Sie Reichsresorm im Südwesten.
Koch-Weser
zu den hessischen Reformvorschlägen.
Frankfurt a. M., 1. Mai. Der Führer Der Demokratischen Partei. Reichsjustizimmster o. D. Koch-Weser, beschäftigt sich in einem Zeitungsartikel mit den Vorschlägen der hessischen Minister Adelung und Leuschner sowie den Gegenvorschlägen des preußischen Innenministers Grzesinski zur Frage der Reichsreform. Der frühere Reichsjustizminister äußert gegen alle drei Vorschläge Bedenken und kommt zu folgendem Schluß: So wichtig die Der- waltungsreform ist, so wenig kann die Reichsreform über den Lmweg der Verwaltungsreform erreicht werden. Erleben wir doch seit Jahrzehnten einen Kampf um die Verwaltungreform in den Ländern, ohne in dieser Frage auch nur über die ersten Schritte von mehr oder weniger lokaler Bedeutung hinausgekommen zu sein. Das liegt in der Ratur der Sache. Denn es ist klar, daß die gegenwärtige uneinheitliche Struktur des Reichs eine weitgehende Lneinheitlich- keit des Verwaltungsaufbaues der Länder zur Folge hat, daß aus dem gleichen Grunde die vielfache Leberschneidung der Verwaltungsgrenzen zwangsläufig ist und daß, so lange nicht diesem Grundübel dur ch Herbeiführung einer einheitlichen Reichsorganisation mit einheitlicher organisierter Mittelinstanz gesteuert werden kann, die sogenannte Verwaltungsreform in der Beseitigung örtlich bedingter M ih- stände von relativ geringfügiger Tragweite stecken bleiben muß.
Was hat die Erhöhung der Reichsbahntarife eingebracht?
D e r l i n. 2. Mai. (Priv.-Tel.) Als die Reichsbahn zum Oktober vergangenen Iahres ihre Tariferhöhung erzwang, setzte sie auf die damit verbundenen Mehreinnahmen die größten Hoffnungen. Inzwischen ist ein halbes Iahr vergangen. aber trotzdem läßt sich, wie uns von zuständiger Seite erklärt wird, noch kein abschließender Leberblick über die finanziellen Auswirkungen dieser Tarrferhö- h u ng machen. Vergleichbar wären nur die verschiedenen Monate mit denen des Vorjahres, aber die anormale Entwicklung des Personenverkehrs durch die Aussperrung der Eisenindustrie im Rovember, die den Berufsverkehr fast ganz niederlegte und den geschäftlichen Verkehr auf lange Zeit hinaus fühlbar zum Stocken brachte, zusammen mit den verkehrshindernden Folgen des außerordentlich kalten Winters, verschieben jeden Vergleichsmahstab. Das gleiche gilt auch für den Warenverkehr, denn die Steigerung der Kohlentransporte, die nur zu sehr niedrigen Sätzen berechnet werden, scheint noch kein Aequivalent für den Ausfall fro st gefährdeter Waren zu sein. Interessant ist, daß die Meinungen der Fachleute über die Auswirkungen des Konjunkturabstiegs gegenüber dem Vorjahr, abgesehen von Aussperrung und Kälte, sehr auseinandergehen, ja, daß einige Theoretiker im Reichsbahn-Zentralamt glauben feststellen zu können. daß der reine Warenverkehr nicht wesentlich geringer geworden ist, so daß hier der Konjunkturabstieg noch nicht direkt fühlbar wäre.
Unter diesen ilmftan&cn dürfte es auch im Oktober dieses Iahres. wenn die Tariferhöhung ein Iahr besteht, außerordentlich schwierig sein, ihre Auswirkungen einwandfrei zu berechnen. Die Mitte dieses Monats stattfindende Ver- kehrszählung ist eine der vier üblichen Prüfungen, die regelmäßig im Iahre vorgenommen werden.
Vor neuen Kämpfen in China.
Schanghai, 1. Mai. (Reuter) Der Präsident der Rationalregierung, General Tschiangkai- s ch e ck, scheint einen Feldzug gegen Marschall Feng zu planen. Die Krise ist dadurch auf ihren Höhepunkt gekommen, daß Fengs Vertreter, der den Auftrag hatte, Tsinanfu, die Hauptstadt von Schangtung, von den Iapanern zu übernehmen, plötzlich seine Streitkräfte nach
der Provinz Honan zurückgezogen hat. Daß die Lage ernst ist, geht aus der Flucht zahlreicher Anhänger Fengs aus Ranking hervor, unter denen sich der Kriegsminister General Lutschunglin befindet. Gut unterrichtete Beobachter glauben, daß ein neuer Kampf unvermeidlich sei, wenn nicht Marschall Feng ins Ausland gehe. Viele Umstände begün
stigten General Tschiangkaischeck, vor allem das Verschwinden der Wuhanpartei, deren Truppen jetzt zur Verwendung gegen Feng verfügbar seien und die ernste Krankheit Fengs, der Magenkrebs haben soll. Auch leidet Marschall Feng unter Mangel an Munition und infolge der in den Provinzen Honan und Kwansu herrschenden Hungersnot auch unter Mangel an Lebensmitteln.
Deutsche Forderungen im Genfer Abrüstungsausschuß.
Genf, 1. Mai. (WB.) Leber die Tabellen zur Erfassung der einzelnen Kategorien der Effektivbestände ist im Vorbereitungsausschuh für die Abrüstungskonferenz noch keine Leber ei n- st i m m u n g erzielt worden. Die Delegationen Frankreichs, Italiens und Iapans konnten sich zwar auf eine gemeinsame Formel einigen, die aber von der englischen und amerikanischen Delegation angefochten wurde, da die vorgeschlagenen Kategorien auf Länder mit Berufsheeren nicht angewendet werden könnten. Die Frage wurde schließlich zur Ausgleichung der neuen Schwierigkeiten vertagt. Ohne wesentliche Aenderung wurden die übrigen Artikel des Kapitels über die Effektivbestände dann in zweiter Lesung abgeschlossen, wobei jedoch ausdrücklich festgestellt wurde, daß die Erfassung der Flotteneffektivbestände erst bei Behandlung dieses Kapitels geregelt werden soll. Zur Frage der Effektivbestände der Luftstreitkräfte wurde von Frankreich ein Kompromißvorschlag eingebracht.
Zum Schluß der Sitzung gab Graf Bernstorfs eine grundsätzliche Erklärung über die Rotwendigkeitv der Herabsetzung der Dienst dauer und des jährlichen Re - krutenkontingentes ab. Die deutsche Regierung wird bei der Prüfung der Frage, ob eine Herabsetzung der Rüstungen stattgefunden hat, nicht nur die Zahl der Effektivbestände unter den Fahnen und die Dienstzeit als entscheidend ansehen können. Sie wird in diesem Zusammenhang auch der Frage des Materials größte Bedeutung beimessen: denn wenn man schon nicht die Reserven selbst direkt beschränken will, so kann man doch das Material herabsehen, das die Voraussetzung zur Verwendung der Reserven zu Beginn eines Krites bildet. Die deutsche Delegation wird bei Behandlung des entsprechenden Kapitels auf diese Frage besonders zurückkommen.
Der entscheidende Faktor für die Verminderung der Rüstungen eines Heeres der allgemeinen Wehrpflicht ist die Höhe des Rekrutenkontingentes, und ich halte es für unerläßlich, daß zur Herbeiführung einer wirllichen Rüstungsverminderung von Heeren der allgemeinen Wehrpflicht eine wesentliche Herabsetzung des jährlichen Kontingents erfolgt und die hierfür festgesetzten Zahlen von den vertragschließenden Staaten nicht überschritten werden dürfen. — Graf Bernstorff brachte im Sinne dieser Erklärung einen Abänderungsantrag ein.
Auf eine Frage Litwinows über die wahrscheinliche Dauer der jetzigen Beratungen machte der Vorsitzende Politis Vorschläge über das Arbeitsprogramm, die jedoch, wie Lord Cushendun und Graf Bernstorff betonten, keinen verbindlichen Charakter haben. Rach diesem Arbeitsprogramm wird der Ausschuß zunächst noch die heute offengebliebenen Restpunkte über die Effektivbestände der Landstreitkräfte erledigen und dann in die Beratung des Kapitels über das Reserve- und gelagerte Kriegsmaterial eintreten. Aber auch hier soll nur der Abschnitt über die Landrüstungen behandelt werden. Der Ausschuß würde dann entweder bereits Ende dieser Woche oder im Verlauf der nächsten Woche seine gegenwärtige Tagung unterbrechen, aber vor der nächsten Völkerbundsversammlung zum Abschluß seiner Arbeiten, d. h. vor allem zur zweiten Lesung des Kapitels über die Flottenabrüstung, zusammentreten. Ein Datum für die Wiederaufnahme der Tagung wurde noch nicht angegeben. Außerdem schlug der Vorsitzende vor, im August einen Schlußbericht an den Völkerbundsrat auszuarbeiten, der in drei Abschnitte zerfallen soll: 1. Entwurf des Abrüstungsabkommens, 2. Analyse der gesamten Aussprache und 3. Vorbehalte und sonstige Erklärungen der einzelnen Delegationen.
Tragödie einer Bergbesteigung.
Ein leichtsinniger Lugendführer vor Gericht.
Berlin, 1. Mai. (WB.) Die Tragödie am Matterhorn, bei der am 13. Juli v. I. der 16jährige Berliner Unterprimaner Alexander Bradt verunglückt ist, bildete heute den Gegenstand einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin- Schöneberg. Angeklagt waren der 32 Jahre alte Hilfszeichenlehrer Walter Behm, der jetzt von seiner Lehrtätigkeit am Reform-Realgymnasium in Niederschönhausen suspendiert ist, und der 21jährige -student und Sportlehrer Werner Eichler, die durch ihre Fahrlässigkeit den Tod des jungen Bradt verursacht haben sollen. Der Angeklagte Behm hat sich seit langer Zeit als Führer von Jugend wandergruppen betätigt und in den letzten Jahren auch hochalpine Touren ausgeführt, obgleich er in dieser Beziehung Autodidakt ist und grundsätzlich auf die übliche Unterstützung durch ortskundige Führer verzichtete. So hat er auch mit den Primanern Bradt und Günther Stipp und in Begleitung Eichlers, der ihn schon bei früheren Hochtouren unter- stützt hatte eine Besteigung des Matter- yorns unternommen. Ungefähr 50 Meter unter dem Gipfel kehrte die Gruppe wegen eines heranziehenden Gewitters um. In der Nähe der Sol- vay-Hütte geriet die Gruppe in Nebel, und es entstand einige Unsicherheit über denWeg. Behm ging voraus, um das Terrain zu untersuchen, während Bradt, der nicht an geseilt war, bei Eichler und Stipp zurückblieb, die ihrerseits durch ein Seil miteinander verbunden waren. Eichler, der
nunmehr als Führer der Gruppe zu gelten hatte, hat nun merkwürdigerweise zugelassen, daß Bradt sich von ihm trennte und allein oorausging. Von diesem Augenblick an blieb Bradt verschwunden. Auch seine Leiche ist niemals ge- fanden worden. Die Anklage macht Behm weiterhin noch den Vorwurf, daß er nicht sofort eine Rettungsaktion einleitete, sondern erst in Zermatt die Meldung erstattete. Die in der heutigen Verhandlung vernommenen alpinistischen Sachverständigen übten die s ch ä r f st e Kritik an dem Verhalten des Angeklagten Behm. Die beiden Angeklagten erklärten ihrerseits, daß der verunglückte Bradt genügend gewandt gewesen sei, um gefahrlos eine Tour wie die aufs Matterhorn, unternehmen zu können.
In vorgerückter Abendstunde verkündete Land- aerichtsdirektor Ziegel das Urteil, das gegen den Angeklagten Behm auf 6 Monate Gefängnis mit Bewährungfrist und gegen den Angeklagten Eichler auf Freisprechung lautete. Der Vorsitzende wies in der Urteilsbegründung darauf hin, daß es als Fahrlässigkeit bei beiden Angeklagten bezeichnet werden müsse, sich m i t 1 6 j j ä h- rigen Jungen an die Besteigung des Matterhorns heranzuwagen, zumal vor der Abfahrt ausdrücklich betont worden fei, daß schwere Bergtouren unterbleiben sollten. Beide Angeklagten hätten in keiner Weise die zur Besteigung erforderlichen Voraussetzungen in alpinistischem Sinne erfüllt. Das Gericht, so betonte der
Das Kind auf der Briefmarke.
Von M. Büttner.
Unsere Zeit ist so oft das „Jahrhundert des Kindes" genannt worden. Die stärkere innere Anteilnahme, die sich in unseren Tagen dem wahren Wesen des Kindes zuwendet, spiegelt sich auch auf einem Gebiet, von dem man es auf den ersten Blick kaum annehmen sollte: in den Darstellungen auf Briefmarken. Eine ganze Reihe graphischer Künstler des Postwertzeichens ist sich des Reizes be- wußt, den die Züge drolliger Kindlichkeit in der Zeichnung dieser kleinen amtlichen Dokumente auszuüben vermögen. So finden sich denn im Sammelalbum manche Marken, die mit niedlichen Kinderfiguren geschmückt sind, ähnlich wie sie als Putten in der bildenden Kunst und in der Architektur feit langem als beliebtes Ziermotiv und anmutig dekoratives Beiwerk verwendet werden.
Besonders lebendig und lustig schauen uns die — auf allen Seiten — pausbäckigen beiden Knirpse an, die F. A. von Kaulbachs Zeichenfeder 1911 auf Marken Bayerns gelungen sind und die sich mit einem riesigen, das Porträt des damaligen Prinz- regenten umgebenden Früchtekranz abquälen. Etwas rokokohaft angehauchte Babypärchen sind auf den Postwertzeichen Liechtensteins von 1920—21 als Füllhorn- und Wappenträger emsig beschäftigt. Ein paar rundliche Rangen, die sich in aller Oeffent- lichkeit der amtlichen Briefmarke sogar zärtlich küssen, konnte man auf der Ausgabe 1900 von Frankreich bemerken. Auf einer Markenreihe des fernen Siam sah man zwei kleine braune Asiaten ein großes Medaillonbild des Königs vorsichtig balancieren. In ähnlicher Art stehen, nur mit Engelsflügeln und Bauchbinde bekleidet, zwei Kinder auf der Zehn-Schilling-Marke von Jamaika neben dem englischen König Wache. Ein kindlicher Schutzgeist des Ackerbaues, wie man ihn auch der notieibenben deutschen Landwirtschaft wünschen möchte, ist auf einer Marke Uruguays in der angenehmen Lage, aus einem offenbar reichhaltigen Füllhorn landwirtschaftliche Produkte spenden zu können.
Aus einer anderen Briefmarkengruppe könnte )nan eine förmlich« Porträtgalerie hübscher Kinder»
köpfe zusammenstellen. Es liegt nahe, daß die Post- verwaltungen in Ländern, in deren Herrscherfamilien sich niedliche Vertreter der jüngsten Generation finden, derartige gutgeratene Exemplare als bildliche Zierde der Briefmarke konterfeien. Das ansprechendste Beispiel in dieser Beziehung ist wohl das benachbarte Luxemburg. Wie der Neuheitensammler weiß, sind auf den Wohltätigkeitsaus- gaben der letzten drei Jahre nacheinander die Kopf- dildnisse des jungen Thronfolgers Prinzen Jean, der kleinen Prinzessin Elisabeth und der noch jüngeren Prinzessin Marie-Adelheid dargestellt worden — alles wirkliche kleine Schönheiten. Da übrigens die großherzoglichen Eltern noch ziemlich junge und rüstige Leute sind, darf die philatelistische Welt wohl noch mit mancher Fortsetzung dieser kindlichen Orgelpfeifen rechnen.
Daß aus Kindern Leute werden, beweisen z. B. die Niederlande. Die bärtigen Marken zeigen von 1891 ab bie Königin Wilhelmina als kleines Mäbchen mit langen Locken, um sie bann auf späteren Ausgaben in verschiebenen Attersstufen zu charakterisieren. Einen noch ausführlicheren phila- telistischen Lebensfilm kurbelte bie Postverwaltung Spaniens. Sozusagen mit ber Zeitlupe begleitete sie Alfons XIII. von Äinbesbeinen an: 1889 wurde er als Kind, 1901 als Knabe und alle paar Jahre in weiteren Altersklassen auf den Postwertzeichen Spaniens und seiner Kolonien verewigt. Im benachbarten Portugal erschien bereits 1855 der Iüng- lingskopf Pedros V., ber ein Jahr später von ber glatten zur gelockten Haartracht überging, auf Briefmarken. Eine Wohltätigkeitsausgabe Rumäniens führte 1907 bie kinderreiche damalige Kronprinzenfamilie vor, und seit dem vergangenen Jahr schimmert bie weiße Seidenbluse des kindlichen Königs Michael I. auf den rumänischen Marken. Auch A e - gypten, das bank seinem markensammelnden König in der Erfindung neuer Gelegenheitsmarken besonders fruchtbar ist, macht diese Mode mit und schenkte erst kürzlich seinem Erbprinzchen Farouk quasi zum neunten Geburtstag Briefmarken mit seinem lächelnden Bildnis. (Weniger lächeln darüber bie leid- unb foftentragenben Markensammler!) In der Neuen Wett finben sich schließlich noch bei Neufunbland mehrere kindliche Mitglieder der britischen Königsfamilie in der postalischen Bildergalerie. f
Die dritte und wohl größte Gruppe der Darstellungen unserer jüngsten Jahrgänge in der Philatelie erscheint im Jahrhundert des Kindes am zeitgemäße- ften — sie ist Zweck und Ausdruck der sozialen Kinderfürsorge, die insbesondere seit dem Kriege immer in den Vordergrund getreten ist. „Pro juventute“, „Orphelins de la guerrt“ (Kriegs- waisen), „Voor het Kind“ — so und ähnlich lauten die Inschriften bei dieser Markengattung, die diesem Zweig der Humanität dienen will. Es ist nur natürlich, daß auf solchen Markenbildern das Kind häufig in seiner besten Gesellschaft unb an feinem sichersten Aufenthaltsort dargestellt wird: im Mutterarm. Das fromme Symbol ber mütterlichen Liebe, bie Madonna mit dem Kind, zeigen Postwertzeichen einzelner Länder, wie z. B. Bayern, das Saargebiet, Liechtenstein, Ungarn. Andere, weltlichere und mehr familiäre Szenen der Mütterlichkeit kennt der Markenfreund etwa von Wertzeichen Oesterreichs, der Tschechoslo- wakei, Ungarns (das Kind in der Wiege), Rußlands usw. Allerdings hat der Marken- Zeichner die jüngsten Erdenbürger hie und da so stiefmütterlich behandelt, daß man mit Goethe mit» leidig fragen möchte: „Was hat man dir, du armes Kind, getan?"
Um so erfreulicher wirken dann wieder so ausgezeichnete kleine Kunstwerke wie beispielsweise die beliebten Jugendfürsorge-Marken der Schweiz mit hübschen Kindergestalten in verschiedenen heimischen Volkstrachten ober etwa die Wohlfahrtsmarke U n - ga r n s, auf der ein wohlgerundeter Nackedei in kindlicher Sorglosigkeit über eine blühende Wiese trippelt, oder manches andere. Einen ernsteren Ton schlagen Postwertzeichen an, die eine Erinnerung an Schicksal und Not des Kindes in der Kriegszeit und in den folgendenJahren bilden. Kriegs- roaifen sehen wir auf f r a n z ö s i s ch e n und griechischen Marken: ein Kind führt einen erblindeten Soldaten (Bosnien): der ins Feld ziehende Vater nimmt von feinen Kindern Abschied (Rußland), ber aus ber Gefangenschaft Heimkehrende wird von ihnen begrüßt (Ungarn). Ein für das heutige Rußland besonders schwieriges Nachkriegsproblem, die Sorge für die vielen eitern- unb ob- dachlofen Kinder, findet in entsprechenden russischen Briefmarken einen gewissen sozialpolitischen Ausdruck. Zugunsten jener bedauernswerten Geschöpfe
Vorsitzende, sehe eine Fahrlässigkeit Behms nicht darin, daß er an ber fraglichen Stelle abgefeilt habe: dieses Verfahren könne unter Umständen als durchaus zweckmäßig angesehen werden. Es sei ihm aber vorzuwerfen, daß er die übrigen in einer durchaus ungeroiffen Lage zurückae- lassen habe. Behms Verhalten sei auch insofern überaus fahrlässig gewesen, als er, nachdem er b e n richtigen Weg gefunden habe, nicht sofort umgekehrt unb zu den Leuten zurückgegangen sei, sondern daß er im Gegenteil erst noch die Hütte besucht und sich in ihr mit gleichgültigen Dingen beschäftigt habe. Die Möglichkeit eines Selbstmordes des Bradt halte das Gericht für aus- geschlossen. Die Frage, ob Behm die Straftat in Verletzung einer Berufspflicht begangen habe, sei vom Gericht verneint worden. Er habe die Alpenfahrt picht in seiner Eigenschaft als Zeichenlehrer, fonoern als Iugendführer unternommen. Strafschärfend sei der unerhörte Leichtsinn ins Gewicht gefallen, mit dem der Angeklagte zu Werke gegangen fei. Derart schwierige Bergbesteigungen dürften unter solchen Verhältnissen keinesfalls erfolgen, wenn die Jugend nicht den schwersten Gefahren ausgesetzt werden solle. Behm habe in ganz unverantwortlichem Leichtsinn gehandelt und dadurch e i n hoffnungsvolles Menschenleben vernichtet. Strafmildernd fei berücksichtigt worden, daß von eigennützigen Bestrebungen nicht die Rede fein könne. Behm fei unbestraft und habe die Fahrt aus ideellen Beweggründen unternommen, wenn er dabei auch eine falsche Richtung eingeschlagen habe.
Oie Vorfälle in Oppeln.
Unangebrachte Aufregung der Pole«.
Kattowih, 1. Mai. (Privatmeldung.) An einer Prote st Versammlung des Westmarkenvereins im Zusammenhang mit den Oppelner Vorgängen nahmen etwa 5000 Personen teil. Die Vorsitzenden des Westmarkenvereins und der polnischen Theatergemeinde sowie der Chefredakteur der „Polska Zachodnia" hielten Ansprachen. In einer Entschließung wurde gefordert, daß die polnische Regierung die Oppelner Vorgänge vor das Forum des Völkerbundes bringe, weiter, daß die Regierung die deutsche Minderheit in Polen ebenso behandele wie die Deutschen die polnische Minderheit in Deutsch-Oberschlesien behandelten, aber unter Ablehnung der „barbarischen Methoden, wie sie in Oppeln gehandhabt worden seien". Don deutschen Theateraufführungen in Ostoberschlesien könne in Zukunft nur dann die Rede sein, wenn in Deutschland polnische Aufführungen möglich seien unb wenn diese dort ebenso subventioniert würden, wie das bei den deutschen Theatern in Polnisch- Oberschlesien der Fall sei. Don deutschen Aufführungen im Kattowitzer Stadttheater jedoch könne keine Rede mehr sein. Di« Entschließung werrdet sich sodann gegen die deutschen Filme und gegen die Geschäftsleute, die die deutsche Presse unterstützen. Diese sollten in der polnischen Presse namentlich genannt werden. Die Demonstranten zogen dann vor die Wohnung des Wojwoden, der die Demonstranten aufforderte, weiterhin für die polnische Sache zu kämpfen. — Die künstliche Erregung, in die sich die Polen mit amtlicher Hilfe hineinsteigern, ist angesichts der an sich gewiß bedauerlichen und scharf zu mißbilligenden Vorfälle in Oppeln zwar begreiflich, erscheint jedoch in sehr merkwürdigem Licht, wenn man sich des langen Sündenregisters schwerster chauvinistischer Ausschreitungen erinnert, die sich die Polen gegen die deutsche Minderheit in Oberschlesien, in Posen und Westpreuhen haben zuschulden kommen lassen. Wir würden sehr froh sein und wollen ja im Grunde nichts mehr, als daß die Polen die deutsche Minderheit genau so behandelt wie die polnisch« Minderheit bei uns in Deutschland behandelt wird. Daran ändert auch ein so singulärer Fall, wie die Vorgänge in Oppeln nichts.
Abberufung -es Polizeipräsidenten von Oppeln
Berlin, 1. Mai. (WB.) Amtlich. Die preußische Staatsregierung hat den Polizeipräsidenten von Oppeln, Mai, von seinem Posten abberuf e n und mit Wirkung vom 2. Mai 1929 i n
erschienen 1927 Marken mit Kinderköpfen sowie einem Brustbild Lenins als Kind, während bie in diesem Jahr zum gleichen Zweck verausgabten Marken lebendige Szenen mit Kindern bei der Arbeit in der Werkstatt und auf dem Lande zeigen.
Das Kind als Symbol für die durch den Krieg errungene nationale Freiheit erscheint auf einigen anderen Seiten des Markenalbums. Auf einer Ausgabe Lettlands von 1920 sieht man ein Kind in die Arme ber Mutter zurückkehren, — eine sinnbildliche Erinnerung an die Wiedergewinnung des Gebietes von Lettgallen. Südslawische Marken brachten eine beflügelte Äinbesgeftalt als Boten der Befreiung und des Friedens. An die schöne Heldensage ber Schweiz erinnert auf den dortigen Postwertzeichen der kleine Tellknabe mit Armbrust und Apfel. Das gleiche Land hatte 1927 den großen Kinderfreund P e st a l o z z i durch Briefmarken mit seinem Bildnis und fein Wirken symbolisierenden Kinderfiguren geehrt.
In anderer Art eindrucksvolle Markenbilder, die leider in diesem wasserreichen Frühjahr wieder at- tuell wirken, sind den Sammlern von Liechtenstein her bekannt. Die Wohttätigkeitsausgabe 1927 zum Besten ber durch das Hochwasser des Rheins Geschädigten enthält u.a. die ergreifende Szene, wie Flüchtlingskinder vor den Ueberfchwemmungsgefah- ren errettet werden. Auf Marken mit menschenfreundlichen Zielen ist das Kind in den überseeischen Postgebieten nur recht selten anzutreffen. Es seien eine sinnbildliche Gruppe aus dem portugiesischen Mozambique unb bie kleinen Negerpärchen aus Jamaika mit der Inschrift „Child welfare“ (Kindeswohlfahrt) erwähnt.
Mit dem Hinweis auf deutsche Postmarken mit freundlicherer Entstehungsursache — diejenigen zur Deutschen Gewerbeschau 1922 mit dem drolligen Münchner Wavpenkindl — sei unser Gang durch den philatelistischen Kindergarten beendet.
Lochschulnachrichten.
Der ordentttche Honorarprofessor für Steuerrecht, Arbeits- und Gewerberecht, Derkehrsrecht, Handelsund Wechselrecht, Urheberrecht sowie Dersicherungs- recht an der Technischen Hochschule in D a r m ft a_b t, Geheimer Iustizrat Erich Aron ist 3um persönlichen Ordinarius ebenda ernannt worden.


