Dienstag, 30. Oktober 1928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbecheifen)
Itr 256 Zweites Blatt
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Die Not der Grenzmark
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Von der Aeichshauptstadt bis zur polnischen I PosenS in Ackerland zu verwandeln. Das damals venze sind es nicht viel mehr alS 165 Kilometer, entlegene Ostpreußen wäre in verloren gewesen,
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Kunst und Wissenschaft.
Neuerscheinungen des Volksverbandes der Bücherfreunde.
Wie die WeihnachtSnachrichtennummer des VolksverbandeS der Bücherfreunde, Wegweisev- Verlag G. m. b. S>-, Berlin-Charlottenburg 2, mitteilt, läßt der D. d. B. allein zum diesjährigen WeihnachtSseste 105 neue Werke erscheinen. Hierunter sind die klangvollsten Hamen des modernen deutschen und ausländischen Schrifttums mit Werken vertreten. Um nur einige zu nennen: Bartsch, Bethge, Ebner-Eschenbach, Wilhelm Busch, Eulenberg, Finckh, Lissauer, PreS-
wenn nicht Westpreußen und Posen eine feste und unzerstörbare Landbrücke gebildet
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Oie erste Erschießung.
Don unserem römischen ^-Korrespondenten.
Rom, Ende Oktober.
DaS Revolutionstribunal arbeitet. Mussolini läßt erschießen. Terror. —
Man hört sie kreischen, die Internationale. Menschen die tausend Morde auf dem Gewissen haben werden ausbegehren, weil jetzt auch einmal rn Italien ein Todesurteil gefällt und vollstreckt
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.............einen einzigen Gegner kraft Urteil und Gesetzes an die Wand gestellt zu haben. Soll sich das nun ändern? Gehen wir einer Robespierrezeit entgegen?
RichtS unwahrscheinlicher als daS. Die Gegner - fehlen nämlich- ES gibt an nicht- fafzistifchen Zeitungen nur den Osservatore Romana, daS Organ deS Vatikans, daS sich in die innere Politik deS von der Kirche überhaupt nicht anerkannten Königreiches Italien nicht einmischt, eS fei denn, die ewige römische Frage erfordere wieder einmal eine Erklärung, oder eine religiöse Angelegenheit beunruhige den Statthalter Christi. CS gibt keine nichtfaszisti- schen Katheder oder Lehrer mehr, eS gibt nur noch eine einzige Partei. Da das Schutz- geseh schon die mündliche Verbreitung unziemlicher Äußerungen bestraft, gibt jedermann auf seine Zunge acht. Man muß also, kurz gesagt, schon schießen, um erschossen zu werden.
Und daS hat ein gewisser Michele Della Mag- giora getan Er nahm einen Revolver, ging in eine Osteria und schoß den erstbesten Fa- szisten über den Haufen, einen bescheidenen Arbeiter, der den Mörder überhaupt nicht kannte. Dann feuerte er auf den Fuhrmann, der gerade Wein abladen wollte. Tot. Auch der Fuhrmann war Faszist, wie fast jeder Mann in Italien.
heute in den Händen der Polen, die nichts tun, aber auch alles lassen, um die Versumpfung des Flußbettes zu verhindern. Das führt notwendig zu Heberschwemmungen im Unterlauf der Warthe, so daß z. B. die Uferländereien bei der Kreisstadt Schwerin monatelang unter Wasser sichen. Der mangelhafte Forstschuh, den die Polen ihren Wäldern angedeihen lassen, war auch mit Ursache, daß 1924 und 1925 die Forleule, die Raupe des grauen Schmetterlings, aus Posen über die deutschen Laub- und Radelwälder in Milliardenschwärmen hereinbrechcn konnten. Fünfzigtausend Morgen Waldbestand sind damals von der Forleule kahlgefressen worden, deren traurige Reste nicht einmal mehr als Brennholz dienen können.
Die Kreise der Provinz Grenzmark tragen durchweg landwirtschaftliche sGePräge. Industrie hat sich nicht entwickeln können, da für ihre Erzeugnisse der unmittelbare Absah- marft fehlt. Wenn der Boden an sich auch nicht hochwertig ist. so bietet er doch den RahrungS- spielraum für Tausende von Bauernhöfen. Allein diese Dauernsiedlungen müssen er st geschaffen werden, wozu Geld gehört, das der armen Provinz Grenzmark mangelt. Es gehört Geld und nochmals Geld dazu, weil Tausende von Morgen wieder Sunrpfland geworden sind, so daß es nichts Ungewöhnliches ist, auf der einen Seite eines Feldweges leidlichen Ackerboden, auf der anderen Seite Sunipf und Moor zu ftnden, in denen Menschen und Vieh versinken. Welch ein Gegensatz: in der 150 Kilometer entfernten Riesenstadt Berlin werden Millioneii und Aberniillionen jährlich für die Erwerbs- losenfürsorge ausgegeben, toaS nicht zum wenigsten deshalb notwendig ist, weil vom Osten her ununterbrochen der Einwanderer ström nach der Reichshauptstadt anhält. Die Grenzmarkkreise fmb menschen- r e e r geworden, müssen noch menschenleerer werden, wenn es nicht gelingt, der Versumpfung des Landes Einhalt zu tun.
Cs kann der preußischen Regierung der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie die Grenzmark vernachlässigt hat. Gerade weil die Polen nicht nur eine strategische Grenze geschaffen haben, sondern auch mit allen technischen Mitteln versuchen. die deutsche Grenzmark wirtschaftlich abzudrosseln, sind außerordentliche Hilfsmaßnahmen notwendig. Diese müssen bann bestehen, zunächst einmal durch Userschuhbauten art der Warthe daS Land vor Heberschwemmungen zu schützen. Durch Trockenlegung der Sumpfe lassen sich die Voraussetzungen für die Errichtung spannfähiger Bauernstellen schaffen, für die auch das geeignete Menfchenmaterial in der Grenzmark selbst vorhanden ist. Da die Polen den Verkehr über die Grenze hindern, ist es notwendig, ein dichtes Verkehrsnetz durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen der Grenze entlang von Rordeii nach Süden zu schaffen. Wenn dafür jährlich 10 Millionen Mark auf gewandt werden, so ist daS eine wahrhaft voWwirtschastliche Kapitalanlage, die auch dazu ftchren kann und muh, den Arbeitsmarkt schon dadurch zu entlasten, daß ihm nicht immer wieder überschüssige Arbeitskräfte auS der Grenzmark zuströmen. Wir brauchen ein Bollwerk an der Grenze in Form von Bauernhöfen und ertragfähigen Gütern, die schon in wenigen Jahren dazu imstande sein werden, große Mengen cm Getreide und Vieh hervorzubringen.
Hochschulnachrichten.
Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung des Professors Max Wentscher an der Universität Bonn erledigten Lehrstuhls für Philosophie ist ein Ruf an den a. o. Professor Dr. Erich Rothacker in Heidelberg ergangen. — Der an der Universität Köln neugegründete Lehrstuhl der Archäologie ist dem a. o. Professor Dr. Andreas Rumpf in Leipzig angeboten worden. — Der Lehrstuhl der gerichtlichen Medizin der Universität Breslau ist dem a. o. Professor an der Hamburger Universität, Physikus und Leiter des Instituts für gerichtliche Medizin, Dr. med. Karl Reuter angeboten worden. — Der Dozent an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin, Dr. Hermann Heller, hat einen Ruf als planmäßiger außerordentlicher Professor für öffentliches Recht an die Universität Berlin erhalten. — Der durch die Emeritierung des Geh. Rates Professor Curtis an der Frankfurter Universität erledigte Lehrstuhl der englischen Philologie ist dem Ordinarius Dr. Rudolf Jmel- manninRostock angeboten worden. — Der durch die Emeritierung des Geh. Medizinalrats Professor R. Beneke an der Universität Halle erledigte Lehrstuhl der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie ist dem Privatdozenten an der Ham- burger Universität und Prosektor am Allgemeinen Krankenhause Barmbeck, Dr. med. Werner (3 er- la ch, angeboten worden. — Zum Nachfolger von Professor O. Riesser auf dem Lehrstuhl der Pharmakologie an der Universität G r e i f s w a l d ist der Privatdozent ebenda Dr. med. Paul Wels ausersehen.
Die Privatdozentin für innere Medizin an der Frankfurter Universität Dr. med. Klothilde Gollwiher-Meier ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. ernannt worden. — An der Erlanger Universität ist vom 1. Rovember d. I. ab der a. o. Professor für Geschichte Dr. Bernhard Schmeid- ler zum ordentlichen Professor ernannt, und die durch daS Ableben des ord. Professors G. Beckmann erledigte Professur für mittlere und neuere Geschichte, hauptsächlich neuere und neueste Geschichte, dem außerordentlichen Professor Dr. Otto Brandt von der Universität Kiel unter Verleihung des Titels und Ranges und der akademischen Recht« eines ordentlichen Professors übertragen worden.
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Die Bilderfolge findet eine wirksame Unterstützung in der Begleitmusik; die saubere und fleißige Arbeit der Hauskapelle verdient Anerkennung. "r"
Wolfsjagden im Flugzeug.
Der amerikanifche Präriewolf oder Kohote ist ein furchtbarer Feind der Schafherden in den amerikanischen Südstaaten und Mexiko. Er tötet nicht nur ein Tier, um seinen Hunger zu stillen, sondern ein einziger solcher Wolf reiht ein ganzes Dutzend Schafe und mehr nieder, um das Blut seiner Opfer auszusaugen. DZ dem schnellen und ausdauernden Lauf der Präriewölfe ist aber
die sich an den Brandherden deS Antifaszismus in Frankreich mit flammendem Haß gegen das Regime des LictorenbündelS vollgefteßen hatten. Der Staatsanwalt erllärte, es müsse dem Volk gezeigt werden, wie der Staats daS Leben auch seiner bescheidensten Anhänger werte, wie ihr Schicksal dem Duce am Herzen liege. Daher wäre die Gerichtsverhandlung nach Lucca verlegt, wo so zahlreiche italienische Auswanderer vorhanden seien, die noch fern über dem Meere bezeugen Fönnten, mit welchem Ernst der Faszismus Recht spreche.
Die auch für den Komplicen beantragte Todesstrafe wurde in 18 Jahre Zuchthaus umge- wandelt, Della Maggiora aber vor die Gewehre gestellt. Gegen das Urteil des Sonder- gerichtS gibt eS keine Berufung, nur der König kann von feinem Begnadigungsrecht Gebrauch machen. Tut er es nicht, so ist die Hinrichtung binnen 24 Stunden zu vollziehen. Der Todeskandidat rief die Gnade des Königs an. Sie wurde verweigert. Hm 5 Hhr morgens sah sich Della Maggiora plötzlich geweckt, er mutzte sich schleunigst anziehen, brausen warlete schon das Automobil. In der französischen Revolution war es nur ein Karren gewesen.
Hinter dem Friedhof 5 eiten die Wagen und der Faszistentöter erblickte zu feinem Erstaunen ein mächtiges menschliches Viereck. Ein Viereck, gebildet auS sechshundert Schwär Hemden, Mi iz- soldaten der 94. Legion, die in Pistoia liegt und sich La Fedele heißt. Der Rest vollzieht sich in wenigen Minuten. Der Feldwebel übergibt den Verurteilten dem Konsul. Der läßt ihn auf einen Stuhl fesseln und die Binde umlegen. Jetzt treten, von einem Maniprl.ührer kommandiert, zwölf Mairn aus dem Viereck heraus und bilden zwei kurze Reihen. Der arme Sünder, der den Priester zurückgewiesen hat, schreit plötzlich auf, will offenbar eine Ansprache halten, aber schon überlläfft ihn die Salve.
Die beiden Faszisten sind gerächt, von ihren Kameraden gerächt. Mussolini hat gezeigt, daß das Liltorenbündel nicht bloß ein Hoheitszeichen des neuen Staates, sondern blutig ernst gemeint ist. Mit der Hinrichtung war die Aufgabe der Pres e erledigt. Sie wendet kein Wort mehr an die Sache. Der saszistische Stil duldet keine Erörterungen.
„Oie Heilige und ihr Narr."
Lichtspielhaus Bahnhofstraße.
Im Lichtspielhaus läuft seit gestern ein neuer großer Film: „Die Heilige und i h r Narr", von Kurt I. Braun und Charlotte Hagen- brud), der Gemahlin Wilhelm Dieter les, welcher die Regie hat und die männliche Hauptrolle spielt.
Der Film, nach dem sehr bekannten Roman der Agnes Günther gearbeitet, ist, wie man lieft und hört, überall ein starker Publikumserfolg ge- wesen und scheint, nach dem gestrigen Besuch zu urteilen, auch bei uns volle Häuser zu machen. Es ist gleichwohl kein guter Film — das Beste an ihm ist, daß er wieder an das Buch erinnert und zu ihm zurückführt', aber das kann ja nicht der Sinn und die Aufgabe gewesen sein, das wurde auch die immerhin bedeutende Arbeit kaum recht- fertigen.
Sondern der Film wollte dock) wohl, in einer gewissen Unabhängigkeit vom Roman, etwas Selbständiges und Eigenes geben, und das ist fast durchweg mißglückt. Man muß hier wiederbolen, was an dieser Stelle bei vielen Gelegenheiten immer wieder Hai ausgesprochen werden müssen, und was leider für die ganz überwiegende Mehrzahl der literarischen Filme gilt: solange ein Film, der den gleichen Stoss behandelt, wie ein Buchwerk (Roman, Novelle, Drama) — nicht in irgendeiner Form, aber jedenfalls nicht äußerlich, über das literarische Urbild hinausreicht, solange ist er vom künstlerischen Standpunkt aus verfehlt: jede an Wert geringere Wiederholung ist abzulehnen. Und man braucht den Roman der Günther keinesfalls zu überschätzen, um einzusehen, wie weit er die filmische Gestaltung hinter sick) läßt, die nur in ganz wenigen Punkten an die der Erzählerin überhaupt heranreicht.
Nach dem Gesamteindruck ist dies festzustellen: der Film kommt in eigener schöpferischer Formgebung niemals vom Buch los, er braucht überall und iierate an den entscheidenden Stellen die Mittler- chaft des Wortes, weil das Bild versagt. Wo aber >as Bild an sich von guter Wirkung ist, lyrisch- idyllisch oder dramatisch-bewegt, da handelt es sich um äußere unwichtige Dinge, die eben um der Bildwirkung willen aufgetrieben und gesteigert werden mußten. Es ist hier wie beim „Faust' und bei den „Webern" und manchem andern Werk erlauchten Namens: die Filmgestaltung macht das Ursprüngliche, das Eigentliche, das in der literari-
Grenze sind es nicht viel mehr als 165 Kilometer. Was sich an dieser Grenze als P rovinz W e ft- m a r k entlangzieht, ist für den größten Teil des deutschen Volkes leider unbekanntes Land. WaS im Ausgang des 18. Jahrhunderts bei der ersten und zweiten Teilung Polens an Preußen fiel, also wesentlich die späteren Provinzen W est - Preußen und Posen, war ein Gebiet von trostloser wirtschaftlicher Verfassung. Unter Preußens Königen wurde das Äetze- und Warthe- Gebiet fruchtbar gemacht, wurden Straßen und Kanäle gebaut, so daß sich im Ablauf der Jahrzehnte blühende Provinzen entwickelten, in deren Städten und Siedlungen Bürger und Dauern wieder seßhaft wurden. Weder Posen noch West- pveuhen waren unter preußischer Herrschaft polnische Hnruheherde, wie daS mit dem benachbarten Kongrehpolen der Fall war. Es war der staatsmännische Weitblick D i S m a r ck S. der schon in den sech iger Jahren des vorigen Ia> under S erkannte, das) die preutzischen Ostprvvmzen eine starke G r enz s iche rung und Abriegelung brauchten, um die Heberftutung der Provinzen durch slawische Enw an derer zu verhindern. Das war eigentlich der Sinn der BiSmarckschen Polenpolitik, die Posen und Westpreußen eine ruhige wirtschaftliche Entwicklung zu sichern suchte, was nur möglich war, wenn nationalpolnische Umtriebe ferngehalten werden konnten. Der preußische Staat halte es sich beträchtliche Summen
die Jagd auf diese Räuber sehr schwierig, und auf dem Steppengebiet lassen sich auch Kraftwagen und Motorräder zur Verfolgung nicht benutzen. Da die Schaf- und Rinderzüchter ein großes Interesse daran haben, daß möglichst viele Koyoten erlegt werden, ist für jeden Wolf eine Schußprämie von 10 Dollar ausgesetzt; der Jäger behält außerdem noch das Fell. daS ihm dieselbe Summe bringt Die Jagd auf Koyoten ist also ein einträgliches Geschäft, wenn man nur die genügend große Beute nach Hause bringt. Um dies Ziel zu erreichen, ist nun ein Flieger aus Rapid City in Süd-Dakota, Clyde Ece. auf den Gedanken gekommen, das Flugzeug zu verwenden. und er Hat damit so große Erfolge erzielt. daß jetzt die Jagd auf Präriewölfe vom Flugzeug aus in dieser Gegend zu einem ebenso aufregenden wie gewinnbringenden Sport geworden ist. Heber die Art dieser merkwürdigen Jagd macht R. C. Mc Loud in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik' nähere Mitteilungen. Ece unternahm seinen Probeflug mit zwei guten Schützen, und schon nach einer Stunde brachten sie zwei Wölfe nach Hause. Die größere Erfahrung und bessere Hebung führte dann dazu, daß man bei jedem Flug über einem Gebiet von etwa 100 Quadratkilometer Fläche drei bis vier Wölfe eriegte und in einem Monat durchschnittlich 80 Koyoten zur Strecke bringt. DaS Flugzeug gleitet in etwa 300 Meter Höhe dahin, und man kann von ihm bei der klaren Luft Süd-Dakotas auf eine Entfernung von einem Kilometer jeden Wolf am Boden erkennen. Hat man die Wölfe gesichtet, bann geht das Flugzeug auf 15 bis 20 Meter herab. Man muß sich dabei nach dem Verhalten der Wölfe richten. Gewahren diese daS Flugzeug, so drücken sie sich platt auf den Boden, lassen es über sich wegfliegen und springen dann nach allen Richtungen auseinander. Der Führer muh sich dann blitzschnell entschliehen, nach welcher Seite hin die besten Aussichten sind; er geht nieder, überfliegt den Wolf, und dann ist der Augenblick zum Feuern gekommen. Ist der Wolf erlegt, so landet das Flugzeug, um die Beute zu bergen. Das ist natürlich auf der amerikanischen Steppe recht schwierig, und so muh sich der Flieger die besten Landungsstellen aussuchen und die Wölfe mit seinem Flugzeug nach jenen Stellen treiben, an denen er gefahrlos landen kann. Diese Art der Wolfsjagd Hal bereits so gute Ergebnisse gezeitigt, daß die Viehzüchter von den größten Schädigungen befreit sind.
CEDaS ist geschehen? Ein Kommunist hat zwei Faszisten niedergeknallt. Prozeß. Verurteilung wegen vorbedachten MordeS. Todesstrafe wie in jedem Lande, 6aS sie noch nicht gänzlich abgeschafft hat. Eben nicht, toerben die Parteirich- 1er einwenden: bei politischen Verbrechen muh ein anderer Maßstab angelegt werden. Der faschistische StaatSanwalt ist ganz dieser Meirnrng, nur hält er dafür, daß die Strafe in einem solchen Falle um so schwerer auSfallen müsse, well bie Sicherheit des Staates mitspiele und infolgedessen der Mord nicht vor den gewöhnlichen Gerichten verhandelt werden könne, sondern das Sondertribunal interessiere.
DaS Sondergericht oder RevolutionStribuncll, wie man erstaunlicherweise jetzt wieder in der sasziftischen Presse lesen kann, obwohl seinerzeit diese Bezeichnung als eine „Verleumdung beS faszistenfeindlichen Auslanbes" gebranbmarft würbe, ist nach dem letzten Attentat auf Mussolini eingesetzt worden. ES stützt sich auf em Schutzgeseh für den faszistischen Staat, ähnlich dem Schutzgeseh für die Republik. baS man in Deutsch!anb einsühren zu müssen glaubte. Die Todesstrafe, die Italien feit einem Menschenalter nicht mehr kannte, bildet daS Kernstück der neuen Gerichtsbarkeit. Die saszistische Revolution wollte schon deswegen auf eine solche Möglichkeit nicht verzichten, well ihr mit unsagbarer Dummheit immer wieder von ihren Gegnern vorgeworfen wurde, sie sei ja gar keine .richtige" Revolution gewesen, Mussolini habe, niemals zur Guillotine ober zu Massenerschie-- tzungen greifen muffen! Sein einziger Fehler! gaben die Radikalen zurück, und sie waren es auch, die wenigstens bas Sondergericht mit fernen furchtbaren Strafen durchdrückten.
Das Blutexempel war also schon seit zwei Jahren fällig. Bisher hatte eS nur Verbannungen und Zuchthausjahre geregnet Jeder des Kommunismus Verdächtige muhte daran glauben. Zwanzig Jahre, dreißig Jahre, der Staatsanwalt war da nicht knauserig. So erhielten auch die ßltern des törichten Knaben in Bologna, belauf den Duce geschossen hat. wie die Anllage behauptet, und stehenden FußeS gelyncht worden war, dreißig Jahre. Aber die Revolution
scheu Form Wertvolle und Innerliche oberflächlich, sie verwässert und vergröbert.
Dabei ist zu sagen, daß die Manuskriptbearbeitung nicht einmal eine glückliche Hand verrät; denn aus dem Roman, wenn er schon verfilmt werden mußte, wäre an sich mehr herauszuholen gewesen, wären vor allem Motive zu behandeln gewesen, mit deren Gestaltung der Film vermöge der ihm zu Gebote stehenden technischen Mittel über den Roman wenigstens stellenweise hätte hinauswachsen können, wenn man eine geschickte und geschmackvolle Bildregie voraussetzen Durfte. Wir meinen die transzendenten Hintergründe der Erzäh. lung, die übersinnlichen Kräfte, die im Wesensbilde der Heldin einen nicht unwichtigen Zug ausmachen; aber gerade an diesen Dingen ist der Film (mit einer Ausnahme, die noch dazu regiemäßig nicht sehr gelungen ist) seltsamerweise vorübergegangen.
Auch andere Motive sind verzeichnet und ver- zertt, vor allem das Bild der Fürstinmutter, die von Anfang an als ein wahres Scheusal geschildert wird, sodaß ganze Szenengruppen nur noch wie Ausschnitte aus einer grausligen und kitschigen Geschichte von der bösen Stiefmutter wirken, und man vergessen könnte, wie unendlich viel seiner, zarter und innerlicher Menschen und Dinge im Roman gestaltet worden sind.
Was bleibt, ist eine Reihe schöner und ftim- mungsooller, aber ganz äußerlicher und nickst immer verständlicher Bilder, eine klare und gute Photographie, und wenigstens in den beiden Haupt- rollen eine brauchbare Besetzung. Die Rosemarie der Lien Dycrs entspricht wohl nicht vollkommen den Borstellungen, die man vom Buch mitbringt, aber sie ist ausdrucksvoll und wandlungsfähig. Der Graf Harro ist in Die ter les männlich-gütiger und sympathischer Derkörperung sehr glücklich ge-
Man zählt zwanzig Mlllionen Faszisten mit den durch den Gewerkschaftsstaat ohne weiteres der Staatspartei angehörenden Arbeitern. Italien hat vierzig Millionen Einwohner.
Vor Gericht beantwortete der Mörder auch die tödlichen Fragen des Staatsanwalts mit einem glatten Ja. Habt Ihr die beiden erschossen. bloß well sie Faszisten waren? 2a. Habt Ihr mit der festen Absicht, zu töten, geschossen? Ja. ES war nichts Dramatisches in diesem Verhör. Der Mann ist Soldat gewesen, bei dem Zusammenbruch von Karfreit gefangengenommen worden, wurde lungenkrank, hat kein» Arbeit. Hier könnte vielleicht ein Sozialpolitiker einsetzen, ober italienische Staatsanwälte pflegen gerne bei ihrem Leisten zu bleiben.
Der Laie wußte schon, WaS es geschlagen hatte, alS er die Zeitung las. Während die Presse sonst über die Prozes'e vor dem Sondergericht mit denkbar knappen Referaten hinweggeht, durften die Journalisten über diese Verhandlung in Lucca des langen und drei en erzählen. Ein derartiger Musterfall für die saszistische Gerichtsbarkeit findet sich nicht wieder so leicht, denn selten ist ein Mann, wenn es um seinen Kopf geht, so aufrichtig — zynisch, wie es in der Gerichtssprache heißt.
Ein Mord also, nichts zu diskutteren. Warum aber Schutzgeseh und Sondergericht? Die Begründung des Staatsanwalts ist lehrreich: ES handett sich um ein Gemetzel, bas durch mehrere Personen ausgeübt wirb. In einem solchen Falle, und wenn bas Verbrechen einem Attentat gegen die Sicherheit $?S Staates gleichkommt, muh das Sondertribunal eing-ei'en. Beide DorauSsetzuneen waren gegeben, denn der Mörder hat den 'Revolver von einem Komplizen bekommen und die Ermordeten waren Faszisten, deren De'eitigung eine große Erregung in der Bevölkerung verursacht, also die öffentliche Ordnung gestört hat. Damit war die Sicherheit gefährdet, der Funke hätte zu einem ausgedehnten Brand mit sehr schweren Folgen führen können.
Auch wer diese Begründung für nicht recht überzeugend ansieht, wird anerkennen muffen, bah man in Rußland weit weniger Hmftänbe macht. Belastend fiel ins Gewicht, daß beide Angeklagte fuorisciti gewesen waren, Flüchtlinge,
hätten. ,
Es war nicht die Schuld Bismarcks, dah die Besiedlung der Ostmarken mit deutschen Dauern nur längs am vorwärts ging, daß insbesondere in den neunziger Jahren eine gewisse Stv ck u n g eintrat, die später niemals wieder ganz überwunden worden ist. Wie die Ansiedlungspolittk in Posen vor allem hätte beschaffen fein müssen, bas haben uns ja bie P ölen selber gezeigt, als sie auf Grund des Versailler Vertrages Posen und Westpreußen vom Deutschen Reiche loSreißen konnten. Der Rih ging mitten durch deutsches Gebiet, denn die neue Grenze schieb nicht die deutsche von der volnischen Rcttion. sondern sie umfaßte nur Gebiete, die durch deuffche Arbeit, die durch deutschen Fleiß fruchtbar gemacht worden waren. WaS beim Reiche blieb, das waren einzelne Kreise, die nicht in das polnische System der strategischen Grenz- sicherung paßten. Preußen mußte sich damit begnügen, die zerrissenen Kreise in Posen und Westpreußen als P rovinz Grenzmark zu einer Verwaltungseinheit zusammenzufassen. Daß das zu schweren wirtschaftlichen und sozialen Rückschlägen führen muh, ergibt sich nicht nur auS der verkehrspolitischen, sondern auch aus der UMu« ö —....... klimatischen und natürlichen Verbundeicheit des
kosten lassen, um 'die Heide- und Sumpf gebiete ganzen Gebietes. Der Oberlauf der Warthe ist
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