Ur. 125 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)
Mittwoch, 30. Mat 1928
Oberhessen.
Laur . S «ietzcn.
OO»(ein'2inben,29. Mai. An den Wingfh feiertagen unternahmen di- hiesigen beiden eoangel, schen Jugendoereinigungen Fahrten nach Darm» und dem Odenwald. Während der Samstag und Sonntag der Besichtigung der otten Lutherstadt Worms und dem Besuch der dortigen Jugendoeretnigungen gewidmet war, wurde am zwei- (en Feiertag im Verein mit der Wormser Jugend eine Wanderung nach Bensheim, Auerbach, Auer- bacher Schloß, Melibokus und Zwingenberg unternommen. Den Teilnehmern, rund 50 an der Zahl, werden die auf der Fahri gewonnenen Eindrücke un- vergeßlich bleiben
i-, Steinbach. 29. Mai. Der Landwirt und langjährige Holzhauermeister In der Fürst!. Obersörsterci Sich, Heinrich Kehler I. und seine Ehefrau feiern am 1. 3uni daS seltene Fest der diamantenen Hochzeit. DaS Jubelpaar steht im 86. bzw. 81. Lebensjahre und erfreut sich noch recht guter Gesundheit. Zu dem Familienkreis zählen neun Kinder und 19 Enkel, wovon aber bereit« zwei Kinder und fünf Enkel verstorben sind.
T Kloster ArnSburg. 29. Mai. Noch selten hat das Jahresfest des evangelischen RettungshauseS in ArnSburg so diele Besucher nufzuweisen gehabt als in diesem Jahre. Dielleicht 2000 Personen mögen es gewesen fein, die dem Gottesdienst in den Klostermaucrn beigewohnt haben. Der Posaunenchor von Holzheim mit seinem Leiter Engel hatte die Begleitung der Gemeindegesünge übernommen. AlS Redner waren Pfarrer D. Leible au« Leipzig und Pfarrer GI ock auS Mainz gewonnen worden. Auch die Familien des Fürstlichen Hauses von SolmS-Hohensolm«-Lich und Oberkirchenrat Wagner. der Superintendent für Oberhessen, wohnten der Feier bei. Mit einem Posaunennachspicl de« Posaunenchors von Holzheim über eine Phantasie von DiktorKahl schloß die Hauptseier. Rach kurzer Kasseepause sand v>r der Klofterkapclle die Rachversamm- (unfl, in der Pfarrer Lenz von Giefeen und Pfarrer D. Leible von Leipzig Ansprachen hielten, statt.
Kreis Büdingen.
M Bindsachsen. 29.Mai. Diese Woche verläht Lehrer KnauS unsere Gemeinde, um nach seinem neuen Wirkungsort Lindheim über- zusiebeln. Zwölf Jahre hat er in unserer Gemeinde gestanden und hat an dem Leben und Wohlergehen der Gemeinde vollen Anteil genommen. Tatkräftig unterstützte er den Turn- und Gesangverein, sowie die hiesige Bezugs- und Absatzgenossenschast. bei letzterer er lange Rechner und zuletzt Direktor war.
Kreis Schotten.
□ Laubach. 29. Mai. Am ersten Pftngst- feiertag sand in würdiger Weise die Einweihung des Ehrenmals für die Gefallenen des Weltkriegs statt. Hm 2 Hhr stellte sich unter Dorantritt der Laubacher Musikkapelle (Dirigent Diehl) am Denkmal des deutsch- französischen Kriegs ein stattlicher F e st z u g auf. Auch aus der Hmgegend waren zahlreiche Teilnehmer an der Feier gekommen. An die 2pi?e traten die Schüler der Realschule und der Stadtschulen. Dann folgten der Gemeinberat. der Kriegerverein und die anderen Vereine. Unter den Klängen der gutgeschulten Musikkapelle bewegte sich der Festzug zum neuen Denkmal an der .Unlerpforte" auf dec Westseite deS Schloß- aartenS. Rach Ankunft beim Denkmal trug die Kapelle vorerst das .Riederländische Dankgebet"' vor. Hierauf trug Kriegsteilnehmer Apotheker Bohn in wirkungsvoller Weise die Dichtung vor: „5em im Osten, da gähnt ein Grab". Dann sangen die beiden Gesangvereine „Eintracht" und -Harmonie" (vereinigt unter dem Dirigenten Reallehrer Haas): .Morgenrot". Die Vereine fanden Gelegenheit, hierbei ihre gesangliche
Fähigkeiten vortcllhaft hervortreten zu lassen. Ebenso wirkungsvoll war der folgende Gesang der Gluckschen Hymne durch den vereinigten Chor der Laubacher Schulen, den Lehrer G a u b leitete. Hierauf folgte die Weiherede von Dekan D o l p. Der Redner führte in geistvoller Weise aus. dafe das Monument ein Denkmal des Dankes, der Ehre und der Hoffnung -sei. Als die Hülle gefallen war. sang die Versammlung nach der Melodie .Befiehl du deine Wege' das Lied: .Wir danken unseren Söhnen". Dann übernahm Bürgermeister Böhm mit warmen Worten deS Dankes das Denkmal in die Obhut der Stadt. (Der Schöpser des Werkes. Bildhauer Arnold aus Beuern, war am Erscheinen verhindert.) Das Denkmal, umgeben von einer Mauer quadratischer Form, zeigt in der Mitte aus einem Sockel die überlebensgrohe Gestalt eines Krieger« in Feldausrüstung. Aus der Um- fassungsmauer ragen zwöll Pfeiler empor. Sie sind bedeckt von zwölf Dedcnkiaseln. auf denen, nach der zeitlichen Folge deS TodeS. die Hamen von je sechs der Gebliebenen stehen. Aach der Ansprache des Bürgermeisters fang der Schülerchor der Laubacher Schulen unter der Leitung des LehrerS Gaub: .Danket den Toten!" Hierauf trug in anerkennenswerter Weise Realschüler Wahl ein Gedicht vor. Sodann wurden unter Glockengeläute die Rainen der 72 gefallenen Söhne der Stadt durch Dekan D o l p verlesen. An die Verlesung schloß sich der Vortrag von: .Mahnruf an daS Vaterland" durch die Gesangvereine .Einttacht" und .Harmonie". Hierauf folgte eine Ansprache deS Vorsitzenden Stotz vom Kriegerverein. Sodann legten die verschiedenen Militärvereinigungen am Denkmal Kränze nieder. Rach einer Ehrensalve schloß der gemeinsame Gesang .Ich halt' einen Kameraden" die in allen Teilen wohlgelungene Feier stimmungsvoll ab.
□ Laubach. 29. Mai. Gestern abenb gab die hiesige Turngemeinde im großen Saale des .Solmser Hofes" eine Aufführung der breiaftigen Operette .Winzerliesel". die nach jeder Seite befriedigte. Die Regie hatte Bernhard Graf zu SolmS-Laubach. die musikalische Leitung Bibliothekar Bröckelmann. Die Orchesterbe- gleitung wurde von der Laubach?r Orchester-Vereinigung ausgesührt (Dirigent Ehr. Högel). Die Darsteller faßten ihre nicht leichte Aufgabe mit Geschick an und führten sie mit zulängltcher Kraft durch. Die Bühnenbilder erzielten eine gute Wirkung. Die Zuschauer spendeten reichen, wohlverdienten Beifall. Wiederholung am 3. Juni. Die Turngememde wird am 26. August ihr 80jähriges Stiftungsfest begehen. Die guten Leistungen der Vereinigung gehen auS der Tatsache hervor, daß nicht weniger als 26 Preise im Lause des vergangenen Jahres von Mitgliedern errungen wurden. Auch die Frauenriege hat sich sehr ausgezeichnet. Auf dem letzten Frauenturnen des Gaues errangen sämtliche sechs mitturnenden Mitglieder der Frauenriege Preise. Das diesjährige Gau-Frauenturnen wird mit dem 80jährigen Stiftungsfest verbunden werden. Richt weniger al« 40 0 Turnerinnen werden zu diesem Feste nach Laubach kommen.
)—( Ruppertsburg. 29. Mai. Der 69 Jahre alte Mllchfuhrmann Johannes Lein von hier geriet am Sonntagvvrmittog kurz vor Hungen unter das eine Hinterrad feines Wagens, wobei er einen Bruch der beiden Knochen des rechten Unterschenkels erlitt. Da die Pferde mit dem Wagen allein zur Molkerei kamen, vermutete man ein Hnglück. Man holte den Verunglückten und brachte ihn in das Krankenhaus nach Hungen, wo Dr. Schmidt die erste Hilfe leistete. — Gestern begann daS diesjährige PreiSschießen deS hiesigen Schühenvereins auf unserem schön gelegenen Schiehstande. DaS Schießen wird am Sonntag, dem 3. und am 17. Juni fortgesetzt. Wertvolle Preise kommen zur Verteilung.
Kreis -llsseld.
Z Dannenrod, 29. Mai. Bei herrlichem Pfingstwetter hielt der Kriegeroerein Dan-
Das Kaffenfräulein.
Don Elsa Mana Bud.
Ellen skhf an der Kasse neben ihrer Freundin Marianne und beide haben in dem Strom Frauen, der unablässig zwischen den Lebensmitteln hinflulet, ihnen Geld und Zettel auf den Tisch legt, immer nur zu kleinen Gesprächsbrocken Zeit. SS ist der wilde Lärm eines „billigen" TaaeS, in dem die Ruse von allen Seiten umschwirren. Worte machen sich loS und kommen selbständig an fremde Ohren: lächerliche, hastige, oft zänkische Worte. Worte über die nahen Dinge, über daS welk daliegen de Fleisch der Kälber, über die Gänse, die Würste, die Südfrüchte, die Preise, den Menschenandrang. Kaum weih Ellen, ob etwas zu ihr oder zu fremden Ohren gesprochen ist.
Sie kassiert, stempelt, bucht Wenig sieht sie auf. Hinter den Zahlen steht zurückgedämmt bas Erlebnis des Vorabends und bohrt an ihr herum.
In einer kurzen Pause hat sie es Marianne erzählen können. Die hat gesagt: „O Wehl Das sieht «us, alS wollte er dich loswerden. Ein Stelldichein ohne aufrichtigen Grund absagen —"
Ellen fühlt gedrückt die Bestätigung ihrer Bangigkeit. Hni) doch — wie lieb war er gewesen. Er hatte ganz andere Worte gebraucht als sonst die jungen Männer. Sr hatte ihr von feiner Mutter erzählt, „die mußt du bald kennen lernen, Sllen, fie will dich sehen —" und als sie sich wunderte, ..ja, dich muh sie kennen lernen, denn dich habe ich lieb, das ist keine Spielerei. —“
„Fräulein," kommt es über einen Kaufzettel hinweg, „bitte kann ich eine Mark schuldig bleiben? Ich muh den Hasen mitnehmen und habe nicht genug Geld hier. Ich komme in zwei Stunden bestimmt vorbei und bringe das Geld mit heran!"
Ellen wird rot, das wird sie immer, wenn man etwas von ihr verlangt. Marianne hat gehört und verneint energisch mit den Augen. Ellen schiebt den Zettel zurück und murmelt: „Das geht nicht."
„Ach bitte, tun Sie es. Sie lönnen sich auf mich verlassen!" Die Frau hat gute, etwas bekümmerte Augen.
„Ich muß es von meutern Privatgeld aus- legen,“ erwidert Sllen. Doch sie bucht schon und reicht den Zettel hin.
Die Frau dankt und verschwindet.
„Die Mark ist futsch," schill Marianne. „Ich habe es schon viermal erlebt. Rie ist eine von den Schwindlerinnen wiedergekommen."
„Ach ich denke, ich denke doch —" sagt Ellen in zuversichtlichem Ton.
Lange können sie nichts mehr reden. Die mittägliche Lärmhölle füllt sich mit neuen Geräuschen : Pausenzeichen schrillen, ein Konservenstapel stürzt rasselnd um, ein Kind brüllt. Satz- setzen gehen kaum gehört am Ohr vorbei. Plötzlich erfaßt Ellen einen Brocken: „— denke ja nicht dran, die haben Mankogelder —“
Das ist wie ein Ruck und Schlag.
Auch Marianne muß etwas gehört haben. Sie tuschelt vom Sitz herüber: „Die tommt so wieder wie dein Freund, paß auf —“
Eine Stunde ist vorbei. Ellen prüft Geld, bucht, gibt heraus: seelenlos und richtig. Die Maschine im Kopse tut ihre Präzisionsarbeit. Dazwischen sagt etwas semh'.n zwischen den Zahlen: Ich muß an das ®u:e glauben können. So leicht spricht doch niemand llnwahres! Lind Willy log gewiß nicht, wenn er sagte —“
„Wohin wollte er denn reifenT‘ fragt Marianne, als könnte fie Gedanken hören.
„Ich weiß es nicht. Ich konnte es nicht fragen, er hatte es so eilig. —"
Marianne kann über ihre Freundin nur den Kopf schütteln. Oft muß Ellen nach der Llhr sehen und etwas komisch Danges milcht sich in ihre Stimmung. Sollte ihr Sch'cksal solch Doppelspiel mit Doppelverlust vorhaben? War man nicht immer, immer in irgendwelchen Strömungen, von deren Gang man nur ein dumpfes Ahnen fbürte?
Run aber sind zwei Stunden redlich herum. Kein Abzwacken von Minuten ändert es. Marianne zeigt einmal mit dem Bleistift zum Zifferblatt: ein ganz, ganz klein wenig Rechthaberfreude schlängelt um den Mund. —
Wittagszeichen. Die Mark wird wohl verloren fein — Ellen starrt auf die Kolonnen und die Wünzfächer. Mechanisch nimmt und gibt fie Geld. Da schiebt sich etwas über die Münzen hin: eine rasche Hand. Es liegen ein paar *21 eilen quer über der offnen Kasse und eine eilige Frauenstimme sagt: „Zum Dank für das Vertrauen, mein Fräulein, und hier ist die Matt!"
Die Mark liegt auf dem Zahlbrett. Ellen strahlt wie eine dieser rosigen Dellen und kann kaum danken: schon ist die Frau verschwunden.
nenrod das auf Himmelfahrt vorgesehene, aber wegen des Kirchhainer Festzuges auf _öcn zwecken Pfmgftseiertag verschobene Preis-Scheiben- schießen ob. Aus dem wunderbar schön gelegenen Zchießflande auf der Tannenplatte am Waldcsrande wurde mck Wchrmannsbüchsen, von der Firma Peter Hilgert (Alsfeld) stammend, fleißig bei 90 Meter Entfernung auf Zwölfer-Scheibe geschoßen. Die Beteiligung, auch von auswärts, war gut. Die Preise bestanden in 17 schönen und praktischen Haushal- tungs- und Gevrcuchsgegenstanden, die auf die höchsten Ringzahlen (34 bi- 31) nach eigner Wahl ver geben wurden. Es erzielten 34 Ringe: L Prets Daniel Becker (Homberg), 2. Dilh. Paulus I. (Deckenbach), 3 Karl Fett (Homberg), 4. Jost Seibert (Homberg): bei 33 Ringen: 5. F. Seitz (Homberg), 6 Willi Wrcb (Deckenbach), 7. Morl K ohlhagc n (Homberg), 8. Paul Luc!) (Homberg), 9. Wilhelm Klein (Rieder Ofleiden), 10. K. Friedrich (Appenrod). Am 2lbcnb veranstaltete der Kriegeroerein noch ein gemütliches Beisammensein bei seinem Festwirt und Mitglied Heinrich H a n ö ft e i n III. dahier. — Das hiesige Kriegerdenkmal auf dem Fried- Hof wurde mit einer schönen Anlage von Zier- sträuchern und Blumen, die von der Gemeinde be
schafft wurden, versehen und auch der Friedhof durch Anpstanzung von Blaufichten verschönert.
Starkenburg.
WSR. Darmstadt. 29. Mai. Der Ehef der Firma E. Merck. Louis Merck, erlitt auf der Fahrt von Paris nach Darmstadt einen Autounfall. Cem Wagen stieß In der Röhe von Epemah mit einem belgischen Automobil zusammen, wobei der Fabrikant und seine im Wagen sitzende Tante ernste Verletzungen erlitten. Merck hat daS linke Schlüsselbein gebrochen und eine Rippenq uetschuna davon- getragen; feine Tante trug ebenfalls Rippenbrüche und Quetfchu n g e n davon Frau LouiS Merck, die auS dem Wagen geschleudert wurde, tarn ohne erhebliche Verletzungen davon. Der Ehaufseur erlitt einen Bluterguß. Die Verletzten wurden in die Klinik nach Epernatz gebracht, wo es ihnen den Mmftlnbcn entsprechend jetzt verhältnismäßig gut geht. Von den Insassen deS belgischen WagenS wurde niemand verletzt, dagegen wurden beide Wagen stark beschädigt.
Stirnen, Sport uni) Spiel.
Handball der O. T.
To. 1846 Gießen II — Burg-Gemünden 1 3:3.
Am zweiten Psingstfeieriag war die 2. Handballmannschaft des Tv. 1846 Gießen bei dem Tv. Burg-Gemünden zu Gast, um ein Freundschaftsspiel auSzutragen. Gießen trat nur mit zehn Mann an und mußte das auch biS zur Halbzeit durch drei Tore büßen. Zu dem Dorsprung der Platzmannschaft trug wesentlich die Kleinheit deS Platzes und das hohe Gras, in dem der Ball fast verschwand, bei. Erst in der zweiten Halbzeit, nach einer ilmftellung, fanden sich die Gießener bester zusammen und hatten auch bald den Ausgleich erzwungen. Zu einem Siege freilich langte es nicht mehr, da alle noch so gut gemeinten Angriffe an dem Tormann scheiterten, der einen äußerst glücklichen Tag hatte. Burg-Gemünden stellte eine sehr eifrige Mannschaft, die allerdings gegen Ende des Spieles in dem Maße abfiel, wie Gießen auffam. Der Schiedsrichter pfiff nicht selten daneben. und seine Entscheidungen durften wohl mit Recht von beiden Parteien stark ange- -weifelt werden.
Handball in Großen-Linden.
Tv. (Brofjen-Cinben 3gb. — Tv. heuchclhrim Jgd. 4:1 (1:1).
Tv. Grohen-Linden Jugend — Io. Jrantfurt a. 2R.- Sachsen Hausen 1857 Jugend 5:2 (2:1).
Tv. Grotzen-Linden Schuler — Mio. Gießen Schüler 0:5 (0:3).
Am 1. Feiertag hatte die Jgdm. Grvßen- Linden die Jgdm. des Tv. Heuchelheim zum Rückspiel. Hochelheim hatte feine Mannschaft durch den Tormann und LinkSaußen auS der 1. Mannschaft verstärkt. Rachdem das Spiel biS zur Halbzeit ausgeglichen war, konnte Grohen- Linden nach der Pause durch drei Prachttore des Mittelstürmers (2) und Halblinken (1) den Sieg sicherstellen.
Das für den 2. Feiertag angesetzte Werbespiol Grohen-Linden Jgd. gegen Frankfurt a. M- Sachsenhausen 1857 Jgd. war ein Werbespiel im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gäste stellten die technisch bessere Mannschaft, welche sich jedoch gegen die sehr eifrige und schnelle Platzmannschaft beugen muhte. Schiedsrichter Strack, Tv. 1846 Giehen. leitete einwandfrei.
Vorher verlor die neuausgestellte Schülermann- fchaft Grohen-Linden gegen die körperlich stärkeren Schüler des Mtv. Gießen nach obigem Resultat.
llm den olympischen Zußballsieg.
Bei herrlichstem Wetter wurden am Dienstag wei- tcrc Spiele des D11) in p l sch e n Fuhballtur- n i c r s ausgetragen. Im ersten Tressen des Tages konnten die Italiener knapp mit 4:3 (3:2) siegreich gegen Frankreich bleiben. Die Franzosen setzten ihren Gegnern einen unerwartet harten Widerstand entgegen und waren in der ersten Hälfte des Spiele» bereits mit 2:0 in Führung gegangen. Dann kam jedoch Italien auf und konnte nach einer ziemlich hart durchqefuhrten zweiten Spielhälfte knapp den Sieg an sich reiften. Von Portugal, das über Chile gesiegt hatte, erwartete man einen leichten Erfolg über Jugoslawien. Auf beiden Selten gab es ganz präch. tige Leistungen. Nur das Pech des jugoslawischen Torwarts gab den Aussckstag, haft der Sieg mit 2:1 (1:1) fiel.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
1900 Gießen (2. Bejirftliga) schlägt den Südwestsalenmeister Hagen 72 (1. Bezirksliga) 2:0 (2:0).
ö. Das große Psingstspielprogramm der Fufe- ballabteilung der Spielvereinigung 1900 Gießen wurde mustergültig darchgesührt. Don elf vorgesehenen Freundschaftstreffen wurden neun au6- getragen, nur zweimal lieh der Gegner die Blau- weißen im Stich. In allen Spielen zusammen erhielten die 1900er zwölf Tore, die Gegner zusammen vierzehn, also ein Beweis, daß die Paarungen immer gleichwertig waren. Gewonnen wurden vier Spiele, unentschieden endeten zwei und verloren wurden drei Spiele. Acht Begegnungen fanden auf dem Sportplatz an der Licbigshöhe statt, der infolgedessen an den beiden Festtagen von vormittags bis abends bevölkert war, wozu in erster Linie daS herrliche Psingftwetter beitrug.
Den größten Erfolg konnte die Ligamannfchaft deS Platzvereins an ihre Fahnen heften, die in einem schweren Ringen den „Südwestfalenmeister" Hagen 72 mit 2:0 Toren bezwang. Trotz der Riesenhitze, die ein Durchhalfen schier unmöglich erscheinen Liefe, wurde auf beiden Seifen unter Aufbietung aller Energie bis zur letzten Minute gekämpft. Reicher Beifall deS zahlreichen Publikums belohnte diese Glanzleistung.
Für die 1900er galt wieder einmal der alte Wahrspruch: „Mit der Stärke deS Gegners wächst auch die eigene Kraft!" Die Einheimischen hatten den verhinderten LinkSaußen durch eine Llm- und Reueinstellung vorzüglich ersetzt. Die Gäste hatten nach eigenen Angaben auch einen Ersatzmann Man muß ehelich gestehen, dah das
Marianne hat ein verblüfftes Gesicht. 6inen Augenblick später kneift sie die Augen und tuschelt: „Du, wenn die bloß nicht eine Gelegenheit benutzt hat. um tüchtig in deine Kasse zu greifen? Das kam so schnell mit den Blumen quer über die großen Scheine —"
Ellen häll die Rellen an ihr Gesicht und sagt leise: ..Ah nein —“ Aber sie fühlt jetzt mehr Schreck als Freude: hatte sie doch bei der rasch Hinübergreisenden Hand ein züngelndes Mißtrauen gespürt.
Der Dienst geht durch: erst am Abend kann sie ftststellen, ob die Kasse stimmt. Wie lang der Tag ist und wie schwer! lind niemand wird heule am Ausgang warten — dies bißchen Jugendsonne bürdt ihr unentbehrlich.
Mit der Ermüdung wächst die geheime Sorge. Wenn fünfzig Mark fehlen, ist der Urlaub hin. Dann wird sie auch die vierzehn Tage wirklicher Sonne nicht genießen können, dann schließt sich das Arbeitsdasein zu einer Gruft über ihr.
Endlich ist das Schlußzeichen da. Sie hat schon streckenweise ausgerechnet, jetzt beginnt das Zählen. Ein seines Zittern kriecht die Arme hinaus und bleibt im Racken sitzen.
Als fie dreimal gezählt hat. finken ihr die Hände. Sie ist ganz bleich. Marianne raffelt eben zufrieden mit ihren Kasfenschlüffeln. „Ra?" ruft fie herüber.
.. Fehlen zwanzig Mark," sagt Ellen ohne Stimme.
„Ich werde mal zählen," entscheidet die Kollegin. ilnb beginnt
„Aber es stimmt doch —" ruft sie schließlich froh.
Ellen kann sich aufatmend überzeugen. Jetzt duften die Rellen erst.
Sie kommt versonnen auf die abendliche Strafte hinaus. Etwas fehlt doch! brennt es in ihr.
Da schlüpft ein Arm in den ihren und eine Wange ’djmicgt sich zu der ihren hin. Willy — Heift schießt das Glück in Blüte. Und nun erfährt sie, dah die plötzliche Reise seinem Dor- wärtskommen galt, daß es ihm glückte. ... Die graue Straße ist den beiden erfüllt mit Hochzeitsklängen.
Expedition in das „Reich der Hunde".
Dor kurzem ist eine volkswirtschaftliche Kommission, die zugleich den Auftrag hatte, einen Kulturfilm, den ersten aus dem Leben der Kamfchatka-Eingeborenen zu drehen, von Kam-
schatka nach Moskau zurückgekehrt. „Sie Eingeborenen," so heiftf es in dem außerordentlich interessanten Bericht der Kommission, .nennen ihr Land daS Reich der Hunde. Denn die Hunde spielen in der Tat in dieser weltfremden Gegend eine überaus wichtige Rolle. Sie sind dort das einzige Verkehrsmittel und werden mit Vorliebe als Zugtiere benutzt. Gibt es nichts zu essen, so werden Hunde geschlachtet. Die Hunde ziehen den Schlitten mit einer Geschwindigkeit von 10 Kilometer pro Stunde. Tagelang fuhren wir durch die unendliche Einöde. 3m Winter sahen wir keine Sonne, nur ein roter Schein erhellte den Himmel. Die Tundra, diese unendliche Ebene, sieht aus wie ein Meer. 3n einer kleinen Siedlung hielten unsere Schlitten vor der Behausung des Steuerinspektors Wvl. Er ist Norweger von Geburt und lebt hier bereit« seit 20 Jahren. In seiner ) hantastischen Pelztracht sieht er aus wie ein nordischer Wiking. In seiner „Joronga" — einer typischen Eingeborenenbehausung — gibt es weder Stühle noch Tische. Man ißt auf dem mit Fellen bedeckten Boden. Außer Wvl wohnen in der armseligen Hütte mehrere Frauen, die zu seiner Verwandtschaft gehören. In der Hütte ist so stark geheizt, daß die Leute beinahe völlig unbekleidet herumlausen Die Stube ist entgegen meiner Erwartung sauber, ich bemerke sogar Zahnbürsten und Schwämme. An den Wänden hängen Strümpfe aus kostbaren Pelzarten. Ein kostbarer Pelz ist übrigen« in dieser Gegend ein ganz gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand. Der Steuerinspektor Wo! ist ein reicher Mann, er besitzt viele Hunde und gute Waffen. In der nächsten Siedlung leiden beinahe alle Eingeborenen an der Krätze. Wir fürchten uns, uns auf die Felle, die von Ungeziefer bedeckt sind, hinzulegen. 3n manchen Siedlungen spotten die hygienischen Zustände überhaupt jeber Beschreibung. Andrerseits findet man ganz unertoar et Spuren europäischer Zivilisation. In einet Joronga z. B. sahen wir ein Grammophon, in der anderen sogar ein Klavier, auf dem allerdings niemand spielen konnte und von dem man nicht wuftte, wie es hierher gebracht worden ist. In einer größeren Siedlung wurde vor kurzem eine Schule errichtet, die erste in dieser Gegend. Zweimal in der Woche versammeln sich junge Kamscha- balen aus der ilmgegenb, lernen lesen und schreiben unb hören sogar politische Vorträge an. Es wird aber noch sehr lange dauern, bis dieses vollständig wilde Volk der Zivilifation zugänglich gemacht werden kann." Dr. P.


