Nr. l?l Erstes Blatt
178. Jahrgang
Montag. 30. Juli 1928
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dt. Fnedr Will». Gange. BerantwoNlich für Dohttk Dr. Fr Dilh Gange; für Feuilleton Dr H Thonot, Sr den übrigen Leu Ernst «umfchein; für den An- zergenteil Änrt fiiümann. sämtlich In (Biefjen
Bismarck nach 30 Fahren.
Zum 30. rodestage des ReichSgründers am 30 Juli 192«.
Don Dl Sdgar- Stei-n-Xubarch.
Dreist lg Iah« nach feinem Xoöc ist Bismarck von neuem ein Problem geworden. Wir kennen fern Wirken und Schäften au6 leinen
Gedanken und Erinnerungen“, deren letzter Dank», vielleicht der auftchlustreichste, nach dem Kriege ersten. Wir haben au« der Akten Publikation des Auswärtigen Amtes die Zusammenhänge kennen gelernt, die das Werk des Reichs- schöpsers als em unendlich seines Gespinst von Geistes- und Rervenarbeit zeigen, und noch manche posthume Veröffentlichung. Io die vor kurzem erschienenen Erinnerungen von BiSrnarcks langjädr.gcm Rechtsberater, Iustihrat Philipp, haben dieses und jene- Mosacksteinchen. diesen und jenen Färb en rupfen zu dem Bilde deS Menschen Bismarck beigetragen. Aber im ganzen glaubten wir ihn nun zu kennen und aus der Dynamik seines Wesens mit vollkommener Klarheit zu ersehen, wie er unter andern Verhältnissen und in einer änderest Epoche fein ungeheures Wollen und Können auf andere Zielsetzungen eingestellt haben würde.
Dennoch wird uns neuerdings immer öfter erzählt, dah unsere Auhenpolitck im Blsmarck- schen Sinne salsch se>, dah BiSmarck dies und jeneS getan, dies und jenes unterlassen haben würde, wellte er noch unter unS. GS wird ein neues „Problem" Bismarck konstruiert, da-einerseits von dem „Treuen - Diener - seines - Herrn“ - Mythos, andererseits von den Tatsachen Dis- marckscher Politik ausgeht. ohne ihre DorauS- fe Hungen ernzubeziehen. Die das tun, kennen den wirklichen Bismarck verteufelt schlecht. Strefemann hat vor Jahren bei einer Gedenk- seter deS Altreichskanzlers den Mann richtig gekennzeichnet, der im Augenblick deS Sieges, m Rikalsdurg, gegen die Erweiterung PreuhcnS auf Kosten SachsenS, gegen den glorreichen Einzug in Wien kämpft, weil er die Derständi- gung unter den deutschen Stämmen will, — der mit feinem König ringt und sich nicht scheut zu erzählen, dah ihn nach der Auseinandersetzung ein Weinte am pf befiel, — der seinem König erklärt, der beste Monarchist fei der. der den Mut bat, der Monarchie auf falschem Wege entgegenzutreien, — dem die Vergrößerung der preußischen Macht Im Bundesrat, der Titel deS deutschen Kaisers und all daS Aeuherliche gleichgültig ist gegenüber der graften Aufgabe und den Möglichkeiten einer seherisch und zugleich angstvoll überblickten Zukunft. Dieser selbe Bismarck hat als Staatsmann gegen nichts so sehr kämpsen müssen als gegen den Dorwurs der Grundsatzlosigkeit. gegen seine Bezeichnung alS Opportunist. Gr hat Eugen Richter einmal erwidert: „Konsequenz ist für unS Staatsmänner um so leichter, je weniger politische Gedanken jemand hat. Wenn er nur einen Hai. dann ist das Konsequenz". Ober bei anderer Gelegenheit: „Ich habe die Berechtigung, meine Meinung zu ändern, denn ich gehöre zu den fit Uten, die daraus Wert legen, mit der Z ei t ekwaS zu lernen, und ich habe mich niemals gescheut, eine Meinung zu ändern, wenn die Umstände mich nötigten".
Glaubt man wirklich, dah dieser klarblickende Staatsmann, bellen leiblich unb geistig gewaltiges Auge durch Menschen unb Dmge und Himer Dinge sah, 1928 bas gleiche oder auch nur e:was Analoges getan haben würbe wie 1868, 1878 ober zu itgenb einem anberen Zeitpunkt seiner Laufbahn? Das hteste ihm unterstellen, bast er noch heute Automobil unb Fernsprecher verleugnet, sich auf bie ausschließliche Benutzung seiner Kalesche ober seiner Botenläufer beschränkt haben würbe! 3eher, bet bie unendlich feinen unb imme- von der gegebenen Wirklichkeit ausgehenden Talen und Meinungen BiSmarcks zwar als bie Funktionen eines ungeheuren Form- gestallers, aber zugleich auch als ben Ausstich bes vollenbeisten Realismus erkennt, der muh diesen Bismarck 30 Jahre nach seinem Tote, tast 40 Jahre nach feinem Rücktritt, auch im Rahmen berGegebenheiten leben können, mit denen bie deutsche unb bie Weltpolitik feit dem Krieg und dem Zusammenbruch, feit der in krampfhaften Zuckungen werdenden Reuformung des Völkerzusammenlebens zu rechnen hat. MnD er wird ihn, sofern er nur ein bistchen nachschaffen de Phantasie mit der Erkenntnis der geistigen unb schöpferischen Kurve Dismarckfcher Politik per- binbet. weit eher in der Rolle etwa eines Hindenburg, dessen erhabene menschliche Gröhe doch in der gleichen Dorwelt und Gedankensphäre wurzelt, als in derjenigen eines verbohrten, nationalistischen Reaktionärs sehen, der lieber Reich und Dolk zerschellen lassen als auf gegebenen Tatsachen aufbauen und neue, letzten Endes doch weitergesteckte Entwicklungen zum Belten der Gesamtheit nützen würde. Ltrese- mann hat bei der erwähnten Gelegenheit von ihm gesagt: „Bismarck hat als bewußter Opvor- tunist im gegebenen Moment mit den gegebenen BundesgerÄlen versucht, bas für bas Da ter- lanb Beste unb am wenigsten Schädliche zu tun, unb deshalb gehört er allen Parteien und nicht einer einzigen". Fragen wir uns. wann der Degrift „Vaterland“ für ihn über Preußen hinaus zum Deutschen Reiche gewachsen ist, so zwingt sich der Analogieschluß auf, bah ein lebender Bismarck vielleicht heute schon mit seiner visionären Gestaltungskraft den Begriff der europäischen Gemeinschaft ftelisch gestaltet und mit chm in souveräner Derachtung der äußeren Form unb all bet billigen Schlagworte, bie an ihr
(Sine deutsche Demarche in Paris.
Diplomatische Behandlung des Auslieferungsbegehrens. - Botschafter von Hoesch am Quai d' Orsay. — Günstige Aussichten für eine Beilegung des Zweibrückener Zwischenfalls.
Pari», 28. Juli. (111.) Bon pariser amtlicher Stelle wird mllgelelU: Der deutsche Botschafter o. hoesch hatte heule früh in Abwesenheit des Mufjenminlfler« Briand mit dem Generalsekrelär de« Avhenmlnister«. S e r l h e l o I, eine Aussprache über den Zweibrückener Flaggenzwischenfall und seine Folgen. Diese Unterhaltung ergab, dah aus beiden Sellen der aufrichtige Wunsch und der gute Wille besteht, die Angetegenhcll im Geiste wechselseitigen Verständnisse« zu behandeln.
wie die Berliner „IHonlagspofl" zu berichten weist, sollen die pariser Besprechungen zwischen Botschafter hoesch und Unterstaatvsekretär Berthe- lok abschliestend dazu geführt haben, dah Botschafter o. hoesch an da« Auswärtige Amt habe mitteilen können, die mastgebenden politischen Stellen in pari» bedauerten da« rigorose Borgehen der Besahung«be- Hörden in der Mu«lieferung«frage. Die französische Regierung habe an da« Kommando de« belebten Gebietes, das den Antrag auf Auslieferung gestellt hatte, die Anweisung ergehen lassen, da, Äuslieserungsbegehren zurückzunehmen. — (Eine Bestätigung dieser Meldung der ,.Montag«post" war bisher nicht zu erlangen.
Wie die Telegraphen Union weiter erfährt, haben die zwischen Berthelot und o. hoesch in Pari« geführten Besprechungen über den Zweibrückener Flaggenzwischensall einen durchaus harmonischen Verlauf genommen Der Zwischenfall dürfte aus Grund dieser Besprechungen al« p r a k - tisch beigelegt betrachtet werden. Mit Befriedigung kann feftgefteBt werden, dah Frankreich sich nicht lediglch auf den formaljuristisch.n Sta 'tpunh gestellt hat, sondern auch die politische Gesamtlage berücksichtigt hat. Trotz des noch glimpflichen Ausgangs dieses Zwischenfalls unb trotz der offenfun« digen Bemühungen Briands, die angestrebte Der- ftändigungspoltik nicht zu Hintertreiben, muh bei dieser Gelegenheit nochmals und nachdrücklichst auf bie unheilvollen Folgen hmgewiesen werden, die sich immer wieder aus der Tatsache der Besetzung der Rheinlande ergeben tannen. Vielleicht wird man jetzt auch am Quai d'Orsay einzusehen beginnen, dast die Aufrechterhaltung der Besetzung nicht im Ein- klang steht mit der in Locarno e i n geleiteten Politik, die in wenigen Monaten auf ein dreijähriges Jubiläum zurückblicken kann.
Herriol besucht die Kölnerpressa.
pari«, 28. Juli. (WIv.) Der französische U n- kerrichlsminister herrioI wird sich am 1. August zum Besuch der pressa nach Köln begeben. Er trifft dort um 21.43 Uhr ein und nimmt an einem Abendessen teil, dah Ihm zu Ehren Oberbürgermeister Dr. Mbenaucr Im pressakurm gibt. Am Bormiltag de« nächsten Tage« wird er einige wohisahrlreinrichtungen besichtigen, mittag# ein Frühstück im Hotel Excelsior geben und nachmittag« die Besichtigung der pressa beginnen. Um 20 Uhr veranstaltet der Kölner Magistrat zu seinen Ehren ein Festesten. Am 3. August begibt sich herriol dann nach Königswinler, daraus nach Wiesbaden, von wo er die Rückreise nach Frankreich antreten wird.
Die radikalsozialistische.VolontK" vergle.cht die künftigen Besuche Herriots auf ber Pressa- Ausstellung in Köln unb Strefemann in Paris aus Anlab ber tinterzcichnung des Kriegs- ächtunzsvertrages. Dadurch, schreibt bas Blatt, sei erwiesen, bast bie Rheinlandvesetzung ter beul ch-franzö ifchen Freundschaft fein Hinder
nis bereite. Es fei begrühenswert. bast man sowohl in Berlin tote in Paris fr.c rheinische Frage als eine Angelegenheit betrachte, die nur durch Derban dl ungen zu lösen sei, nicht aber als cin Mittel zur Aufhetzung ber belben Rachbar- völler gegeneinander Man verstehe tovhl, bast H e r r i o t ber rheinischen Bevölkerung lieber fei alS ein anberer französischer Minister, abgetefren von Briand. Herriol verbante man die große Entspannung von 1924, bie Milderung beS Re?a- rations streite«. die Schäftung von sympathischen Beziehungen zwischen Frankreich unb Deutschland. Man kenne jenseits des Rheins den Mut, den Herrivt auf bringen muhte, um eine Politik zu beginnen, bie heute fo bedeutsame Fruchte gebracht habe. Deglückwünschen wir uns dazu, so schreibt bas Blatt, bah ber Quai d'Orsay unb bie Wilhelmstrahe bie Rheinlandfrage leidenschaftslos unb mit politischer Objektivität werben erörtern können. Aber bestehen wir barauf, bast sie es ohne Aufschub erörtern.
pariser Zriedensschalmeien.
Hcrriot und Painleve über bie Aufgabe Frankreichs im Dienste beb Friedens.
Paris, 30. 3uIL <WTB. Funffpruch.i 3n Lyon sand gestern eine Tagung der Kifen- dahner, bie Kriegsteilnehmer sind, statt, tinter- richtsminifter Heriot wohnte dem Festbankett bei unb hielt eine Ansprache, in ber er nach bem „Malin" auSsührte: „Wenn ich für ben Frieden gearbeitet habe, so deshalb, weil Frie
den ber leidenschaftliche Gedanke aller Franzosen ist. Unb wenn tote wünschen. bast Frankreich in feinem Augenblick entwaffnet fein darf, so deshalb, weil dies immer eine Ders uchung f ü r bie Länder wäre, bie neben s ich eine fchtoacheRa- t i o n erblicken. Wenn tote wollen, bast Frankreich stark unb toürbig bleibt, so beShold, well tote wftsen, dah eS ebensowenig wie in ber Vergangenheit auch in Zukunft provozieren wirb. Frankreich lut alles, was es kann, um ben Trieben in ber Welt zu organisieren, aber bie Organisation deS Soeben« muh mit Gebuld, Me thode unb Kaltblütigkeit verfolgt werben. Ich bin ber Ansicht, dah Frankreich berufen ist. diese organisatorische Rolle zu spielen unb bah wir, wenn wir mit allen unseren Kräften h erzu beitragen. Damit bie Gefallenen am besten ehren."
Kriegsmimfter Painlevö äuherte sich bei einem Turnfest in Saun über bie Ausgabe bes französischen HeereS. Er sagte: „Keine Kundgebung sei wichtiger als bie heutige und niemand finde etwas Austergewöhnliches Darin, wenn er ihr o'lS Kricg«mTnifter präsidiere, da das fran- zösische Heer eine im Dienste De« Frieden« organisierte Macht ist. Sie fei bestimmt. Da« Ideal PoScal« zu verwirkUchen, der. um Die Konflikte zwischen ber Gerechtigkeit unb Der Gewalt zu lösen, wünschte. Dast die Gerechtigkeit stark und die Gewalt ge - recht sei."
Die Heimreise der MileMedilwn.
Ein Interview mit Nobile unb Eeccioni.
Kopenhagen, 29. 3ulL (MB.) Der italienische Gesandte Gras Bio la, der Italienische Presseattache S 11 o e fl r a und ein Bertrcter der tschechoslowakischen Gesandtschaft fuhren gestern abend mit der Fähre nach Malmö, um General M o - b U e und die anderen geretteten Mitglieder der „3talia“Expeblsion abzuholen. Gleich nach der Ankunft der Fähre in Malmö wurde der Waggon mit den (Bereiteten an Bord rangiert Mobile stand am Fenster und sah lächelnd auf die Menschenmenge, die Ihn interessiert beobachtete. 3n einem Interview an Lord der Fähre erklärte Mobile, er sei froh, sich jetzt auf dem Heimweg zu befinden. Mährend der Reife habe er aus Rom keine Direktiven erhalten, und wenn er sich über Einzelheiten nicht auslassen wolle, so geschehe dies deswegen, weil er al« Offizier zuerst in Rom Bericht zu erstatten habe. Seine physische Müdigkeit sei nun überstanden; allerdings fügte er sich dauernd etwa» niedergeschlagen, doch sei es nur eine Frage der Feit, wann er vollständig wieder- hergeslelll sein werde. Er habe sich über da« Verständnis gefreut, mit dem ihn die Schweden ausgenommen hätten. Auster Mobile kamen sieben Italiener, der ftchechoslowakische Erpcdition»- teilnehmer Professor Vehounek und beiten Schwester nach Kopenhagen, ferner ein Teil der italienischen Schifssbesatzung. Der italienische Gesandte Graf Biota erklärte, Zappt sei zusammen mit dem schwedischen Fliegerhauptmann Lund- borg nach Stockholm gereift, um Frau Maimgreen eine Darstellung der Wanderung mit Maimgreen über das Els zu geben. Zappi wird bann am Sonntag früh ebenfalls in Kopen
hagen eintreffen. Mach feiner Ankunft werden die Italiener die Reife nach Rom fortsetzen. Lecci- o n 1, dessen rechtes Bein bandagiert war und der sich nur mit Hilfe seiner Krücken bewegen konnte, erhärte, er sei sehr froh gewesen, al» er Lundborg auf dem Life habe landen fehen. Er habe e« sehr natürlich gesunden, dast Mobile a I • er fier geredet wurde, da dieser am schlimmsten gelitten habe. Gleichwohl hätte Mobile einen plan entworfen, nach dem Leccioni al« erster hätte gerettet werden sollen.
Mobile in Kopenhagen.
Kopenhagen. 29. Juli. ($.•!!) Die Malmö» Fähre mit Robile unD seinen Begleitern an Borb traf am Samstagabend pünktlich um */jl2 tifor am Kai bes hiesigen Freihafen« ein. Die Polizei halte eine scharfe Absperrung vorgenommen, so bast auher ben Mitgllebcrn ber italienischen unb tlchechoslowakifchen Geiandt- schast nur die Vertreter ber in- unb ausländischen Presse sowie die Photographen ben Van- dungSplay unb die Fähre betreten durften. Etwa 15 Minuten vor 12. nachdem alle übrigen Reifenden bie Fähre verlassen hatten, erschien ber Geistliche der „Gitta bi Milano" unb hinter ihm Robile am Arm be« italienischen Gesandten. Robile stützte sich hinkend aus einen Stock und machte einen ziemlich ermatteten, nervösen Eindruck. Gegenüber den anwesenden Italienern, die ihn lebhaft begrüßten, erschien ein starres, gespanntes Lächeln auf seinem Gesicht. Rach Rooile betrat Eeccioni auf Krücken, das eisgraue buschige Haar unbedeckt, den Landungssteg. Sein Bein hing bandagiert herab, doch zeigte er mit der Zigarre im Munde eine ruhige Haftung. Die übrigen Italiener, wie aud> Prof. Dehounek, waren über Erwarten frisch und schienen chch bereits verhältnismästig gut erholt zu haben, tim 11,50 tihr setzte sich die Automobilreche in Bewegung. Robile
haften, feinem Daterlandsgesühl unter Rutzung dieser neuen Möglichkeiten Geftung zu schäften gewustt hätte.
Das Erz einer wahrhaft grohen Gestalt erstarrt niemals in endgültiger Form, sondern bleibt stets schmelzbereit in der Glut seines grohen Gedankens, um neue Formen anzunehmen.
Abwendung der Streikgesahr im Saargebiet
Saarbrücken, 29. Juli. (WB) Die Streif» gefahr im saarländischen Bergbau ist nunmehr ab- gewendet. Durch bie 3 e r m 1111 u n g der Regierungskommission ichlug die Berg» Verwaltung vor. vorläufig keine Erhöhung der Löhne eintreten zu lasten, da dies die jetzige Lage des Kohlenmarktes nicht zulasse. Sie ist jedoch auf der anderen Seite bereit, Vorschläge, welche die Organisationsoertreter eventuell zu unterbreiten wünschen und welche keine wesentliche Erhöhung der Lohnausgaben mit sich bringen würden. zu prüfen. Die Beraoerwoltunq erklärte sich bereit, wieder mit den Organisationen über die Lohnjragc im Geiste Des btiberjeitigen Entgegenkommen» zu verhandeln, wenn die wirtschaft
liche Sage ber Bergoerwaltung eine tatsächliche Verbesserung aufweifen wird. Die Bcraverwaltunc, brachte weiter zum Ausdruck, sie wültzchc. ebenso wie im Jahre 1927, die durch Zusammenwirken aller Beteiligten erlangte äeiftungs- erhöhung anzuertennen und axrrbe demzuiolge. wenn bie jetzige Leistung bis dahin aufrechterhalten bleibt, am Ende des Jahres den Arbeitern dieselbe auherordentliche Zulage wie im letzten Dezember verteilen. Die Regierungskommission be« schlaft mit Rücksicht auf den durch die heutigen Feierschichten entftanDenen Lohnausfall, den Bergarbeitern ausnahmsweise eine einmalige Beihilfe von hundert Franken zu zahlen. Die beteiligten BergarbeiterorganHationcn haben nach eingehender Prüfung der Gesomtlage dem Ergebnis der Verhandlungen zugestimmt.
Bela Kun wirb abgeschoben,
von Wien überLwinemünde nach Leningrad
Dien, 28.3uIL lTti.) D» ..Stunde“ berichtet: „Die Abschiebung des ungarischen Korn* munistenführers Bela Kun ist gestern nacht vollzogen worden tim 8 tihr abends wurde Be^a Kun gestern vom Dekan g«nenhauS des Landcs- gerichts in das GefängncS der Poftzeidireftisn auf der Gsisadech-PrvmeTtade in einem geschlosse
nen Auto übergeführt. Don dort wurde a un* milteibar vor Abgang de« Zuges um 9.45 tihr ebenfalls in geschloffenem Wagen zum Westbahn- hol gebrach!. Don zwei Kriminalbeamten be- gleitet. dulchichrftt Bela Kun im Eilschritt Die Dorhalle des WestbahnhosS und stteg in ein Abteil zweiter Klaffe ein. Die Wiener Polizet- Dtreftion und Die reich«deutschen Behörden befürchten Ztoftchensälle. Aus diesem Grunde blieb Die Rachricht von Der 2Tbreife Dela Kun« unbekannt. Der Abtransport erfolgte nach StDinemünbe, von wo Bela Kun heuleabcnd an Bord des Sowjet da mpferS „Herzen" d.e Fahrt nach Leningrad antceten soll. — Dela Kun war bekanntlich zu einer Arreststrafe von drei Monaten verurteilt worden, von denen zwei Monate als durch Die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurde. Die einmonatige Haft toar gestern abgelaufen. Da daS Gericht auch feire Aus to eifung aus Oefterreich verfügt ha.te. so wurde et von der W.e.rer Polizei noch gestern abertd mü dem vom Ostbahn Hof abgehenden Schnellzug nach Cun Den bürg trans- port.ert und Dort tschechoslowakischen Polizer- beamten übergeben, die ihn heute früh in Oderberg Den deutschen Behörden aus^iefetten. Der Transport Bc.'a Kuns ist ohne jeden Zwischenfall vor sich gegangen.


