Ausgabe 
3.4.1929
 
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Mittwoch, 3. April 1929

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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München: Juni 1929.

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/ plain, aber em gewißer ocguimeiiiei» zug in Ihrem Antlitz verrat dem Kenner, daß Sie ein Organisator von Llnwesentlichkeiten sind, ein wandelnder Aktenschrank. Sie haben die Liebe im Herzen. Stoff im Kopf und dürsten nach CÖier und Erkenntnis. Headlines, Headlines 1 Allge­meine Grundlinien! Das ist es. was euch Deut­schen fehlt. Darum macht ihr in der Politik nichts weiter als gottverdammten Blödsinn. Man kann keine Massen mit Geistesfrüchten traktieren. Klare, saubere Lieberschriften! Darauf hören Pro-

schwächt und zerrüttet, sieht seine neu errungenen mazedonischen Gebiete bedroht, von Osten her wird es von dem mit Italien in enger Verbin­dung stehenden Bulgarien durch die Tätig­keit des von Sofia aus toirfenten mazedonischen Komitees in Llnruhe gehalten, im Westen von den Expansionsbestrebungen des albanischen Rationalismus. Lind weiter hat Südslawien auch von Süden her im Falle mazedonisch-albanischer Verwickelungen keine Hilfe zu erwarten infolge der g r i e ch i s d) - i t a l i e n i s ch e n Annähe­rung, wie sie sich durch den griechisch --italieni- scheu Freuudschaftspet: vom September 1928 er­gibt. Die Freundschaft zwischen Athen und Rom schiebt weiter den südslawischen Aspirationen aus Saloniki einen Riegel vor. Daneben laufen der im März vorigen Jahres abgeschlossene italie­nisch-türkische Freundschaftsver­trag, mit dem in der Türker der französische Ein­fluß zugunsten des italienischen zurückgedrängt ist. ebenso wie durch den italienisch-griechischen dem französischen Einfluß in Athen Abbruch ge­tan ist. Weiter geht das Bestreben Mussolinis dahin, zwischen der Türkei und Grie­chenland zu vermitteln, welchem Zwecke die letzten Besuche Grandis in Athen und Angora gedient haben. Diese Vermittelung zwischen der Angora-Türkei und Griechenland scheint auf dem besten Wege zu sein: Mussolini geht hierbei von der Erkenntnis aus. daß sein Paktsystem auf dem Balkan, das ihm jedenfalls die Möglichkeit einer indirekten Einflußnahme sichert und durch ein bulgarisch-griechisch-albai ischrs Zusammenwirken Südslawien in Schach hält, nur dann von Erfolg begleitet sein kann, wenn Griechenland vor einer feindlichen Türkei gesichert ist.

n'lvijsse- >r» 1929 i*er zum Agende- zur @e= Eesamt- Qrunb: wie die

lande- dies erlauben. Die italienische Regierung hingegen verlangt, daß allen italienischen Staats­angehörigen. auch denjenigen, die schon vor der ranzösischen Besetzung in Tunis sich niederge­lassen hätten, die Beibehaltung ihrer Rattonalität ermöglicht wird.

Richt bedeutungslos ist bei dem sranzosisch- italienischen Gegensatz schließlich die Frage einer Grenzberichtigung zwischen T u n i s und Tripolitanien. Italien fordert hier, unter Berufung auf Artikel 13 des Londoner Vertrages von 1915. von Frankreich Grenzvor- bessetungen, die Italien in den Besitz der Gebiete von Libesti und Dorku bringen sollen. Gebiete, die bei einer von England und Frankreich will­kürlich vorgenommenen Grenzregulierung an Frankreich gekommen sind. Diese Forderungen sind insofern wichttg, als sie im Zusammenhänge stehen mit den Plänen der italienischen Kolonial­politik in der Richtung eines Ausbaues bezie­hungsweise der Schaffung eines italienischen Kolonial-Afrikas, das von Tripolis bis zur afrikanischen Westküste reichen soll. Pläne,

.Muli Aicher les ®ie.- Januar tn.

beten. c

So kam ich nach Amerika. ^>ch besah Die Gave der fließenden Rede und die Elemente der klugen Vorausberechnung. Da ich. wie gesagt, em ge­schliffener Sprecher war und Liebe zum Volk be­saß. ging ich in die Politik. Wissen Sie, was es heißt, ein Politiker zu fein, junger Mann? Ich werde Ihnen den irischen Standpunkt erklären. Der Staat ist ein großer Geber oder sollte es wenigstens sein. Richt wir tun etwas für den Staat, sondern er muß Dinge für uns tun. Untere Aufgabe besteht nur in feiner Erhaltung. Ganz so, wie eine Frau ihren Mann bei Kräften erhalten muh und infolgedefsen ein freies meal- ticket besitzt. Ein Politiker ist em Mensch, der agiert, redet, organisiert, schimpft, verherrlicht, verflucht: nach bestem Gewissen, wenn er em starker Mann ist, auf Geheih. wenn er ein An- fanget ist. Dafür gibt ihm der Staat em Mo­natsgehalt von irgendwoher für irgendwas. Das ist irisch, das ist sauber. Das ist fair, mister

, Aber die Lleberzeugung. Herr O Gilvy^

..Iunger Mann." sagte der Städtebegrunder mit blutigem Lächeln.Sie sind ern Deutscher.

über deren Durchführbarkeit und Möglichkeit m«r sich allerdings in Italien wohl selbst noch nicht völlig klar ist.

So treten die Gegensätze zwischen Italien unD Frankreich in und am Mittelmeer deutlich in Er­scheinung. Eine Verständigung erscheint mehr als schwierig, völlig unmöglich ist sie allerdings mcht. Auch vor dem Kriege glaubte inan allgemein an die Llnüberbrüdbarkeit des englisch-russischen Gegensatzes, während die Verständigung Dann schließlich doch erfolgte. E n g l a n d hat Interesse daran, den italienisch-französischen Gegensatz la­tent zu erhalten: einesteils sieht es in hatten ein Gegengewicht gegen Frankrei^ Machtstel­lung im Mittelmeer, anderseits aber kann es kein Italien dulden, das so stark ist. daß es- ettoa gegen Englands Willen und gegen die englischen Interessen handeln könnte. Schließlich aber wird England, wie die Wiedererneuerung Der Entente cordiale mit Frankreich beweist, vor die Wahl gestellt, immer eher für Frankreich al« für Italien optieren.

9er alüMMche Bauernhof nnd seine Men

Don Hellmut Loh.

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Abtritts

der nur 'Abende»,, noiuUßf 1,1 t mit«»' w a gdM",

Der Machtkampf im Mitte-meer.

Frankreich und Italien, die beiden lateinischen Schwestern, beide in gleicher Weise sich als die Rachfahren der alten Römer fühlend, die einst ihre Weltherrschaftspläne in diesem Teil der damals bekannten Welt zu verwirk­lichen suchten, ringen um die Herrschaft im Mittel­ländischen Meere, genauer ausgedrüclt um die Vorherrschaft in Südo st -Europa und im östlichen Teile des Mittelmeeres. Seit M u s s o - l i n i der Exponent Italiens geworden ist, tritt dieser Machtkampf immer deutlicher in Erschei­nung. Am 21. Februar 1925 hat der Duce in der Kammer Die Ziele des italienischen. Expansions­dranges deutlich mit den Worten umschrieben: Italien kann nur nach dem Orient gehen". Der Verwirklichung der Ziele des neuen italienischen Imperialismus hat die gesamte Poli­tik Mussolinis in den letzten Iahren gedient, seine Paktpolitik auf dem Balkan, seine Versuche der Einigung der Dallanstaaten unter italienischer Aegide. seine fortgesetzten kolonialen Tastversuche an der afrikanischen und vorderasiatischen Küste, in Tripolis und Tunis, in Tanger und an der ägyptischen Grenze der Erwerb von Djarubt war hier ein bescheidener Anfang. Hierzu kommen die Versuche, von Erithraea aus im 3cmen festen Fuß zu fassen.

Liebevoll auf diesen Wegen schneiden sich mehr oder minder stark die Interessen Frank­reichs und Italiens, überall zeittgt die politische Aktivität Italiens Konfliktstoff mit Frankreich. Statt Frankreich, das 160 Iahre lang das Wort führte, übernimmt Italien jetzt das Wort und reißt die Führung an sich." so äußerte sich Mussolini im Iahre 1926, als er sich zu seiner Tripolisfahrt anschickte.Das Meer muh frei fein; niemand hat das Recht zu sagen: dieses Meer gehört mir, das war der Widerhall, den die Rede Mussolinis in Paris in einer Er­klärung des französischen Marineministers Le- ghues fand. Richt minder treffend wird die latente französisch-italienische Spannung gekennzeichnet durch Ausführungen derTuriner Stampa". in denen unter Hinweis darauf, daß Die Repa - rät innen, die Deuts chland zu leisten habe, mitWiederherstellungen" seit langem nichts mehr zu tun hätten, sondern allein zur Auf- rechter Haltung der militärifch-Pvli- tischen und finanziellen H e g c m on ie Frankreichs über Europa gegen Deutschland und Italien dienten, und daß die deutschen Zahlungen dazu benutzt würden, um die Südslawen gegen Italien auszurüsten und durch den Dau der Trans-Sahara-Dahn die Regertruppen in einer Woche von Senegal an die italienische Grenze befördern zu können, festgestcllt wird,daß beide Frankreichs, sowohl das der Linken wie das der Rechten, Italien von Grund aus Feind seien, und daß alle Freundschaftsreden und Ausgleichsversuche eitel

Baendaskolinn ä Hvannehri, März 1929.

Roch wie vor taufend Iahren. zur Zeit der ersten feierlichen Besitznahme der Eis- und Feuer­insel im hohen Rorden durch die alten Vikinger, meist Fürsten- und Häuptlingsgeschlechter Ror- wegens. ist Island bis in die neueste Zeit hinein säst nur mit verstreutliegenden Bauern- gehöften besiedelt. Eigentliche Ortschaften sind erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Iahr- Hunderts entstanden, jedoch ausschließlich an den Küsten und Fjorden, die sich bald zu Handels­plätzen und Hafenstädtchen entwickelt haben. Fährt man auf den in den letzten zwanzig fah­ren ausgebauten und ständig im Wachsen be­griffenen Autostraßen durch die weiten Tief- landichaften der Küstenstriche, oder durchquert man im Sattel mit einer kleinen Karawane von Pack- und Reitpferden die langgestreckten Fluh­täler zwischen mächtigen, terrassenförmigen Ba- saltsormationen, um die abgelegenen Gebiete des inneren Hochlandes mit ihrer märchenhaften Schönheit und Wildheit aufzusuchen, so vermiht man die stilvollen geschlossenen Bauerndörfer der Heimat, die in schöner Maienzeit rings von einem duftenden Obst-Blütenwald umgeben sind, die an redenspriehenden Hängen wie Schwalben­nester über dem Silberband des Gaues angeklebt erscheinen, oder die zwischen Zweitausendern von lichtgrüner Au umgrenzt sind und von vielstim­migem Glockenläuten breitgestirnter Herden zu neuem Leben und Wirken erweckt werden.

DaS sagenumwobene altgermanische ..Thule" hat seine eigene Schönheit, seinen eigenen Cha­rakter die Reize der Polarwelt vereinigt mit den Phänomenen einer Dulkanlandschast. ohne ein schöneres Gegenstück. Schon vorn hohen Ozean aus erkennen wir die getoaltigen Cismafsen der gröhten europäischen Gletschergebietc. Dis dicht an die Rordküste schieben sich zeitweise Die un­durchdringlichen Polar- und Packeismassen. Der lange Winter bringt monatelang Dunkelheit mit ftänDig zuckenden und webenden Rordlichtern und nur wenigen Stunden Llnterbrechung über das Land, während es der Hochsommer ebenso lange mit fast verschwenderischer Lichtfülle durch das größte Raturwunder, Die Mitternachtssonne, be­glückt. Die niedrigen Iahrestemperaturen und rauhen Rordwinde hinderten Den Wald unD alle höheren Gewächse an Der Entwicklung. Rur BuschwalDungen und Dirkengestrüpp bedecken ge­ringe Landstriche, an die sich endlose Gras- flächen anschliehen und mit großen Stein- und Sandwüsten abwechseln. Lange Gebirgszuge aus Tuffen und Dafaltlagen, deren Höhen oftmals völlig wagrecht erscheinende Hochplateaus Dar- stellen, erstrecken sich über Die ganze Insel und bilden langgestreckte wasserreiche Fluhtäler mit wechselnden Almhängen und Geröllfeldem.

zu spät ein. Denn seit jenem Morgen sind vier Iahre nun ins Land gegangen. Die Stadt Wissula ist programmähig entstanden: und hätte ich die bekömmlicheMahlzeit" für zweihundert Dollar erworben, so würde ich nicht anstehen. sie heute für 2000 Dollar meiner Mutter zu verkaufen.

paulchen und der Smoking.

Paulchen hatte sich verlobt und zwecks Hochzeit einen neuen Smoking machen lassen. Blöde Sache, diese Redensarten: Wer wird sich auch zur Hoch­zeit einen alten Smoking machen lassen? Also er hatte sich einen Smoking machen lassen, und weil er gar so stolz auf ihn und das Stück gerade am Abend vor der Hochzeit fertig geworden war. lieh er ihn vom Schneider in Papier packen und lief zur Braut, ihr den Anzug zu zeigen.

. Dort war man natürlich sehr erfreut Darüber, daß Paulchen einen so schönen neuen Smoking habe, andererseits aber Derart in Vorbereitungen zur Hochzeit beschäftigt. Daß man Den Bräutigam balD wieDer sanft entfernte. Paulchen packte also Den Anzug WieDer in das Papier, was ihm nicht so gut gelang wie Dem SchneiDer be­sonders mit Den Stecknadeln wußte er gar nicht Bescheid und wanderte nach Hause. Llnter- wegs erwischte er an einer Ecke gerade eine Straßenbahn, wurde aber, bevor er Den Wagen besteigen konnte, von einem Polizisten sestgehalten.

Der wollte ihn wegen Llebertretung irgendeines Verkehrsparagraphen und Lleberschreitung Der Straße ausschreiben. Doch konnte sich Paulchen nicht ausweisen. Mußte also mit zur Wache, wo man entDedte, Daß er ein schlecht eingewickeltes Paket mit einem funkelnagelneuen Anzug unter Dem Arm trug. Seine Eile, mit der er auf den Straßenbahnwagen wollte, fiel Dem Polizisten nachträglich ein, das Geschäft des Schneiders war längst geschlossen, also behielt man ihn Die Rächt über Da. Wegen vermeintlichen Diebstahls eines Anzuges.

Am nächsten Morgen Härte sich zwar alles auf, aber leiDer erst gegen 11 Llhr, und bis Paulchen sich zu Haufe gewaschen, rasiert und umgezogen hatte, waren sämtliche Hochzeitsgäste bereits im Gespräche übet das interessante Thema flüchtige Bräutigame" vertieft. Die Hochzeit, Die mit Dem Diebstahl des eigenen Anzuges be­gonnen hatte, soll Dann aber außerordentlich« harmonisch und fidel verlaufen sein.

Geschwätz bedeuten".

Sieht man sich um nach den tieferen Grün­den für die Stellungnahme der beiden Länder zueinander, die, ohne Schönfärberei betrachtet, als unfreundlich zu bezeichnen ist. so liegen diese einmal begründet in Dem beiderseitigen Bestreben nach der Vorherrschaft auf Dem Balkan, wobei Südslawien den Hauptfaktor in der französischen Rechnung bildet. Während vor Dem Kriege Osterreich und Rußland die Gegenspieler auf dem Balkan waren, ringen heute nach der Zertrümmerung Der österreich-ungarischen Doppel- monarchie Frankreich und Italien als Rivalen um die Vorherrschaft. Dabei hat Frank­reich durch die große Balkan-Offensive Musso­linis es sei hier nur erinnert an den Pakt von Tirana, das italienisch-albanische Defensiv- Bündnis vorn Rovember 1927 als Antwort auf die kurz vorher erfolgte Veröffentlichung DeS französisch-südslawischen Militärbündnisses, an d:e Erhebung Achmed Zogus zum Könige unter der tätigen Beihilfe Italiens mit dem Ergebnis der immer deutlicher zutage tretenden Ein­kreisung und Bedrohung Sudsla- wiens. stark an Boden verloren. Südslawien zudem durch seine inneren Zweistigketten ge-

Schwarze Vulkane und kilometerlange Krater­reihen erheben sich in wilden Lavafeldern, in Deren Rähe unaufhörlich dichte Dampfwolken aus zahllosen lochend heißen Quellen zum Himmel emporsteigen.

Auf diese ferne Insel, wo um 800 n. Chr. nur einige irische Mönche ihr weltentsagendes Dasein fristeten, siedelten zwischen 874 bis 930 norwe­gische Adelsgeschlechter mit ihren Angehörigen und Dienstmannen nach Dem Beispiel Des Ingolf Arnason über. Da sie sich nicht Der alleinregie­renden Königsmacht Harald Haarfagers fügen wollten. An allen Küsten des Landes nahmen die verschiedenen Desiedler gewöhnlich in feier­licher Weise von Dem später bewohnten und ihnen Die neue Heimat darstellenden Gebiet Besitz, wie uns in demBesiedlungsbuch" (landnämabök) berichtet wird, in Dem Island ein einzig dastehendes geschichtliches Werk besitzt, zu Dem andere Rattonen kaum ein Gegenstück aus- zuweisen haben. Entweder wurde die Farm durch eine Anzahl brennender Holzstöße ringsum kenntlich gemacht, oder man ritt mit einer bren­nenden Fackel um das Reuland. Wenn Dann noch ein brennender Pfeil Darüber hinweg ge­schossen wurde, so bestimmte seine Einfallsstelle den Hausplah, auf Dem das Gehöft (baer) auf­gebaut wurde. In Der früheren norwegischen Heimat war jeder Wohn- und Gebrauchsraum ein eigenes Gebäude für sich gewesen. Küche. Vorratskammer, Schlafzimmer und auch die Wohnstuben oder -hallen lagen alle voneinander getrennt als selbständige Bauten rings um Den Hof. Hier im vulkanischen Eisland mangelte es an Baumaterial, da keine brauchbaren Hölzer in ausgedehnten Waldungen vorhanden waren. Auch das rauhere Klima trug dazu bei, geschlossenere Anwesen aufzubaucn, in denen die Cinzelgebäude eng zusammenrückten, trotz gemeinsamer Zwi­schenwände aber Doch noch getrennte Dächer auf­wiesen. In ältester Zeit lagen die einzelnen Räume mit verbundenen Seitenwänden und Cinzeldächern alle in einer Reihe nebeneinander, so daß eine Anzahl Stirnwände mit Fenstern sichtbar war.

Sowohl Wohn- als auch Wirtschaftsgebäude wurden aus Tors- und Rasenplatten, manchmal auch durch Einlage unbehauener Steine errichte'., nur die zur Dachbedeckung dienenben Grasplatten wurden über einen Holzbalken-Sattel gelegt. Wohlhabende konnten später.Zimmerholz vom Ausland kaufen und ihre Wohnräume Damit auskleiDen. Erstere Bauart, alle Räume seit­lich nebeneinander zu stellen, erwies sich als nicht sehr praktisch, weshalb man einige Räume hinter Der ersten Reihe anschloß und ein zweireihig breit verlausendes Gebäude erhielt. Alle Einzel­räume waren von einem gemeinsamen Gang ct-

Es wird eine Stadt gegründet.

Don Friedrich Koch-Wawra.

Kaufe jetzt. Damit Du über« Iahr nicht zu so­gen brauchst:O. hätte ich doch!" Heute fau| Dich an für wenige Dollars in Der aufstrebenden Stadt Wissula! 36 Meilen von Chikago! Elek­trische Eilzüge! 40 Minuten Fahrt! Bürgersteige schon gelegt! Wasserleitung im Bau! Elektrisches Licht dieses Iahr noch! Fünf Kirchen vorgesehen! Gymnasium geplant! Kinos! Vergnügungsstätten erster Klasse! Kaufe dich an! Deine Enkel wer­den es Dir danken. Das Lot zu 250 Dollars. 50 Dollars Anzahlung.

Eines Morgens fuhr ich hinaus aus Dem grauen Steinbaukasten Chikago. um Die StaDt Wissula zu besuchen. Aus einer Haltestelle die­ses Rarnens stieg ich aus. Aber es war keine Stadt zu sehen. rrr .

Ein modernes Dahnhofchen stand ui einer sumpfigen Ebene, Die von wilden Vögeln nach Fröschen und von diesen wieder nach Fliegen ab» gesucht wurde. Der Stationsmann kaute Gummi und wollte sich in feinen Deamtenfchlag zuruck- ziehen, ohne meine Existenz wahrzunehmen.

Hallo, mister, wie komme ich von hier nach

Wissula."

Wissula? Dies hier ist Wissula.

No, sir, ich meine die Stadt Wissula."

Dort Drüben wird, glaube ich, eine Stadt an­gelegt. O'GilvY heißt die Firma. Die legen Die 0-aöt an. Gehen Sie nur geradeaus!"

Ich wanderte geradeaus, immer Der toeifjen Randlinie des zukünftigen Bürgersteiges nach. Alle hundert Meter kreuzten sich Die imaginären Straßen. Eiserne Arme hielten wie Wegweiser Die Wacht im SumpfgelänDe. Sie kündeten Die Straßennamen: Lincoln-Avenue, Washington- Avenue. In Der Wilson-Avenue stürzte ich in einen Kaninchenbau. Den Kolumbusplatz hotten Die Feldmäuse unterwühlt.

Ein gewaltiges Stück Brachland, mit Dem Li­neal und Zirkel in tausenD Lots eingeteilt, Straßenschilder im sumpfigen Erdreich, eine ameri­kanische Flagge, hier Und Da ein bißchen ver­lassene Maurerarbeit. Lind eine Wellblechbude mit Der Aufschrift: Patrick. O'GilvY, Baubureau. Walk in. Welcome! Das war Die Stadt Wissula.

In Der Wellblcchbude aber stand an jenem Morgen Herr Patrick OGilvY persönlich.

klarier wie Diplomaten.

Well, das System der politischen Unterführer war in diesem Land Der Saloon, the poor mans club. Er ist verschwunden und hat Den political boss mit sich gerissen. Als Der letzte Saloon feine Pforten schloß, suchte ich mir einen erhabe- neren Partner als es Der Staat ist. Was ist schließlich der Staat? Das Skelett Der Gemein­schaft. ein blutleerer Formalismus. Das Fleisch aber ist das Volk. Das Volk selbst, mister. wurde fortan mein Partner: das gewaltige, edle Volk in seiner unfeegriffenen Größe und impo­santen Dämlichkeit. Dann gab ich an jenem Tage das Versprechen Der Dienstbarkeit gegen gute Bezahlung. Ich sagte mir: Was braucht das Volk? Das Volk braucht Grundbesitz. Grund­besitz, mister. ist eine unbekömmliche Mahlzeit für Großvater. Vater und Kind. Zahlt ein Mann Miete, so gleicht er jenem son of a bitch aus Dem Evangelium, dem Der Heiland sagte. Go to hell! Sehen Sie. das ist der hohe Wert meiner Volksarbeit: ich erziehe die Leute zur Erkenntnis des Geldwertes. Aus dem kleinsten Mitbürger. Der mir nur für 250 Dollar gut ist, mache ich einen LanDlord. Yes, sir, i ch mache Das. Patrick O'Gllvy."

In Diesem Augenblick schob mir Der ötäbte- grünber ein Formular zu und reichte mir wort­los Die Feder. Aber ich. son of a bitch. schätzte Herrn O'GilvY verkehrt ein und wurde infolge­dessen nicht zum Landlord erhoben.

Ich hielt diesen Evangelisten Der Volkswohl­fahrt für einen Gauner, ohne ein Wort Gutzkows zu bedenken: Rur was wir selber glauben, glaubt man uns. Patrick O'GilvY, Der Wann Des großen Wollens, glaubte an sich, wie jeder Politiker von Tammany Hall. LIeberdies war er ein großer Könner, ein Fels im Flusse Der einträg­lichen Beziehungen.

Aber Las alles sah ich zu meinem Schaden

Der zweite Hauptgrund für Die italienisch­französischen Differenzen sind die kolonial- politischen Aspirationen Italiens. Der französisch-italienische Gegensatz in Rord- Afrika bezieht sich, kurz skizziert, auf die Tuni s- fragc. Die Reuregelung der Grenzverhällnisse im westlichen und im südlichen Tripolis und schließlich im Zusammenhänge mit diesen beiden Problemen auf Die Tangerfrage, bei Der, trotz gewisser Konzessionen, nach italienischer Auf­fassung Die italienischen Interessen bisher immer noch feine genügende Berücksichtigung erfahren haben, so daß eine Reuanmeldung Der italieni­schen Ansprüche in Marokko durchaus nicht außer Dem Bereiche Der Möglichkeit liegt, wenn auch vielleicht mehr als Druckmittel gegenüber Frank­reich in Den beiden anderen Fragen. Hinter den Kulissen schweben seit Iahren in der Tunisfrage, wie in den tripolitanischen Grenzfragen Ver­handlungen zwischen Rom und Paris, ohne daß diese bisher zu einem befriedigenden Resul­tat geführt hätten. Die Tunisfrage ist weniger eine" Frage der territorialen Zugehörigkeit von Tunis. Die seit 1881 zugunsten von Frankreich entschieden ist. als eine solche der nationalen Sonder st eil ung Der Italiens rinTu- n i s. Tunis ist für Frankreich Der Eckstein seines afrikanischen Reiches und Der Schlüsselpunkt feiner Mittelmcerstellrmg: für Italien nicht bloß das nächste, sondern auch das klimattsch und auch sonst günstigste Gebiet zur Ableitung seines Bevölke- rungsüberschusses. Italien ist übervölkert und Muß nach Gebieten Llmschau hallen, in Denen seine Lleberschußbevöllc rung sich ansieDeln kann. Tunis bietet sich hier eben als geeignetstes Objekt Dar. Einmal liegt es näher an Italien als an Frank­reich. und außerdem leben in Tunis bereits jetzt weit mehr Ansiedler italienischer Rationalität als Franzosen. Von Den rund 160 000 Europäern in Tunis sind ihrem Vollstum nach rund 130 000 Italiener und nur 30 000 wirkliche Franzosen. Diesen Zustand emp­findet Frankreich als eine Bedrohung seiner Herr­schaft in Tunis und hat aus diesen Gründen eine systematische Entnationalisierungs­politik gegenüber der italienischen Bevölkerung eingeleitet. Diese Entnationalisicrungspolittk be­gann unmittelbar nach dem Kriege mit Der Kün­digung eines im Iahre 1896 abgeschlossenen Ab­kommens, nach dessen Bestimmungen die Italiener in Tunis ihre Staatsangehörigkeit beibehalten, sofern die Gesetze ihres Heimat-

Well mister. I teil vou. Roch ehe dies Iahr versuchen Sie nicht, es abzustreiten! Ihr Englisch zu Ende geht, wird Wissula 250 steinerne Häuser ist fairly plain, -^r ^ gewisser Schulmeister­zählen. Oder zweifeln Sie daran?" - or"tTlh ^nn<?r baf

Ich zweifelte nicht.....

Ihre Laufbahn vom armen Ernwanoerec vis zum reichen StädtegrünDer muß sehr intereffant gewesen sein, Mr. O'GilvY, Denn ich sehe voraus, daß ein Irländer nicht mit Schätzen beladen nach Amerika auswandert."

Ganz richtig vorausgesetzt, mister. Ausfallend richtig. Wir Iren sind arm wie Die Kirchen­mäuse. und fo sparsam, daß einem irischen Schiss bekanntlich keine Möven folgen. Mit einem He­ring und einer Flasche Whisky pflegte meine Fa­milie eine Woche lang das Wahl zu würzen. Aber ich hatte einen guten Vater, mister. uod hieß him! Der gab uns wenig zu essen, aber viel Weisheit mit auf den Weg. Er erzählte uns jeden Tag die Geschichte von Den zwei Knechten mit Den Talenten. Yuo know, Der eine war allright, Der hatte sein Talent verdoppelt. Der andere son of a bitch hatte es im Garten ver­graben. Patrick, sagte mein Vater, mache un­bedingt Geld! Mache es ehrlich, wenn du kannst, aber mache es! Ohne Geld spucken sie Dir in Die Suppe. Sei ein Pessimist! Trage Hosenträger unD noch einen Riemen! Run geh mit Gott, mein Sohn Pat! Dein Vater wird für dich