Ausgabe 
2.4.1929
 
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m. 76 Erster Blatt

179. Jahrgang

Dienstag, 2. April 1929

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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MtzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Jir Llebemahme Waldecks in den preußischen Staatsverband.

Der Abgeordnete LlliH gegen Kaution aus der Hast entlasten.

kaltowih, 1.April. (IDB.) Der haftenl- laffungsanlragdcs Vorsitzenden des Deutschen Volksbundes und Abgeordneten des schlesischen Sejm, Ulih, ist von der zuständigen Beschlußkammer geprüft worden mit dem Ergebnis, daß Ulih, der sich nunmehr bereits seit sechs Wochen in Untersuchungshaft befunden hat, gegen eine Kaution von 70000 Zloty auf freien Fuß gesetzt worden ist. Der Zusammen­tritt der Beschlußkammer, der schon vor Tagen er­folgen sollte, hat sich trotz reger Bemühungen des Verteidigers aus unaufgeklärten Gründen verzögert.

*

Bekanntlich schwebt gegen Len Führer der Leu- schon Minderheit in Polnisch-Oberschlesien ein Bersahren, das sich erwiesenermaßen auf ge­fälschte Dokumente stützt. Lllitz hat als Vorkämpfer der Rechte der deutschen Minder­heit in Polnisch-Oberschlesien das besondere Miß­fallen der polnischen Behörden erregt und sich einen Prozeß zugezogen, bei dem wahrscheinlich die Hauptsache die Llntersnchungshaft war, in der man ihn seit Monaten hielt. Runmehr hat man ihn also, da sich offenbar auch nicht der Schatten eines Beweises ergeben hat, gegen eine Kaution von 70 000 Zloty (= etwa 33 000 Mk.), auf freien Fuß gesetzt. Die Anklage ist wunderlich genug, sie lautet auf Begünstigung der Fahnenflucht eines Gestellungs­pflichtigen. Das Verfahren der Warschauer und Kattowiher Machthaber gegen Lllitz ist ein Beweis dafür, auf wie schwachen Füßen das Minderheitenrecht des Völkerbundes steht, selbst dann, wenn es, wie in Oberschlesien, durch inter­nationale Verträge noch besonders gesichert ist. Die Staaten brauchten den Führern ihrer Mindecheiten nur einen Hochverratsprozeß auf- zuhängen und schon ist die Angelegenheit aus der Sphäre des Minderheitenschutzes in die Staatshoheit hinübergerückt und die Führer der Minderheiten sind politisches Freiwild für die Rivellierungsbestrebungen gewisser Staw- len. Lieber den Fall Lllitz aber wird noch viel zu sprechen sein.

Das Echo von Deutschlands KampsgegendieKriegsschuldlüge

Paris, 30. Mörz. (TU.) Die französische Zeit­schrift für aiisroärtige PolitikL'Efprit Internatio­nale" (Der internationale Geist) veröffentlicht in ihrer Nummer vom 1. April einen bedeutsamen Auf­satz des französischen Geschichtsschreibers Renou- vin, Professor an der Sorbonne. Der Aufsatz ist im wesentlichen der deutschen Propaganda in der Kriegsschuldfrage und deren Er­folg in der internationalen Politik gewidmet, die nach Auffassung des Verfassers sehr hoch be­wertet werden müssen. Dank seiner unermüd­lichen Tätigkeit sei es Deutschland gelungen, das Interesse für die Kriegsschuldfrage in der gesam­ten Welt wachzurufen und ernste Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Versailler Diktats zu wecken. Insbesondere seien die Be­mühungen Deutschlands in den Vereinigten Staaten nicht erfolglos geblieben. Eine Reihe von amerikanischen Geschichtsschreibern hätte nach einem ernsthaften Studium der Kriegsschuldfrage sich den deutschen Standpunkt zu eigen gemacht. Auch auf Italien und England seien die deutschen Arbeiten nicht ohne Einfluß geblieben. Bisher sei nur die öffentliche Meinung Frank­reichs gleichgültig geblieben, eine Tatsache, die allen Ausländern völlig unverständlich erscheine. Allzulange hätte cs gedauert, bis Frankreich sich entschlossen hätte, dem Beispiel Deutschlands und Englands zu folgen und seine Kriegs- arckive zu öffnen. Gerade dieses Zögern hatte der Sache Frankreichs schweren Schaden zugefügt. Die Auffassung des Auslands, insbesondere der Ver­einigten Staaten, hätte nicht selten dieses Schwei­gen falsch aufgelegt und sich gefragt, ob nicht Frankreich Angst vor der Veröffent­lichung habe. Das anerkennende Urteil Re- nouoins über den Erfolg der deutschen Propa­ganda gegen die Kriegsschuldlüge sollte uns Deutsche zu weiteren Bemühungen an­spornen, sieht man doch, daß die bisherigen deutschen Arbeiten ein Echo im Auslande finden.

Ein Land lebendiger Skelette/

Hungerkatastrophe im belgischen Mandatsgebiet Ruanda.

London, 1. April. (WB.) Rach Dlätter- meldungen aus Rairobi hat der britische Missio­nar D. C h u r ch cinen_ Appell zur Linderung der graueichasten Zustände im belgischen Mandatsgebiet von Ruanda veröffent­licht. das erein Land lebendiger Ske- lette" nennt. Er berichtet, daß Tausende von Eingeborenen auf den mit Leichen besäten Wegen durch ein Land, das von Fieber und Lö­wen heimgesucht wirb, nach Llganda st r ö m e n. Frauen unb Kinder brechen erschöpft zusammen und fallen den Hyänenzum Opfer. Die belgische Regierung hat den ^,rans- portdienst verstärkt und gibt viele Tausende für Lebensmittel aus. Allerdings kamen diese Hilfs­maßnahmen zu spät. - Das so schwer heirn- gesvchte Gebiet ist 1920 als Teil des ehemaligen deutschen Schutzgebiets Deutsch-Ostafrika al« Mandat an Belgien gegeben. Seit 1925 ist

Eine Feier in Arolsen.

Arolsen (Waldeck), 1. April. Aus Anlaß der Feier der Tlebernahme des Freistaates Waldeck in den preußischen Staatsverband, die unter gro­ßer Anteilnahme der Waldecker Bevölkerung statlfand, hatte die Stadt Arolsen reichen Flaggen­schmuck angelegt. Rachdem der Bedeutung des Tages schon während der Vorniittagsgottesdienste von der Kanzel aus gedacht worden war, erfolgte um 12 Llhr vor dem Regierungsgebäude die offielle Feier, zu der sich von preußi­scher Seite Minister des 3nncrn Grze- sinski, Oberpräsident Dr. Schwänder, Re­gierungspräsident Dr. Friedensburg, Lan­deshauptmann vonGehren, Oberbürgermeister Dr. Stadler (Kassel), Polizeipräsident Dr. Hohenstein u. a.. von Waldeck der Vizepräsi­dent des Landesdirektoriums Dr. Herberg und Mitglieder der Waldecker Landesvertretung unter Führung des Regierungsdirektors Waldschmidt eingefunden hatten.

Der Vizepräsident des Landesdireltoriums Waldeck, Dr. Herberg

betonte in einer Ansprache, daß die Vereini­gung Waldecks mit Preußen von allen im Waldeckischen Landtage vertretenen Parteien ge­billigt worden sei. Diese Einmütigkeit sei als ein beachtenswerter Erfolg der preußischen Politik zu bewerten. Das Opfer der Eigenstaatlichkeit müsse in der festen Lieberzeugung gebracht wer­den, daß nur aus dem Anschluß an ein großes Ganzes Segen für unser kleines Gemeinwesen und auch Vorteile für den Anschluhstaat erblühen werden, daß damit zugleich ein weiterer Schritt zum Verschwinden der Klein­staaterei getan werde, und daß nur Lurch Zusammenschluß und Einigkeit in unserem deut­schen Vaterlande dessen baldige Wiedergeburt ermöglicht werden könne. Wenn er nunmehr die letzte Amtshandlung der Waldeckischen Regierung vornehme, indem er die Verwaltungsgeschäfte an Preußen übergebe, so habe er das feste Vertrauen, daß die künftige Verwaltung Les waldeckischen Gebietes sich bei den preußischen Staats- und Kommunalbehörden in besten Hän­den befinden wird.

Darauf führte

der preußische Minister des Innern (Srzesinfti

das Wort zu einer Ansprache, in der er aus­führte: Ramens der Preußischen Staatsregierung habe ich heute die Ehre, die Bevölkerung des bis­herigen Freistaates Waldeck als nunmehr preußische Bevölkerung herzlichst zu be­grüßen, an diesem Tage, an dem nach freiwilliger Entschließung der berufenen Vertretung das Ge­biet des bisherigen Freistaates Waldeck in Preu­ßen aufgeht. Sie wissen, daß dieser Entschluß der Aufgabe der Selbständigkeit von Preußen in feiner Weise beeinflußt wurde, daß kein Zwang und kein Druck ausgeübt wor­den ist. Aber Preußen hat sich, als die Ver­treter Waldecks mit den preußischen Stellen in Verhandlungen traten, den Rotwendigkeiten in keiner Weise verschlossen und ist den Wünschen der Bevölkerung und der Vertreter Waldecks so weit wie möglich entgegengetommen. Es will mir symbolisch erscheinen, daß trotz der Aufgabe der Eigenstaatlichkeit Waldecks seine Farben auch hier weiter bestehen bleiben. Waldecks alte Farben sind die Farben Schwarz-Rot-Gold,

das 53 200 qkm große Gebiet mit seinen etwa 5 Millionen Eingeborenen als Vizegeneralgouver­nement an Belgisch-Kongo angegliedert.

Deutsche Verteidiger wieder vor französifchenMiliiärgerichtenzugelassen

Koblenz, 30. März. Die vom R e i ch s k o m - missar für die besetzten Gebiete in Ko­blenz milgeteilt wird, hat die Rheinlandkommission ihm soeben als Antwort auf seine wiederholten Vor­stellungen milgeleill, daß nach einer neuen Verord­nung des französischen Kriegsministers die deutschen Angeklagten vor den französischen Militärgerichten (tribunaux militaires) im besetzten Gebiet sich von jetzt ab wieder ebenso wie früher durch einen deutschen Rechtsanwalt verteidigen lassen können. Diese Regelung gilt so lange, bis das diese Frage behandelnde Gesetz von der französischen Kammer angenommen fein wird.

Verminderung des britischen Hauptquartiers der Besahungstruppen

London, 1. April. (TU.) Die Anweisung des englischen Kriegsministeriums auf Verminderung des Hauptquartiers der britischen Besatzungstrup­pen am Rhein um 20 v. H. tritt am 1. April in Kraft. Die Verminderung bezieht sich auf alle Ab­teilungen und alle Rangstufen, ebenso wie auch auf die von der englischen Heeresverwaltung beschäftig­ten Zivilisten. Die Auswirkungen der Vermin­derung stehen im einzelnen noch nicht fest, da der Stab der britischen Besatzungsarmce einer größeren Uni Organisation unterzogen wird.

die Farben, die heute das Wahrzeichen des neuen Deutschlands sind. Und das scheint mir der tiefere Sinn des heutigen Tages zu fein, an dem zum ersten Male ein deutsches Land nach der Staatsumwälzung freiwillig den Anschluß an Preußen vollzieht. Ob Preußen, ob Waldeck, Deutschland nennen wir alle unser gemein­sames großes Vaterland. Preußen wahrlich ist groß und in sich stark genug, um nicht nach Gebietserweiterung und Bevölkerungszuwachs verlangen zu müssen. Aber was für Preußen gilt, gilt nicht für alle anderen deutschen Länder. Lind es darf in dieser Rotzeit der Bevölkerung und des deutschen Staates nicht fein, daß nur um der Eigenliebe einzelner kleiner Teile willen Zustände und Grenzen aufrecht erhalten werden, die nicht mehr in der heutigen Zeit aus den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Wirtschaft sich rechtfertigen lassen. Waldecks Anschluß an Preußen reicht deshalb weit hinaus

Oer kritische Donnerstag.

Mit einer gewissen Schadenfreude stellt der Durchschnittsmensch fest, daß auch die klügsten Leute in ihren Dispositionen sich gelegentlich ver­rechnen: Herr Owen TZoung, der ja als Leiter der Reparationskonferenz eigentlich einen Lieber­blick über den Gang der Verhandlungen hätte haben müssen, hatte sich zu Ostern Fahrkarten für eine ausgedehnte Mittelmeerreise bestellt, offen­bar doch, weil er glaubte, daß bis dahin die Kon­ferenz zu einem Ergebnis gekommen wäre. Er hat die Karten verfallen lassen müssen, weil er sich vollkommen verrechnet hatte: tatsächlich be­ginnt die Konferenz, obwohl sie jetzt schon sieben Wochen gedauert hat, erst am kommenden Donnerstag. Solange hat man um die Dinge herumgeredet. Erst in der letzten Sitzung vor Ostern ist, tote der offiziöse Ausdruck lautet, die Konkretisierung des Problems' er­folgt: Es sind zwei Vorschläge überreicht worden, die sich mit dem eigentlichen Thema, den deutschen Zahlungen, beschäftigen. 3hr 3nhalt wird aus begreiflichen Gründen geheimgehalten, allerdings wird versichert, daß sie keine Zahlen enthalten, sondern daß sie beide nur sich mit grundsätz­lichen Betrachtungen und mit den Methoden beschäftigen, die eine Diskussion über die Ziffern überhaupt erst ermöglichen. Der eine Vorschlag stammt von den vier Hauptgläubiger st aa- ten Japan hat sich daran interessanterweise nicht beteiligt, der andere von Herrn Owen V o u n g.

Wie die Siegerstaaten sich die Regulierung den­ken, wissen wir ja bereits. Für sie ist das Exempel sehr einfach, sie wollen nicht nur das wiederhaben, was sie selbst bezahlen müssen, sie wollen darüber hinaus auch noch phantastische Summen für die an­geblichen Wiederaufbauschäden: wobei sie vollkom­men übersehen, daß Deutschland auch nach neu­tralen Schätzungen schon mehr als 30 Milliarden bezahlt hat, damit also die Kosten für den eigent­lichen Wiederaufbau mindestens gedeckt sind. Sic sind sich freilich über die Höhe des zweiten Betrages noch nicht ganz einig, England will etwas billiger spielen als Frankreich und Belgien, aber allzu groß ist der Unterschied nicht: er ist materiell belanglos, weil eine Regelung auf dieser Grundlage für Deutschland überhauptnichtin Frage, kommen kann.

'Die Untersuchung aus Zannowih.

Eine Erklärung des Stolbergschen Gutsvcrwalters

Hirsch berg, 1. April. (WB.) Vor den Feier- tageii erfolgte im Zusammenhang mit der Janno- witzer Bluttat eine dreistündige Vernehmung des Stolbergschen Gutsverwalters, Direktors Gom­bert. Die Mordkommission erklärte hiernach, daß sie jetzt ein gutes Stück vorwärts gekom­men sei, und daß sie nunmehr auf dem Stand­punkt stehe, daß Direktor Gombert derjenige sei, dem sich Graf Christian in der Mordnacht an- vertraut habe. Es schaltet demnach der Super­intendent Quast als Vertrauensperson vollständig aus. Quast bestreitet auch, vom Grafen Christian ins Vertrauen gezogen worden zu fein. Kurz nach der Mordtat hat nämlich Graf Christian zu Direk­tor Gombert in Gegenwart der Gräfin Antonie bekannt, daß er im Mordzi m m c r gewesen sei und plötzlich einen großen Feuerschein und Flammen gesehen habe. Dann sei er hinausgestürzt und habe die 58 e = finn.ung verloren. Er will aber noch das Gefühl gehabt haben, das ihn jemand an der Gur­gel würgte. Dies wird jedoch als Phantasie er­klärt. Doch habe er dabei ausgerufen: Was habe i ch jetzt angerichtetl

Direktor Gombert informierte die Kriminalisten auch über die finanzielle Lage und über die fünf Patronate, die auf dem Gute lasten usw. Die Kommission' gewann den Eindruck, daß das Gut gar nicht so schlimm verschuldet ist, wie bis­her angenommen wurde. Direktor Gombert er­klärte ferner, daß die Familienangehörigen der Familie zu Stolberg zum Mystischen neig­ten. Wie die Mordkommission bekannt gibt, sind bei der Bernehmuna des Grafen Ehrifiicm Fried-

in seiner Wirkung über die Grenzen des bis- berigdn Freistaates. Im Auftrage der preußi­schen Staatsregierung heiße ich das nunmehr preußische Gebiet Waldeck, heiße ich die nunmehr preußische Bevölkerung herzlich willkommenl

Nachdem Minister Grzesinski seine Ansprache be­endet hatte, erfolgte unter dem Gesang des Deutsch­landliedes die feierliche Hissung der preußi­sch e n F l a g g e auf dem Regierungsgebäude. Hier­auf nahm Landeshauptmann v. Gehren im Namen der Provinz Hessen-Nassau unb des Be­zirksverbandes des Regierungsbezirks Staffel das Wort. Die Feier schloß mit einem Konzert der Ka­pelle der Kasseler Schutzpolizei. Nach einem Fest­essen in der Turnhalle begaben sich die Teilnehmer an der Uebergabefeier nach der AusstellungDas Land Waldeck". Nach einem Nundgang durch die Ausstellung folgte die Vorführung des FilmsDas | Land Waldeck", womit die Uebergabefeierlichkeiten I ihr Ende fanden.

Ausgangspunkt ist für uns und sollte es eigentlich auch für die Konferenz sein nicht, was die anbern haben wollen, sondern was wir zahlen können. Der Wert der Konferenz be­stand für ufts in der Nachprüfung der deut­schen L c i st n n g s f ä h i g k e i t, ein positiver Ausgang ist also nur bann zu erreichen, wenn die Sachverständigen davon ausgehen, wieviel Deutsch­land heute unb in zehn ober zwanzig Jahren zah­len kann, unb diese Summen bann auf bie Sie­gerstaaten entsprechend umlegen. Es wird sich dar- uftt handeln, ob Herr Owen Poung in seine m Vorschlag, der vermutlich eine Mittellinie halten wird, diesen deutschen Voraussetzungen für ein Kompromiß näherkommt. Ist das der Fall, dann wird man sich am Donnerstag weiter unterhalten können unb vielleicht auch an eine Zahlenkombi­nation herankommen, die für uns wenigstens bis futobel ist. Im andern Falle ist die Konserenz zum scheitern verurteilt. Das wäre für uns schmerzlich, aber auch für bie Siegerstaaten, die sehr bald mer­ken würden, daß sie dann überhaupt keine Repara­tionen, wenigstens in Devisen, mehr- bekommen.

Eine Erklärung Dr. Schachts.

Der gute Geist der Konferenz.

Paris, 1. April. (WB.) Reichsbankpräfibent Dr. Schacht hat, da private Aeuherungen von ihm in der ausländischen Presse mißverständlich wiedergegeben worden zu fein scheinen, den Pariser Vertreter des WTB. zu folgender Erklärung über seine Auf­fassung von dem bisherigen Verlauf der Konferenz ermächtigt: Die Pariser Besprechungen innerhalb der Reparationskonferen; haben sich bisher i n durchaus freundwilligem Geiste be­wegt. Bei der Bedeutung des Gegenstandes, näm­lich die finanzielle Regelung internationaler Be­ziehungen auf Jahrzehnte und damit die end­gültige Liquidierung des Krieges, lassen sich jedoch noch manche Schwierigkeiten er­warten und eine längere Dauer der Verhand­lungen voraussehen. Bei dem allseits vorhandenen guten Willen zur Verständigung und zur Aufbrin­gung der notwendigen Geduld bei den schwierigen Verhandlungen besteht jedoch die Hoffnung auf einen erfolgreichen Verlauf der Konferenz durchaus weiter.

rich zu Stolberg neue belastende Mo­mente nicht zutage getreten. Aber auf der anderen Seite haben die Vernehmungen Auf­klärung über Widersprüche und über Punkte, die bisher überhaupt vom Grasen Christian Friedrich mitgeteilt worden sind, gebracht. Die Einzelheiten bedürfen noch der Rachprüfung. Rach der An­sicht der Llntersuchungskommission wäre Graf Christian Friedrich von niemanden des Mordes angeklagt worden, wenn er nicht s i ch selbst durch seine Widersprüche und Ausreden ange­klagt hätte.

Aman Allah rüdt aus Kabul.

Der brilisch-ruffifche Intcrefscngegenfatz in Afghanistan.

London. 1. April. (WTB.) WieDaily Ex­preß" aus Kalkutta meldet, befindet sich Aman LI l l a h mit 30 000 Mann, die mit russischen Ge­wehren und russischer Munitton ausgerüstet seien, im Vormarsch auf Kabul. Sein Wider­sacher Habib Llllah bereite sich, obwohl seine Streitkräfte sich ständig vermindern, auf eine Verteidigung der Hauptstadt vor. Rach einer Meldung des gleichen Blattes aus Karachi wer­den in Indien militärische Vorsichts^ in a ß r e g e l n ergriffen. Aller Urlaub ist ge­sperrt und die in der Nähe der Grenze befind­lichen Trrchpen werden in Bereitschaft gehalten. Rach einerDaily Telegraph"-Meldung aus Allahabad verbessern sich AmanLlllahs Aussichten, seitdem die Stämme von Kabul und Khel erklärt haben, daß nur er den Thron innehaben dürfe.

Die in Bombay erscheinende ZeitungTimes of 3nbia lenkt erneut Lie Aufmerffamkeit aufs

Aach der Osierpause der pariserSachversiändigen.