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Oer Reichstag lehnt mit 318 gegen 82 Stimmen das Freiheitsgesetz ab.

Schluß der Debatte.

Don unserer Berliner Redaktion.

Es wäre wirklich nicht nötig gewesen, daß der Reichstag mit der zweiten Lesung desFreiheitsge­setzes" noch einen ganzen Tag vertrödelte. Was zu sagen war, ist eigentlich in den letzten Monaten so ausgiebig gesagt worden, daß keinerlei neue Nuancen mehr zu gewinnen sind. Notwendig war nur noch die Abstimmung. Statt dessen hat man noch fast sechs Stunden geredet, ohne Ziel und Zweck. Interessant war höchstens die Schärfe, mit der Herr v. Kardorff seine Volkspartei gegen den Innenminister Severing distanzierte. Es wirkte doch wie eine kleine Sensation, als er schmucklos erklärte, der Minister habe durch seine Methoden in der Be­kämpfung des Volksbegehrens die für die Deutsche Volkspartei tragbare Grenze überschritten. Was Herr Severing zur Erwiderung sagen konnte, war schwach. Auch in der Abwehr gegen die Deutsch- nationalen gab er sich manche Blöße. Bei der 2l b - st i m m u n g konnte die Minderheit im besten Falle 99 Stimmen zusammenbringen. Sie hat n u r 8 2 ge­schafft und von diesen 82 wieder sind ihr 22 bei der Abstimmung über den §4 untreu geworden. Ein qualitativ sehr erheblicher Bruchteil der Deutsch- nationalen hat es abgelehnt, diesen Paragraphen vier zu decken. Es hat Mühe genug gekostet, Schlimmeres zu verhindern. Siebzehn Stunden hat die Deutsch- nationale Fraktion getagt, bis schließlich ein Kom­promiß zustande kam, worin die Minderheit sich mit stillschweigender Ablehnung begnügte. Sie hatte ur­sprünglich mehr wollen, hatte eine Erklärung mit Namensunterschriften herausgeben wollen, verlor aber die Nerven, als Hugenberg daraufhin mit dem sofortigen Bruch drohte. Dabei bleibt aber doch frag­lich, ob der Riß nun gekittet ist. Die christlichen Ar­beiter sind trotzdem mit einer Erklärung hervor­getreten. Hugenberg hat sofort den Parteivorstand zusammengetrommelt und man wird nun gespannt sein dürfen, was hier beschlossen werden wird.

Sitzungsbericht.

Berlin. 30. Rov. (DDZ.) Auf der Tages­ordnung steht die zweite Lesung des aus dem Bolksbegehren hervorgegangenenFreiheits­gesetzes".

Abg. Frau Lehmann (On.)

erklärt: Seit dem Abschluß des Vertrages von Versailles habe noch kein politisches Thema solche Anteilnahme des Volkes hervorgerufen wie dies Volksbegehren. Zahlenmäßig sei der ganze Umfang der Bewegung noch nicht zu er­fassen: man stehe erst am Anfang der Bewe­gung. Die Kriegsschuldfrage werde leider unter­schätzt. Sie bilde die Grundlage der ganzen Der- sklavung des deutschen Volkes. 3n den Schulen sollte ein Versailler Katechismus zur Einführung kommen, der die Schüler über die Grausam­keiten des Versailler Diktats aufklärt. 3n diesem Jahre, bei der zehnjährigen Wiederkehr des Diktats von Versailles, haben wir schmerzlich eine Kundgebung der Regierung gegen die Kriegsschuldlüge vermißt. Abg. Hugenberg (dn.), der am Schluß der Rede der deutslch- nationalen Rednerin den Saal betritt, wird von der Linken mit lautenAh!"-Rufen und mit Lachen begrüßt.

Abg. Irhr. v. Kardorff (OVp):

Ich habe das Gefühl, daß das Dol s e Zehren sich in eruier Linie gerichtet hat gegen unseren ver­ewigten Führer Dr. Stresemann, in zweiter Linie gegen die Deutsche Volkspartei. Wir sind grundsätzlich Gegner des Volksbegeh­rens in außenpolitischen Fragen. Wir halten Ihre (nach rechts) Aktion für ein Spiel m i t dem Feuer. Was würden Sie dazu sagen, wenn Volksbegehren eingeleitet werden über die Streichung hoher Offizierspensionen oder über die Konfiskation aller Vermögen über 50 000 Mark? Wir hatten erwartet, daß der Abg. Hugenberg selbst das Wort nehmen würde. Seine Zeitungen haben ihn doch mit Bismarck verglichen. (Gelächter.) Bismarck war kein guter Redner, aber er redete doch, weil er dem Parla­ment immer etwas zu sagen hatte. Die Männer des Volksbegehrens mußten von vornherein wissen, daß sie damit eine Mehrheit nicht er­zielen konnten. Dieses Volksbegehren diente nur dem Zwecke der Verwirrung und Verhetzung. Es hat die Parteien und die Regierung in eine schiefe Lage gebracht. (Abg. Stöhr (R.-S.): Das wollten wir ja gerade!) Wir waren gezwungen, das Volksbegehren zu bekämpfen und dadurch konnte im Ausland der falsche Ein­druck erweckt werden, als wenn wir es nicht abwarten könnten, den Poung-Plan anzu­nehmen. Wir kennen die vielen Mängel des Poung-Planes, aber wir wissen auch, daß er immer noch Erleichterungen bringt gegenüber dem Dawes-Plan, der nur mit Hilfe der Deutsch- nationalen angenommen werden konnte. Es ist durchaus gerechtfertigt, daß auch spätere Gene­rationen einen Teil mittragen von den unerhör­ten Kriegslasten, die der heutigen Generation auferlegt worden sind. (Lärm bei den Rational­sozialisten.) Dr. Hugenberg hat es durch seine Aktion unmöglich gemacht, daß sich in den nächsten Jahren eine bürgerliche Einheitsfront gegen den Marxismus bilden kann. Meine Herren Sozial­demokraten, Sie sind schon die stärkste Partei und werden weiter wachsen. Wenn Sie nur eine Spur von Dankbarkeitsgefühl haben, bann müß­ten Sie sammeln, um Ihrem wirksamsten Förderer Dr. Hugenberg ein Denkmal zu sehen. (Große Heiterkeit.) Sollten Sie bei der Denkmalsweihe wegen des Festredners in Ver­legenheit sein, so stelle ich mich gern zur Ver­fügung. (Erneute große Heiterkeit.) Auf der anderen Seite können wir nicht verschweigen, daß die Regierung mit ihrer Methode des Kampfes gegen das Volksbegehren das Gegen­teil des gewollten Zweckes erreicht hat. 3m vollen Bewuytsein meiner Verantwor­tung muß ich erklären, daß die Volkspartei sich ein Vorgehen gegen die Beamten, wie es diesmal geübt wurde, nicht noch einmal gefallen lassen kann. Wir begrüßen die frühe Ansehung des Termins für den Volks­entscheid, denn es muß mit dieser Dolksverhehung und Volksvergiftung Schluß gemacht werden.

Reichsinnenminister Severing:

Die ganze Aktion des Volksbegehrens diente nicht außenpolitischen Zwecken, sondern sie war

gerichtet gegen das demokratische System, gegen die Weimarer Verfassung. Von dem Größen­wahn der Rationalsozialisten wurden bald auch die De'.'tschnationalen angesteckt. In der Agi­tation für das Volksbegehren und in 8 4 des Volksbegehrens selbst werden die Minister, die Parlamentsbeschlüsse aussühren, alsLandes­verräter" gebrandmarkt und mit Zuchthaus be­droht. Wenn man verlangt, daß die soGebrand- merkten" sich eine solche Beschimpfung durch ihre Beamten gefallen lassen, so heißt das, von ihnen eine zu große Dosis Selbstverleugnung und Lammesgeduld verlangen. Rein, ich kann nur an der Erklärung festhalten, daß die Be­amten, die ausdrücklich sich mit dem Inhalt des § 4 identifizieren, im Dienste der Republik keinen Platz haben sollen. (Händeklatschen bei den Sozial­demokraten und Demokraten./Das ist eine grund­sätzliche Auffassung. Ich habe mich in der prak­tischen Betätigung zurückgehaltcn, aber es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, werm es dem bösen Rachbarn nicht gefällt. (Abg. Stöhr, R.-S.:Kleiner Schäker!" Heiterkeit.) Durch parlamentarische Anfragen von rechts wurde ich gezwungen, meinen Standpunkt öffentlich zu be­tonen. Herr Hugenberg hat weder im Reichs­tag noch im Rundfunk über das Volksbegehren gesprochen. Er übt sein Amt des Generalschah- meisters seiner Partei und Bewegung aus nach dem Leitwort:Und willst du nicht.mein Bruder sein, so stelle ich die Zahlung ein." Schon in der ersten Sitzung seines Ausschusses für das Volksbegehren hatte Dr. Hugenberg in Tönen persönlicher Verhetzung gegen die Regierung ge­sprochen, und diese hetzerische Tonart verstärkte sich immer mehr in den Kundgebungen des Stahlhelmführers Seldte und der Rationalsozia­listen. Am 22. Dezember, am Tage des Volks­entscheides, sollte jeder zu Hause bleiben und so mit Herrn Hugenberg abrechnen. Wer aber durch Terror gezwungen wird, an der Abstim­mung teilzunehmen, der mache durch einen Strich durch den Stimmzettel zugleich einen Strich durch die Rechnung des Herrn Hugenberg.

Abg. ör. Breitscheid (Goz.)

erklärt, die DeutscAnationalen hätten kein Recht, sich über Terror gegen die Beamten zu beklagen, beim sie seien Rachfahren jener alten Konser­vativen, die ben Terror gegen wirtschaftlich Abhängige zum politischen Prinzip erhoben hät­ten. Roch heute werde in Pommern und an­deren agrarischen Gebieten politischer Terror von den Deutschnationalen getrieben. Beim Volks­begehren sei das deutlich in Erscheinung ge­treten. Die sogenannte nationale Opposition will in Wirtlichkeit nur ben Kamps gegen Republik unb Demokratie. Die These von ber Alleinschulb Deutschlanbs am Weltkrieg ist von uns immer mit größter Entschiedenheit bekämpft worden. Es ist aber einfach nicht wahr, daß die deutsche Reparationsbelastung mit der Kriegsschuldthese begründet sei unb daß wir ohne biese These nichts zu zahlen hätten. Wenn heute am R h e i n Befreiungsfeiern stattfinden können, so verdanken wir bas der Außenpolitik, die im Hugenbergschen Volksbegehren als lanbes- verräterisch bezeichnet wird. Wir sind stolz darauf, bah wir gemeinsam mit Strese­mann biese Politik getrieben haben. Diejenigen beutschnationalen Abgeordneten, die 1924 für ben Dawes-Plan gestimmt haben, werden uns erklären müssen, warum sie heute etwas als landesverräterisch verfolgen wellen, was sie da­mals selbst getan haben.

Abg. Graf zu Reveritlorv (A.-S.)

erinnert an das Ergebnis ber letzten Kommu­nalwahlen, bie bewiesen hätten, bah bie Ra­tional,ozialisten im stärksten Fortschritt begrif­fen seien. Wir Rationalsozialisten empfinden Hochachtung für die Person des Reichsprä­sidenten. (Rufe links:Davon merkt man aber nicht viel!') Aber wir bedauern, daß der Reichspräsident politisch von der Reichsregie­rung und seiner Umgebung in der ungeheuer­lichsten Weise dauernd mißbraucht wird. (Un­ruhe. Vizepräsident Dr. v. Kardorff bittet den Redner, die Person des Reichs­präsidenten möglichst aus der Debatte herauszulassen.) Das Schlimmste sei, daß man hinsichtlich des § 4 des Volksbegehrens den Reichspräsidenten veranlaßte, eine ihm sug­gerierte Meinung zu bekunden, die seiner gan­zen Vergangenheit nach niemals seine eigene sein konnte. So lange die jetzigen Machthaber re­gierten, kämen wir aus dem Zustande des per­manenten Landesverrates überhaupt nicht her­aus. (Beifall bet den Rationalsozialisten.)

Abg. Ehlermann (Dem ):

Die Vertreter Hugenbergs haben so gesprochen, als ob es sich um einen Rückzug handelte. Es ist ein eigenartiger Zufall, daß Hugenbergs Kata­strophenpolitik an dem Tage verteidigt wird, an dem in der zweiten Zone Schwarzrotgold an Stelle ber Trikolore hochgeht. Die größte Schwächung der sog. Volksbewegung" aber liegt in der Tatsache, daß der Mann, der seinen Namen für das Volksbe­gehren hergab, nicht ben Mut hatte, es vor dem Reichstage selbst zu vertreten. (Sehr wahr! links.) Vielleicht liegt das daran, daß, wie schon öffentlich behauptet wurde, Hugenberg politisch nicht mehr ernst zu nehmen ist.

Abg. Everling (On.)

meint, die scharfe Kritik der Gegner an Hugenberg beweise nur bie große Bedeutung Hugenbergs. Bei den Kritikern bestehe der stille Wunsch nach einer Diktatur Severings. Beim Volksbegehren habe sich dieses System dekouvriert als das alte System des 9. November, als das System ber Lüge unb des Terrors. Hugenberg habe dagegen ein weitschauen­des staatsmännisches Programm. Der amtliche Ter­ror hat das Ergebnis des Volksbegehrens ver­fälscht. Ohne diesen Terror wären sechs Millionen Eintragungen mehr erfolgt. (Gelächter links.) Die amtliche Agitation der Minister war ein Mißbrauch ihres Amtes. Unter großer Unruhe führt der Red­ner dann zahlreiche Fälle an, in denen nach feiner Ansicht die Wähler durch unzulässige Maßnahmen von der Einzeichnung abgehalten worden seien. Ein Gemeindevorsteher habe beispielsweise den Bauern, die sich einzeichnen wollten, gesagt:Ihr seid ja blödsinnig." (Große Heiterkeit.)

Oie Abstimmung

ergibt bie Ablehnung des §1 (Zurück­weisung des Kriegsschuldenanerkenntnisses) mit 318 gegen 82 Stimmen der Deutschnationalen, Rationalsozialisten unb Christlich-Rationalen Dauern- und Landvolkpartei bei vier Stimm­enthaltungen.

§ 2 (Aufhebung der Artikel 231, 429 und 430 des Persailler Vertrages) wird in einfacher Ab­stimmung gegen bie Deutschnationalen, Christlich- Rationale Bauernpartei unb Rationalsozialisten abgelehnt.

§ 3 (Ablehnung des TZoung-Planes) wird in namentlicher Abstimmung mit 312 gegen 80 Stim­men bei vier Stimmenthaltungen abgelehnt.

§ 4, ber bie Lanbesverrats-Strafandrohung enthält, wirb in namentlicher Abstimmung m i t 312 gegen 60 (Stimmen ab gelehnt. (Be­wegung.) Der letzte § 5, ber von ber Inkraft­setzung ber Vorlage spricht, wirb in einfacher Abstimmung abgelehnt. Die namentliche Abstim­mung über Einleitung unb Lieberschrift ergibt die Ablehnung mit 307 gegen 78 Stimmen bei vier Enthaltungen. Präsident Lobe: Da sämtliche Teile abgelehnt sind, ist das Gesetz in der zweiten Lesung erledigt. Ich reiche es der Regierung zurück, damit sie die Volksabstimmung darüber vomimmt.

Hierauf werden auch die Anträge der Deutsch- nationalen und Rationalsozialisten auf Aen de - rung des Termins für den Volksentscheid abgelehnt. Es bleibt also ber 22. Dezember als Termin bestehen.

Oie Beteiligung an den Abstimmungen.

Berlin 30. Rov. (VDZ.) Rach den Ab- stirnmungslisten des Reichstages haben bei der Abstimmung zu Paragraph 1 des Volksbegehren- gesetzes folgende neun deutschnatio­nale Abgeordnete gefehlt, bie aller- bings zum größten Teil wegen Krankheit ober aus anderen Gründen entschuldigt waren: Bach­mann, Dr. Bazille, Dr. Hahlacher, Dr. Klönne, Dr. Philipp, Dr. Reichert, Schmidt (Stettin), Vogt (Württemberg) unb Walraff. Bei ber Ab­stimmung über ben Paragraph 4 (Zucht­hausparagraph) fehlten außer ben Ge­nannten noch folgende vierzehn deutschnationole Abgeordnete: Fromm, Hartwig, Dr. Hoehsch, Hülser, von Keu- dell Lambach, Dr. Lejeune, Jung, v. Lindeiner- Wildau, Mentzel, Mönle, Dr. Rademacher, Schiele, Schlange-Schöningen und Treviranus.

Von ben Nationalsozialisten fehlten bie Abgeordneten Dreher, Feder-Sachsen, (Stra- fcer Wagner, Göhring.

Von der Christlich-Rationalen Bau­ernpartei fehlten die beiden Abgeordneten Julier unb Dr. Wendhausen.

Der Stimme enthalten haben sich zwei Deutsch-Hannoveraner Artclt unb Meyer-Hannover, ferner zwei Volksrecht­ler. Dr. Best unb Dr. Lobe.

An ber Abstimmung über Paragraph 4 be­teiligte sich fein Qlbgeorbneter ber Christ­lich-Rationalen Bauernpartei. Die Deutsch-Hannoveraner unb bie Mitglieder der Volksrechtpartei stimmten gegen ben Para­graphen 4.

Oie Durchführung des Volks­entscheids.

EineBerordnungdesReichsinnenministers.

Berlin, 30. Rov. (WB.) Amtlich. Rach- bem ber Reichstag in feiner heutigen Sitzung den Entwurf einesGesetzes gegen bie Ver­sklavung bes Deutschen Volkes" ab gelehnt hat, hat ber Reichsminister bes Innern auf Be­schluß ber Reichsregierung bie Verordnung zur Durchführung des Volksentscheides erlassen. Gegenstand des Volksentscheides ist die Frage, ob ber im Volksbegehren verlangte, vom Reichstag abgelehnte Gesetzentwurf Gesetz wer- ben soll. Die Abstimmung finbet am Sonn­tag, bem 2 2. Dezember, statt. Der (Stimm- zettet ist in gleicher Weise gestaltet wie beim VolksentscheibFürstenenteignung". Die Frist für bie Aus legung bet (Stimmlisten unb Stimmkarteien ist aus bie Zeit vom 8. bis 15. De­zember festgesetzt. Die Verordnung wirb im Reichsanzeiger vom 2. Dezember verkünbet. Der Reichsminister des Innern hat die Landesregie­rungen ersucht, nunmehr die Ausführungsbestim­mungen zur Durchführung des Volksentscheides am 22. Dezember zu erlassen.

Konflikt in der deutschnationalen Partei. Tie christlich-soziale Ncichsvcreiuigung mit Treviranus solidarisch.

Berlin, 30. Rov. (VDZ.) Die deutschnatio- nalen Reichstagsabgeordneten Hartwig, Hül­s' e r und Lamba ch veröffentlichen folgende Er­klärung:Die unterzeichneten Abgeordneten haben sich, in der Abstimmung zum § 4 des Volksbegehrensgesetzes auf Seiten des Mi­nisters Schiele gestellt. Sie werden sich am Dienstag gelegentlich der Behandlung des Ausschluhantrages des Parteivorsitzenden gegen ihren Kollegen Treviranus in der Fraktion solidarisch an dessen Seite stellen: sie halten fruchtbare politische Arbeit nicht für möglich, wenn freimütige und sogar private politische Meinungsäußerungen unter­drückt werden sollen.

Die Christlich-Soziale Reichsver­einigung hat eine Entschließung gefaßt, in der sie d^m Schritt der drei Abgeordneten zu - stimmt. Wie die deutschnationale Pressestelle mitteilt, hat aus Anlaß der Veröffentlichung der Wgeordneten Hartwig, Hülser und Lambach der Parteivorsihende den Vorstand der Deutsch- nationalen Dolkspartei auf Dienstag, 3. R o- vember, einberufen.

Die Presse der Linken und der Mittelparteien spricht von einer deutschnationalen Par­te i k t i s e, die, wie dasB. T." schreibt, ver­mutlich sehr bald zu einem offenen Kon­flikt führen werde. Die nationale Opposition, so sagt derVorwärts", ist nicht nur geschlagen.

sondern auch zersprengt. DieGermania" betont, daß sie ein wohlverstandenes Interesse daran habe, daß der weiteren Zersetzung unseres inner- politischen Lebens Einhalt geboten und die Front der staatspolitischen und verantwortungsbereiten Parteien gestärkt werde. In dieser Hinsicht habe die gestrige Abstimmung zwar keine Entschei­dung, aber eine weitere nicht unwesent­liche Klärung gebracht. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" weist darauf hin, daß die Demonstration gegen den gegenwärtigen deutschnationalen Kurs durch die bekannte­sten Ramen der Deutschnationalen besonderes Gewicht erhalte. Die Vorgänge in der großen Rechtspartei dürften nicht leicht ge­nommen werden. Sie fordern baldige Entschlüsse. DieDeutsche Tageszeitung" hebt hervor, daß der Streit bei den Deutschnationalen mit einem sachlichen und loyalen Ausgleich geendet habe. Indem die Minderheit sich mit der mildesten Form der Distanzierung gegenüber dem § 4 begnügte, habe sie für die Siärkung der Abwehrfront gegen den Voungplan ein Opfer gebracht, das nicht nur ein Beweis für die Einigkeit der Rechten in diesem großen natio­nalen Ziel bedeute, sondern sicher auch bei der Mehrheit richtig gewürdigt werde. DieKreuz­zeitung" bezeichnet es als zweifellos, daß alle deutsch nationalen Abgeordneten, wenn es zu einer Schlußabstimmung gekommen wäre, ihr Ja in die Waagschale geworfen haben würden. Die Deutsche Zeitung" bezeichnet das Verhalten der Minderheit in der Fraktion als im Wi de r - spruch mit dem in Kassel von der Gesamt­partei bekundeten Angriffsgeist stehend. Es sei vorauszusehen gewesen, daß der Höhepunkt des parlamentarischen Angriffs in der Fraktion ge­wisse Klärungen Hervorrufen würde.

Oer Gklarekskandal.

Neue Untersuchungen.

Berlin, 30. Rov. (WTD.) 3m Zusammen­hang mit der Angelegenheit Sklarek ist gegen einen beim Finanzamt Mitte tätigen Diplom­kaufmann von der StaatsÜnwaltschaft ein Ver­fahren wegen passiver Bestechung und we­gen Beihilfe zum Betrug eröffnet wor­den. Der Diplomkaufmann soll bei der Führung der Geheimbücher der Gebrüder Sklarek sowie bei der Ausarbeitung der Steuererklärungen mitgewirkt haben. Es ist bereits ermittelt, daß die drei Brüder auch der Steuerbe­hörde gegenüber sich Verfehlungen haben zuschulden kommen lassen. (Sie sollen z. B. für das Jahr 1928 nur einen Gesamtumsatz von 1,8 Mil­lionen Mark angegeben haben, während i h r wirklicher Limsatz etwa dreimal so groß gewesen sein dürste. Der erwähnte Diplomkaufmann soll für seine Tätigkeit bei den Sklareks während einer Zeit von fast zwei 3ahren monatlich einen Betrag von rund 400 Mk. er­halten haben. Die Llntersuchung wird voraus­sichtlich auch noch auf Beamte des W o h - nungsamtes ausgedehnt werden müssen. Wie sich jetzt herausstellt, hat eine dem Angeschul­digten Leo Sklarek nahestehende junge Dame, ohne auf der Wohnungsliste zu stehen. . im Westen Berlins durch das Wohnungsamt eine Dreizimmerwohnung erhalten. Als sie auf den Protest zahlreicher Mieter hin diese Wohnung nach einiger Zeit wieder räumen muhte, erhielt sie eine andere Wohnung in der Giesebrecht-Strahe. Es soll nunmehr fest- gestellt werden, daß bei diesen beiden Woh­nungszuweisungen unlautere Einflüsse am Werk gewesen sind.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Nachdem unter Darometeranstieg und Zufuhr etwas kühlerer ozeanischer Luftmassen sich die Wolkendecke aufgelöst und stellenweise Aufheite­rung eingesetzt hat, ruft die Wetterlage den Ein­druck einer Besserung hervor. Die Erscheinung ist aber nur von sehr kurzer Dauer, denn eine erneute kräftige Störung dringt äußerst rasch nach dem Festlande vor. Lieber den britischen 3i.seln, sowie über dem nordwestlichen Teid von Frankreich verursacht sie stürmisches Wetter mit verbreiteten Niederschlägen. Die Südseite wird auch uns abermaliges Schlechtwetter brin­gen. Die Luftbewegung nimmt zeitweise dabei stürmischen Charakter an, Niederschläge treten auf, und der Witterungscharakter wird erneut unbeständig.

Wettervoraussage f. Dienstag. Er­neuter Liebergang zu unbeständigem, aber mü­derem Wetter mit Niederschlägen, bei lebhaf- ten, auch zeitweise stürmischen südwestlichen Winden. ^...

Witterungsaussichten für Mitt­woch. Nachlassen der Niederschläge, jedoch no<v Schauer, wechselnde Bewölkung, porübergepeno aufheiternd, mild, später etwas kühler.

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