Ausgabe 
30.7.1928
 
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Girtzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Nr. 177 Dritter Blatt

Montag, 50. Juli (928

Paß Politik.

Don Arthur Zmarzly.

jn bcn kfetcn 3afrrtn sind di« 5d|c!n, di« d«, Person en verkehr über die tfren.?. i während des Xritflf* und in der erster Zeit nach bm Jtricge aus politischen Sicherheitsgründm ange­legt werden muhten, gelockert worden. De, 2wbau der Schranken, die den modernen Heilt- pcrfctn nod> einengen. vollzieht sich sehr lang- tam. Die vielfachen 'JUür.'k und Anrrgungc i können nur kchrittwclse erfüllt werden, denn gerade aus dem Gebiet« der Paß-Politik Ift es norwend g. an dem Grundsatz br: is egen - seitigkeit MQubaltcn Die politischen Be­ziehungen zwilchen den einzelnen Staaten, eben­so die nnrrschostlichen E-eaenkätze verhindern eine schnelle, erfolgreich« Arbeit. »» sind dabei ferner neben den allgemeinvoliti'ären. die sicherh'Ne- polizeiltchen und ardeitsmarltpolitischen Belang: au beachten, und cs ist oft schwierig, zwischen diesen st aatspvli tischen Forderungen und bcn Dünichen. die in einem tunlichst weitgeh-nden Abbau der Pad- und Frembenpvlizdvoi'Hnf. ten die notwendige Voraussetzung für die frei­heitliche Ausgestaltung des modernen Reisever­kehr» erblicken, den besten Ausgleich au finden.

Das Deutsche Reich steht in der ersten Reihe dersenigen Länder, die den internotio- nnlcn Reiseverkehr fördern Bei Beendigung des Krieges bestand tn Deutschland der Pah- und ^ichtvermerkzwang uneingeschränkt, d H für In­länder und Ausländer ganz allgemein beim Grenzübertrltt. für Ausländer darüber hinaus beim Aufenthalt im Reichsgebiet. Seitdem wurde de Lichtvermc» kzwang fhftemahfd) abgebaut, und zwar fiel 1921 dec Sinreisefichtvcrmcrk^wang für Reichsan gehörige, während 1922 der Aus- reifesichtvermer! für Personen mit Wohnsitz oder da. crnbem Aufenthalt Im Inland auf bestimmte Fälle eingesrhr nikt wurde. 3m 3ohre 1924 wurde dieser .jvang für Reichsange-örige ganz auf­gehoben und der Sichtvermerk nur noch von Ausländern bei der 6mreife nach Deutschland ncrlanat. Dom 3ahrc 1925 setzte dann eine neue Entwicklung in der deutfck^n Pah-Pvlitik ein, die daraus ausging, mit fremden Staaten Vereinbarungen über die Aush.'bang des Sichtvennerkzwanges zu treffen. Bis h:ute konnten mit 22 Staaten derartige Abkommen ge­schloffen werden, und zwar mit (tubei. Däne­mark. Danzig, der Dominikanischen Repu­blik. Ecuador. Finnland. Drostbritan- nien leinschl Kanada. Irland. Reusundland. Reuseeland. Südafrika. Süb-Rhodesicnf. Haiti Island. Japan, Jugoslawien, Lettland. Luxemburg, den Riederlanden. Ricaragua, Rvrwegen. der Schweiz unb der Tsche­choslowakei Deutschland ift bereit, dielen Weg sortAuletzen. 3n der lebten >Zeit machen sich aber Im Auslande und auch in Deutschland Be­strebungen geltend, den Pahzwang über­haupt abzuschaffen. weil er den freien Fluß des Verkehrs behindert und die freund- Ichastlichen Reisen von Land zu Land erschwert. Sief er Ansicht kann man nicht beipflichten, da eine Reihe beachtlicher Gründe dagegen sprechen und der Pastzwana an sich den Reiseverkehr durchaus nicht zu bc.innen braucht: nicht der Pay. sondern das Bisum trägt die Be­hinderung in den Reiseverkehr hinein, uns es kann sich nur darum handeln, das Difum allge- mein obzuschassen.

3cber Reisende, der ein sremdeS Land be­sucht. sei es zu geschäftlichen Zwecken ober zum 1 ergangen imb Ötubtum. dient der Wirt­schaft des Gastlandes. Es besteht kein einleuchtender Grund mehr, warum die Erlan­gung eines Sichtvermerks für einen achtbaren Ausländer mit Schwierigkeiten verknüpft fein muh. die nicht nur ost viel 3cit kosten, lonbcni auch Aerger und Derftimmung hervoirufen. liefet Zwang sollte mindestens in jedem Londe f n leicht a l s möglich gemacht werden. Die Staaten, die noch am Bisum fest­halten. stützen sich aus das Argument, daft den­jenigen Leuten die Einreise erschwert oder un­möglich gemacht werden soll, die ins Land kom­men. um Unruhen und Revolution anzuzettcln Dieser Sinwand erscheint bei den m Europa herrschenden politischen BerhSltnissen verftändlich.

Der Sichtvennerlztoang unterbinde den Massen- besuch derartige. Elemente, er versperrt aber die Einreise politischer Agenten nicht all­gemein Es bwbelt sich dabei höchstens um in einigen europäischen Länder arbeitenden Fäl- fcherwx-rkstätt-Tn fltlic.t Pässe und Sichtvrrmcikr in »temUch großem Umfange aus und <inb tcch- nifch lehr gut .'regetultet. Der Schutz, den P.ft und Visum i't di.-ser Richtung Hi t nnräbten. ist nicht allzu bedeutend und vermag höchstens dae Sicherheitsgefühl der kleinrren Staaten zu stützen, ohne seinen 3weck nun auch titfächl'ch zu er­reichen 3mmerhin. der Einwand i't stichhaltig Es fragt sich nur. ob d:r vermeintliche Schuy den Schaden des Reiseverkehrs, bei eine wirtschaftlich' Angelegenheit darstelli. auf- wiegt, und ob die AilS-ührungr.-iethoben nicht freier und beweglicher gehandhabt wer­den könnten.

Der Disumzwang besitzt heute mit noch im Verkehr mit einigen Staaten eine gewiste Be­rechtigung. Dagegen must man die Abschaffung der'se als undurchführbar, ja sogar als un­angebracht bezeichnen. Kein Staat kann sich des Rechts begehen. diesem od.r jenem Ausländer die Einreiseerlaubnis au verweigern. cks gibt Leute, die für ihr Geschäft ober zu ihren Ver­gnügen reifen und wieder andere, die sich in einem sremden Lande niederlassen wollen. Selbstverständlich wird jede Regierung über die letzte Kategorie von Ausländern weit mehr wissen wollen als über Bergnügungs- und ®c- lchästsreisende. 3n den letzten 3ahren haben insbesonbere die Vereinigten Staaten in dieser Richtung weitgehend? Spezialarbcrt ge­leistet. Der sich als Ansiedler in der Union niederzulassen wünscht, muy sich zunächst vor einem amerikanische Konsulat einer aussühr- lichen Prüfung unterziehen, bevor man ihm die Fahrt nach tem Lande seiner QDabl erlaubt. Für die anderen Staaten kommen andere Ge­sichtspunkte in Betracht, die aber nicht minder schwerwiegend sind. G? ist ferner angeregt wor­den. die Schwierigkeiten, die der Abschaffung der Bisa entgegenstehen. durch die Ausgabe eine» internationalen Paffes zu umgehen. Dieser Vorschlag ist theoretisch gut. praktisch aber nicht durchzusühren. da er. anstatt daS Pastwcsen verwaltungstechnisch $u verein­fachen. dieses ungeheuer kompliziert und keine Regierung sich gern mit einem internatio­nalen Paßsystem abfinben dürste. Vielleicht liehe sich aber ein internationaler Paß für Gelehrte.

Journalisten und Studenten einsühren. einen in­ternationalen Slud enpah. der vom Standpunkte der gefunden Bölkeroerftändtgung aus gdefrer. flut? Wirkungen ausüben könnte Die Abfchaf- fung der Päste würde aber auch die Reifenden fefbft fdnivr treffen, b.nn der Paft ist ein sehr nützliches AuSweiSpaprer. das jedem Resi.-nben m Auslände gute Dienste leisten kann.

Anders verhält es sich natürlich mit den Fragen, btc mit dem Pastzwing in Verbindung steh n Hier ist noch viel intern-sionale Arbeit zu leisten um dem Reil «verkehr Erleichterungen zu Pcddxitkn Tie Beftrebungrn werden sich vor­nehmlich nach zwei Richtungen hin bewegen müllen Schnelle Erledigung b e r An­träge und Höflichkeit bei her Paft- Prüfung a n den Grenzen Die Reifenden, d.e mit ordnungsmässig ausgestellten Pässen herein'vininen. sind Gäste des Landes. Ohne einer übertriebenen Höflichkeit bas Dort zu reden, ist von allen Staaten zu verlangen, dast die Pahnachschau ohne gröbere Belästigung des Reifenden erfolgt. Bei der Gebührenfrage könnten fich viel« Länder an Deutschland ein Beispiel nehmen. bae vom 1. Juli ab drei Reichsmark Gebühren für einen Paft mit fünf­jähriger Geltungsdauer erhebt

Dagegen erfcheint dis Frembenpvlizei- wefen in Deutschland stark verhdsirungSbebürl- ttg. Für den Zuzug und Ausenthalt von Aus­ländern gelten in erster Linie die landeS- rechtlichen Vorschriften. Diese Borschristen weichen in den einzelnen Ländern erheblich von­einander ab. so bah ev selbst bem Fachmann schwer sällt. sich in bi dem Labyrinth zurechtzu- sinden. Arn unangenehmften wirken hier wohl die unterschiedlichen Gebührensätze für die Aufenthaltserlaubnis, die zum Teil 50 Mark und mehr betragen. TS wäre dringend zu wünschen, dah die Richtlinien, die bri den Juni- Verhandlungen zwischen Bertretern der Reichs­regierung und der deutschen Länder In Eisenach über daS Paftwesen. das Aremdenpvl'^eiwescn und der deutschen Länder in Eisenach über das Paswesen. das Fremdenpolizelwcsen und bas Melbewesen ausgestellt wurden, recht halb auch durchgeführt werben. Die grosten Ver­kehrsmittel. die das Tempo und die Ausbeh- ninig bes Reise- und DirtschastSverkehrs be­stimmen. Eisenbahn. Auto. Schisfahrt imb Flug­zeug. verlangen eine freiere unb beweglichere Fremdenverkehrspolitik, die nebenbei, aber nicht zuletzt das gegenseitige Verstehen der Dölk^r wesentlich erleichtern kaim.

Sie spanische Sprache der Zigarrenkiste.

Das unsterbliche(S,otorabo claro". Bunte Bildchen erfreuen des Tauchers Herz. -Das Publikum will es fo'.

Don Walter Gersky.

Der in den Straften Gelegenheit hat, die ver­schiedenen Schaufenslerdekorationen miteinander zu vergleichen, muh mit Genugtuung feststellen, dah die Auslagen immer geichmackvoller und künstlerischer werden. Bor den Schaufenstern der Zigarrenläben scheint jedoch die sonst so beliebte neue Sachlichkeit" Halt gemacht zu haben, denn die pompvS-farbige. oft überladene, manchmal auch kitschige Ausmachung der Zigarrenkiste hat alle Wandlungen der Zeit überdauert. Die ein­zige Aenderung. die sich hier vollzogen hat, zeigt sich lediglich In dem Bestreben, den Zigarren» sorten deutsche Bezeichnungen zu geben. Die spa­nischen Ramen. die ehedem auf den Zigarrenkisten prangten, find heute feltener geworden. Die Mode, den einzelnen Zigarrenforten erotische Ra­inen und auch den einzelnen Qualitäten, hell dunkel, mild usw. die entsprechenden spanischen Benennungen Colorado claro. oscuro. maduro zu geben, stammte noch au» der Zeit, als die Zigarren aus den spanischen Besitzungen in Amerika nach Europa kamen, und sie konnte sich am Leben erhalten, solange es beliebt war. auch für Znlandfabrllate ausländische Bezeichnungen als zugkräfllge Rellame zu benutzen. Eine Reihe von Zigarrensorien man zählt heute deren In Deutschland nicht weniger als 10 000 hat ihre Aufmachung von ehedem beibehallen. An­

dere find ein Stück mit der neuen Zeit gegangen- der ..Toreador" von gestern hat sich In einen Glierkämpser" verwandelt! man fleht berühmte Perfönl-ichkeilen aus Zigarrenkisten abtonterfeit; daneben gibt es aber immer noch die edlen 3ung- frauen mit wallenden Haaren, die verträumt auf einem Brunnen fitzen, neben ihnen den ebenfalls lockenumwallten 3üngling mit der Laut« im Arm, kühne Ritter auf gepanzerten Rossen und ähn­liche Allegorien. Meist fällt es dem Beschauer schwer, einen Zusammenhang zwischen dem Re­klamebild und der War« zu erkennen, denn den ätherischen, schlanken Damen, bi« in ariechischen Gewändern sehnsüchtig auf ein unwahrscheinlich blaues Meer hinausstarren, ist es kaum zuau- traucn, dast sic den edlen Schwung ihres Mundes mit einer dicken Brasilzigarrc verunzier«" wer­den. Auch die Alldeutschen Zechkumpane, die sich auf solchen Bildern befinden, kann man sich nur schwer mit einer Zigarre oder einer Zigarette vorstellen. Bielfach smd alle dies« Bilder noch mit unzähligen goldenen unb silbernen Medaillen versehen, so dast man glauben must, die betref- sendc Zigarrenmarke sei auf allen möglichen Weltausstellungen prämiiert. Auch diese Medail­len sind lediglich zur Derzierung bestimmt: sie er- innem an bic edlen Vorbilder der betrtffenbcn Sorte, die braunen Schwestern aus Havanna mit

den weltberühmten und von jedem Raucher mit Andacht unb Ehrfurcht ausgesprochen«!» Ramen. 3m Gegensatz «ur Z garette .st ja die Zigarre kein Markenariil.-i Der Raucher must schon sehr getpiegt und «rsahren sein, i.-ine Gdch nack- unb G< iuck^nervei iult äuficrfU verfe ncrt haben, um die Herl u ift eine* Zigarre zu erkennen ble Zigarren list« verrät sie nid)!

.Dir sell st haben immer triebet versucht, die Zaarrenaussta'.tung küntzlcr.lch tvr'.ooUer zu gefeiten, erklärt her leitende Direktor einer der größten deutschen Zigarrentadriken. .Ha­vanna-Genre" nennt der Fachmann b esc schrei­ende Ausmachung, bic wir bem Publik um gern abfleorbnen möchten Führende Firmen der To- bafinbufirie haben bekannten Graphikei-n Auf­träge zum Einwurf künstlerischer Zeichnungen gegeben, und es hat an schönen und brauch­baren Zeichnungen keineswegs gefehlt. Auch be­kannte Künstler Haden Borbildlichce gefchasfcn Wir hatten aber daS Publikum überschätzt denn wir hatten nicht geglaubt, daft ber grofttc Teil der Raucher in Deutschland so konservativ fei. Der Kunde, ber feine Zigarre leit 3abr»ebn!cn in demselben Ziaarrengcschäst kauft. Ist durch die Reuerungsverlum« nur irritiert worden und hat di« Ware in der neuen Aufmachung zurückgewie- ken. Deshalb dringen et;

Deutschland bestimmte Marken seit sünszlg Jah­ren in derselben Aufmachung heraus

3n ähnlichem Sinne äußert sich dar Tkrtrel« einer groben Fabrik, die sich ausschließlich mit der Herftcllung von Ausftattung-acgenftunben sür den Tabakhandel ftefatzk. .Unfcrr Kunbschajt lacht uns aus. wenn wir hypermoderne Muster einsühren wollen, unb leibst Reu. i

sür sehr zahm Kalten, zeigen sich untere Abnehmer skeptisch. 3m 3ahre 1^27 haben wir b e Aus­stattung für vier Millionen Zigarrcnkis.en ge­liefert. ohne dast es unS gelungen wäre, gninb- legende Reuerungen einzuführen Unb nicht ander» geht es den and.rcn 27 SKsialfabriken. die es in Deutschland gibt, und die ihren Sitz in Rheydt. Hanau. Leipzig, Bautzen. Detmold und Mannheim haben. Am revolutionärslen geht man wohl noch bei den Luruspackungen vor, trotzdem die Kiste aus Zcdcrnhiolz noch Immer die schönste Geschenkpackung ist. Einige Finnen haben in letzter Zeit inrrfucbt. Zigarrenbehällcr au» Steingut ober aus Glas einzuführen. Das find jedoch nur kostspielige Reuerungeri. Dagegen wird sich wohl die Blechpackung für Zigarren mehr und mehr cinbürg rn. Da sich ber Unball einer solchen Blechdv'e länger frisch hält."

Selbstverftändlich verteuert lupurlöse Qtui* rnachung die Zigarre, und die maftgebenden Per- fönlichkeiten der Tadakindustri« haben redit daran getan, als sie sich entfchlofsen. die Ausstattung der billigeren Zigarrenforten auf das notwenbigste Mast »d beschränke' Verteuert doch heute bi- Aufmachung eine Zigarre, die 15 Pscnnig lobet, um ungefähr zwei Mark für das T.

brungen haben fich viele eingefleifchte Rauiher. bic friibcr teure Marken bevorzugt baber.. zu einer billigen Zigarre entfchlieften muffen, unb es ist bezeichnend, das, eine grobe Ziaarrenfabrik monatlich anderthalb Millionen Ssiick einer Zwanzig-Psennig-Zigarre umsetzt. während bic teuren Marken vernachlässigt werden, ^.rvtz der wirtschaftlichen Rotlage hat bet Tabakkonsum in Deutschland in diesem 3ahre noch zugenoin- mcn. Während im Jahre 1927 in Deutschland b Milliarden Zigarren und 26 Milliarden Ziga­retten verbraucht wurden, schätzen mabgebt-nbe Persönlichkeiten ber Tabakindustrie den dies­jährigen Verbrauch in Deutschland auf ungefähr 7 Milliarden Zigarren und 33 Mil­liarden Zig arette n. Während ober der Zigarrentonfum In Deutschland impdähr erst wieder die Höh« erreicht hat. die er 1913 auswies, bat sich der Zigarettentonsum fast vcrfünf- sacht. Mit Recht glaubt sich die Tabakindustr.e für diesen Zuwachs bei ber Mode bedanke > zu müflen; denn die rauchend« Damenwelt soll ble?c Steigerung bewirkt baten. Auch bem Staat kann dieser Zuwachs an Rauchern nur recht sein, denn während er im 3afcre 1924 25 513 Million:.. Mark an Tabaksteuern einnabm slol en Ihm In demselben Zeitraum 1927/28 .91 Millionen Mark zu. Durch den Dawesvertraq sind bic Tabak­steuern zu Reparativnszwecken verpfändet wor­ben. und ein besonderer Kommissar wacht über

Möwe im Sturm.

von Sophie Rlotrfi.

27. Fortsetzung Nachdruck verboten.

.3a," tagt« sie langsam, wie erwachend. ..jetzt erkenne ich eie auch. Herr Mollnianr. Iu, nuf |o etwa» mutzte ich gesatzt fein. Aber bisher ift es immer noch uit mir vorübergcgongcn."

..Aber murum * Mutz dies fein?"

Zweiiuol setzt« sie an. als wollte sie mrechcu. doch w»is lagen? 3ji drei Worten lieft sich das nicht erledigen. Und überhaupt trotz feiner damaligen Hilfe er war doch ein Fremder

Es mutzte fein, Herr Kollrmmn. Bitte, fragen eie nicht weiter."

Fräulu," kam es fdjarf vom Büfett her.

..Di« Frau 3d)inoUcr. sie liebt es nicht, wenn wir mit den Gästen reden."

Eh« er ein Wort einwerfen konnte, war sie fort.

Aber seine Auqeu suchten sic unaufhörlich, folgten ihr aus jedem Tritt, und sein« Gedanken gingen schnell.

Die, durfte nicht uxitergeben. Und e» war un möglich, erst Ihrer Hoheit, Fran Schutze, zu be^ rid)tcn. Gleich mußte gehandelt werden. MoUmann stand auf, bezahlte und trat Maria in den Weg. die durch den Raum ging.

M sehe, daß hier fein Ort zu einer Ausiprache ist Aber ich werde Ihnen schreiben. Aus Wieder sehen, gnädiges Fräulein." Er zog ihre;')anb fast 9cgen ihren Willen ehrerbietig an die Lippen und ging.

..tiräuln," kam es wieder laut und heftig vom Büfett her.

Maria beeilte sich, wieder an ihre Pflicht zu ücden. aber sooft sic in Frau Schmollers ^alje kam, sah sic bic Augen der starken Hoch­landen Fn,u mit einem echässigen Ausdruck aus sich gerichtet und spurte dos Wetter, das im An» jug_ tour.

^ie mochte diese Frau nicht, di« so sittenstreng tat und die ihr doch gewiß nichts nachsagen konnte. Ein einjigtsmül hatte sie mit Godesheim einige Worte gewechselt und nun diese kurzen Sätze mit flolb mann, unb boch wuftte sie, bie bort wartete nur auf emo Gelegenheit. ..,r eine Szene zu machen.

Eine kleine etunbe svatcr kam ein Dienstmonn mit einem Brief. ..Für da» Fräulein von Erdmann»- dorsi" Er qob ihn an Frau SchmoUer ab.

Was lassen 6* sich denn .von' (dumpfen, fragte die und warf Tiana den Brief zu. Wie dem stolzen Mädckien bo j BUn in das Gesicht slog! Die Frau Schmoller lachte höhnisch.

Maria nahm den Brus, sah. baft . s nicht Heinz' Schriftzuge waren, dachte lolgcrichtia sogleich an Möllmann und trat aus bem Lokal hinaus in die Heine fllnltrfhibe. wo sie ibn öffnete.

Emr Hoheit müssen mir uergeben, menn ich ohne lange Worte solgenden Borfdilag unterbreite. Heute nbcnb neun Uhr vierzig geh' ber v Zug nach Berlin. Ich werbe zwei Plätze belegen lassen und i'rroortc Euer Hoheit nach Ihrer Bestimmung am Bahnhof oder mit Auto am Privatausgang ber Monbitorci. Die gnädige Frau Tante werde ich tele­phonisch von der Ankunst morgen früh verständi­gen. Wollen Hoheit dem Boten schriftlich ober mündlich eine kurze Antwort geben?

Eurer Hoheit ehrfurchtsvoll ergebener

Möllmann.*

Maria ritz einen ber Heinen Zettel ab, auf denen fic bcn Betrag der Gaste vermerkte, schrieb kurz darauf: ..Mit dem ehrlichsten Dank jur Ihre große Güte muß ich ablehnen, Moria" und rief den Dienst- mann.Wohin sollen Sie bic Antwort bringen?"

on bcn Bäurischen Hof. Da ift der Herr ab- gestiegen."

Gut, eilen Sie sich."

Sie wollte wieder hinaus in das Lokal, als Herr Schmoller, ber sich selten vorn sehen liefe, in die Stube trat.

eie mochte den stets nach dem Friseur ousscheii- den und nach ihm duftenden Mann noch weniger als feine Frau, er aber suchte ihr bei jeder Gelegenheit in den !^cg zu kommen

91 un, Fraulein, mal 'ne kleine Pause in der ar­beit? Wenn alle unsere Damen so pslichtgetreu wären" e

Ich mufe mich eilen, Herr Schmoller. bitte Denn er stand mitten cor ber Tür.

Leisten Sie mir boch erst noch Gesellschaft bei einem kleinen (Turajao. Sie sehen aus, als hätten Sie es nötig, wie?"

Ich trinke feinen Likör, Herr Schmoller "

Sehr töricht. Das gibt frische Kraft*

Fräul il Frau Schmoller stand hinter dem Manne in ber Tur

Also, bofe ich es sag' jo was ift mir doch noch nicht vorgekommen Mit ben Herren (charmu- zieren Briefe kricgeu während der Arbeit, Ant­worten jd?reiben Likör trinken"

Id) habe eben gejagt, daß ich dergleichen nicht anrühre."

Sieh mal ou. Aber menn man mit den feinen Herrn ausgeht, bann tnntt man da» gan, gern, was? Na. die bösen Augen braudjen o mir nicht au machen, ich weiß schon Bescheid. So eine, bic aus- sieht, als könnt' s' fein Wäjserlein trüben, jo eine mit mein einen' Manu anbmbcn, was' Das tonnt' In paffen." Herr edjmoUrr batte jich still beiseite gc drücktWollen sich hier wohl warm reinjetzcn, was? Ist nicht so leicht, ich lass' mich nicht jortschieben, das lag" ich grab raus. Äon soner windigen Tc:'rn, wo Mronen in den Hemdern hat und den Mops trägt wie ne Prinzessin so eine, wo man nicht weife, wo sie sich das Zeug zusammenaeholt hat

..Frau Schmoller'" Maria» Augen waren dunkel vor Zorn.

Ich last' mir 'n Mund nicht verbieten Ich nicht. Und wenn ich merk', daß die cad)' nicht sauber ift, ruf' ich die Polizei Di« mag mal rcinidyou'n in die Korbe und Kasten."

Maria wandte sich wortlos zur zweiten Tür. ging hinaus ging die Treppen empor zum Kämmerchen hoch oben un Giebel unb begann ganz mechanisch ihre Sachen zu packen. Nur hier heraus. Nur hier heraus. Wie es ging, so muhte es gehen. Und wenn sie sich irgendwo im Bergschnee zur Ruhe betten tollte. Alles besser, als solcher Person auf Gnade und Ungnade ausgeliefert fein.

Sie halte nicht viel herausgenomnicn aus ihrem Roffcr. Hier im Haufe umgab man sich nur mit dem Nötigsten, unb doch hatte die Schnüfflerin in ihrer Wäsche gekramt unb auf ben Bürsten das goldene Monogramm gesehen. Unb glaubte

Der helle Zorn flog Maria in ben Adern Sie warf die Sachen hinein in den Koffer, wie fit fielen. Schnell, nur schnell.

Jemand klopfte, unb ehe sie noch antworten konnte, staub Herr Schmoller schon in ber Tür.

No, aber was fcU denn nun werden? Hat si Ihnen rausge kehrt, die Hexe? Das gilt nicht, Fräuln Maria* Er legte den Ton auf die erste Silbe.

Hier gilt mein Wort Sagen ©' nur, daß Sic mich ein bissel leiben können"

.Herr Schmoller! Aber sofort hinaus aus meiner Stube!"

Stab, immer stad mit die jungen Pferde Alle» In Ehren. Ein gutes Wörtel, unb Ich geh' heut noch hin und lass' un» aufbieten"

Ach, Sie find ja verrückt Sie sollten sich schämen, einem Mädchen noch solche häßlichen Redensarten zu sagen."

Wo ich es io ehrlich meine Die da unten ift ja gar nimmer meine Frnu Ist dos mal gewesen. Bor zehn Jahren. Dann hat f Dummheiten g macht, da find wir auseinander gegangen "

Da» ist mir vollkommen gleichgültig, Herr Schmoller."

Der liefe sich n chl stören.Das war in Regens­burg. Bor drei Jahren, wie ich hier In München aufgemacfil hab, ift ste wieder ongefommen. Ja. ja. hot ihre Erfahrungen gemacht Unb mit ben Buirtt- mamiells na, ich war auch nicht gut gefahren. D>e hübschen schamiusteren mit ben (flafien die häfe- lichen wollen geheiratet fein. Da nahm ich sie wieder. Aber an bic Mette hab ich mich nicht wieder fegen lassen."

Er machte ein« kleine Paos«. Maria antwortete nicht, sie hatte gor nicht recht zugehört

..Unb wie eie bei uns 'reinkommen sind, hab' ich gleich gemufet: Die. wenn die wollt' aho Jia?" Wieder eine Pause. Moria schloß eben bcn Hoffer. Sie. Fräuln Marie, ich hab' Moses unb bie Pro­pheten. Nicht zu knapp. Fragen Sie mal auf der Deutfchen Bank' Ich kann Ihnen was bieten. Das ift 'ne Goldgrube hier. In so'n fünf Jahren gehn wir nach Mudllal oder Leoni und kaufen uns Die feinste Billa"

Maria drückte bic Pelzmütze aus bic Flechten, sah sich noch einmal flüchtig im Zimmer um unb ging an ihm oarbei, die Treppe hinunter.

eit werden jemand finden, ber besser zu^hnen pafet, Herr Schmoller."

Wütend blickte ber Mann ihr nach Alle Monieren verlietzen ihn. Mit bem Fuße ttampfk er auf.So ein hochnäsiges Notz! vagosch. oerfluchte."--

Bon der Post aus hatte Maria Heinz Godrshelm im Atelier angerufen

(Fortsetzung folgt.)