der Vers aus dem Erlkönig: „Er hält in den Armen das achtzehnte Kind" (ächzende!).
Wenn aber erst die Musterbeispiele aus der Sprachlehre auftauchen! Von schwierigeren Zeitwörtern sollten Sätze gebildet werden. Das Wort hieß „beruhen auf". Ein Zunge meldet sich: „Ich beruhe auf einem Irrtum!"
Kommt man in die Gefilde des deutschen Aufsatzes, dann erlebt man seine blauen Wunder. Ich habe einen guten Bekannten, der Lehrer an einer Mittelklasse ist. Er läßt mich manchmal einen Blick in die Aufsatzhefte tun. Da finbe ich einmal die Beschreibung einer Denkmalseinweihung im Sommer 1928. „Es war furchtbar heiß Dann hielt der Vorsitzende eine lange Rede. Vielen Leuten wurde schlecht." Die Sätze standen so da. Fehlt vielleicht die Verbindung? Böse Leute verneinen das. Ein an» derer Aufsatz. Der Lehrer war mit den Stadtkindern auf einem Gutshof gewesen. Ein Junge schreibt: „Dann gingen wir in den Stall. In der Ecke stand ein Kälbchen. Da riß der Herr Lehrer das Maul auf, und da sahen wir, daß oben keine Zähne da waren."
Aber was sind diese sprachlichen Blüten, wenn wir erst an die Rechtschreibung denken! Da sitzt Karlchen an feinem Aufsatz, er soll etwas über das Schlachtfest schreiben. Es hat zum Essen Fleisch und Meerrettich gegeben. „Vater, wie schreibt man Meerretti ch?" Der Vater besinnt sich und meint schließlich: „Schreib doch Mirch!" (Mundartlich.) Besser wäre es vielleicht gewesen, wenn er es gemacht hätte wie jener Mann, den sein Kind nach der Schreibweise Mississippi fragte. Er sagte ihm: „Mach nur ordentlich ss und pp hinein!" Nach dem Sch'achtfest werden die Würste gekocht. Karl fragt: „Wie schreibt man Schwartenmage n?" Der Vater, nach einer Weile: „Ach was, schreib doch lieber Leberwurst!" —
Wie war doch die Geschichte mit dem pfälzischen Adjunkten, wie dort die Beigeordneten genannt werden? Er sollte über den Stgnd der Maul- und Klauenseuche berichten und halte eine verkürzte Rechtschreibung angewandt und einfach „Kü" statt „Kühe', geschrieben Als er von seinem hohen Vorgesetzten, der auch nur „Kü" sagte, Vorhaltungen bekam und hörte, daß eigentlich „Kühe" geschrieben wird, sagte er ganz unschuldig: „(Erlauben Sie mal, man kann doch meine ,Lü" eher verstehen wie Ihre ,Mhe"!"
Das Wörtchen Grieß (mit ß!) war schuld an un- ferm ersten ehelichen Streit. Kurz nach der Hochzeit las ich in dem geschriebenen Kochbuch meiner Frau und fand darin das Wort Grieß. Ich bildete mir ein, daß ich in Orthographie ziemlich sicher sei und sagte ihr, daß Grieß doch mit s geschrieben würde. Der Duden gab mir Unrecht, meine Frau triumphierte, und es heißt doch: „(Er soll dein Herr sein!" Viel später sand ich dann den Mustersatz „Bloß ein bißchen Grieß" in einer Zeitung.
Vielleicht erinnert man sich auch an den Blüten- ft.aufj von dem gleisnerischen, griesgrämigen Mesner, der an Diphtheritis und Hämorrhoiden erkrankt war?
Denken wir auch an die Vorsilbe fi ’ Aus sieben Arten können wir sie schreiben, si (Fibel), vi (violett), phi (Philosoph), sie (Fieber), vie (viele), phy (Physik), dann erst kommt das liebe „Vieh"!
Wunderst du dich immer noch, wenn ich behaupte, daß die deutsche Rechtschreidng das Schwerste fei?
Eins, mein Freund, begreifst du nie, das ist die deutsche Orthographie!
M.
Dom Neubau
des Gießener Siudenienhauses.
Der Neubau des Gießener Studentenhauses ist jetzt so weit gediehen, daß am Ende vorigen Jahres der Gießener Firma Weimer die Ausführung des Rohbaues übertragen werden konnte.
Bereits im Dezember konnte man die Veränderungen auf dem Bauplatz — Leihgesterner Weg — bemerken. Es wurde dort mit den Aus- schachlungsarbeiten begonnen und vor allem das auf der Höhe des Geländes reichlich auftretende Wasser abg leitet, um den Boden möglichst trocken ?u legen. Ferner wurde das Baugerüst errichtet, daß in seinen Ausmaßen die spätere Form des Studentenhauses deutlich erkennen läßt. Zum Bedauern des Bauherrn hat der starke Frost die Weiterarbeiten einstwcilen unterbunden, weil die Erde bis zu anderthalb Meter Tiefe gefroren ist.
Das Arbeitsamt der Studentenhilfe hatte sich bereits bei Vergebung der Ausschachtungsarbci- ten darum bemüht, beim Bau des Studenten-
Wilhelm von Bode f ♦
Exzellenz Prof. Dr. phil. Dr. Ing. h. c. Wilhelm von Bode, der berühmte Kunstforscher und Organisator der Berliner Museen, ist gestern früh in Berlin. 83 Jahre alt, an den Folgen einer Grippe gestorben.
*
Wilhelm Bode wurde am 10. Dezember 1845 in Kalvörde im Herzogtum Braunschweig geboren, studierte seit 1864 die Rechte, sattelte jedoch 1869 um, bezog die Universität von neuem und studierte 1869 bis 1871 in Berlin und Wien Archäologie und Kunstgeschichte. Reisen nach Italien vervollständigten sein Studium. 1872 wurde er als Assistent an den König!. Museen in Berlin und als Leiter der Abteilung für christliche Plastik angestcllt. Schon damals gelang es ihm, seine Abteilung durch zahlreiche glückliche Erwerbungen zu einer Sammlung ersten Ranges zu erheben. 1880 wurde er Direktor dieser Abteilung, dann auch 2. Direktor der Gemäldegalerie. 1890 wurde er nach dem Rücktritt Metzers alleiniger Direktor der Gemäldegalerie.
Aus kleinen Anfängen schuf Bode dann in jahrzehntelanger Arbeit die große Sammlung der Berliner Museen. Mit Wort und Schrift trat er für sein Lebenswcrk ein, nur zu bald erkennend, daß zur Vollendung keiner Absichten große Erweiterungsbauten nötig wurden. Kurz entschlossen gründete er 1893 den Kaiser-Fried- rich-Museum-Verein. Am 13. Oktober 1604 konnte dann dank seiner rastlosen Arbeit, das Kaiser- Friedrich-Museum eingewe'.hl werden, zu dessen finanzieller Unterstützung er die Finan.welt geschickt heranzuziehen wußte. Am I. Dezember 1905 wurde er an Stelle des zurücktretenden Richard Schoene zum Generaldirektor der Kgl. Museen berufen.
Als Generaldirektor entwickelte er weiterhin eine geniale organisatorische Tätigkeit. Das ganze Kunstgebiet unterzog er seinen meister.ichen Forschungen. er schuf u a. die Sammlungen italienischer Plastik, der wundervollen Bronzen und der kostbaren arabischen und vorderasiatischen Bestände.
War so seine Bedeutung für das Berliner Mu- seumswesen allein schon epochal, — eine große Zahl vorzüglicher Privatsammlungen in Berlin
Hauses Kommilitonen als Werkstudenten zu beschäftigen, und zwar einesteils, um besonders Minderbemittelten eine gute Verdienst- Möglichkeit zu verschaffen, andererseits aber, alles zu tun, um das Werk mit eigenen Kräften mit aufbauen zu helfen. Das Interesse der Studentenschaft an dem Reubau bekundete sich dadurch, daß sich eine derart große Anzahl Kommilitonen für die Arbeit meldete, daß nicht alle beim Reubau beschäftigt werden können. Durch einen hochherzigen Gönner der Studentenhilfe ist es gelungen, Arbeitsanzüge so billig zur Verfügung gestellt zu bekommen, daß den beim Dau beschäftigten Werkstudenten ein Anzug kostenlos ausgehändigt werden kann.
Obwohl das Reich und der Hessische Staat den Dau mit reichlichen Mitteln unterstützt Haden, werden diese doch nicht ausreichen, um die ganzen "Baukosten zu decken. Der Tätigkeit des Werbeausschusses ist es gelungen, in größerem Maße Spenden für den Dau zusammenzubringen, und zwar nicht nur Geld, sondern in der Hauptsache Materialien, so daß auf diese Art mit einer wesentlichen Verbilligung der Daukosten gerechnet werden kann. Trotzdem ist immer noch ein erheblicher Teil der Daukosten ungedeckt und es bedarf weiterhin der Opferfreudigkeit weitester Kreise, um das Werk zu einem guten Ende zu führen.
Wenn keine neuen Schwierigkeiten auftreten, ist mit der Fertigstellung des Gießener Studen- tenhauses im Frühjahr 1930 zu rechnen, so daß im Beginn des Sommersemesters die Einweihung bzw. der Umzug in das neue Heim stattfinden kann.
Oer neue Präsident
der Oberrechnunqskammer.
Das hessische Ce'amtministerium hat zum Präsidenten der Oberrechnungskam- m e r und zum Präsidenten des D e r w a l - tungsgerichtshoses Den Ministerialdirektor im Ministerium des Innern Gustav Sparn e r ernannt.
Ausstellung im Fröbel-Geminar.
Das Fröbel-Serninar hat auch in diesem Jahr eine große Reihe von Schülerinnenarbeiten der abgehenden Kindergärtnerinnen und Kinder- Pflegerinnen ausgestellt.
In dem ersten Saal befinden sich die im Werk-, Ausschneide-, Modellier- und Zeichenunterricht her- gestellten Sachen der Kindergärtnerinnen. Spielsachen aus wertlosem Material, wie aus Streichholzschachteln, Papprollen, Glühstrumpfhüllen u. dgl. sind mit liebevoller Sorgfalt hergestellt. Da finden wir Eisenbahnzüge, Wiegen, Körbchen und ganze Puppenstuben in buntem Durcheinander. Sorgfältig und sauber sind auch die Holzarbeiten hergestellt. Mit größter Begeisterung widmen sich besonders die kleinen und kleinsten Besucher all den Herrlichkeiten, wie z.B. der echten amerikanischen Luft- schaukel, der Puppenwiege aus massivem Eichenholz, einem Dampfer mit Matrosen, einem Flugzeug, einem modernen, vollständig eingerichteten Dach- haus mit Badezimmer, Küche, Wohn- und Schlafzimmer, sowie einem Schwimmbassin auf dem Dach. Originell sind auch die selbst hergestellten Puppen- Sogar ein Pudel fehlt nicht, der in seinem weißen, zottigen Fell und langen Ohren den Besucher treuherzig ansieht. Jedes Bubenherz schlägt höher, wenn es die prachtvoll bunte Indianerausrüstung, an der gar nichts fehlt, betrachten darf. Daß bei der Ausbildung der Schülerinnen auch ganz besonderer Wert auf die Entwicklung des Formen- und Farbensinnes gelegt wird, beweisen die mannigfaltigen Bastarbei- ten in den verschiedenen Technl'en. Kaffewärmer, Untersetzer, Besuchstäschchen, Badeschuhe, Hüte usw. zeigen, mit welchem Geschmack hier Farben und Muster zusammengestellt sind. Ebenso ansprechend sind die aus Peddigrohr verfertigten Sachen. Gutes ist auch in den Buchbinderarbeiten geleistet worden. Zu den meisten, sauber aebunbenen Büchern wurden selbsthergestellte Kleisterpapiere verwendet. Zu erwähnen sind ferner noch die soliden Schreib» moppen. In dieser Abteilung liegen auch Brieföffner, aus Messing gefügt; jedes Muster wurde von der Herstellerin selbst entworfen. Auf einem anderen Tisch sind aus Ton modellierte Gegenstände ausgestellt, die z. T. gebrannt und bunt bemalt sind. Schließlich hat der Besucher noch Gelegenheit, eine Fülle von Zeichnungen und aus Buntpapier geschnittene Bilder zu bewundern.
In einem nächsten Saal haben die Kindergärtnerinnen ihre Handarbeiten ausg.stellt. Auch hier wie
der das gleiche Prinzip: größte Sorgfalt und Sauberkeit. Das gilt sowohl für die Kinderwäsche als auch für all die Schürzchen, Kittelchen, Kleidchen usw. Erwähnenswert sind die Verzierungen, die fast überall durch geschmackvolle Farbzusammensetzungen und gefällige Muster erfreuen.
Im nächsten Raum find die Handarbeiten der Kinderpflegerinnen, die denen der Kindergärtnerinnen in keiner Weise nachstehen.
In einem letzten Raum zeigen die Kinderpfleae- rinnen Holz-, Bast-, Streichholz-, Ausschneide-, Modellier- und Zeichenarbeiten. Besonders hervorzu- heben sind die kleinen Bilderbücher. Jede einzelne Schülerin hat mit viel Phantasie und Geschick reizende Bilder aus Buntpapier ausgeschnitten, als Illustration zu volkstümlichen Kinderoersen. Recht geschickt sind schließlich die aus Zigarrenkästchen her- gestellten Spielsachen, wie Milchwagen, Puppenwagen und -kutschen, Kasperletheater, Blumenladen, Wiegen, Gemüseauto usw.
Der Besuch der Ausstellung ist recht lohnend. Sie zeigt, wie durch systematische Ausbildung der Phantasie, des Farben- und des Formensinnes, durch sauberes und gewissenhaftes Arbeiten manches Re- fultat erreicht werden kann.
Taten für Sonntag, 3. März.
Sonnenaufgang 6.42 Uhr, Sonnenuntergang 17.43 Uhr. — Mondaufgang 1.46 Uhr, Monduntergang 9.43 Uhr.
1793: der Schriftsteller Charles Sealsfielb (Karl Anton Postl) in Poppitz, Mähren, geboren (gestorben 1864); — 1829: der Rechtslehrer Heinrich Dernburg in Mainz geboren (gestorben 1907).
Daten für Montag, 4. März.
1829: der Ingenieur Karl Heinrich von Siemens in Menzendorf geboren (gestorben 1916); — 1852: der russische Schriftsteller Nikolas Wassiljewitsch Gogol in Moskau gestorben (geboren 1809); — 1879: der Romanschriftsteller Bernhard Kellermann in Fürth geboren.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 180 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück! 60 bis 140, Wirsing 40 bis 50, Weißkraut 30 bis 35. Rotkraut 35 bis 40, gelbe Rüben 20 bis 25, rote R iben 20 bis 25, Spinat 80, Unterkohlrabi 10 bis 15, Grünkohl 45 bis 50, Rosenkohl 75 bis 80. Feldsalat 2=0 bis 300, Tomaten 80 bis 90, Zwiebeln 25, Meerrettich 50 bis 120, Schwarzwurzeln 95 bis 100, Kartoffeln 6,5 (pro Zentner 5,50 Mk.), Aepfcl 30 bis 40. Dörrobst 35 bis 40. Rüsse 70 bis 80. Honig 40 bis 50. Endivien 150. junge Hähne 100 bis HO. Suppenhühner 100 bis 120, Tauben 80 bis 85 Pro Pfund; Eier 20 bis 22, Blumenkohl 80 bis 160. Salat 40 bis 45. Lauch 25 bis 50, Rettich 20 bis 30. Sellerie 20 bis 100 Pfennig pro Stück.
Bornotizen.
— Tageskalender f ü r Samstag. Bauerseher Gesangverein: Konzert für Mitglieder, 8 Uhr, in der Aula der UniDerfität. — Gesangverein Liederkranz: Abend-Unterhaltung, 81/? Uhr, im Safe Leib. — Erste Reichskurzschriftgesellschaft „Gabelsberger“: Vereinsabend. 8*/2 Uhr. in der „Stadt Lich". — Artillerieverein, Monatsveersammlung, 81/, Uhr. — Ruder-Klub Hassia 1926: Mitglieder-Vcrsammlung, 81/? Uhr, im Bootshaus. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Frauenraub in Marokko." — Astoria-Lichtspiele: „Maciste und der Sträfling Rr. 51."
— Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Olympia", 18 bis 20 Uhr. — Bauerscher Gesangverein: Konzert, nachm. 4 Uhr, in der Aula der Universität. — Volkshochschule: Musik-Abend, im Singfaal des Realgymnasiums (Ludwigstraße). — G. D. A. Elternabend, 41/« Uhr, im Postkeller. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Frauenraub in Marokko"; Dornt. 11'/.: „Die olympischen Spiele zu Amsterdam 1928.“ — Astoria-Lichtspiele: „Maciste und der Sträfling Rr. 51.“
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das Stadttheater Gießen bringt am Mittwoch. 6. März, das Drama des bekannten holländischen Dichters Hermann Heijermans. ein Stück, das zur Wende des Jahrhunderts entstanden ist. „Hoffnung auf Segen". Das Moskauer Künstler-Theater hat dieses Drama unter dem Titel „Untergang der Hoffnung" in fein Repertoir genommen und hat damit einen Welterfolg erzielt. Das Drama wird für den Gast, Auguste Prasch-Greven- b e r g, herausgebracht.
und im Reiche verdanken ihm ebenfalls ihre Gründung - so ist feine Arbeit auf funft- schriftstellerischem Gebiete von weltumfassender Bedeutung. Es gibt kaum ein Gebiet der Kunstgeschichte. auf dem Bode nicht intensive und interessante Forschungen angestellt hat. Sichere Beherrschung des Materials, dazu ein feines Stilgefühl und vorurteilslose Kritik zeichnen feine Arbeiten aus.
Wilhelm II. erhob ihn 1914 in den Adelsstand. Am 1. Cf ober 1920 schied Wilhelm v. Bode aus seinem Amt als Generaldirektor der preußischen Staatsmuseen. Die Leitung des Kaiser-Friedrich- Museums bch'elt er bei. Zu feinem 80. Geburtstag wurde ihm als „Dodcspende" ein großer Geldbetrag überwiesen, der von seinen Freunden gesammelt worden war und dazu dienen soll, für das Museum einige besonders wertvolle Stücke zu erwerben.
Wie der Am.liche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung der Witwe deS verstorbenen Kunstforschers Exzellenz Professor Dr. v. Bode folgendes Beileidstelegramm zugehen lassen: „Tief erschüttert durch die Rachricht vom Tode ihres Gatten spreche ich Ihnen und den Ihrigen die wärmste Teilnahme der preus.i.'chen R g erung aus. Wilhelm v. Bodes geniale Persönlichkeit ist der Weg zum Typ des großen Kenners, Sammlers und Organisators geworden. Er hat den preußischen Museen eine neue Gestalt gegeben, durch die fein Andenken für immer bewahrt werden wird."
Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. In der letzten Sitzung der Oberhesfischen
Gesellschaft für Nat. r - und Heilkunde (Hauptversammlung für beide Abteilungen) sprach Dr. W E. A n k e l über das Thema „Gerichtete und willkürliche Geschlechtsbestim- m u n g". Der Redner knüpfte an bas uralte Bestreben der Menschen an, ai.f das Gesch'ccht der Nach- kvmmenschaft einen willkürlichen Einfluß zu nehmen und wies in feiner Einleitunci darauf hin, daß das materielle Interesie einer willkürlichen Gesch.echts-
beftimmung Hand in Hand mit einer zunehmenden sozialen Gleichstellung von Mann und Weib im Sinken begriffen ist. Demgegenüber wird das w ffen- schaftliche Intere"e für das Problem stets das gleiche bleiben und außer den Derhättnisien beim Mensch n die gesamte Lebewett umfassen. Das w ssenschastliche Interesse äußert sich in den beiden Fragen, wie die Geschlechtsbcstimmung bei den Organismen sich ab- spielt, und wo die Möglichkeiten liegen, auf sie Einfluß zu nehmen. Die statistische Berechnung des Zahlenverhältnisses der beiden Geschlechter zuein- ander hat ergeben, daß dieses Verhältnis bei be- ftimmten Arten unter gleichbleibenden Bedingungen konstant ist, beim Menschen beträgt es in M ttel- europa 106 männliche Individuen zu 100 weiblichen Individuen. Diese Konstanz läßt auf einen gesetzmäßigen Ablauf der Geschlechtsbcstimmung schließen, den die Untersuchungen der letzten 30 Jahre zum größten Teil haben klären können. Es hat sich heraus- gestellt, daß bei der Mehrzahl der Organismen die Geschlechtsbest mmung in dem Augenblick der Befruchtung vollzogen wird. Bestandteile der Kerne der Organismen, die sog. Chromosoms, verhalten sich nämlich bei beiden Geschlechtern verschieden; meist hat das eine Geschlecht ein Geschlechtschromosom, das andere dagegen zwei. Dasjenige Gesch'ccht, das nur ein Gesch'echtschromosm hat, bringt stets zweierlei Sorten von Keimzellen hervor, männchenbcst m- menbe und Weibchen bestimmende. Die Umstände bei der Geschlechtszellenbildung und Befruchtung bringen es mit sich, daß normalerweise die beiden möglichen Chromosomenkomb Nationen, also die beiden Geschlechter, in gleicher Menge hervorgebracht werden. Zahlreiche Lichtbilder unterstützten die Darstellung dieses Geschlechtsbestimmungsmechanismus.
Im zweiten Teil des Vortrags wurde, ebenfalls an Hand zahlreicher Lichtbilder, ausgeführt, wo nun die Möglichkeiten der Beeinflussung des Mechanismus liegen Es wurde bas Beispiel eines Schmetterlings genannt, bei dem das Verhalten der Gelch'echts- chromosome derart lenkbar ist. baß bei Wärmeeinwirkung mehr Männchen, bei Kätteeinwirkung mehr Weibchen entstehen. Es wurde ferner gezeigt, daß manche Tiere, z. B. b-'e Blattläuse, selbst die Fähigkeit haben, den Gefchsechtschromosomenmcchanismus in bestimmter Weise zu richten. Es wurde schließlich bargetan, baß es gelungen ist, mit chem scheu Mitteln, z B Alkohol, bei manchen Tieren (Kaninchen, Mäuse) die männchenbestimmenben und bte Weibchen-
— Kirchenmufikalifche Passions- and acht. Zu der morgigen musika.ischen Pas- sionsseier des Posaunenchors von Laag-Gön^ in der hiesigen Stad.k.rche wird uns geschrieben, daß dabei dem Sprechen der Texte durch Frau Dr. Aube! besondere Bedeutung beigelegt wird. Der Chor, der musikalisch auf erfreulicher Höhe steht, wird seine Sache gut machen. Aber den Instrumentalvorträgen fehlt das Wort. Dem soll, wie im vorigen Jahre, in der Weise abgeholfen werden, daß Frau Dr. A u b e l, ein Glied der Rotenburger Schule, die Texte sinngemäß sprechen wird, so daß Wort und Ton zur Geltung kommen. Wer in der Adventszeit 1927 die Rotenburger sprechen, auch singend sprechen hörte, wird bestätigen, daß schon allein das Hören dieses Wortes wertvoll ist. (Siehe heutige Anzeige.)
— Dre Ausstellung im Fröbel-Se- m i n a r, Gartenstraße, ist noch am morgigen Sonntag von 11 bis 1 Uhr und von 3 bis 5 Uhr nachmittags geöffnet
— Der Iugendbund im G D A.. Gießen, veranstaltet am Sonntag, 3. März, im „Postkeller" einen Elternabend, verbunden mit Preisverteilung aus dem Berufswettlampf am 24. Februar, wobei auch ein Film: „Jugend im gleichen Schritt“ gezeigt wird. Man beachte die gestrige Anzeige.
— Volkshochschule. Wir weisen nochmals auf den Musikabend am Sonntag. 3. März, 20 Uhr im Singsaal des Rea gymnasiums hin, der die letzte musikalische Veranstaltung in diesem Wintersemester ist. Siehe gestrige Anzeige.
— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. Morgen, Sonntag, 11.15 Uhr, Frühoorstellung des Sportfilms „Die olympischen Spiele zu Amsterdam 1928". Näheres in der heutigen Anzeige.
•* Veränderungen im Oberhef fisch en Provinzialtag. Don den am 15. Ro- vember 1925 in den Provinzialtag der Provinz Oberhessen gewählten Mitgliedern sind der Landwirt und Mühlenbesiher Heinrich Christ, Holzmühle bei Lollar, durch Amtsniederlegung und der Fabrikdircklor Friedrich May in Gießen durch Tod ausgeschieden. Die Provinzialwahlkommission hat an deren Stellen den Fürsorge- Obersekcetär Fritz Luft in Lauterbach und den Landwirt Georg Philipp Dietz in Rieder-Erlenbach als Mi!g ieder in den Prov.nsialtag berufen.
•• Finanzamtspersonalie. Der Vorsteher des Finanzamtes in Homberg a. d. Ohm, Steueramlmann "Sieger, wurde zum Regierungsrat ernannt.
** E i n Fünfundsiebzigjähriger. Arn nächsten Montag, 4. März, kann der stäbt sche Straßenaufseher i. R. Karl Roth, Steinstraße 71 wohnhaft, in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geburtstag begehen.
" Anlagenkonze<t findet morgen, Sonntag, 11 Uhr, durch das Musikkorps des 1. (Hessischen» Gr.nadicr Dataillcns, 15. Infantcr e-Rcgi- menis, bei günstiger Witterung am Liebig-Denkmal statt. Leitung: Obermusikmeistcr Löber. Die Musikfolge ist: 1. „Die Ehre Gottes in der Ra- tur“, L. van Beethoven; 2. Vorspiel zur Oper „Loreley“, M. Bruch; 3. Große Fantasie aus der Oper „Die Perlens.sä)er“, G. Ti et; 4. Präludium, Chor und Tanz aus der Operette „Das Pensionat“, Frz. v. Suppö; 5. Armeemarsch II, Rr. 262, Marsch des Hessischen Kreisregiments und des Regiments „Landgraf", Landgraf Ludwig VIII.
** Viehrnärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt, dem am Mittwoch Schweinemarkt folgen wird.
** Städtische Brennholzoer st eige- r u n g. Bei der gestrigen Brennholzverste.gerung im Stadtwald, Fernewald, Bezirk des Försters Arft, wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheiter 17 Mark, Eichenscheiter 12 Mark, Kiefernscheiter 12,20 Mark, Eichenknüppel 8,60 Mark, Kicsernknüppel 10,80 Mark, E chenstöcke 6,40 Mark, Kiefernstöcke 5.80 Mark, F chtenstöcke 3,40 Mark je Raummeter; Eichenreiser 15 Mark für 100 Wellen.
Oberhessischer Kun st verein. Es sei nochmals auf die derzeitige Ausstellung im Turmhaus am Brandplah hingewiesen. Conrad F e l i x m ü l l e r stellt hier zum ersten Male aus. Der Künstler ist am 21. Mai 1897 in Dresden geboren und hat als Schüler Carl Banhers die dortige Akademie besucht, er lebt jetzt in größter Zurückgezogenheit, sich nur bestimmenden Geschlechtszellen verschieben zu beeinflussen. Mtt einer Kennzeichnung ber noch vorliegen ben Probleme und einer krit.schen Würdigung der Aussichten für eine willkürliche Geschlechtsbestim mung schloß der Dortrag. Dr. K
Das ungenießbare Bein.
Der Regerfürst Onambo im belgischen Kongogebiet hatte sich vor kurzem einen Fordwagen angeschasft, aber anscheinend ohne Führerschein gesteuert, denn er rannte damit gegen einen Der wenigen dort stehengebliebenen Bäume und brach sich das rechte Bein so unglücklich, daß es abgenommen werden mußte. Die Operafon verlief glänzend, und als der Regerhäuptling aus der Rarkole aufwachte, war seine erste Frage nach dem Bein.
Das wollte er nämlich aufeffen, wie es Sitte seines Stammes wäre seit mehr als fünf Millionen Jahren.
Die Aerzte weigerten sich natürlich, diesen Kannibalismus noch zu unterstützen, legten das Bein in Spiritus und telegraphierten nach Brüssel, was zu tun sei. Onambo, nicht faul, nahm sich den besten und teuersten Anwalt und strengte einen Prozeß auf Herausgabe seines Eigentums an. Selbstredend gewann er die Schlacht, denn ebenso wie jeder Zahnarzt den gezogenen Zahn dem Patienten auf Anforderung ausliefcrn muß, gehört selbst ein abgenommenes Bein immer noch dem ehemaligen Besitzer.
Man konnte also nichts anderes tun. als dem Regerfürsten sein Dein feierlich ft zu überreichen, aber der hat dem Vernehmen nach jetzt einen neuen Prozeß gegen den Chirurgen angestrengt und klagt aus Schadenersatz, weil das Dein inzwischen ungenießbar geworden sei.
Öochschulnachnchten.
Dem nichtbeamteten außerordentlichen Profes- or für Chirurg e und Radiologie an der F r a n l» furter Universität, Dr. Hans Holfelder, der, wie bereits gemeldet, zum ordentlichen Professor ernannt wurde, ist das neugegründete planmäßige Extraordinariat für Allgemeine Klinische Röntgenkunde in der medizinischen Fakultät der Frankfurter Universttät übertragen worden. —


