Schnellkraftwagen mit einem Uebersallkommando. Line Hundertschaft sperrte, in Schützenlinien vor­gehend, mit schußbereitem Karabiner die Selchower Straße ab und säuberte sie von den einzelnen Trupps, die sich in der Selchower und den an- grenzenden Straßen Herumtrieben, um da» Poli­zeirevier, das von dem Pöbel mit Steinen bombardiert wurde, zu entsetzen. Unterdesten hatten einzelne Trupps halbwüchsiger Burschen de» innerhalb der Barrikaden liegenden Viertels in ver­schiedenen Läden die Schaufensterscheiben eingeschla­gen und die Auslagen geplündert. Das Panzerauto fuhr die angrenzenden Straßen ab und zerstreute durch scharfe Schüsse aus dem Maschinen­gewehr die Herumtreiber. Lbenso feuerte der Panzer­wagen auf die Barrikaden. Da die Barrikaden in der völlig dunklen hermannstrahe in der Rächt ohne Opfer an Menschenleben nicht einzunehmen sind, wurden die Polizeibeamten wieder zurückgezogen, und die Säuberung der hermannstrahe aus die Morgenstunden verschoben, um nach Tagesanbruch den Verkehr wieder zu ermöglichen. Privatautos und Autodroschkcn, die, aus der Stadt kommend, durch das Kampfgebiet fahren wollen, werden von dem Pöbel mit Steinen bewor- f e n und müssen Umwege um die mit Barrikaden gesperrten Straßen machen.

DaSSchlachlseld beiTagesgrauen

Berlin, 3. Mai. (WTB. Funkspruch.) Der Schau­platz der nächtlichen Kämpfe in Neukölln macht bei Tagesanbruch einen wüsten Eindruck. Die Hermann- straße ist durch die Barrikaden auch weiterhin ae- Iperrt, ebenso die Prinz-Handjery-Straße und die Zietenstraße. In der Prinz-Handjery- und der Stein­metz-Straße haben die Kommunisten die hohen alten Bäume gefällt und quer über die Straße gelegt. Bon den Häusern sind B a ri­tz er ü st e abgerissen und zum Barrikadenbau verwendet worden. Auf den Baustellen der Unter­grundbahn in der Hermannstraße sind die Bau- buben zerschlagen, das Inventar darunter die Kleidung der Arbeiter, entwendet, die Zeichnun­gen zerissen. Auch das handrverkszeug ist gestohlen worden, wie alles, was nicht niet» und nagelfest war. In vielen Läden wurden die S ch a u f e n st e r und Schaukästen zertrümmert und die Auslagen geplündert. In der Lessingstrahe kam es heute morgen gegen fünf Uhr wieder zu einzelnen

Schießereien.

Die Polizei rückte gegen 4.30 Uhr mit einem Rre- fenaufgebot an und hat in allerweitestem Umfange das ganze Stadtviertel vom Bahnhof Her- mannstraße bis zum Hermannplatz mit sämtlichen Nebenstraßen a b g e s p e r r t. Den vielen Arbeitern und Angestellten, die sich in den frühen Morgen­stunden zur Arbeit begeben wollen, wird das Der- lassen des ganzen Bezirks nur an der Selchower-, Ecke Weise-Straße gestattet und auch hier nur gegen Ausweis. Die Fenster müssen weiterhin ge­schlossen gehalten werden, da die Polizei immer wie» der gewärtig sein muß, aus den Fenstern beschossen zu werden. Die Tatsache, daß die hermannstrahe und die Nebenstraßen gesperrt sind, hat unter den vielen Tausenden von Arbeitern, die zu ihrer Arbeitsstätte wollen, eine gewisse Unruhe hervorgerufen. Schon in den frühesten Morgenstun­den bildeten sich allenthalben debattierende Gruppen.

Die Polizei beabsichtigt, den kreis allmählich enger zu ziehen und die besonders verdäch­tigen Häuser systematisch durch Kriminalbe­amte nach Massen absuchen zu lassen, da ein­wandfrei feststeht, daß von kommunistischer Seite Schuhwassen auch schwereren Kalibers verwendet worden sind, wie die auf der Strahe gefundene Munition beweist. Es ist einwand­frei sestgestellt worden, dah es sich bei den nächtlichen Angreifern in der Hauptsache um Banden halbwüchsiger Burschen handelte, die vorzüglich organisiert waren, einen regelrechten vorpostendienst und ein Hauptquartier unterhielten und zentral geleitete Aktionen gegen einzelne von der Polizei be­setzte Punkte unternahmen. Der Sturm auf das Polizeirevier in der Selchower Strahe war ein ganz zentral angelegtes Unternehmen der vereinigten Banden.

Bevor es zum Sturm ging, hielt an der Ecke Er­furt-, herfurth- und hermannstrahe ein halbwüch­siger eine Brandrede gegen das Zörgiebelsyftem und forderte seine Genossen auf, die in dem Polizei­

fahrt abzuhalten. Auf ZecheRheinbaden sind 35 Personen nicht eingefahren, auf ZechePros­per II" hat nahezu die Hälfte der Be­legschaft gefeiert. Schon in den frühen Morgenstunden wurden in Bottrop und Osterfeld Flugblätter verteilt, die zum General- streik aufforderten als Protest gegen die in Berlin aus Anlaß der Maifeiern notwendigerweise getroffenen Sicherheitsmaßnahmen der Polizei. Zur Mittagsschicht sind aufProsper II" 330 und auf ZecheArenberg-Fortsetzung" 225 Arbeiter nicht eingefallen. Bor den Toren der ZecheJa­kobi" hatten sich in den Mittagsstunden etwa 3o0 Personen versammelt, und es wurde die Absicht laut, Maßnahmen zu treffen, um das Werk stillzulegen. Ein rasch eingreifendes Polizei­aufgebot erstickte jedoch jede derartige Absicht. 2luf einer auf einem freien Platz abgehaltenen Ver­sammlung wurde beschlossen, die Einfahrt der Be­legschaft am 3. Mai zu verhindern. Aus Prosper II" mußte in den Mittagsstunden eben­falls Polizei eingesetzt werden: einige Arbeitswillige waren hier von hetzerischen Elementen verprü­gelt worden. Auf ZecheProsper III" waren S a- botageatte beabsichtigt. Die Polizei war ,edoch auch hier auf dem Poften und verhinderte deren Ausführung. Die Mehrzahl der Arbeiter ist be­sonnen und lehnt eine Teilnahme an dem vom Zaun gebrochenen Proteststreik ab. In Buer-Schol­ven wurde in einer Versammlung, die in einer Wirtschaft stattfand und von ca. 200 Zechenarbei- tern besucht war, der Beschluß gefaßt, am Freitag nicht einzufahren.

Gegen die kommunistische Gireikparole.

Ein Aufruf der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften.

Berlin, 3. Mai. (Priv.-Tel.) Der Vorstand der SPD. und der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion veröffentlichen einen Aufruf, in dem es heißt: Die Toten und Verletzten Berlins sind für die Kommunisten 21 g i t a t i o n s m a t e -- rial und nichts anderes. Diese Opfer sind a u f Befehl der kommunistischen Zentrale gefallen! Das ist die Wahrheit! 2(rbeiter, laßt euch von der bankerotten kommunistischen Parte, und ihren Moskauern Drahtziehern nicht zu Handlungen mißbrauchen, die letzten Endes nur den geschworenen Feinden der Republik und des Proletariats zugute kommen! Die Ber­liner Ortsausschüsse des ADGB., der Afa und des ADB. haben in einem Aufruf ihre Anhänger auf­gefordert, etwaigen Parolen zum Streik keine Folge zu leisten. In gewerkschaft­lichen Kreisen legt man dem Streikaufruf des sog. Streikkomitees keine Bedeutung bei.

den Dächern der Steinmetz- und Ziethen-Straße wie eines Teiles der Hermann-Straße ein hefti­ges Feuer auf die Polizei eröffnet wurde. An der Prinz-Handjery-Strahe ist wieder eine Barrikade errichtet worden, und bis

ES ist wirklich so gekommen, wie es kommen mußte: in Berlin ist Blut geflossen. Unschuldige unb schuldige Opfer sind gefallen, Hunderte von Verwundeten: ihre wahre Zahl wird man wahr­scheinlich nie erfahren, weil die Kommunisten darauf gedrillt sind, ihre Derlehten schnell in Sicherheit zu bringen. 3m Norden Berlins spielten sich Szenen ab, die als Demonstration längst nicht mehr zu bezeichnen sind. Welleicht iyuwi o.............

ist der Ausdruck Revolution etwas zu tocit ge- Allgemeinheit schweren Schaden zugefügt. Fragt griffen, aber viel daran fehlt nicht mehr. Regel- «2 c& jc$t daraus die Folgerung ziehen

rechte Straßenschlachten mit Barrikaden, un& ganze Schwergewicht des beleidigten mit anstürmender Polizei, die nach Franktireur- Staates gegen die Kommunisten in die Wag- Art aus den Häusern beschossen wurde, das ist _.u toerfen wagen,

zum mindesten eine Generalprobe für die ,

kommende Revolution, die Einleitung der Be- K0N1MUMsteN fOtOCrn

waffnung des Proletariats nach kommunistischem ' ,£ ,

Muster. Die Polizei aber hat einen schweren zum Generalstreik aus. Dienst getan. 15 000 Mann waren oufgeboten, ° .. . . .

um die Ruhe aufrecht zu erhalten. Sie waren Die Hetze gegen die Polizei Wird fortgesetzt, in ihrer Bewegungsfreiheit eingeengt durch die Berlin, 2. Mai. (WB.) Die Kommunisten Marschroute, daß sie von der Schußwaffe erst ^a6en £eutc ah^d eine Reihe von Pro test - bei Lebensgefahr Gebrauch machen durften. Kem Versammlungen gegen die Vorgänge am Wunder also, wenn die Zahl der Verwundeten j abgehalten. 3n den Pharus-Sälen sprach bei j»hncn ziemlich hoch ist: während die fom- ^bei der kommunistische Reichstagsabgeordnete munistischen Drahtzieher cs verstanden, im rech- (Zeschke, der nach dem Bericht einer Berliner ten Augenblick zu verschwinden und dafür hebet Korrespondenz folgende bezeichnende Dehauptun- älnschuldige oder Verführte bluten ließen. gcn aufstellte: es wären nicht nur die 13 000

Schon sind die Befchwichtigungsräte, denen Duz» ^Ilann Schupo gegen die Arbeiter losgelassen ses Revolutionsspiel gar nicht in ihre politische borden sondern auch Reichswehr in Landschaft paßt, eifrig an der Arbeit, den ganzen Schup'o-Tlniform. Am 1. Mai sei mit Dum- Fall zu bagatellisieren. Damit kommen sie nicht Dum-Geschossen auf die Demonstranten geschossen durch. Gewiß. Berlin ist nicht Deutschland. Die - " ' " ' ' ~ m"

cigenartige Atmosphäre der Reichshauptstadt und auch das Zusammenströmen subversiver Elemente erleichtert es, Konflikte zu schaffen, die anderswo unmöglich wären. Aber das Entscheidende ist doch, daß die Kommunisten von Anfang an ihren Stoß nur a u f Berlin eingerichtet hatten. Sie wissen, daß alles, was hier geschieht, draußen in der Welt in bengalischer Beleuchtung erscheint Zu­sammenstöße in Sachlen, im Industriegebiet oder in Halle finden bei weitem nicht das Echo wie tn Berlin. Darauf aber haben sie cs angelegt, um «u zeigen, wie weit die D o l s ch e w i s i e r u n g Deutschlands unter russischem Einfluß de- * ________ --

reitö gegangen ist. Lind das ist der ausschlag- ^ede von Geschke erhoben sich alle Anwesenden gebende Gesichtspunkt, unter dem die Vorgänge un& gelobten, R a che z u n e h m e n für daS Blut des 1. Mai in Berlin betrachtet werden müssen. Gefallenen.

Wir könnten sie ausnuhcn als einen Beweis, tote tief die wirtschaftliche Unzufrieden- ©trCuagitatlOtl

beit den Boden der Staatsordnung m Deutsch- __D.XmaA«,«

land bereits zerfressen hat. Wir konnten also OUT ÖCtt jHUQtjCÖJCtt» daraus naheliegende Rückschlüsse ableiten auf die ; n n «, n f n z Mai (WTB ) Auf

ÄM»S S Ä Ä-/'n f J

toMin er nach ^dem Scheitern der Pariser Ver- ist in den frühen Morgenstunden des Donnerstag Handlungen in feiner ganzen Schwere auf den | versucht worden, die Morgenschicht von der Schultern der arbeitenden deutschen Bevölkerung lastet Vielleicht, daß die Engländer oder zum mindesten die Amerikaner diese Warnung ver­stehen Ein Volk, das dauernd einige Millionen von Arbeitslosen durchschleppen muß das sich von den Erschütterungen der Revolution ohnehin nicht erholt hat, ist ein gefährliches Feld für die agitatorische Phrase des Kommu­nismus. Hier fehlen Hemmungen der staatlichen Disziplin, wie sie bei den S:egermachten als selbst­verständlich angesehen werden. Rur so ist es auch zu erklären, dah trotz der geistigen und poli­tischen Zersetzung, die innerhalb des Kommums- . - ^-schlügen,

mus herrscht, die Bewegung als solche noch fo äunfel flebül große Äeberzeugungskraft m sich hat und Massen I -»untci fl 9 mobilisieren kann, wie sie vermutlich keine andere Partei auf die Beine bringt.

Aber das alles war, wenigstens den maß­gebenden Stellen in Deutschland vorher be- ?a n n t. Sie sahen Die Gefahr, vor der wir standen, und sie haben, der Vorwurf bleibt an hnen hängen, nicht die Vorberei ungsrnaß- regeln getroffen, Die unbedingt erforderlich waren. Die Toten des ersten Mai klagen an. 3n erster Linie zeugen sie gegen Die Kommunistische Partei, auf M«« Blutbad «

die schon vorher mit zweihundert L.oten drohte. Sie wollte daß Blut vergossen- wmde vc- wissensbedenken kennt sie eben nicht sobald cv sich um parteipolitische Zi^e handelt- ® n Teil der Schuld fällt doch auf die Aufsicyts- bchörden. Die seit 3ahr und Tag dw kommu­nistische Gefahr sahen unD die Nutzen ver s ch l o s s e n , um nicht cmgreifen zu muffcn;rT^ lange ist es her, daß Herr v o n K eu del l den Versuch machte, Den Roten Fr°ntkampferbund zu verbieten? Er kam Damit nicht durch weil d'c Sozialdemokratische Partei nicht wollte. 3etzt zeigt sich, daß Menschenleben gespart worden wären, wenn damals bereits emgegr ff worden wäre. Statt dessen hat Herr Seve­rin g das böse Wort von Den Kommunisten ..als volitischen Kindern" geprägt, hat fein Nachfolge, der preußische Innenminister G r z e s i n s k l, ncy um jede Entscheidung herumgedrückt, weil er ais Sozialdemokrat es nicht glaubte wagen zu rön­nen, Die Kommunistische Partei allem zu ver-

Erscheint täglich,auß«r ÄBHF Ä d

M GiehenerAMger

ZWk General-Anzeiger für Oberhessen

richten: Anzeiger Gießen. v 1

$r«ntfu*«mm«in0ii686. Vrvck lmd Verlag: BrütflW UinrersitStr-vlich- « Steindruck-re, n. ränge in «letzen. Schristleltung und Seschästrftellt: Schulftra^e r.