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ITr.205 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zreltag, 3|. Angust (928

in welchem Umfange die

hingetoielen wi

f

41.88 Pro). au» der Einkommensteuer zieht, ob- wohl H au Herdern einen sehr erhebfühen Teil der Grundsteuer, die bU zum Jahre 1923 ben pveuhischen Gemeinden ohne staatliche Be­teiligung zur Verfügung stand, beansprucht und damit fast 16 Proz. feine» ©teuerauUommen» bestreitet. Tiefe bohr Beteiligung an der Ein­kommensteuer aber bedeutet, dast die Befticbl- gung de» Finanzdedarle» Preußen» zum erheb­lichen Teil au» einer Steuer erfolgt, die da» Vanbe»farlamcnt weder beschießt noch einhebt, die also im Bewußtsein der Steuerzahler al» Vanöeeftcuer feine Bolle spielt. Tat j lammt, dast c» sich hier um eine Steuer handelt, die am stärksten die Tendenz der fortlaufenden Steige­rung de» Aufkommen» hat. daher ohne Ben de- rung de» Verteilungstchlü fei» dauernd die finan­zielle Vage der Länder gegenüber der der Ge­meinden stark begünstigt und da» Antellsver- 641tni» am Gesamiaufkommen weiter zuungunsten ber Gemeinden verschiebt.

rlngerechleSteuerverteilung.

Die Frage her künftigen Gestaltung de» end­gültigen Finanzausgleiche» ist nicht .iur für Reich. Länder und Gemeinden van be- »c nhetrm Interesse, sondern auch für dir BU- hineinheit. 9» ist notwendig, hast d,e Oeffent- lichkeit mehr ale bl»her f<<t> mit dieser .trage beschäftigt, denn letzten Ende» ist c» ja der Burger selbst der durch dir Jablunj feiner Steuern am Dohl und Wehr feiner Stadt in ter- ♦liiert ist. Da» Dor kurzem veröffentlichte Ma­terial der Finanzstatistik für da» Jahr 1925 26 gibt einen lieber bild Über die Verteilung der Steuereinnahmen zwischen Län­dern und Gemeinden, und die Ergebnisse dieser Statistik zeigen, wie sehr die Städte im Vach teil hnb. Immer wieder ist von den Städten und ihren großen Verbänden daraus

Durch den gediegenen Anteil des Landes und den iKtminbcrten Bnhil der Gemeinden nxrbcn kne Luteren gezwungen Steuern zu erbeben, die nicht ohne schwere Schädigung der örtlichen Qnt- tridlung und der kommunalen Selbstverwaltung erhoben werden können. Man zwingt die Kommunen zur übermäßigen Inan­spruchnahme ber Real steuern <owie kleiner BebenBeurm. und flogt sie bann, wenn tiefe Äonfcguen^en eines falschen Snstem» offen- kundig werden und zur wachsenden Auflehnung der Steuerzahfer führen, einer verschwenderischen

fichtnahm« auf die berechtigten Inteveffen de» Ge­werbe» und Grundbesitzes an. Tie jeht befannt- gegebenen Srgebntfle ber Finanzftatiftik zeigen aber, daß die Bortnürre g'gcirüber der cemcinb- luten Buögabewirtschaft in ihrer Verallgemeine­rung unhaltbar sink».

reine Töne Porfommai. da» heißt solche, die nur au» einer einzigen Tonschwingung von be­stimmter Höhe bestehen. Um einen soicheit reinen Ton »u erzeugen, muß man vielmehr die Hilfs­mittel de» phnsikaloschen Laboratoriums zu Hilfe nehmen, zum Beispiel die S t i m m q a b c l. Jeder sonst vorkonnnende Ton besteht aber bekanntlich außer der hauptsächlichen Grundschwingung aus einer Reihe von Obertonfchwingunge,;. deren Zahl und Stärke für die Klangfarbe der Stimme oder de» betreffenden Instrumente» charakter'isti'ch sind.

Die bedeutendsten Forschungen auf diesem Ge­biet hat Professor Wagner, ber Direktor des besonder» für diese Iwecke in Berlin errichteten Heinrich Hertz-Institutes sür Schwingsorschung. durchgeführt und sie an sehr sinnfälligen Srper'menten verdeutlicht. Die Apparatur, b:e et konstruiert hat. kann nach Be­lieben und in sehr einfacher Meise nach dem Millen de» 8«Kri:nentatot» von einem gegebenen Klang je nach dem die hohen ober auch die beten Schwingungen abschneiben. Vs geschieht dies mit Hilfe logen. Drossel- und Kondensatorketten, deren Eigenart hier nicht weiter erflärt zu werden braucht.

Im Beben zimmer de» Laboratorium» befindet sich eine Versuchsperson, bic in ein Mikrophon ben VokalB" hineinlpricht. Im Laboratorium selbst ist ein Lautsprecher, ber dieses ..BM .zu­nächst ganz klar wiedergibt. Run sehen die Ver­änderungen ein. Der Professor stretcht nut Hilfe feine» Apparate» von dem w ledere rklln gen den ..A" denjenigen Teil der Schwingungen, der höher ist, al» zwei tausendfünfhundert in der Sekunde: schon ist da» ..A" nicht mehr rein. 71 un geht er Wetter herunter, läßt nur noch die Schwingungen bt» sechshundert in der Sekunde übrig und da» wiederum draußen hereingefprvchene ..TT hat l!<h nun im Lautsprecher zu einemO' ver­wandelt, woraus nun m t Sicherhe t gerd)[offen werden kann, daß b e hohen Schwingungen für den Laut .,A" charakteristisch sind. Behnnche Er- perimente toetben nun mit sämtlichen Lauten und allen sonst vorhandenen Klängen engestcll: und dadurch wird chre phystkau sche Ole Tur im einzelnen ergründet.

Das hat dies nun mit Rundfunk und Grammo­phon zu tun? Mm, ber Physiker hat dadurch

Mitternachtssonne am Polarkreis

Mitternachisionn' auf ben Bergen lag. Blutrot anzuichauen.

war n>chi '.Radjt, es war nicht lag, ff« mar em eigen (Brauen.

(tfus Tegnsr» Frithfofsjage)

Lange und anstrengend war bet Ritt von über ^00 Kilometer, der un* über weite einsame, zum lest wllig unbesiedelte Gebiete de» Vi-ianix» dem Polat - frei» nahegebracht hatte. Große Sandwusten roller Wirbelsturme und ofhnal» non undurchdringlichen "Jebeln bedeckt, lagen hinter un», brnte en Lu falte (Bletfd)erflüfie und reißende Wtldbache, ohne Brücken und Steg, wurden auf Pserderucken bezwungen, über zahlreiche Gebirgszuge folgten die mackeren ilonn' m stetem Wechsel bergauf bergab, dem schmalen Saumpfad. Wild zernstene, fast unbegebbare Unna- felber mit wahllos jufnmmengejloffenen und über- einander geschichteten Basalt, und Tufsmassen, nm. drohenden Kratern überragt, sind überwunden, lieh lidjc Bergweiden im inneren Hochlande mit übernti* malerischen, weltvergessenen Gcbirg«feen innrtt-1 großartige^ flebeimni*ooller Bergfzenerlen, vergönn ten Ruhestundchen im Zeltlager zum Schauen und Lauschen.

Lander durch die Inanspruchnahme der ver- Hip baren Finanzquelten für ihre cig.ncnBebürf- nifie (man braucht nur an die Hauszinsfteuer zu ennnernj den Gemeinden die Eriüllung ihrer .'lulgalxii und die Finanzierung ihrer Bcburf- msse erschweren, und daß nicht zuletzt durch diese BeränNrung im Verhältnis .Land und Ge­meinde die starke Anspannung der Gemeinde­steuern bedingt fei. Der hierdurch hervorgerufene Gegensatz zwischen Staat und Gemeinden hat uulurgemäh den Dunfch nach dem Einheitsreich vt ben Kommunen gestärkt. Die Forderung nach der unmittelbaren Verbindung zwischen Reich und Gem- inden ist ja in der letzten vfcit auf den Tagungen Irr kommunalen Spitzenorganifalionen immer wieder erhoben worben.

£k obengenannte Statistik zeigt deutlich, in weichem Masze die Gemeinden gegenüber dem Lande benachteiligt sind, und sie zeigt ganz be- onber», wie sehr die Kommunen in die Rich­tung der hon ihnen zur Zeit betriebenen Steuer­politik soweit man angesichts der Einengung kommunaler Bewegungsfreiheit diese» Dort über­haupt noch anwenden darf - gedrängt worden hab. Die Statistik zeigt, daß im Vergleich zum .'obre 1913 14 in allen deutschen Landern, mit Ausnahme Sachsens, der Anteil de» Lan­de» am Steueraufkommen wesentlich gestie­gen. dcr der Gemeinden erheblich ge­sunken ist. So wurden im Jahre 1913 14 in Preußen von hundert Mark für Land und Ge­meinde entrichteter Steuer 24.23, Mk. für da» Land und 70,72 Mk. für die Gemeinde in An­spruch genommen. Im Jahre 1925 26 erhielt da» Land 39 71 Mk. und die Gemeinde nur noch »Ö29 Mk. d h das Land hat seinen Anteil am Steueraufkommen von etwa 30 auf 40 Proz. allo um 33 Proz., gesteigert während da» Steueraufkommen für die Gemeinden sich stark verringerte. Von der Gesamtsteucrlast. die auf em deutschen Volke liegt, kommt heute den Län- '*rn ein relativ größerer Anteil zu al» vor 'em Kriege, soweit e» da» Verhältnis Land und Gemeinde betrifft.Bber auch tm Verhältnis ieich, Länder und Ge-neinden haben die Län­der, trotzdem das Reich durch seine gewaltigen inan,teilen Bedürfnisse stark in den Vordergrund vtreten ist und die Gcnneinden in erster Linie ic Last der inneren Kriegsfolgen tragen, ihren

lat Iren Anteil erhöht. Es erhielten a t 100 Mk. Steuereinnahmen da» Reich vor dem Kriege 39 Proz., ietzi 42.3. die Länder 20.4. etzt 23.9. bie Gemeinben 373. jetzt 31.4 Proz. ?ie Steuervertcilun^ zwischen Ländern und Ge- ciüben in ben 5 größten deutschen Ländern hat ch folgendermaßen geändert' Preußen Land 1.4, Gemeinden 173 Proz. Bayern 27 7.8. achten 24.5 - 28.3. Dürltenilvrg 9.2 - 7. ''oben 10.8 - 19,9 Proz.i Roch aufschlußreicher er find die Iahlen über den Anteil an den izelnen Steuern. Von der wichtigsten Reichs­teuer, der Einkommensteuer, nimmt heute rvuften 49.31 Proz. für fich in Anspruch und Srläftt den Gemeinden die vor dem Kriege _V68 Proz. hieraus erhielten, nur nod> 50.66 ~ rnimt. Richt zuletzt au» diesem Grunde ist der Anteil der Einkommensteuer an den Gesamt- cuereinnabmen der preußischen Gemeinden von '0.81 auf 28.32 Proz. gesunken, also

über 40 Proz., während das Land Preußen ">n seinen steuerlichen Einkünften immer noch

Doier Tanguy.

tfc war kein «unschöndler. der Vater lungut), fi wie sie in den Beschreibungen von Montmartre 'ac fch'ldert werden. (Er hatte einen kleinen Laden, in d-m man alle möglichen Dinge kaufen konnte. Vater Tanguy hatte außerdem ein weiches Gemüt und hals den armen Künstlern, die an den Ufern der Seine saßen und ihre Warben verschmierten, die sie viel besser verwenden konnten. Die Pariser Kunst- summier, die wußten, daß in TanguyH Laden manchmal für billiges Geld gute Sachen zu haben waren, besuchten ihn von Zeit zu Zeit. Der Handel war leicht, ba Tonguy überhaupt keinen Verstand für die Kunst hatte. Eines Tages kam auch so ein Liebhaber der wahnsinnigen Malereien, wie Tangun die Gemälde seiner ."yreunbe nannte, in den Lade um zu sehen, ob es etwas besonderes zu taufen gäbe Er entdeckte ein prächtiges Stillet,.-n von van Gogh. Du er den bruoen Suter Tanann mcht betrugen wollte, fragte er ihn.Was kostet dieser oun Gogh?" Der Alte sah den Äunftlaufcr kopfschüttelnd an und fugte:Der urmc Vinzenl!

war damals schon nicht mehr recht im Kopte, nufjt wahr? Was^das Gemälde kostet, bas sie kaufen sollen? Warten cle einen Augcnt-l-ck, ich will <- nachsehen, was es bringen muß. Ich will Sie nicht übervorteilen.' Er suchte einige Minuten unb xnanbte sich bann an ben Käufer mit ben Worten. "42 Franken.'Sagt mir, Vater Tanouy,' sragie der Käufer, nachdem er das Bild in feinem 8efi:$ balle,warum Huben Sie genau 42 Franken cer- taofl und nicht rund 40 Franken?'Dell ich ert ehrlicher IDtann bin, lautete die AntwortAls t-er arme Vinzenl starb, schuldete er mir genau 42 Fran­ken. Nun ist die Schuld getilgt " Einige Zeit darauf wurde das Gemälde für ein Vermögen verkauft.

Dem Polarkreis entgegen.

Glücklich, toem In ber Jugendzeit der Schritt fiern von bet Heimat bar te schwccjen. fei'». Daß er gddbaut, w<c um be» Rordens Ei» Der Sonne Mitternacht ge Strabten sprühn.

Soi's. baß gebettet unter ßorbccrrofen Gr durch da» meerhauchfeuchte Grnn Empor zum Himmel sah. dem tocllenlofen, - öroig jung

vlicht he» Genossenen Erinnerung

Mit ihm durch» Leben bin, im spatsten Alter Ihn noch umflatternd wie ein Frühlingsfalter.

F. v. Schack.

Fern von ber Heimat schwellten unsere Schritte, ober b'Hcr getagt, die ber zierlichen unb doch so ungemein ausdauernden unb leistungsfähigen IS- lanb-Pony», al» sie un» weit über 800 Kilometer auf ungeebneten schwierigen, hinbernisreichen unb jahrhunbertealten Reit Pfaden der Rord- küfte de» Sugenlunde» Thule ent­gegen trugen. Herrliche Bildet unb Raturschön- hciten waren auf bietet großen Landreise durch einsame unb zum Teil ganz unbewohnte Gegen- ben an meinem Auge Vvrnberzogen, so zahlreich unb doch so eindrucksvoll, daß weder mit dem Stift Im Tagebuch, noch mit der Kamera alle fe ft gehalten werden konnten.

Bald lagen die grünen Tätet, die in die breiten, wasserreichen Fjorde de» Südlandes ziehen und den bereit» ein Jahrtausend ansässigen Nach­kommen de» alten Di finger geschlechte» geschützte Siedlungen gewähren, hinter uns, und hoch hin­auf auf viele Kilometer weite Sand- unb Gtein- wüsten führte ber Pfad, oft viele Stunden lang ohne einen Grashalm für die hungrigen Pferde während wohlverdienter Rast. Riesige Lavafelder mit blau-schwarzen Vulkanen in ihrer Mitte be­decken unübersehbare Landschasten. die sie tot und starr erscheinen lassen. Aber trotz aller Armut in diesen leblosen Gebieten ist die Ratur dort doch großartig, voll Erhabenheit unb überwälti­gender Schönheit, wie sie sich kaum in der Delt wiedersindet. ileberall schließt sie sich tm Hinter­grund durch die dunklen, stillen Bergricfcn ab, oeren Häupter großenteils da» ganze Jahr über von blendend Weißen Schneekappen gekrönt sind. Hier und dort tauchen in der Ferne die gewal­tigen. unheimlichen Gletlchergebiete auf, die in der Rotdianblonne glänzen unb funkeln Dann wieder wechseln mit dieser Starrheit freund­lichere Gegenden, aber auch Gebiete ber Einsam- teit unb großen Ruhe. Island» innere Vcrgweiden. voller Sommerzauber unb Dinterpracht, bie nur selten cm Mensch genießt. Rauschenbe Vergbächc mit zahllosen DasscrfäUen, gurgelnde und sprudelnde Quellen inmitten sost- grüner Auen unb schöner Diesen grün be. die vis hoch hinauf zu hen Häuptern mit mannig­fachen Blumen unb Kräutern geschmückt sind. I Rur die Schafherden mit ihren luftigen Pfingst- I

Unb beute ist wirklicher Rasttag für Pferde i.rb weiter. Hoch droben an ber Rordküste auf rliier ein (amen kleinen Farm, in einer Gegend van aus« gezeichneter landschaftlicher Schönheit, die g ir nicht oder |o feiten non fremden Reifenden ausgesucht nnd, haben wir unter Standquartier bezogen, um zug'eich bas große '.staturwunder der Nordlandswell, die Mitternachtssonne, zu erleben. L'aütln * -tille liegt feierlich über dem weilen Land. Die mur­melnden Bächlein und rauschenden Bergwaster, bic im ganzen Lande eine so fröhliche, melodienr'e ch,> Sprache redeten, scheinen heute hier oben zu schlafen, unb wie in tiefem Traumen liegt ein befriedigtes Lächeln über ihre bevorzugte Lage in solch wunder, barer Umgebung auf ihren Lippen Dec rauhe .stord, der hier so oft vom Grönlandeise nach Island, weißen Berggipfeln fliegt, donnernd und poltemb mühsamer Hande Arbeit mit einem Schlage ncr n'chtend, hat sich völlig der Macht der heute regieren- den Hochsommersonne gebeugt, unb auch der fuhic Morgenwird schweigt, der die Gipfel der nahen Schneeberge mit feinem zerrissenen Nebelftrellen um ilort hatte. Weit dunkler aks gewöhnlich erscheint ho-3 'Blau des Himmelszeltes vom nun beschatteten Tale aus, und leuchtend heben sich die zarten, duftigen Streifenwölkchen von ihm ab. Selbst auf die weile See dort hinter dem niedrigen Birken-Buchenwalhe scheint sich der Friede des stillen Sommeimges nn|( unb ganz übertragen zu haben. Dort, trj sich tagaus, tagein die mächtigen Wogen über den nflnben 'rfi.i ren brechen unb die wilde Brandung mit lautem <8e- töfe das StrandgeröN unb die stellen Fel rkllpv.'.i unbarmherzig Kitscht, dort liegt heute eine fast spiegelglatte Fläche, auf ber zahlreiche QEntenmüiter ihre lieblichen Kucken führen unb erstaunt die zit­ternden Spiegelbilder der Schneehaupter benach. harter Berge beobachten.

Dieser wunderbare Commertoa vergönnt mir noch eine Fahrt auf das offene Meer. Ich begleite oter Fischer In einem Motorboot vom kleinen Fjord hinaus In die nordische Sommernacht die nicht min­der schön ist, als ber vergangene tag. Tief (Mu schon die Sonne über dem Horizont am wellen un- endlichen (Eismeer unb feuerrot flammt der Weg bem sie nord-ostwätts folgt. Roch vor Mitternacht beginnen die fteißlgen Hochseesischer ihre mit Hering beköderten Fangleinen auf Dorsch unb Steinbutt im warmen Sonnenschein auszuwerfen, während das Boot langsam weiter nordwärts stampft. Der kleine, vor Stunden verlasicne Fjord ist längst nicht mehr sichtbar, aber Die lange, gezockte Felsenküste Islands hebt sich In leuchtender izarbenprachl aus dem Meere empor. Die meitentwiten, xum Himmel emporftrcbenden Berggipfel an der Küste, mit ihren glitzernden und funkelnden Schneekappen, strahlen und glänzen In einem unbeschreiblich Dklforbigm Alpenglühen, wie ich selbst im Tiroler und Schm.,- zer Berglande niemals schöner gesehen, unb die ttefer gelegenen schwarzen Felsoarlien sinh flim­mernd und schimmernd überhaupt von den Stroh ten der Mitternachtssonne. Während sich ihr feuri­ger Ball langsam ins Eismeer senkt, werden hie darben immer leuchtender, immer prächtiger. Ringsum blitzen die welchen Wellen ttefrot unb golbgrun unb violett, das weite Meer ist überflutet

Reisebrief aus Island

13tm Dr. Hellmut Loh, Gießen.

ckkatt unb leise klingt, denn diese

Mächtigkeit und Fülle mit sich.

Bknn Sie also lünftig am Telephon oder im Rundfunk nicht genau verstehen, was da gesagt oder gesungen wurde so werben S e wissen, woran da» liegt. Wie. Sie sind dadurch nicht glücklicher geworden? Vielleicht nicht: nber ho'- fentidj wissender durch den kurzen Eiichlick In Ji« Werkstatt der physikalischen Wifsenschaft, dec hier gegeben wurde

Vivisektion des Klanges.

Von ftranf Warschauer.

Vivisektion be» Klange»? Kann man überhaupt Klange sezieren? Man kann es: unb da» geht Ivi gen dermaßen vor sich.

Jeder Klang, den ba» Qhr vernimmt, ist in außervrdentlich komplizierter Weite zusammen­gesetzt. aan,j gleich ob e» sich um da» Piepen elttt» Sperlmgs. das Singen einer Nachtigall, die menschliche Sprache, um Gesang ober Instru- mentalmillik handelt We>m ich zum Beispiel -B" aussprcche. so erfolgt damit der Bblauf eine« 'c*jr differenzierten pdtzsikalifchen Vorqong«. wäh­rend doch bas Resultat fn einfach erscheint

Dte Frage nach ber Art all dieser Vorgänge vWwftigt die Phnfik teit ea. 100 Jahren: erst in neuester Zeit ist man hier n Erkenntnissen gelangt, die übet die Struktur be» K vtge» einen genauen Aufschluß geben Der prall.sch.' Wert diefer Fvr- 'chungen stellt (ich am deutlichsten bei jeder me- hanischen Wiedergabe klanglicher Vorgänge, allo ?or allem im Rundfunk und Grammo­phon dar. Wenn wir von einer S-challvlatte

so staunenswerter Deutlichkeit Mufik unb äprache hören können, trenn die Stimme, die aus Hunderten, ja auS tauknben von Kilometern mif tem Wege ber etekttischen S-türmqung zu un» im Rundfunk fast in jedem Monat bcut- erlennoar wird, fo ist das in erster Lmie >en grunblegcnbcn Arbeiten der Phy - A danken, die sich auf ba» Gebiet ber v ä Ziehen. Denn jede Wiedergabe im hu Srammvphvn ist auch eine Syn*

cheie des Klange»; damit sie gelingen konnte, ^^,/orgfältige Analyse notwendig.

^Enaue,-' Tttifschloß über die Einzelheiten der physikalischen Vorgän.ae gibt, lud b.cfc Analyse geschieht nun in einer Form, z« Anatomen ober des

Fhln -blcP««tnmcnticrcnben mebyini-

hxn Forschers gleichtehen tarm.

t-.^atur eines Klanges zu t man nämlich unter anderem den rf,® »cfamtbeit einzelne

J ^an 8U beobachten, wie

ist das mög.id)? Ma--.

*ew, daß weder tn der Ratur noch in der Kunst

lämmem erfreuen fich dieser Pracht, und die nistenden Klcinhogel unb fchneeweißen Schwäne, 'o zahm roic ihre Gespielen, erfreuen sich der goldenen Freiheit, die nicinanb stört.

Tagelang reiten wir, das Schauen tnirb zu unvergeßlick-er Erinnerung. Weber wechselt ba» Larblchafttb lb. Vor uns taudien facbenpräch ige Oasen auf. die zahl reiche n heißen Quel­len ihre Stiften; veibanken. Hier liegen ruhice Sprudel mit Kohlen'äure, niedrig temperiert. Islands ,'Apollinaris", dort eruptive Spring- quellen. aus denen mächttae Dampfsäulen un­aufhörlich emporsteigen, wieoer an anderer Stelle begegnen wir locbcnb heißen, brodelnden, schnau­benden und dampfenden Höllenfchlünden, ben Schwefrsquellen oder Solfataren und ben für Island fa charakteristischen Schlammvulkanen. Ueberall ein Farbenfpiel von Gelb unb Drau. Grün und Vlau. Weiß und Schwarz und Rot unb Orange in seltsamsten Gemischen, wie sie nur auf der Palette eine» Malers ungeordnet wieder­zufinden find. Unb unaufhörlich kocht e S und brodelt e». arbeitend mit wildem Ge­töse und Gurgeln, daß man sich manchmal an den Eingang der Holle tNrfefit glaubt.

<?» wallet und siedet und brautet und zischt, wie wenn Waller mit Feuer sich mengt zum Himmel spritzet der dampfende Gischt"

Schließlich kommt die Rordküste in Sicht. Liebliche Täler öffnen fich wieder n,cferenBlicken, zu beiden Seiten von mächtigen, zn.m Himmel empar>trcbenden Felsmasstven einge^hmt, deren Häupter oftmals von schweren Wolken verhängt sind. Einzelne Bauer ahöfe liegen versteckt tm schmalen Wildbachtcl, und Fifcheransiedlrmgen und Handelsorte schmiegen sich an die geschützten Buchten de» sich erweiternden Fjordes, wert draußen, wo die Schisssmasten vor ben Fel»- terra Wen schau teln. Steil und unvermiltclt steigen zerklüstete Klippen aus dem Meere auf, die Tausenden von Lummen. Alken, Möven und vielen anderen Wasservogeln zur Wohnstätte dienen. Ganze Wolken dieser geselligen FelS- Mictfcr schwärmen und flattern über den blauen Wogen unb schreien unb kreischen in einem so vielstimmig lauten Akkorb, ber selbst das Ge­töse ber über ben Schären gebrochenen Dellen unb ber w Iden Brandung auf dem gepeitschten Strandgcröll weithin übertönt. Leise hört man das taktmäßige Hämmern ber füftenfre Men en ben Motorboote unb weit braußen am Horizont stehen bie Schiffe vieler Rationen bes europäi­schen FesllanbeS über ben reichen Fischgründen, um halb mit reicher Beute beloben in die Heimat­häfen zurück, ukehren.

Ein herrlicher Sommerahend. an bem wir auf her kleinen Farm nahe am Polarkreis abfattcln, um un» unb unseren freuen Pferden bie wohl- herbiente Rast unb Erholung zu gönnen unb viel- teiiftt morgen auf bi? Sse hinaii», ber Mitter- 1 nadifefonnc entgegenzufahren.

erkannt, welche Aufgaben lösen sinb bamit die Diedergabe hierbei naturgetreu erfolgt Und er ist habet zu Ergebnissen gelangt, bic auch dem Fernstehenden intereffieren müssen.

-3too' sagt da» Telephonfräulern unb der gut erzogene Mitmensch am Telephon, anstatt ..zwer": unb wenn er euren "Hamen buchstabiert, bann be­gnügt er sich nicht damit, bie Buchstaben ein- Kln zu nennen, sondern verdeutlicht jeden durch einen Eigennamen: 5 wie Siegfried. K wie Karl ufto. Darum ist ba» notwendig?

Professor Wagner gibt die Antwort darauf. Wenn ein s. «in z, «in fch Im Telephon ganz genau richtig klingen, wenn zwei nicht mit drer verwechselt werden soll, müßte bic Membran des Tetephonhörers säst zehntausenb Schwingungen tn bet Sekund: in der gleichen Weise aus- führen. wie die» bei dem Sprechenden geschah. Da» kann sie aber nicht. Ihre Höchstleistung I.egt ungefähr bei dreitausend Schwingungen, und daher wird so vieles entstellt unb verändert. "Bfim Telephon kommt es nicht so seht darauf an, aber bei Rundfunk und Grammophon muh diete Aufgabe viel sorgfältiger gelöst werden.

Aber biete Forschungen haben noch weitere rnteressante Örgebirff? gehabt. Darum klingt ..2F w e .,A" aan, gleich, ob e-3 ein Baß im lief- Ren Keller oder eine Sopranistin in höchster Höhe fingt? Warum klingt e n Tello immer wie ern Tello, eine Flöte toi«: ein? Flöte? Offenbar ist für die Bildung des Vokals _*2T die Mund­stellung enllche dend. Sie hat zur Folge, dah bestimmte Schtoingungsbeveiche der entftebenben Ober tön? besonders betont werden, die man al» . Formantregionen" be^ichnet hat. Sie liegen für ..A", ganz gleich in welcher Höhe ober von welcher Sfmme es gelungen wird, immer bei ettoa tautenb und be; etwa dreitausend Schwin­gungen m der Sekunde. Reuerding» hat sich auch gezeigt, daß es öhn.icheSonnontregtonen auch für die Instrumente gibt.

Prote'ter Dog:ee hat n ähnliche Weite auch die Klänge von Schallplatten mit komplizierteren Wul.kdarbiedangen untersucht. Eben noch klingt alles natürlich und gut: nun werden die Ober- tonfchwingungen abgc'chnitten und die Instru­mente baden ihr« Klangfarbe verloren. Bei der Wegnahme der unteren Schto nzungen. allo der tieferen Töne, -eigt sich, dah plötzlich altes ganz