Dienstag, 5L Zuli 1928
178. Zahrgang
Ur. 178 (Elftes Blatt
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Cra« xebOtrlag: vriihNchk Uiwt7ft>Äi^»ch. eib Stetiiirederet R. lange in ®ie»eit- Sdjriftiettung und SkschSstr*e!le: $d)nljtr»te 7.
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Dr. Fnedr. tDilb Lange. Verantwortlich fürVohtik Dr. Fr. Wilh Lange für TVeuiQeton Dr f).IbnriOt, für den übrigen letl Ernst DInmfchein; für den Anzeigenteil Kurt tz'vmann, IfimtUd) in Dietzen
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(Siebener Familiendlätte, Heimat tm Bild
Die Scholle.
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poincares Ilheinlandpolitik während des l^uhrkampfes.
Ei« i*terrff««kr vricfwechfel.
&CTQÖC m den Tagen, bi denen doch soviel in der DcffcnllUfcfcU über da« Problem der Rheinlandräumung gesprochen wird, wird ein Briefwechsel veröffentlicht. der allenthalben da« größt« Aussehen erregen dürfte. Aasgang diese« Briefwechsel« ist da« Buch: Walter Rathe- nau, sein Leben und sein Werl, do« den Grasen Kehler zum Verfasser hat. In diesem Buche Hal Gras Kehler einen gröberen Abschnitt auch Poinca re« politischen Absichten in bezug au! f«ü* Rhein lan dpolttil gewidmet. Der Gcparatistensührer Matthe« Hai au« bie» km Grunde Veranlassung gefunden, da« Buch dem französischen Ministerpräsidenten zuzustellen, der nun semerseii« wiederum an Matthe« ein außerordentlich interessante« Antwortschreiben rechtete, in dem e« heiht:
.Pari«, 10. Juli 1028.
Vehr geehrter Herr!
Sie waren so freundlich, meine Aufmerksamkeit durch Ihren Bries vom 26. Juni d. I. auf da« Buch von Harry Graf Kehler zu lenken, welche« sich betitelt: Walter Rathcnau. sein Leben und fern Werk. An einer Stelle dieser Arbeit behauptet Herr Kehler, dah da« Ziel der französischen Ticgierung zur Zeil der Ruhr- besetzung die Annexion de« Rheinland c«an Frankreich gewesen wäre. Diese Behauptung ist vollkommen falsch und die französische Regierung hat nie mal« danach gestrebt, da» Rheinland zu annektieren.
gez.: Poincars."
Matthe« veröffentlicht« unverzüglich am 22. d. Ml« in Prof Foerster« „Menschheit" di« Ileberseyung diese« Briese«, die auf diese Weise auch in h>« Hände Harry Kehler« gelangte, der nunmehr folgenden. gerade für die Bedeutung von Pvincarö« Rheinlandpoliiik interessanten Bries an den französischen Ministerpräsidenten richtete, den wir in vollem Wortlaut wieder- gcben mdchlen:
„24. Juli 1928.
An Herrn Ministerpräsidenten Poincar«, Pari«.
Herr Ministerpräsident!
In Professor Foor st er« ..Menschheit" vom 22. Juli a.c. finde ich die Ilcberfc6ung eine« Briese«, den Sie anläßlich meiner Lebensbeschreibung von Walter Rathenau an den früheren Separatistensübrer I. F. Matthe« gerichtet haben sollen. Sie werden mir gestatten, Ihnen zu sagen, dah Herr Matthe« Ihren guten Gl auben getäuscht hat Rirgend habe ich in meinem Buche getagt, dah Sie die Absicht gehabt hätten, die Rheinland« zu ..annektieren": ich unterschreibe im Gegenteil Ihr Dementi, dah eine Annexion der Rheinlande im politi'chen und staatsrechtlichen Sinne nie in der Nachkriegszeit «in von der französischen Regierung verfolg:es Ziel gewesen ist. Aber ich habe gesagt, und kann nur meine Behauptung ausr^terhalten, dah Ihre Politik darauf auSging, die Rhein- landevom DeutschenReichabzutren- nen, indem ein „Autonomer“ Rheinstaat geschaffen wurde, der staatsrechtlich weder zum Reich, noch auch zu Frankreich gehört hätte, der aber auf unbestimmte Zeit von größten* teil« französischen Truppen besetzt und an Frankreich durch die starken, vom Senator Dariac in seinem Bericht an Sie vom 28. Mat 1922 erdachten und genau beschriebenen Bindungen gekettet, zwangsläufig unter den entscheidenden Einfluß von Frankreich geraten wäre. SS handelt sich also in der Xat keineswegs um eine „Annexion", sondern um eine Angliederung der Rheinland« an Frankreich durch Einrichtungen, die denen analog gewesen wären, durch die Frankreich sich Tunis. Gng'.and Aegypten, die Bereinigten Staaten Cuba angegliedert haben. Mir scheim. Herr Ministcr- praftdent. Sie selbst dürften nicht imstande sein, ein« andere Deutung für bi« Erleichterungen zu finben, die die französischen Dcfatzungs- dehörden der separatistischen Bewegung gegeben haben, d e ganz o fen einen Rhe.n» ftaat unter der Garant« und dem Schutze Frankreich« errichten wollte.
gcz.: Harry Graf Kehler."
Ob Poincare antworten wird?
Verständigung über daSAuSlieserungSdegehren?
Verzichtet Arankreich?,
Berlin. 30.3ulL Der Bericht des deut- schen Botschafters in Paris, berrn o. hocfch, über feine Unterredung mit dem (jkncralfcfrctör B t r t b c l o l ist. wie das „B. I." berichtet, beim tiusroärtigen Amt eingegangen. Die französisch« Regierung hat. so erfährt das Blatt, auf eine lediglich formal-juristische Behandlung in der Frage verzichtet und sich bereit erklärt, auch die po- ^ilischen Gesichtspunkte, die deutscherseits oor- gebrachl werden, zu würdigen. Sic wird dafür Sorge tragen, dah die von deutscher Seite geäu- V’hm politischen Bedenken Berücksichtigung finden. Unrichtig ist, dah Deutschland sein Einoer- flänbuis damit erklärt habe, die Verhandlung gegen
Chamberlain über Englands Außenpolitik.
China und Aegypten. — Das Abrüstungsproblem, der Kelloggpatt und Sowjeirußland.
London, 30. Juli. (WTB.) Im britischen Unterhaus leitete bei Erörterung des Etats des Aus- mortigen (T r a m f o r b (Liberaler) eine auhenpoli- t.sche Debatte ein, indem er Chamberlain ersuchte, sich zum Äellogg-Pakt zu aufajrit. Crawsord kam dabei auch auf die Rh einlandbesetzung zu sprechen und fragte: „Wie wird das Rheinland von dem ktellogg-Pakt berührt? Es würde gut für die Sache des Friedens fein, wenn die Truppen zurückgezogen werden könnten, bevor sie durch Ablauf der 15jährigen Besctzungsfrist da- zu gezwungen werden." Auf eine wettere Anfrage antwortete Chamberlain, ihm sei mitgeteilt worden, dah die Unterzeichnung des amerikanisch-chinesifchen Zolltarisoertragcs der Anerkennung der süd- chinesischen Regierung durch Amerika glelchkomme. Da aber Amerika bereits gehandelt habe, ohne mit den übrigen Mächten zu beraten, so wäre es diesen Mächten unmöglich, mit Amerika zusammen eine gleichzeitige Anerkennung der füb- chinesischen Regierung zu verabreden. Auf die Frage, ob er nicht bei dem Diederaufbau der oft- asiatischen Politik dieFührungübernehmen wolle, erwiderte Chamberlain, er lege keinen b c- sonderen Wert darauf, anderen zuvorzukom- me«. England habe fcc’c politischen Richtlinien bc- ranntgegeben und werde bereit sein, nach der (Er- Icbigung ber Ranking-Episobe ihnen zu folgen. (Er erklärte weiter u. a.:
3<f) hoffe, die Ranfingtegierung wird mil dem ihr freundlich gesinnten England eine ebenso freundschaftliche Regelung treffen, wie sie e» bereit» mit der amerikanischen Regierung getan Hal. Wenn die» geschehen Ist. können wir die Frage der Berfrarorcoifion in Angriff nehmen. Wir sind B. bereit, einen neuen Handelsvertrag zu vereinbaren. Di« Truopen In Ehlna werden wahrscheinlich in absehbarer Feil eine weitere Verminderung erfahren.
In bet Mandschurei erblickt Großbritannien nichts weiter al« einen Teil China«. Wir erkennen an, dah Japan gro6c« Interesse an der Mandschurei besitzt und bezüglich de« Schutze« der dortigen Japaner zu einer gewissen DesorgnßS berechtigt ist. Aber Drvhbri- tanmen hat ein Interesse an einem geeinten China und an einer einzigen Regierung, die nnmen« ChrnaS Derpflichtungen eingehen und einhalten kann." Bezüglich Aegypten« betonte Chamberlain, dah j e de ägyptische Regierung die britische Erklärung von 1922 mit ihren Vorbehalten in Rechnung stellen müsse. Gr glaube mcht. dair die gegenwärtige Zeit für neue Der- tragsverkxtndlungen geeignet sei. Hieraus ging Chamberlain zu dem Hauptgegenstand der Debatte. der Abrüftungssrage, über und erklärte: .Gegenwärtig tagt die Abrüstungskom- missivn nicht, aber e« sind Desprechungen zwilchen uns selbst und der französischen Regierung im Gange gewesen, die daraus aoziellen. die zwischen uns bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu fcerminbern.
Diese Besprechungen sind erfolgreich gewesen, und ich bin im Begriff, den anderen wichtigsten Seemächten da» erreichte Kompromiß mitzu leilcn. 3n der Hoffnung, dost es auch für sie annehmbar fei, dah auf diese Weife ein grostes Hindernis beseitigt und ein Fortschritt in der Jragc der Rüstungseinschränkungen erzielt werden möge.
Chamberlain kam bann auf den Kc llogg- Pakt .zu sprechen und verteidigte die brittsche Regierung gegen den Dorwurf einer Polittk des Zaudern« mit dem Hinwei«. dah die Dorschläge Kellogg« in ihrer Wirkung auf die allgemeine (Ekli'.aqe und besonder« auf die bereit« eingegan- gcr.en Derpslichtungen sorgfältig geprüft werden muhten. Grostbrttannien habe sich davon überzeugt. dah zw schm dem Keilrgz-Pakt. der Böller- bunb-'atzung unb den Locarrw-Derträgen ke in irgendwie gearteter Widerspruch besteh:. Chamberlain erhob Einlpruch gegen bic B-ehauptung. dah ein Gegensatz zwischen der bri- ti'chcn und der amerikanischen Auffassung bc« Begriffe« Selbstverteidigung bestehe und erklärte ferner, dah d.« britische Doktrin, die ber amerikanischen Monroedoktr.n durchaus vergleichbar sei. keine Doktrin de« Angriffe « ist und auf keinen Dun'ch nach territorialer
die vier Deutschen vor einem deutschen Gericht vornehmen zu lassen, vielmehr ist über eine derartige Lösung überhaupt nicht gesprochen worden. Das Ergebnis der Besprechung lägt sich dahin ;n- fammenfaficn, dah auf beiden Seiten der aufrichtige Wunsch bestehl, die Angelegenheit im Wege gütlicher Verständigung zu erledigen.
Ausweisungsbefehl für Sauer.
Landau. 30. Juli. (Wolfs.) Kriminalober- IcmnrifTar Bauer, der ebenfalls in den Zweibrückener Flaggenzwitchenfoll verwickelt ift._ ist am Freitagabend im französischen Milltärgesäng- nis der Ausweisungsbefehl zugestellt worLen. Dauer hat gegen den Ausweisungsbefehl bei ber Rheinlarrd^mmisfion Ginspruch erbeben. Der Ausweisungsbefehl wurde dem in Haft gehaltenen Pollzeiobcrtommrisar ohne eine Fr-, stbestimmu ng zugestellt. Bauer hat auf Grund des Paragraphen 285. ber einen Aus
Ausdehnung beruht, sonbern lediglich eine reine Derlcibigungsmahnahme barstellt. die durch bi« geographischen Verhältnisse bc« britischen Reiches notwendig gemacht wirb. Riemand könne genau sagen, so sch loh ber Staatssekretär, welche Bedeutung ber Ke Ilog-Pakt für die Zukunft fjaben wird.
Wenn die amerikanisch« öffentliche Meinung sich hinter den Vertrag stellt, dann wird feine Unterzeichnung eine weitere und sehr wertvolle Sicherung de» Friedens sein. Das erhosft die britische Regierung, und in diesem Geiste freut sie sich, mit der amerikanischen Regierung zusammenzu- wirken.
Rach Chamberlain gab Lloyd George seinem Bebauern Ausdruck, bast die Frage ber Selbstverteidigung nicht auch zu den Fragen gehören soll, die vom Dölkerbund ober durch Schiedsgericht zu regeln sinb. C« sei zu beklagen. bah Kellogg au« seiner ersten Stellung, al« er den Krieg vorbehak tlo« für gesetzwidrig erklärte, verdrängt worden ist. Gin Arbeitervertreter fragte bann Chamberlain, ob er in Grwägung ziehen könne, bei der amerikanischen Regierung anzuregen, dah die russische Regierung zur Mitunterzeich- n u n g des Kellogg-Paktes eingeladen würde. Chamberlain erwiderte, er halte dies nicht für angebracht. Die Absendung ber Einladung fei Sache ber amerikanischen Regierung, bic babei zweifellos bic französische Regierung zu Rate ziehen werbe, da die Unterzeichnung in Paris erfolgen solle. Auf die Frage, ob Cham- I berlain eine Einladung durch die Bereinigten |
Staaten, wenn sie erfolgen sollte, unterstützen werde, erwiderte der Staattlekretär: .Rein. Ich würde sie weder unterstützen, noch dagegen Einwendungen erheben."
Oos englisch-französische Floitrnkompromiß.
Freie Hand für beide reife.
Pari« . 31. Juli. (WTB. Funkforuch.) Zu der Erklärung Chamberlain« im ilnlerbaufc über ein französisch-englische« Kompromih in der Frage des Zlottenbauprogramm« schreibt der ..Matin': ..124 ist nicht verwehrt, anzunehmen. das, zwischen Frankreich und Sng'.and eine Derständigung ba- hrngehend erfolgt ist, dah der englischen Admiralität freie Hand gelassen wird, chre Dokttinen zur Anwendung zu bringen und andererseits der französischen Armee s r eist e h t. ihre Rüstung nach Gutdünken »u regeln. Die Tatsache, daß Frankreich und England sich verständigt hätten, kann gerade im Hinblick auf die wahrschemlich im Heroft in Dens slattfindendL vorbereitende Abrüstungskonferenz entgegenkommende Dorschläge an andere Machte, und besonders die Qkrftänbigung mit Amerika in ber Flottensrage erleichtern. Aus jeden Fall bars man in diesem Abkommen nur den Wunsch erblicken, da« allgemeine vom Dölkerbund unternommene Werk der Abrüstung zu erleichtern, für das die Unterzeichnung bc« Kelloggschen Anti- kriegspatteS in Pari« eine sehr günstige Atnro- fphcire schassen würde.
Aobile über den Ausgang der Crpediiivn.
Auf der Rückreise der Ztalia'Besahung durch Oeuffchlond nach Xom.
Berlin. 30.3alL (I2L) 3n einer Unterredung mit einem Vertreter des „Acht-Uhr-Abendblattes" betonte General 71 o b I le, dah die meisten bisherigen Schilderungen feiner Lxpeditton, soweit sie von anderer Seite ausgehen, niemals den Tatsachen entsprochen Höllen, tim meisten empörte es ihn, dah man sich sogar zu der Vermutung verstiegen habe, Zappi und TUariano hätten von der Leiche Malmgrrens gegessen. 3m übrigen legte er Wert auf die Feststellung, dah der Kapitän der „Cittä di THilano“ von s i ch aus Darstellungen in die Well habe hinausgehen lassen, von denen er, Tlobllc, keinerlei Kenntnis besah, tius die Frage, warum er sich als erster aus dem roten Zell hab« retten lasten, erklärte der General, dies sei auf ausdrücklichen Wunsch der ganzen Gruppe und aus zwingenden Gründen geschehen. Er sei jederzeit in der Lage, dies unter Beweis zu stellen, indem er sich auf die Aussagen ber anderen (Bereiteten berufe. Er könne nur Immer wieder gegen die gehässige Kritik, die ihm in seiner tiefen Trauer zuteil geworden, an- sühren. dah niemand sich ein Urteil über das Scheitern der Expedition bilden könne, der sie nicht selbst In allen ihren Phasen miterlcbt und mildurchgemacht hätte, heute bin ich soweit, mich um die unzähligen Gerüchte, die sich mit mit befassen, nicht mehr zu bekümmern. 3d) kann an ihnen nichts ändern. Es wird die Zeit kommen, da ich sprechen und alles sagen werd«. Darüber hinaus bezeichncte Ttofclle es als das einzig erfreuliche Aklivum, dah alles wistenschafllichc Material von Wert geborgen sei. Er erklärte des wetteren, es fei durchaus salsch, von einem Schweigebefehl des Duce zu sprechen. Tklustoiini habe lediglich den Wunsch geäufjert, er und seine Leute möchten sich nach Möglichkeit jeder überflüssigen Mitteilsamkeit enthalten.
getokfonen gestattet, gegen den Defchtuh r.uier- yrib einer Frist von acht Tagen bei ber Rhcr^- lanb«lonrrntnton Defchwerbc zu erheben, durch leinen Rechtsbeist and. Rechtsanwall Dr. Führ. Eirsipruch erhoben. Dadurch wirb bie Ausführung des Beschlusses vorläufig auf gehoben. Bauer befindet sich zur Stunde noch im MnitärpvIl.;eige!äng7iL in Landau. Anderslautend« Meldungen, wonach Bauer bereit« über den Rhein gebracht worden sein soll, bestätigen sich nicht. Der endgültige Deschluh aus fernen Srn'pruch steht noch aus. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird eine Entscheidung der Interalliierten Rheinlandkornmisfion überden Cmipruch zu dem Ausweisungsbefehl gegen den PoUzeioberkommifsar Dauer nicht vor 6nbe der Woche erwartet. Bis dahin bliebe bie Sachlage unverändert. Inzwischen haben Bertre- ter ber Stadtverwallung Zweibrücken mit dem Derteidiaer des Inhastierten über die zu treffenden Mahnahmen beraten.
Profeffor Behounek in Berlin.
Ein Rechtfertigungsversuch für Robtle.
Berlin, 80. Juli. (WTB.) Der tschechoslowakische Professor B c h o u n e k, der Nobile auf seinem Nordpolflug bealeilete, traf heule um 10^2 Uhr in Begleitung feiner Schwester auf de in Stettiner Bahnhof ein. Zur Begrüßung halten sich der tschechoslowokischc Gesck^iftströgcr, Lcga- lionsrat Blahocz und die übrigen Mitglieder der tschechoslowakischen Gesandtschaft und des Konsulats, ferner zahlreiche Vertreter der tschechoslowakischen Kolonie sowie seine Braut und deren Mutter auf dem Bahnsteig «ingesunden. Besonders herzlich wurde er von seiner Braut begrüßt, die ihn seit Stolp nicht wiedergesehen hatte. Prof. Bchounek wird bis morgen In Berlin bleiben und morgen mittag nach Prag Weiterreisen. Unmittelbar nach seiner Ankunft empfing er im Wartesaal des Stettiner Bahnhofs eine Reihe von Berttetern der Presse. Zunächst betonte er, daß er sich heute früh aus bas herzlichste als befter Freund unbjn vollkommener Harmonie in Warnemunde von General Nobile und den übrigen italienischen Teilnehmern an der Nordpol- crpchitinn getrennt habe. Weiter erklärte er, daß es nicht richtig sei, daß er irgendwelche Berpslichtun- gen in bezug auf seine Aeußerungssreiheit hatte einzugehen brauchen.
Sein Material wolle er so bald als möglich In einem wissenschaftlichen Werke zusammenso sen, und außerdem habe er die Absicht, eine längere feuillclonlstische Schilderung über seine Erlebnisse zu veröffentlichen, was übrigens auch General Nobile selbst plane. Wenn es babei zu verschiedenartigen Darlegungen kommen sollte, fo dürfte dies vor allem darin begründet sein, daß er und General Jlobile die ganzen Ereignisse von einem verschiedene Standpunkt aus erlebt hätten.
Er habe bis jetzt den Eindruck gewonnen, dcrß die Ereignisse oi elf ad) vollkommen salsch beurteilt mürben, und daß dadurch General Nobile und den übrigen Italienern ein Unrecht geschähe. Bor allem sei General Nobile ein vollkommener äronauti scher Fachmann. Wahrscheinlich wären die Ungenauigkeiten und Entstellungen der
Sie Einladung an Stresemann.
Berlin. 33. 3uIL (Privatinfvrmatton.) Wia verlaute!, hat der französische Botsitzaster heute im Auswärtigem Amt bic formelle Cin- labung an Dr. Stresemann zur Unterzeichnung bes 5rellogg-Pakte« in Pari« überbracht. Es ist anzunehmen. baß bie Cinlabung nun zunächst Herrn Dr. Stresemann zur Entscheidung übermittelt wird. Doch rechnet man m ^o irischen Kreisen damit, daß ber Reichs- außenminister ber Cinlabung Folge leisten wirb. Dr. Stresemann wird in etwa gut 14 Tagen wieder in Berlin erwartet. Wenn in Berliner Abendblättern von einer bevorstehenden Kabinettssitzung bie Rede ist, fo muh barauf hingewiefen werden, daß augenblukttch fast alle Mitolieder des Reichskabinetts von Berlin abwesend fmb, und daß bie außenpolitischen Fragen im Kabinett erst nach der Rückkehr Dr. Stresemann« entscheidend besprochen werden formen.


