Hr.204 Zweites Blatt
Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Donnerstag. 30. August (928
Unterjochtes Deutschtum.
Eine vergessene (SfoM.
Bon unserem Eonderberichterssatter J-leiu? ttraus
Rochdri ck. auch mit Quellenangabe, verboten.
TX r m f f, Ende August 1928.
2m Anfang war dar Autonomie ft otut. Die hoben oertragfchlietzendcn Teile: Frank reich. Grosz- brttonnien, Italien und ihr ganzer Anhang einer- fett« die Republik Litauen andererseits, fernen aus Gründen der „Humanität und der Menschenrechte' iiberem, dem deutsche'! MeMeUand (eine tutturelle, nntionalf und wirtschaftliche „Autonomie" im Rahmen de« litauischen Staat,- zu gewährleisten Heute, ein Zodr-ehnt |pater, nachdem der oieUUierte „Geist van Locarno" den Jteift von Versatttes" abgeloft hat. hohen die deutschen Memeitänder ihre Autonomie noch immer. Nur, dast em litauischer Gouverneur diese Autonomie „interpretiert" und mit einer Som- paqnif Soldaten diskrit nachhilst. wenn sogar die juridische Rabulisterei nerlaqt Herr Antanas TÄerfp» „9 Iatpedos 8 r o ft o (Buberna- t o r 1 u was fooiel bedeutet wie Generalgouver- neur non Memel, ist früher Sriegsminifter gewefen. Was man fernen Methoden heule noch onmerft. (fr ist sest entschlossen, der autonomen Gefellschast. die er hier zu gaunern irren hat, den richtigen Drill lstaiiischer Rekruten beizubringen
Sprechen wir e» einmal offen aus 3 n weiten Greifen der deutschen Oesfentlichkeit kümmert man sich sehr wenig um den Drukk.demdieMemelländervonfeiten des „it)mpath>fchen" Herrn Antanas Merkysousgefesttsind. Memel ist nicht „i it- t« r e 11 a n t", wie manche» andere Stuck verlorenen deutschen Lande» Nicht „lebenswichtig" wie Ober- schlesien, nicht „romantisch" wie Laitrins Nofengarten in den Dolomit.'N Und namenlos unterbrütft ist die reindeulfche Stadt Memel — natürlich im Nahmen eine» höchst menlchenfreundlichen Autono- mleftatut». Wovon wir doch etwa» mehr wissen sollten
Da sind j. V. die Richter. Durchweg Beamte aus der deutschen .Seit, da die Gerichtsbarkeit, mit Au»* nähme der Jurisdiktion über Kapitalverbrechen, die vor das höchste Gericht in Komno kommen, in hie Autonomie-Rechte sollt. Die Richter sprachen ihre Urteilssprüche ..im Namen de« Volker". Herr Gouverneur Merkys fordert eines Tage'-, sie mögen „im Namen der litauischen Republik" judlziereu Was die Richter mit dem Hinweis dar- auf, dost he autonome memelländifche Beamte feien, und nicht litouifche, natürlich ablehnten. Uni den drohenden Sanktionen zu entgehen, nermenbelen fle non da an die aewif, unverdächtige Formel ,.im Namen des Rechtes." Der Gouverneur aber fcheint von der Vedeiitung, die Volk und Recht fchliefzlich zukvmmen, feine eigenen Anschauungen aii haben. (Er zeigte, vor kurzem erst, sämtliche Richter Memel» bei der Zentralbehörde in Kowna , wegen Widersetzlichkeit" an, so dast sie jetzt alle eine Disziplinierung und vielleicht noch Schlimme re» zu gewärtigen haben.
Em anderer Eingriff in die autonome Fustizpflegc spielte sich, vor nicht gar zu langem, folgender- masten ab: erschien da Im Gefängnis von Memel eine Abteilung litauischen Militär», deren Kommandant die Auslieferung einer Anzahl Strafgefangener forderte. Die Leute sollten nach Kowno gebracht und don nochmals verurteilt werden. Doppelt gestraft hält besser. DieAus lieferung wurde verweigert. Worauf der litauische .Kommandant dem Gesangenenauffeher die P i • ft ole n n die Brust fetzte und erklärte. „Die Zellenfchlüsfel her ober i ch ( chieste dich nieder!" Der also liebenswürdig apostro- vhierte Aufseher ober erwiderte lächelnd „Ich stand vier Jahre lang als deutscher Unteroffizier an der Front! Vor Ihrem Schiesteisen furchte ich mich wirklich nicht!" Und klimperte dazu froh- aemut mit den Zellenschlüsseln in der Tasche ... Da» litauische Militär ist nach diesem mistgluckten Handstreich auf eine Strafanstalt nicht gerade
Beim Urenkel Jean Pauls.
Von Dr. Bertha Badt-Etraust.
„Scbcnnuhg sieht« nicht au«, diese« kleine Gartenhaus" und dazu steht« nicht einmal im orünschatlenden Parke von De.mar. sondern in den Moritz-Höfen in Batzreuth. wer keimt da« halbversteckte Gähchen mit fernem holprigen Pflaster von allen den fremden Gästen Meter gastfreien Stadt? Richt leicht verirrt sich fremder Atih dorthin. Denn Wenige wissen au fier den Künftigen, dast hier ein llrenfct Jean Paul« lebt, und noch dazu einer, in dem sich de« llr- «rhnherru wunderlich Wesen in rarer Sp egelung neu verkörpert gu haben scheint
Durch einen ausgetretenen Dang gebt» eben» erdig hinein. Da ist Mc Cpcilefammcr: da ist Hie geräumige Äü<be; und da ist auch da« niedrige Zimmer, mit Urväter Hausrat vvll- geftvptt. tn>n einem aftronomilchen Fernrohr wie frtm Zaubergerät veherricht 3m Gang steht ein gebückter Mann, hat eine Haue Schürze vor und bastelt irgend etwa« — ist» em Gärtner, ift« ein Hausmeister? - ..Wohnt hier Herr Callenberg? — Der bin ich selbst!" — Er lästt mt« ein tret en und nimmt die blaue Schürze ab, nicht ohne sich mit altfränkischer Grandezza ihretwegen zu entschuldigen. Jetzt lieht man erst, wie hoch- gewachsen fier Siebziger ist und wie scharf und mau fein Äuge leuchtet — täuscht uns die Erwartung ter Erbschaft oder ist« wirklich ein rigentümlid) Jean Paulifches 5euer, wo» hier erglüht? Da« Zimmer ist voller Bücher. die auf Tischen und Stühlen lagern, tem Bücherfreund etn ter traut er, der Hausfrau ein beängstigender oar xZ. E^wr freilich scheinen diele beiten Austen m einer Perfon vereinigt zu sein. Äter die Werke des Urahn« sind« beileibe nicht, bu hier T> ch und Wände füllen; ter Hausherr Wbft bat mamherfei im staO". wie er schmunzelnd erzählt 5r ist wirklich ein direkter ÄdkommI ng des Dichters. Jean Pauls Tochter Emma war seine Grostmutter, und an seine Ur- mutter Jtarolmc Richter kann er sich noch deutsch erinnern, die lebenstüchtige Frau, die den berühmten, aber als Gbemann etwas fchwieri- gen lange überlebte, starb ja erst —
-erft" sagt er — im Jahre 1860. In tiefe»
ruhmbedeckt wieder abgezogen. Diese» ein» Val hat die Methode der Gewalt versagt.
Aber m unzähligen anderen Hätten führt sie zum Siel — da« in ter brutalen <3nt- beutschung einer aller, deutschen Stadt liegt Die Standbilder Wilhelm« 1. und ter Germania sind abgetragen. Leere Sockel zieren den chauptplay Gew st. ha« sind nur Äensterlich- feiten. Die mit Hochdruck betriebene Sntnatio- naltflerung ist am einheitlichen Willen der Bevölkerung gescheitert, vor allem an ter Opferberertschaft ter alten Beamten die auf da« gesicherte Leben und auf die Äarrure- Möglichketken. die Deutschland bietet verzichtet haben, um auch unter den neuen Herren auf dem bedrohten Posten auszuhalten. Äein einziger unter ihnen, ter zu den ..Siegern“ übergegangen wäre Man sollte das stille Heldentum ter deutschen Beamten von Memel stärker spüren, deutlicher würdigen
Die kulturelle Verbindung ist natürlich nicht abgerissen. Eben erst fand eine Um* veri.tätSwochc statt, auf ter Professoren ter bedeutendsten deutschen Hochschulen Borträge hielten. Wo e« irgend möglich ist. wird wieder auf- gcuouL In München hat sich eine „Gesellschaft ter Freunde des Deutschen Schauspielhauses in Memel" gebildet, die sich die Rettung und Erhaltung ter am weitesten vorgk'chobenen deutschen Bühne zum Siel macht Sine Stadtbücherei wurde in Memel gegründet, die heute schon 36 030 Bände deutscher Bücher ver- lecht. Freilich ist diele groste und den recht te- kUränhen Derhältn.ssen entsprechend vorbildliche Bibliothek seit längerer Zeit ohne Leitung. Der frühere Bibliothekar folgte einem Bus in« "Reich - - und einen Nachfolger au« Deutschland lieben die litauischen Machthaber nicht an seinen verwaisten Platz Weil im Autonomiestatut fein Wort ton Einreisebewilligung steht, ilnb weil die Herren von Stotmxo jede Gelegenheit, den Mochtstandpuickt hervorzuheben, gierig ergreifen.
Ob. sie wissen ihre Macht sehr gut zu gebrauchen. Der frcigctoähltc memelländifche Landtag darf nur zufainmentreten, wenn der Gouverneur e« gestattet, und er hat auseinanter- zugeh.ii. sobald e« diesem Herrn beliebt. Allo jeteSmal. wenn er ein .illoyale«' Gesetz te- fchliesten will. <2* gibt übrigen« ein sehr pro- bate« Mittel, sich solcher Gesetze zu erwehren: die Ablehnung ihrer Unterzeichnung. Im Autonomie-Statut steht zwar . Der Gouverneur unterzeichne l die vom memelländischen Landtag beschlossenen Gesetze." Wodurch klar zum Ausdruck kommt, hab diese Unterzeichnung eine blohe Formalität. höchsten« noch eine Angelegenheit des litauischen Prestige« sein soll. Da ater nicht steht: et m u b sie unterzeichnen. leitet Herr Antanas Merktzs sich au« dem Fehlen des Wörtchen« .mub" ohne weiteres das Recht ab, die Gesetze de« Landtag« zu zenlurieven und nur solche passieren zu [affen, die ihm genehm sind. Ebenso hält er eS mit ter Bestätigung te« vom Landtag zu wählenden Direktorium«, da« die autonome Regierung des Memellandes darstellt. Auch hier lehnt er die Bestätigung eine« Direktorium« ab, dessen Utitglieter ihm suspekt erscheinen — und hat so tatsächlich ein Direktorium ungefähr nach seinem Geschmack durchgedrückt. an dessen Spitze ein Mann steht, der ungefähr da« Gegenteil von einer Kamps- natur ist.
Lokale Konflikte? Nein, die bi« zur Unterdrückung gesteigene systematische Schikanierung Memels und feiner deutschen Bewohner ist viel mehr. Ist ein blanmäbiger und bisher geglückter Versuch Litauen«, die Tatsache, dast wir an seiner territorialen Integrität und staatlichen Unabhängigkeit gegenüber Polen interessiert sind,
Friedrich Kallenberg hat sich nun das ganze ..ungefeb.'e Leben", ter ganz und gcr nach Innen gewendete Tatentrieb des 11 r grob toter«, in eine ungemessene Schaffenslust in den verschiedensten Bereichen umgcletzt. In feiner Jugend war er Wellre.lenter Dreimal hat er den Erdball umkreist — gewöhnlich auf eigene Rechnung Kosten und Gefahr. Später begann er dann, feine Wanderlust beruflich auszumünzen. @r wurde Reiseführer Aber, wie er sogleich bin» zusetzi nur Führer einer nach seiner Meinung heute a-iSgestorbenen Art von "Reifen. Aicht ter Lurusretten, wie si" jede« "Seifebureau heutzutage vermittelt. .Studienreisen, mir auf den Leib geschnitten" führte er mit Begeisterung. Oinmal ging er mit Altphilologen nach Griechenland. ein andermal mit Archäologen nach Aegypten, dann wieder führte er Maler nach Süd- Mgerien. ..und dort malten wir alle zusammen". Denn fein malerische« Talent bat er von seinem Grobvater ererbt und fah zu Zeiten darin lehren Hauptberuf.
Der Krieg gebot dielen beschaulichen Hei fei gebieterisch Halt Seither wurden sie nicht mehr aufgenommen. Schon aber hatte den beweglichen Geist ein andere« Anliegen ersaht, das nun bestimmend für sein Leben wurde. Freiherr von Reichenbach hatte damal« den vielumstrit- tenen neuen Stofs, da« Ob. entdeckt: Herr von H«l a r, ter Aulengänger, hatte kraft feiner eigentümlichen Anlage in Südafrika Brunnen gebohrt. Durch Zufall wird nun Kallenberg darauf geführt, dah sowohl in ihm wie in feiner Stau und Mitarbeiterin dieselbe Gabe lebt. Aun fachen fie beide diele .Pendel-Wittenschäft", wie sie sie nennen. me:hodiich zu ergründen. Sin grober Stab von Mitarbeitern geteilt sich ihnen «u. besonder« in Oesterreich erwirbt sich die neue Forschung«art zahlreiche Anhänger. Aber erst nach dem Tote ferner Frau gelingt tem Manne feine Hauvtentdeckung Sine« Abends um 10 Ubr. er hatte vie. gependelt, gerät er auf den Smsall. da» Pendel über das ihm zur Seite liegende Lichtbild feiner Frau zu führen ilnb das Pendel — bewegt sich in regelmäßigen Schwingungen. Olein, er ist nicht htzsterttch. ist e« niemals gewesen: aber in jener Aach:, te flieht ihn doch ter Schlaf. Am nächsten Tage untersuchte er systematisch viele Taufende von Bildern und findet, dah da« Pendel jedesmal
auszunutzen, um unsere Bollsgenotten ungestraft zu rnihhantein. die ihm durch da« Berfattter Diktat ungegliedert, nicht eingeglieten wurden Aatürlrch handelt und mthhandelt der Gouverneur von Memel nicht au« eigener Mache- voflkoinmenheit. fentern in ständigem, engstem
Einvernehmen mit Dvldemaras. nrtt tem er übrigen« persönlich eng befreundet ist. ilnb bann wäre es hoch an der Zeit, mit tem Diktator Litauen« selber rin fahr ernstes und sehr deutliches Wort über ba« Schicksal Mernel« zu sprechen.
Geschichten ans aller Well.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten Warum brr Kronprinz von Liechtenstein abdankte.
(—) Wien.
Franz, ter Kronpr.ru te« kleinen Herzogtums Liechtenstein, hat in aller Form auf feine Herr- scherrcchle verzichtet. Der präsumtive Thronfolger wurde fein jüngerer Brüter Ludwig Der überall« wcht.ge . Staatsakt" geschah nicht etwa au« auhen- oder gar innenpolitischen, sondern au« — materiellen Gründen! Der gegenwärtige Herrscher von Liechtenstein. Iohartn II.. ist näm- i ch heute noch, im Alter von 88 Jahren, em rüstiger. voUkommen gesunder Herr, ter aller Borau«>icht nach auch den 100. Geburtstag in aller Fr fche erleben dürfte. Da die Ehe te« Fürsten kinderlo« geblieben ist. sollte nach ihm sein ältester Brüter. Franz, den Thron te« kleinen Lande« besteigen Franz hätte ja die Freuden te« „Hegieren«" ganz gern au«gekostet. wenn diese Freuten nicht mit einer übermähig hohen - Erbschaftssteuer verbunden wären. So. meinte er, würde e« sich kaum lohnen, für di« „paar Jährchen" di« hohen Gebühren zu bezahlen. Prinz Franz ist nämlich auch nicht mehr der Jüngste. Der we.t jüngere Bruder, Ludwig, hat noch immerhin Aussicht, ein halbe« Menschenalter al« gekrönte« Haupt zu verbringen. und so wurde er luqunb bündig zum Kronprinzen ..gemacht". Die Bürger te« Fürstentum« Liechtenstein sind gemütliche, und vor allem reelle Leutchen: sie zuckten mit der Achtel und nahmen di« .Angelegenheit" stillschweigend zur Kenntnis.
Warum gibt cö Zigeuncr in Europa?
(v) Budapest.
Auch in Ungarn wurde ter 70. Geburtstag te« englischen Sprachforscher« Sir G. A. ® r i e r f o n gefeiert, ter sich u. a. besonder« mit den den Magyaren so sehr intereffierenten Zigeunern befähle Grierson ter 545 indische Dialekte beherrscht. gewährt« vor einigen Tagen einem Budapester Journalisten eine Unterredung und erzählte habe, einige« au« seiner Wiflenschäft. (Jr erklärte. er kenne Sprachen, bi« hauptsächlich au« einsilbigen Wörtern bestünden, von tenen ein und dieselbe Silbe jedoch einen oft grundverschiedenen Sinn hätte. 6r erwähnte z. B. daS indische Diale'twori „ba". da« zu gleicher Zeit Frau, drei, Freundin de« Häuptling« und Ohrfeig« bedeute. Wenn nun ein Eingeborener ,ba ba ba ba“ sage, so bedeute da«: „Drei Frauen geben der F reundin de« Häuptling« ein« Ohrfeige." DaS Interessanteste, da« Grierson ater erzählte, war ba« über di« Zigeuner. Der Gelehrte sagte: „Ungefähr 500 Jahre nach Lhristi Geburt lebte in Persien ein König, der di« Trunkenheit au« tiefstem Herzen haßte. Sr wollt« „Persien trocken legen", würden wir heute sagen, doch war dieser König gleichzeitig ein kluger Mann und wustte, dast ein einfache« Verbot keine Wirkung &ätte; Daher befahl er. dah Trinken zwar erlaubt wäre, doch nur dann, wenn Musikanten es mit ihrem Spiet begleiteten. Eine« Tages le- merkte ter König aus ter Strohe einige seiner Untertanen, die sich ohne Musiktegleitung dem Trünke Hingaben. Aus einen entsprechenden Dor- Wurf des Herrscher« erklärten die Trinker, sie hätten keine Musikanten auftreiben können. „Ao. dann werte ich dafür Sorge tragen," versprach ter König. Und noch am selten Tage schrieb er «inen Brief an einen ihm verwandten Herrscher im nordwestlichen Teile von Indien, er möge chm einige hundert ..Dom«" schicken, Angehörige einer indischen Kaste, die dafür bekannt waren.
dah he sich sowohl mit iweiselhasten Geschäften al« auch durch Musizieren ernährten Die Dom« kamen nun nach Persien, kehrten jedoch dort ter Mufck gänzlich den Bücken und . arbeiteten" nur al« Händler. In befer Eigenschaft liehen He sich ’päier am Delta te« Euphrat nkter. Diese Dom« find die Ahnen ter heutigen Zigeuner. Der peri sch« König wurde böse auf die Dom«, weil diese nicht mehr musizieren wollten, trieb ’ e au« tem Lande, und zwar nach Lynen. Aber auch dort war ihre« Bleiten« nicht, und 'o flüchteten he nach Rumänien, von wo sie sich bann nach und nach über ganz LAropa au«brciteten. Offenbar haben sie später ater doch wieder
-um Teil, zur Musik zurückgefunten. — (Wir sind leider nicht in ter Loge, diele etwa« romantisch klingende Theorie aut ihre wissenschaftliche Haltbarkeit zu prüfen. D Red.)
Ter Sultan von Marokko kaust Leidcnstrümpsc.
Pari«.
Gegenwärtig weilt hier ter IBjäbnge Sullan von Marokko. Muratz Mohamed, ter den größten Teil seine« Ausenchalte« m Pari« dazu benutzt, um zur Freute ter Geschäftsleute c ne grobe Menge hon Einkäufen zu besorgen. Gleich te. seiner Ankunft am Bahnhof erklärte ter junge Sultan feinem Adjutanten, einem französischen Major: ..Ich möchte kaufen!" Der Offizier mietete natürlich sofort ein Auto und führte den marokkanischen Herrscher vor di« eleganteren Geschäfte. Muratz Mohamed sagte auf eine ent'prechcnte Frage: „Ich möchte vor allem Seidenstrümpfe kaufen, seidene Da men ft rümpfe." Wenige Minuten später türmten sich diese gutgehenden Artikel ter französischen Industrie vor tem jugendlichen Sul- tan zu Bergen und dieser griff denn auch, kurz entschlossen, einige ihm besonder« gut gesallente Effemplare betau«, von denen er sofort mehrere tausend Stttck bestellte. ..Da« wird sein gut", erklärte er. „ferr gut", und ein viel- sagende« Lächeln umspielte feine von einem schwarzen Schnurrbärtchen bedeckten etwa« brüten, roten Lippen Erst nach diesem Einkauf, ter offenbar für die Haremsfrauen te« Herrscher« bestimmt war. geruhte Muratz Mohamed zu den offiziellen Empsang«feierltchkeilen zu eilen, die die französische Regierung ihm zu Ehren veranstaltete.
-loch ein Lchwergcwichlltr.
(ege) Deutz ork.
'Xief betrauert von einer großen Anzahl lebensfroher Leute hat in tem berühmten Badeort Atlantic City an ter Küste te« Nordamerika- nlschen Staate« A«o-2ersey TharleS Emortz Titman im Alter von 39 Jahren das Zeitliche gesegnet. Sr stand tm Stufe, ter dickste Mann ter Welt zu fein, und die Sargträger batten, den Sarg nicht mttgerechnet. eine 545 Plund schwere Last nach tem Grate zu tragen. Wäre Titman vor ein paar Jahren gestörten, so wäre die Last noch um 155 Pfund größer getoe’en, denn Tharlie wog einmal genau 700 Pfund (nach deutschem Gewicht 630). -- Bor fünfzehn Jahren erbte Titman, einstmals eine Sportgröhe Philadelphia«, und .MaScotte" de« dortigen BafeballteamS. ein Vermögen von 2500Ö0 Dollar. Damal« schon litt er an Stephan- tiafi«. und al« die Aerzte ihm erflärien, er könne auf eine Lebensdauer von nicht mehr af« einem Jahr rechnen, suchte er nach ter Möglich- Feit, innerhalb ter ihm vergönnten Frist mit ter Viertelmillion tabula rata zu machen Er reifte nur noch im Sonterzug. besuchte jeden Bo,- kamps. jede« Sportfest, war Mittelpunkt eine«
beim Bilde derselben Person dieselben Schwingungen macht. Ungeahnte Möglichkeiten tun sich damit auf. ilnb in ter Tat sind seitdem, wie er erzählt, die „Offenbarungen te« siberischen Pen- deis" auf den verschiedensten Gebieten auSgenutzt Worten: kriminalistisch, muslltheorettsch. kunst- h:storttch (zum Bestimmen ton Bildern- Ja — seine Bücher sind ohne sein Wissen in« Englische übertragen worden, und in Südamerika prüfen beule die Farmer die Keimfähigkeit ter Gier burtb bi« Schwingungen te« siterischen Pendel*, -die si-Strahlen". wie er sie nannte.
Der alte Herr mit feinen blauen Augen steht strack und auirecht w'e ein wundertätiger Magus inmitten ferner Bücher und Geräte ... Und ter Urgroßvater Jean Paul sitzt tertnett sicherlich in feiner Unsichtbaren Loge hört tem Urenkel zu und bat fern Pläfir daran. .
Don her Taubenpost ,um Aabwleleaeamm
E« gab mal eine Zeit — wir formen sie un« nur schwer vorstellen —. in ter e« noch nicht möglich war. über Börsenkurse und Borkämpfe sozusagen im Augenblick te« Geschehen« der ganzen Welt zu berichten, in ter nicht mit den Nachrichten über politische Aktionen und Etten- bahnunkälle glrich^ntig die Porträt« ter Akteure unb die Bilder von der UnglückSstätte mit Sekundenschnelle übersandt werten konnten, in ter die Gattinnen vermißter Polariahrer nicht ein paar Tage, sondern Monate und Jahre warten muhten, bi« Kunde von ter Rettung ober tera Verlust ein traf (übrigens ohne dah man über ihr? Gebete und ihr .heltenhafre« Warten" voll Patho« ter aanzen Welt berichtet hätte). Der Atem der Menschheit ging in jenen glücklicheren Zeiten noch um ein paar Tempi ruhiger
Roch in den ersten Jahrzehnten nach ter Griin- bung des elektrischen Telegraphen war ein Tele- gramm durchaus noch nicht etwa eine Angelegen- &cit von .Elektrizitü'sgcfchwind.gkrit". Äur auf ten Strecken, die schon mit elektrischen Kabeln verbunden waren, wurde wirklich t.ttegrat)friert, im übrigen benutzte das .Telegramm" tee Bahn- p5st oder da« Schitsi Auch Brie'tauben unb ter optische Telegraph die Dor.'äuler des cleftrv
ergänzten diesen noch lange Zeit. Dieser gemischte "Verkehr brachte e« mit sich, test v B.
Telegramme au« Uebersce, etwa au« Ostindien. 6 bi« 8 Wochen brauchten, um in die europäischen Hauptstädte zu gelangen. Auch im Lande leibst ging ter Telegrammverkehr nicht viel schneller, ja teilweise noch erheblich langsamer tonftotten. al« heute der Eisenbahn- oder gar der Flugdienst. So benötigte ein Telegramm von König«- berg nach Berlin im Jahre 1850 noch volle zwei Tage und ein solche« von Berlin nach Konstantinopel gar l’/j Wochen
Eine ter ersten und wichtigsten Telegraphen- linien in Deutschland verband Aachen und Berlin. Telegramme von London nach Berlin wurden von London bi« Brüflel telegraphiert, von dort mit tem Postzug nach Aachen befördert und von Aachen per Draht nach Berlin weitergegeben. Die Lücke zwischen Brüssel unb Aachen bracht.: einen Zeitverlust von 7 Stunden mit sich, so dast die Berliner Banken unb Zeitungen die Londoner Börsennachrichten stet« erst am andern Morgen hatten bzw. verwerten konnten, während Pari«, das direkt durch Kabel mit London verbunden Var, demgegenüber einen Vorsprung von 2? Standen hatte. Diese Tatsache nutzte ter spätere Begründer teS weltberühmten Bureau Reuter, der übriaen« au« Kassel gebürtig war. zu feinem ersten Geschäft mit Aachrichtcn au« ßr verbündete sich mit einem Aachener Brief- taubenzuchter und verschickte die Aachrichten zwischen Aachen unb Brüssel burch Brieftauben welche für diese Strecke nur eine Stunde brauchen. Die dadurch erzielte Zeitersparnis von 5 bi« 6 Stunden ermöglichte e« ihm, die so wichtigen Londoner Börsen nachrichten an die interessierten berliner Zeitungen und Banken zu verkaufen. Später, als auch zwischen Drü'fel und Aachen eine 2>kgrabfrenlinie gebaut wurde, reifte er mit emem Wohnwagen und seinen Brieftauben im gleufren Tempo mit. wie ter Bau der Telegraphen lime vorwärtsschrrtt. bi« eine« Tage« die Jude geschloffen war und Acuter sich eine neue Erwerbsquelle suchen muhte Mit bem ifrm eigenen Instinkt für neue Möglichkeiten ging er mub London, wo er ein neue« Tätigkeitsfeld barm fand, dah er Vachrichten, welch? bi« dahin J<te Zeitung mit ihrem eigenen Apparat beschaffen muhte für eine größere Anzahl von Blättern gleichartig verm riefte, was ja besannt- lich daS Wesen ter Vachrichtenbureaus ausmacht.


