reichbar, der aber auch wieder sein eigenes Dach trug Noch heute trifft man beide Bauweisen auf Gehöften verschiedener Gegenden Islands an. Größere hatten ein nach Süden gelegenes, von kalten Nordwinden geschütztes und der Mittag- sonne zugängliches Frauengemach (dyngja), das von den übrigen Wohnräumen abgesondert war. In späteren Jahrhunderten bildete sich aus diesem Raum die Webestube (vefjarstöfa) oder Mähst ube (saumstofa), die auch heute noch oft Frauenhaus (kvennahüs) genannt wird. Die Wände waren oftmals in die Erde eingelassen, die Bezeichnung „düng“ besagt sogar, daß die ursprünglichsten Aufenthaltsräume trichterförmige, in die Erde eingebaute und mit Dünger bedeckte Unterstände waren, wie man sie noch jetzt als Winterwohnungen bei Eskimo-Stämmen antrisft. In der Germania Kapitel 16 sagt Tacitus auch von unseren Vorfahren, daß sie unter der Erde Höhlen öffneten, sie mit Mist bedeckten und als Zufluchtsort für den Winter, sowie zur Aufbewahrung von Früchten benutzten.
Die Einrichtungen und Bauweise der Vorzeit haben sich im wesentlichen bis jetzt auf den altisländischen Bauernhöfen erhalten. Man kann sogar vielerorts noch Neubauten in diesem Stil beobachten, jedoch meist auf abgelegenen ärmeren Betrieben, wo hauptsächlich die Stallungen aus Torf und Rasen errichtet werden. Auch der isländische Dauer ist wie seine deutschen Berufskollegen stets konservativ eingestellt und verschließt sich gerne zunächst jeder Neuerung. Wenn somit zahlreiche Gehöfte von außen noch einen altisländischen Eindruck machen, so hat sich im Laufe der Jahrhunderte doch vieles in der Inneneinrichtung geändert. Dor allem sind alle Räume innerhalb der meterdicken, vor Kälte schützenden Torfwandungen mit Holz ausgeschlagen und sauber gedielt. Während früher in vielen Gebäuden zum Einfallen des Tageslichtes nur kleine Luken mit Pergament, Eihäuten von Säugetieren oder Fischblasen überspannt waren, findet man jetzt sogar in den ärmsten Besitzungen große holzgerahmte Glasfenster und oft sogar Doppelfenster, die Schneesturm und Schlagwetter noch besser abhalten sollen. Hnd an Stelle der Rasen- und Holzschornsteine sind vielerorts schon massive Kamine eingebaut.
Der dunkle, niedrige Hausgang, Küche und Speisekammer haben in altstilischen Gehöften ihren Charakter kaum verändert, dafür sind die Schlafstuben zu langgestreckten Gemächern umgewandelt, an deren Wänden die ausziehbaren Betten stehen. Auf ihnen verrichtet die Familie auch an Wintertagen ihre Spinn-, Strick- und Webarbeiten und benutzt die heute „badstofa“ genannte Schlafstube auch als Wohnzimmer. Auf jedem Gehöft ist ein besonderes Gästezimmer (gestastöfa) verstanden, das je nach Wohlhabenheit des Besitzers eingerichtet ist. Oft findet man mehrere saubere Gästestuben, da mangels Eisenbahnen stets mehrere Leute zusammen zu Pferd durch das Land reisen und die in Ermangelung von. Hotels und Gastwirtschaften auf dem Lande auf jedem Hof gemeinsames Unterkommen finden.
Auf vielen großen und kleinen Gehöften sind in den letzten Jahren vor allem massive Wohnhäuser errichtet worden, was unter den schwierigen Transportverhältnissen im Innern des Landes schon als großer Fortschritt zu bezeichnen ist. Da Island selbst weder Kohle noch Erze fördert und keine Wälder besitzt, die zum Schlagen von Bauholz geeignet wären, da ihm soweit jegliche Großindustrie >lt, ist es natürlich bei Bezug sämtlicher Q3gl Uerialien auf die Einfuhr vom entfernt liegenden Ausland angewiesen. Diese Umstände verteuern verständlicherweise den Massivbau gewaltig und hemmen ihn hauptsächlich in den abgelegenen Gebieten noch beträchtlich. Trotzdem sind in den letzten Jahren erhebliche Summen für Baumaterialien aufgewendet worden. Zahlreiche Großbetriebe oder Farmen sind bereits nach dem Beispiel moderner Gutswirtschaften des Festlandes ausgebaut, doch hier
Die Ließe derBrigiita HolLermaM
Vornan von Elisabeth Ney.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 21 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Vier Wochen erst weilte sie hier in der neuen Welt, und doch schien es ihr. als sei es nie anders gewesen.
An Schwester Christiane und Onkel Lührmann hatte sie begeisterte Briese abgeschickt. So war alles schön und gut. und allmählich kräftigte sich auch Brigittas Gesundheit in der reinen Bergluft.
Da kam der Tag, der alles mit einem Schlag änderte, und in Brigittas Wesen etwas Fieberndes, Rastloses brachte. Sie glaubte da unten in Hongkong Hans-Jörg Eggenbrecht gesehen zu haben.
Missionar Boldenkamp mußte eines Morgens Besorgungen halber nach Hongkong hinab, und nahm Schwester Brigitta mit, um ihr bei dieser Gelegenheit die Stadt eingehender zu zeigen.
Man benutzte ein Auto.
In einem eleganten europäischen Caf6, auf dem entzückenden Dachgarten, wartete Brigitta Hol- lermann. behaglich eine Tasse Schokolade schlürfend, auf Herrn Boltenkamp, der einige Besorgungen im Konsulat zu erledigen hatte.
Boldenkamp wußte sie hier gut aufgehoben, und war beruhigt seines Weges gegangen.
Brigitta sah hinab auf das Treiben und Wogen des sich ununterbrochen dahinschiebenden Menschenstroms in den Straßen. Elegante Frauen aller Nationen, in den Rikschas sitzend, von schweißtriefenden Chinesen gezogen, jagten vorüber. oder sie gingen sicheren Fußes durch das Gewühl.
Brigitta sah es lebhaft begeistert. Dies alles hatw immer und im—" wieder etwas Packendes, Neues. Wundersames an sich.
Plötzlich aber ftocu. ,c Atem, und ihr Blick weitete sich schreckhaft, bis zur völligen Starrheit.
Alles Blut wich in diesem Moment aus ihrem Gesicht, und flutete ebenso schnell wieder heiß zur glühenden Röte darin zurück. Fest klammerte sie sich an die Balustrade, und bog sich weit darüber hinweg.
Da, der Spuk war vorüber, denn es konnte nur ein Spuk, eine Halluzination, eine Sinnestäuschung, nichts anderes gewesen sein.
Hnd doch hatte sie das Gesicht so deutlich so lebendig, so greifbar vor sich gesehen!
Brigitta Hollermann glaubte in einem vorüberfahrenden Auto das Gesicht des Mannes ihrer Sehnsucht. Doktor Hans-Jörg Eggenbrccht erkannt zu haben.
sollen ja nur die Bauernhöfe behandelt werden.
Noch heute weisen die meisten isländischen Bauernhöfe die Weitläufigkeit und Vielgestaltigkeit auf, wie vor vielen Jahrhunderten. Rings um die Wohngebäude liegt auch jetzt noch das Tun, die einzig gedüngte und gepflegte Wiesenfläche, in der und um die zahlreiche Außengebäude (ütihüs), Wirtschaftsgebäude, liegen. Eines der wichtigsten ist das Vorratshaus (skemma). Es dient zur Aufbewahrung der Wintervorräte (Salzfleisch und Rauchfleisch, Salzfisch, getrockneten Fisch, Butter. Käse, Mehl, Zucker) und allem Haushalt-Bedarf, der wegen der großen Entfernungen stets in größeren Mengen gelagert werden muß. Hier oder in den weiter abseits liegenden Schafställen mündete in alter Zeit ein unterirdischer Gang (jardhüs — Erdhaus) vom Wohnhause, der bei nächtlichen Heberfällen zur Flucht diente, wenn das Haus in Brand gesteckt wurde. Auf jedem Gehöft ist eine Schmiede (smidja) vorhanden, in der alle notwendigen Arbeiten selber ausgeführt werden.
Die Stallungen liegen sehr zerstreut. In nächster Nähe der Wohngebäude gelangt man oft
durch einen Gang zum Kuhstall, der fast nur mit „hornlosen" Tieren beseht ist. Draußen am Rande des Tun liegen die Winterstallungen für die hundertköpfigen Schafherden, deren Anbauten, wie Heuscheunen, oft noch in das Wiesengelände hineinreichen. Und an der Außenseite der aus Steinen und Rasen bestehenden Hofwälle sind die Hütten für die unentbehrlichen Reitpferde und Packponys, oft 50 bis 100 Stück auf einem Gehöft. Höfe, die nahe am Strand oder einem größeren Flusse liegen, haben noch eine DootS- hütte (naust) und einen Trocken raum für Fische (hjallr). Außerdem sind Silogruben oder -Türme für Ensilage fast überall vorhanden. Ein isländischer Bauernhof hatte schon in früherer Zeit eine große Anzahl Gebäude, oftmals 30 bis 40 kleinere Hütten, die alle je nach Jahreszeit und vorherrschender Arbeit zur Bewirtschaftung herangezogen wurden. Wohlstand unb Kultur der Bauern war besonders ausgeprägt zur Sagazeit, in weit größerem Maße als in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts.
Während in früheren Jahrhunderten fast jedes Gehöft noch einen Sommerhof und Sennhütten in
höhergelegenen Tälern hatte, wo in den Sommermonaten reges Leben herrschte, und der Haupthof verlassen war, spielt sich die heutige Almwirtschaft im isländischen Hochgebirge fast ohne menschliche Kräfte ab. Zwar sind noch einzelne Schuhhütten auf den Hochplateaus und in den Bergen vorhanden, doch werden sie nur beim Auf- und Abtrieb der vielen Tausend Tiere eines Distriktes benutzt. Nach dem Auftrieb in die Bergtäler überläßt man Schafe und Pferde sich selbst, denen auch stellenweise Rinder folgen: erst im Herbst bei der fröhlichen Viehscheide zieht man mit Pserdekarawanen wieder hinauf, um in tagelangim an. r.ng nd:n Eu en di.' vrr prengten Herden wieder zu sammeln, die dann ohne jede Hnkosten schlachtreif geworden, oder fett in die Winlerstallungen zurückkehren. Mo'.erne Betriebe denken aber schon jetzt daran, ihre Jungtiere — Pferde und Rinder — unter Aufsicht auf herzu- richtende Almen zu schicken, um ihnen somit eine gesundheitliche Iugendentwicklung zu sichern und größere Leistungen zu erzielen.
Turnen, Sport und Spiel.
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Die erste Mannschaft weilte am Ostermontag in Offenbach, um gegen die dortige Turngesell- schaft eine Rückspielvcrpflichtung zu erledigen. Das Vorspiel in Gießen konnte Offenbach, dessen Mannschaft der Gausonderklasse angehört, 3:2 gewinnen. Da Gießen reichlich mit Ersah spielen mußte, rechnete man schon im voraus mit einer hohen Niederlage. Die Mannschaft enttäuschte aber im Verlaufe des Spieles nach der angenehmen Seite. Gleich nach Anpfiff entwickelte sich ein äußerst schnelles Spiel. Gießen konnte bald in Führung gehen, doch dauerte die Freude nicht lange, da Offenbach kurz danach ausglich. Halbzeit 3:2 für den Gastgeber. Das Endergebnis lautete 4:2 für Offenbach. Die Mannschaften waren ziemlich gleichwertig. Der gefährlichen Offenbacher Stürmerreihe konnte Gießen eine Hintermannschaft entgegensetzen, die jeder Lage gewachsen war und wenig Wurfmöglichkeiten zuließ. Alle Tore der Offenbacher waren Strafwürfe. Die Zuschauer sahen ein rechtes Freundschaftsspiel, das ein Herr aus Kesselstadt einwandfrei leitete.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
1900 Gießen (Liga) — S. C. 99 Köln (Liga) 0:0.
ö. Mit Ausnahme des Spieles 1900 Reserveelf gegen den V.f.R. Biskirchen, das der Gegner am Samstag noch absagte, kamen alle für Ostern vorgesehenen Treffen zum Austrag.
Das Hauptinteresse richtete sich naturgemäß auf das L i g a s p i e l am ersten Ofterfeiertag gegen den Sportklub 99 Köln. Die Gäste erfüllten vielleicht insofern nicht die gestellten Erwartungen, als sie nach technisch schönem Feldspicl vor dem Tore Entschlossenheit und Schubkraft allzusehr vermissen ließen. Allerdings darf man auch nicht übersehen, daß die Gäste 1900s Läuferreihe und Verteidigung in überragender Form antrafen, die so leicht keine Erfolge zuließ. Eine prächtige Leistung bot der kleine Gießener Mittelläufer. Mit unvermindertem Eifer tauchte er im ganzen Spiel überall da auf, wo Gefahr im Anzug war. Schade, daß der mit Ersah für Balser und Erb spielende blauweißc Sturm so wenig Verwendung für Hcilmanns schöne Vorlagen hatte. Beide Mannschaften ließen sichere Torchancen aus. Der Platzvercin 1900 hatte jedoch die weitaus besseren und hätte leicht das Spiel zu seinen Gunsten entscheiden können. Die Leistungen des K.S.V. in Gießen befriedigten
Es war sein Gesicht gewesen, nur älter, schmaler, von der Sonne gebräunt, mit einem merkwürdig-bitteren, sarkastischen Zug.
Vielleicht nur eine Aehnlichkeit? —
Gab es denn solch entsetzliche Aehnlichkeit überhaupt?
Vor Brigittas Augen begann es zu flimmern, und .ihr Herz hämmerte in wilden Schlägen, so daß sie fürchtete, ohnmächtig zu werden.
Nur für einen Moment, dann war der Anfall vorüber.
Es war ihr jetzt, als müsse sie dem Wagen nachstürzen, um sich Gewißheit zu verschaffen.
Hmfonst versuchte sie, sich zu fassen, und schalt sich eine Törin.
Hans-Jörg Eggenbrecht in China, hier in Hongkong?
War das möglich? Konnte dies denn wahr sein?
Erst allmählich wurde sie ruhiger und dachte gefaßter, kühler über das soeben Erlebte nach.
Sie empfand es jetzt beinah lächerlich, durch die zufällige Aehnlichkeit eines Fremden mit dem Mann ihrer stillen Sehnsucht aus dem Gleichgewicht gebracht worden zu sein.
Aufatmend gewahrte sie plötzlich inmitten des Straßengctriebes Herr Boldenkamp, der dem Cafe zustrebte.
Gleich darauf stand er vor ihr und sagte:
„Nun, Schwester Brigitta, auf dem Konsulat dauerte es länger, als ich vermuten konnte. Hoffentlich haben Sie sich nicht geängstigt: so lange allein in fremder Umgebung.“
Brigitta schüttelte nur leicht den Kopf, aber in ihren Augen lag noch immer der erschreckte, verstörte Ausdruck.
„Hm Himmels willen, weshalb sind Sie so leichenblaß! Ist Ihnen etwas Unangenehmes widerfahren? Hot man Sie etwa gar belästigt?!" rief Doldenkamp jetzt, bestürzt über ihr Aussehen.
Brigitta verneinte hastig, vermied es aber unwillkürlich, seinem erstaunt- und ängstlich-fragenden Blick zu begegnen.
Boldenkamp drang nicht länger in sie.
„Kommen Sie, Schwester Brigitta, nun machen wir zusammen die Rundfahrt durch die Stadt Hongtong, wie ich es versprochen habe", sagte er in aufmunterndem Ton.
Aber Brigitta wehrte beinah heftig ab.
„Bitte, Herr Boldenkamp, lassen Sie uns doch lieber gleich nach Hause fahren, ich habe starke Kopfschmerzen", bat sie ängstlich.
„Kopsweh? Aber, liebes Kind, das vergeht unterwegs. Kein Wunder übrigens: die Luft ist hier unten drückend und schwül. Ich verstehe Sie gar nicht mehr! Was konnte Sie nur so verändern? Sie hatten sich doch gerade so sehr auf diese Rundfahrt gefreut, die ja eigentlich der heutige Grund Ihres Mitkommens war", entgegnete der Missionar gutmütig.
vielleicht nicht jeden. Anerkennenswert war der heroische Widerstand der einheimischen Elf nach der Pause gegen den heftigen Wind, wenn man weiterhin berücksichtigt, daß Köln 99 am zweiten Ofterfeiertag den zur westdeutschen Oberliga gehörenden V.f.B. Kurhessen Marburg, der sogar Verstärkung durch den Olympiakämpfer Weber, Kurhessen-Kassel, herangezogen hatte, mit 3:2 Toren schlug.
Zu einem rechten Freundschaftstreffen gestaltete sich auch das Iugendspiel 1 9 0 0 I. gegen Köln-Mülheim 06 la. Die technisch bessere Gästeelf gewann verdient mit 2:0 Toren, jedoch hätte auch der Gastgeber seinen großen Eifer durch Treffer belohnt sehen können, wenn die Stürmerreihe im entscheidenden Moment nicht katastrophal versagt hätte.
1900 II. Jugend — Heuchelheim I. Jugend 1:1. Trotz leichter Lleberlegenheit 1900s konnte Heuchelheim das Treffen unentschieden gestalten. Ein Hauptverdienst des vorzüglichen Torwarts.
1900 Gießen (Liga) — Marburg-Ockershausen (Liga) 0:2 (0:0).
Auf Grund des Spielverlaufes bis zur Pause sollte man das Endresultat dieses Spiels auf dem 1900-Platz für kaum glaublich halten. Ockershausen beschränkte sich bis zum Wechsel größtenteils nur auf die Abwehr ungestümer Gießener Angriffe. Der Sturm der Einheimischen zeigte sich aber so hilflos, daß er selbst die festen Chancen unausgenutzt vorübergehen ließ. Das fystemoollere Spiel zeigte zwar der Platzverein. Der Eifer der Gäste war aber lobenswert. Diese kamen erst in den letzten Spielminuten, als sich bei den Blauweißen Ermüdungserscheinungen (wahrscheinlich vom vortäglichen Spiel) bemerkbar machten, zu zwei Treffern. Das erste Tor fiel nach einer verunglückten Abwehr des rechten . Verteidigers, da der Ersatz-Torwart den geschossenen Ball nicht mehr weit genug wegbringen konnte. Das zweite war ein Eigentor des einheimischen linken Läufers.
Die Ligareserve und dritte Mannschaft, sowie die zweite Iugendelf konnten aus Nieder- Ohmen nur erfreuliche Siege melden, obwohl zahl- reicher Ersatz in den Reihen der Gießener stand.
1900 Reserve — Nieder-Ohmen I, 2:0.
1900 Dritte — Nieder-Ohmen II 3:0.
1900 zweite Jugend — Nieder-Ohmen I 3:0.
1900 dritte Jugend — Hermannstein I 1:6.
1900II. Schüler — Hermannstein I. Schüler 1:4. Die Spiele fanden in Hermannstein statt.
Da sträubte sich Brigitta Hollermann nicht mehr länger.
Ein heimlich hoffender Gedanke war in ihr auf- gebliht.
Vielleicht fügte es auf der Fahrt ein glücklicher Zufall, daß sie diesem Fremden noch einmal begegnete!
Sie hatte es jetzt beinah eilig, ins Auto zu kommen.
Ihre brennende Hoffnung ward nicht erfüllt, so sehr sie auch mit ängstlich-suchenden Blicken die Straßen überflog.
Sie suchte vergebens.
Man kehrte heim.
Schweigsam saß Brigitta in den Polstern des Autos, und Boldenkamp störte sie nicht mehr. Er schien wohl nun selbst, nach ihrem bleichen Aussehen zu urteilen, an ihre Kopfschmerzen zu glauben.
„Wenn Sie lieber ein wenig ruhen wollen, Schwester Brigitta, so will ich Schwester Maud gern bitten, Sie über die Mittagsstunden zu vertreten", sagte er beim Aussteigen.
Brigitta dankte mit matter Stimme und nahm das Anerbieten freudig an.
Allein sein, nur für kurze Zeit ganz allein sein!, schrie es in ihr.
Auf ihrem Zimmer angekommen, warf sie sich aufs Bett und barg den Kopf, von wildem Schluchzen geschüttelt, in den Kissen.--
Fahl und verstört trat Brigitta Hollermann am Nachmittag wieder ihren Dienst an, und erst, als die Kinder fragten: Schwester Gitta, du bist aber doch heute gar nicht so lieb wie sonst, raffte fie sich bei diesen Worten zusammen und tollte mit der kleinen Schar nach alter Gewohnheit im Spiel über die weiten Rasenflächen: wenn auch das Herz dabei blutete.
Doch seit der Fahrt hinab nach Hongkong war Schwester Brigitta eine andere geworden.
Dieses merkten ihre Mitschwestern, und nicht zuletzt Missionar Boldenkamp.
Mechanisch tat sie ihre Pflicht. War die kleine Schar zur Ruhe gebracht, so verschwand sie ebenfalls in ihrem Zimmer, und Boldenkamp wartete vergeblich auf das allabendlich gewohnte Plauderstündchen.
Eines Abends aber ließ er sie nicht entwischen und führte sie mit sanfter Gewalt auf die Veranda.
Brigitta folgte ihm schweigend. Erst jetzt kam ihr zur Besinnung, wie sehr sie den alten Mann vernachlässigt hatte.
Sie wollte sich entschuldigen, aber es fehlte ihr an einer triftigen Erklärung, und lügen konnte sie nicht. Darum schwieg sie.
Herr Boldenkamp plauderte mit ihr über die Anstalt, über kleine Hebel, die einiger Verbesserungen bedurften, und über neue Pläne. Erst allmählich tastete er nach ihrem Leid.
V. f. B.
Liga — Frankfurt-Eckenheim Liga 3:4. Ligareserve — Niederscheld I. 5:4.
„Dritte" — Hermannstein I. 3:2.
1. Jugend — V. f. B. Marburg 1.I"nend 5:2.
2. Jugend — V. f. D. Marburg 2. Jugend 0:0.
3. Jugend — V. f. D. Marburg 3. Jugend 0: 4. 1. Schüler — V. f. D. Marburg 4. Jugend 3:2.
Die Liga Mannschaft mußte ihre Fahrt nach Frankfurt mit drei Mann Ersatz antreten. Es fehlten der Linksaußen, Halblinke und der Mittelstürmer, für die Spieler aus der ßiga- referbe eingestellt wurden. Trotzdem fand sich V. f. D. eher zusammen und führte auf dem gänzlich unzulänglichen Platz ein recht ansprechendes und jedenfalls besseres Spiel vor, als die Gastgeber. Nicht lange nad> Beginn führte Gießen schon mit 2:0. Eckenheim verbesserte auf 2:1, mußte sich dann aber noch ein weiteres Tor gefallen lassen. Nach der Pause war es die Platzmannschaft, die den starken Wind zum Bundesgenossen hatte und nun ihrerseits einige Zeit überlegen war, während der sie noch drei Tore, darunter eins durch Elfmeter wegen Handspiels, erzielen konnte. Gleichzeitig mit dem Schlußpfiff des Schiedsrichters, der Mitglied des Plahvereins war, schoß V. f. D. zum vierten und damit zum Ausgleichstor ein, das aber nicht gewertet wurde, so daß das Schlußresultat des abwechselungsreihen Treffens 4:3 für Eckenheim lautete. In Anbetracht der Hmstände darf jedoch mit Recht gesagt werden, daß V.f.B. sich verhältnismäßig sehr gut gehalten hat und in kompletter Aufstellung bestimmt einen Sieg mit nach Hause gebracht hätte.
Die Ligareserve hatte zum Ostermontag ein Gesellschaftsspiel mit der Ersten von Niederscheld abgeschlossen. Infolge Abgabe der drei Spieler an die Ligamannschaft kam sie nur mit acht Mann nach dort. Mit Hilfe dreier Spieler der zweiten Mannschaft des Platzvereins, die ihr dieser in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt hatte, blieb sie mit 5:4 knapper Sieger.
Auch die Dritte gewann ihr Treffen in Hermannstein mit nur einem Tor Hnterschied. Ihr Spiel am zweiten Feiertag gegen Mensfelden fiel infolge Absage des Gegners aus.
Die erste Iugendmannschast mußte auch diesmal wieder, allerdings ersatzgeschwächt von der gleichen Marburgs eine Niederlage h'.a- nehmen. Anfangs zeigte sie sich der Gastelf gtatt überlegen und vermochte dies auch durch zwei prächtige Tore zum Ausdruck zu bringen. Die gut
„Ihr Aussehen macht mir Sorge, Schwester Brigitta. Ist es das Heimweh, das Sie so quält? Sehnen Sie sich heim?" fragte er sanft.
„Heim?" entgegnete Brigitta tonlos. „Ich habe keine Heimat, Herr Boldenkamp. Meine Heimat ist stets dort, wo ich augenblicklich weile."
Da schwieg er und drang nicht mehr in sie. Aber er wußte nun, daß ihr da unten in dem kleinen Cafe, während seiner Abwesenheit, etwas Seltsames begegnet sein mußte, was ihr Inneres bis ins tiefste aufgerüttelt halle.
Seit dieser Hnterredung nahm sich Brigitta Hollermann mehr zusammen und zeigte allen das alte, heitere Gesicht. Boldenkamps Augen aber sahen schärfer: er ließ sich nicht täuschen.
Nachts, wenn alle in dem großen Haufe in fünftem Schlummer lagen, wachte Brigitta Hol- Icrmann.
Lange saß sie dann noch auf dem kleinen Balkon ihres Zimmers und träumte in den glitzernden, wundervollen, weiten Raum hinaus.
Sie sah sich dann wieder da unten in der Stadt auf dem Dachgarten sitzen und sah sein Gesicht, sein liebes, leidgezeichnetes Gesicht, nach dem siie sich so verzehrend und heiß sehnte, und von dem sie doch nicht wußte, ob es Wirklichkeit gewesen war.
Dann kamen stets die erlösenden Tränen, und sie schlich in ihr Zimmer zurück.
Schlief sie dann endlich beim Morgengrauen ein, so wiederholte sich meist der Traum der ersten Nacht. Sie sah Hans-Jörg Eggenbrechts Augen, die sich tief, tief in die ihren senkten.
So lebte Brigitta Holler.nann in ihrem Innern ein eigenes, gefährliches Traumleben, ohne zu bemerken, daß dies an ihrem Leben zehrte und sie immer müder und elender erscheinen ließ.
In diesen Tagen war es, daß für sie die ersten Nachrichten aus Deutschland tarnen.
Es waren zwei Brieke.
Der eine kam von Schwester Christiane, dem noch ein Extraschreiben an Herrn Boldenkamp beigefügt war. Der zweite Bries stammte von Sanitätsrat Lührmanns Hand.
Brigitta benutzte die Mittagspause, um die lieben Heimatgrühe geruhsam in ihrem Zimmer lesen zu können.
Schwester Christiane schrieb ihr einen langen, zärtlichen Brief, aus dem taufend Aengste um ihr Wohlergehen klangen. Man hatte sie also noch nicht vergessen. Hnter anderem erfuhr sie, daß Pastor Wendelin um feine Versetzung angetragen hatte.
„Der Aermste sieht sehr elend und schlecht aus: ich glaube, er hat bich sehr geliebt, kleine Gitta, und kann deinen Verlust nicht so bald überwinden: aber du wußtest ja, was du tust. Mache dir um Himmels willen keine Vorwürfe", hieß es an einer Stelle ihres Briefes.
(Fortfetzung folgt.)


