Ausgabe 
2.12.1929
 
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Nr. 282 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Montag, 2. Dezember 1929

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck und Verlag: vrühl'sche UmoerfitStr-vuch- und Steindruckerei K Lange in Siehrn. Schriftlcitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.

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Die zweite Besatzungzone geräumt.

(Äamsiagvormiiiag 11.15 ühr wurde auf dem Ehrenbrei'istein in Anwesenheit der Rheinlandkommission, des Oberkommissars Tirard, des kommandierenden Generals Thevenin, und des Chefs der Rheinarmee Guillaumat sowie der restlichen Besatzungstruppen unter den Klängen der Marseillaise die Trikolore eingezogen. Die Truppen wurden aus dem Mosel-Güterbahnhof verladen. 12.55 Uhr setzte sich der Truppentransport in Richtung Metz in Bewegung.

Die Vesreiungsseier in Koblenz.

Um Mitternacht am Tcutschcn Eck.

Koblenz. 1. Dvz. Das Deutsche C cl ist Zeuge vieler froher, nach dem Weltkriege aber auch trüber Stunden des deutschen Dolles ge­rne,en; aber noch nie hat es um sich eine so zahlreiche und innerlich so bewegte Menge ver­sammelt gesehen wie in der heutigen De- freiungs stunde der zweiten Zone. Ob­gleich die Feier erst um Mitternacht ihren An­fang nimmt, sind doch die Ufer schon von 10 Uhr abends an dicht beseht, aber alles vollzieht sich in einer würdigen Ruhe, nirgends wird lär­mende Lustigkeit laut. Als um Mitternacht das Abfeuern einer Signalrakete aus dem Iteucn- dorfufer sowie das große Aufleuchten an Rhein und Mosel, still begleitet von dem feierlichen Ge­läut sämtlicher Glocken, den Beginn der Be- frciungsstundc verkündet, da entblößen sich die Häupter. Lautlose Stille tritt ein, und in tiefem Schweigen wandern die Gedanken der Dersam- melten noch einmal in Die schwere Zeit des Krie­ges zurück und in die nach ihm folgenden Jahre der Besatzung. Wuchtig und eindrucksvoll wie ei Dantgebet klingt dann die erste Strophe des Liedes:Großer Gott, wir loben dich!" zum nächtlichen Himmel empor. Oberbürgermeister Dr. Russell gedenkt dann der Tatsache, daß Ko­blenz zwar heute seine Freiheit wieder erhalten hat, daß aber die Brüder vom Ober* rhein, non Mosel und Saar immer noch nicht in die Einheit des freien deutschen Baler- landes zurüclgekehrt find Auch der vielen Opfer dieser bösen Zeit an Leib und Leben, Gut und Ehre gedenkt er. Während er diese Worte spricht, geht nach elf Jahren zum ersten Male wieder, die deutsche Reichsflagge auf Ehren* b r e i t st e i n in die Höhe Freudig stimmt die Menge die erste Strophe des Deutschlandliedes an. Dann spricht

Reichsminister Or. v. Guerard:

jeftfeuer spiegeln sich nach alter deutscher Sitte im vaterländischen Strom. Die Glocken läuten und droben auf dem alten Wahrzeichen des Zusammen­flusses von Rhein und Mosel ist gestiegen des Reiches Symbol, der deutschen Republik Standarte, droben wo mir einst, Schmerz im Herzen, steigen sahen fremde Fahnen, das Sternenbanner, dann die Tri­kolore, weht die deutsche Fahne als Zei­chen der Befreiung von fremder Be­ t; u n g. Niemals ist die unlösliche nationale Ver­bundenheit des rheinischen Volkes mit dem großen deutschen Vaterland so erhebend in die Erscheinung getreten wie in den schwersten Stunden einer hinter uns liegenden Vergangenheit; an diesem Ort gedenke ich des W e g b c r e i t c r s d e n t s ch e r F r e^i h c i t, dessen mutige Tat die Beendigung Des verlorenen Ruhrkampfes war, G u st a v S t r e s e m a n n. Rhei nische Treue hat nie gewankt, rheinische Kraft hat nie versagt. Mit dieser Tatsache mußte sich auch die Poli­tik unserer ehemaligen Gegner absinden; die nament­lich in der Separatistenzeit wachgewordenen Träume von der Loslösung rheinischen Gebietes vorn deut schen Mutterland wurden still. Für uns ist heute Die Stunde der Freude gekommen. Mir ist es eine mich tief bewegende innere Genugtuung, daß ich Ihnen hier den Dank der deutschen Re­gierung und damit den des deutschen Volkes aus- jprechen darf für ihre vaterländische Haltung, für ihre nie wankende deutsche Treue, für ihre opfervolle Pflichterfüllung für die gesamte deutsche Nation. Der Glaube an des ungeteilten Deutschlands Zukunft wurzelt in unserer aller Herzen. Für dieses Deutsch­land zu wirken in Freiheit ist unsere stolze Aufgabe.

BeethovensDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre", Dorgetragen von über 700 Mitgliedern des Mittelrheinischen Sängerbundes schloß die würdig verlaufene Feier. Langsam nur löste sich die gewal­tige Menge auf. Einige Tausend versammelten sich nochmals bei einem patriotischen Volkskonzert im Großen Saale der Stadthalle.

Der Festakt am Sonntag.

Rach der eindrucksvollen Feier am Deutschen Eck war der Sonntag Dem Dank an Diejenigen gewidmet, die zur Mcbertoinöung Der schweren Jahre Der Besetzung in erster Linie beigetragen haben. Die Dankgottesdienste, die in Den Kirchen aller Konfessionen am frühen Morgen stattfanden, erfreuten sich eines guten Besuchs, ebenso die auf allen öffentlichen Plätzen veran­stalteten musikalischen Darbietungen. Besonders eindrucksvoll verlies der F e st a k t im großen Saal der Etadthalle. Oberbürgermeister Dr. Russell umriß noch einmal d i e Leidens­zeit. die Koblenz in Den vergangenen elf Jahren durchgemacht hat, gab aber ebenso Der festen Zuversicht Ausdruck, daß das getreue Zu­sammenstehen aller Bevolkerungskreise Den frühe­ren Wohlstand Der Stadt wieder begründen werde. Lebhaften Beifall sand die Derlei- hung des Ehrenbürgerrechts der Stadt

Koblenz an den verdienten Oberpräsidenten Der Dheinprovinz, Dr. Fuchs.

Kultusminister Dr. Becker,

Der ©ruß und Glückwünsche Der Reichsregierung und Der preußischem Staatsregierung überbrachte, führte aus: Bei aller berechtigten FreuDe über das Erreichte sollten wir Die realen Tatbestände unserer vaterländischen Rot nie aus dem Auge verlieren. Das Haus der deutschen Freiheit wird nur langsam wieder errichtet. Aber unser Freiheitsbau wird schon sichtbar. Das Ende der zweiten Bauperiode feiern wir heute. Der Geist der Zusammengehörigkeit muß immer stärker unser öffentliches Leben durchdringen; Dann braucht uns um das Haus Der Freiheit nicht bange zu fein. Aber das Haus will erbaut sein. Richt Worte, sondern Arbeit, vor allem an uns selber. Wie im Zeitalter tiefer deutscher Rot vor hundert Jahren aus dem Geiste unserer großen Dichter und Patrioten das deutsche Ratio­

nalbewußtsein erwuchs, das den Rationalstaat erst möglich machte, erwächst in der Zeit unserer Rot das Bild der neuen deutschen Menschen in einer neuen geistigen Gemeinschaft. Richt bra- marbasierend, nicht kritisierend, nicht verzwei­felnd, sondern arbeitend und Lei st un gen schaffend vom Einzelmenschen aus. Das ist es, was Dem Ausland imponiert und was uns Den uns gebührenden Platz in Der Welt zurück­geben wird. Ich grüße alle Mitarbeiter an diesem herrlichen Werk, ich grüße Koblenz, ich begrüße Die befreite Zone, ich grüße das ganze Deutschland!

Am Rachmittag kam es zu einer Fülle von Veranstaltungen, in Denen überall Die Freude über die Befreiung der Stadt sichtbar wurde. Einen würdigen Abschluß der ganzen Feier bil­dete am Abend eine Festvorstellung im Koblen­zer Stadktheater. in der .W i l h e l in Teil" aufgeführt wurde.

Die Räumung Aachens.

Aachen, 30. Rov. (WB.) Heute vormittag kurz nach 10,30 Uhr wurde öie belgi^che Fahne, die feit elf Jahren auf dem Turm des Hauptquartiers wehte, e j n g e h o 11. Die Trup­pen hatten vor Dem Gebäude im Carre Parade- aufftcllung genommen. Rachdnn der General die Front abgeschritten hatte, spielte die 'Kapelle Die Braban^onne, bei deren Klängen die Fahne langsam sank. In den angrenzenden Straßen hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingesundcn, Die der Einholung des belgischen Hoheitszeichens mit begreiflicher Spannung folgte. Die Truppen wurden mit Der Dahn nach Ramur bcförDcrt. Rach dem Abzug Der Belgier ist Die ganze Stadt ohne Anterschied Der Stände und Klassen von großer Freude erfüllt. Auf dem Hauptplah sprechen sich Die Leute über tausend Erlebnisse aus Der Besahungszeit aus. Dom Rathausturm gibt ein Lautsprecher die Ereignisse bekannt und füllt die Pausen mit Musik aus. Die Stadt ist ein Fahnenmeer. Ueberall ist Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Weiß-Rot, das preußische Schwarz-Weiß und das Schwarz-Rot der Stadt Aachen geflaggt. Lieber Der Stadt kreuzen Flugzeuge mit deutschen Wimpeln.

Am Abend leitete ein Fackelzug durch die Stadt die festliche Befreiungsstunde ein. Mit Dem Glocken­schlag 12 Uhr erhoben alle Glocken der Stadt die Stimme, um die Stunde der Freiheit einzuläuten. Bor Dem Rathausplotz ffanD Die Aachener Bevölke­rung Kopf an Kopf, Fackeln in der Hand. Oberbür­germeister R o m b a ch gedachte der Opfer Der No- uembertage 1923, an denen gegen verräterische Ge­waltherrschaft, die die Trennung vom Rhein und Reich anstrebte, das Volk aufstand und den Sepa- ratislenspuk hinwegfegte. Aachen ist frei! Elf Jahre Der Fremdherrschaft haben ihr Ende gefun­den. Wir trugen es in Trauer und Treue. Nun sind diese Jahre versunken und höher schlagen die Herzen aller. Mit Wehmut grüßen wir jene deutschen Brü­der und Schwestern am Rhein und an der Saar, Die noch weiterhin dem Druck der Fremd­herrschaft ausgesetzt sind. Mit ihnen bleiben wir in engster Schicksalsgemeinschaft verbunden. In Trauer und Treue gedenken wir auch der Volksgenossen, die ein st mit unserem Bezirk politisch und wirtschaftlich verbunden waren und heute von uns getrennt sind. Wir kennen die Gefühle, Die in dieser Stunde ihre Herzen durch­zittern. Wir wissen, welche Hoffnung diese Mitter­nacht auch heute in ihnen weckt, und wir glauben mit ihnen an die Macht Des Rechts, das immer noch als siegreich sich erwiesen. Aachen ist frei. Wir wollen in dieser Stunde das Gefühl der Einig­keit in uns stärken und fe fügen. Durch ernste gemeinsame Arbeit am Volk, vor allem an unserer Jugend, wollen wir den Geist Der Einigkeit zurück­gewinnen, Der des Deutschen Reiches ruhmvolle Ge­schichte geschrieben hat. Nach dem Oberbürger­meister sprachen noch Der Reichsminister Dr. Wirth und der preußische Wohlfahrtsminister H i r 1f i c = ser zu der Menge, Die am Schluß der Feier be­geistert das Deutschlandlied fang. , Eine Kundgebung des Öber- präsidenten.

Koblenz, 30. Rov. (WTB.) Der Ober- Präsident Der Rheinp rovinz Dr. Fuchs hat aus Anlaß Der Befreiung der zwei­ten Zone folgende Kundgebung erlassen:

Die zweite Besahungszone ist geräumt. In Der Rächt vom 30. Rovember zum 1. Dezember werden zwei Millionen Deutsche die Freiheit wieder erlangen. Dom Eh­

renbreitstein und Dem Dienstgebäude des Ober- Präsidenten, das mehr als 10 Jahre Der Rhein- lanöfommiffion als ilnterhmft gedient hat, wird wieder die deutsche Flagge wehen. In dieser Stunde gedenken wir zunächst Der Brü­der und Schwestern, dieinder Dritten Zone des besetzten Gebiets und Der Saar weiter­st i n für Doll u n D TJatcrlanD fremde Macht z u Ertragen haben. Ihnen gilt un­ser herzlicher Gruß. Wir fühlen uns mit ihrem Schicksal nach wie vor innig verbunden. Wir hoffen zuversichtlich. Daß auch ihnen recht balD die Stunde der Freiheit schlägt. Mit offenen Ar­men werden wir die Getreuen von der Saar im Vaterhause empfangen. Linser Dank gilt heute der Rcichsregierung, deren wcitfchauende Politik die Grundlage für die vorzeitige Räu­mung gelegt hat. Dankbar gedenken wir Der Für­sorge, Die Reich und Staat unserer Heimat in schwerster Zeit haben zuteil werden lassen. In gläubiger Zuversicht blicken wir auch weiterhin zu ihnen, Die auch in Zukunft treue H ü - ter unserer Belange fein tocrDcn. Es wird noch durchgreifender Maßnahmen bedürfen, um die von der Besetzung betroffenen Gebiete ent­wicklungsfähig zu gestalten. Dec Bevölkerung des nunmehr befreiten Gebiets spreche ich auf­richtigen Dank und wärmste Aner­kennung aus für Die würdige Haltung, Die sie in langen Jahren Der Besetzung gezeigt hat. Dank Der Einsicht aller Beteiligten hat sich auch Die Räumung Der zweiten Zone ohne jeden Zwischenfall vollzogen. Liniere Opfer find nicht vergebens gewesen. Heute sehen wir die dunkelste Strecke des einst endlos scheinenden Weges hinter uns. In dieser großen Schicksals- stunde geloben wir, auch weiterhin treu zurRegierung und Volksvertretung zu stehen, sie in ihrer aus restlose Räu­mung und Rückgabe des Saargebie- t e s gerichteten Politik nachdrücklichst zu unter­stützen. Rur aus freiem deutschen D o - den können Frieden und Wohlfahrt gedeihen

Hindenburg

an das befreite Gebiet.

Koblenz, 30. Rov. Der Obcrpräfibent der Rheinprovinz sandte heule nachmittag folgendes Te­legramm an Den Herrn Reichspräfiden- t e n:

Berichte gehorsamst, französische Flagge vom Ehrenbreitsiein um 11,15 niedergehott. Letzte Trup­pen nicken ab. Zweite Zone frei.

Oberpräfident Auch s."

Der Herr Reichspräsident erwiderte dem Oberpräsidenten mit folgendem Telegramm: 3n der Stunde, da die Räumung der zweiten Zone beendet und diesem Gebiet die Freiheit wieder- gegeben ist, gedenke ich in Dankbarkeit der treuen rheinischen Bevölkerung. Sie hat in den elf Jahren fremder Besatzung schwe­res Schicksal erduldet, aber die Treue Zum Baterlanbe in harten Tagen erprobt Das soll ihr unvergessen bleiben! Allen denen, die im filange der Freiheilsglocken sich heule zur Er­neuerung ihres Bekenntnisses zum Baterlanbe in dem nun befreiten rheinischen Gebiet versammeln, entbiete ich in enger Berbunbenheit herz­lichste Grüße. Ich verknüpfe bamit bie Hoff­nung, baß auch bem noch besetzten Teil deutschen Canbes "halb bie Stunbe ber Fre ih ei t schlagen möge.

v- Hindenburg, Reichspräsident."

Der Gruß des Reichskanzlers.

Berlin. 30. Rov. (WTB.) Der Reichskanz­ler hat aus Anlaß Der Befreiung Der zweiten Zone Des besetzten Gebietes an Den Oberpräsi- Denten Der Rheinprovinz Das nachstehenDe Tele­gramm gerichtet.

Am heutigen Tage hat Die frcmDe Besatzung Die zweite Zone Des besetzten Gebietes ver­lassen. Die Fahne schwarz-rot-gold weht wieder über unabhängigem deutschen Lande. Als freie Deutsche tonnen uns unsere Brüder wieder Die Hand reichen. In diesem feierlichen Augenblick deutscher Geschichte ist es Der Reichs­regierung eine Herzenssache, allen Unseren Volks­genossen Des jetzt befreiten Gebietes Die innig­sten und freudig st en Grüße zu ent­bieten. Sie verbindet Damit Öen Dank des ganzen Deutschlands für Die Charakter­stärke und nationale Würde, mit der die Be­wohner der zweiten Zone alles Schwere Der vergangenen Jahre getragen haben"

Hessens Glückwunsch.

Darmstadt, 30. Rov. Staatspräsi­dent D r. Adelung hat an Den Obervräsi- denten Dr. Fuchs in Koblenz folgendes Glück­wunschtelegramm gerichtet:An Dem Tage, der Der zweiten Besatzungszone Die Freiheit bringt. geDcntt Das HessenlanD mit herzlichen Glückwünschen Der befreiten Gebiete. Stark und lebendig ist Der Anteil. Öen Hessen an Dem Ereignis nimmt, Denn die Räumung der zweiten Zone bringt uns Der Stunde näher, an Der mit der endgültigen Räumung der deutschen West­gebiete der besetzte Teil Deutschlands von be­sonders schweren Besatzungslasten befreit wird. Mögen die Gebiete am Rhein einer glückhaften Zukunst entgegengeben.

gcz Adelung, Staatspräsident."

Die Ebbe Der Reichskaffe.

Neuer 2VV-Millionen-Kredit Hilferdings.

B e r l i n , 1. Dez. (Priv.-Tel.) Die Verzögerungen in Der Erledigung Der parationsfragc wirken sich leibcr jetzt auch insofern recht empfindlich auf die Neichskasse aus, als Der Reichsfinanzminister nun­mehr gezwungen ist, entgegen Der ursprünglichen Dispositionen an Stelle Der Zahlungen Nach dem Uoungplan solche n n d) bem Dames plan vorzunehmen. Aus diesem Grunde erfährt Die Reichskasse naturgemäß eine außerordent lid) starke BeIastung, Die um so empfindlicher stt, als die Möglichkeiten, durch Ausnahme neuer Schatzwechsel sich auszuhelfen, erschöpft sind, und außerdem Der seinerzeitige Schatzwechselkredit nun­mehr abgelöft werden muß. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding hat sich deshalb, wie wir erfahren, gezwungen gesehen, erneut mit den Banken in Verhandlungen einzutreten, die bereits zu einem Ab­schluß gekommen sein sollen. Ucbcr die Höhe dieses Kredites, der wiederum Öen Namen Ueber - brürfungsfreöit führt, mirö zwar noch Still schweigen bewahrt, Doch gehl man in Der Annahme kaum fehl, daß cs sich auch Diesmal wieder um etwa 200 Millionen handelt, da bei der Ueberrechnung Der Ultimonnfprüdje an Die Reichs lasse ein Betrag von ungefähr dieser Höhe ßeraus- kammt, der eben noch aufgebracht werden muß. Da­mit sollen, wie wir hören. Die Schwierigkeiten für die Reichskasse behoben sein, vorausgesetzt. Daß die Finanzreform endlich zur Durchführung gc langt.

Dos deutsch-schwedische Handels­abkommen.

Berlin, 30. Rov. lWTB.l Ein neues Han- delsabkommen mit Schweden ist heute unter­zeichnet worden. Rach dem neuen Abkommen fällt die Bindung der Getreide zolle völlig fort, ebenso die Bindung des Zolles für Schweine, Schweinefleisch und an- ? ercs frisches Fleisch. Der Zoll auf lebendes Rindvieh wird allgemein auf 24.50 Ml erhöht, Schweden jedoch ein Kontingent von 5000 bis 700? Stück Rindvieh jährlich zum bis. herigen Zollsatz von 16 Mk. b claffen. Sonstige Erleichterungen für die schwedische Landwirt- schast find vorgesehen. Im übrigen bleiben die Vereinbarungen des Handelsvertrages vom 14. Mai 1926 bestehen. Reue Vereinbarungen über industrielle Zölle sind nicht ge­troffen worden. Das Abkommen muß sowohl bom Deutschen wie vom Schwedischen Reichs­tag angenommen werden. Da der Schwedische Reichstag erst im Laufe des Januar zusam- mentritt, ist mit Der Inkraftsetzung des Ab­kommens nicht vor Februar 1930 w rechnen.