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Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 2. Dezember 1929.
Buch und Kind.
In diesen Wochen tritt wieder die Frage an di« Eltern und Erzieher, wie an alle heran, die ein blind zum Weihnachtsfeste beschenken wollen: Was schenke ich? Der nächstliegende Gedanken ist: Spielsachen. Und meist ist dieser (dedanke auch richtig. Das blind will spielen, und wir sollen ihm seinen Spieltrieb nicht nur lassen, sondern ihn zweckmäßig sogar unterstützen. Auch über das Spielzeug können natürlich die Meinungen auseinandergehcn. Es gibt viele Erzieher, di« sagen: „Nur nichts Fertiges! Irgend ein Gerümpel; das Kind will sich seine Welt selbst bauen, die jelbstaebaut« Welt will es selbst bevölkern, mit Geschöpfen, die es selbst ins Leben gerufen hat. Kurz: Freiheit der Phantasie. Irgend ein Holzstück kann etwas ganz Großes darstellen im Spiel." Diese Auffassung geht darauf hinaus, das vollendete Spielzeug, das kunstvoll geschaffen wird, abzulehnen, weil es das Kind vor etwas Fertiges stelle, während das Kind schöpferisch tätig sein wolle. Es ist Wahres darin für den Einzelfall. Aber was für den Einzelfall gilt, trifft noch lange nicht für die Allgemeinheit zu, denn ebensogut gibt es auch viele Kinder, vielleicht sogar die meisten, die mit einem unvollkonimencn Spielzeug, mit einem Trödelkram, mit dem sich ein anderes Kind eine ganze Welt baut, nichts anzusangen wissen. Man wird stets von Fall zu Fall entscheiden müssen, was zweckdienlich ist. Es ist auch bei Kindern fast schon genau so schwer, wie bei Erwachsenen, das richtig« Geschenk zu machen, wenn man sich die Aufgabe des Schenkens nicht allzu leicht macht. Aber allzu leicht gemachtes Schenken hat meist auch nur sehr leichtes Gewicht.
Eine besondere Frage ist dann auch: Schenke ich dem Kinde ein Buch? Und noch schwieriger ist es: Welches Buch schenke ich? Nicht alle Kinder haben Freude an Büchern. Ich hatte einmal ein ganz reizendes Jugendbuch zur Hand und bot es einem zwölfjährigen Mädchen an Sie nahm es, sagte „Danke", aber es war leicht zu erkennen, daß der Dank nicht von Herzen kam. „Du lieft doch gern?" (ragte ich. „Nein, gar nicht", war die Antwort, und von der Mutter hörte ich, daß die Kleine mit Feuereifer dabei ist, wenn es gilt, in der Hauswirtschaft zu helfen, oder Hausarbeiten zu fertigen: Lesen? Nein. Und von einem Jungen weiß ich, daß er alles liest. Keine Schwarte, kein wissenschaftliches Buch, kein Lexikon ist vor ihm sicher. Wahl wählt auch er sich seine Lieblinge aus, aber schließlich ist cs ihm gleich, was er lieft, wenn er nur lesen, fremde Gedanken in sich aufnehmen kann.
Ob ein Buch mit Eifer begrüßt wird ober nicht, ift leicht festzustellen. Schwieriger ist es schon, das richtige Buch zu wählen. Denn gerade die Tugend verteilt ihre Sympathien souverän, eigenwillig, fragt nicht nach Wert, wie der erfahrene Bücherleser. Und ein wenig kommt es doch auch daraus an. daß man das Buch schenkt, das gefällt. Bei der Fülle der Weih» Aachtserscheinunren, die alljährlich zu verzeichnen ist, kann es in einer Hinsicht nicht schwer fallen, das Richtige zu wählen. Aber es ist auch nicht allzu leicht, denn gerade die große Menge ler Bücher, die alljährlich neu herauskommt, verwirrt sich allzu leicht. Man wird sich also ziemlich genau zu fragen haben: „Welcher Art loll das Buch fein, das ich schenke?" Und toel- «tzes Buch dieser Art ist das zweckmäßigste, Sas beste. Es wäre ein schlimmer Fehler, nach lern schönen Einband, nach den knalligen Billern zu gehen, sondern man wird, da man -nicht alles vorher genau prüfen kann, was allenfalls zu erwerben wäre, auch auf den erprobten Rat erfahrener Männer Horen müssen. -Buchhandlung und Schule helfen hierbei gern, nind auch aus die Ankündigungen in der Bücher- rüsch-Rubrik der Zeitung wird man sein Augenmerk lenken. So ergeben sich manche Hinweise, .hie für die Wahl der Bücher von Bedeutung 'finb.
Eines ist gewiß: Das Buch als Weihnachts- .geschenk behält seinen hohen Platz und wirb ihn auch für die Zukunft behalten, trotz vieler "Singe des modernen Lebens, die vom Buche .ablenken. Der Reiz eines guten Buches ist 'nicht fo leicht zu ersetzen. Rur muß es wirklich • ein gutes Buch fein. Und es gibt erfreulicher- :oeife auch heute noch genug gute Bücher, mag »auch sonst manches mit unterschlüpfen, das nicht »zerade sehr hoch einzufchätzen ist. O. S.
Naturschutz in Oberheffen.
Die naturwissenschaftliche Abteilung der Ober- lhessischen Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde ldat im Anschluß an einen Lichtbildervortrag von 'Pros. Funk über „Botanische Raturdenkntäler ■'n Hessen" in einer Eingabe an das Hessische Ministerium den gesetzlichen Raturschuh tlur die folgenden bedrohten Gebiete in Ober- 'Hessen gefordert: für das Hochmoor im Oberwald, für den Lollarer Kopf, für die »Hnzianw iefe bei Rödgen (Kreis Gießen) mb für die Salzpflanzen stellen der
11« r a u.
Taten für Dienstag. 3. Tczeinber.
Sonnenaufgang 7.45 Uhr, Sonnenuntergang 15.54 Illhr. — Mondaufgang 10.19 Uhr, Monduntergang .7.07 Uhr.
1857: der Bildhauer Christian Daniel Rauch in '.Dresden gestorben (geboren 1777); — 1860: der Geograph Wilhelm Sievers in Hamburg geboren ■igeftorben 1921).
Bornotizerr.
— Ta geskalender für Montag. Bergin der Freunde des humanistischen Gymnasiums:
Vortrag über »Funde griechisch-italischer Kunst n Germanien und Gallien", 23.15 Uhr, Hörsaal -es Physikalischen Instituts. — Gießener Freiw. Feuerwehr: „Monatsversammlung", 23 Uhr, Ka- nerad Dechert (Kühlen Grund). — Odenwälder heimatbewegung: Besprechung, 23 Uhr, Hotel Köhler. — Lichtspielhaus: „Die weihe Hölle von P'.zpalü". — Astoria-Lichtspiele: „Gärendes ' Blut" und „3m Taumel von Paris".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Dienstag, : . Dezember, findet die Wiederholung der Operette .Paganini" durch das Frankfurter Operetten- -nsemble um 19.30 Uhr statt. — Mittwoch spielt man zum letztenmal um 20 Uhr „Robert Guis- Eirb“ und „Demetrius" von Kleist und Schiller. — Freitag, 6. Dezember, wird das erfolgreiche Lust- tfpiet „Scribbys Suppen sind die besten" auf» geführt. — Sonntag, 8. Dezember, erscheint zum arstenmal als Morgenfeier und zweiter Tag im Sammerspielzhklus das chinesische Spiel vom ..Schmetterlingstraum", dessen Leitung Dr. Karl Ritter unter Assistenz von Herrn Wen han Ring, dem Assistenten des China-3nstituts Frankfurt a. M., hat, auf dem Spielplan.
MstpWnie Gießen -
Nachdem schon seit P/t 3ahren ein notdürftiger Privatautobusverkehr zwischen Wißmar und Gießen eingeführt war, der infolge Verzugs des Inhabers nach Frankfurt zum Erliegen kam, haben in letzter Zeit Der Handlungen mit der Oberpostdirektion Darmstadt wegen Uebernahme der Linie stattgefunden. Die Verhandlungen sind am Freitag in einer gemeinsamen Besprechung in Gießen zwischen den Vertretern des Kreis- a m t e s und der Stadtverwaltung Gießen, der Gemeinden Launsbach und Wißmar und des Bürgermeisteramtes Krofdorf, sowie der Oberpostdirektion zum Abschluß gekommen.
Die Post Hal sich bereit erklärt, den Betrieb der Linie aufzunehmen und den zur Durchführung des Verkehrs erforderlichen IDajen einzuflellen, wenn die beteiligten Gemeinden die zur Unter* fteUung des IDagens erforderliche Wagenhalle in Wißmar auf ihre kosten erstellen und ihre Beleuchtung und Heizung sowie Wasserversorgung übernehmen.
Eine weitere Inanspruchnahme der Gemeinden in bezug auf Anlage einer Reparaturwerkstatt, Tankanlage usw. soll im Hinblick darauf, daß es sich hier um die AuSdeh ’ung der schon von Gießen ausgeh:ndrnKr-fipostlin en handelt, unterbleiben, auch haben die Gemeinden keine Ein-
Laimbach - Wißmar.
naljmegarantien der Post gegenüber zu übernehmen. Während der Privatautobus unmittelbar zwischen Gießen und Wißmar verkehrte, wird die Post ihre Wagen überLauns- b a ch laufen lassen, um auch die Drrkehrsbe- dürfnisse dieser Gemeinde zu erfüllen. Für die Errichtung der Wagenhalle ist den ©cmeinben eine Te i 1 a n l e i he (63 v. H.) zu geringem Zinsfuß zugesagt worden.
Der Fahrpreis beträgt — wie allenthalben — 10 Ps. pro Kilometer, er wird für Zehner- k a ' ' e n aus 8 Pf. und für Wochenkarten auf 4,5 Pf. pro Kilometer ermäßigt.
Für den Fahrplan sollen die interessierten Kreise durch das Bürgermeisteramt Krosdors zunächst Vorschläge machen. Sobald die Gemeindevertretungen die Abmachungen mit der Post angenommen haben, woran wohl nicht zu zweifeln ist, soll der Betrieb von der Post aufgenommen werden. Wenn bis dahin die Wagenhalle noch nicht fertiggestellt fein sollte, wird zunächst ein provisorischer Unterstellraum für ein Auto genügen. Die Kosten der Wagenhalle werden von den Gemeinden nach einem noch näher zu vereinbarenden Maßstabe übernommen.
Es ist erfreulich, daß durch diese Abmachungen der bereits längere Zeit erstrebte Derkehrssort- schritt erreicht wird.
Tumen, Sport und Spiel.
Fußball in Heffen-Hannover.
Die geftrgen Fußballspiele in Hessen-Hannover hatten folgende Eraebn.sse:
Spieloerein Kassel — K. ifel 03 3:2.
Kurhessen Kassel — Kurhessen Marburg 4:1. Borussia Fulda — Hermania Kassel 6:0.
Fußball in Süddeutschland.
Die Klärung der Meisterschaflssrage schreitet in den einzelnen Gruppen fort. Rach Eintracht Frankfurt und F. C. Pforzheim sind nun auch in Bayern München und Wormatia Worms neue Gruppen- meifter ermittelt. Vereinzelt wurde auch die Platz- frage geklärt. In manchen Gruppen bleibt jedoch die Suche nach den Inhabern der drei ersten Plätze nach wie vor offen.
Im Bezirk Main-Hessen strengte sich gestern der neue Meister der Gruppe Main, Eintracht Frankfurt, gegen den 1. F. C. 93 Hanau nicht mehr an, als zur Erhaltung ihres Rufes als ungeschlagene Mannschaft notwendig war. Sie gewann 3:2. F. Sp. D. Frankfurt befestigte weiter seinen Anschluß an die Spitzengruppe und schlug auf fremdem Platze die Sp. Dgg. 02 Griesheim 6:2. Kickers Offenbach machten sich mit ihrem schärfsten Rivalen um den 2. Platz durch ein 3. 1 punktgleich mit Rotweih Frankfurt. Union Riederrad brachte aus Bieber nur ein 2:2 gegen Germania mit und glitt auf den 4. Platz herab. Die Gruppe Hessen hat nunmehr in Wormatia Worms ebenfalls ihren Meister ermittelt. Wormatia gewann gegen den V. f. L. Reu-Isenburg mit 6:0. Für den <5.03. Wiesbaden ist sein 4:2 gegen den F. Sp. D. 05 Mainz sehr wertvoll. Hassia Bingen profitierte mit ihrem 2:1 gegen Alemannia Worms wieder einmal aus dem Vorteil des eigenen Platzes. Dcc 1. F. C. 03 Langen verwies mit 2:1 Toren den S. V. 98 Darmstadt auf den seither von Langen selbst innegehabten letzten Platz in der Liste. Isenburg und Wiesbaden haben endgültig die Tabellenplätze erobert.
Im Bezirk Bayern hatte die Gruppe Rordbaye rn eine gro^e Ueber.aschung. De Sp. Dgg. Fürth verlor gegen den 1. F. C. Nürnberg auf eigenem Platze 1:2, wodurch vielleicht ihre Meisterschaft bedroht erscheinen könnte. Sp. Vgg. Hof unterlag 1: 8 gegen den A. S. D. Nürnberg. Die Lage bleibt immer noch recht verworren. Tie Gruppe Südbahern kennt nunmehr auch endgültig ihren Meister. Erwartungsgemäß ist es Bayern München, bam sich S. V. 1860 München 1:3 beugen mußte. Wacker München enttäuschte erneut unb mußte dem F. V. 94 Ulm bie Punkte mitgeben. Der Tabellenletzte gewann 1:0. Schwaben Augsburg unb Teutonia München trennten sich mit 1:1 Toren. Die Plahanwärter sind noch nicht ermittelt.
Fußball-Gtädtekanips Berlin — Göteborg 3:2 (1:1)
Im Berliner Poststabion sahen gestern 30 000 Zuschauer Berlins und Göteborgs Städtemann- schäften im Fußballkamps. Körperlich, technisch unb taktisch waren bie schwebischen Gäste ben Berlinern überlegen; sie besahen gutes Kopf- spiel unb flüssige Kombination, nur bas Schuhvermögen war unzureichenb. Das meistens auf Verteidigung angewiesene Berlin gestaltete je* boch bie wenigen Vorstöße immer recht gefährlich unb tarn hierdurch zu einem Siege von 3:2 Toren, ber bem Oefamteinbrud beider Mannschaften nicht entspricht. Die Berliner siegten unverdient.
Echwimmlanderkampf Süd- gegen Westdeutschland.
In der neuen Stuttgarter Schwimmhalle fand am Samstag unb Sonntag ber Schwimm- Länderkamps zwischen Süd» unb West- beutschlanb statt. Es war ein schwimmsport» liches Ereignis von großer Bedeutung führte Süd- beutschlanb am Cnbe ber ersten Tages mit 26: 22 Punkten, so holten bie Westdeutschen am Sonntag diesen Vorsprung nicht nur ein, sondern ihnen fiel mit 80:72 Punkten der Endsieg zu. Die süddeutschen Damen muhten sich erwartungs- gemäß ebenfalls geschlagen geben, unb zwar mit 46: 28 Punkten.
Die Ergebnisse der Kämpfe am ersten Tag.
Herr en. 4X1 0 0 - M e t e r - F r e i st i l st a f- fei: 1. Westdeutschland mit Derichs, Haas, Balk unb Handschuhmacher in 10:00,4 Min. 2. Süd- deutschland mit Maus, Schwarz, Berges unb Neitzel in 10:31,1 Min. 100 Meter Freistil: 1. Maus (Südd.) 1:03,1; 2. De? (Südd.) 1:04.8; 3. Haas (Westd.) 1:05,3; 4. Küppers (Westd.) 1:06,3. 1500 Meter Freistil: 1. Neitzel (Südd.) 22:22,1; 2. Handschuhmacher (Westd.) 22:37,5; 3. Schlüter (Westd.) 24:26; 4. Schellenberg (Südd.) 26:32. 2 0 0 Meter Brust: 1. Schwarz (Südd.) 2:55,1; 2. Dudig (Westd.) 2:58,3; 3. Könniger (Südd.) 3:00,5; 4. Leenen (Westd.) 3:01,5.
Damen. Z/Ä 00 Meter Freistil: 1. Westdeutschland mit Middendorf, Heinrich, Erkens in 4:10,7; 2. Süddeutschland mit Häuf, Gölz und Ziemann in 4: 24. Kunstspringen:!. Jordan (Südd.) 69,70 Punkte; 2. Auer (Westd.) 61,30 P.; 3. Mehling (Südd.) 55,52 P. 10 0 Meter Rücken: 1. Sasserrath (Westd.) 1:31; 2. Heinrich (Westd.) 1:33; 3. Zipse (Südd.) 1:35,4; 4. Jäger (Südd.) 1: 40,8. 200 Meter Rücken: 1. Fischer (Westd.) 3:26,6; 2. Gutmann (Südd.) 3:27,8; 3. Ermeling (Westd.) 3:33,5; 4. Schellhas (Südd.) 3: 36,5.
Gesamtergebnis: Bei den Herren führt Süddeutschland mit 26:22 Punkten, bei den D a- jn e n liegt Westdeutschland mit 28:19 Punkten in Führung.
Der zweite Tag.
Herren: 3 100»Me e .»öa ge n ft a f f ei: 1. Westdeutschland mit Bu.ig, Küppers und Haas in 3:37,5; 2. Süddeutschlanv mit Schwarz, Schulz unb Watrin in 3:43,8. 2 00 Meter Freistil: 1. Volk (Westd.) 2:25,1; 2. Neitzel (Südd.) 2:27,9; 3. Derichs (Westd.) 2:28,4; 4. Schwarz (Südd.) 2:34,6. lOOMeterRücken: 1. Küppers (Westdeutschland) 1:17; 2. Schu'z (Südd.) 1:17,7; 3. Günther (Westd.) 1:18,4; 4. Nees (Südd.) 1:19,4. 3x200-Meter°Bru st staffel: 1. Süddeutschland mit Künniger, Staudt und Schwarz in 9:06,6; 2. Westdeutschland mit Feuerstein, . eenen und udig in 9:29,5. 400 Meter Freistil: 1. Balk (Westd.) 5:32,5; 2. Hand- schuhmacher (Westd.) 5:32,7; 3. Berges (Südd.) 5:40; 4. Schellen berg (Südd.) 625,5. Kunstspringen: 1. Himmen (Westd.) 146,8 Punkte; 2. Scheck (Südd.) 143,24; 3. Riegel (Südd.) 140,6; 4. Schriering (Westd.) 139,30. Wasserball: Süden gegen Westen 7:4 (5:1).
Damen 3x!00-Me.er-Lagenstaf- fel: 1. Westdeutschland mit Fischer, Safierrath und Erkens in 4:31,6; 2. Süddeutschland in 4:41,5. 100 Meter Fr eistil: 1. Erkens (Westd.) 1:19,1; 2. Middendorf (Westd.) 1:20,5; 3. Ziemann (Südd.) 1:22,5; 4. Gölz (Südd.) 1:27.
Gesamtergebnis.
Westdeutschland siegt bei den Herren mit 80:72, bei den Damen mit 46:28 Punkten.
— Das Ballett Pool ® er ab vom Kasino b e Paris i n Gießen. Aus bem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: In ber Aufführung „Paganini", Operettengastspiel am Dienstag, 3. Dezember, im Stabttheater Gießen, gastiert bas erstemal bas Ballett Pool Gerab vom Kasino be Paris. Das Ballett, bas sich zufällig auf einer Tournee in Frankfurt befinbet, würbe von Direktor Baars für diese eine Vorstellung in Giehen verpflichtet.
— Der Goethe-Bund lädt im Samstag- Anzeigenteil zum zweiten Tag des zusammen mit bem Stabttheater veranstalteten Kammerspielzyklus ein. Unter bem Titel „Chinesisches Theater" findet — wie man uns schreibt — eine theaterwissenschaftlich unb bramaturgifd) interessante Aufführung bes chinesischen Stückes, „Das Spiel vom Schmetterlingstraum", statt, in ber Uebersehung von Prof. Wilhelm, dem bekannten Leiter des China-Institutes Frankfurt am Main. Leider ist Prof. Wilhelm von einer schweren Operation, ber er sich vor längerer Zeit hatte unterziehen müssen, noch nicht soweit wiederhergestellt, dah er den vorgesehenen Einführungsvortrag halten kann. An seiner Stelle wird der Lektor für chinesische Sprache an der
Universität Frankfurt, WenDüanTing, einführend sprechen und Dr. Ritter bei ber Spielleitung beraten!) zur Seite stehen. Aus technischen Grünben muh die Veranstaltung in zwei Abteilungen, und zwar getrennt nach den Anfangsbuchstaben der Mitgliebernamen, ftattfinoen. Im übrigen fei auf die Anzeige im Samstagblatt verwiesen.
** Die Ausstellung der Steuerkarten für 1 930 betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf-hingewiesen.
** Autozufammenstoh. Am Samstagabend ereignete sich an der Ecke Gartenstrahe— Ludwigsplatz ein Zusammenstoß zwischen einem Kraftwagen eines Fuhrunternehmens und einem Privatauto. Bei dieser Karambolage wurden auch das Mauerfundament und das Eifenspalier vor bem Haus« Gartenstraße/Ecke Ludwigsplatz beschädigt. Weitere Angaben über ben Schaben an den Kraftfahrzeugen unb über die Ursache des Unfalles liegen zur Stunde noch nicht vor, da bie polizeilichen Ermittelungen noch im Gange finb.
** Bon ber Jagd im Kreise Wetzlar. Der Bezirksausschuß zu Koblenz hat den Anfang
der Schonzeit für Birk- und Fasanenhennen auf den 18. Januar 1930 festgesetzt. Die Jagd auf weibliches Rehwild hat mit dem 1. Dezember begonnen; sie endigt am 31. Dezember.
•* Mit „Graf Zeppelin" um dieWe 11. Nachdem man vor einigen Tagen erst Gelegenheit hatte, in einem Vortrage des Regierungsrats Dr. S e i l k o p f von der Deutschen Seewarte in Hamburg, des Meteorologen auf der Weltfahrt des Luftschiffes „Gras Zeppelin", interessante Mitteilungen von diesem weltgeschichtlichen Ereignis zu hören, schien ber auf gestern nachmittag im Stadttheater angefetjte Vortrag des Frankfurter Publizisten Geisenheyner über das gleiche Thema für bie Veranstalter ein starkes finanzielles Fragezeichen unb für bas Publikum eine überholte Vortragsangelegenheit zu sein. Man darf heute feststellen, daß beide Annahmen fehlgingen. Der Vortrag hatte sich eines überraschend starken Besuches zu erfreuen, so daß bie Veranstaltung der Intendanz geschäftlich sicher nicht ins Hintertreffen geraten ist, unb das zahlreiche Publikum fanb in bem Dortrage eine Gabe des Sonntags, bie es hoch einschähen muhte. Ma? Geisenheyner, von Anfang bis Enbe ein blenbenber Erzähler und bildhafter Gestalter seiner überaus reichen Erlebnisse auf dieser Expeditionsfahrt des Zeppelins ins Unbekannte hinein, hielt durch bie faszinierende geistige Kraft seines Dortrages bie Zuhörer in lebhaftester Spannung. Den Flug über das weite Rußland, über die öden Steppen und Tundren Sibiriens, das Sichten des Meeres nach der beklemmenden Fahrt über der sibirischen Trostlosigkeit, den wirbeligen und doch so herzerfreuenden Empfangstrubel in Japan, den Luftschiffmarsch über den Stillen Ozean, die fast zweitägige Fahrt durch die gewaltige Nebelwand über bem Pazisic, bas Auftauchen ber amerikanischen Westküste, all ben Empfangstrubel in Los Angeles, bie Fahrt über ben amerikanischen Kontinent, Neuyork, Lakehurst, bas Wieberauftauchen Europas unb schließlich bas Wiebersehen mit ber deutschen Heimat, bazu das Leben unb Treiben an B>rd — all bas glaubte man an Hand der mit bewundernswerter rethorischer Eleganz gegebenen Schilderungen Gei enheyners selbst mitzuerleben. Langanhaltender starker Beifall brachte dem Dortragenden in über zeugender Weise den herzlichen Dank seiner Zuhörer für bie hohe geistige Bereicherung durch diese Dortragsstunde zum Ausdruck. Anschließend zeigte ©elfen* hehner noch eine Reihe guter Lichtbilder, die zu feinen Worten eine vortreffliche Illustration gaben. Man wird an dieses Vortrags: rleü.üs mit hoher Befriedigung zurückdenken.
*• Bienenkorb-Weihnachtsverkauf. Dom 2. bis 14. Dezember veranstaltet ber „Bienenkorb" (Abteilung des Alicesrauenvereins, Zweigverein Gießen) im Hause Neuenweg 8 am Kreuzplatz eine Handarbeits-Ausstellung mit Weihnachtsverkauf. Das im Jahre 1921 ins Leben gerufene wohltätige Unternehmen hat seither einer größeren Anzahl von Rentnerinnen durch Scha'fiung von Arbeitsgelegenheit die Lebensführung erleichtert. Cs besteht — wie bie rege Beteiligung zeigt — auch weiterhin bas Bebürfnis, diese Arbeit fortzuführen. DemWeih- nachtsverkauf ist deshalb ein guter Erfolg zu wünschen, und es wird um regen Besuch unb Unterstützung der Bestrebungen bes „Bienenkorbs" gebeten. Kindercleider, Wollsachen unb Hanbarbeiten aller Art werben eine hübsche und praktische Bereicherung jedes Weihnachtstisches barstellen. Die Verkaufsstelle ist vom 3. bis 14. Dezember täglich von 9 bis 13 unb von 15 bis 18 Uhr geöffnet Man beachte bie heutige Anzeige.
' Gießener Eisverein. Man berichtet uns: In seiner Mitglieberversammlung hat ber Gießener Eisoerein beschlossen, künftig mehr bem sportlichen Betrieb auf ber Eisbahn Rechnung zu tragen. Wie im vergangenen Jahr erstmalig nach bem Kriege wieber Wettkämpfe ftattfanben, so soll es auch weiterhin gehalten werben. Man wirb nur noch mehr bie Wettkämpfe denen des Deutschen Cislaufverbandes anpassen, um so eine Grundlage zu schaffen, auf der späterhin auch mal Kämpfe mit anderen Vereinen sich ermöglichen lassen, bzw. Teilnahme an auswärtigen Wettkämpfen erfolgen kann. Der eigens hierfür gewählte Sportausschuß wird hierfür frühzeitig die nötigen Maßnahmen treffen. Schon vor dem Kriege war einmal der Plan gefaßt worden, Eishockey zu spielen; doch blieb ihm mit Kriegsausbruch die Verwirklichung versagt. Einer Anregung der Wintersport-Riege des Tv. 1846 zufolge wird jetzt auch dieses Spiel auf der Eisbahn seinen Platz finden. Es ist nur zu hoffen, daß dies vom Eisverein mit erheblichen Kosten erstellte Uebungsfeld recht viele Benutzer sieht. Auch soll noch versucht werden, für ältere Herren das Eisschießen einzuführen, das ein in Bayern sehr beliebter, dem Kegeln ähnelnder Eissport ist. Da mit der regeren Aufnahme des Eissportes ber Gebanke eines Anschlusses an ben großen Deutschen Eislaufverband nahe liegt unb auch wohl nicht zu umgehen ist, wird am Mittwoch im Cafe Astoria eine Besprechung stattfinden, zu ber ein Vertreter bes westbeutschen Eissportverbanbes erscheinen wirb. Alle Damen unb Herren, bie sich an einem ber oben angeführten Uebungszweige beteiligen wollen, werben hierzu eingelaben. (Siehe heutige Anzeige.)
Berliner Börse.
Berkin, 2. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Frühverkehr lag ohne Anregungen vollkommen geschäftslos unb abwartend. Kurse waren noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,85, London gegen Mailand 93,18, London gegen Spanien zirka 35,25
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Chronische Stnhlverstopsung.
Bei chronischer Stuhlverstopfung oder Hartleibigkeit werden durch ausbleibenden Stuhlgang bie unbrauchbaren Bestanbteile ber Nahrung zu lange im Darm zurückgehalten. Der Darm füllt sich baßer übermäßig an unb übt auf anbere Organe einen lästigen Druck aus, ber häufig Beklemmungen unb allgemeines Unbehagen hervorruft. Außerbem gelangen Gärungs- unb Fäulnisstoffe aus dem Darminhalt in das Blut, verbreiten sich im ganzen Körper und können ebenfalls viele Beschwerden verursachen. Es ist daher ratsam, Hartleibigkeit rechtzeitig zu bekämpfen, und zwar durch Gebrauch eines rein Pflanzlichen Abführmittels, wie es die vielfach bewährten Apotheker Richard Brandt's Schweizer- Pillen sind, bie man in allen Apotheken erhält. Sie bewirken in milder unb boch zuverlässiger Weise, daß ber Stuhlgang regelmäßig und ausreichend erfolgt 4733v


