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Die Versicherungsreform vor dem Reichstag
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Paris. 30. Sept. (WB.) Kolonialminister 2Na- ginot hat in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Generalrats des Waasdepartements in Ver- lreiung Poincores die Erösfnungsrede gehalten, wobei er sich noch Begründung der Ratifizierung der Schuldenabkommen mit Amerika und England und nach Besprechung des Poungplanes mit der Rheinlandräumung beschäftigte. Da die zweite Zone noch im Januar 1930 geräumt werden müßte, sei es sogar viel besser gewesen, den französischen Sol- baten die Anstrengungen einer Räumung mitten im Winter zu ersparen. Die Räumung der dritten Zone löse Besorgnisse aus. ein Teil der öffentlichen Meinung widerstrebe ihr. Ec habe diese Besorgnisse geteilt und oft beim Mi- nisterrat zum Ausdruck gebracht. Er glaube, daß es besser gewesen wäre, das Rheinland erst zu verlassen. wenn die Verteidigung der neuen französischen O st grenze organisiert sei. Die Politik der Regierung könne ober nicht allein von militärischen Gesichtspunkten abhängig sein. Deshalb habe er seine Zustimmung für die vor- zeitige Räumung der dritten Zone gegeben. Er Hobe aber im Gegensatz zu allen anderen Kabinettsmitgliedern seine Zustimmung nur unter gewissen Bedingungen gegeben. Es wäre unzulässig gewesen, wenn Frankreich aus der Räumung nicht Ruhen ziehen würde, in dem es etwas dafür eintaufche. wenn man in militärischen Krisen über den militärischen Wert der Anwesenheit der französischen Truppen am Rhein im hin- blick auf die Sicherheit streiten könne, so sei es doch unbestreitbar, daß Deutschland bestrebt sei, möglichst bald die Befreiung seines Gebietes zu erreichen und daß es daher ein offenkundiges Interesse an dem Aushören der Besetzung habe. Den französischen Unterhändlern im Haag habe also die Pflicht abgelegen, sich bei den schwierigen Verhandlungen des Trumpfes zu bedienen, den Frankreich besah und ihn nicht ohne die n o t w e n - digen Gegenleistungen auszugeben. Dies hätten die französischen Unterhändler ja auch getan. Die französische Delegation habe in ihren Brief vom 30. August die Bestimmung aufnehmen lassen, dah die Räumung unverzüglich nach Ratifizierung des Poungplanes durch das französische Parlament und nach Funktionieren des Poungplanes erfolgen werde. Diese
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Damit ist die Aussprache geschlossen. Vizeprasi- dent Esser schlägt vor. die zweite Lesung am Dienstag zu beginnen. Abg. Stöcker (Kom.) widerspricht diesem Vorschlag und beantragt die Beratung sozialpolitischer Anträge seiner Freunde. Abg. Graf Westarp (Dn.) beantragt die Absetzung der Arbeitslosenverstche- rung von der Tagesordnung. Statt dessen sollte ein deutschnationaler Antrag beraten werden, der die Regierung ersucht, den Poungplan nicht vor dem Abschluß der Volksabstimmung zu ratifizieren. Die Gutachten der deutschen Sachverständigen bei den Pariser Verhandlungen müßten veröffentlicht werden.
Die Anträge werden abgelehnt. — Dienstag zweite Beratung der Reform der Arbeitslosen-
Fassung bedeute doch, dah es notwendig sei, dah der Poungplan angenommen und ausge- ü h r t werde, bevor die Zurückziehung der französischen Truppen beginnt. Diesen Sinn habe jeden- alls die französische Regierung diesem Sah beigelegt. Und wenn in demselben Dokument weiter unten davon gesprochen werde, dah die Räumung spätestens in acht Monaten durchgeführt sein werde und nicht über Ende Juni 19 3 0 verzögert werden dürfe, dann müsse man in diesem Deutschland gegebenen versprechen nur ein bedingtes versprechen sehen, dazu bestimmt. Deutschland einen Ansporn zu geben, die notwendigen Vorkehrungen zur Anwendung des Poungplanes möglichst bald zu ergreifen. Man würde in der Tat nicht verstehen, wenn eine andere Regelung zugelassen werden würde Wenn man Bedingungen stelle oder annehme, so verstehe man darunter, dah sie zuerst verwirklicht werden sollen und dah dann die angegebenen Fristen laufen.
Lleberraschung in Berlin.
Was sagt Briand?
Berlin. 1. Okt. (TU.) Die Rede des französischen Kolonialministers hat in Berlin allgemeines Aufsehen erregt. Die „Germania" schreibt, es müsse aufs höchste überraschen, daß sich ein Kabinettsmitglied zum Wortführer der eigenartig en Auslegungsversuchc der französischen Rechten mache. Das entspreche in keiner Weise den im Haag übernommenen Verpflichtungen der französischen Regierung. Es sei zu hoffen, daß Briand als Ministerpräsident und Inhaber des außenpolitischen Ressorts diesen Stö- rungsversuchen ein eindeutiges Bekenntnis zu dem Ergebnis der Haager Verhandlungen entgegensetzt. — Die „B ö r s e n z e i t u n g" sagt, diese deutlichen Worte des französischen Kolonial- Ministers dürften wohl den amtlichen deutschen Räumungsenthusia 9'm u s erheb- lich abschwächen. Es bedürfe dringend der Aufklärung, was Frankreich unter dem Vorbehalt „n a ch F u n k t i o n i e r e n" des Youngplanes verstehe. Die Erfahrungen, die wir bisher mit französischen Auslegungen hätten machen müssen, ließen nichts Gutes erwarten. — Die „D. A. Z." siegt darin den Beweis dafür, daß Frankreich mit Vorbehalten die Räumung verzögere.
Versicherung.
Ein neuer Ausweg.
Ltresemann schlägt Vertagung vor.
Berlin. l.Ott. (TU.) wie das ..Berliner Tageblatt" meldet, ist in dem Kampf um die Reform der Arbeitslosenversicherung am Montagabend eine Wendung eingetreten. Nachdem der Reichskanzler die Vertreter der Regierungsparteien nach Fraktionen getrennt empfangen und befragt hatte, trat um 17 Uhr im Reichstag ein Minifterrat zusammen, in dem dem vernehmen nach Reichsauhenminisler Dr. Stresemann den wohl schon seit längerer Zeit erwogenen Vorschlag gemacht habe, die Regierungsparteien möchten sich dahin verständigen, den Hauptstreitpunkt in der Arbeitslosenresorm, nämlich die Frage der Bel- tcagserhöhung, bis nach der Ratifizierung der Pounggesehe und bis zur Erledigung der Finanzreform zurück- z u st e l l e n , die den Poungplan unter allen Um- ständen auf dem Fuße folgen müsse. Dieser Vor- schlag werde am heutigen Dienstagvormittag vom Reichskanzle. den Führern der Regierungsparteien unterbreitet werden, man denke daran, die Regierungsparteien dazu zu bestimmen, in einer gemeinsamen Entschließung die Streitfrage auf diesem Wege für die nächste Zeit aus der Welt zu schassen.
gestellten pensioniert werden, bamit sie nicht den Arbeitsmarkt neu belasten. Die angeblich notleidende Wirtschaft sollte erst einmal abbauen die unverhältnismäßig vielen QI u f - sichtsratsposten mit den unverhältnismäßig hohen Gehältern. Ein Aufsichtsrat bei Siemens L Halske erhält 74 000 Mk. im Jahre. (Hort! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Wirtschaft ist sehr wohl in der Lage, eine Beitragserhöhung um ein Prozent bei der Arbeitslosenversicherung zu tragen. Wäre diese von uns ursprünglich beantragte Erhöhung beschlossen worden, dann wäre das Defizit der Reichsanstalt längst gedeckt. Wir halten die in der Vorlage enthaltene befristete Beitragserhöhung nicht für ausreichend, werden ihr aber zustimmen. Das Defizit muhte damit verschwinden, vorausgesetzt, daß die Wirtschaft nicht die Methode fortseht, ihre Gestehungskosten zu vermindern und die Lasten dafür der Allgemeinheit aufzubürden. Dann mühte aber die Allgemeinheit diese Wirtschaft energischer an den Kragen nehmen als bisher. Wir sind für die Ausschaltung der Mihbräuche, für die befristete allgemeine Beitragserhöhung und für die Herabsetzung der Saisonarbeiterunterftühung auf die Höhe der Krisenunterstühung. Wir sind aber gegen eine allgemeine Verlängerung der Wartezeit, gegen eine besondere Wartezeit der Saisonarbeiter und gegen eine besondere Beitragserhöhung für die Saisonarbeiter.
Abg. Dr. Rademacher (Dn.)
i weist darauf hin, dah die Geihel der Arbeitslosigkeit einschliehlich der städtischen Fürsorgegelder im letzten Etatsjahr dem deutschen Volke 1650 Millionen gekostet habe. Für die parlamentarische Leidensgeschichte der jetzigen Vorlage fehle der parlamentarische Ausdruck. Erst der Reichsrat habe die der Reichsregierung völlig fehlende Initiative übernehmen müssen. Der Redner nennt die vorliegenden
I Entwürfe einen Tors o, dessen Beratung man I einer gesetzgebenden Körperschaft nicht öutnulen sollte. Gegenüber dem fehlenden Mut der Reichsregierung müsse festgestellt werdet^ dah b^ der Arbeitslosenversicherung auch auf Arbeltnehmer- seite zahllose Mihbräuche bestehen, so die Ar-
I beitsverweigerung ohne genügenden Grund, <2a- I Kotierung übernommener Arbeit usw., vor allem aber der Anreiz, sich Renten auf Kosten der Allgemeinheit zu verschaffen. Der Redner lehnt jede Erhöhung der Beitrage ab Die Befristung stelle eine auf mangelndem Mut beruhende Unehrlichkeit dar. Auch die Lanbwirt- schaft habe schwere Bedenken gegen die Gesetze.
I Die Deutsche Volkspartei sei als Gefangene ihrer Auhenpolitik gezwungen, die Gesetze mindestens zu tolerieren. Um 113 Milliarden m 60 Iahren zahlen zu dürfen, mache sie bewußt eine falsche Wirtschaftspolitik mit. Der Redner gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß diese Koalition und dieses System nicht m der Lage seien, eine Gesundung der Arbeitslosen- I Versicherung herbeizuführen.
Abg. 0r. perlitius (3 )
ie Frankreich die Haager Räumungsvereinbarung auslegt.
Erst nach Funktionieren des Voung-Plans sollen die Rheinlands geräumt werden, sagt der französische Kolonialminister Maginot.
Berlin, 30. Sept. Vizepräsident Esser er- I öffnet die Sitzung des Reichstages mit einem von den Abgeordneten stehend angehortem Rachruf für die feit der letzten Sitzung verstorbenen Abgeordneten Lünenschloh (Wirtschp.), H ö l° I [ein (Komm.), Hermann Schulz-Königsberg (Eoz.) und Kuhlenkampff (D. Vp.) und die frühere deutschnationale Abgeordnete Frau Margarete Behm. — Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt die erste Beratung der Vorlage zur Reform der Arbeitslosenversicherung. Die eine Vorlage enthalt die I weniger umstrittenen allgemeinen Verbesserungen, die andere die im Reichsrat angenommenen, bis zum 31. März 1931 be- I fristeten Änderungen, die u. a. eine Sonderbehandlung der Saisonarbeiter bringen.
Reichsarbeitsminister Wissest erläutert die Punkte, in denen die erste Regierungsvorlage von den Vorschlägen des Sachvn- ständigenausschusses abgewichen ist. Mihbräuche I der Arbeitslosenversicherung sind zweifellos vor - aekommen; aber sie sind in der Öffentlichkeit stark aufgebauscht worden. Die Arbeitslosenversicherung hat sich als Ganzes bewahrt. Die Regierung rückt ausdrücklich ab von der Behauptung, dah die Arbeitslosenversicherung die Arbeitsmoral des ganzen Volkes untergraben habe. Die Versicherung hotte gerade in der ersten Zeit mit graften Schwierigkeiten zu kämpfen. Zunächst muhte die Organisation umgebaut werden, und dann kam der auhergewohr^ lich h a r t e W i n t e r, der eine auhergewöhnlich grofte Arbeitslosigkeit im Gefolge hatte. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz war von vornherein in manchen Punkten verbesserungsbedürftig. Diese Verbesserungen bringt der eine von den heute vorliegenden Entwürfen. Er defimert den Begriff „Arbeitslosigkeit". Heber diesen Entwurf werden grofte Meinungsverschiedenheiten kaum bestehen (Widerspruch bei den Kommunisten), zumal seine Bestimmungen zugunsten der Arbeitslosen weit über das hinausgehen, was beispielsweise in Ruhland besteht. Die zweite bis zum 31. März 1931 befristete Vorlage will das Mißverhältnis ausgleichen, das jetzt z w i - sch en den Einnahmen und Ausgaben der Arbeitslosenversicherung besteht. Die ^Versicherung schuldet heute dem Reich 250 Millionen I aiiart. Im kommenden Winter wird der Aus- gabenbedars die Einnahmen wesentlich, übersteigen. Rach dem Jahresdurchschnitt von 1926 bis 1928 ist mit einer Arbeitslosenzahl von 1,1 Millionen zu rechnen. Auf dieser Grundlage ergibt sich bei der Arbeitslosenversicherung em Fehlbetrag von rund 270 M illionen M k. Der befristete Entwurf will diesen Fehlbetrag abdecken durch eine Kombination von Ersparnissen und Erhöhungen der Einnahmen (Unruhe und Zurufe bei den Kommunisten). Auch dann gehen die Leistungen unserer Arbeitslosenversicherung noch um das achtfache über das hinaus, was in Rußland für die Arbeitslosen geleistet wird. Heber den in ber UJor- läge vorgeschlagenen Abbau der Leistungen will die Regierung nicht hinausgehen Jede weitere Kürzung der Hnterstühungen würde die Kaufkraft von Millionen der Bevölkerung schwachen und damit die Gesamtwirtschaft schädigen. In einzelnen Punkten weicht die Regierungsvorlage von der Reichsratsvorlage ab. Dabei handelt es sich um Fragen, die weniger finanzielle als grundsätzliche Bedeutung haben. Die Regierung erwartet nicht, daft ihre Entwürfe restlose Befriedigung schaffen werden: sie sieht aber in ihnen einen gangbaren Weg zur Losung der uns beschäftigenden großen Fragen.
Abg. Großmann (Goz.)
gibt eine Erklärung ab, in welcher die Zentrums- fraktivn den ersten der beiden Regierungsentwürfe begrüftt, weil sie in ihm eine Handhabe sieht, um die zutage getretenen Mißbräuche der Arbeitslosenversicherung zu beseitigen. Wenn auch diese Vorlage in einigen Punkten, wie z. B. bei der Wartezeit und der Anrechnung der Sozial- renten auch dem Zentrum noch abände» rungsbedürftig erscheine, so dürfte es doch in erster Linie Aufgabe der Selb st ver- waltung sein, bei der Ausführung des Gesetzes Miftstände zu beseitigen. Die Zentrumsfraktion würde es überhaupt begrüßen, toenn solche Fragen mehr als bisher von der Selbst- Verwaltung geordnet werden könnten. Die Erfahrungen bei den mannigfachen Sanierungsversuchen für die Versicherungsanstalten und die Verhandlungen der letzten vier Monate veran- laßten die Fraktion, diesen Wunsch nach stärkerer Selbstverwaltung auszüiprechen. Dieselbe Stellungnahme habe die Fraktion auch zu der zweiten Vorlage mit den befristeten Reformen. Sie bebaute es außerordentlich, daß ihr Bemühen gescheitert sei. diese Reform durch sozial tragbare Vorschläge herbeizuführen.
Abg. Dr. Pfeffer (O. B. P.)
betont, leider habe man noch immer nicht verhindert. baß erwerbstätige Ehefrauen Deren Männer auch verdienen, bei Arbeitslosigkeit iln- terstühung beziehen können. Die Deutsche Volks- Partei glaube nicht, daß man den Fehlern des Systems mit Beitragserhöhungen begegnen könne. Es müsse nicht immer jeder eintretende kleine Rotfall in die Versicherung einbezogen werden, damit man besser die großen Fälle betreuen könne. Die Deutsche Dolkspartei leite aus dieser ihrer Einstellung her die Forderung nach Verlängerung der Wartezeit ab, so daß Falle von zwei- bis dreiwöchiger Erwerbslosigkeit versicherungsfrei sind. Weiter verlangten seine Freunde eine bessere Relation zwischen Dei- tragshöhe und 11 n te r ft ü 6 u n g. Die volksparteilichen Kürzungsanträge gingen, von her Erwägung aus, daß einmal auch viele Saisonarbeiter sich außerhalb ihrer Saison Beschäftigung verschaffen könnten, und daß anderseits die Leistung des Saisonarbeiters zur Versicherung nur gering fei. Für später müsse
führt aus, das gegenwärtige Wirtschaftssystem führe naturgemäß zu einer großen Arbeitslosenzahl Das werde sich erst ändern unter der von den Sozialdemokraten erstrebten, von der Oeffent- lichkeit kontrollierten Bedarfswirtschaft. Der außerordentlich harte Winter hat einen Rot- stand geschaffen, dessen Folgen nicht der Versicherungsanstalt aufgebürdet werden dürften, sondern für die der Staat eintreten muß. Die Wirtschaft, die eine Reservearmee von Arbeitslosen braucht, muß auch zur Erhaltung dieser Armee Reservemittel aufbringen. Der Abbau der Sozialpolitik würde zu wirtschaftlichen und politischen Katastrophen führen mit unübersehbaren Folgen. Immer dringender wird aber von den Gewerkschaften die Forderung eines Mitbestimmungsrechtes in der Wirtschaf t erhoben. Das Defizit der Arbeitslosenversicherung ist erzeugt worden durch Ereignisse, die nicht in der Versicherung selbst lagen. Eine Sanierung in der Weise, daß die Leistungen in eine Relation zu den Beiträgengebracht werden, leßnen to ir ab In England hat man mit diesem System schlechte Erfahrungen gemacht. Die Wirtschaft lehnt nicht nur eine Beitragserhöhung ab. sondern sie vermehrt durch ihre Maßnahmen noch die Zahl der Arbeitslosen. Durch das Zusammenlegen der Produktion verlieren immer mehr Arbeiter ihre Beschäftigung. Bei der letzten großen Bankenfusion sind viele Hundert Bankangestellte abgebaut worden, wahrend die Spitzenstellungen nicht vermindert werden Ein Dankdirektor verdient fobiei wie 200 bis 300 Bankangestellte. Die Angestellten verlangen. daß die abgebauten älteren Au
man, da in den nächsten Jahren mit einem Sinken der Arbeitslosigkeit nicht zu rechnen fei, Son» derkassen für Angestellte und die Zulassung von Crsatzkassen fordern. Die Deutsche Volkspartei könne auf diese ihre grundsätzliche Forderungen nicht verzichten.
Abg. Sreibd (W.P.)
äußert Bedenken feiner Freunde wegen der Bereitstellung von 163 Millionen aus der Anleihe für bic anderenVersicherungs- anft alten für die Arbeitslosenversicherung. Dieses von den armen Invaliden und Angestellten genommene Geld werde die Arbeitslosenversicherung wohl nicht zurückzahlen können. Die Wirtschaftspartei wünsche, daft sich die Reichs- anftalt aus sich selbst heraus saniert. Die wichtigste Aufgabe sei. den Arbeitslosen Arbeit und damit auch Brot zu geben. Das könne geschehen durch Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft und die damit verbundene Belebung des Baugewerbes. Im Baugewerbe sollte im Sommer, wo die Bauarbeiter überhaupt nur tätig sein können, die Arbeitszeit erhöht werden. Die in der Vorlage vorgesehene besondere Beitragserhöhung für die Saisonberufe fei ganz unannehmbar.
Abg. Dr. Haas (Dem.)
gibt für seine Fraktion eine Erklärung ab, in der die Aufrechterhaltung der Arbeitslosenversicherung als selbstverständlich bezeichnet wird. Gerade deswegen sei aber die Beseitigung offenkundiger Mißstände notwendig. Der große Gedanke der Arbeitslosenversicherung sei nur bann verwirklicht, wenn die Bersicherung sich selbst trage. Der Redner nennt es unerträglich. baß bis jetzt für die Reform eine einheitliche Stellungnahme der Regierungsparteien nicht vorhanden sei. und daß die Regierung den Fraktionen es überlassen wolle, wie die Reform zu gestalten sei. Cs sei mit ges..nden parlamentarischen Zuständen nicht vereinbar, baß bie Regierung nicht führe. Solange bie Regierung nicht führenb die Regierungsparteien zu einer einheitlichen Stellungnahme gebracht habe, müsse sich bie demokratische Fraktion ihre Entschließung in allen Einzelheiten Vorbehalten.
to 250 Ws Blatt >79. Mrgtmg Oieastag, 1. ®lfob«r 1929
GiejMlAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen


