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und Gewerbesteuer handeln. Die StaotsvoraN' schlüge beweisen nun aber ohne weiteres, daß der hessische Staat seit 1925 an Grund und Gewerbe­steuern unverändert die gleichen Sum­men erhebt. Wie bei dieser Sachlage von einer Er­höhung gesprochen werden kann, ist unerfindlich. Aber weiter: Seit 1925 ist die Wirtschaft in einem langsamen Aufschwung begriffen. Bei Fortbe­stehen desselben Steuertarifs mutzten also Gründe und Gewerbesteuer steigende Ergebnisse zeitigen. Es kommen aber tatsächlich alljährlich nur die­selben Summen ein. Die Senkung ist also erfolgt: fie ist enthalten in dem Verzicht des Staa­tes auf den weiteren Steuerzuwachs. Dieser Verzicht

zeigt sich beispielsweise auch darin, daß von den neuen Gebäuden in den ersten 5 Jahren keine Grund st euer erhoben wird.

Oie erste Lesung des SteUenpianes erledigt.

Darmstadt, 30. Rod. 3n zwei Gewalt- sitzungen des Finanzausschusses wurde die Bera­tung des Stellenplanes In erster Lesung zu Ende geführt. Die einzelnen Kapi'el des 3u* stizminisieriumS und des Finanzmi-nisleriumS wur­den in der Fassung der Regierung angenommen. Einzelnen Anträgen aus Llmstufung wurde jedoch

stattgegeben. Dem Ausschuß lagen nicht wrnrger als drei Dutzend Eingaben vor, sowohl von Verbänden als auch von Einzelpersoneir. Sie wurden mit wechselnder Mehrheit durch die Re- gierungs an.wort oder durch den Stellenplan für erledigt erklärt. Zum Teil erfolgte Zu- rückstellunq bis zur V:soldungsnovelle. Anschlie­ßend an Die zwei.r Ve^a ung des Stellenplanes soll das Gebäudesondelsteuergesrtz zu Ende bera­ten werden. 3n der kommenden Woche wird der Staatslommissar für die Aufwertung von Kommunalanleihen im Ausschuß über den Stand der Aufwertung Bericht erstatten.

Kampf um die Technische Rothilfe.

Oeuischnationaler MiHtrauensantrag gegen Reichsinnsmmmster Gevermg.

Berlin, 29. Rov. (VDZ.) Auf der Tages­ordnung stehen eine Interpellation und cm An­trag der DLutschnationalen auf Beibehal­tung der Technischen Rot Hilfe sowie ein kommunistischer Antrag auf Aufhebung der Technischen Rothttfe. Abg. Berndt (Dn.) be- gründet die Intrrpalla ion. Di tatarisch habe der Reichsinnenminister in Hamburg unter dem Jubel seiner sozialdemokratischen Zuhörer erklärt. daß er die Technische Rothilfe nicht mehr für notwendig erachte und ihre Auf- lösuug veranlassen werde. Wag die Wacht des Ministers auch groß und die Reigung zum Absolutismus gerade bei ihm besonders aus­geprägt sein, so muß er doch toi sen. daß das Recht, über das Schicksal der Technischen Rot­hilfe endgültig. zu bestimmen, nicht ihm allem zusteht. Das Vorgehen des Ministers gegen die Technische Rothilfe stellt eine die Der- fas ung verletzende SigenmSchtig- f ci t dar. Die Erklärung für dieses selbstherrliche Vorgehen liegt einfach darin, daß die Sozial- drmvlratie in ihödn Panzerkreuzernöten Beruhi- gungSpillen für ihr» revoltierenden Wähler- masen brauchte. (Lebhafte Zustimmung rechts, Widerspruch bei den Sozia^demo(raten.) $i? Be­gründung, daß die freitoerdenden zwei Millionen siir andere Zwecke verwandt werden könnten, ist nicht ernst zu nehmen angesichts der Lat ache, daß die Sozialdemokratie nicht das geringste Be­denken trägt, Millionen aus Reichs- mitteln für f o z i a l de m o kr a t i sche Ein­stellung des Films ausgeiien zu lassen. Der Redner spricht dem Minister schärfste Ver­urteilung für feine Haltung auS. Die Technische Rothilfe habe sich alseinunentbehrliches überparteiliches Instrument in der Hand des Staates erwiesen. 174 Elektrizi­tätswerke, 96 Gaswerke und 95 Wasserwerke seien durch Eingreifen der Technischen Rothilfe vor völliger Stillegung bewahrt word.n. Ihre Auf­hebung würde nicht nur die Streikaussichten, sondern auch die Streiklust ins Ange­messene steigern. Unter solchen Umständen kann man ihre Aufhebung nur als Katastrophen­politik bezeichnen, die wir dem Reichsinnenminister vorwerfen.

ReichLlinnenmimster Severing.

Es ist zutreffend, daß ich vorsorglich die Kün­dig u n a der Angestellten der Technischen Nothilfe verfügt habe, weil ich die Technische Nothilfe auf- heben will. Da» liegt ganz im Rahmen der Pflicht eines Ministers, die Obliegenheiten seines Geschäf- tes nach seiner Ansicht und nach seinem pfiichtbe- muhten Ermessen zu regeln. Für den entsprechenden Haushaltoorschlag an die Reichsregierung trage ich die alleinige Verantwortung. Die Reichsregieruna wird noch dazu Stellung nehmen. Dem Reichstag ist es unbenommen, meinen Vorschlag abzulehnen. Von einem Eingriff in die Rechte des Reichstages oder von einer bewußten Verletzung der Verfassung kann danach keine Rede sein. Zu einem Diktator habe ich keine Neigung und kein Format. In einem Notjahr ist es die Pflicht des Ministers, dort Ab­striche zu machen, wo sie mit dem Staatswohl ver­träglich sind. Unsere Wirtschaft hat sich so konsoli- . diert, und oolitische Streiks sind so selten geworden, daß die Noteinrichtung von 1919 verschwinden kann, ohne dah der Volkswirtschaft ein Schaden geschieht. Bei dem grohen Streit von 1921 bis 1923 war die Aufrechterhaltung der Betriebseinrichtung nicht das Verdienst der Teno allein, sondern vor allem der Gewerkschafren, die selbst die Rochilfe in die Hand genommen hatten. Ich bin für die Tech-, Nische Nothilft, aber sie kann wirksam durchgesührt roerben nicht durch die jetzt bestehende Einrichtung, sondern nur durch die Gewerkschaften s e l b st. Wir sind in Deutschland nicht besonders reich an Bodenschätzen. Den bestehenden Mangel müssen wir ersetzen durch Forschung, Wissenscbaft und Technik, durch Bildungseinrichtungen, auf die­sem Gebiet Aufklärung in den Gewerkschaften zu verbreiten, das ist die beste Technische Nothilfe. Die für diesen Zweck ausgegebenen Mittel zerstören nicht, sie bauen auf. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Aba. E r s i n g (Zentr.): Wir sind mit den Deutschnationalen dafür, daß die Technische Rot- Hilfe aufrechterhalten wird. Aber wir müssen uns gegen die Behauptung der Deutschnationalen wenden, daß Minister Severing mit feinem Vor­gehen seine Amtspflicht oder gar die Verfassung verletzt hätte. Die Teno ist wie die Reichswehr in jenen sturmbewegten Tagen gegründet worden, wo Staat und Wirtschaft gegen Den Angriff der Kreise geschützt werden mußten, die die Moskauer Dikta­tur über Deutschland erstrebten. Anfangs haben die Gewerkschaften der Teno durchaus wohlwollend gegenübergestanden. Das hat sich feit 1920 ge­ändert infolge von Vorkommnissen, bei denen sich die Leitung der Teno nicht richtig verholten hat. Mehrfach hatten bei Arbeitskämpfen die Gewerk­schaften sich zu den Notstandsarbeiten bereiterklärt. Die Unternehmer lehnten das ab, zogen die Tech­nische Nothilfe heran und diese griff ein, ohne sich mit den Gewerkschaften zu verständigen. Das mutzte bei den Gewerkschaften böses Blut machen. Wir wollen die Aufrechterhaltung der Teno, aber nur bann, wenn sie getragen ist von dem Vertrauen der breitesten Schichten Des deutschen Volkes.

von den Deutschnalionalen ist inzwischen ein An­trag eingegangen: Der Reichsinnenminister Severing besitzt nicht da» vertrauen de» Reichstags.

Abg. H i n tz m a n n (D. V.) meint, der Teno müsse der Dank der deutschen Wirtschaft ausgesprochen wer­den für ihre Leistungen zum Schutz dieser Wirt­schaft. (Beifall.) In den letzten Jahren sei zwar eine gewisse Stabilisierung der Wirtschaft ein- treten, aber hie Teno sei dock n och nicht zu entbehren. Bei allem guten Willen, den die Gewerkschaften ge­zeigt haben, könne man ihnen doch nicht die Auf­

gabe anvertrauen, die jetzt die Teno als neutrale Einrichtung erfülle. Die Deutsche Dolkspartei werde dem deutschnationalen Antrag auf Wiederein- st e l l u n g der Mittel für die Teno zustimmen.

Abg. P e tz o l d (W.-P.) erklärt, das Bestehen der Teno bedeute für die Allgemeinheit eine Beruhigung, auf die nicht verzichtet werden sollte. Es könne er­wogen werden, ob unter Beibehaltung der Teno g e w i s s e A b st r i ch e an den Mitteln gemacht wer­den können. Nur unter dieser Voraussetzung werde die Wirtschaftspartei dem deutschnationalen Antrag zustimmen.

Abg. Dr. Külz (D.) memt, zweifellos sei die Technische Rothilfe nicht mehr im gleichen .Um­fang nötig wie früher. Vollkommen überflüssig sei sie aber noch nicht. Bei ihrer Aushebung könnte der F.lll ein. re ton, dah einzelne Länder eigene Ro hil'en aufzichrn. Roch unerwünschter wäre es, wenn private Kampforganisalronen der Untern:i)mer gebildet würden. Der Redner tritt aber dafür ein, daß eine Rachprüfung der Richt­linien und d?r Kostengebarung der Technischen Rochilfe erfolgt und daß nötigenfalls die lau­fende Kosten durch Beiträge von den d.ch die Rvlhilfe geschützten Betrieben aufgebracht werden.

Abg. L i m b e r tz (S.) meint, die Teno verdanke ihr Dasein eigen lich den Kommunisten, gegen deren Ansturm Staat und Wirtschaft in den

kritischen ersten Jahren der Republik geschützt werden mußten. (Lärm bei den Kommunisten.) Jetzt sei diese kostspielige Einrichtung überflüssig geworden. Die Gewerkschaften seien durchaus bereit, mit den Arbeitgeberverbänden Verein­barungen zu treffen, durch die eine Garantie für die Durchführung der Ro ftanbSarbeiten bei Arbeitskämpfen sei ens der Gewerksch aften ge­leistet wird. 3n dem Hungerland Rirderschte- sien habe sich beim Dergarbei erstreik die Der- einbaraang über die gewerkschaftliche Durchfüh­rung der Rotstarrdsarbei en glänzend betoä§r:L

Der deutschnationale Antrag auf Aufrechterhal­tung der Teno wird dem Haushalts aus­schuß über wiesen, ebenso der kommunistische Antrag auf Aufhebung der Teno.

Vizepräsident v. Kardorfft Es liegen noch die beiden Mihtrauensanträge vor. Ich würde Ihnen Vorschlägen, diese beiden Wiß- trauensanträge (Zuruf von den Kommunisten: .... dem Haushaltsausschutz zu überweisen!- Stürmische, langanhaltende Heiterkeit) an die Spitze der morgigen Tagesordnung zu setzen. Dem Vorschlag des Vizepräsidenten wird zu- gestimmt. Freitag: Abstimmung über die Miß­trauensanträge, Anträge zur Reform der Ehe­scheidung, deS Eherechts und des Rechts der unehelichen Kinder.

Jr. von Dirksen zum Zolschasier in Moskau ernannt

Brockdsrffs Nachfolge.

Von unserer Berliner Redaktion.

Nachgerade wurde es wirklich Zeit, dah die Ernennung des neuen deutschen Bot­schafters für Moskau vollzogen werden konnte. Der Posten ist doch wohl zu wichtig, als dah er so lange unbesetzt blieb, und wenn auch die Erkrankung des Außenministers zum Teil für die Verzögerung maßgebend war, so ist doch über die Meinungsverschiedenheiten, die hinter den Kulissen bestanden, mehr als nützlich war, bekannt geworden. Graf Brockdorff war eine in sich geschlossene Persönlich kett, deren Rame allein ein Programm bedeutete. Ob er nicht zu schade dazu war, in Moskau zu bleiben nachdcmr sich gezeigt hatte, dah die wirtschaftlichen Hoff­nungen, die wir auf Rußland fetzten, sich nur in geringem Ausmaße erfüllen konnten, darüber liehe sich mancherlei sagen; eS hätte jedenfalls einen gewissen Reiz gehabt, gerade diesen Mann, der in Versailles auch unseren Gegnern zu im­ponieren wußte, den ehemaligen Gnlentestcrcrton entweder in Genf oder an anderer Stelle noch einmal zu servieren. Denn vor ihm hatten sie Respekt. Aber die Gelegenheit ist verpatzt. Ersatz für ihn in Moskau zu finden, war deswegen so schwer, weil eS lockend gewesen wäre, jemanden dort hinzuschicken, der aus seiner Vergangenheit eine gewisse östliche Orientierung als Programm mitbrachte. Er ist nicht gefunden worden.

Die Russen waren merkwürdigerweise In erster Linie für den Grafen Bernstorfs, sie hätten auch den General von Seeckt ganz gerne ge­sehen, der aber wohl ernsthaft nicht in Erwiwung gezogen wurde, weil seine Kandidatur in West­europa wie ein Kanonenschuß gewirkt hätte. Da­gegen sind sonst Namen mehr als hinreichend ge­nannt worden. Herr N a d o l n y in Konstantinopel wollte gern nach Moskau, er fand aber Wider­stände. Baron von Neurath in Rom wurde die Stellung angeboten, er lehnte ab, bis die Wahl bann zuletzt auf den Ministerialdirektor von D i e r k s e n fiel, der als Leiter der Ostadteilung und als genauer Kenner des Ostens Immerhin man­cherlei für feine neue Stellung mitbringt. Wir neh­men aber an, daß diese Ernennung weitere Folgen nach sich ziehen wird. In unseren diplomatischen Spitzen ist vieles im Argen; cs hat peinliches Auf­sehen erregt, dah gerade bei unserer Demarche wegen der Reparationen unsere wichtigsten Ver­treter auf Urlaub waren. Es wäre allerdings verhängnisvoll, wenn nun etwa bas Zentrum und die Sozialdemokratie ihre Drohung wahr machten und eine fchlüsfelmäßige stärkere B e ° t e i l i g u n g an unseren Auslandvertrctungen wünschten. Unsere Außenpolitik ist schwer, sie ist jedenfalls zu schwer, als baß sie jetzt auch noch zum Tummelplatz parteipolitischer Ge­lüste gemacht werben dürfte. Zudem ist die Reichs- tagstribüne im allgemeinen wenigstens nicht die zweckmäßige Vorbereitung für Diplomatenarbeit.

Der neue Botschafter.

Der bisherige Leiter der Ostabt.i'ung, Mini­sterialdirektor Dr. Herbert v. Dirksen. dessen Ernennung zum deutschen Bot'chaster in Moskau durch den Herrn Reichspräsidenten h utc voll­zogen worden ist, hat dem 'Vernehmen nach und für diejenigen, die ihn kennen, erscheint das durchaus wahrsch.in ich zunächst gezögert, die Aufgabe zu üjrnefpnen. Er ist verhältnis­mäßig noch jung, wie übrigens alle in den letzten Jahren ernannten Bvtscha ter, denn sowohl Dr. v. Hoesch in Paris, wie Botschafter von Pritt­witz und Gaftron, unser Vertteter in Washington, steten C-enfo wi? Dr. v. Dirksen in der Mite der

ie zi . e ne Karr er r a S rt ;t. ir sen a er- dings immer Ge «g.nhett gebeten, sich b.sonders und an vcranlwor licher Stelle für dir Fragen des europäischen Ostens zu intcreffier.n: denn seine diplomatische Laufbahn, die ihn aus dem Verwaltungsdienst im Kriege zettwe.i.g nach der deutschen ®e anbtschaft im Haag führte, be­gann 1.918 mit der diplomatischen Vertretung des 'Reiches in Kieto. führte ihn dann 1920 als 1. LegalionSseiretar nach der Warschauer Gesandtschaft, wo er nach dem Tobe des Grafen

Oberndorf als Geschäftsträger fungierte. Rach- dem er zwei Jahre lang die Abteilung Polen in der Zentrale g leitet hatte, ging er im Februar L23 als Generalkonsul nach Danzig und kehrte von da im Frühjahr 1925 als Diri­gen t der Ostabteilung wieder in die Zentrale zurück. Diesen wichtigen Posten, der ihm Anteil an allen deutsch-russischen Verhand­lungen der letzten Jahre sicherte, versah er bis zur Ernennung des Ministerialdirektors Wall- roth zum Gesandten in Oslo und trat dann selbst als Ministerialdirektor an die Spitze der Ost­abteilung.

Dr. v. Dirksen ist eine in sich gefestigte Persön­lichkeit von klaren Linien, großem Pflichtbewußt- fein und einer Geradheit und Schlichtheit des Wesens, die ihm überall Verständnis und Freund­schaft sichert. Er gehört jener Schule der Rach- kriegsdiplomaten an, die ihre Aufgabe nicht in einer Liebervorteilung des Veichandlungs gegnerö, sondern in einem Ausgleich der beiderseitigen Interessen unter ehrlicher Darlegung und ener­gischer Vertretung derjenigen des eigenen Lan­des erblicken. Der neue Inhaber des wichtigen diplomatischen Posten- in Moskau ist auch eine Persönlichkeit, die durch Fachkenntnis, Sachlich­keit unt> Verständnis für die Mentalität des Lan- öes seiner Wirksamkeit geeignet scheint, den höch­sten polittschen und diplomatischen Anforderungen gerecht zu werden. Der persönliche Konnex Dr. v. Dirksens mit den Moskauer Machthabern, die in feiner Entsendung einen Beweis für das Ge­wicht erblicken bürfen, Vas die deutsche Politik den Fragen Sowjetruhlands beimißt, wird ihm in seinem neuen Aufgabenkreis sicherlich zustatten kommen. Aber man laßt ihn in Berlin ungern scheiden, und die Rotwendigkeit seines gleich- wertigen Ersatzes dürste mit ein Grund dafür fein, weshalb sich die Verhandlungen über die Reubesetzung der Moskauer Botschaft, die sich freilich Dr. Stresemann bis zu seiner Rückkehr selbst Vorbehalten hatte, so sehr verzögert haben.

Befriedigung in Moskau.

DieJswestija" zur Ernennung Dr. v. Dirksens.

Moskau, 30. Rov. (WTB. Fnnftpruch.) Aie Ernennung des Ministeriäldireltors Dr. von Dirksen zmn deutschen Botschafter in der Sowjetunion wird, so schreibt dieJswestija", hier mit vollster Befriedigung aus­genommen werden. Dr. v. Dirksen, der als einer der bedeutendsten jungen deutschen Divlo- maten der Rachkriegszeit gilt, hat bereits wieder- hblt an einer günstigen Lösung verschiedener mit der Entwicklung der sotojetrussisch-deutschen Be­ziehungen verknüpfter Fragen, wie z. B. bem Abschluß des Vertrages von 1925, den Vorarbei­ten zum Berliner Vertrag von 1926 und den Ver­handlungen über einen Kredit für den Handel mit der Sowjetunion energisch und wirksam teil- genommen. Das Blatt bemerkt, daß die engen Beziehungen des neuen Bot­schafters zu deutschen Industrie- und Finanzkreifen ihm feine Qtufgabe er­leichtern werden, und spricht die Heberzeu- gung aus, daß Dirksen durch die Sowjetregierung in vollem Maße unterstützt werde und sein ver­antwortliches und hohes Amt in Moskau in einer Situation an treten wird, die die nötigen Voraussetzungen für eine wettere erfolgreiche Tätigkeit zu bieten vermag.

Aus aller Wett.

Furchtbare Unwettcrverheerungeu in Griechenland.

DasReue wiener Tageblatt" meldet aus Athen, dah das feit zwei Tagen in ganz Griechenland herrschende Sturmweller ungcheoreu Scha­den verursacht hat, der allein in Patras ans drei Millionen Drachmen geschätzt wird. Vie Storm« wellen vernichteten an zahlreichen Stellen die fiat« mauer, die zum Teil die Warenspeicher mit sich rissen. Am schwersten ist Teneciki von dem Unwetter helmgesucht. Da» Hochwasser Hal derart

zugenommen, dah die BeoStfertmg auf die Dächer flüchten muhte. Die Flut steigt an­dauernd. Reben dem getarnten Viehbestand, der ertrank, sind bisher vierzig Menschen« leben zu beklagen. Auch in Athen und im plcSu» Hal die Unwetterkatastrophe grohen Scha« den angerichlet. 3m Hafen risten grohe Dampfer von den Ankern vnd wurden wie Nußschalen gegen­einander geschleudert. Rur unter ungeheuren An­strengungen gelang es, sie ans Land ;v schleppen. Fast familiche Aurlanddampfer find überfällig.

Hygienische BolkSbelehrung.

3m Ministerium für Dolkswohlfahrt in Berlin fand eine große, der Dedeu'ung der hygienischen Volksbelehrung für Staat u d Volk gewidmete Kend^ebung statt. Wohtiahr.S:ti ifter Dr. Hjrtsiefer verwies u. a. baren , dah hygie­nische Dolksbelehrung ein besonders wichtiges Hilfsmittel zur Verbesserung der noch immer schwer bedrohten deutschen DolkSge'nidheit ist. Kul!u5mlnister Dr. Decker erörterte die große Bedeutung, die der ilnterweisung der Jugend und der Ausbildung der Lehrer auf dem Gebiet der hygienischen Dolksbelehrung zn° kommt. Von der Schule aus müfie unser ganzes Volk der feste Wille zur Gesn.rdhrlt durch­dringen. Der Vorsitzende des preußischen Lan- deSausschu'^es für hygienische Dolksbelehrung, Ministerialdirektor Dr. Kröhne erinnerte dar­an, dah noch immer jährlich allein in Preußen über 100 000 Menschen, im Reich über 160 000, an ansteckenden und Erkältungs­krankheiten sterben. In Preußen fei die Zahl der Todesfälle an Tuberkulose rund 30000, die der Todesfälle an bösartigen Ge­schwülsten, Krebs usw. über 50 COO, im Reich rund 65 000. Auch die Säuglings­sterblichkeit sei trotz bemcrkei.Stoeetei, Absinken- in den letzten Jahren noch zu hoch. Roch immer sterben allein in Preußen etwa 80 COO Kinder im ersten Lebensjahr. Diele dieser Todesfälle, sowie schwere Gesundheitsschädigun­gen feien nur auf Unwissenheit auf dem Gebiete der gefundheitlichen Dorbcuzung zurück­zuführen.

Doppelte» Todesurteil gegen einen Doppelmörder.

Das Schwurgericht Berlin verurtellte den auS Ostpreußen stammenden Schlosser August Krause, dem zur Last gelegt wird, in Berlin den Gast­wirt Rogowski und zwei Tag« später den nahezu 70 Jahre allen Fuhrherrn Ralow mit einem Beil erschlagen und Frau Rakow lebens­gefährlich verletzt zu haben, dem Antrag de- StaatSanwalts gemäß wegen Mordes in zwei Fällen zweimal zum Tode und wegen ver­suchten Mordes zu fünf Jahren Zuchthaus sowie zu dauerndem Derlust der bürgerlichen Ehren­rechte.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die milden ozeanischen Lustmassen an der Süd­seite des nördlichen Tiefs find bis über Deutschland oorgebrungen unb führen bei bem Aufgleiten bei ben vorgelagerten Kallluftmasfen zu Nieberschlägen, die teilweise in fester Form nieberaehen. Nach dem Vorüberzug der Warmluststaffel, bie bte Tempera turen noch etwas anfteigen läßt, werben wieder mit dem Vorbringen der Kallluftmasfen bie Tempera­turen zurückgehen und noch Anlaß zu strichweisen Nieberfchlageu geben.

Wettervoraussage für Samstag; Wechselnde Bewölkung, auch stellenwelse vorüber^ gehend aufheiternb, nach anfänglicher Erwärmung Temperaturen wieder sinkend, noch vereinzelt Nie- e®it?erung5außfid)tn für Sonntag: Wolkiges Wetter, keine wesentliche Temperaturände- ning, weiterhin einzelne Niederschläge nicht aus­geschlossen.

Lufttemperaturen am 29. November: mittags 6,2 Grab Celsius, abends 0,9 Grad Celsius; am 30. Noo.: morgens 3,1 Grab Celsius. Maximum 6,5 Grab Cel­sius, Minimum 0,6 Grad Celsius. Erbtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 29. November: abends 4,7 Grab Celsius; am 30. November: mor­gens 2,8 Grab Celsius. Sonnenscheinbauer 1% Stunden.

Amtlicher Wintersport.

Rachrichlendieust der ßessischen Wetterdienststelle.

Vogelsberg (hohrrodskopf).

Rebel, Temperaturen minus I GradC., Schnee­höhe 5 Zentimeter, pulverig, keine Sportmög- lichkeit.

Sauerland (Winterberg).

Leichter Schneefall. Plus 2 Grad E., 28 Zenti­meter Schneehöhe. Beschaffenheit gekörnt, nut Ski möglich.

Alpen (hirschberg).

Leichter Schrrrefall, minus 7 Grad E. 90 Zenti­meter Schnee, pulverckg, nur Ski möglich.