Nr. 101 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Mittwoch, 1. Mai 1929
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Ausschreitungen!.
Es ist nicht eine Errungenschaft der jüngsten Zeit, daß die Volksmengen künstlerische Darbietungen zum Anlaß nehmen, um ihren politischen Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Wenn man will, bilden sogar künstlerische, insbesondere zirzensische Veranstaltungen den historischen Ausgangspunkt für politische Parteiungen und ihre Betätigung: im alten Byzanz waren die Parteien der Blauen und der Grünen ursprünglich die Anhänger bestimmter Rennmannschaften bei den berühmten Wagenrennen. Aber eine solche historische Betrachtungsweise tröstet nicht darüber hinweg, daß es uns in der Aera des Döl- kerbundes, des internationalen Verkehrs und der Berständigungsbemühungen ungeheuerlich erscheinen muß, wenn man künstlerische Bestrebungen unter dem Gesichtswinkel ihrer mehr oder weniger nationalen Beziehungen mit groben Ausschreitungen beantwortet. Das ist in den letzten Tagen in zwei besonders krassen Fällen geschehen. ,
Der eine hat sich in Belgien, m Charlc- to., abgespielt, wo ein großer Wanderzirkus mit dem verdächtigen Ramen Gleich, der schon wochenlang in Belgien herumreist, seine Zelte ausschlug. Irgendjemand hat behauptet, der deutsche Besitzer dieses Zirkus sei früher Offizier und Kommandant eines Dcportierten-Lagers mit belgischen Insassen gewesen; daraufhin demonstrierten größere Gruppen der Bevölkerung, mißhandelten Zirkusbcsucher und warfen Steine, durch die zwei der Artisten, eine Französin und ein Amerikaner verletzt wurderu Das Unternehmen brach seine Zelte ab und übersiedelte sofort nach der vermutlich gastlicheren französischen Hauptstadt. Ob an der Behauptung etwas ist, die bei dem Vorfall zugrunde lag, ob der Zir- kusbesiher überhaupt Deutscher ist, vermögen wir im Augenblick nicht festzustellen; aber wie dem auch sei, ist es ein Zeugnis des Unver- stands und der Kulturlosigkeit, ein derartiges Unternehmen irgendwelche politischen Rankünen entgelten zu lassen.
Der zweite Fall hat sich leider auf deutschem Boden zugetragen. Im Oppelner Stadttheater gastierte eine polnische Schauspielertruppe, deren Vorstellung durch Zwischenrufe und Stinkbomben unterbrochen, deren Mitwirkende trotz aller Bemühungen der Polizei um ihre Sicherheit auf der Straße mißhandelt worden sind. Das Ergebnis war, daß die deutsche Theatcrgemeinde in Kattowih. also auf der polnischen Seite der Grenze, wo sie bisher im* gestört ihre Vorstellungen abhalten konnte, als Protest gegen das völlig unverständliche Verhalten der Rowdies von Oppeln zunächst eine Vorstellung ausließ und daß die polnischen Behörden, die natürlich im Kampfe gegen die deutschen Interessen in den Abtretungsgebieten jedes Mittel mit Vergnügen benutzen, einen ganz vortrefflichen Vorwand geliefert bekommen haben, um kulturelle Bestrebungen des Deutschtums in Oberschlesien zu behindern.
Es handelt sich hier um ein Grenzlan d, dessen Verhältnisse nur erträglich gestaltet werden können, wenn man beiderseits Toleranz und Einsicht übt; und es ist frevelhaft, wichtige deutsche Interessen, besonders die Interessen der unter fremder Oberhoheit stehender Deutschen aufs Spiel zu sehen, indem man einseitigen chauvinistischen Empfindungen freien Lauf läßt. Sicherlich sind das nicht die Empfindungen der ganzen Bevölkerung oder auch nur ihrer Mehrheit; sicherlich sind viele unerfreuliche Vorgänge auf polnischer Seite für die Gereiztheit der Stimmung mit verantwortlich; aber all das rechtfertigt so wenig derartige rohe ünd geschmacklose Dummejungenstreiche, wie es gerechtfertigt ist, wenn aufgehehte Belgier die Mitglieder eines Wanderzirkus mit Steinen bombardieren. Beides gehört in die gleiche Rubrik: in die einer verantwortungslosen, nur auf egoistische oder Parteünkercssen gerichteten Agitation, die nur bei denen Boden finden kann, denen jeder Sinn für Selbstdisziplin, jedes Verantwortungsgefühl und jede Rücksicht auf das nationale Gesamtwohl abgeht. Jeder vernünftige Mensch jeder Rationalität und Parteistellung muß das verurteilen!
Oie Vorfälle in Oppeln.
Eine Ausschreitung Jugendlicher.
O p p e l n, 30. April. (WTB.) In der Svielzeit 1928/29 sind in den Städten Beuthcn, (9 (c h w i tz und Hindenburg durch Mitglieder des polnischen Kattowitzcr Theaters 14 Theateraufsüh- rungen veranstaltet worden. Keine dieser Aufführungen ist in irgendwelcher Weise durch die deutsche Bevölkerung gestört oder auch nur im mindesten beeinträchtigt worden. Dies mag als Beweis dafür dienen, daß die deutsche Bevölkerung in Oberschle sien an dem Auftreten polnischer Künstler in dem deutschen Teil des Abstimmungsgebietes keinerlei Anstoß nimmt. Die Vorfälle in Oppeln stellen sich als bedauerliche Ausschreitung jugendlicher Elemente dar. Die polizeilichen Ermittlungen sowie die übereinstimmenden Berichte der Tageszeitungen weisen ausdrücklich darauf hin, daß die auf den Straßen angesaminelte Menschenmenge in keiner Weise die Absicht erkennen ließ, irgendwie störend in die Veranstaltung einzugreifen oder gar gegen die polnischen Künstler vor- -ugehen. Lediglich am Bahnhof haben sich junge Leute von 1 5 bi s 20 Jahren von den übrigen losgelöst und sind in unverantwortlicher Weise als Störenfriede ausgetreten. Die deutsche Presse verurteilt ganz allgemein dieses Vorgehen und fordert mit Recht Bestrafung. Die von den zu-
Amerika und die Abrüstungskonferenz.
Oer Weg der Angelsachsen.
Der amerikanische Vertreter Gibson hat durch die Erklärung zur Landabrüstung, die er als Vertrauensmann Hoovers in Genf abgab, die Kreise der deutschen Politik heftig g e st ö r t. Die deutsche Diplomatie hatte sich offenbar vollkommen darauf eingerichtet, daß fie ©eite an Seite mit den Amerikanern fechten würde, und muß jetzt plötzlich die Feststellung machen, daß ihr die Flankendeckung fehlt, so daß sie eigentlich mit den Russen allein auf weiter Flur steht. Trotzdem war es vielleicht nicht ganz unmöglich, die Richtung, die Amerika in Genf »einschlagen würde, voraus zu berechnen, da sie natürlich nicht nach ideellen Abrüstungszielen orientiert ist, sondern sich aufbaut auf handfesten Machterwägungen. Amerika ist einer der wenigen Staaten, die es mit der Abrüstung ernstlich meinen. Weshalb? Run, sehr einfach. Der nordamerikanische Kontinent ist in sich so abgeschlossen, daß er praktisch unangreifbar ist. Was soll den Vereinigten Staaten bei einem Kriege geschehen? Sie sind mit Rohstoffen versorgt, sie sind mit Geld mehr als reich einge- dcckt, und wenn ihnen die Verbindungen zu ihren überseeischen Absatzmärkten abgeschnitten werden, so ist das unbequem, trifft aber kein lebenswichtiges Organ. Sollten die Vereinigten Staaten jemals zu einem Kriege kommen, dann können sie es darauf ankommen lassen, abzuwarten, bis der Gegner sich totgelaufen hat.
In dieser glücklichen Lage ist kein anderer Staat. Die Japaner haben sich eine Flottenrüstung aufgezwungen, die für ihre schwachen Füße viel zu schwer ist. Sie müssen früher oder später daran zusammenbrechen. Das englische Weltreich kann die gewaltige Rüstung tragen, braucht sie aber auch, um seine empfindlichste Stelle, den Verkehr unter den einzelnen Teilen aufrecht zu erhalten. Landabrüstung ist für die Vereinigten Staaten von untergeordneter Bedeutung. Sie haben in Kontinenten denken gelernt. Die Streitigkeiten der europäischen Staaten untereinander interessieren sie weniger, und wer die stärkste Landarmee besitzt, darüber beunruhigen sie sich weiter nicht, solange ihr Handel nicht darunter leidet. Dagegen liegen zu Wasser die Dinge bei ihnen anders. Deswegen ist ihre ganze QIb= rüstungspolitik maritim bedingt. Sie wollen den englischen und den japanischen Wettbewerber ausschalten. Das gelingt ihnen am besten, wenn sie einer kriegerischen Entscheidung aus dem Wege gehen, weil bann der Augenblick kommt, wo den Konkurrenten der finanzielle Atem ausgeht.
Herr Hoover sieht also die Dinge offenbar so, daß er nur abzuwarten braucht, bis den Vereinigten Staaten die Weltherrschaft in den Schoß fällt. Gr will dann die Engländer als Juniorpartner in fein Geschäft einladen, als Ausfluß des angelsächsischen Gedankens. Aber schließlich weiß auch England, daß es bann bestenfalls eine amerikanische Filiale ist, daß jedenfalls die Tage des englischen Weltreiches gezählt sind, und in dem Augenblick ist es mit Englands Geltung überhaupt zu Ende, weil die britische Insel lebensunfähig ist, sobald ihr die Kolonien und die Dominions genommen werden. Eine zwangsläufige Entwicklung, die seit dem Kriege unvermeidlich ist, die wir vielleicht noch erleben und die dann ein Stück ausgleichender Gerechtigkeit ist für die Rolle, die England im Kriege gespielt hat.
Oer Bruch
des Versailler Vertrags.
Zieht Deutschland die Folgerungen?
London, 30. April. (2BIB.) Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" schreibt: In britischen amtlichen Kreisen werden die Aussichten einer baldigen Seeabrüstungskonferenz, die eventuell im herbst abgehalten werden könnte, mit großem Optimismus betrachtet, was die amerikanisch-britische Zustimmung zu dem französischen Standpunkt in der Frage der a u s g e b i l d e t e n Reserven betrifft, so ist man sich klar, daß Großbritannien sich nicht in "ber gleichen Lage befindet wie die Vereinigten Staaten. Letztere können es sich leisten, verhältnismäßig gleichgültig gegenüber dem Umfang der europäischen Heere zu bleiben. Großbritannien hat im Locarnopakt eine hypothetische militärische Verantwortlichkeit
übernommen, die naturgemäß von der verhältnismäßigen Stärke der Heere Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Belgien» beeinflußt wird. Ueberdies besteht die Gefahr, daß Deutschland die von den vereinigten Staaten und Großbritannien gemachten Zugeständnisse benutzen wird, um das Recht für sich zu beanspruchen, zur militärischen Dienstpslicht zurückzukehren. 3n der Präambel der Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages waren die Deutschland auserlegten Beschränkungen hinsichtlich der Abschaffung der Dienstpflicht als erster Schritt zur all
gemeinen Abrüstung bezeichnet. Berlin selbst wird sicherlich nicht unterlassen, wenn die Gelegenheit sich bietet, den Standpunkt zu vertreten, daß die Beibehaltung der Dienstpslicht durch den Nachbarn einen moralischen, wenn nicht legalen, Bruch dieser Verpflichtung bedeutet. Da die Mehrheitsbeschlüsse der vorbereitenden Kommission nicht bindend für die Mitglieder einer eventuellen Plenar- konferen; sind, kann Deutschland sich seine Haltung in dieser Frage vorbehalten, bis die vollkonseren; tatsächlich Zusammentritt.
Heuer Vesatzungsskandal im Saargebiet.
Oer interalliierte „Dahnschuh" überfällt wehrlose Krauen.
Saarbrücken, 30.April. (WB.) 3m Saarbrücker Stabfroalb in der Nähe der ehemaligen Schiehstände ist es am Sonntagabend zu einem neuen Zwischenfall durch Angehörige des interalliierten Bahnschuhes gekommen. Nach einer Meldung der „Volkssiimme" wurde die Frau eines Bergmanns aus Herrensohr von vier belgischen Soldaten überfallen und zu Boden geworfen. Die auf ihre Hilferufe herbeieilenden Begleiter der Frau wurden von den Soldaten mit der blanken Waffe empfangen und mit schweren Verletzungen zur Flucht gezwungen. Darauf haben sich die Soldaten in der schwersten weise an der Frau vergangen. Die deutschen Behörden sind mit der Aufklärung des Falles beschäftigt.
Der achtzehn 3ahre alte Sohn der in Begleitung der Frau befindlichen Familie schildert den Hergang wie folgt: „Aus dem Heimweg von Schöneken, dem lothringischen Grenzdorf, kamen wir kur; nach neun Ahr abends an einer dichten Schonung in der Nähe der früheren Schiehstände vorbei, die jetzt von den Soldaten des interalliierten Bahnschuhkommandos benutzt werden. Mein Vater und ich gingen etwa hundert Schritte vor, als die zurückgebliebenen Frauen plötzlich um Hilfe riesen. Meine Mutter kam schreiend auf uns zugelaufen, während die befreundete Frau von vier bel-
s gischen Soldaten in das Tcmnendickicht geschleift und zu Boden gerissen wurde, wir
. sahen noch, wie einer der Belgier die Uebersallene j auf der Erde sesthielt. Die übrigen Soldaten kamen | uns jedoch mit gezogenem Seitengewehr l entgegen. 3n dem Augenblick, als ich flüchten wollte, i erhielt ich zwei Schläge über den Hinterkopf und I bald darauf einen dritten Schlag gegen die rechte Schläfe. Blutüberströmt brach ich bewußtlos zusammen. wie ich später erfahren habe, sind die belgischen Soldaten über meinen Vater hergesallen, der einen Baumast ergriffen hatte. Auch ihn haben sie in unmenschlichster weise geschlagen. Meine Muller schasste uns mühsam zu einem Arzt." Die überfallene Frau kam am Sonntagabend gegen zehn Uhr nach Alt-Saarbrücken, wo sie aus dem Ludwigsplah lauf jammernd nach ärztlicher Hilfe verlangte. Die Ueber- , fallene war gänzlich fassungslos und konnte nur unzusammenhängend Auskunft geben. Ein kraftfahr- zeugsührer brachte sie in einem Lastwagen zu einem Arzt. — Diese neue Schandtat durch Angehörige der sich im Saargebiet vollkommen zwecklos aufhaltenden interalliierten Sodateska hat mit aller Deutlichkeit aufs neue gezeigt, daß es allerhöchste ' Zeit wird, das Saargebicf von diesen seinen „Beschützern" zu befreien.
Optimismus in Paris.
Or.Schacht soll zwischen dem Oawesplan und einem Projekt Owen Youngs wählen
Paris, l.Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Mor- genpresse und auch die Agentur havas wollen Anzeichen dafür entdeckt haben, daß sich die Stimmung innerhalb der Reparationskonferenz gebessert habe, havas hebt hervor, man scheine zu hoffen, daß die deutschen Sachverständigen nach der Rückkehr des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht doch der endgültigen Lösung zustimmen werden, die der Sachverständigenausschuß den verantwortlichen Regierungen empfehlen zu müssen glaube. Selbst in dem Falle, daß die deutsche Gruppe sich n i ch t o h n e v o r behalt e dem Plane Owen D. Youngs anschließen zu können glaube, lasse sich annehmen, daß der von den Sachverständigen aufgeftetlte Plan als Diskussionsgrundlage für die späteren Beschlüsse derRegierungen dienen werde.
„Malin" gibt die Ansicht eines ungenannten unabhängigen Sachverständigen — offenbar eines der i französischen Delegierten — wieder, der sich wie ; folgt äußerte: Man darf nicht aus dem Auge verlieren, daß aus den Arbeiten der Sachverständigen aus alle Fälle ein neuer Plan her- vorgehen muh und dies wird der Plan Youngs fein. Die Vertreter Deutschlands werden zwischen dem Dawesplan und dem Plane Owen D. Youngs zu wählen haben, wenn Dr. Schacht unbedingt wert daraus legt, daß in dem Dokument, dessen Abfassung gegenwärtig der Vollendung entgegensieht, ihm besonders wichtig erscheinende Bemerkungen erwähnt werden, so wird er nicht die
Gelegenheit verpassen dürfen» die sich ihm bietet, wenn er zum letzten Male nach Paris zprückkehrf.
Zum Schluß erklärt der vom „Malin" befragte Sachverständige noch, er werde nicht erstaunt fein, wenn Dr. Schacht bei seiner Rückkehr e i n e D u r ch - schnittsannuität von zwei Milliarden anstatt von 1650 Millionen anbieten sollte. Seltsamer weise sprechen sämtliche Pariser Blätter einmütig und unter Anführung der gleichen Argumente davon, daß die deutsche Delegation letzten Endes zwischen einem Plan Owen D. Youngs und dem Dawesplan zu wählen haben werde.
„3ournal“ berichtet über eine wichtige Unterredung, die der französische Delegierte Ouesnay mit dem amerikanischen Delegierten Lamont gehabt haben soll. Bei dieser Unterredung habe man die Möglichkeit ins Auge gefaßt, den Gewinn, den die Bank für internationale Zahlungen eventuell abwerfen werde, vom 10. 3ahre an für dieZahlungen felbft z u verwenden. Bis zum 10.3ahre würde dieser Gewinn zurückgestellt werden. vom 10.3ahre ab werde aber Deutschland einen Teil seines Gewinnanteiles für die Reparationszahlungen verwenden können, während die Gewinnanteile der Gläubiger weiter in Reserve gehalten werden würden, um zur Zahlung der letzten Annuitäten der Kriegsschulden nach dem 37. 3ahre zu dienen. Dieser Modus sei jedoch nur möglich, wenn Deutschland die von den Gläubigern festgesetzten Zahlen annähme.
ständigen Stellen eingeleiteten Ermittlungsmaß- nahmen werden hoffentlich die Schuldigen zur geregten Sühne vor den Richter bringen.
Deutschfeindliche Kundgebung Warschauer Studenten.
Warschau, 1. Mai. (TU.) In Warschau hat am Dienstagabend eine gegen Deutschland gerichtete studentische Kundgebung stattgesundcn, an der sich über 300 polnische Hochschüler beteiligten. Sie veranstalteten einen Zug durch die Straßen, fangen das bekannte Schmählied gegen Deutschland und führten Plakate mit sich mit der Aufschrift „Schmach über die Kulturbanditen in Oppeln. Wir fordern Bestrafung der deutschen Schurken. Die Deutschen sollen uns nicht mehr ins Gesicht spucken." Die Studenten versuchten, vor das deutsche Ge -
sandtschaftsgebäude zu ziehen, wurden jedoch von der Polizei daran gehindert. Zu Zusammenstößen oder anderen Zwischenfällen scheint es nicht gekommen zu fein.
35 Billionen Mhriiberweisung der Reichspost Keine Gebührenerhöhung.
Berlin, 1. Mai. (DDZ.) Die Mehrüber. Weisung von 35 Millionen Mark an das Reich, die der Derwaltungsrat der Reichspost beschlossen hat, soll zum Teil durch Ueberschüsse des Jahres 1928, zum Teil aus stärkeren Gebühreneingängen des Jahres 1929 gedeckt werden. Die Ileberschüsse aus 1928 betragen 10 Millio
nen. Die Po st gebühren sollen 8 Millionen mehr erbringen, die Zinsen aus Postscheckgeldern eine, die Fernsprechgebühren vier und die Rundfunkgebühren zwei Millionen mehr. Die übrigen zehn Millionen sollen durch Ersparnisse der Reichspost an ihren Ausgaben hereingebracht werden. In einer Entschließung brachte der Ver- waltungSrat zum Ausdruck, daß die Mehrüber- weisung der 35 Millionen nur eine einmalige Rot Maßnahme für 1929 zugunsten des Reiches fein solle. Gegen die Mehrüberweisung sprachen sich die Vertreter bet Deutsch- nationalen und derjenige der Kommunisten aus, obwohl der Reichspostminister aufs energischste betonte, daß eine Postgebührenerhöhung unter keinen Umständen in Frage komme.


