Ausgabe 
2.3.1929
 
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Die Große Koalition auch im Reich gescheitert.

Oie Bottspariei lehnt den Vorschlag des Reichskanzlers ab.

Der letzte Rettungsanker ist anscheinend nun in der Dogelstrauhpolitik gefunden worden. Die verantwortlichen deutschen Männer stecken ihre Köpfe in den fo lockeren Brandenburger Sand, damit sie nichts weiter von dem Fraktionsgemur­mel, das oftmals recht laut war. zu hören brau­chen, und warten im ädrigen ab, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden. Inzwischen wird der Reichstag auf einige Zeit außer Ak­tion gesetzt, damit erst einmal ein gewisser Abstand von der verworrenen und völlig un­durchsichtigen Lage gewonnen werden finn. Als Resultat verbleibt demnach, daß das Rumpf- k a b i n e t t auch weiterhin ohne Umänderung die Geschäfte leiten wird, daß der Haushaltsplan nicht unter Dach und Fach gebracht werden kann, daß es nunmehr auf jeden Fall zu einem R o t e t a t für die Dauer von zwei Monaten kommen wird, und daß inzwischen kein Wort mehr von der Großen Koalition fällt. Zwar gibt es noch Optimisten die mit 10 Prozent Zuversicht in Anbetracht einer neu angrsetzten gemeinsamen Besprechung der Regierungsparteien mit dem Zentrum noch auf ein Wunder zu hoffen können glauben, doch wird ganz allgemein im Pol tischen Lager jetzt abgeblasen. Wie sich diese Situation, die naturgemäß jede politische Aktion lähmen muß. weiter auSwirlen wird, muh dahingestellt bleiben.

Das amtliche Kommunique.

Berlin, 1.März. (DIB.) Amtlich, heute nach- mittag fand unter dem Vorsitz des Reichskanz- l e r s die gestern in Aussicht genommene zweite Besprechung mit den F ra kl l o n »f üh- tern der gegenwärtig in der Reichsregierung ver- I lreteuen Parteien über die Schaffung f e ft e r ' Regierung-Verhältnisse statt. An dieser Besprechung nahmen auch die Vertreter des Zen­trums, Abg. Br. Slegerwald, und Abg. Esser teil. Der Reichskanzler unterbreitete den Vertretern 1 der fünf Fraktionen nachstehenden Entwurf zur Beschlußfassung:

1. Die fünf Fraktionen des Reichstages unter­stützen die Regierung der Großen Koalition.

2. Sie gehen dadurch koalition-mäßig die Verpflichtung ein, der Reichsregierung mit asten Kräften zu helfen, die gegenwärtig schwebenden bc- deuifamea politischen Aufgaben in gemein- fchaftlicher Arbeit zu lösen. Die koalitions- maßige Bindung bedeutet nicht ein Fesl - legen der einzelnen Fraktionen aus Gesetzen!' roürfe in ihrer gegenwärtigen Gestalt: vielmehr hat jede der fünf Fraktionen das Recht, ihre etwa o b - weichende politische Auffassung im Rahmen der gemeinschaftlichen Koalitionsarbeil zur Geltung zu bringen mit dem Ziel, daß dieser Versuch zu einer Einigung führt

3. Um dos in Ziffer 2 umschriebene Ziel zu er- relchen, werden zwei Ausschüsse gebildet, einer für allgemeinpolitische Fragen und ein anderer für dieur Zeit im Vordergrund stehenden Fragen des Leichshaushalt» und der Steuerpolitik.

4. Der erste Ausschuß tritt zusammen, sobald der Reichskanzler oder einer der Reichsminister oder eine der beteiligten Fraktionen dies erwünscht. Die fünf Fraktionen werden einer solchen Einladung ent­sprechen. Der zweite Ausschuß zur Beratung der Fragen des Reichshaushalts und der Gestaltung der Steuern tritt unter dem Vorsitze des Reichsministers der Finanzen sofort zusammen. Den fünf Fraktionen bleibt es unbenommen, sich in diesem Ausschuß neben den Fraklionsvorsihenden durch Abgeordnete mit besonderer Sachkenntnis auf sinanz- und wirt- schaflspolitifchem Gebiete vertreten zu laßen. Die­sem Ausschuß liegt die Aufgabe ob, den Reich»-

haushallsplan für das Rechnungsjahr 1929 für die Abstimmungen im Reichstage entschcidungs- reif zu machen. Die fünf Fraktionen sind einig in dem Bestreben, den Haushaltsplan für das Rech­nungsjahr 1929 so sparsam als möglich zu gestalten und werden zu diesem Zwecke durch Ab­stricheneue Steuern nach Möglichkeit zu vermelden suchen. Diesem Ausschuß werden auch die Vorschläge des Zentraloorstandes der Deut­schen Volkspartei iur Prüfung überwiesen.

5. Die fünf Fraktionen sind sich darin einig, daß im Lause des Mär; jedenfalls der Rachtragshaus- hall 1923 und ein Rotetat für die ersten Monate des Etatjahres 1929 erledigt werden müssen. Ebenso soll nach Erledigung des Rcichshaushaltrplones 1929 durch den Reichsrat noch die erste Lesung die­ses Haushaltsplanes im März im Reichstag statt- finben, damit den unter Ziffer 4, Absatz 3 erwähnten Ausschußberatungen die oerhandlungstechnische Ba­sis gegeben wird.

In der sich anschließenden Aussprache erklär­ten die Vertreter des Zentrums, daß ihre Frak­tion voraussichtlich bereit fein werde, auf dieser Grundlage wieder in die Regierung einzulreten. Da­gegen erklärte der Abg. Br. Scholz, daß die Deutsche Volkspartei zwar mit den in den Ziffern 3 bis 5 dargestellten Zielen einverstanden sei, dagegen vor einer Klärung derEtols- unb 5 teuerf ragen eine irgenbroie geartete bessere Bilbung der Regierung im Sinne der Zif­fern 1 und 2 nicht zugesteben könne. Rach dieser Erklärung muhte der Reichskanzler am Schlüße der Aussprache feststellen, daß der ver­such zur Schaffung der Großen Koa­lition im Reich zur Zeit als geschei­tert anzuseheu sei, und er nun weitere Schritte nach dieser Richtung nicht mehr unternehmen werde. Die Reichsregierung werde wie bisher ge­genüber Anträgen der Parteien, die sie nicht ver­antworten könne, ihre ablehnende Haltung auf alle Konsequenzen hin klar zum Ausdruck bringen. Der Reichskanzler wird dem Herrn Reichspräsi­denten über den Ausgang der Verhandlungen Bericht erstatten.

Kritik der Preffe.

Berlin, 2. März. (Priv.-Tel.) Der fozial- demolratifcheVorwärts" schreibt: Die Ver­handlungen über die Bildung einer Großen Koa­lition Im Reich find gestern von der Volkspartei gesprengt worden. Der Reichskanzler wird am 13. März vor den Reichstag treten und ihm den Haushaltsvoranschlag*: 1929 verlegen. Das bedeutet eine Aufforderung zur sach­lichen Arbeit. Falls nicht bis zum 13. März noch irgendeine Wendung cintritt, wird sich ein eigentümlicher Zustand ergeben. Die Regierung Müller-Stresemann C. r ins wird einen Etat vertreten, der von der Fraktion Slresemann- Curtius bekämpft wird. Es muß der Versuch gemacht werden, im Plenum und im Haushalts- ausschuß durchzusetzen, was bei den langwierigen Verhandlungen hinter den Kulissen nicht erreicht werden konnte: Die Verabs .Erdung eines Reichs­haushaltes ohne Defizit innerhalb einer möglichst kurzen Zeit. Die Reichsrcgierung wird öfter als einmal genötigt sein, Forderungen an den Reichs­tag zu stellen, mit denen sie steht und fällt. Unö dann müssen die Parteien wissen, was sie zu tun haben! Die Regierung zu stürzen und eine neue an ihre Stelle zu fetzen, ist ihr gutes Recht. Aber sie müssen wissen, daß sie für das, was sie tun, vor dem Volke die Verantwortung tragen.

In der Zentrums- «Germania" wird aus­geführt: Wenn die Deutsche Volkspartci wirtlich auch gestern noch eine arbeitsfähige Reichsregie­rung schaffen wollte, dann gab es nur den Weg,

Kein Rücktritt des Kabinetts.

den auch der Vorschlag beS Kanzlers wollte: Erst Koali.ion und Interfraktioneller Ausschuß und dann Ausgleich der finanzpolitischen Mei­nungen. Herr Scholz hat dies abgelehnt, und zwar unter solchen Ilmständen, die kaum noch einen Zweifel daran lassen, daß der Deutschen Volkspartei gegenwärtig der ernste Wille fehlt, die Reichsregierung zu fachlicher Arbeit und star­ker politischer Fichrung zu befähigen. Die «Voss. Ztg." urteilt: Es muh daS letztemal gewesen sein, daß in diesen Formen mit den Frak­tionen über eine Kabinettsbildung verhandelt worden ist. Die Entschließung der demokratischen Fraktion, die da fordert, daß mit dem Frak­tionsspiel endlich einmal Schluß ge­macht wird, spricht nur aus, was Millionen von Wählern finden, die nicht wollen, daß zum Schaden der Republik mit dem parlamentarischen System derart Schindluder getrieben wird. Die «Daz" erklärt: Der Reichskanzler mußt jetzt zeigen, ob er auch ohne die koalitions- mäßige Spitze, die wir dem Kabinett gern verschafft hätten, unter Ueberwindung der Par- teigegensähe und der Hemmungen seiner eigenen Fraktion zu führen versteht. 3m Gegensatz hierzu ist der «Lok.-Anz." der Meinung, daß die Sozialdemokratie den Anspruch auf die Führung der Reichsgeschäfte ungesäumt fallen lassen müsse, denn die Parteien, die sie brauche, um eine solche Führung praktisch geltend machen zu können, hätten sich ihr versagt.

Ein demokratischer Protest.

Parteigeist siegt über Staatsgeist.

Berlin. 1. März. ($11.) Die demokratische Reichstagsfraktion verbreitet eine Erklärung, in der es heißt:

«Die demokratische Reichstagsfraktion hat bei den Verhandlungen im Einverständnis mit Koch- Weser kernen Zweifel daran gelassen, daß sie be­reit ist, zur Befriedigung der von anderer Seite erhobenen Ansprüche den Reichsjustizminister aus seiner erfolgreichen Arbeit herauszuneh­men, obwohl sie es nicht für eine Förderung des parlamentarischen Gedankens hält, wenn der Rücktritt eines bewährten Ministers verlangt wird, damit die PortesemlleS unter den Regie­rungsparteien nach den Grundsätzen des V e r l t n i s w a h lr e ch t s schematisch verteilt werden. Trotzdem haben die monate­langen Verhandlungen noch zu keinem Ergebnis geführt, weil sich die anderen Parteien über ihre hartnäckig festgehalienen Ansprüche nicht zu ver­ständigen vermochten. So ist es gekommen, daß während seit de n 9. Februar die Deparations- sachverständigen in Paris über deutsches Schick­sal beraten, in Berlin keine von einer AeichstagsmehrheitaestühteRegie- rung vorhanden ist. und die Verabschiedung des Haushaltes verzögert wird. Ein solcher Vor­gang muß dazu dienen, das Ansehen des Parla­mentarismus auf das schwerste zu erschüttern und die Agitation gegen die Weimarer Verfassung zu stärken. Sie deutsche demokratische Reichstags- fraltion erhebt gegen Art und Form, in der die Verhandlungen sesührt werden, den entschie­densten Widerspruch. Diese Verhandlun­gen verstoßen gegen den Sinn der Weimarer Verfassung, indem siedasRechtde SR e i ch s- kanzlers. seine Mitarbeiter aus­zuwählen, illusorisch machen und die Ent­scheidung über die Zusammensetzung und über die sachlichen Cntfchließunc,en des Kabinetts i n d i e Parteien verlegen, die zudem teilweise noch nicht einmal darauf verzich.e.i wollen, die Rechte einer RegierungS- und einer Oppositions­partei zugleich zu genießen. Auf diese Weise wird öie Verantwortung ve.schoben, der demo­kratische Grundsatz der Führerauslese miß­achtet und dem Parteigeist zum Siege über den Staatsgeist verholfen."

Lloyd George eröffnet den Wahlkampf.

Vernichtende Kritik au Chamberlains Außenpolitik.

London, 1. März. (WD.) Lloyd George hielt, auf einem Frühstück vor 40D liberalen Par- lamentslanbiaaten seine Programmrede über die Wahlpo.llik. Er erhärte: Die Arbeitslo­sigkeit sei größer geworden, als sie es bei Antritt der konservativen Regierung war. Der Landwirtschaft gehe es so sch.echt, wie es ihr seit 50 Jahren nicht gegangen sei. Die Re­gierung habe die Schwierigkeiten des Handels vermehrt. Die Regelung der ame­rikanischen Schuld, ohne eine internatio­nale Regelung abzuwarten, sei unverantwort­lich gewesen. Die uoerstürzte Rückkehr zum Goldstandard sei die Ursache der Arbeits­einstellung in der Kohleninduärie im 3a)re 1926. 3m Auslande sei der Einsluß Großbritan­niens außerordentlich gesunken. Lloyd George er­klärte unter Beifall weiter:

Ich bin stets für eine Freundschaft mit Frank- reich gewesen, aber wir sind nicht eine franzö- sische Provinz. Denn ev sich um einen Vorschlag für den Frieden ober um einen Rüstungvvor- fchlag handelt, fo bemerkte Lloyd George ito- n.fch, fo muh erst ble Ansicht Frank- reich» abgeroar tet werben. Aber bas bri­tische Reich Ist boch ein unabhängiger S o n ; e r n unb muh In ben Raten bet Mensch­heit für sich selbst sprechen. Sir Austen Ehom- berlaln Hal vor kurzem eine ber prahlerischsten Reben gehalten, bte Ich je gehört habe. Er Hal erklärt, al» er sein Amt anlrat, habe er alles In Verwirrung, Dunkelheit unb Chaos gehüllt gesehen, aber jetzt, nachdem er fünf Jahre Im Toreign Office fei, sehe er Ordnung, Lichl unb Sicherheit. Clotjb George bemerkte: Sir Austen soll lieber fein Monokel obwlscheu unb noch einmal hlufehen. Gibt es denn nichts, was

beutig'cit und des Halbdunkels angenommen hat und von der man sich nun wirklich fragt, was sie eigentlich in der Gefarntsituation, in der das englische Weltreich heute überall ist, diesem selbst nützen soll!

auS Lugano? Das deutsche Volk glaubt der- gleichen einsach nicht mehr!

Rur zweierlei sei dem noch angefügt: 3n diesem Dokument spielt eine Dolle, daß der Kriegsfall an dem Verhalten Hollands in der Schelde- frage entstehen könne, die bekanntlich eine lang hingezogene Streitfrage zwischen Holland und Belgien ist. Das ist ein solcher Unsinn, daß man allerdings auf den Gedanken kommen müßte, das Dokument sei nicht in jedem Worte genau. Dann: die Psychose gegenüber Deutschland, die aus den Dokumenten spricht! Man braucht doch nur die Soldaten zusammen zu rechnen, die Frankreich und Belgien sofort auf die Deine stellen, die Kriegsmittel, die fic in Verwendung sehen können. Und trotzdem halten int Ernst hohe Offiziere nod) berat *- Verabredungen für not­wendig? QlTilitärify oedeutet die Abmachung, wenn sie echt ist, für Deutschland ja nichts. Denn es ist sowieso wehrlos! Aber wenn sie echt ist, wüte sie der Ausdruck einer Psychose, einer Militärpolitik Frankreichs, der gegenüber es im Grund überflüssig wäre, über europäischen Frie­den und europäische Friedcnspoli.ik nachzudenken, renn solche Mentalität muß einmal mit einer geradezu elementaren Rotwendigkeit zu einem neuen Kriege führen!

Es bedarf keines Wortes, was eine derartige Aussicht unb W-g.ichkcit für das bedeuten toutöe, was Europa aus dem aSd.fricg überhaupt noch gerct.et hat Es bedarf auch keines Wortes wei­ter darüber, wie dergleichen auf die Vereinig- t e n Staaten von Amerika wirken muß, deren neuer Präsident am Montag fein Amt an­tritt. Das ist wirklich eine ausgezeichnete pas­sende Antwort auf den Kellogg -Pakt und die Strömungen, die in Amerika für eine Zusammenarbeit mit Europa und die Sicherung eines europäischen Friedens unter Mitarbeit der Vereinigten Staaten vorhanden sind.

Der Ernst aber dieser europäischen Situation wird erst recht eindringlich, wenn man sie auf dem Hintergrund der wachsenden englisch- amerikanischen Spannung unb Flotten- eifersucht sieht, deren Zunahme kein unbefan­gener Beobachter leugnen lann. Schließlich wür- Den wir uns. nach dem, was wir von Frankreich erfahren haben, nicht so besonders wundern, wenn dieses Dokument einer französischen Herrschasts- und Militärpolitik sich als echt erweisen sollte. Aber mit immer stärkeren Zweifeln und Fragen verfo'gt man eine Außenpolitik Englands, die immer mehr wieder den Charakter ber Zwei­

ihn in Süboffeuropa unb Zentraleuropa ober In ber gespannten Stimmung in ben Bereinigten Staaten seit dem englisch-französischen Pakt be­unruhigt? Die Rüstungen nehmen zu. Denn Sir Austen Chamberlain noch einmal

Hinsicht, wird er weniger selbstgefällig fein.

Lloyd George trat bann für rückf ichtslofe Beschnei bungderunproduktivenAus- laben, für Beseitigung der künstlichen Handels- chranken, für ernstl.chen Beginn der Weltabrüstung, ür die systematische Entwicklung der britischen H.lfs- quellen, für energische Bekämpfung der chronischen Arbeitslosigkeit ein. Wenn die Liberale Partei bei den nächsten Neuwahlen m t ber Verantwortlichkeit ber Regierung betraut wirb, stehen wir mit einem Arbeitsplan bereit, ber die furchtbare Arbeitslosen- Ziffer im Laufe eines Jahres auf die normalen Ver­hältnisse herabsctzen wirb. Diese Pläne werben die Besteuerung nicht um einen Pfennig vermehren.

Oie polnische Denkschrift über Danzig

Derlin, 2. März. (Priv.-Tel.) Wie wir er­fahren, ist die veröffentlichte polnische Denkschrift über die Zukunft Danzigs sofort zum Gegen­standeingehender Prüfungen bei den zuständigen Stellen geworden. Dabei muß zu­nächst einmal festaestellt werden, ob diese Denk­schrift auch authentisch ist. Es steht zu er­warten, daß die deutsche Delegation sofort in ®cnf Gelegenheit nehmen wird, der ganzen An­gelegenheit auf den Grund zu gehen. Außerdem sollen auch diplomatische Schritte in Warschau unternommen werden. 3nteressant würde es sein, zu erfahren, durch welche 3ndiskretion diese Denk­schrift, die an und für sich eigentlich nur das aus- spricht, was man von der polnischen Politik gegen- über Danzig schon lange weiß, an die Oesfent- lichkeit gelangt ist.

Tirol im Großen Zaszisterrrai.

Bozen. 1. März. ($.-11) Der Große Fafzistenrat in Rom hat am Mittwoch die Ab­geordneten sür die neue italienische Kammer ernannt, die am Palmsonntag von den Wählern zu bestätigen sind. Für die Provinz Bozen, die bisher von den Abgeordneten Dr. Sternbach und Dr. Tinzl vertreten war, wurden vom Fafzistenrat folgende neuen Abgeordneten aufgestellt: Eommendatore Shesa. Präsident der Eisack-ElektrizilätSwerke, Luzianv M i o r t,

Großgrundbesitzer bei Bozen, Präsident des land­wirtschaftlichen Schulwesens der Provinz Bozens der dritte Abgeordnete ist der Präsident des 3n- validenverbandes, Hauptmann Dellabona. und der vierte der Gutsbesitzer von Radio de R a d i i z aus Tscherms bei Meran, der ehemals Generalstabsosfizier im ersten Regiment der Koiserjäger war. Aadiiz ist also der einzige deutsche Abgeordnete für Bozen.

Reue Ausstandsbewegung in Spanien?

Infanterie macht gemeinsame Sache mit entlassenen Artilleristen.

London, 2. März. (WT2. Funkspruch.) Der Sonderberichterstatter derMorning Post" meidet von der spanischen Grenze: Die spanische Re­gierung hat von einer neuen Verschwörung Kennt­nis erlangt, deren Hauptquartier in Ba rce- lona ist. Es ist zur Zeit noch zweifelhaft, ob die Regierung in der Lage sein wird, genügend Verhaftungen vorzunehmen, um den erwarteten Aufstand innerhalb weniger Tage vollkommen zu unterdrücken, denn die Bewegung ist verbrei­teter. als die vorherige. Eine große Zahl unzufriedener 3nfanterieofsiziere und Mannschaften machen gemeinsame Seche mit den nach der Erhebung von Ciudad Real ent­laßenen Artilleristen. Die Flotte wird wahrscheinlich der Regierung Io.;al bleiben. Alle Schiffe werden mit voller Kriegsausrüstung für gewisse Rotfälle versehen. Es ist nicht wahr­scheinlich. daß Unruhen während des augenblick­lichen Besuche- der britischen Flotte ausbrechcn werden. LautMorning Post" stammt die obige Meldung au« zuverlässiger Quelle in Spanien.

Trotzki über die Gründe seiner Ausweisung.

Konstantinopel, 1. März. (TU.) Trogki hat durch Vertreter der trotzkistischen Opposition in Kon­stantinopel eine Erklärung betanntgegeben, in der er die Gründe seiner Ausweisung aus der Sowjet­union darlegt. Er erklärt, daß die Ausweisung gegenseinenWillen erfolgt sei. Trotzki wollte in der Sowjetunion bleiben und verlangte nur bie Uebersuhrung nach einem Ort im Sü­den Rußlands, weil das Klima in Ost-Turke-

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Fröste haben sich in unserem Bezirk etwa« abgeschwächt, und auch tagsüber hat die Erwär­mung zugenommen. Gießen: gestern morgen 12 Grad, heute 8 Grad. 3n Schlesien da­gegen trat erneute Frostverschärfung ein. Bres­lau: gestern17 Grad, heute22 Grad. Das ausgedehnte zentraleurop. ische Hoch'-r^ckgelsist wandert ostwärts ab. Trotzdem bleibt zunächst sein Einsluß für unsere Wetterlage noch maß­gebend. Rachts kommt cS weiter zu Strahlungs- fröslen und tagsüber macht die Erwärmung wei­tere Fortschritte.

Wettervoraussage für Sonntag: Meist heiteres Wetter, trocken, nachts weiterhin Frost, tagsüber fortschreitende Milderung.

Wettervoraussage für Montag: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 1. März: mittags1,1 Grad Celsius, abends 12,6 Grad Celsius; am 2. März: morgens8,5 Grad Celsius. Ma^mum 1,1 Grab Celsius, Minimum 12,4 Grab Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 1. März: abends1,9 Grab Celsius; am 2. Marz: morgens 2,9 Grab Celsius. Sonnenscheinbauer 8% Stunden.

Mntersportnachrichlen ber Hess, Wetterdienststelle.

Vogelsberg (Hoherobskopf): Wetter heiter, Temperatur 10 Grab Celsius, 35 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski unb Nobel sehr gut. (Herchenhainer Höhe): Heiter, Tempe­ratur 6 Grab Celsius, 30 Zentimeter Schnee, etroas verharscht, Ski und Rodel gut.

Odenwald (Tromm): Heiter, Temperatur 10 Grab, 25 Zentimeter Schnee, etwas verharscht Ski unb Robel gut. (Neunkirchen): Heiter, Tem­peratur 12Grab Celsius, 18 bis 20 Zentimeter Schnee, stark verweht, Ski und Robel gut.

Sauerlanb (Winterberg): Heiter, Temperatur minus 9 Grab Celsius, 38 Zentimeter Schnee, kein Neuschnee, bie Schneebecke ist etwas verharscht. Sportmöglichkeit für Ski unb Rodel gut. Schwarz­wald (Feldberg): Heiter. Temperatur minus 14 Grob Celsius, 98 Zentimeter Schnee,Pulverschnee, Ski unb Robel sehr gut

Alpen (Berchtesgaden): Heiter, Temperatur minus 18 Grab, 45 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski unb Rodel sehr gut. Hirschberg: Heiter, Tem­peratur minus 10 Grob, 225 Zent meter Schnee, Pulverschnee, Ski unb Rodel sehr gut