Ausgabe 
1.3.1929
 
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tert Fraktionen Fühlung zu nehmen. Die bemo- kratische Rrichstagssraktwn sei des langen Hin- nnd Herziehens müde. Die einmütige Auffassung gehe dahin, daß eine längere Aufrechterhaltung ce3 gegenwärtigen Zustandes eine schwere Ge­fahr für Q3cL und Staat bedeutet. Diese Auf­fassungen sind von den demokratischen Vertretern auch dem Reichskanzler Müller gegenüber zum Ausdruck gebracht worden.

Gr hat es satt.

Berlin. l.März. (ptiö.-XeL) Der Zenlrumv- obZeordnete Clemens Lammers hat lautGer- monla" sein Reichslagsmandat nieder- gelegl. Das entsprechende Schreiben an den Reichstagsprösidenten hat folgenden Wortlaut:

Grundsätzliche Erwägungen wegenderGe- samtenlwicklung des deutschen Par. lamenlarismus bestimmen mich, meine par- lamentarische Tätigkeit aufzugeben. Dem- gemäß habe ich die Ehre. Ihnen. Herr Präsident, hiermit mein Ausscheiden aus dem Deut­schen Reichstag mltzuteilen."

Wie das Blatt hört, ist Herr Lammers auch au» seinen sonstigen politischen und öffentlichen Lemlern ousgeschieden, insbesondere hat er seinen Sih im Vorstand der Zentrumspartei und den Vorsitz im Enquete-Ausschuß niedergelegt.

Grverings Kurs.

Ter ReichSinnenminister und die Parteien.

Berlin. 1. März. (B. D. $.) 3m Haushalts- ausschuh des Reichstages erklärte Reichsinnen­minister Severing zur Frage der Militär i - schen Vertreter der Länder beim Reich, wie die Rechtslage jetzt sei, sei nicht ganz klar. Es handele sich hier wohl im wesentlichen um in Gedanken stehengebliebene Re­genschirme. (Heilerle'.t.) Sachlich würden diese Vertreter als militärische Berater der Länder kaum noch einen Wert haben. 3n meiner Amts­führung werde ich mich nicht ausschließlich auf Anhänger der Weimarer Parteien beschranken. 3d) werde alle staatsbejahenden Par­teien nach ihrer Bedeutung und Stärke zu den Staatsaufgaben heranzuzieh e.n re.suhen. 3ch treibe feine Gesinnungsschnüffelei. 3ch schätze alte Beamte, die sich zur Mitarbeit am Staate nach längerem Kampfe durd grrungen haben, s:hr viel höher als diejenigen, die plötzlich im 3ahre 1918 ihr republikanisches Empfinden entdeckt haben. (Graf Westarp ruft:Wieviel Beamte der 'Deutschnationalen sind denn noch in der Verwal­tung ?) Mindestens fünfmal soviel als Sozial­demokraten. 3ch halte den Dau deS Panzerkreu­zers nach wie vor im Hinblick auf unsere Finanz­lage und seine militärische Bedeutung für un­zweckmäßig. mache aber kein Hehl daraus, daß man alles tun müsse, um das Versailler Diktat nach Möglichkeit für uns aus- z u s ch ö p f e n. Meine Parlei bedeutet ein Drittel ces Volkes, und habe ich das Vertrauen dieses Drittels nicht, so kann ich nicht amtieren. Aber ein Minister darf nicht Sklave der Par- t e i sein, und ich werde mich nicht sklavisch der Partei unterwerfen. Haben Sie (zu den Deutsch­nationalen) nicht selber die Empfindung, daß es ,im Auslande einen außerordentlich üolen Ein­druck erwecken muh, wenn man eine Partei, die ein Drittel der Deutschen umfaßt, als Landesverratspar!ei hinstellt? Wird man dort nicht glauben, daß ein kühner Husarenritt nach Deutschland genüge, um es zu überrennen, da dieses Drittel einem zufallen werde? Von diesem Standpunkt aus bitte ich doch Herrn Grafen Westarp, in dieser Richtung auf seine Partei ein­zuwirken.

Wie Schlagworte entstehen.

Parteiismus.

Man erlebt manchmal mit dem Aufkommen und dem Vergehen von Schlagworten die merk­würdigsten Dinge. 3n aller Erinnerung ist, wie nach der Revolution plötzlich das Wort Ver­ankerung da war. Da wurden Betriebsräte in der Verfassung verankert, da wurden Ideen in einer Bewegung verankert, und das neue Schlagwort gehörte zum eisernen Bestand jedes Versammlungsredners. Heute ist es etwas ab- gel'urgen, weil allmählich Menschen mit Sprach­gefühl davor gewarnt haben, solche Ausdrücke zu Tode zu hetzen. Schließlich wirkt der Spott und die Furcht vor der Lächerlichkeit noch ziem­lich erzieherisch.

Deutschland ist jetzt im Begriff, ein neues Schlagwort zu erhallen, mit dessen Herkunft es eine ganz eigenartige Bewandtnis hat. Der demokratiiche 3uftizminister Koch-Weser warnte kürzlich in einer Rede vor den Aus­wüchsen desP a r t e i i s m u s". Gr hat sich damit ein Wort zu eigen gemacht, das seinen ülrsprung dem zähen Kampf des 3ungdeutschen Ordens gegen unser heutiges Parteisystem ver­daust. Der Schöpser des WortesParteiismus" ist Artur M a h r a u n, der Führer des 3ung- deu'.schen Ordens. 2lls er einmal darauf auf- merksam gemacht wurde, daß dies doch eigent­lich eine sehr häßliche Wortbildung sei, da er­widerte er, für eine so häßliche Sache sei dieses häßliche Wort gerade recht. Das war vor mehreren Jahren, bis dahin ist das WortParteiismus", mit dem man die Aus­wüchse des Parteiwesens bezeichnen will, ein Schlagwort im Kampfarsenal des Iungdeutschen Ordens geb.ieben. Jetzt scheint der Funke hin- überzuspringen. Schaut man in die Zeitungen der letzten Tage, dann findet man, daß es mehr und mehr ausgenommen wird, freilich ohne daß die dadurch bezeichnete Sache an Bedeutsamkeit irgendwie verloren hätte. Wie oft sind wir nicht in der Lage, über die Herkunft solcher Schlagworte irg'i b.ine zuverlässige Auskunft zu geben. Daß es hier einmal möglich ist, bedeutet vielleicht einen schätzenswerten Beitrag zur politi­schen Soziologie und Psychologie.

Dis Itot der Deren Angestellten.

Hilfe ans der Angestetttenversichcrimg.

Berlin, 1. März. (D.D.Z.) Der Sozial­politische Ausschuß des Reichstages be­schäftigte sich mit der Rot der älteren Angestell­ten und nahm einen Antrag seines Unteraus- schll'es an, der den über 60 Jahre alten feit einem 3ahre erwerbs'o'en Angestellten das Ruhegeld der Angestelltenversiche- rung gewähren will. Solange noch Anspruch auf Erwerbssosenunterstützung besteht, wird kein Ruhegehalt gezahlt. Bei gelegentlicher Aushilfe toll das Ruhegehalt nicht entzogen werden. Die

Vorschrift tritt mit dem Schluß des 3ahreS 1933 außer Kraft, doch werden bis dahin festgesetzte Ruhegehälter wellergewährt. Einstimmig ange­nommen wurde auch die Verkürzung der Wartezeit von 12 0 a u f 60 Beit rags- m o n a t e , die besonders den älteren Angestellten zugutelomrnt. 3n einer Entschließung des Aus­schusses wird baldigst ein Gesetzentwurf verlangt, der unter Berücksichtigung der noch vorliegenden weitergehenden Anträge einen weilerenAus- bau der Angestelltenversicherung vorsieht. Die jetzigen Beschlüsse des Ausschusses sollen ohne Beitragserhöhung durch­geführt werden, da die Mehrkosten bei der gün­stigen Lage der Angestelltenversicherung aus den vorhandenen Mitteln zu decken sein sollen. Die Rovelle soll am 1. März in Kraft treten und deshalb bereits am Freitag vom Reichstage verabschiedet werden.

Kalte Annexion Danzigs?

Neue Polnische Pläne.

Berlin, 1. März. (Priv.-Tel.) Die Polen haben offenbar eingesehen, daß weder diplo- matische Versuche, Danzig in den polni­schen Staat einzuverleiben, noch ein Hand­streich nack) dem Wilnaer Vorbild des Gene­rals Zelidowsli zum Ziele führen werden, sie wollen infolgedessen jetzt einen anderen Weg ein­schlagen und genau so wie Frankreich im Saar­gebiet enge wirtschaftliche Verbin­dungen zwischen Polen und de n Freistaat Her­stellen. Durch eine Indiskretion sind Ei zilheüen der in Warschau geschmiedeten Pläne bekannt ge­worden, wonach man a le z ir Vrr.ügunz sieben­den Geldmittel nach Danzig werfen und den gesamten polnischen Außenhandel über Danzig leiten will, um dieser Stadt wieder einen wirlschastlichen und finanziel cn Au - schwung zu geben und damit bei den Danzigern Sympathien für Polen zu erwecken. Unter der Hand soll natürlich eine starke Pressepro- p a g a n d a getrieben werden, man will gleich­zeitig den Danzigern allerlei Vorteile einräumen, wenn sie eine Linksregierung haben, um ihnen vor Augen zu führen, wie vorteilhaft es sür sie fei, sich von der Linken führen zu lassen, die den Polen gegenüber leider nur wenig Rückgrat ge­zeigt hat. Goldene Ketten sind in der Tat oft stärker als eiserne-, wir g'au5en aber nicht, daß die neue Taktik der Polen von Erfolg begleitet sein wird.

Der Parlamentarismus in Polen.

Heftige Angriffe Pilfudfkis gegen den Sejm

Warschau, 28. Febr. (WTB.) Das große politische Ercigni; des heutigen Rachmittags war eine Budgetrede des Marschalls P i l s u d s k i im Heeresausschuß des Senates. Pilsudski erklärte zunächst u. a., er habe keinen Referenten in den Militärausschuß des Sejm entsandt, weil sein Vertreter Beleidigungen aus- gesctzi sei. Die Offiziersehre erfordere aber bei Beleidigungen sofortiges tätliches Vorgehen. Desgleichen erfordere die D'.enstehre eine Vert i- digung des Vorgesetzten. Da er aber der oberste Vorgesetzte sei, hätte er, um Konflikte zu ver­meiden, nichts anderes tun können, als sich selbst in den Sejm zu entsenden. Pilsudski kritisierte dann den Parlamentarismus, der sich in üblen Formen bewege, die im Wider­spruch zum Leben, zur Arbeit und zum Recht stünden. Dies sei audj ein Grund, daß im Sejm keine Arbeit geleistet werde. Der Mar­schall stellte dann fest, daß das Militärbudget im 3ahre 1924 703 Millionen Goldzloty be­tragen habe, was umgerechnet einem Betrag von 12-17 Millionen Zloty entspreche. Da gegenwärtig die Hreresausgaben nur 814 Mill, betragen, so bedeute dies eine Ersparnis um ein Drittel. Dem früheren Budget habe er für seinen Privatgebrauch den Ramen des .fröhlichen" Budgets gegeben, denn die trau­rige Geschichte des polnischen Militärbudgets wisse nur von Diebstahl und der Möglichkeit toeitgelriebercr Defraudationen. Tatsäch­lich seien diese Militärbudgets fröhliche Bud­gets gewesen, denn er kenne Fälle, wie aus den Geldern des Militärbudgets der Kriegsminister für die Herren Abgeordneten üppige Trink­gelage mit Mädchen aus öffentlichen Häusern veranstaltet habe. Das seien goldene Zeiten für die Herren im Sejm gewesen. Aus diesen Budgets habe man nicht nur seine Geliebten, sondern auch die Parteien ausgehallen. Aus den Geldern dieses Budgets habe man mit beispielloser Frechheit gestohlen.

Englands Rüstung.

Senkung derHeereSauSgaben, aber erhöhte Schlagkraft.

London, 28. Febr. (WTB.) Der Kriegs- fefretär Sir Worthington Evans erklärte im Unterhaus bei Begründung des Voranschla­ges für den Heeresetat, daß die tatsächlichen Ausgaben von 35lz4 Millionen Pfund Ster­ling im 3ahre 1925 auf 32 A Millionen im Jahre 1929 zurückgegangen fe en. Diese Verminde­rung der Hceresausgaben um 11 v. H. erscheine um fo bemerieTiswerter, wenn man sie mit den HeeresbudgetZ anderer Länder vergleiche. 3n den Vereinigten Staaten seien die ent­sprechenden Ausgaben von 51 Millionen Pfund im Etatsjahr 1925/26 auf 59 Millionen Pfund in 1928'29 gestiegen, in 3talien von 18 auf 28 Millionen, in Deu tschla nd von 23 auf 25 und in Frankreich von 31 auf 58 Millionen Pfund Sterling. Rußland habe in ter gleichen Zeit sein Heeresbudget mehr als verdop­pelt. Das russische Budget stelle sich jetzt auf 84 Millionen Pfund Sterling. Das seien 40 Mil­lionen mehr als im Etatsjahr 1924/25. Auch in Belgien und der Schweiz seien die Heeresausgaben gestiegen. Rur Großbritannien habe die Ausgaben ständig eingeschränkt.

Der Kriegsminister erklärte ferner, daß in der Motorisierung der Armee große Fort­schritte erzielt wurden. 3edem Kavallerieregiment sei nunmehr eine fahrende Maschinengewehr­abteilung beige-eben worden. Zw:i Kavallerie­regimenter seien in Panzerwagenregi­menter umgewandelt worden. Für eines von ihnen habe man 22 sechsrädrige Panzer­wagen neueren Typs angelaust. Die Zahl der Maschinengewehre sei so weit vergrößert worden, daß nunmehr jedes Bataillon über 16 Maschinen­gewehre verfüge. Man habe auch mit der M o - torif lerung der leichten Artillerie

begonnen. ZweiBrigaten FekbarkMerie seien mit drahtlosen Fernfp.echanlagen ausgerüstet wordem Vier weitere Brigaden würden im Laufe deS 3ahres mit derartigen Anlagen versehen. Bei den Tankkorps seien die alten Tanks der Kriegs- zeit durch Tanks modernsten Typs er­setzt worden.

Botschafter von Hoesch bei Briand.

Paris, 28. Febr. (WB.s Der deutsche Bot­schafter v. H o e s ch hatte heute mit Driand nach einer durch längere Krankheit deS Ministers bedingten Pause wieder eine Unterredung über die schwebenden politischen Fragen. Bei dieser ilnlerreöung wurden insbesondere die auf der kommenden Genfer Ratstagung zur Erörterung stehenden Probleme behandelt. 3m Laufe der Besprechung nahm der französische Außenminister Gelegenheit, Erklärungen über den kürzlich in einem holländischen Blatt veröffent­lichten Text eines französisch-belgischen Geheimabkommens aozugcben.

Aus aller Welt.

Die Tragödie eines Wiener Kinderarztes.

Wien. 28. Febr. (WTB.) Der Vorstand der Wiener Kinderklinik, Professor Klemens Pirquet, und seine Frau wurden heute in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Es handelt sich vermutlich um einen Unfall infolge Ver­giftung durch Kohlenoxydes, das aus dem schad- haften Dauerbrandofen aueftrümte. Nach späteren Meldungen gewinne die Annahme eines freiw lligen Endes immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Wie das Neue Wiener Journal" aus Bekanntenkreisen Pir- quets erfährt, hat er gestern nachmittag feinem ersten Assistenten und Freunde, dem Professor Nobel, sein Testament ausgehändigt, wie er es stets vor längeren Reisen zu tun pflegte. Schon vor zwei Jahren soll Pirquet einen Selbstmordversuch unternommen haben, der aber mißlungen war. Er sprang, wie dasNeue Wiener Journal" erinnert, damals aus dem Fenster feiner Wohnung und zoa sich einen Bruch der Beine zu. Es hieß damals, daß er durch einen unglücklichen Zufall aus dem Fenster gestürzt [ei. Die Blätter bringen in ausführlichen Artikeln die Lebensgeschichte des hervor­ragenden Kinderarztes, mit dem eine Leuchte der österreichischen Wissenschaft erloschen sei. Es wird dabei nicht nur an seine unvergeßlichen wissenschaftlichen Leistungen erinnert, sondern auch an seine vorbildliche Tät.gkeit auf dem Gebiete ter Kinderheilkunde und sein Wirken in der Not der Nachkriegszeit, wo er die Ernährungs- fürsorge für die armen Kinder in Wien leitete. Ferner wird an sein Schaffen auf wissenschaftlichem, ärztlichem und pädagogischem Gebiet erinnert, das in allen Kulturländern anerkannt wurde, besonders auch in Amerika. Der Name Pirquet wurde auch im Herbst vorigen Jahres genannt, als es sich um die Neuwahl des Bundespräsidenten han­delte.

Schwere Jotgen der Kälte in Kroatien.

Am Donnerstag gelang eS zu dem Dorf Za- v a j e bei Karlstadt vorzudringen, das infolge der ungeheueren Schneefälle seit einem Monat von der Außenwelt vollständig abgeschnit­ten ist. Den Ankommenden bot sich e i n grauenvoller Anblick bar. Tie Dorf- ewohner hatten sämtliche Lebensmillel auf- gezehrt und lagen schwach und erschöpft in ihren Betten. 25 Personen waren bereits ver­hungert. Bon Karlstadt ist sofort eine Expe­dition mit Lebensrnitteln nach Zavaje ausge­brochen, um die äleber^ebenden zu retten. Durch das warme Wetter hat sich das E i S der Save mit reißender Schnelligkeit in Bewegung gesetzt. 3n der Rähe von Agram brach der Damm und die Wogen stürzten mit riesigen Eismassen auf ein Dorf, dessen Bewohner auf die Dä­cher flüchteten. ES war unmöglich, ihnen Hilfe zu bringen. Am Freitag wird Militär den Versuch machen, zu den älnglücklichen vorzu­dringen.

Zahlreiche Todesopfer der Grippe-Epidemie in London.

Die Drippe-Epedemie in London hat in diesem 3ahre außergewöhnlich zahlreiche Todesopfer gefordert. Seit der ersten 3a» nuarwoche sind insgesamt 1653 Personen der Krankheit erlegen gegen 146 Personen im glei­chen Zeitraum des Borj hreö. Seit Anfang 3a- nuar sind ferner 3371 Personen an Bronchitis upd Lungenentzündung gestorben. Allein in der letzten Woche versiegen in London 473 Grippe- Fälle tödlich, desgleichen 1001 Bronchitis- und 3nsluenza-Fälle. vaft die Hälfte der Todes­fälle war unter Personen über 65 3ahre zu verzeichnen.

Eigenartige Erkrankungen unter den Bejahung»- truppen.

Unter den Desatzungstruppen in Trier ist eine seuchenartige Krankheit ausgebrochen. Im Februar dieses Jahres sind 34 französische Solda­ten geftorben, die fast alle in Frankreich beerdigt worden sind. Da auch ein Standes­beamter der französischen Armee hier ansässig ist, weiß man nicht, ob alle Todesfälle den deutschen Behörden gemeldet werden. Dis jetzt ist über die Art der Krankheit keinerlei Mitteilung gegeben »er­ben, so daß unter der Bevölkerung Beunruhi­gung herrscht.

Brand In einem Döchnerinnenheim.

3m Heidelberger Stadtteil HandschuhLheim ent­stand Im Versorgungshaus, das sich irn Besitz eines evangelischen Vereins befindet, und in der Hauptsache zur Aufnahme von unver­heirateten Wöchnerinnen und ihren Kindern ge­gründet wurde, ein Brand, der größeren Umfang annahm. Etwa 33 Kinder im Alter bis zu zwei 3ahren und eine Anzahl Wöchnerinnen mußten in Sicherheit gebracht werden, während der Dachstuhl bereits brannte und die heißen Dachziegel beruntervras'elten. Der große Spei­cher ist völlig vernichtet worden und die dar­unter licgcnoen Zimmer der Schwestern und Mädchen sind ausgebrannt. Dar Gesamt­schaden ist beträchtlich, aber in der Hauptsache durch Versicherung gedeckt. Als 11c- fache nimmt man einen Kaminbrand an.

Großer l olelbrand in Genf.

Eins der größten internationalen Genfer Ho­tels, dieR e f i ö e n c e", steht in Flammen. DaS Feuer breitete sich infolge deS starken Sturme» mit größter Geschwindigkeit au8 und ergriff bald das ganze Gebäude. Rach kurzer Zeit stürzte bereits das Dach und ein Seitenflügel mit einem ungeheueren Getöse zusammen. Die Löscharbetten stießen auf außerordentliche Schwierigkeiten, da die Wafserleitungen zugefroren wa­

ren. DieRcsidence" diente al« Quartier für zahlreiche VölkerbundSdelegationen. So hatte ins­besondere die deutsche Delegation zu den Ab- rüsiungstagungen des Völkerbundes sowie auch stets die ungarischen Delegationen mit dem Gra­fen Apponyi im HotelRdsidence" Wohnung ge­nommen. Der Schaden wird auf über eine Mil­lion Schweizer Franken berechnet.

Da» Große Co# nach Berlin gefallen.

In der heutigen Nachmittagsziehung der Preuß. Klassenlotterie ist das Große Los mit dem Haupt- gewinn von 500 000 Mark gezogen worden. Der Glückstreffer fiel auf das Los Nr. 147 519, das in beiden Abteilungen in Berlin gespielt wird, und zwar in Achtel- und Diertellosen.

Ein blinder Passagier.

Unter einem Wagen des aus Wien kommenden Schnellzuges wurde in Budapest ein junger Mann entdeckt, der als der 23 Jahre alte Techniker Paul Krüger-Werner aus Hannover fcsfgestcllt wurde. Er gab an, er habe sein Gluck auf dem Balkan ver­suchen wollen und habe den Weg von Hannover nach Budapest teils zu Fuß, teils als blinder Passa­gier zurückgelcgt

Reuyork ehrt Karl Schurz.

Der stellvertretende Bürgermeister von Aeu- hork hat die Aufforderung an die Bürgerschaft ergehen lassen, das Andenken an den berühmten deutsch-amerikanischen Staatsmann Karl Schurz an dessen 100. Geburtstag am 2. März durch das Aushängen der Rationalslagge zu ehren. 3n dem Aufruf wird erklärt: Rachdern sich Schurz für die Sache der Freiheit in seinem deutschen Vaterlande verdient gemacht hatte, be­wies er die Liebe zu seinem neuen Vaterlande, in dem er bei Ausbruch des Bürgerkrie­ges von seinem Posten als Gesandter in Spa« nun zurücktrat, um in die Armee für die Er­haltung der Republik cinz^treten. Während des Krieges und in seinem späteren Leben gab er unserem Volke ein leuchtendes Beispiel der Pflichterfüllung.

Zwanzig Tote beim Einsturz dne» Kaffeehauses in Kthen.

Das große In der älniversitätSstraße gelegene Kaffeehaus Panellinion, unter dem sich ein Varietö befindet, ist heute plötzlich eingestürzt. Die genaue Zahl der Toten und Verschütteten ist noch nicht bekannt. Hilfsmannschaften sind an der Arbeit. Man rechnet mit etwa 20 Toten.

von einer Lawine verschüttet.

Am Schachentorkopf wurden auf dem Dege zum Schachen vier Skiläufer durch eine £ja< roine verschüttet. Während sich drei von ihnen aus den Schneemassen herausarbciten konnten, ist der vierte namens Martin Schwabe aus Partenkirchen tödlichverunglückt. *

Das Befinden des Königs von England.

Wie aus Bognor gemeldet wird, hält die Beste- rung im Befinden des Königs an. Er konnte zum ersten Male an einem Stock und mit Hilfe einer Krankenschwester im Zimmer auf- und ab­geh e n. Er ist noch äußer st schwach und wird erst bei einer wesentlichen Besserung des Wetters sich ins Freie begeben können.

Zwölf Zigeuner erfroren.

3n Rumänien finö zwölf Romadenzigeuner, die am Rande eines Dorfes in zwei Zelten hausten, erfroren. 3n der Gemeinde herrschte ein starker Schneesturm, der die D raßen und Wege volllommen unanbar machte. Die erfrorenen Zi­geuner sind erst nach Tagen in den Zelten aufgefunden worden. Die Kinder fand man an die Brust ihrer toten Mutter gepreßt.

Wettervoraussage.

Das britische Hochdruckgebiet hat sich nach Mitteleuropa verlagert. 3n seinem Bereich £a» ben sich an der Rordseite die Fröste abgeschwacht und vielfache Rebelbildung herrscht vor. Helgo­land gestern morgen 5 Grad, heute 1 Grad, Berlin gestern 10 Grad, heute 6 Grad. 3m Süden dagegen haben sich während der klaren Rächt die Temperaturen nur wenig geändert. Stellenweise sind sie sogar noch weiter zurück- gegangen. München gestern 12 Grad, heute 16 Grad. Da zunächst der Hochdruckeinfluß standhält, so bleibt das Detter trocken, jedoch dürfte es auch in unserem Gebiet zu verbreiteter Rebelbildung kommen. Der Frost hält nacht- weiter ai>, schwächt sich jedoch langsam ab.

Wettervoraussage für 6 a m 6 t ag: Vielfach neblig, stellenweise aufheitemb, Frost sich etwas abschwächend. troden.

Wettervoraussage für Sonntag: Weiterer Rückgang des Frostes, sonst wenig Aenderung.

Lufttemperaturen am 28. Februar: mittag«4,6 Grad Eelsius, abends10,9 Grad Celsius: am 1. März: morgens12,1 Grad Eelsius. Maximum 4,6 Grad Celsius, Minimum 13,2 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 28. Februar: abends1,7 Grad Celsius, am 1. März: morgens2,3 Grad Celsius. Sonnen­scheindauer 8J4 Stunden.

Mnkersportnachrichteu der hcsi. Vetterdienslstelle.

Taunus (Kleiner Feidberg): Wetter heiter. Temperatur m'nus 12 Grad. 35 Zrnllmeter Schnee, Pulverschnee. Ski und Rodel sehr gut

Sauerland (Wn'.erbrrg: Wrlkig. Tempe­ratur minus 10 Grad, 38 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut

Schwarzwald (Feldberg): Heiter. Tempe­ratur minus 16 Grad. 98 Zentimeter Schnee. 3 bis 5 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut

Vogelsberg (Hoherodskopfs: Detter heiter, Temperaturen minus 12 Grad Celsius, 35 Zenti­meter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut Herchenhainer Hihe: Wetter heiter, Tempera­turen minus 11 Grad Celsius, 35 Zentimeter Schnee. Die Schneedecke ift etwas verweht. Sport- Möglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.

Odenwald (Tromm): Wetter heiter, Tempera­turen minus 11 Grad Celsius, 35 Zentimeter Pul­verschnee, Ski und Rodel sehr gut. Neunkirchen: Heiter, Temperaturen minus 16 Grad Celsius, 30 bis 35 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.

Harnischgrunde: Heiter. Temperatur mi­nus 15 Grad, 68 Zentimeter Schnee, etwas ver­weht, Ski und Lode! gut

Alpen (Garmisch-Pcrienkirchen): Heiter.Lem- peratur minus 16 Grad. 31 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Aeuschnce, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut

Berchtesgaden: Wckllg. Temperatur mi­nus 15 Grab, 35 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Deufchnee, Pulverschnee, Skt und Rodel sehr gut