Sie sozialpolitische Debatte im Reichstag.
Arbeitslosigkeit und Wohnungswirtschast.
'Berlin, 30. April. (V.D. Z.) Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wird fortgesetzt beim Kapitel „Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung".
Abg. Grahmann (Soz.) erklärt, gegen die Arbeitslosenversicherung sei namentlich auf dem Lande eine künstliche Pressehetze eingeleitet worden, die den Tatsachen nicht gerecht werde. Die Sozialdemokratie sei durchaus bereit, an der Ab- stettung der wirklich bestehenden Mißstände mit* zuarberten. Bei den Klagen über solche Mißstände werde aber mit maßlosen Llebertreibun- gen gearbeitet. Die Klagen aus dem Braunroh- lenreoier über Arbeitsscheu der Llnterstühten erscheinen in einem anderen Licht, wenn man weiß, daß von diesen schlechtgekleideten Leuten bei strengem Winter Arbeit im Freien für 2,80 bis 3 Mk. Tagelohn verlangt wurde. Die Klagen aus der Landwirtschaft halten auch selten einer Nachprüfung stand. Alle diese Klagen begründen nicht die Notwendigkeit einer Reform des Gesetzes, die in Wirklichkeit einen Abbau bedeuten würde. Wir wollen die Selbstverwaltung der Arbeitslosenversicherung und ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit von der Reichskasse selbst um den Preis einer vorübergehenden Beitragserhöhung aufrechterhalten. Wenn von den Forderungen der „Wirtschaft" gesprochen wird, so vergißt man immer, daß der wichtigste Bestandteil dieser Wirtschaft die Arbeitnehmerschaft ist. Diese kapitalistische Wirtschaft wird mit so wenig Vernunft geführt, daß die große -Zahl der Arbeitslosen ihre natürliche Begleiterscheinung ist.
Abg. Mönke (Sn.) weist darauf hin, daß die Dauern von den Erwerbslosen geradezu als Feinde angesehen würden, weil sie ihnen Arbeit anbieten und sie in dem ruhigen Bezug der Unterstützung stören. Die Saisonarbeiter bezögen eine viel höhere Unterstützung als die Landarbeiter im Winter an Lohn. Der Redner erklärt, die Rentabilität der Landwirtschaft sei die beste Erwerbslosenfürsorge.
Abg. Lemmer (Dem.) weist auf die großen Gefahren einer dauernd großen Arbeitslosigkeit hin. Die schwierige Finanzlage der Arbeitslosenversicherung werde auch bei Behebung aller Mißstände nicht beseitigt werden können. In besonderen Notzeiten mühten eben das Reich und die Gesamtheit besondere Mittel zur Verfügung stellen. Entschieden wendet sich der Redner gegen eine Erhöhung des Kontingents der polnischen Landarbeiter, die ausschließlich dem Großgrundbesitz zugute käme. Es sei im übrigen nicht zu vereinbaren, einerseits in demagogischem Radaupatriotismus Ostmarkenkundgebungen gegen Polen zu veranstalten und andererseits immer neue polnische Arbeiter in die menschenarme deutsche Ostmark hineinzuziehen.
Zum nächsten Kapitel
„Tvohnungs- und Siedlungswefen" erklärt Abg. Lipinski (Soz.), die Statistik habe ergeben, daß in Deutschland 600 000 Familien ohne eigene Wohnung sind, über 900 000 Familien in überfüllten Wohnungen Hausen und
300 000 Wohnungen eigentlich schon unbewohnbar sind. Das im Ministerium von einer Kommission ausgearbeitete He i m st ä t t e ng e se tz sei au begrüßen. Das darin vorgesehene Vorkaufsrecht der Gemeinden für Grundstücke sei schon in verschiedenen Ländern, beispielsweise in Sachsen, durchgeführt.
Abg. D o m s ch (Sn.) verlangt eine Gestaltung der Siedlung in der Weise, daß vor allem die geschaffenen Siedlungen unbedingt lebensfähig ausgestaltet werden. Dazu gehöre aber vor allem die Sicherung der Rentabilität derLand- wirtschaft.
Abg. Winnefeld (D. Dp.) hält eine weitere Lockerung der Wohnunas- zwangsgesetzgebung für notwendig. Vor dem Ablauf der Zwangsgesehgebung sollte die Regierung gewissenhaft prüfen, wieweit ihre Aufrechterhaltung erforderlich ist. Neuerdings mache sich ein schamloser Wucher bei der Vermietung der Neubauwohnungen breit: dennoch sei die Volkspartei nicht für den sozialdemokratischen Antrag zu haben, der auch für die Neubauwohnungen die Zwangsgesehgebung in Kraft treten lassen will. Sagegen sei eine gesetzliche Lleberwachung der Baugenossenschaften notwendig. Oefsent- liche Mittel dürften nicht ohne genaue Kontrolle ihrer Verwendung solchen Genossenschaften gegeben werden.
Abg. Frau Hertwig-Bünger (D. Dp.) wünscht stärkere Unterstützung der kinderreichen Familien zum Bau von Eigenheimen.
Abg. Bull (D.) wendet sich gegen eine weitere Lockerung des Mieterschutzes. Der Wohnungsbau sei ohne öffentliche Mittel auf absehbare Zeit nicht möglich.
Abg. Wilkens (Z.) verlangt Siedlungspolitik auf weite Sicht, besonders für den deutschen Osten. Wünschenswert sei eine größere Regelmäßigkeit in der Bereitstellung von
Abg. Dr. 2 5 r i s s e n (WP.) begründet die Interpellation der Wirtschaftspartei, die sich gegen die „Reichsrichtlinien für das Wohnungswesen" richtet und eine genaue Aufstellung verlangt über den Verbleib der aus öffentlichen Mitteln bisher bereitgestellten Darlehen und Zuschüsse.
Reichsarbeitsminister Wissell erklärt, bei der heutigen Wirtschafts- und Wohnungsmarktlage halte die Regierung einen Abbau der Wohnungszwangswirtschaft nicht für angängig.
Abg. Hölle in (Komm.) beantragt um s/46 Abbruch der Sitzung, da der größte Teil der Kommunisten heute anderweitig in Anspruch genommen sei. Er bezweifelt gleichzeitig die Beschlußfähigkeit des Hauses.
Mit den Kommunisten unterstützen die Mitglieder der Wirtschaftspartei den Antrag. Präsident Löbe stellt die Beschlußunfähig- leit des Hauses fest und vertagt die Weiterberatung auf Donnerstag, den 2. Mai, 2 älhr nachmittags.
Großzügige Lustfahripläne der Reichspost.
Die Reichspost will eigene Auslandlinien einrichtcn. — Gegen ein Monopol der
Lufthansa.
Derlin, 30. QtoriL (D.D. Z.) 3m Berwal- tungSrat der Reichspost regte Abg. D r u h n (Dnl.) an, das an die Mitglieder des Derwal- tungsrates gerichtete Telegramm des Reichs- verbandes d e r D e u t s ch e n L u s t f a h r t- Industrie in absehbarer Zeit zu besprechen. Dieses Telegramm führt u. a. aus: „Neben anderen notwendigen Maßnahmen sehen wir als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Gesundung und den wirtschaftlichen Aufbau des mitteleuropäischen Verkehrs eine {tariere Interessennahme der Reichspostverwaltung an dem von Deutschland nach den Zentren des umliegenden Auslandes führenden Reichsluftliniennetzes an. Eine solche Llmorgani- fation halten wir bei voller Wahrung der Rechte und Pflichten des Reichsverkehrsministeriums als Zentralaufsichtsbehörde für die deutsche Luftfahrt baldigst für notwendig." Llnterzeichnet ist das Telegramm vom Reichsverband der Deutschen Luftfahrtindustrie uyd von der Gemeinschaft der Deutschen Flugzeug- und Motorenindustriellen.
3n der sich anknüpfenden Aussprache machte Reichspostminister Dr. Schätze! aufsehenerregende Mitteilungen über die Luftfahrtpläne der Reichspostverwaltung. Seiner „ Meinung nach liege kein Anlaß vor, die Zuständigkeit des Reichsverkehrsministers zu ändern, und er denke nicht daran, in diese Zuständigkeit einzugreifen oder etwa in die finanzielle und wirtschaftliche Lage der Lufchansa. Dagegen sei die deutsche ReiMpostverwaltung bereit, selbständige Luftpostlinien einzuführen. Er denke dabei zum Beispiel an eine solche Linie nach Cherbourg. Doch würde diese Linie nur den Anfang darstellen. Ein Bedürfnis für Luftpostlinien innerhalb Deutschlands hege nicht vor, weil hier dieEisenbahn genüge. Aber er denke Weiler bei der Einrichtung selbständiger Luftpostlinien an eine Verbindung nach dem Orient, etwa nach Konstantinopel, die von dort weiteren Anschluß haben könnte. Er werde diese Dinge prüfen und unabhängig vom Reichsverkehrsministerium betreiben. Praktisch denke er sich die Ausführung so, daß die Reichspostverwaltung Fahrzeuge chartere und dabei die Konkurrenz ausnuhe, denn es solle kein Monopol der Lufthansa bestehen. Auch hinsichtlich der Fahrzeugherstellung sei er für Ausnutzung der freien Konkurrenz. Er wolle dabei zugleich die Schaffung eines E i n h e i t s - 1 y p s für Luftfahrzeuge fördern, weil auch dadurch mit eine Sanierung der deutschen Luftfahrtindustrie möglich wäre. Die Luftpostlinien würden kein Unternehmen der Lufthansa darstellen.
Hindenburg
im Spiegel des Auslandes.
„(Sin starker Pfeiler desneuenDeatfchland."
London, 30. April. (WTB.) Die „Fortnightly Review" veröffentlicht in ihrem Maiheft einen Artikel des Majors Polson Newman über „Deutschland unter Präsident Hindenburg". Darin führt der Verfasser u. a. aus: Hindenburg hat Deutschland ruhig durch eine äußerst schwierige Zeit seines politischen Lebens geführt und hat dadurch einen unschätzbaren Beitrag zur allgemeinen Stabilisierung Europas geleistet. Hindenburgs Persönlichkeit und Prestige sind ein starker Pfeiler des neuen Deutschland. Sein Einfluß auf die neue deutsche Republik und seine aufopfernde Hingabe an seine Pflicht haben das Land aus vielen gefährlichen Lagen gerettet. Das künftige Deutschland steht tief in Hindenburgs Dankesschuld.
Polson Newman betont weiter den Mut des Rcichsaußenministers Dr. S t r e f e m a n n, auf dessen Schultern im hohen Maße die Schwierigkeit des Ausgleiches von Parteiinteressen bei der heiklen Aufgabe der Führung der deutschen Außenpolitik lastet, und sagt dann: Deutschland zeigt heute eine seltsame Mischung politischer und wirtschaftlicher Kräfte, die in einer Atmosphäre der Ungewißheit wirken. Es ist wie ein fturmge- peitschtes Schiff in schwerer See unter dem Befehl eines allen, aber erfahrenen Kapitäns. Newman schließt: Hindenburg wird in der Geschichte a l s einer der größten Männer weiterleben. Er dient den wahren Interessen Deutschlands, indem er alle persönlichen Gefühle außeracht läßt und das Vaterland über alle Erwägungen setzt.
Am Dorabend des 1. Mai.
Höchste Alarmbereitschaft der Polizei.
Berlin, 30. April. (Privatmeldung.) Mit Rücksicht auf die von den Kommunisten trotz des Demonstrationsverbotes angekündigten und stark propagierten Llmzüge ist die gesamte Berliner Schutzpolizei seit heute abend in höchster Alarmbereitschaft. Alle uniformierten Beamten sind zum Dienst herangezogen worden, sie werden morgen teilweise noch durch Kriminalpolizei unterstützt werden. Die Polizeiwachen wurden mit Reserven belegt, den Wachen in den Außenbezirken schnell- fahrende Patrouillcnwagen zur Verfügung gestellt. Ferner werden von den frühen Morgenstunden an bes andere Streifen auf Lastkraftwagen die Straßen durchfahren, um Ansammlungen und Demonstrationen gleich im Keime ersticken zu können. Die Züge der Unter- grundbahn werden während der kritischen Stun- oen weder am Alcxanderplah, nach am Leipziger Platz halten, wodurch es möglich sein wird, De- manstratiansgruppen, die sich zu diesen Treffpunkten begeben Watten, schau vorher aufzu- lösen. Es ist anzunehmen, daß auch die Straßenbahn Umleitungen vornehmen wird. Der A l e - ?anderplah, der infolge der umfangreichen Bauarbeiten mit feinen Zäunen und Gruben besonders unübersichtlich ist, wird in weitem Umfange abgesperrt werden. 3n den Schu - len wird der Unterricht aufrechterhalten: mit lltticksicht auf kommunistische Versuche, auch die Schulkinder zu Demonstrationszwecken heranzu- ziehen, ist aber nochmals darauf Hingewielen wor- oen, daß Frauen und Kinder sich nicht unnötigerweise auf den Straßen aufhatten fallen. Ebenso wie die irreführende Meldung über eine Aufhebung des Demonstratiansverbotes, die bereits richtiggestellt wurde, ist die offenbar zu Propa
gandazwecken ausgestreute Mitteilung falsch, daß die Dewaffnungsvorschristen der Polizei geändert worden seien und die Beamten nur mit dem Gummiknüppel ausgerüstet sein würden. Indessen hofft die Polizei, daß es nicht nötig sein wird, die Karabiner in Gebrauch zu nehmen. Polizeipräsident Zörgiebel hatte am Nachmittag noch eine längere Besprechung mit dem Kommandeur und mehreren höheren Offizieren der Schutzpolizei über Art und .Umfang der Siche- rungsmatznahmen, die die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Berlin am 1. Mai zweifellos verbürgen.
Kommunisten schießen auf die Polizei.
Berlin, 30. April. (WB.) Während sonst der Abend in Berlin ruhig verlaufen ist, kam es gegen 9 Uhr in der Herrmannstraße in Neukölln zu einem Zusammen st oß zwischen etwa 1000 kommunistischen Demonstranten und Polizeibeamten. Die Aufforderung der Beamten, sich zu zerstreuen, wurde mit den Rufen „Nieder mit der P o lizeil", „Nieder mit Zörgiebel, am 1. Mai die Straße frei!“ beantwortet. Als die Beamten zur Auflösung des Zuges schreiten wollten, fielen aus der Mitte der Demonstranten einige Schüsse. Ein Wachtmeister wurde an der rechten Hand verletzt, ein Kamerad, der ihm beispringen wollte, erhielt eine Stichverlehung ins Gesicht. Erst als die Polizisten einige Schreckschüsse abfeuerten, ergriffen die Demonstranten die Flucht. Einer der Haupthetzer wurde festgenommen. Ferner wurden sechs Ruhestörer fest genommen, die inmitten einer Menschenansammlung vor einer Filiale des Scherlverlages unweit des Moritz- plahes sich in wüsten Hetzreden ergangen hatten.
Landwirtschaft und Reparationskonferenz. Eine Rede des ehern. Reichscrnahrungs» Ministers Grafen von Kanitz.
Breslau, 29. April. (TLl.) 3n einer Versammlung der Deutschen Dolkspartei sprach Reichsemährungsminister a.D. Graf von Ka- nih über „Sie Aussichten der deutschen Landwirtschaft im Jahre 1929“. Er führte u. a. aus: es stehe wohl unbestritten fest, daß die heutige WirtschaftSnot in erster Linie durch die Unmöglichkeit der Kapitalsneubildung und durch den damit verbundenen schweren Z i n s d r u ck hervorgerufen werde. Hinzu komme die Belastung durch Steuern und öffentliche Abgaben aller Art weit über den Rahmen der durch die Kriegstribute gegebenen Grenzen. Sie Schuldenlast der Landwirtschaft sei auf annähernd 14 Milliarden gestiegen die aufzubringenden Zinsbeträge bereits auf über eine Milliarde Mark. Sie Landwirte statten alle Veranlassung, mit größter Aufmerksamkeit und Sorge auf die Verhandlungen in Paris zu blicken. Man solle dem Reichs- bankprasidenten Sr. Schacht dankbar fein, daß er das Aufgeben des Transferschutzes sowie die Kommerzialisierung der Kriegsschulden abgelehnt habe. Man wisse, daß Sr. Schacht die Energie besitze, nein zu sagen. Letzteres werde vorn überwiegenden Teile der Landwirtschaft gefordert
für den Fall, daß die Derhandlungsgegner an ihren unmöglichen Forderungen festhielten. Sollte die Konferenz in Paris auffliegen, so bleibe nur au hoffen, daß wir dann aus eigener Kraft die Energie aufbrächten, die Belastung der deutschen Wirtschaft durch (Steuern, so- Aiale Lasten und öffentliche Abgaben, soweit sie freiwillig sei, so herabzudrücken, wie es unserer dann stärker denn je zutage tretenden Armut angemessen sei. Cs müsse mit dem Unfug aufgehört werden, daß große Teile des Volkes den Staat nur als W o h l t ä t i g k e i t s a n- stalt ansähen. Sie Sozialdemokraten würden die Saat ernten müssen, die sie gesät hätten, indem sie die „R i s i k o l o s e n Menschen" als Ideal des deutschen Zukunftsstaates hochgezüchtet hätten. Sie harte Wirklichkeit werde auch die Sozialdemokraten zwingen, ihre wirtschaftlichen Llto- pien, die bereits derart zur Zersetzung der Wirtschaft beigetragen hätten, zu revidieren. Eine andere Lösung gäbe es dann nicht. Sie Zukunft Seutschlands lasse sich überhaupt nur meistern mit stärkstem Optimismus und persönlicher Tatbereitschaft.
Aus aller Welt.
Die Villa des Wiesbadener Regierungspräsidenten.
Die Abgeordneten Schmitt- Limburg und Christian (Deutsche Fraktion) haben im preußischen Landtag folgende Kleine Anfrage eingebracht: Nach Pressemeldungen soll für den Regierungspräsidenten in Wiesbaden eine Villa erbaut werden, wozu der preußische Finanzminister 230000 Mark bereitge stellt habe. Lieber diese Nachricht ist in Nassau in weiten Schichten der Bevölkerung eine große Erregung entstanden. Man hält diesen Neubau nicht für nötig, weil es in Wiesbaden genug große Wohnungen gibt, welche der Regierungspräsident bei der Höhe seiner Wohnungsentschädigung beziehen könnte. Beim Verlassen der Besatzung werden weitere Villen frei werden. Der Regierungspräsident, ein Mann aus dem Volke, könnte auch mit der heutigen Wohnung zufrieden sein, die doch auch für seine Vorgänger genügte. Wir fragen das Staatsministerium: Ist diese Zeitungsmeldung richtig? Wenn ja: Glaubt das Staatsministerium die Verantwortung übernehmen zu können, in dem Augenblick unnötige Luxusbauten zu errichten, wo auf der andern Seite in derselben Stadt, wie fast überall, Tausende von kleinen Leuten ungenügende Wohnungen haben oder keine Wohnungen bekommen können und weite Schichten in den ^ötzten wirtschaftlichen Nöten le*
Schwere Gewitterschäden bei Fulda.
Im mittleren Maintal, im Tal der Kinzig und in der Dvrderrhön hat ein Frühlingsgewitter, von einer Windhose begleitet, außerordentlich schweren Schaden angecichtet. 3n zwei Dörfern des Kreises Fulda sind durch die mit großer Gewalt auftretende Windhose Scheunen aus einanderge rissen worden. 3n der Stadt Fulda selbst wurden von Baubuden die Dächer abgedeckt. Dabei ist ein vorübergehender Knabe schwer verletzt worden. In dem Dorfe Steinbach CUnterfranlen) ist durch einen
Blitzschlag ein Grvyfever eitffamten. da« mehrere Scheunen und Wohnhäuser zerstört hat.
Schwere Frühjahrrgewitler im Schwarzwald.
Bei einem heftigen Frühjahrsgewitter, das mit seinem Hagelschlag der jungen Baumblüte stellenweifer echt empfindlichen Schaden zufügte, zündete der Blitz mehrfach und rief Brände hervor. Auf dem Hochfchwarzwald bei Hinterzarten wurde der große Kernenhof infolge Blitzschlages vollständig eingeäschert. Zwölf Stück Großvieh sind neben anderem Vieh und sämtlichen Fahrnissen den Flammen zum Opfer gefallen. Nur einige Pferde konnten gerettet werden. Ser Schaden beläuft sich auf über 100 000 Mark.
Schiffsuntergang auf dem Züricher See.
In der Gegend von Bußkirch ist auf dem Züricher See bei einem Fönsturm ein Frachtschiff in Seenot geraten und insterhalb weniger Minuten gesunken. Sie aus zwei Mann bestehende Besatzung konnte sich nicht mehr retten und ertrank. Sie sofort herbeieilenden Rettungsfahrzeuge mußten unverrichteter Singe umkehren, da die beiden Verunglückten offenbar von der aus Detonkies bestehenden Ladung überschüttet waren. — Ein zweites Frachtschiff sank in der Gegend von Lochen, doch konnte sich in diesem Falle die Mannschaft rechtzeitig durch Abspringen retten.
Zwei Mädchen bei einem Brande umgekommen.
Bei Seggendorf wurden die Gastwirtschaft und die Stallungen des Gastwirts Kölb! in Hochdorf bei einem Grohfeuer innerhalb kurzer Zeit e i n Raub der Flammen. Eine 21 Jahre alte Magd und ein 13 Jahre altes Kindermädchen kamen in den Flammen um. Ein Knecht konnte sich nur noch im letzten Augenblick retten.
Die Berliner Philharmoniker in Pari».
Sas Philharmonische Orchester unter der Leitung von W. Furtwängler hat im Theater Champs Elysees das erste der von ihm angekündigten Konzerte veranstaltet. Sas Orchester, das bereits im vorigen Jahre schon einmal in Paris gespielt hat, konnte einen Erfolg verzeichnen, wie er in der reichen Geschichte der im Auslande erhielten Erfolge dieses musikalischen Instituts Wohl bis jetzt noch nicht zu verzeichnen war. Sr. Furtwängler wurde bei seinem Erscheinen am Pult stürmisch begrüßt, und am Schlüsse der Sarbietungen waren Dutzende von Hervorrufen zu verzeihnen D^s Publikum b ahle dem Dirigenten unö den Musikern stehenö eine eine Minute dauernde Ovation dar. Sas Orchester spielte die erste O-Sur-Sinsonie von Beethoven und die erste S-Moll-Sinsonie von Brahms sowie Richard Strauß' „Son Juan". Sas Theater war ausverkauft.
Deutscher Flottenbesuch in Spanien.
Vier deutsche Torpedoboote sind in La Coruna angekommen. Ihnen zu Ehren werden Festlichkeiten vorbereitet. In El Ferrol ist das deutsche Linienschiff „Schlesien" eingetroffen. Ser Kommandant des Schiffes stattete den Behörden Besuche ab. Zu Ehren der Offiziere und der Besatzung werden verschiedene Festlichkeiten veranstaltet werden.
Oie Wetterlage.
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* Schnee zx Graupeln, a NeDel K Grwitter.@wind5tiiie.O sehr meiner Ost massiger Südsüdwest, q stürmischer "ordwestz oie Pfene fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Zahlen geven die Temperatur an. Die Limen verDinden Orte mit gleichens euf neeresniveau umoercztineien Uiftdrucfc
Wettervoraussage.
Die gestern mit ihrem Kem über dem Nordseeküstengebiet gelegene Störung hat sich nordostwärts nach Sübskanlünavien und der Ostsee verlagert. 5)of>et haben ihre kalten Luftmassen an der Rückseite über ganz Deutschland wieder 2lb- kühlung gebracht. 3n unserem Bezirk lagen heute morgen die Temperaturen bis zu 6 Grad tiefer als vor 24 Stunden. Obwohl unter dem ansteigenden Luftdruck sich die Wetterlage etwas beruhigen wird, so tritt doch noch keine Beständigkeit auf. Vom Atlantischen Ozean her rückt eine neue Störung heran, die sich bereits der Westküste von England nähert. Das Wetter bleibt für die Jahreszeit noch kühl, Niederschläge dürften keine oder nur ganz vereinzelte auftreten. Später wird unter Bewölkungszunahme wieder Erwärmung einsetzen, und es werden auch stellenweise Niederschläge auftreten.
Witterungsaussichten für Donners- t a n: Wolkiges Wetter, auch zeitweise aushellernd, mäßig warm, meist trocken.
Wettervoraussage für Freitag: Wieder Bewölkungszunahme, etwas wärmer, Neigung zu Niederschlägen wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 30. April: mittags 16,4 Grad Celsius, abends 6,2 Grad: am 1. Watt morgens 5,2 Grad. Maximum 17,2 Grad, Minimum 4,2 Grad. — Niederschlag 0,6 Millimeter. — Sonnenscheindauer y/4 Stunden. — Erdtempe" raturen in 10 Zentimeter Tiefe am 30. April: abends 13 Grad: am 1. Mai: morgens 6.7 Grad Celsius.


