Ausgabe 
1.10.1929
 
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Oie Verständigungspolitik.

Rechberg über die Haltung des Stahlhelms.

Berlin, 30. Sept. (Prio.-Tel.) Nachdem der große (Sturm der Behauptungen und Gegenerklä­rungen über die Verhandlungen rechtsstehender Po­litiker mit Herrn Reynaud abgeflaut ist, bringt jetzt derI u n g d e u t s ch e" gleichsam eine abschließende Erklärung Arnold Rechbergs, der dabei zu folgenden Feststellungen kommt:Was die Poli­tik der Stahlhelmleitung angeht, so bin ich auch heute noch fest davon überzeugt, daß die Füh­rer des Stahlhelms ehrlich gewillt waren, über eine ernsthafte Einigung mit den West möchten und insbesondere mit Frankreich auf der Basis zu verhandeln, wie ich sie befürwortet hatte. Es bleibt daher nur die Vermutung, daß die Stahlhelmleitung zuletzt einer unmittelba­ren Einwirkung des Geheimrats Hu- genberg nachgegeben hat. Dabei ist aller­dings unverständlich, in welch sachlichen Motiven die Opposition des Geheimrats Hugenberg gegen die von mir befürwortete Politik begründet ist, nachdem sich der Kapitän Ehrhardt, dessen Patriotismus nie­mand zu bezweifeln wagt, öffentlich dafür ge­äußert hat." Rechberg versucht dann, eine Erklä­rung für die Einstellung Hugenbergs in diesem Falle zu finden, wobei er auf das Gerücht hinweist, daß der bekannte Oberst a. D. Nicolai zusammen mit dem Vertrauten Hugenbergs, dem Kapitän W i d e n- mann, auf der Jndustrietagung in Düsseldorf ge­weilt hätte. Oberst Nicolai war aber bisher als Vertreter einer scharfen antifranzösischen Politik be­kannt, die sogar soweit gehen sollte, daß Nicolai ein Bündnis zwischen der deutschen Armee und den sowjetrussischen Truppen zum Kampf gegen Frank­reich an der Elblinie für möglich hielt. Wir glauben aber kaum, daß Oberst Nicolai einen derart tief­gebenden Einfluß auf die Politik Hugenbergs be­sessen hat.

Frankreich und dieZnlernakionale Zahlungsbank.

Paris, 1. Oft. (WTB. Funkspruch.) 3m Hinblick auf den bevorstehenden Zusammentritt! des Organisationskomitees für die Internatio­nale Zahlungsbank, setzt sich »Excelsior" mit den verschiedenen Tendenzen zur Ausgestaltung dieser Dank auseinander. Das Blatt formuliert den französischen Standpunkt folgender­maßen: Cs handelt sich keineswegs darum, eine Heberbank einzurichten, die in die souve­ränen Rechte der Staaten eingreifen oder auch nur die Borrechte und Befugnisse der zentralen "Notenbanken beschranken darf. Ebenso wenig han­delt eS sich um die Schaffung einer neuen farb­losen Reparationskommission ohne alle Kontrollrechte und Aktionsmittel. Die französi- sche Delegation wird sich auf den Boden des Sachverständigenberichtes stellen, der in seiner Gesamtheit von allen im Haag vertretenen Re­gierungen angenommen worden ist. Die 3nter- nationale Dank wird im wesentlichen die Auf­gabe haben, die Goldwährungen vor jeder Entwertungsgefahr, die sich aus den internationalen Zahlungen ergeben könnte, zu schützen. Rur unter diesem Gesichtspunkt wird sie die finanzielle Verwaltung der Reparationen im Zusammen- hang mit den interalliierten Schul­den und den Zahlungen Europas an Amerika übernehmen können. Die Internatio­nale Dank wird als Verbindungsorgan zwischen den autonomen Danken der verschiedenen in ihrem Verwaltungsrat vertre­tenen Länder niemals auf die innere oder äußere Politik der Staaten Einfluß nehmen dürfen. Cs kann also in keinem Falle in Frage kommen, ihr in irgendeiner Form oder unter irgendeinem Vor­wand die Möglichkeit der Kreditgewäh­rung an die Regierungen zu geben.

Oie englischen Bahnschuhiruppen verlassen das Saargebiet.

Saarbrücken, 30. Sept. (2BB.) Der für heute nachmittag um 2.30 Uhr angesehte Abmarsch der englischen Bahnschuhtruppen vollzog sich ruhig und ohne Störung. Nach einer kurzen militärischen Feier und Einholung der Flagge zogen die Trup­pen durch die Stadt zum Bahnhof, wo fran- zösisches und belgisches Militär Spalier bildete. Die Truppen werden hier nach Wiesbaden verladen, um von dort aus in den nächsten Tagen mit ihrem Stammregiment zusammen nach Eng­land verladen zu werden.

Die amerikanische Schiffsban- industrie und die Abrüstung.

Shearer vor dem Untersuchungsausschuß.

Washington, 30. Sept. (WTB.) Vor dem parlamentarischen Llntersuchungs- ausschuß, der sich mit der Rüstungspro- paganda der Schiffsbauindustrie be­saht, wurde mit der Vernehmung des vielge­nannten Agenten Shearer begonnen. Shearer erzählte, er habe bei einem von der Marine im November 1926 veranstalteten Essen eine Rede gehalten, und auf Grund dieser Rede sei die gesamte Schiffsbauindustrie an ihn heran­getreten. Wakeman, der Vizepräsident der Dethlehem Schifssbaugesellschaft, hätte zu ihm ge­sagt:Wir denken, Sie sollten nach Washin g- t o n gehen und versuchen, eine Entscheidung des Dundeskongresses hinsichtlich der Kreuzervorlage herbeizuführen." Auf Wunsch der Schiffsbau­interessenten, die von der Wendung der Dinge in Washington entzückt gewesen seien, sei er dann später nach Gens gegangen. Kein einziges Mitglied der amerikanischen Dele­gation in Gens, so führte Shearer weiter aus, habe gewünscht, daß die Konferenz scheitere, und er habe auch niemals behauptet, daß er das Scheitern der Konferenz herbeigesührt habe. Er habe nicht den Fehlschlag der Konfe­renz erstrebt, sondern lediglich seinen Ver­stand und seine Fähigkeiten dazu benutzt, zu erfahren, wie die Dinge stünden. Auf eine dies­bezügliche Frage erklärte Shearer, er sei niemals Alkoholschmuggler gewesen und sei auch niemals in London beschuldigt worden, einen Wechsel von 750 Pfund Sterling gestohlen zu haben. Er sei der Ansicht gewesen, daß er einen zehnjährigen Vertrag mit den Schisfsbaufirmen mit einem Gehalt von jährlich 25 000 Dollar habe. Auf die Frage, was er in Genf tun sollte, antwortete Shearer:Ich ging nach Gens, um dafür zu sorgen, daß die amerikanisch« Marine hinsichtlich

Oie Zulassung des Volksbegehrens

Eine Verordnung des Reichsinnenministers Severing. OaS Volksbegehren ein Versuch mit untauglichen Mitteln".

Berlin, 30. Sept. (WB. Amtlich.) Jm Reichs- anzeiger vom 1. Oktober 1929 wird eine Ver­ordnung des Reichsministers des In­nern vom 30. September 1929 veröffentlicht, in der das vomReichsausschuh für das deutsche Volks­begehren" beantragte Volksbegehren bekannt- gegeben und die E i n t r a g u n g s f r i ft auf die Zeit vom 16. bis 29. Oktober 1929 festgesetzt wird.

Der Relchsminister des Innern hat hierdurch den Vorschriften des Gesetzes über den Volksentscheid vom 27. Juni 1921 entsprochen, ohne durch die Veröffent­lichung zu dem Inhalt des beantragten Gesetzent­wurfes irgendwie Stellung zu nehmen. Die Reichs­regierung weih sich mit der erdrückenden Mehrheit des deutschen Volkes in der Auffassung einig, daß die Besserung der auhenpolitischen Lage nicht durch ein wie immer geartetes deut­schesGesetz" zu erzwingen ist, sondern allein durch zähes Ringen im Verhand­lungswege mit den Vertragsgegnern schrittweise erreicht werden kann. Die Reichsreglerung will dec Durchführung des Volksbegehrens die v e r - faffungsmähigen Garantien selbstver­ständlich nicht vorenthalten. In der Sache selbst wird sie dem Beginnen, das von Anfang an als versuch mit völlig untauglichen Mit­teln erscheint und in der Wirkung nur geeignet ist, den innerpolitischen Zwist zu vertiefen, allen ge­bot enen Wider st and entgegensetzen.

Volksparkei und Volksbegehren.

Eine Entschließung des Reichsausschusses.

Berlin, 30. Sept. (WB.) Wie dieRational- liberale Korrespondenz" mitteilt, hat Reichsmi­nister Dr. Stresemann heute in einer Sit­zung des Reichsausschusses der Deutschen Volks­

partei Bericht über die politische Lage erstattet. Der Reichsausschuß nahm einstimmig und ohne Aussprache eine vom Parteivorstand vorgelegte Entschließung an, in der zu dem Volksbegehren gegen Kriegsschuld­lüge und Boungplan Stellung genommen wird. Einleitend wird darauf hingewiesen, dah jede deutsche Regierung, auch Reichspräsident v. Hindenburg und Reichsaußenminister Dr. Stresemann, Die Behauptung, Deutschland sei schuld am Weltkriege, mit Entrüstung zu­rückgewiesen habe. Der Kampf gegen die Schuldlüge werde mit allen tauglichen Mitteln fortgesetzt. Das Volksbegehren renne, wenn es zum Kampf gegen die Schuldlüge auffordere, offene Türen ein. Der Voungplan sei bisher in seiner vollen Auswirkung noch nicht zu über­sehen. Dem deutschen Volke wurden keine neue Ve r p f lichtungen aufgebürdet, sondern weit­gehende Verbesserungen des gegenwär­tigen Zustandes gebracht. Die Bedeutung des Voungplanes erschöpfe sich nicht im Materiellen, es werde vielmehr in erster Linie um die end­liche Befreiung Deutschlands von fremder Besatzung und um die Abschaf­fung i>es fremden Kontrollsystems gerungen. Die Entschließung spricht dem Reichs­minister Dr. Stresemann den Dank für feine Hin­gabe an die große Sache aus und dankt weiter der Reichstagsfraktion für die energische Ini­tiative, mit der sie in den bedeutsamen Fragen der Neugestaltung der Wirtschaft, der Ordnung der Finanzen und der Sen­kung der Steuerlasten borangegangen fei. Das aussichtslose Volksbegehren schaffe im deut­schen Bürgertum einen neuen Riß, dessen -nheilvolle Wirkungen die Durchführung der drin­gend notwendigen inneren Reform aufs äußerste gefährde. Die Urheber des Volksbegehrens trie­ben ein frivoles Spiel mit den heiligsten natio­nalen Empfindungen und der wirtschaftlichen Rot des deutschen Volkes. ,

der Publizität ihr Recht erhalte. Die Schiffsbau­firmen haben mir niemals Halt geboten." Zu der plötzlichen Aushebung seines Vertrages mit den Schiffsbaufirmen erklärte Shearer:Bardo kam hierher und berichtete, Kellogg hätte der Beth­lehem-Gesellschaft gesagt, sie sollten mich los­werden, sonst würde das Iustizamt den von der Regierung im Jahre 1910 gegen die Bethlehem Steel Company anhängig gemachten Prozeß, bei dem es sich um 15 Millionen Dollar handele, eröffnen.

Oie Zündholzwirischast.

Eine amtliche Darstellung.

Berlin, 30. Sept. (WTB.) Zu der Frage der Zündholzwirtschaft wird uns von den zu­ständigen Ressorts mitgeteilt, dah eine Auslieferung der Zündholzindustrie an den Schwedentrust nicht in Betracht kommt, Verhand­lungen Darüber auch niemals gefüfjrt wor­den sind. Cs handelt sich vielmehr um folgendes: Die unhaltbare Lage aller in Deutschland pro­duzierenden Zündholzfabriken und die Damit ver­bundenen Gefahren der Stille gung und weiteren Heberfremöung machen eine Reuordnung der Zündholzwirtschaft un­vermeidbar. In diesem Zusammenhang ist die Frage einer Gegenleistung des Schwe­dentrusts für die Verbesserung der Lage des Zündholzsyndikates und damit auch der von den Schweben in Deutschland betriebenen Fabriken in Form einer Anleihe Gegenstand von Erörte­rungen gewesen. Die Reuregelung der Zündholz­wirtschaft kann im übrigen nur durch Gesetz erfolgen.

Oie Gta-t Berlin und -er Gklarekskandal.

Bisher keine strafbaren Handlungen eines Beamten festgestellt.

Berlin, 30. Sept. (WB.) Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Den Vertretern der Staatsanwaltschaft wurde von dem Bürgermeister Scholz und Stadtkämmerer Lange das gesamte Material über den Sklarekfall vorgelegt und, so­weit es sich gegen städtische Beamte richtet, durch­gesprochen. Aus der Besprechung hat sich ergeben, daß bisher keine strafbare Handlung eines Beamten fest gestellt ist, die der Staatsanwaltschaft zu einem Eingreifen Veran­lassung gäbe. Es sollen daher nach der Bespre­chung alle weiteren Ermittlungen gegen die Be­amten gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft von der städtischen Verwaltung weitergeführt werden. Sollte eine strafbare Handlung noch in Erscheinung treten, so wird die städtische Verwaltung der Staats­anwaltschaft unverzüglich davon Kenntnis geben. Im übrigen sollen die Ermittlungen mit tunlichster Beschleunigung und Energie zu Ende geführt werden.

Oie Brüder Sklarek und die K. p. O.

Berlin, 30. Sept. (WTB.) Anläßlich der Affäre Sklarek hatte die Kommunistische Partei Stadtrat Degner den Vorwurf gemacht, er habe besonders enge Beziehungen zu den Gebrüdern Sklarek gehabt. Wie eine hiesige Korrespondenz erfährt, haben diese An­griffe Degner veranlaßt, die Konsequenzen zu ziehen und aus der Kommunistischen Partei a ü s- z u s ch e i d e n. Degner will ein Verfahren gegen sich selbst beantragen, um nachzuweisen, daß er mit der Kreditgewährung an die Gebrüder Skla­rek nichts zu tun gehabt und daß er ihnen auch sonst keine Vorteile verschafft habe.

Oer Berliner Oberbürgermeister auf Reisen.

Washington, 30. Sept. (WTB.) Der Berliner Oberbürgermeister Dr. Böß traf in Begleitung feiner Gattin hier ein und unter* nahm in Begleitung von Mitgliedern der deut­schen Botschaft eine Rundfahrt durch die Stadt. Später wurde Dr. Böß von Präsident Hoover empfangen. Rach dem Besuch im Weißen Hause gab der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat Dr. K i e p, zu Ehren des Oberbürgermeisters und feiner Begleitung ein Frühstück, an dem bie Spitzen der hiesigen Verwaltung teilnahmen.

Rachmittags veranstaltete Botschaftsrat Dr. Kiep einen Empfang zu Ehren der Berliner Be­sucher, bei dem die deutsche Kolonie und die Washingtoner Gesellschaft stark vertreten waren. Abends fuhr Oberbürgermeister Dr. Böß mit seiner Begleitung nach Detroit weiter, wo die deutschen Besucher Gäste des Automobil­fabrikanten Ford fein werden.

Die Kommunisten demonstrieren.

Kundgebungen in Berlin.

Berlin, 30. Sept. (WB.) Einer von den Kommunisten heute nachmittag veranstalteten Kundgebung im Lustgarten waren in sämtlichen zwanzig Berliner Bezirken Umzüge der Erwerbslosen vorausgegangen. Auch vor dem Reichstagsgebäude hatten sich Abordnungen von Erwerbslosen- und Frauen- Organisationen eingefunden. Die Polizei beschlag- ncchmte eine Anzahl von Plakaten und Schildern mit aufreizenden Inschriften. Einige Demonstran­ten, die die Uniform des Roten Front­kämpfe rbundes oder der Roten Iungfront trugen, wurden zwangsgestellt. Bei der Kundgebung im Lustgarten sprachen die führenden kommunistischen Reichstagsabgeord­neten und Stadtverordneten. Der Abmarsch der Teilnehmer an der Kundgebung hat sich ver­hältnismäßig ruhig vollzogen. Während der Ver­sammlung im Lustgarten wurden fünf Personen festgenommen, weil sie die Polizeibeamten gröb­lich beschimpft hatten. Beim Abmarsch wurden mehrere Züge aufgelöst, weil sie verbotene Lieder sangen. In der Rahe des Görlitzer Bahn­hofs bewarf ein Trupp von etwa 100 Kommu­nisten ein Lokal der Rationalsozialiften mit Stei­nen. Auch dieser Zug wurde sofort von Polizei­beamten aufgelöst. Dis 21 IHjr waren im Po­lizeipräsidium zehn Kommunisten eingeliefert worden, die sich wegen Widerstandes, Beleidi­gung usw. zu verantworten haben werden.

Aus aller Welt.

Generalberfammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine.

Die 16. Generalversammlung des Bundes Deut­scher Frauenvereine, an der über 1000 Vertre­terinnen der verschiedensten Frauenorganisa- tionen teilnahmen, wurde in Königsberg eröff­net. Die Dundesvorsihende, Frau Ender, ge­dachte in warmen Worten der verstorbenen frü­heren Vorsitzenden Frau Louise Kieselbach. Die Wahl von Königsberg als Tagungsort fei in der Absicht geschehen, durch eine Organisa­tion von zwei Millionen Frauen zum Ausdruck zu bringen, wie alle Frauen des Reiches sich eng mit dem Osten verbunden fühlen. Die Ta­gung wurde dann weiter durch den Oberpräsi­denten Dr. Siehr willkommen geheißen. Für die Reichsministerien sprach Frau Oberregierungs- rat Lüders. Die Reichsregierung erhoffe eine stärkere Annäherung zwischen den Frauen des Landes und der Stadt. Gerade die Behörden, die zu strengster Sachlichkeit und Objektivität ge­zwungen totiren, begrüßten eine überparteiliche politische Organisation wie diese mit größter Freude. Denn leider leide die Arbeit durch schroffe parteipolitische Gegensätze unö durch die Gegnerschaft zwischen den Arbeitgebern und Ar­beitnehmern noch sehr. Obgleich beide Richtungen in diesem Bunde vertreten seien, beweise der Bund Deutscher Frauenvereine zielweisend, wie man diese Gegensätze durch gemeinsame Arbeit überbrücken könne, um so eine Insel der Be­friedung zu schaffen. Daher leiste der Bund für die Reichsbehörden wichtigste Arbeit. Weiter sprachen noch Frau Gräfin Dohna für den Deutsch-Evangelischen Frauenbund und Direktor Bolte für die Vereinigung Evangelischer Frauenverbände.

Schwere Mehlstaubexplosion in Saarbrücken.

In der Daumschen Mühle am Saarhafen, die erst vor knapp einem Jahre von einem größeren Brand heimgesucht worden war, ereignete sich am Sonntag eine heftige Mehlstaubexplosion. An dem Kabel einer elektrischen Glühbirne, die ein Arbeiter zu Ausbesserungen in einem Mehl- fchacht des zweiten Stockwerkes benutzte, ent­stand Kurzschluß. Ein Funke entzündete den Mehlstaub. Die Gewalt der Explosiva war

außerordentlich groß. Drei Arbeiter wurden durch Brandwunden schwer verletzt. Die eisernen Türen bogen sich wie Papier. Die schweren Mehlsäcke wurden auf die Straße geschleudert. Durch die Stichflamme entstand in zwei Fällen Feuer, das aber durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr erstickt werden konnte. Zwei Arbeiter, die außerhalb des Be­triebes beschäftigt waren und denen durch die Explosion dieKleiderinBrandgeraten waren, hatten noch so viel Geistesgegenwart, ihren in einer Mehlkammer eingeschlossenen Ka­meraden, dessen Kleider ebenfalls brannten, her­auszuholen. Die Maschinenanlagen wurden nicht beschädigt.

Großfeuer im Dorf.

In Steinbach bei Heiligenstadt brach am Montag früh ein Großfeuer aus, dem in kurzer Zeit drei Gehöfte zum Opfer fielen. Das Feuer sprang auch auf den Kirchturm über, und unter starkem Getöse stürzten die Glocken in die Tiefe. Die Feuerwehren der Nachbarorte sowie die Motorspritze der Stadt Worbis eilten zur Brand­stätte und sind noch mit der Bekämpfung des Brandes beschäftigt. Gewaltige Vorräte an Getreide, Futtermitteln sowie landwirtschaftliche Maschinen sind vernichtet worden. Das Vieh konnte gerettet werden. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.

Oelbrand in Rumänien.

Ein jetzt schon viele Wochen dauernder Bran^ der Petroleumsonde bei Moreni nimmt immer gefährlichere Ausmaße an. Der Brand wird von starkem, unterirdischemGe- töse begleitet, das in der Bevölkerung große Beunruhigung verursacht und tag­täglich für die Bewohner immer entfernterer Gegenden hörbar wird. Rach Meinung der Sach­verständigen wird die Löschung des Feuers sich als eine äußerst bedenkliche Aufgabe erweisen, weil in dem brennenden Brunnen ständig Erup­tionen vulkanischer Ratur vor sich gehen. Ein derartiger Versuch ist bereits mih- .glückt. Die Arbeiten an den neuen Bohrungen stoßen auf außerordentliche Schwierigkeiten.

Fahrt mit einem brennenden Möbelwagen.

Ein von Berlin kommendes großes Möbel­transportauto, das mit Möbeln beladen war, geriet auf der Hamburger Chaussee bei Friesack in Brand. Mehrere Kilometer fuhr der brennende Wagen, ohne daß der Chauffeur etwas bemerkte. Im letzten Augenblick konnte ec sich retten. Das Auto mit den Möbeln und meh­rere Chausseebäume brannten nieder, trotzdem die Feuerwehr schnell zur Stelle war. Ein Faß Benzin konnte noch rechtzeitig gerettet werden. Der Teer und der Asphalt der Straße schmolzen. Die Reste des Autos wurden als Alteisen nach Rauen gebracht.

Die Feuersbrunst im Dorfe Schwichlenberg.

Die Feuersbrunst, die am 23. September in dem mecklenburgischen Dorfe Schwichtenberg 51 Ge­bäude einäscherte, hat nach den jetzt ab­geschlossenen Feststellungen einen Gesamtscha­den von II Millionen Reichsmark ver­ursacht. Außerdem haben die polizeilichen Ermitte­lungen nunmehr endgültig Branostiftung als Ursache ergeben. Ein Schwichtenberger Besitzer konnte der Tat überführt werden. Er hatte sich da­durch verdächtig gemacht, daß er sich der Verneh­mung entzogen hatte. Er wurde dann in einem Ver­steck aufgesunden und dem Oberstaatsanwalt zu- geführt.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das gestern über den Britischen Inseln lagernde Regengebiet hat bei seinem Weiterzug bis in unse­ren Bezirk zu Niederschlägen geführt. Die Wetter­lage wird durch den Einfluß eines Zwischenhochs von Südwesten her wieder eine Besserung erfahren, die jedoch nur vorübergehend sein dürfte, denn die Wirbeltätigkeit im Norden ist noch nicyt abgeschlos­sen. Die Bewölkung wird morgen wieder abnehmen, so daß unter wechselnder Bewölkung Aufheiterung eintritt. Dabei bringt die ozeanische Luft eine leichte Abkühlung mit sich, jedoch dürfte später mit der neuen Störung abermals Warmluft zum Vordrin­gen kommen, die wieder Erwärmung sowie Eintrü­bung und vielleicht auch Niederschläge bringen wird.

Wettervoraussage für Mittwoch: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, kühler, meist trocken.

Wettervoraussage für Donnerstag: Wetterlage unsicher, wieder Uebergang zu mil­derem Wetter mit Neigung zu Niederschlägen wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 30. September: mittags 20,6 Grad Celsius, abends 10,9 Grad: am 1. Oktober: morgens 13 Grad. Maximum 21,1 Grad, Minimum 10,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. September: abends 16,3 Grad: am 1. Oktober: morgens 12,2 Grad Celsius. Niederschlag 0,3 mm, Sonnenscheindauer 2y» Stunden