Ausgabe 
3.4.1929
 
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Waldecks Aufgehen in Preußen.

fofine Chamberlain und feiner Gattin im Schloß Montolbane ein Frühstück.

Wie der römische Korrespondent desDaily Telegraph" meldet, soll dieFragederdeut- schen Reparationen zu den erörterten Ge­genständen gehört haben: die Auffassung beider Staatsmänner stimmte im allgemeinen überein, außer in einem Punkte. Mussolini erklärte näm­lich, wenn die deutschen Reparationen an Italien wesentlich herabgesetzt werden würden, dann müsse auch Italiens Kriegsschuld an die Alliierten eine entsprechende Vermin­derung erfahren. 3 _ _

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegr." schreibt: Es ist nicht notwendig, der Unter- redung irgendeine besonders politische Bedeutung zuzuschreiben. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind unter Mussolini beträchllich freund­licher geworden als unter seinen unmittelbaren Amtsvorgängern. Es hat sich eine wirkliche Entente zwischen beiden Regierungen entwickelt und die gestrige Besprechung hat vielleicht dazu gedient, die leichte Abkühlung der offi­ziellen Beziehungen, die im vorigen Sommer wegen deS englis^-französischen Marinekompro­miss e S eintrat, zu beseitigen.

Churchills Wahlbudgei.

Der Neberschutz hn britischen Staatshaushalt.

London, 2.Avril. (Priv.-Tel.) Die Konser­vativen haben feit Wochen Ausschau nach einer zugkräftigen Wahlparole gehalten, haben jedoch dem englischen Wähler kein durchschlagendes Pro- pagandamatcrial oorsetzen können, so daß sie bei einigen kleineren Nachfragen recht empfindliche Schlappen erlitten. Inzwischen ist ihnen aber der Staatssekretär C h u r ch i l l zu Hilfe gekommen, der jetzt den neuen Staatshaushaltsolan so zurecht fri­siert hat, daß er mit einem Ueberfchuß an Einnahmen von 360 Millionen Goldmark ab- schließt, die natürlich nach dem Willen der Regie­rung für Steuersenkungen verwendet werden sol­len. Churchill hat allerdings das Gluck gehabt, daß in der jüngsten Zeit ausfallend viel Mil­lionäre oerstarben, so daß die E r b ° schaftssteuer wider Erwarten hohe Erträgnisse abwarf. Es ist ihm auch gelungen, andere Aus­gaben zu beschneiden. Den Konservativen wird es unter Hinweis auf ihre geschickte Finanzpolitik un­zweifelhaft gelingen, bei den unmittelbar bevor­stehenden Wahlen gut abzuschneiden.

Vor einer neuen AbrüstungS- debaiie in Genf.

Das Arbeitsprogramm des Völkerbundes im April.

Gen's. 2. April. (WB.) Das Arbeitspro­gramm des Völkerbundes für April weist etwa ein Dutzend Veranstaltungen auf. Das meiste Interesse erweckt der Vorbereitungsaus­schuh für die Abrüstungskonferenz, der nach mehr als einjähriger Pause am 15. April zu seiner 6. Tagung zusammentritt. Die Tages­ordnung, die nach einem Beschluß des Vorbe­reitungsausschusses vom März v. Is. endlich die zweite Lesung des Abkommenentwurfs über die allgemeine Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen bringen soll, steht noch nicht fest. Man weiß nur, daß die Regierungen von Paris, Rom und London wiederAlt in Fühlung standen. Die zweite Le­sung war in der Märztagung des vorigen Iahres wegen der Gegensätze in der Seeabrü- stungsfrage gegen den deutschen Einspruch abgcfctjt worden. Diese bestehen bekanntlich auch heute unverändert fort. Weitere Punkte der Ta­gesordnung sind der deutsche Antrag auf Er­weiterung der Veröffentlichungen über den Rüstungsstand der einzel­nen Länder und der zweite sowjetrussische Vorschlag über die partielle A b r ü st u n g, über den sich der Ausschuß nach seiner abweichen­den aber sachlich ablehnenden Haltung im vorigen Iahre nunmehr ebenfalls in zweiter Lesung aus- sprechen soll.

An der neuen Tagung nehmen 28 Staaten, dar­unter drei Richtmitglieder des Völker­bundes, teil, nämlich die Sowjetunion mit dem stellvertretenden Auhenkommissar Litwinvff als Delegationsführer, die Türkei mit Außen­minister Tewfik Ruschdi Bey und die V e r - einigtenStaatenmit ihrem Brüsseler Bot­schafter Gibson, der bekannllich zur Zeit zur Be­sprechung der Abrüstungsfrage in Washington weilt. Auch die übrigen Länder werden im we- senllichen wieder ihre bisherigen Vertreter und Experten nach Genf entsenden. So steht die deutsche Delegation wieder unter der Führung von Graf Bernstorfs und die eng­lische unter der Leitung von Lord Cushendun. Frankreich wird sich anstelle des zurückgetretenen Paul-Boncour wahrscheinlich durch Massigli, den Völkerbundsreferenten am Quai d'Orsay, ver­treten lassen, während China erstmals seinen Berliner Gesandten Tsiang Tso Ping nach Genf entsendet.

Afghanistan.

5m Widerspiel der Mächte.

Berlin, 3. April. (Priv.-Tel.) Die Iahres- zeit hat wieder besseres Wetter mit sich gebracht, auch in Afghanistan. Die wochenlange Unter­brechung in dem Hin und Her zwischen wer weiß wie vielen Königen. Stammes- und Ban­denführern ist zu Ende, und die neugruppierten Kräfte sind wieder dabei, sich im Kampfe um die Macht miteinander zu messen. Amanullah rückt mit einer Streitmacht von angeblich dreißig- tausend Mann gegen seine Hauptstadt Kabul vor, und englische Meldungen wollen wissen, daß er mit russischen Gewehren und russischer Munition ausgerüstet sei. Solche Behauptungen muh man mit großer Vorsicht aufnehmen, zumal jetzt offenbar das Interesse Englands,Rutz- lands und auch Persiens an den Dingen in Afghanistan recht lebhaft wird. Es ist bezeich­nend, daß die Möglichkeit einer Interven­tion jedes einzelnen dieser drei Staaten schon angeschnitten worden ist, und zwar meist in der Presse eines Landes, das selbst zu den dreien gehört. Immer wieder heißt es, daß afghanische Banden einmal englisches Gebiet, einmal persi­sches Gebiet und dann wieder einmal russisches Gebiet plündernd betreten hätten. Wenn solche Rachrichten auftauchen, dann pflegt irgendwo irgend etwas im Spiele zu sein, und ganz be­sonders bann, wenn, wie dieses Mal, die Lon­doner Presse die Hauptquelle darstellt. Der

Am 1. April hat das Land Waldeck auf­gehört zu existieren, es ist Seil der preußischen Provinz Hessen-Rassau geworden. Daß unter den Waldeckern keine sonderliche Begeiste­rung darüber herrscht, daß infolgedessen auch der preußische Innenminister ziemlich kühl begrüßt worden ist, verstehen wir durchaus. Es liegt im Wesen des Deutschen, daß er seine Selbstän­digkeit ungern aufgibt und lieber im kleinsten Kreise als in einer größeren Gemeinschaft tätig ist. Darin liegen ja gerade psychologisch die s ch w e r st e n H e m m u n g e n, die sich d l Ra­tionalisierung Deutschlands in den Weg stellen. Wenn Herr Grzesinski die Länder grenzen, wie sie heute bestehen, als dynastische Zufälligkeiten mit einer Handbewegung glaubte wegschieben zu können, bann wird er doch damit den Dingen, wie sie wirklich liegen, auch nicht entfernt gerecht. Aus diesen Zufälligkeiten sind eben Imponde­rabilien der Seele und des Gemüts geworden, die sich stärker als alle Vernunftsgründe er­weisen, die im Laufe der Zeit ein Zusammen­gehörigkeitsgefühl entwickelt haben, das fest ge­nug bindet, um selbst die Vorteile übersehen zu lassen, die sich aus der sparsameren Wirtschaft eines größeren Gebietskomplexes doch geradezu handgreiflich ergeben.

So hat man sich auch in Waldeck gegen das Aufgehen in Preußen gewehrt, obwohl hier Vor­aussetzungen Vorlagen, die den Hebergang er­leichtern mutzten, einmal well schon im alten Deutschland die Regierung von Waldeck in

Daily Expreh spricht schon davon, dah englische Flugzeuge und Truppen an der indisch-afghani­schen Grenze in Bereitschaft gehalten werden, und dah man also England die Ereignisse mit großer Aufmerksamkeit verfolge. Man kann also wohl ohne besonderen Leichtsinn auf ge­wisse Pläne Englands oder zum mindesten auf gewisse Wünsche der britischen Regierung in Indien schließen. Welche Rolle dabei den ein­zelnen Männern in Afghanistan und insbesondere Amanullah zugedacht ist, das ist frellich angesichts des Mangels an wirklich zuverlässigen Mel­dungen über die tatsächliche Lage in Afghanistan vorläufig völlig undurchsichtig.

Mexikanische Bomben auf eine amerikanische Stabt.

Racv (Arizona), 2. April. (WB.) Flugzeuge der Aufständischen unternahmen heute einen Luftangriff auf die mexikanische Grenzstadt Raco-Sonora und warfen vier Bomben ab, von denen zwei auf der amerikani­schen Seite einschlugen und im Geschäfts- Viertel zahlreiche Fensterscheiben zertrümmerten. Ein amerikanischer Knabe wurde durch einen Bombensplitter verwundet. Der Luftangriff der Aufständischen auf Raco-Sonora, das von 12 000 Mann Bundestruppen besetzt ist, begann am Sonntag. Insgesamt wurden 19 Bomben abge­worfen und auf der mexikanischen Seite zwei Per­sonen getötet und vier verwundet. Der Grenz­zwischenfall dürfte die Vereinigten Staaten ver­anlassen, weitere Maßnahmen zu treffen, um eine Wiederholung eines derartigen Zwischenfalls zu verhindern. Im Staatsdepartement wurde an« gedeutet, dah Generalmajor ßaf fiter, der Kommandeur des 8. Korpsbezirks in San An­tonio, Flugzeuge von den texanischen Flug­feldern nach R a c o beordern dürfte.

Oer Vormarsch auf Hankau.

Paris, 2. April. (WTB.) Rach einer Havas- meldung aus Schanghai gibt das Hauptquartier Tschangkaischeks in Kiukiang bekannt, dah die Regierungstruppen rasch auf Hankau vor- rüden. Admiral Bentschaokuan hat bekannt- gegeben, dah drei Kanonenboote gestern begonnen hätten, die feindlichen Stellungen bei Bonglo zu beschießen. Eine andere Flotille werde morgen in Richtung auf Hankau abgehen, um den Wuhan- Truppen den Rückzug abzuschneiden, falls sie den Bangtse überschreiten sollten. Rach einer Havasmeldung aus Peking haben sich Räuber der Ortschaft T i u t s ch e u südlich von Fukien bemächtigt und die dort befindlichen Gebäude der englischen protestantischen Mission zerstört.

Kunst und Wissenschaft.

Deutsche Musik in Kopenhagen.

Zn Kopenhagen finden die beiden großen Kon­zerte der Hamburger Philharmoniker unter Leitung ihres Dirigenten Karl Muck statt. Sämlliche Eintrittskarten zu diesen beiden Konzer­ten waren bereits kurz nach Eröffnung des Ver­kaufs vergriffen, so daß die Gäste vor einem vollen Hause spielen werden. Um nun einer größeren Zahl von Kopenhagenern Gelegenheit zu geben, ebenfalls die bekannten Hamburger Phil­harmoniker zu hören, veranstaltet der Zeitungs­verlagPolitiken" und der Musikverlag Wilhelm Hansen, die Veranstalter der ganzen Reise, am Sonntag in der etwa sechs- bis siebentausend Men­schen fassenden A u s st e l l u n g s ha l l eF o r u m" ein drittes Konzert, auf dessen Programm Beetho­vens 9. Symphonie steht. In dem Konzert wirken bekannte dänische Kammer- und Opernsänger und -fängerinnen, ferner ein 250 Stimmen starker Chor mit. Inzwischen ist Dr. Muck mit feinen Musikern in Kopenhagen eingetroffen. Aus diesem Anlaß veröffentlichtPolitiken" am Dienstag einen Be­grüßungsartikel, in dem Dr. Muck als ein Fürst der Kunst gefeiert und als der letzte Große einer sagenreichen Zeit bezeichnet wird, als ein Mann ganz für sich cÄein, der nicht mit anderen verglichen meroen könne.Niemand kennt ihn ober weiß, wie er ist. In dem vollständigen Auslöschen seines eigenen Selbst liegt sein Genie. Er ist ein Dolmet­scher für die Werke anderer, aber eins mit ihnen. Ein Fürst der Kunst und ein Diener der Kunst."

Deutsch an der Havard-Universität.

Die Havard-Universität in Boston hat beschlossen, beim Aufnahmeexamen Deutsch als Hauptsprache neben Latein ober Französisch zuzulassen.

Bruno Walter bleibt nicht in Berlin.

Die Intendanz der Berliner Städtischen Oper teilt mit, daß bte Verhandlungen mit Professor Bruno Walter zu keinem positiven Re­sultat geführt haben. Professor Bruno Walter scheidet nach Ablauf seiner derzeitigen Verpfllch- hingen, die bis Ende April laufen, aus dem Ver­band der Städtischen Oper aus. Der Dirigent wird an der Städtischen Oper noch drei Borstel*

preußischen Händen lag, die Selbständig­keit also eigentlich mehr formaler Ratur war, zum andern, weil Pyrmont, die Hälfte des ehemaligen Fürstentums Waldeck, schon längst mit gutem Beispiel borangegangen ist. Schließ­lich hat das finanzielle Moment gesiegt. Der eigene Regierungsapparat wurde den Waldeckern doch zu teuer, der Kostenpunkt hat alle ande­ren Hemmungen überwunden und dazu geführt, daß jetzt wieder eins derLänder" von der Landkarte verschwindet. Ein Land übrigens, das mit seinen wenig mehr als fünfzigtausend Ein­wohnern gerade die Bevölkerung einer mittleren Stadt ausmachte.

Preußen selbst hat ganz gewiß von dieser Ver­einigung keine Vortelle, sein Einfluß im Reichs­rat wird sogar unmittelbar geschmälert, weil es die Stimme Waldecks verliert, und well aucy im Reichsrat eine Reuauftellung der Stimmen er­folgen muß, die wieder auf Preußens Kosten geht. Aber diese Bedenken sind doch mit Recht zurückgestellt worden gegenüber der Bedeutung, daß nun endlich einmal in der deutschen Flur­bereinigung ein Anfang gemacht worden ist. Das Aufgehen Waldecks in Preußen zeigt, daß bei gutem Willen die Schwierigkeiten, die in diesem Problem liegen, zu überwinden sind. Früher oder später wird überall der Zwang zur Gemein­samkeit stärker sein als die Eigenbrödelei, und vielleicht wird dadurch allein der Weg zu einer neuen vernünftigen Gliederung Deutschlands frei­gemacht.

lungen betreuen. Dann geht er auf eine mehr­monatige Gastfahrt nach Kalifornien. Der Künstler wird seinen Wohnsitz in Berlin bei» behalten; die gelegentlich erörterte Heber» siedlung nach Leipzig kommt nicht mehr in Frage. Verliert die Reichshauptstadt auch Bruno Walter als Opemdirigenten. so wird er, wie sich mit Zuversicht vermuten läßt, doch ihrem Konzertleben künftig seine Kräfte in erhöhtem Maße widmen.

Aus aller Wett.

Die Ursache des Brandes derEuropa".

Noch immer ist man auf derEuropa" emsig mit dem Auspumpe n des Löschwassers beschäftigt. Da diese Arbeit wegen der großen Vor­sicht, mit welcher sie durchgeführt werden muß, noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, ist in­zwischen mit den Aufräumungsarbeiten begonnen worden. Das Schiffsinnere wird von Sachverständigen und Fachleuten daraufhin unter­sucht, ob und inwieweit eine Ausbesserung der ver­schiedenen Anlagen mit Erfolg durchgeführt werden kann oder wo eine Gesamterneuerung vorgenom- men werden muß. Auch die Agenten der verschiedensten Versicherungsgesell­schaften nehmen unter Führung von Vertretern der Bauwerft und der Reederei weiterhin Besich­tigungen des beschädigten Schiffes vor. Nach Be­endigung der Pump- und Aufräumungsarbeiten wird dieEuropa" zunächst in Dock gebracht wer­den. Die Wachmannschaften auf derEuropa" sind infolge der Brandkataftrophe verstärkt worden. Wie die Telegraphen-Union erfährt, bestätigt sich die Meldung der englischen Blätter, daß englische Detektive zur Aufklärung desEuropa"-Bran- des in Hamburg weilen. Auch die anderen auslän­dischen Versicherungsgesellschaften foöen* eigene De­tektive entsandt haben, so u.a. eine holländische Gesellschaft.

Der JaU Stolberg.

Dienstagvormittag ist die Mordkommission von neuem nach Iannowitz gefahren, um die Aussagen des verhafteten Grafen Christian Friedrich zu überprüfen. Graf Christian wird wieder vernommen werden. Es steht nunmehr fest, daß nach diesen Vernehmungen ein Lokal­termin in Iannowitz im Beisein des ver­hafteten Grafen stattfinden wird. Erst nach diesem Lokaltermin wird es sich entscheiden, ob gegen den Grafen Anklage wegen fahrlässiger Tötung oder wegen Mordes bzw. Tot­schlages erhoben wird. Im ersten Falle käme die Angelegenheit vor das Hirschberger Schöffen­gericht, im zweiten Falle vor das Geschworenen­gericht.

Der neue Dinker.

Zürich, 2. April. (MTB.) In den Berg­lagen der Schweiz hat der Winter wieder Einzug gehalten. Die Reuschneedecke beträgt bis zu 80 0 Meter hinunter 20 Zentimeter. Das St. Gotthardt-Gebiet verzeichnet schwere Stürme, das Thermometer sank bis auf mi­nus 18 Grad. Auch in Oberbaden fiel bei einer Temperatur um den Rullpunkt Schnee. Der Feld berg meldet zu gleicher Zeit eine Temperatur von minus 8 Grad. Der Diens­tag hat im südlichen Schwarzwald eine Reu - schneedecke von 15 Zentimetern ge­bracht, während in den Tälern und in der Ebene die wärmere Tagestemperatur den Schnee teil­weise wieder wegschmolz.

Zerstörung des Seesiegs in Arendsee.

In Arendsee, dem bekannten mecklenburgischen Badeort, wurde die Landungsbrücke am Ostermontag durch öie Eismassen der Ostsee, die der heftige Nordweststurm in Bewegung setzte, in ihrem Mittelteil auf 140 Meter Länge völlig zerstört. Der Brückenkopf, der erhalten geblieben ist, wurde stark beschädigt. Der Schaden beträgt etwa 100 000 Mark.

Mik den durchgehenden Pferden in den Kanal.

Auf dem Haarlemer Weg bei Lehden in Hol­land rasten die Pferde eines Dauernwagens in den neben der Straße herlaufenden Kanal. Die Frau des Bauern sowie die elfjährige Tochter und der siebenjährige Sohn er­tranken. während der Vater und drei Män­ner, die ihn begleiteten, sich noch rechtzeitig durch Abspringen hatten retten können.

Ein Auto rast in eine Gruppe junger Mädchen.

Ein ungewöhnlich schwerer Automobilunfall hat sich in der Rahe von Lausanne ereignet. Das Auto eines Lausanner Kaufmannes fuhr am späten Montagabend in eine Gruppe jun­ger Engländerinnen, von denen eine auf der Stelle getötet und drei weitere schwer ver­letzt wurden. Sämtliche junge Mädchen, die sich in einem Pensionat in Lausanne befinden, waren zwischen 1Z und 23 Iahren alt Das Automobil war von drei Personen besetzt und fuhr mit gro­ßer Geschwindigkeit im Zickzackkurs eine steile Straße hinunter, wobei der Führer anscheinend die Herrschaft übet? den Wagen ver­

loren hatte. Die drei schwerverletzten ftmgen Damen wurden in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Die Insassen des Autos sind sofort von der Polizei verhaftet und die gerichtliche Hntersuchung gegen sie eröffnet worden.

Schwerer Aulounfall.

Die Gattin des bekannten Leipziger Derlags- buchhändlers Heinz S t a a f. m a n n ist in der Rähe von Plagwih tödlich verunglückt. Der Privatwagen ihres Gatten geriet auf der Fahrt von Breslau nach Leipzig auf den Som­merweg und rannte gegen einen Daum. Die Trümmer der inneren Windschutz­scheibe zerschnitten Frau Staakmann dieHa l s- schlagader, so daß sie auf dem Transport ins Krankenhaus ßötoenberg an Verblutung ft ar b. Die übrigen Insassen des Wagens blieben unverletzt.

Schreckenstaten eines Amokläufers.

Ein mit Repetiergewehr und Revolver be­waffneter, an Verfolgungswahn leidender, far­biger Arbeiter stürmte durch die Straßen Re- wark (Rew Ierseh, H. S. A.), wobei er auf die Passanten Schüsse abgab. Zwei Männer wurden von ihm getötet und ein dritter schwer verwundet. Ferner wurden zwei Polizei­beamte, die ihn feftzunehmen versuchten, leicht verletzt. Als der Amokläufer sich schließlich in die Enge getrieben sah, brachte er sich einen tödlichen Kopfschuß bei.

Bluttat jugendlicher Revolverfchühen.

Zwei 'S rüber im Alter von 11 und 17 Iahren begaben sich am Ostersonntag mit Schußwaffen versehen ins Gelände zwischen Rodenkirchen und Sürth bei Köln, um Hasen zu schießen. Sie gelangten dabei zu einer Hühnerfarm, wo sie Eier stahlen. Als bei der Verfolgung der Farmbesiher den älteren Dieb festhielt, zog dieser kurzerhand den Revolver und brachte dem Farmbesiher einen Schuh ins Ge­sicht bei. Auf der weiteren Flucht wurden die beiden Brüder von der Polizei gestellt. Bei der Festnahme zog der ältere wieder den Revolver und tötete sich durch einen Kopfschutz. Der Farmbesitzer konnte nach einer Operation wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Aussperrung in der hulinduslrie,

In der Hutindustrie Gubens und Lucken» Waldes ist seit Monaten eine Lohnbewegung im Gange, die auf eine Heraufsetzung der Löhne ab» zielt. Run hat nach einer Meldung desVor­wärts" aus Guben der Arbeitgeberverband die Stillegung der Betriebe beschlossen und sämtlichen Belegschaften gekündigt. Die Aussper­rung wird nach Ablauf der gesetzlichen Kündi­gungsfrist von 14 Tagen beginnen. Es werden davon 11000 Mann betroffen, von denen auf Guben allein rd. 6000 entfallen. In einer Ver­sammlung der Arbeiter in Guben erklärte der Geschäftsführer des Hutarbeiterverbandes, dah die Arbeiterschaft bereit fei, sich einem neu­tralen Schiedsgericht zu unterwerfen, das aus drei Schiedsrichtern bestehe, doch dürfe keines seiner Mitglieder der Hutindustrie angehören.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Druckstörung wandert südostwärts nach dem Schwarzen Meer hin weiter und Barometeranstieg setzt über Mitteleuropa ein. Der weitere Stattluftju- strom ließ die Temperaturen während her ver­gangenen Nacht in Mittel- und Norddeutschland bis unter Null Grad zurückgehen. Königsberg heute morgen minus 5 Grad, Dresden minus 3 Grad. Auch in unserem Bezirk sank das Ther­mometer bis auf Null Grad. Obwohl durch die neue Eismeerdruckstörung das Vordringen polarer Luft- massen unterbunden wird, so hält der Rest der süd­wärts vordringenden Kaltluftwelle bei uns die Temperaturen weiterhin niedrig Für die kom mende Nacht dürfte sogar leichter Nachtfrost nicht ausgeschlossen sein. Damit dürfte aber auch gleich­zeitig der Temperaturumschlag seinem Ende zu. gehen.

Wettervoraussage für Donners­tag: 'Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, nur vereinzelt geringe Schauer, kühl mit leich­tem Rachtfrost.

Wettervoraussage für Fre-i tag: Roch wolkiges Wetter mit zeitweiser Aufheite­rung. Temperaturen zunäckst wenig verändert, jedoch allmählich etwas ansteigend.

Lufttemperaturen am 2. April: mittags 5,4 Grad Celsius, abends 3,5 Grad: am 3. April: morgens 1,1 Grad. Maximum 7,4 Grad, Minimum 0 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. April: abends 6,1 Grad; am 3. April: morgens 2,7 Grad. Nie­derschlag 0,2 mm. Sonnenscheindauer 3% Stunden,